five bulb lights

Es geht beim Atomausstieg nicht um Maschinenstürmerei, sondern um eine Innovationsoffensive: Da sollte das @BMWK mal das Tempo erhöhen @digitalnaiv

atomic power station in overcast weather
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Kann sich noch jemand an die semantischen Atompilze eines gewissen Herrn Brüderle im Kreise der um Machterhalt bemühten Atomstrom-Lobbyisten erinnern. Damals schrieb ich ja regelmäßig meine Kolumne „Die liebwertesten Gichtlinge“ für „The European“ unter der Ägide des Gründungsherausgebers und Chefredakteurs Alexander Görlach. Ich war da einer der Rekordhalter, was die Zahl der Kolumnen angeht.

Jedenfalls schrieb ich im Jahr 2011, dass die FDP-Liebe zur zentralistisch organisierten und mit Steuergeldern vollgepumpten Atomindustrie als provinzielle Randnotiz oder Lachnummer in die Geschichtsbücher eingehen würde. Damals zitierte ich einen SZ-Beitrag von Christian Nürnberger: „Darf ein Staat die Atomenergie durchsetzen, obwohl keine Versicherung das Restrisiko versichert? Obwohl es keine Endlager für den Atommüll gibt? Und obwohl stets klar war, dass ein einziger Super-GAU das Vielfache dessen kosten wird, was zuvor von allen Atomkraftwerken zusammen erwirtschaftet worden war?“ Wenn es um die großen Themen wie die Sicherheitsüberprüfung aller Atomkraftwerke der EU-Mitgliedsstaaten geht, baut man auf Freiwilligkeit. Verbindliche Regelungen bewegen sich halt nur auf Glühbirnen-Niveau. Demokratie ist im Netzzeitalter kein Zuschauersport mehr, so der Slogan des Online-Netzwerks MoveOn. Das erleben wir nur noch in den Fernseh-Talkshows mit den immer gleichen Polit-Nasen, die ihre Worthülsen zum Besten geben. Die Laberkultur im Bescheidwisserduktus entspricht nicht mehr den Beteiligungsmöglichkeiten, die das Netz bietet. Egal ob nun Rote, Grüne, Gelbe oder Schwarze regieren, Hinterzimmerpolitik, Vereinsmeierei, Sesselkleber-Karrieren, Machtspielchen und alternativlose Politphrasen erzielen kaum noch Wirksamkeit. Liebwerteste Gichtlinge in den Parteien, reißt die Mauern eures engen Klosters nieder und führt ein freies Mönchsleben, wie es Francois Rabelais in seiner Abtei Thelema erdacht hat: „Wo Mauern sind, da ist hinten und vorn nur Murren und Knurren, Trauern, Versauern, Neid, einer macht wider den andern Meut.“ Das Leben der Thelemiten hingegen „ward nicht geführt nach Satzung, Regel noch Statuten, sondern nach eigner freyer Wahl!“

Zentralistisch, großindustriell, subventionsbelastet, wettbewerbsfrei – die Atomindustrie ist ein Fossil, schrieb ich in einem weiteren Beitrag für „The European“ vor 12 Jahren. Es ist höchste Zeit, unsere Energieversorgung anders zu organisieren. Dezentrale und hocheffiziente Konzepte versprechen die Energiewende und schaffen die Innovation gleich mit.

Die Romantiker des alten und überkommenen Industriekapitalismus zählen zur reaktionären Fraktion im Lande. Sie halten an einer Großtechnologie von vorgestern fest, um die liebgewonnenen Pfründe ihrer oligopolistischen Macht zu bewahren. Mit einer zentralistischen Energieversorgung lassen sich sattere Renditen einfahren. Wo käme man denn hin, wenn Städte und Kommunen auf dezentrale und hocheffiziente Konzepte setzen würden, sich abkoppeln von den Stromkonzernen und damit unabhängiger das Energiemanagement regeln. Das stinkt nach mehr Wettbewerb, schwächt die Möglichkeiten für politische Muskelspiele und verringert das Spielfeld für die Lobbyisten der zerbröselnden Deutschland AG. Wer von den Preisrisiken eines Atomausstiegs redet, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomenergie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man die Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen – Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte – müssten wir schon längst weitaus mehr für eine Kilowattstunde berappen.

Die Atomenergie bindet gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konserviert unwirtschaftliche Großorganisationen der Energiewirtschaft. Wenn wir eine Energiewende erreichen wollen, brauchen wir allerdings mehr als nur Anti-Atom-Demos. Wir benötigen „Technikoptimismus“, wir brauchen Hochleistungen der Ingenieure, Investitionen in moderne Infrastrukturen und Offenheit für neue Verfahren, Kraftwerke und Leitungen, auch wenn sie in der eigenen Nachbarschaft errichtet werden.

