#Somminterview @VBanholzer Warum Innovationskommunikation von Unternehmen UND Medien besser werden muss

Knapp zwei Stunden hat das Sommerinterview mit Professor Volker Banholzer von TH Nürnberg gedauert – es wurde nie langweilig.

Schaut selbst:

Man hört, sieht und streamt sich.

Siehe auch:

Gescheiterte Technologie: Elektronische Gesundheitskarte offenbar vor dem Aus

Auch so darf Innovationskommunikation nicht laufen: Über die digital-transformatorischen Angstmacher #CIODebatte

Für all jene, die den Niedergang des Verbrennungsmotors klein reden #Autokartell

Die Diesel-Schönredner zitieren ja gerne die so genannte Schweden-Studie, um die Elektromobilität in Frage zu stellen. Hier eine kleine Replik aus der FutureHubs Diskursreihe:

Hier die Langfassung:

Man hört, sieht und streamt.

Siehe auch:

Eine differenzierte Sicht auf das Thema kommt von Bernd Rubel – Umweltsau Tesla? 17 Tonnen CO2 bei der Produktion der Akkus? Es ist komplizierter…

Transformation ohne technokratischen Weihrauch #D2030 #FutureHubs @FuturICT

Führen wir in Deutschland die richtigen Diskussionen, wenn es um Digitalisierung und die Herausforderungen der kommenden Jahre geht? Diese Frage diskutierten rund 150 Teilnehmer auf der Zukunftskonferenz D2030 und in den begleitenden FutureHubs-Diskursen im Vorfeld der Berliner Tagung. Vieles geht an den Menschen vorbei. Ein breit angelegter gesellschaftlicher Austausch findet nicht statt. Entweder ist er wie beim NewWork-Geklingel zu elitär angelegt oder er findet gänzlich hinter verschlossenen Türen statt, wie bei den CETA- und TTIP-Verhandlungen.

Bringschuld für das Neue

Medien, Politik, Wirtschaft und soziale Initiativen haben aber eine Bringschuld des Neuen, sagte Professor Jutta Allmendinger, Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung (WZB). Das müsse mit einer viel größeren Ernsthaftigkeit und mit einem viel größeren Respekt gegenüber den Menschen ablaufen.

„Uns fehlt die Ernsthaftigkeit des ordentlichen Diskurses“, kritisiert Allmendinger. Es fehlt vor allem der Blick auf die Herausforderungen, die in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und im Pariser Klimaabkommen stehen, sagt Professor Dirk Helbing von der ETH Zürich.

Der Planungshorizont von 13 Jahren ist dabei geringer als beim Bau einer neuen Straße. Wenn wir eine kohlenstoffarme Wirtschaft mit einer Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 bis 50 Prozent erreichen wollen, muss die Organisation der Volkswirtschaften neu erfunden werden.

Und das gelingt nur mit der Einbeziehung der Zivilgesellschaft.

„Soll der Staat das alles regeln und Ressourcen als wohlwollender Diktator zuweisen? Das ist ein Szenario, was wir nicht haben wollen. Wenn wir in Zukunft in Freiheit und Demokratie leben wollen, dann müssen wir das Nachhaltigkeitsproblem anders lösen“, betont Helbing in Berlin.

Das gelingt nur mit echten Innovationen und nicht mit dem Wahn der Optimierung. Und Innovationen brauchen Freiheit, sie brauchen einen Strukturwandel und eine Veränderung des Wirtschaftssystems.

Von der Reparaturökonomie zur Orientierungswissenschaft

„Das gelingt nur mit einer gesellschaftlichen Organisation im partizipativen Sinne. Wir können das nur gemeinsam bewältigen“, erläutert Helbing.

