Wie wurde gestern über das Morgen gedacht #SchubkraftTV #DigitalX

Wenn es um Zukunftsprognosen geht, versagen vor allem Wissenschaftler in schöner Regelmäßigkeit. Beispielsweise die Konjunkturforschenden bei der Analyse der Inflationstendenzen im Herbst des vergangenen Jahres.

Da war der BWLer und Logistikprofessor Peter Holm deutlich besser:

Digital X 2021

Professor Holm und der Hidden-Champion-Forscher Hermann Simon werden das in ihren Sessions auf der Digital X am 13. und 14. September vertiefen:

Verworren sieht auch die Prognostik bei der Beschäftigungswirkung von KI und Automatisierung aus.

Fast die Hälfte aller Arbeitsplätze sei durch den technischen Wandel gefährdet. Wir kennen diese verkürzte Darstellung unterschiedlicher Studien, die in den vergangenen Jahren öffentlich präsentiert wurden. Etwa die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeübten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit. Seit Veröffentlichung der Studie vor knapp zehn Jahren hat sich dieses Szenario nicht bewahrheitet.

Brzeski und Burg (2015) berechneten ebenfalls die Automatisierungswahrscheinlichkeit ganzer Berufszweige. Sie schlussfolgerten aufgrund ihrer Befunde, dass 59 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in den kommenden zehn Jahren durch moderne Technologien ersetzt werden könnten. Analysen von Bonin, Gregory und Zierahn (2015) zeigen unter Verwendung eines berufsbasierten Ansatzes, dass 42 Prozent der aktuell ausgeübten Berufe einer hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent unterliegen. So könnte man die “Prognosen”, die in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden, endlos fortsetzen.

Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht – selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vielleicht sollten die “Forscher” mal darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

VWL-Professor Holger Bonin geht in einem Gastbeitrag für die FAZ differenzierter ran.

So gibt es die Vorstellung, dass die moderne Technik die Menschen vom Joch der Arbeit befreien wird, so dass sie mehr Zeit für Tätigkeiten aus purer Neigung oder auch Müßiggang verwenden können.

„Schon John Maynard Keynes schrieb in der Zwischenkriegszeit über die ‚ökonomischen Möglichkeiten unserer Enkelkinder‘, dass sie ihre Wochenarbeitszeit auf wenige Stunden verringern könnten – die Arbeit übernähmen die Maschinen. Der Hoffnung, dass mit der Digitalisierung eine Art Schlaraffenland entstehen könnte, stehen andererseits düstere Prognosen von einem Ende der Erwerbsarbeit gegenüber, von baldiger Massenarbeitslosigkeit und Prekarisierung großer Teile der Bevölkerung. Damit verbunden sind auch Kassandrarufe von einem Ende des traditionellen Sozialstaats, dessen Sicherungsversprechen und Finanzierung vor allem an die auf dem Markt erzielten Erwerbseinkommen anknüpfen. Ein genauer Blick auf vorhandene Daten und Erfahrungen führt jedoch eher zu der Botschaft: Wir werden auch in Zukunft arbeiten können – und müssen.“

Die Betrachtung von Frey und Osborne gehe von der Automatisierbarkeit ganzer Berufe aus. Dieser Ansatz würde aber übersehen, dass Erwerbtätige immer Bündel von unterschiedlichen Tätigkeiten ausführen, die jede für sich unterschiedlich gut automatisierbar sind. „Die Tätigkeitsprofile, die einen Beruf ausmachen, entwickeln sich mit den technologischen Möglichkeiten weiter. So ändern sich die Anforderungen an die Beschäftigten, ihr Beruf aber überlebt“, schreibt Bonin.

Eine empirische Untersuchung von Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), an der auch Bonin mitwirkte, kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland nur 12 Prozent der Jobs ein Tätigkeitsprofil mit hoher Wahrscheinlichkeit der Automatisierung aufweisen.