Wer Nein zur Atomenergie sagt, darf nicht gleichzeitig technische Innovationen behindern, die als Kompensation unverzichtbar sind. Jährlich fallen beispielsweise rund 400 Millionen Tonnen Abfälle, die man als Energiequelle nutzen könnte über mechanisch-biologische Verfahren in Kopplung mit Blockheizkraftwerken. Mit einem computergesteuerten Rotteverfahren kann man organische Abfälle trocknen, metallische Werkstoffe und mineralische Störstoffe aussortieren. Als Ergebnis entsteht ein kompaktes Endprodukt mit einem Brennwert auf dem Niveau von Braunkohle. Wird Energie aus Abfall mit einem hohen biogenen Anteil gewonnen, trägt das zudem zur Einsparung von klimarelevanten Kohlendioxid-Emissionen bei. Das Treibhauspotenzial wird um den Faktor 10 reduziert. Nur ein Beispiel, wie man die klimapolitischen Argumente der AKW-Befürworter kontern kann. Wenn wir den Atomausstieg wollen und die alten Energieträger in den Ruhestand verabschieden, brauchen wir eine neue Infrastruktur.

„Wir brauchen ein positives Leitbild, wie eine saubere, zukunftsfähige und sichere Energieversorgung gestaltet werden soll – national und auf europäischer Ebene. Viele Ansätze bestehen bereits; die müssen jetzt gebündelt werden“, sagte 2011 der IT-Fachmann Bernd Stahl. Der Branchenverband Bitkom hatte kürzlich auf der Cebit an die Bundesregierung appelliert, den Aufbau des sogenannten „Smart Grids“ zu forcieren. Nur im Zusammenspiel von Stromerzeugern, Netzbetreibern, Geräteherstellern, Unternehmen und Verbrauchern realisieren wir nicht nur eine grüne und smarte Energieversorgung. Die ITK-Branche tüftelt bereits an diesem intelligenten Stromnetz der Zukunft. Denn das Netz wird über das Internet gesteuert und reagiert flexibel auf die schwankende Einspeisung etwa durch Windkraft und Sonnenenergie. Erzeuger und Verbraucherhaushalte sind über intelligente Stromzähler und andere Geräte miteinander verbunden, so sollen zum Beispiel E-Autos automatisch Energie laden, wenn zu viel davon im Netz ist. Auch in Deutschland experimentieren Unternehmen und Forschungsinstitute, wie das Netz jederzeit fehlerfrei und mit garantierter Dienstgüte laufen kann. Ein zentraler Punkt: Die Sicherheit muss jederzeit gewährleistet sein:

„Die Netze müssen vorbereitet werden, damit in einem Katastrophenfall lebensvitale Funktionen nicht unkontrolliert wegbrechen“, so Stahl. Dem Smart Grid könnte dabei eine alte Technik helfen – das ISDN-Netz. Für manch einen noch als aktueller Standard angesehen, ist das ISDN-Netz längst veraltet. 15 Jahre ist die Hardware über den Daumen gepeilt im Einsatz – vergleichbar mit einem Computer aus dem Jahr 1995, der durchs Internet des Jahres 2011 kriecht. Doch das ISDN-Netz hat auch seine Vorteile: garantierte kurze Antwortzeiten zu jedem Ziel, sehr hohe Verfügbarkeit, Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz und ein kontrolliertes Verhalten im Katastrophenfall. Gerade im Notfall wird durch Prioritäten gesteuert, dass wichtige Einrichtungen bevorzugt versorgt werden. „Im Internet muss diese Kombination von Leistungsmerkmalen noch implementiert werden, damit es für Smart Grid und andere Applikationen robust genug ist“, sagt Stahl. Die Qualitätsmerkmale des ISDN müssen praktisch im Smart Internet der Zukunft neu erfunden werden, „so wie aus einer Raupe ein Schmetterling wird, wenn die richtige DNA vorhanden ist“, sagt Stahl. Eine ähnliche Metamorphose steht dem Smart Grid noch bevor. Es geht also beim Atomausstieg nicht um Maschinenstürmerei, sondern um eine Innovationsoffensive. Soweit mein Text 2011.

Was ist davon realisiert worden? Da ist eine Menge Luft nach oben. Und was schreibt der FAZ-Redakteur Marcus Theurer heute: Deutschland muss die fruchtlose Atomdebatte hinter sich lassen. Für das langfristige Gelingen der Energiewende ist sie ein Randthema. Die größere Herausforderung wird der Ausstieg aus der Kohle (nachzulesen bei Stefan Pfeiffer). Und ein paar andere Dinge, die ich in meiner The-European-Kolumne beschrieben habe.

