Mit schlauen Technologien gelingt die Energiewende und gelingen nachhaltige Strategien der Unternehmen. Was man jetzt schon tun kann, wollen wir im Livestream thematisieren.
2011 schrieb ich folgende Kolumne für das Debattenmagazin „The European“: Der Herr Dr. Schäfer, Leiter Recht und Steuern vom Gesamtverband textil+mode, hat ein sehr metaphorisches Verhältnis zum Schaf. Denn in seinem „Powerpoint-Vortrag auf dem Nachhaltigkeitskongress des Vergabeblogs im Bonner Beschaffungsamt stellte er sich mit dem Foto eines Schafes vor. Wenn man Schäfer heißt, ist das naheliegend. Früher weidete das Schaf in Deutschland und die Wolle wurde im eigenen Land verarbeitet. Von der Spinnerei, über die Weberei und Färbung bis zum Nähen. Dann wurden die Endprodukte verkauft. Heute sei ja alles so komplex, kompliziert und internationalisiert. Es seien so viele Akteure mit im Spiel, dass es sehr schwierig sein wird, einen nachhaltigen Einkauf sicherzustellen. Und wenn dann noch NGOs mit ihren Wünsch-Dir-was-Vorstellungen kommen, dann gewinnt man den Eindruck, hier gehe es gar nicht mehr um Wirtschaftlichkeit. Mit dem bunten Strauß an Vorschlägen, den die NGOs für die Nachhaltigkeit machen, bleibe der Gewinn auf der Strecke. Zudem sei das mit dem Vergaberecht auch so eine problematische Sache. Wenn der Staat das Anspruchsniveau anhebt, fallen die deutschen Anbieter weg. Die Bedenkenträger der Industrie verweisen auch gerne auf die Vergaberechtskammern des Bundeskartellamtes und die höchstrichterliche Rechtsprechung. Hier wurde in der Vergangenheit immer wieder propagiert, dass das Vergaberecht ausschließlich der Wirtschaftlichkeit und dem Wettbewerb zu dienen habe. Wenn jetzt ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichrangig – also auch durchaus konkurrierend – Geltung haben sollen, passt dies nicht in das bisherige Denk- und Handlungsschema.
In den Eignungskriterien, bei denen es bekanntlich auch um Zuverlässigkeit und Gesetzestreue geht, braucht es mehr Flexibilität in der Entscheidungsfindung. Bisher darf die Eignung nur als starres Ja/Nein-Kriterium verwendet werden. Die Lösung wäre, die Eignungskriterien im Wettbewerb skalierbar und bewertbar zu machen – und damit auch nachhaltige Gesichtspunkte verlässlich dargestellt, bewertet und verglichen werden können. Wenn es die Bundesregierung ernst meint mit dem nachhaltigen Einkauf, könnte sie auch das Vergaberecht ändern, so der Naturwissenschaftler und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker: „Dann müsste man bei den Lieferketten natürlich etwas größere Anstrengungen unternehmen, sowohl auf der Seite des Beschaffungsamtes als auch auf Seiten der zuliefernden Industrie.“ Es gebe zudem noch keine internationale Durchsetzung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation. „Wenn aber der Druck aus Deutschland und anderen Ländern zunimmt, nimmt natürlich auch der Druck auf die Zulieferer der Zulieferer zu“, erläutert „Weizsäcker im Interview(Link)“:http://soundcloud.com/gsohn/weizs-cker-gr-ssere. Einen interessanten Vorschlag in dem komplexen Gefüge von internationalen Lieferketten machte Klaus-Peter Tiedtke, Direktor des Beschaffungsamtes: „„Es gibt NGOs, die sich ernsthaft darum bemühen, die Lieferketten zu durchleuchten und transparent zu machen: Da gibt es Vieles, das längst funktioniert.
Aber da gibt es ja noch das Schaf von Herrn Schäfer, das unter Kontrollverlust leidet. Nun nehmen wir einfach mal an, das Schaf von Herrn Schäfer wird geschlachtet. Dann läuft eine ebenso komplexe und nicht weniger anspruchsvolle Kette irgendwann zum Supermarkt meines Vertrauens (Kühlkette, Lebensmittelhygiene zu beachten – muss man in der Textilindustrie nicht). Die Verkäuferin kann mir über eine vernetzte und intelligente Display-Waage mitteilen, wo das Schaf weidete, was es gefressen hat, wie es gefüttert wurde, wann und wo es geschlachtet wurde, wie und wo es verarbeitet wurde und welcher Teil des Schafes als Lammbraten auf meinem Teller landet. Wenn ich möchte, bekomme ich diese Informationen auf meinem Einkaufsbon ausgedruckt, zusammen mit einer Rotwein-Empfehlung und einem Rezept von Alfons Schuhbeck. Entweder ist das Schaf von Herrn Schäfer schizophren oder die Textilketten leiden unter Alzheimer. Selbst Hersteller von Hundefutter sind schon weiter.