Dass die Automatisierung mehr neue Jobs schaffen könne als sie zerstört, zeigen die Ergebnisse einer noch unveröffentlichten Studie, an der Terry Gregory vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) mitwirkt. „Demnach hat der Einsatz von arbeitsparenden Maschinen in Europa in den Jahren 1999 bis 2010 alles in allem etwa 1,6 Millionen Jobs vernichtet, viele davon in der Produktion. Im gleichen Zeitraum sind jedoch durch die Automatisierung fast zweimal so viele Arbeitsplätze neu entstanden. Unter dem Strich hat Europa also durch den technologischen Fortschritt rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze dazu gewonnen, viele davon im Bereich der Dienstleistungen. Darunter sind nicht nur einfache Jobs, wie sie etwa der Internethandel in Vertrieb und Logistik schafft. Auch anspruchsvolle Betätigungsfelder wachsen – so die Bereiche Software, Marketing und Medien“, erläutert Bonin.

Eine große Herausforderung sei es, über Weiterbildung qualifikatorische Ungleichgewichte abzubauen. Dabei werde es nicht reichen, allein auf mehr höhere Bildung zu setzen. Die Bildungsinhalte müssten stetig aktualisiert werden, damit möglichst viele Menschen neue Technik schöpferisch gestalten oder zumindest anwenden können.

Insgesamt geht es also nicht um digitalen Taylorismus. Es geht um einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Wie wird sich das Verhältnis von Mensch und Maschine neu ausbalancieren? Welche Entscheidungsbefugnisse gliedern wir an Maschinen aus und wo sind die Grenzen? 

“Gerade weil Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden, rutschen sie nicht selten, ohne sich dessen bewusst zu werden, in überkommene Denkmuster hinein. Vielleicht besteht der beste Gewinn des Rückblicks auf die vielen Fehlprognosen der Vergangenheit darin, das Neue der Gegenwart schärfer ins Visier zu nehmen und sich von eingefahrenen Gewohnheiten der Zukunftsschau zu befreien. Dazu gehört auch, über technische Innovationen möglichst konkret zu reden”, fordert der Historiker Professor Joachim Radkau in seinem Opus “Geschichte der Zukunft”, erschienen im Hanser Verlag.

Was man aus der Science-Fiction-Literatur ableiten kann für die Entwicklung der Zukunft, diskutiere ich mit Thomas Franke, Schauspieler und Kenner der phantastischen Literatur, am Dienstag, 13. September im Brandhouse Schubkraft, Aachener Str. 21 im belgischen Viertel in Kölle.

Einen Vorgeschmack bieten wir in einem -Talk am Mittwoch, um 11 Uhr.

Die systematische Analyse der Literatur zur Erkundung möglicher Zukunftsszenarien empfinde ich als wesentlich unterhaltsamer als die dämliche Begriffshuberei der Trendforscher, die eine Wissenschaftlichkeit imitieren, die nicht einmal in Ansätzen vorhanden ist. In Wahrheit sind diese Protagonisten nur angeberische Kompetenzsimulanten.

Siehe auch:

Projekt Cassandra – Krisenfrüherkennung durch Literaturauswertung

Trends werden beschworen und verkauft – und das ist das Geheimnis der Trend­-Forschung! In Erinnerung an Harald Korten

#DigitalX, Brandhouse #Schubkraft und die Welt in 100 Jahren #Notizzettel

Von den unendlichen Möglichkeiten der drahtlosen Kommunikation waren abendländische Geistesgrößen schon vor über hundert Jahren beseelt. Nachzulesen im Opus „Die Welt in 100 Jahren“. In dem 1910 veröffentlichten Werk heißt es:

„Es wird jedermann sein eigenes Taschentelephon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist, ob auf der See, ob in den Bergen, dem durch die Luft gleitenden Aeroplan oder dem in der Tiefe der See dahinfahrenden Unterseeboot.“

Auf seinem Wege ins Geschäft werde der Mensch seine Augen nicht mehr durch Zeitunglesen anzustrengen brauchen, „er wird sich in der Untergrundbahn, oder auf der Stadtbahn, oder im Omnibus oder wo er grad‘ fährt, und wenn er geht, auch auf der Straße, nur mit der gesprochenen Zeitung in Verbindung zu setzen brauchen, und er wird alle Tagesneuigkeiten, alle politischen Ereignisse und alle Kurse erfahren, nach denen er verlangt.“ Wenn schließlich auch der „gewöhnliche Sterbliche“ einen solchen Apparat nutzt, „dann werden dessen Lebensgewohnheiten dadurch noch mehr beeinflusst werden, als sie dies schon jetzt durch die Einführung unseres gewöhnlichen Telephones geworden sind.“ Dem einflussreichen Journalisten und Schriftsteller Arthur Brehmer gelang es damals, einige interessante Experten zu gewinnen, ihre Gedanken über die Zukunft nieder zu schreiben.