Mit Gesterndebatten schaffen wir die Energiewende nicht. Mit den Anregungen meiner Kolumne vor 12 Jahren schon 🙂

assorted plastic bottles

Beliebtester Beitrag 2022 auf ichsagmal.com: Kunststoffrecycling braucht endlich technologische Innovationen

Der Roundtable über digitale Wasserzeichen zur besseren Verwertung von Kunststoffverpackungen ist der beliebteste Beitrag 2022 mit über 40.000 Aufrufen.

Das freut mich aus sehr unterschiedlichen Gründen: Es zeigt, dass das Interesse an einer Verbesserung der Kreislaufwirtschaft gigantisch groß ist. Gerade bei Plastik gibt es seit Jahrzehnten einen Bedarf an innovativen Technologien, um die Verwertung auf ein besseres Niveau zu bringen.

Der Anteil der Einwegverpackungen aus Plastik steigt und steigt, aber das Niveau der STOFFLICHEN Verwertung OHNE Exporte und OHNE die ominöse thermische Verwertung, die schlichtweg nur eine schnöde Verbrennung mit einem kümmerlichen Wirkungsgrad in Müllverbrennungsanlagen darstellt, ist dürftig.

Es fehlt darüber hinaus ein klares Bekenntnis zur Reduktion der Abfallberge via Monoverpackungen, mehr Mehrweg und technisch hochwertiges Recycling. All das kam in dem Roundtable im Allgäu zur Sprache.

Diskutanten waren: Michael Baumeister, COO von Brückner Maschinenbau; Guido Frohnhaus, technischer Geschäftsführer von Arburg; Thomas Hartkaemper, CEO von Kautex Maschinenbau; Bernd Reifenhäuser, CEO der Reifenhäuser Group; Guido Spix, Group President der Multivac-Gruppe. Mal schauen, welches Thema 2023 vorne liegt.

photo of person holding lensball

Werden wir eine Mehrweg-Ökonomie mit der neuen Verpackungsverordnung der EU-Kommission?

landfill near trees
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Die Europäische Kommission hat Ende 2022 einen Vorschlag zur Weiterentwicklung des EU-Verpackungsrechts vorgelegt. Er wird die bisherige Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWD) durch eine Verordnung ersetzen, um eine einheitliche Umsetzung zu erreichen und den Binnenmarkt zu stärken. Der Vorschlag geht zur Verabschiedung im Mitentscheidungsverfahren an das Europäische Parlament und den Rat. Dabei können Änderungen vorgenommen werden, falls beide Organe sie unterstützen werden. Die EU-Kommission verfolgt drei Ziele: die Vermeidung von Verpackungsabfall, den Aufbau hochwertiger Recyclingkreisläufe und die Schaffung eines gut funktionierenden Marktes für Sekundärrohstoffe

durch Mindest-Rezyklatanteile für bestimmte Kunststoffverpackungen.

Mit dieser Initiative sollen drei miteinander verknüpfte Problemgruppen angegangen werden: 

  1. das wachsende Aufkommen von Verpackungsabfällen in Verbindung mit einer Zunahme von Einwegverpackungen, einem hohen Anteil an vermeidbaren Verpackungen und einem größeren Anteil von Kunststoffen am Verpackungsmix.  
  2. Hindernisse für die Kreislauffähigkeit von Verpackungen, insbesondere die zunehmende Verwendung von Verpackungsdesign-Merkmalen, die das Recycling behindern, und die verwirrende Kennzeichnung von Verpackungen für die Sortierung durch den Verbraucher. Außerdem verhindern fragmentierte Märkte eine kosteneffiziente Abfallbewirtschaftung in einem Binnenmarkt. 
  3. das Downcycling und die geringe Verwendung von recycelten Inhalten in Verpackungen, was die Fähigkeit der EU einschränkt, die Verwendung von Neumaterialien in neuen Verpackungen zu reduzieren. Zu den Ursachen für diese Probleme gehören regulatorische Versäumnisse der PPWD, die auf eine Mischung aus mangelhafter Umsetzung und Durchsetzung zurückzuführen sind, die nicht auf dem neuesten Stand der Marktentwicklungen sind und den nationalen Behörden nicht genügend Klarheit über eine richtlinienkonforme Umsetzung bieten. Außerdem konzentrierte sich die Überarbeitung von 2018 nur auf die Recyclingziele und ließ die anderen Herausforderungen des Abfallsektors außer Acht.

EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans und Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius betonen, dass der Verordnungsvorschlag ein verbindliches Ziel für die Abfallvermeidung einführt. Der Entwurf fordert eine Reduzierung der jährlichen Pro-Kopf-Menge an

Verpackungsabfall um fünf Prozent bis 2030, um zehn Prozent bis 2035 und 15 Prozent bis 2040. Die Vergleichsbasis ist dabei das Jahr 2018. Diese Zielsetzungen sind nach Aussage Sinkevičius‘ notwendig, weil in den vergangenen Jahren die Menge an Verpackungsabfällen stärker gewachsen ist als das Recycling. Das Aufkommen hat den Angaben der Kommission zufolge in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 20 Prozent zugenommen und erreichte 2020 in den 27 EU-Staaten 79,3 Mio Tonnen, was einer Durchschnittsmenge von 177 kg pro Person entsprach.

Bis 2030 wird ein Anstieg um weitere 19 Prozent erwartet, falls keine Maßnahmen ergriffen werden. Für Plastik wird sogar ein Zuwachs von 43 Prozent prognostiziert.

Sinkevičius wies auch darauf hin, dass 2020 nur rund 65 Prozent der Verpackungsabfälle recycelt worden seien. Sowohl er als auch Timmermans merkten an, dass es nicht möglich sei, sich aus einem wachsendem Abfallstrom „herauszurecyceln“.

Die Mindestquoten für das Recycling, die in der aktuellen Verpackungsrichtlinie für den Zeitraum bis 2030 festgelegt sind, werden in dem Verordnungsvorschlag nicht geändert. Die Kommission wird jedoch beauftragt zu überprüfen, ob die Quoten erhöht oder neue Vorgaben festgelegt werden sollen. Gegebenenfalls soll sie spätestens acht Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung einen entsprechenden Änderungsvorschlag vorlegen.

Damit die Vermeidungsziele erreicht werden können, setzt der Verordnungsvorschlag auf die Nachfüllung von Behältern und auf verbindliche Quoten für die Nutzung von Mehrwegverpackungen in bestimmten Anwendungsbereichen. Deren Anteil sei in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen, berichtet die Kommission. Für kleine Unternehmen mit einer

Verkaufsfläche von maximal 100 Quadratmetern ist eine Ausnahmeregelung vorgesehen. Timmermans, dass es das Wesen von Entwürfen sei, noch nicht fertig zu sein, und hob hervor, dass überhaupt Zielsetzungen für die Wiederverwendung eingeführt würden: „Wir schaffen eine völlig neue Wirtschaft, eine Mehrwegwirtschaft“, so Timmermans. Er unterstrich den positiven Beschäftigungseffekt der Mehrwegziele. Laut der Folgenabschätzung für den Vorschlag werden sie rund 600.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Aber schon beim Einsatz von Mehrweg in der Gastronomie erkennt man, wie schwerfällig gesetzliche Vorgaben ablaufen.

Die Treibhausgasemissionen würden durch die Gesamtheit der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen den Angaben zufolge um 43 Millionen Tonnen gesenkt und der Wasserverbrauch um 1,1 Millionen Kubikmeter verringert.  Der Vorschlag der Kommission fordert eine Optimierung bei der Verpackungsgestaltung – also ein Reduktion von Gewicht und Volumen. Um Überverpackung zu verhindern, sieht der Verordnungsvorschlag vor, dass Sammelverpackungen, Transportverpackungen und Verpackungen für den Online- und Versandhandel maximal 40 Prozent Leerraum aufweisen dürfen.

Der EU-Vorschlag sieht zudem eine Pfandpflicht für die Mitgliedstaaten zur Schaffung von Pfandsystemen für Einweg-Getränkeverpackungen ab Jahresbeginn 2029 vor. Betroffen sind Plastikflaschen und Metallbehälter mit einem

Fassungsvermögen von jeweils bis zu drei Litern. Die Pfandpflicht gilt nicht für Wein, aromatisierte Weinprodukte, Spirituosen sowie Milch und Milchprodukte. Eine Ausnahmeregelung ist für Mitgliedstaaten vorgesehen, die 2026 und 2027 mehr als 90 Prozent der jeweiligen Verpackungsformate getrennt sammeln. Sie erlischt jedoch, falls die Sammelquote in drei aufeinanderfolgenden Jahren unter 90 Prozent fällt. Der Vorschlag fordert außerdem von den Mitgliedstaaten, sich zu „bemühen“, für Einweg-Glasflaschen, Getränkekartons und für wiederverwendbare Verpackungen Pfand- und Rücknahmesysteme einzuführen. Sie sollen außerdem sicherstellen, dass für Endverbraucher die Rückgabe von Mehrwegverpackungen ebenso bequem ist wie die von gleichartigen bepfandeten

Einwegverpackungen. In Deutschland hat das Pflichtpfand für Einweg zu einer Abschwächung der Mehrwegquote auf unter 50 Prozent beigetragen. 