Und stellen wir uns einmal vor, man stellt eine ordentliche Kostenrechnung für das Schaf in der Textilkette auf – etwa bei der Herstellung eines T-Shirts. Was wäre, wenn sich die bislang nicht berücksichtigten ökologischen und sozialen Kosten genau quantifizieren und zuordnen ließen? Das günstigste T-Shirt wäre dann jenes, dessen Produktion Umwelt und Gesellschaft am wenigsten schadet. Schnäppchen-Jäger würden dann, ohne es zu wollen, einen positiven Beitrag für die Nachhaltigkeit leisten. Es gibt mittlerweile internationale Indizes, die es möglich machen, diese Standards durchzusetzen. Beispielsweise den Value Chain Index (VCI). Damit kann man Produkte während ihrer gesamten Entwicklungsphase detailliert miteinander vergleichen – „vom Rohstoff bis zum verbrauchten, entsorgten Erzeugnis“, schreiben Yvon Chouinard, Jib Ellison und Rick Ridgeway in einem Beitrag für die Dezemberausgabe vom „Harvard Business Manager“. Ellison ist Strategieberater für nachhaltiges Wirtschaften. Chouinard und Ridgeway sind vom Outdoorbekleidungs-Unternehmen Patagonia. Sie verweisen auf Organisationen wie „Witness(Link)“:http://witness.org, die es dem Otto-Normal-Verbraucher ermöglicht, unsaubere unternehmerische Aktivitäten auf der ganzen Welt aufzudecken. Ein Mausklick reiche heute aus, um soziale und ökologische Fehltritte öffentlich zu machen. Witness tituliert das als „Video Advocacy“ und legt den Aktivisten die Maxime nahe: „See It, Film It, Change It“. All das werde die Nachhaltigkeit vorantreiben, so die drei Autoren: „Das führt geradezu zwangsläufig dazu, dass ein erfolgreiches Unternehmen künftig im Einklang mit den Interessen unseres Planeten wirtschaften wird und muss – wie es von vielen bereits seit Langem angestrebt wird.“ Die liebwertesten Gichtlinge der Industrie und Politik sind unter Zugzwang: Laut aktueller Studie im Auftrag der Otto Group verliert die Wirtschaft ebenso wie die Politik rasant an Vertrauen in der Bevölkerung. Profiteure sind die NGOs: 91 Prozent der Deutschen vertrauen ihnen, nur jeder Dritte den Unternehmen.
Ende der Kolumne. Was hat sich in den vergangenen 12 Jahren eigentlich verbessert?
Seit Jahrzehnten berichte ich nun schon über den Niedergang des Mehrwegsektors bei Getränken und nun kommen Lidl sowie die FDP mit der Behauptung um die Ecke, es fehle an Ökobilanzen. „Mit dem Ziel der Abfallvermeidung wurde im Jahre 2019 im Verpackungsgesetz festgelegt, den Anteil von Mehrweg bei Getränkeflaschen auf mindestens 70 Prozent zu steigern. Noch setzt die Politik dabei auf Freiwilligkeit. Doch mit einem Mehrweganteil von nur rund 43 Prozent wird die gesetzliche Zielmarke weit verfehlt. Deswegen fordern die Mehrweg-Vertreter eine Abgabe auf Einwegflaschen oder eine verpflichtende Mehrwegquote – am besten beides zusammen. Genau solche Maßnahmen will Lidl verhindern“, schreibt die FAZ. Argument von Judith Skudelny, umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, gegenüber der FAZ: „Wenn die Kunden Getränke in Mehrwegflaschen kaufen möchten, gibt es genügend Märkte mit einem entsprechenden Sortiment.“ Im Übrigen sei es nicht so, dass Mehrweg stets vorteilhaft sei, wenn man etwa an die ökologischen Kosten langer Transportwege für schwere Flaschen aus Glas denke. Es sei bedauerlich, dass wegen der Lidl-Kampagne nun wieder Regularien gegen Einweganbieter ins Spiel gebracht würden. „Wir sollten uns doch lieber freuen, dass es Lidl gelungen ist, mit seinem Einwegsystem einen ökologischen Weg zu finden“, so die FDP-Politikerin.