Die spektakulärste Prognose über das Telephon in der Westentasche stammt aus der Feder von Robert Stoss.

„Eigentlich schrieb er bereits über das iPhone. Man muss es, um es zu glauben, ab Seite 35 selber lesen“, schreibt Georg Ruppelt in der Neuauflage des Werkes (Olms Verlag).

Der Band wurde übrigens 2010 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gekürt. Völlig verdient. Stoss sprach vom Ende von Raum und Zeit:

„Überall ist man in Verbindung mit allem und jedem. Jeder kann jeden sehen, den er will, sich mit jedem unterhalten und wäre der Betreffende auch tausend Meilen von ihm entfernt. Er kann jedes Vergnügen und jede Zerstreuung, wie sie sich jeder andere Mensch gönnen kann, auch mitmachen. Er kann die Tänzerinnen des Königs von Siam ebensogut in Paris in seinem Studierzimmer sehen, wie während der Fahrt im Bahncoupé einer Vorstellung der großen Oper von Monte Carlo beiwohnen kann. Es gibt nichts, was er sich nicht zu leisten vermag.“

Klingt doch irgendwie nach den Remote-Szenarien der vergangenen Jahre.

Was hat Science-Fiction mit der Zukunft zu tun und steuern wir auf eine Privatisierung des Kosmos hin? Dr. Hans Esselborn, Germanistik-Professor der Universität zu Köln erklärt, wie die Literatur dazu beiträgt, Zukunftsvorhersagen zu treffen und warum es wichtig ist, dass auch Literaten eine Expedition ins All wagen.

An der Universität zu Köln befasst sich Esselborn intensiv mit Science- Fiction Literatur. Er ist allerdings vorsichtig mit der Aussage, ob Literatur tatsächlich Zukunftsprognosen treffen kann. Vielmehr entwerfe sie Szenarien, in denen auch die Fragen angesprochen und zum Teil beantwortet werden sollen, die den Leser aktuell beschäftigen und sogar zum Handeln bewegen. Und dass dies in der Vergangenheit schon der Fall war, zeigt der Roman von Kurd Laßwitz über eine Weltraumstation, die später Wernher von Braun dazu bewegte genau diese Station nachzubauen. Doch das klappe nicht immer. Während sich beobachten lässt, dass die Literatur-Vorhersagen bei technischen Dingen oftmals richtig liegen, beispielsweise bei der Entwicklung der Flugzeuge und des Computerwesens, lagen die Vorhersagen vieler Romane beim Internet weit daneben. Keiner habe dem Internet die große Kommunikationsmaschine, die es heute ist, zugetraut.

Im Utopieband „Was würdest du machen, wenn du König von Deutschland wärst?“ äußert Esselborn sein Unbehagen, dass die privaten amerikanischen Firmen Weltraumraketen bauen, den Mond und den Mars besiedeln wollen. Das konterkariert die politische Gemeinsamkeit. Was Musk, Bezos und Co. vorantreiben, die die Kolonialisierung des Weltalls auf privater Basis. „Ich sehe das als eine gefährliche Entwicklung. Weil die Kontrolle fehlt und es irgendwann dann die Piratenkriege im Weltraum geben wird. Dazu gibt es glaube ich auch schon vieles in der Literatur“, so Esselborn. Es entsteht kosmischer Neoliberalismus.

Mit dem Schauspieler Thomas Franke werde ich auf der Digital X in Köln über diese und andere Szenarien der Science-Fiction-Literatur sprechen. Am Dienstag, den 13. September in der Aachener Str. 21. Kommt vorbei.

Nachtrag: Wenn Utopien in den Sand gesetzt werden: Am Beispiel der Maschine von Marly. Köstlich beschrieben von Thomas Brandstetter im Opus „Kräfte messen“, erschienen im Kadmos-Verlag.