Die Analyse der EU-Kommission:

Die spezifischen Ziele zur Erreichung dieses allgemeinen Ziels sind:  1. Verringerung der Erzeugung von Verpackungsabfällen 2. Förderung einer kosteneffizienten Kreislaufwirtschaft für Verpackungen 3. Förderung der Verwendung von recyceltem Inhalt in Verpackungen WELCHE POLITISCHEN MÖGLICHKEITEN sind verfügbar? Nach dem Screening der potenziellen Maßnahmen wurde eine Reihe unterschiedlicher, komplexer und oft miteinander verbundener Maßnahmen zu drei politischen Optionen zusammengefasst: -Option 1 umfasst die Maßnahmen im Zusammenhang mit einer besseren Normung und klareren grundlegenden Anforderungen. Diese Maßnahmen sind in der Regel die Voraussetzung für Maßnahmen in anderen Gruppen. – Option 2 enthält verbindliche Zielvorgaben für die Abfallverringerung, die Wiederverwendung und den Anteil an stofflich verwerteten Materialien in Kunststoffverpackungen, Anforderungen zur Gewährleistung der vollständigen Recyclingfähigkeit bis 2030 und harmonisierte Produktvorschriften. Option 3 enthält höhere verbindliche Ziele und zusätzliche Produktanforderungen. Auf der Grundlage der Bewertung der in den Optionen kombinierten Maßnahmen ist die bevorzugte Option insgesamt die Option 2 in Form einer Verordnung. Sie enthält die Maßnahmen der Option 1, die die Erreichung der verbindlichen Ziele und strengeren Anforderungen in einem ausgewogenen Ansatz unterstützen oder sogar voraussetzen, und fördert so die Erreichung der Ziele und die Kosteneffizienz. Die wichtigsten Maßnahmen im Interventionsbereich „Vermeidung und Wiederverwendung“ sind: 1. ein Ziel für die Verringerung der Verpackungsabfälle pro Kopf um 19 Prozent bis 2030 im Vergleich zum Ausgangswert, was einer Verringerung um 5 Prozent gegenüber den Werten von 2018 entspricht, 2. EU-weite verbindliche Ziele für die Wiederverwendung oder Wiederbefüllung von Verpackungen, wo die Wiederverwendung am wirksamsten ist, und 3. die schrittweise Abschaffung unnötiger oder vermeidbarer Verpackungen.  Ein wichtiger Punkt ist die Komplementarität und Kohärenz der Maßnahmen. Die Festlegung verbindlicher Zielvorgaben für die Verringerung der Verpackungsabfälle pro Kopf auf der Ebene der Mitgliedstaaten ist eine Chapeau-Maßnahme im Interventionsbereich der Vermeidung und Wiederverwendung, zu der mehrere Maßnahmen beitragen: Während die harmonisierten Maßnahmen der EU zu fast 60 Prozent der erforderlichen Abfallverringerung beitragen sollen, müssen die Mitgliedstaaten den Rest mit nationalen, binnenmarktkonformen Maßnahmen sicherstellen.  Die wichtigste Maßnahme in Bezug auf die Recyclingfähigkeit ist die Festlegung von Kriterien für die recyclinggerechte Gestaltung, die durch ein Verfahren zur Bewertung der Recyclingfähigkeit ergänzt werden. 

Was die Kompostierbarkeit betrifft, so wurden aus einer größeren Gruppe von Verpackungen, die für die Kompostierung in Frage kommen, vier Kunststoffverpackungen ausgewählt, die kompostierbar sein müssen. Alle anderen Kunststoffverpackungen müssen chemisch oder mechanisch recycelbar sein, damit sie recycelt werden können. Ein weiterer Bestandteil des Pakets sind ehrgeizige Zielvorgaben für den Anteil an recycelten Kunststoffverpackungen. Die wichtigsten der verschiedenen Maßnahmen sind die Einrichtung obligatorischer Pfandsysteme für bestimmte Verpackungsarten, einschließlich Mindestanforderungen für alle Pfandsysteme, sowie eine harmonisierte Kennzeichnung von Produkten und Abfallbehältern, um den Verbrauchern das Sortieren zu erleichtern. 