Faktisch hat die Niedrigpreis-Politik der Discounter, die schon immer nur auf Einweg gesetzt haben, zu einem Niedergang der mittelständischen Getränkebetriebe geführt, die auf einheitliche Flaschen, einheitliche Mehrwegkästen und dezentrale Rücknahme gesetzt haben. Das wurde von den Discountern zu Lasten des Mittelstandes und zu Lasten der Mehrwegquote pulverisiert. Man hat die mittelständische Mehrwegbranche soweit ruiniert, dass nun das Argument der Transportwege und das Gewicht von Glasflaschen als Argument gegen Mehrweg ins Feld geführt wird. Ähnlich argumentierten ja auch einige Beethoven-Freunde in Bonn. Die Beethovenhalle wurde in den vergangenen Jahrzehnten derartig heruntergewirtschaftet, dass nur noch ein Abriss als sinnvolle Maßnahme dargelegt wurde. Alles nur Rabulistik.
Mit der Glasflasche sind 50 Umläufe oder mehr möglich. Da kann Einweg-Plastik nicht mithalten. Entscheidend für alle Getränkearten:
Einigt Euch auf einheitliche Flaschen und einheitliche Mehrwegkästen für unterschiedliche Abfüllmengen: 0,33 Liter, 0,5 Liter und 1,5 Liter. Das Marketing läuft über das Etikett und die klassische Werbung. Das muss doch machbar sein.
Vor Ewigkeiten schrieb ich diesen Artikel: „Politik liefert den Discountern kostenloses Kundenbindungsprogramm“
Auszug: Die Preise für Mineralwasser haben in den vergangenen Jahren stetig nachgegeben. Discounter wie Lidl und Aldi verkaufen zurzeit eine 1,5-Liter-Flasche für 19 Cent, das ist billiger als das Pfand, das pro Einwegflasche erhoben wird. „Für die mittelständischen Anbieter, von denen es in der Region Stuttgart noch etliche gibt, sind die Gewinnspannen kleiner geworden, und die Arbeitsplätze unsicherer. Zurzeit bangen etwa die Beschäftigten des Abfüllbetriebs der Mineralbrunnen AG in Waiblingen-Beinstein um ihre Arbeitsplätze. Bis Mitte Juli soll ein Gutachter entscheiden, ob der Traditionsbetrieb, der Mineralwasser in Mehrwegglasflaschen abfüllt, eine Zukunft hat“, so die Stuttgarter Zeitung
„Die Todesspirale für den Mittelstand ist in vollem Gange. Einen vergleichbaren Preisunterschied zwischen Discountern und dem Getränkehandel mit einem Faktor von 4,5 findet man in keinem anderen Zweig der Lebensmittelbranche. Die Politik liefert den Discountern ein kostenloses Kundenbindungsprogramm. Normalerweise kalkulieren diese Konzerne einen Erlös von 10 Prozent. Mit den Pfandeinnahmen über die nicht zurückgebrachten Einwegflaschen erwirtschaften die Discounter mit dem Segen der Bundesregierung eine Spanne von über 40 Prozent. Die lachen sich ins Fäustchen“, monierte damals Ullrich Schweizer, Marketing-Geschäftsführer der Firma Hassia Mineralquellen.
Durch die eingesparten Gebühren für den Grünen Punkt, durch Pfandschlupf und Recyclingeinnahmen für das sortenreine Verpackungsmaterial erzielen die Discounter nach Berechnungen von Branchenexperten jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. Mit diesem Geld könnten sie über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten. Es gebe nach Erkenntnissen von Schweizer keine anderen Sortimentsbestandteile, wo Discounter soviel verdienen könnten. Die Speerspitze für den ruinösen Preiskampf lieferte die Regierung – übrigens unter Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
In der Konsequenz führe das zur Aldisierung oder Wal-Martisierung der Gesellschaft, wie es David Bosshart, Chef des Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Instituts, in seinem Buch „Billig“ vorausgesagt habe: „Wo wir auf der einen Seite von Bergen von günstigen Produkten für Kunden profitieren, beschleunigen wir auf der anderen Seite die Rationalisierung der Arbeitsplätze, miserable Karrierechancen und das Anwachsen von schlecht bezahlten Jobs“, zitiert Schweizer aus dem Bosshart-Buch.