Dieser Koloss an der Seine war das größte mechanische Bauwerk seiner Zeit, ein gigantischer Apparat, dessen einzige Aufgabe es war, Unmengen an Wasser für die spektakulären Springbrunnen, Kaskaden, Wasserspiele und inszenierten Feste im Schlosspark von Versailles zu transportieren.

Das Wasserhebewerk war ein Ergebnis der Prunksucht und Obsessionen des französischen Sonnenkönigs. Ludwig der Vierzehnte investierte für dieses Ideal der Vollkommenheit die Summe von 14 Millionen Livre (1 livre entspricht 5 bis 15 Euro). Es bestand aus 14 großen Wasserrädern, die 221 Pumpen betrieben. Mit dem Bau waren 1.800 Arbeiter und Techniker fünf Jahre lang beschäftigt. Sie verbrauchten das Holz etlicher Wälder, 17.500 Tonnen Eisen, 900 Tonnen Blei und 850 Tonnen Kupfer.

Entstanden ist aber keine quasi-göttliche Schöpfung der Technik, keine perfekte Maschine, kein Monument der Ingenieurskunst, sondern ein schwerfälliges Monster.

Das Maschinenwunder von Marly entpuppte sich als technologischer Dinosaurier mit einer abnorm niedrigen Leistung. So lag der Wirkungsgrad bei unter 7 Prozent und erzeugte eine Nutzleistung von spärlichen 80 Pferdestärken.

Anmaßende und selbstgefällige Konstrukteure versprachen dem Sonnenkönig das achte Weltwunder. In Wahrheit schufen sie ein zweckfremdes Ungetüm mit einer Vielzahl von komplizierten Bewegungen, die das erforderliche Zusammenspiel der Bauteile verhinderte.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verabschiedete man sich von der Schwerfälligkeit dieses Denkmals der Prachtentfaltung und konzipierte ein dezentrales Versorgungssystem, getragen von Prinzipien der Beherrschbarkeit, Nützlichkeit, Effizienz und Einfachheit.

Sechs Stunden Literatur in #Bonn-Duisdorf #DasLiterarischeInterview

Start am 20. August, um 15 Uhr mit der Speakers Corner. Abends dann das literarische Interview mit Ute Cohen.

Themen waren sehr vielfältig.

Utopien:

Nebenbei Terrorist:

„Dass die Erde einen Buckel werfe“ – Liveschalte nach Prag zu Wolfgang Schiffer:

Der Winter:

Blinder Spiegel:

Das Casting:

Falscher Garten:

Schule fürs Leben – Fotografischer Rückblick auf die Berliner Jahre

In den vergangenen Wochen des Sommers erwischt mich doch häufiger ein seelisches Tief. Nach der Pandemie ist es wirklich der erste Sommer, wo ich den Urlaub und die kulturellen Aktivitäten ohne Miliana verbringe. Mir fehlt sie so sehr.

Gleiches gilt für die Sohnsche Familie und den großen Freundeskreis meiner Eltern. Am Sonntag schrieb ich dann:

Meine Eltern waren verrückte Hühner. Paps war ein begnadeter Entertainer, Stimmen-Imitator und Musiker. Mutti emanzipiert in der Gewerkschaft aktiv. Nun erkennt mich die liebe Mutti nicht mehr. Werde gesiezt, aber von ihr liebevoll gestreichelt: „Sie sind aber ein Lieber.“

Meine Mutter ist mittlerweile in einer Demenzklinik. Sie kann sich selbst nicht mehr versorgen. Mein Vater starb 1990 nach einem Unfall. Er wurde nur 61 Jahre alt. So alt bin ich jetzt. Beim durchstöbern der Fotokiste entdeckte ich dann viele bekannte Gesichter, die mich in meiner Kindheit und Jugend stark prägten.

Posting auf Facebook: Papa war Boxer. An der Nase konnte man es erkennen. Ging bei ihm in die Boxschule und besuchte mit ihm viele Boxkämpfe. War nie ein Muskelpaket, dafür kamen die Schwinger sehr schnell. Hat mir in Neukölln geholfen.