Die Analyse ergab, dass die Maßnahmen der Option 1 allein nicht ausreichen, um das Verpackungsaufkommen zu verringern, d. h. die Verpackungsabfälle würden bis 2030 um weitere 17 Prozent zunehmen. Darüber hinaus würden sich die Recyclingquoten nicht erhöhen, und auch das hochwertige Recycling und die Ressourceneffizienz würden nicht verbessert. Schließlich würden die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2018 weiter ansteigen. Auf der anderen Seite ist das gesamte Maßnahmenpaket der Option 3 alternativ oder zusätzlich zu den Maßnahmen der Option 2 wesentlich schwieriger umzusetzen, könnte die wirtschaftliche Lebensfähigkeit gefährden und würde einen erheblich höheren Verwaltungsaufwand verursachen. Umgekehrt sind die zusätzlichen Umweltvorteile weniger bedeutend. Es wurde jedoch eine sorgfältige Einzelfallprüfung der Kernmaßnahmen vorgenommen, um Elemente außerhalb der Maßnahmen der Option 2 aufzuspüren, um gegebenenfalls das Subsidiaritätsprinzip besser zu respektieren, die einschlägigen Standpunkte der Interessengruppen zu berücksichtigen und die Durchführbarkeit zu verbessern. Daher ist das bevorzugte Maßnahmenpaket eher die „Option 2+“ als die reine Option 2. 

Das ist noch ein weiter Weg, wie wir in einem Experten-Roundtable festgestellt haben:

shallow focus photography of light bulbs

„Wir haben eine stromfokussierte Energiewende“: Wir brauchen auch eine Wärmewende @AnneWillTalk

huge cooling towers in nuclear power plant
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Da hat Lamia Messari-Becker vollkommen recht.

Etwa bei der Wärmeversorgung. Wenn ich mir da die Wirkungsgrade von Kraftwerken anschaue, dann ist das schlichtweg ein Witz.

Man braucht sich nur die Müllverbrennungsanlagen der Kommunen anschauen, die einem als Anlagen für die Wärmegewinnung untergejubelt werden.

Und das Fachpersonal für die Energie- und Wärmewende fehlt:

Siehe auch:

ABSCHLUSSBERICHT DES KLIMARATS:Sicher ist, so wird das nichts

Fachpersonal gesucht.

close up photo of plastic bottle

Indikatoren für ein schwaches Ökobewusstsein: Die Vermüllung der Städte – Auch in Bonn ein Problem

Schein und Sein beim ökologischen Bewusstsein mache ich an verschiedenen Indikatoren fest. Etwa an der im freien Fall befindlichen Mehrwegquote in Deutschland, die vor 30 Jahren mal bei 70 bis 80 Prozent lag und nun auf unter 50 Prozent gefallen ist, so dass Mehrweggebinde wirtschaftlich gar nicht mehr abgefüllt werden können. Der gestiegene Pro-Kopf-Verbrauch an Einwegverpackungen zählt dazu und die Vermüllung der Städte, der Autobahn-Raststätten, der Bahnhöfe, der Gleisanlagen und vieles mehr. Es stinkt zum Himmel im wahrsten Sinne des Wortes: „Immer mehr wilder Müll in den Städten“, so die Headline der FAZ am 12. März:

„In vielen deutschen Städten landet mehr Müll auf der Straße als früher. Das kann das kleine Kaugummipapier sein, das im Gehen achtlos auf den Bürgersteig geworfen wird, häufig als ‚Litter‘ bezeichnet. Oder es können ganze Müllsäcke, Kühlschränke, Elektrogeräte sein, die irgendwo abgelegt werden, heimlich und nachts. Die stehen dann dort, bis sich jemand beschwert und die Stadt den sogenannten wilden Sperrmüll abholt und ordnungsgemäß entsorgt.“

Wird das nicht beseitigt, steigen die Mengen weiter an. So etwas spricht sich herum. Das ist auch in der ach so bildungsbürgerlichen Stadt Bonn vermehrt zu beobachten. Etwas das Foto oben am Rad- und Gehweg, der direkt an der Bahnstrecke entlang führt. Das ist nur ein Foto von vielen wilden Müllplätzen, die sich dort gebildet haben. Obiges Foto habe ich in Friesdorf gemacht. Die Nummer an der Gleisanlage ist eine kleine Orientierung.

Auch in Duisdorf, an den Containern für Altpapier und Altglas sowie bei den Containern für Altkleider passiert Ähnliches.

Letztlich ist das ja unser erweitertes Wohnzimmer. Wir vermüllen ja auch nicht die eigene Wohnung mit so einem Dreck.

Nach meiner Beobachtung nimmt diese Littering-Problematik zu.