Die Situation stelle sich für die deutsche Brunnen-Industrie genauso dar.
„Die Atomisierung unserer Unternehmen, die regional tätig sind, führt zu einer Anpassung an die Discounter. Wer aber mit diesen Konzernen Geschäfte macht, wird zu deren Double. Das gilt nicht nur für Lieferanten, sondern auch für den klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Es läuft alles nur noch über den Preis“, führt Schweizer aus. Jeder Verbraucher, der noch einen normalen Mineralwasser-Mehrwegkasten kaufe, müsse sich als Idiot vorkommen. Soweit ein Ausschnitt meines Beitrages, der 2008 (!) erschien.
Den wahren Hintergrund für die Lidl-Lobbyschlacht bringt die FAZ ganz zum Schluss:
Auf EU-Ebene wird derzeit über die geplante EU-Verpackungsverordnung beraten. Der Entwurf der EU-Kommission sieht Mehrwegpflichten im Getränkebereich vor. Die Einweglobby möchte eine solche Quotenregelung verhindern, die Mehrweglobby deutlich schärfere Verpflichtungen. Ein Ende der Debatte über die richtige Getränkeverpackung ist also noch längst nicht in Sicht.
Die ganze Dumping-Politik der Discounter im Getränkesektor ist eigentlich ein Fall für die Bundeskartellamt.
Anfang des Jahres 2023 diskutierten wir die EU-Verordnung bereits in einer Fachrunde:
Das Zitat der Überschrift veröffentlichte der FAZ-Redakteur Philipp Krohn und bezieht sich dabei auf einen Beitrag der Bauingenieurin Lamia Messari-Becker, Professorin an der Uni Siegen.
"Jeder Quadratmeter, den man nicht heizt, hilft dem Klimaschutz."
„Bis 2030, in nur sieben Jahren, sollen rund 40 Prozent der Emissionen von Kohlendioxid (CO2) im Gebäudesektor gesenkt werden. Das ist so viel wie in 30 Jahren zuvor. Rund 75 Prozent der Haushalte werden fossil beheizt. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) soll von 2024 an die Heizwende einläuten. Kern des Gesetzes ist der Umstieg auf die erneuerbare Wärmeversorgung“, schreibt Messari-Becker in der FAZ.
Viele gute Vorschläge, die in dem Beitrag drinstecken.
Ein Punkt: Mit Blick auf den Emissionshandel für Gebäude von 2026 an wäre eine Ausrichtung der Förderung am eingesparten CO zielführender.
Und: „Anstatt Gasleitungen zurückzubauen, gehören sie ertüchtigt und für den Transport von Wärme und Wasserstoff fit gemacht. Ein Blick ins Ausland: Dänemark hat jahrelang Wärmenetze aufgebaut. 63 Prozent der Haushalte heizen mit Fernwärme, in Kopenhagen 98 Prozent. In Schweden haben fast alle Städte Wärmenetze.“
Und super wichtig, weil man es schnell umsetzen kann: „Jeder Quadratmeter, den man nicht heizt, hilft dem Klimaschutz.“
Und da gibt es eine gute Ergänzung zum Vorschlag von Messari-Becker. Raum-Nutzung in der Arbeitswelt runterfahren durch Desk-Sharing und dergleichen.
Hab mal ein wenig gerechnet und das Potenzial für eine Reduktion von klimaschädlichen Emissionen durchgerechnet. Allein die Veränderung der Arbeitsorganisation in Deutschland könnte rund 26 Millionen Tonnen an klimaschädlichen Emissionen einsparen. Beim Essen ist der Hebel ähnlich: Die Boston Consulting Group geht global von einem Reduktionspotenzial von 4,4 Milliarden Tonnen CO2 aus , wenn man eine Billion Dollar in pflanzliche Proteine investiert. Der weltweite CO2-Ausstoß liegt bei rund 50 Milliarden Tonnen jährlich.