Diese Berliner Boxerclique meines Vater prägte mich und das war für das Umfeld rund um die Walter-Gropius-Schule die Grundlage für Selbstverteidigung. Denn schon Ende der 60er und in den 70er Jahren herrschte dort ein rauher Umgang. Einige „Banden“ waren unterwegs, die Dir das Taschengeld aus der Hose ziehen wollten und Dich zur Belohnung zerlegt haben. Ich war nicht sehr muskulös, dafür drahtig und schnell. Zudem hatte ich gute Freunde, die mir geholfen haben. Jedenfalls zählte ich nie zu den Verlierern, die andere Seite zog häufiger den Kürzeren.

Zwei Boxer (Paps auf dem Motorrad) und ein Tischtennisspieler (Erwin, mein Patenonkel, brachte mir das Tischtennisspiel bei – bin an der Platte gar nicht so schlecht)

Die Billard-Gang (also nur ein kleiner Teil):

Natürlich wurde mir auch das Billardspielen beigebracht und einige Grundkenntnisse am Kneipenkicker

Gefeiert wurde immer. Bis zum Tod meines Vaters:

Es wurde auch geknutscht:

Mutti hatte Stil:

Sie liebten sich sehr:

Ich hatte eine tolle Kindheit und bin dankbar für diese Schule des Lebens.

Das erste literarische Sommerfest in Bonn (Duisdorf) am 20. August: Kommt vorbei

Dieser Tag wird sommerlich und literarisch! Ab 15 Uhr heißen Gunnar Sohn und Paul Remmel Literaturinteressierte und -treibende zum ersten Literarischen Sommerfest nach Bonn-Duisdorf ein (Ettighofferstraße 26a). Neben dem Zusammenkommen und -sein, dient der Tag auch der Möglichkeit, eigene (oder auch fremde) Texte zu präsentieren. Den ganzen Nachmittag können ‚Literaturbetriebler‘ in kurzen Sequenzen ihr Werk sowohl den Anwesenden als auch – live gestreamt! – der Netzgemeinde präsentieren. Gleichsam die literarische Speakers Corner. Wer Zeit und Lust hat, kann kommen – bitte vorher bei Gunnar oder Paul anmelden.

Als Höhepunkt des Abends führen Gunnar & Paul um 20 Uhr ein weiteres Literarisches Interview – dieses Mal mit der wunderbaren Ute Cohen:

ANARCHIE – Bakunin hat sie gefordert, die Sex Pistols haben sie besungen, Ute Cohen verpflanzt sie in den Grunewald. Was aber passiert, wenn Anarchie auf Bourgeoisie trifft, Magic Mushrooms auf Schokolade und Serienkiller auf brave Journalistinnen? Valverde, Ex-Knacki und Serienmörder, versucht sich im Berliner Villenviertel Grunewald eine neue Existenz aufzubauen. Kein einfaches Unterfangen für einen von der Liebe ergriffenen Soziopathen mit einer Passion für Kunst und Gerechtigkeit! Er bemüht sich redlich als Liebhaber der Berliner Journalistin Susa und Schummeldaddy ihrer drei Kids. Seinen Job als Gärtner hat er an den Nagel gehängt, nicht zuletzt, weil er fünf seiner korrupten Auftraggeberinnen ermordet und kunstvoll entsorgt hat.

Obwohl ihm die Szene zuwider ist und ein geschundenes Knie ein seriöses Handicap zu werden droht, hält er tapfer durch. Langfristig aber braucht er eine andere Perspektive. Cannabis oder Vanille, das ist hier die Frage! In die Quere kommt ihm sein leicht bizarrer Drang nach Gerechtigkeit. Als die Frau des benachbarten Schokoladenfabrikanten verschwindet, begibt sich Valverde auf ihre Fährte. Luxusescorts, aztektische Götter, Magic Mushrooms und zugedröhnte Kaninchen kreuzen dabei seinen Weg. Obwohl sich Valverde an Recht und Gesetz zu halten versucht, obsiegt sein archaisches Verlangen nach Rache. Allerdings macht er sich dieses Mal nicht selbst die Hände schmutzig.

Ein Gespräch über anarchischen Spirit und Freigeistigkeit in vergitterten Zeiten.

Ab 21 Uhr wird dann, wie man sagt, „aufgelegt“. Also Musik bis der Arzt kommt.