@AWI_de Deutscher und europäischer Plastikmüll in der Arktis: Abfallmanagement dringend verbessern – #Mehrwegökonomie vonnöten @vonderleyen

Auswertungen des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) ergeben, dass Plastikmüll inzwischen selbst in abgelegenen arktischen Regionen allgegenwärtig ist.

Fischereibezogene Abfälle deuten auf lokale, seegestützte Quellen von Schiffen hin, die in der Arktis und in der Nähe operieren. Fast ein Drittel der gefundenen Artikel (30%) ist europäischer Herkunft, insbesondere aus Deutschland (8%). Fünf Prozent stammten aus weiter entfernten Quellen (z. B. USA, China, Korea, Brasilien). „Globale Maßnahmen wie ein wirksames und rechtsverbindliches Abkommen über Kunststoffe mit verbesserten vorgelagerten Maßnahmen und Abfallmanagement sind dringend erforderlich, um die Menge an Kunststoffen, die in unsere Umwelt gelangen, zu verringern und damit den Druck auf die arktische Region und ihre empfindliche Tierwelt zu verringern“, schreiben Anna Natalie Meyer, Birgit Lutz und Melanie Bergmann in einem Fachbeitrag.

Das wird nicht reichen. Die Pflicht zur Getrenntsammlung haben wir in Deutschland mittlerweile seit rund 33 Jahren. Es wird Zeit, das Regime der Gelben Tonnen und Säcke zu überdenken.

Besser wäre es, das Pfandsystem für Plastik auszuweiten und nicht nur die Getränkeverpackungen damit zu erfassen. Hier erhöht sich die Rücknahmequote und das Material liegt direkt sortenrein zur Verarbeitung für neue Produkte vor.

Entsprechende Vorschläge hat die EU-Kommission und Christian Traumann vom Maschinenbauunternehmen Multivac gemacht.

Wir haben diesen Ball aufgenommen in unserem Bonner Roundtable:

Wachstumsmarkt für Alternative Proteine – Fachtagung im Allgäu #FutureProteins #BALPro

Alternativen Proteinen ist der Sprung aus der Nische in den Mainstream gelungen. Doch der Einstieg in den Wachstumsmarkt ist eine Herausforderung. Was sind die Produkt- und Markttrends? Wie produziere ich ein leckeres und gesundes Produkt? Und wie kann ich meine Produktion effizient, nachhaltig und sicher gestalten? Diese und viele weitere Fragen behandelte die Konferenz „Future Proteins“, die MULTIVAC und Handtmann in Wolfertschwenden abhielten.

An drei Konferenztagen boten die Veranstalter den Besucher ein volles Programm, unterstützt durch den Branchenverband der Alternativen Proteinquellen (BALPro). Dazu zählten Vorträge externer Speaker aus Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft mit anschließenden Podiumsdiskussionen – unter anderem zu Produkttrends, Chancen der Marktpositionierung und Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck von Verpackungen über den gesamten Lebenszyklus zu reduzieren. „Das Feedback der Konferenzteilnehmer war hervorragend“, so Harald Suchanka, CEO von Handtmann.

Unter dem Begriff Alternative Proteine werden Substitute für tierische Proteine und deren Ursprung verstanden, wie Milch, Eiern, Fleisch und daraus hergestellten Produkten. Zudem werden darunter auch neue Quellen wie Pflanzen, Pilze, Insekten, Bakterien oder Einzeller subsumiert, die dem Ersatz gängiger pflanzlicher Rohstoffe wie Sojabohnen oder Getreide dienen können. 

Alternative Proteine werden als maßgebliche Ergänzung der Nahrungsversorgung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung angesehen – Grundlage vieler Anträge auf Forschungsförderung. 

Die Umstellung auf alternative Proteine ist die kapitaleffizienteste und wirkungsvollste Lösung zur Bewältigung der Klimakrise, denn alternative Proteine sparen pro investiertem US-Dollar die meisten Emissionen. Sie sind damit mindestens doppelt so effektiv wie Investitionen in die Dekarbonisierung von Zement, Eisen, Stahl, Chemikalien oder des Verkehrssektors. Das lockt immer mehr Geldgeber an. Das in alternative Proteine investierte Kapital ist von einer Milliarde Dollar im Jahr 2019 auf fünf Milliarden im Jahr 2021 angestiegen – eine jährliche Zuwachsrate von 124 Prozent. Investments sind dabei zunehmend global und beschränken sich nicht mehr nur auf Wagniskapital.

Hier sehe ich den wichtigsten Hebel zur Etablierung von Produkten auf Basis von alternativen Proteinen.

Wir diskutierten das ausführlich mit Fachleuten im Allgäu.