Für Millionen Berufspendlerinnen und -pendler ist das Auto als Beförderungsmittel erste Wahl. Im Jahr 2020 gaben 68 % von ihnen an, normalerweise mit dem Pkw zur Arbeit zu fahren. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Die Nutzerinnen und -nutzer öffentlicher Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn machten mit gut 13 % einen deutlich geringeren Anteil aus. Jede beziehungsweise jeder zehnte Erwerbstätige fuhr regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Dabei wird das Auto offenbar auch auf kürzeren Arbeitswegen regelmäßig eingesetzt. Fast die Hälfte aller Erwerbstätigen (48 %) hat nach eigenen Angaben weniger als 10 Kilometer zum Arbeitsplatz zurückzulegen. Für 29 % ist der Weg zur Arbeit 10 bis unter 25 Kilometer lang, 14 % legen 25 bis unter 50 Kilometer zurück.
Rund 32 Millionen Menschen sind jeden Tag mit dem PKW zur Arbeit unterwegs. Die jährliche Fahrleistung liegt bei 11.230 Kilometern.
Da kommen wir auf rund 360 Milliarden Kilometer, die wir in Deutschland mit dem PKW zurücklegen. Die Fahrleistung liegt bei über 600 Milliarden Kilometer, wenn wir alles dazurechnen, Privatfahrten, Urlaub und dergleichen.
Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer. In der Pandemie ist untermauert worden, dass fast jeder zweite Arbeitsplatz dezentral organisiert werden kann – mit mobilen Arbeitsplätzen, im Homeoffice, in Coworking-Spaces und Workation. Gehen wir im Optimum davon aus, dass wir die gefahrenen Kilometer halbieren können, wie in der Pandemie, dann kommen wir auf ein Einsparungspotenzial von 180 Milliarden Kilometer. 141 Gramm = 0,141 Tonnen. 180 Milliarden x 0,141 Tonnen = 25.380.000 Tonnen. Also knapp 26 Millionen Tonnen klimarelevante Treibhausgase können jährlich eingespart werden, wenn wir die Arbeit dezentraler gestalten. Ohne Abgaben, ohne Gesetze, einfach durch intelligente Organisation der Arbeit.
Das ist die erste Stellschraube, die wir alle in der Hand haben. Die zweite Stellschraube liegt in unserer Ernährung:
Schätzungen zufolge verursacht die Nutztierhaltung rund 15 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.
Nach konservativen Berechnungen könnte man den CO2-Ausstoß der Landwirtschaft um fast eine Gigatonne reduzieren. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) betrug der weltweite CO2-Ausstoß im Jahr 2021 36,3 Gigatonnen.
In unserem Utopie-Buch #KönigVonDeutschland folgten wir den Spuren von Friedrich Nietzsche, die er in seiner fröhlichen Wissenschaft zu Papier gebracht hat und die sich vom Nihilismus des großen Denkers deutlich unterscheiden: Es geht in dieser Schrift um die Freiheit des Neuanfangs. Wer vorausblickt, hat das Mögliche als solches vor sich und ist nicht in die Wirklichkeit bestimmter Erwartungen verstrickt. Es geht darum, die Freiheit im Denken zu erschließen – die Freiheit des Blicks und der Transparenz der Gedanken. Nietzsche fordert zu einem Gedankenexperiment auf. Überlegungen nach dem Muster: „Wie wäre es, wenn…?“ Die Frage provoziert ein ausdrückliches Verhalten zum eigenen Leben allein dadurch, dass sie gestellt wird. Und wer die Frage beantwortet, ändert damit auch schon ein Stückchen die Realität. Was wir bei vielen Entscheidern in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erleben, ist eher eine Geisteshaltung, wie wir den Status quo bewahren können.
Scheingefechte erschweren die nötige Energie- und Verkehrswende. 67 Prozent der Berufspendlerinnen und Berufspendler fahren mit dem Auto zur Arbeit, versauern im Stau, belasten die Umwelt und ärgern sich über den Verlust an Lebensqualität. Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW und ist damit der niedrigste aller Fahrtzwecke. Rund zehn Millionen Menschen sind täglich länger als eine Stunde unterwegs. Über sechs Millionen fahren mehr als 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz. Wir könnten viel schneller die Arbeit zu den Mitarbeitern bringen, wie beim Ausbruch der Corona-Krise. Also ein Lob der Immobilität. Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier. Es macht auch keinen Sinn, wenn wir mit E-Autos im gleichen Stau stehen wie die Verbrenner. Im Schnitt legen wir 16 Kilometer zum Arbeitsplatz zurück. 20 bis 32 Kilometer pro Tag können wir auch mit dem eBike bewältigen, ohne ins Schwitzen zu kommen.