Anmeldungen möglich auf Facebook. Kosten? Keine. Vielleicht einen Klappstuhl mitbrigen.

Ereignisreiche Tage in Oxford und auf dem #Chilfest mit Höhen und Tiefen @ArtsFestOxford #fürMiliana

Letzter Abend in Oxford mit einem grandiosen Konzert und vielen Erinnerungen an ereignisreiche Tage mit Höhen und Tiefen. Im Sommer kommen wieder viele Gedanken hoch an die Gemeinsamkeiten und die tiefe Liebe zu Miliana.

Den Kindern erging es ähnlich. Komischerweise hatten wir unabhängig voneinander diese Flashbacks. Es vergeht halt kein Tag ohne Tränen. Das war so und das ist immer noch so.

Tagestour am Freitag:

Mit dem richtigen Riecher Abstecher nach London:

Toller Chor:

Chilfest:

Höhepunkt am zweiten Chilfest-Tag: The Proclaimers

Humanity, Liberty und weitere Oxford-Wanderungen @ArtsFestOxford

Neben ausgedehnten Wanderungen und der subtilen Bücherjagd war ich abends wieder beim Oxford Festival of the Arts. Die musikalische Darbietung und die programmatischen Botschaften hätten meiner Großtante Else Sohn sehr gefallen. Sie ist ja mit meinem Großonkel Franz Sohn vor den Nazis nach London geflohen. Das war 1938. Man brauchte das nötige Geld, um so eine Flucht überhaupt zu ermöglichen. Das könnt Ihr hier nachlesen.

Else und Franz Sohn

Der preisgekrönte Chor Tenebrae stellte eine wichtige Botschaft in den Mittelpunkt: Die Sehnsucht nach Frieden. Es wurden Werke von Rudolf Mauersberger präsentiert im Gedenken an die Chorknaben, die bei der Bombardierung Dresdens umkamen. Philip Moore vertonte Texte, die der Theologe Dietrich Bonhoeffer während seiner Nazi-Gefangenschaft geschrieben hat. Auf dem Programm standen auch zwei Werke, die von Tenebrae in Auftrag gegeben und für Tenebrae geschrieben wurden: Roderick Williams‘ friedliches Gebet Lucis Creator optime und Josephine Stephensons erstaunliches Into the Wreck, in dem die Schauspielerin Juliet Stevenson die Sprechrolle übernahm. Das Programm gipfelte in Poulencs Antwort auf die Besetzung seines geliebten Paris im Zweiten Weltkrieg – der atemberaubend virtuosen Chorkantate Figure Humaine.

Es war wieder ein Tag voller interessanter Erlebnisse in Oxford. Und dann sorge ich noch für den Rücktritt von Boris Johnson bei meinem Ausflug nach London. Wäre doch eine gute Sache. Um 22:52 Uhr war er jedenfalls noch nicht zurückgetreten.

Stravinsky, Haydn, Bach und die Klänge Afrikas: Die Gruppe #Sirocco auf dem Festival @ArtsFestOxford

Variationen und Interpretationen von musikalischen Werken sind keine Neuigkeit. Das war schon zu Zeiten von Morzart, Beethoven und davor so. Es ist ja auch eine Form der Ehrerbietung für die Kompositionen von anderen Künstlern. Zudem wurden Stücke durch diese neuen Arrangements erst so richtig populär. Darauf machte Dr. Ingrid Bodsch (ehemalige Leiterin des Bonner Stadtmuseums) aufmerksam bei den Stücken, die wir zum Beethoven-Jubiläumsjahr produzierten.

Und heute gibt es Variationen und Interpretationen mit Interpreten, die kulturelle Grenzen überwinden und für einen frischen Wind in der Klassik-Szene sorgen. Das zeigten Abel Selaocoe, Sidiki Dembele, Alan Keary und das Manchester Collective in der Formation #Sirocco auf dem „Oxford Festival of the Arts“: Stravinsky, Haydn und Bach stoßen auf afrikanische Musik sowie auf skandinavische folk songs. Der Abend war unbeschreiblich schön.