Energiewende mit Wasserstoff? Livetalk mit David Novak

Gespräch mit Dr. David Novak, Co-Autor des Buches „Wasserstoff: Technik, Projekte, Politik“, erschienen im Wiley-Verlag.

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Ausfuhrverbot für #Plastik

Mehr als 32 Millionen Tonnen Abfall hat die Europäische Union zuletzt jährlich in Drittstaaten exportiert. Das berichtet die FAZ: „Insbesondere die Ausfuhr von Plastikmüll in Länder wie Malaysia oder die Türkei führt so zu Umweltproblemen und der Vermüllung der Weltmeere, kritisieren Umweltschützer. Das EU-Parlament will deshalb nun zumindest die Ausfuhr von Plastikmüll verbieten.“

Die Europaabgeordneten sprachen sich dafür aus, die Ausfuhr in alle Staaten, die nicht zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehören, sprich nach Afrika und in große Teile Südamerikas sowie Asiens, sofort zu untersagen.

„Für die OECD-Staaten soll das Ausfuhrverbot nach einer Übergangsfrist von vier Jahren in Kraft treten. Das Europaparlament verschärfte damit einen entsprechenden Gesetzesvorschlag der Europäischen Kommission vom November 2021 für die Ausfuhr von Müll. Die Kommission hatte sich dafür starkgemacht, dass Nicht-OECD-Staaten künftig einen Antrag stellen müssen, bevor die EU die Ausfuhr in diese Länder erlaubt. Dazu sollten sie belegen, dass der Müll umweltgerecht entsorgt oder wiederverwertet wird. Darüber hinaus wollte sie auch die Ausfuhr in OECD-Länder stärker überwachen und im Zweifelsfall verbieten. Auf ein generelles Exportverbot für die als besonders problematisch geltenden Plastikabfälle hatte die Kommission aber verzichtet“, so die FAZ.

Es gibt also einen erheblichen Nachholbedarf, Altplastik als Ersatz für Neuware zu nutzen oder gar die Wiederverwendung zu verbessern. Ein gangbarer Weg wäre die Ausweitung des Pflichtpfandes und eine Vollautomatisierung bei der Sortierung.

Wir diskutierten in einem Roundtable in Bonn über die Rechtsverordnung der EU-Kommission zur Reduktion des Verpackungsmülls mit: Sascha Schuh (Ascon), Stefan Scheibel (Multivac), Thomas Morgenstern (Tomra), Heino Claussen (R-Cycle), Moderation: Gunnar Sohn. Technik, Regie: Constantin Sohn.

Die EU-Kommission will die bisherige Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle durch eine Verordnung ersetzen. Anders als Richtlinien sind Verordnungen nach Inkrafttreten unmittelbar in den Mitgliedstaaten gültig. Die bisherige Gesetzgebung habe ihre allgemeinen Umwelt- und Binnenmarktziele nicht erreicht. Als Beispiele für Bereiche, in denen Harmonisierung erforderlich ist, nennt der Entwurf Nachhaltigkeitsanforderungen für Verpackungen, Kriterien für die „Öko-Modulierung“ der Beiträge zu Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung und Kennzeichnungsvorschriften: „Wir schaffen eine völlig neue Wirtschaft, eine Mehrwegwirtschaft“, sagt EU-Kommissionsvize Frans Timmermans. 1. Ziel für die Verringerung der Verpackungsabfälle pro Kopf um 19 Prozent bis 2030 im Vergleich zum Ausgangswert, was einer Verringerung um 5 Prozent gegenüber den Werten von 2018 entspricht. 2. EU-weite verbindliche Ziele für die Wiederverwendung oder Wiederbefüllung von Verpackungen, wo die Wiederverwendung am wirksamsten ist. 3. Die schrittweise Abschaffung unnötiger oder vermeidbarer Verpackungen.

Hier die komplette Aufzeichnung der Expertenrunde in Bonn:

Proposal for a Regulation of the European Parliament and the Council on packaging and packaging waste, amending Regulation – Recommendations for @TimmermansEU Virginijus Sinkevičius

In einer Pressekonferenz zur Präsentation des Vorschlags hoben EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans und Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius hervor, dass der Verordnungsvorschlag ein verbindliches Ziel für die Abfallvermeidung einführt. So fordert der Entwurf Wie bereits der Entwurf eine Reduzierung der jährlichen Pro-Kopf-Menge an Verpackungsabfall um fünf Prozent bis 2030, um zehn Prozent bis 2035 und 15 Prozent bis 2040. Die Vergleichsbasis ist dabei das Jahr 2018.

In Bonn gab es ein paar Änderungswünsche zum Entwurf der Rechtsverordnung.