Mit einer besseren Raumbewirtschaftung und einer intelligenten Organisation der Arbeit können wir sofort positive Effekte für Klimaschutz bewirken. Das war ein spannendes Thema auf der Zukunft Personal in Hamburg:
Der private Endverbrauch von Verpackungen nahm zwischen 1991 und 2020 über alle Materialien um 1,04 Mio. Tonnen bzw. 14 Prozent auf 8,7 Mio. Tonnen zu.
Der Gesamtverbrauch von Verpackungen in Deutschland nahm zwischen 1991 und 2020 um 3,2 Mio. Tonnen bzw. 21 Prozent zu.
Mengeneffekte sind die Folge von Veränderungen der in Verpackungen abgefüllten Menge und damit des Konsumniveaus. Das zeigen Analysen der Arbeitsgemeinschaft für Verpackungen und Umwelt (AGVU).
Mengeneffekte sind die Folge von Veränderungen der in Verpackungen abgefüllten Menge und damit des Konsumniveaus. Beispiel: Beim Wasser werden verstärkt 0,5 l-PET-Flaschen und weniger in 1,5 l-PET-Flaschen nachgefragt. Folge: Zahl der verbrauchten Verpackungseinheiten steigt.
Die Zunahme des Verpackungsverbrauchs ist in erster Linie auf den Mehrkonsum zurückzuführen. Der Verpackungsverbrauch wäre 2020 um 1,7 Mio. Tonnen niedriger gewesen, würden die Verbraucherinnen und Verbraucher noch die Produktmenge von 1991 (in den Verpackungen von 1991) konsumieren. Mehr Wohlstand gleich mehr Einweg-Verpackungen.
Die Zunahme des Verbrauchs von Verpackungen wurde in erheblichem Maße abgemildert durch die Tatsache, dass die Verpackungen zwischen 1991 und 2020 immer leichter wurden. Wären die Packmittel nicht stark optimiert worden, so wäre der Verpackungsverbrauch heute um 1,6 Mio. Tonnen höher.
Macht uns das besser in Deutschland. Überhaupt nicht. Wir schwätzen über Kreislaufwirtschaft, über die Vorteile von Mehrweg und Wiederverwendung, kaufen uns irgendwelche Mehrwegbehälter für Kaffee to go und gehen dann wieder zur Tagesordnung über beim Verbrauch von Plastik, Pappe, Papier, Karton, Weißblech, Alu und Glas. Mehrwegquote auf unter 50 Prozent abgesackt. Sie lag Anfang der 1990er Jahre bei knapp 74 Prozent über alle Getränkearten gerechnet mit noch einheitlichen Flaschensystemen und Flaschen vor allem bei Bier und Mineralwasser.
Aktuell ist die Quote auf 43 Prozent abgesackt bei steigender Vielfalt der Transportsysteme, Flaschendesign und dergleichen. Marketing und Mehrweg statt Ökologie und Unterstützung von dezentralen Logistiksystemen. Die Versuche, Mehrwegbehälter in der Gastronomie zu etablieren, erweisen sich als Lachnummer.
Vermüllung der Umwelt, Zunahme des Autoverkehrs, Nutzung von PKWs selbst bei Strecken von unter 5 Kilometern zum Arbeitsplatz, Zahl der Staus, Energieverbrauch bei vermeintlich ökologischen Produkten wie Papier (schaut Euch mal in Papierfabriken den Energieeinsatz an und den Sondermüll, der durch die Druckfarben-Entfernung entsteht – Plastiktüten durch Einweg-Papiertüten zu ersetzen ist nix weiter als Öko-Camouflage).
Das sind nur ein paar Indikatoren, die zeigen, wie weit wir von nachhaltigem Konsum entfernt sind. Man könnte sich auch die Vertriebswege von Bio-Produkten genauer anschauen. Woher kommen die Vorprodukte (teilweise aus Südamerika)? Was für Vertriebswege werden zurückgelegt? Energieverbrauch bei der Lieferung via Schiff und LKW? Kühlkette, Lagerung, regionaler Auslieferung, Müllsammlung, Energieeinsatz beim Recycling und viele mehr.
Und nein, werteste Deutsche Umwelthilfe, der steigende Verbrauch von Einwegverpackungen liegt nicht an der mangelhaften Kennzeichnung. Wir haben beim Konsum schlichtweg eine Schere im Kopf. Vieles dient nur der Gewissensberuhigung – etwa der Mehrwegbecher für Kaffee to go.