Literatur in den Häusern der Stadt: „Die Schwimmerin“ von Theodor Wolff in Bonn vorgestellt – DER Berlin-Roman – Und dann kommt #DasLiterarischeSommerfest in Bonn-Duisdorf

Am Sonntag bin ich von der Berliner re:publica-Exkursion nach Bonn zurückgekehrt und fuhr dann direkt mit dem Rad zur Lesung in Mehlem. Liegt ungefähr auf der Höhe von Rhöndorf, auf der anderen Rheinseite. Musste recht forsch in die Pedalen treten.

Vorgestellt wurde der Roman „Die Schwimmerin“ von Theodor Wolff. Er war von 1906 bis 1933 Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“ und damit der einflussreichste Journalist der Weimarer Republik. Noch heute erinnert der Theodor-Wolff-Preis, der wichtigste deutsche Journalistenpreis, an ihn. „Die Schwimmerin“ ist sein letzter Roman, den er bereits im Exil veröffentlichte.

Sein Roman ist vieles zugleich: Liebesgeschichte, Sozialgeschichte, Porträt Berlins – man kann anhand der geschilderten Topographie die Wege der Protagonisten abgehen – ein wehmütiger Nachruf auf die Weimarer Republik, Vorahnung des bevorstehenden Untergangs, Beschreibung des Lebens im Exil. Und das alles in einer Sprache, die in überraschenden Bildern erzählt.

Erläuterungen des Verlegers Stefan Weidle:

Lesung von Klaus Weise, dem früheren Generalintendanten des Theaters Bonn. Ihr werdet Euch sicherlich an seinem Auftritt in meiner Bibliothek erinnern.

Gastgebende waren Yvonne und Mark Lange vom Atelier zwei zwei drei. Ihr sollte dringend dort mal hinfahren und Euch die künstlerischen Exponate anschauen.

Hier noch #DasLiterarischeSommerinterview mit Klaus Weise in unserer Bibliothek in Bonn-Duisdorf.

Autorensessel im Grünen

Am Samstag, den 20. August gibt es in unserem Garten übrigens ein literarisches Sommerfest.

Ab 15 Uhr geht es los mit einer Art Speakers Corner. Den ganzen Nachmittag können ‚Literaturbetriebler‘ in kurzen Sequenzen ihr Werk sowohl den Anwesenden als auch – live gestreamt! – der Netzgemeinde präsentieren. Als Höhepunkt des Abends führen Gunnar & Paul um 20 Uhr ein weiteres Literarisches Interview – dieses Mal mit der wunderbaren Ute Cohen. Ab 21 Uhr wird gefeiert, getanzt, getrunken, leckeres im Smoker zubereitet und dergleichen. Essen gibt es den ganzen Tag 🙂

Kommt vorbei. Bringt am besten einen Klappstuhl mit.

Auf der Suche nach dem Sound des Romans #WilliAchten @piperverlag #DasLiterarischeGespräch #Doku

Der großartige Autor Willi Achten war zu Gast bei unserem Format #DasLiterarischeInterview. Es ging um seine Recherchemethoden, seine Inspirationen und über einschneidende Erlebnisse: Etwa um den neuen Roman „Rückkehr“. Handlung: Jakob Kilv kehrt zurück in das Dorf seiner Kindheit. In der archaischen Natur der Berge kommen Erinnerungen an den letzten Sommer der Jugend hoch. Die alten Freunde sind geblieben – Bruno, Ranz, Zwoller. Auch seine Jugendliebe Liv war nie fort. Damals engagierten sie sich gegen den ansässigen Liftmogul, der das Tal mit einem irrwitzigen Projekt für den Skitourismus öffnen wollte. Ihr Protest lief aus dem Ruder, einer der Freunde verlor sein Leben. Was geschah wirklich in jenem Sommer? Und was passierte zwischen Jakobs Mutter und Bruno – ahnte sein Vater etwas? Jakob muss noch einmal entscheiden, ob er an diesem Ort bleiben kann. Ein raffinierter psychologischer Roman über die unstillbare Sehnsucht nach Zugehörigkeit, die Kraft des Unausgesprochenen und den einen Moment im Leben, der alles ändert. Willi Achten wuchs in einem Dorf am Nieder­rhein auf. Er studierte in Bonn und Köln. Seit den frühen 1990er-Jahren ist er als Schriftsteller tätig. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Willi Achten lebt im niederländischen Vaals bei Aachen.

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