Hier ist eine viel größere Transformation zu bewältigen, die über den digital-transformatorischen Weihrauch hinausgeht, der von selbst ernannten technologischen Evangelisten auf Gadget-Niveau verbreitet wird. Die ganze Gesellschaft und nicht nur ein Kreis von Eingeweihten muss befähigt werden, diesen Kraftakt innovativ zu bewältigen. Dafür braucht man Labore für die Zivilgesellschaft, Städteolympiaden, Open Innovation und eine Kompetenzoffensive für den Einsatz von digitalen Werkzeugen. Nicht morgen, sondern heute.

„Dafür ist eine neue Art des Denkens, der Kultur und des Zeitgeistes für die gewünschten Szenarien erforderlich. Sie müssen in Geschichten übersetzt werden, die uns helfen, von dieser Zukunft zu träumen. Das muss sich in unseren Köpfen wie ein gutes Musikstück festsetzen. Etwas, was uns voranträgt. Da müssen auch Kunst und Kultur aktiviert werden, dass das für alle Menschen vorstellbar wird“, fordert Helbing.

Hausaufgaben hat zudem die Wirtschaftswissenschaft zu machen: Vonnöten sei eine transformative Ökonomie, die sich von ihren Rechtfertigungserzählungen löst, erläutert Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts. Sie müsse sich von einer Reparaturökonomie zur Orientierungswissenschaft weiter entwickeln:

„Plötzlich haben wir mit Null-Grenzkosten-Produkten und Produktivitätssprüngen zu tun, die das Maß vorangegangener technologischer Metamorphosen deutlich übertreffen. Jetzt würde man sich eine Ökonomie wünschen, die dazu Antworten entwickelt. Wie organisieren wir unseren Sozialstaat, was passiert mit der Geldwirtschaft im Zeitalter von Bitcoin, wie finanziert sich der Staat? Wo sind die Ökonomen als öffentliche Intellektuelle? Sie verkriechen sich lieber in ihren Boxen und machen tolle Experimente und wundern sich über die zunehmende Kritik an der Visionslosigkeit der Wirtschaftswissenschaften.“

Ethos ganzer Systeme

Reinhard Pfriem spricht im Interview zu recht von der Ökonomie als Möglichkeitswissenschaft, um Szenarien für die Zukunft zu entwerfen.

„Es gibt immer noch zu viele Sandkastenökonomen. Mein akademischer Lehrer Peter Ulrich hat das mal so schön gesagt: Wir brauchen ein Ethos ganzer Systeme. Wir müssen das immer auf einer höheren Ebene beurteilen“, so Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius.

Gleiches gelte auch für die Politik, sagt der Ökopionier und Unternehmer Jörg Heynkes in der FutureHubs-Diskursreihe.

„Es wird zwar von einer vierten industriellen Revolution gesprochen. Man ist ständig darum bemüht, das abzuleiten, was bei den vergangenen Ereignissen passiert ist. Eine ernsthafte Auseinandersetzung über das, was in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf uns zurollt, findet nicht statt.“

Das muss sich ändern. Wir setzen die Dialogreihe fort 🙂

Scheininnovationen und Digi-Labs überdecken Defizite der Digitalisierung

Um bei den Digitalthemen in der ersten Liga zu spielen, reicht es für Unternehmen wohl nicht aus, entsprechende Talente oder Startups an Bord zu holen.

„Auch in der Führung muss Kompetenz in Sachen Digitalisierung präsent sein“, fordern Jürgen und Heribert Meffert in ihrem Opus „Eins oder Null“.

Dabei gehe es vor allem um die erste Ebene, die Geschäftsführung und das Aufsichtsgremium, sowie um die zweite Führungsebene.

„Die IT muss als neue Kernkompetenz im Unternehmen verstanden werden, der CDO sollte ein einflussreiches Wort im Führungsgremium mitsprechen – dann klappt es auch mit der Digitalisierung.“

Für die Kulisse passiert gerade eine Menge. Aber ändert sich wirklich etwas in den Führungsetagen?

„Digi-Labs, Innovation-Hubs, Digitalfabriken oder wie immer die deutschen Unternehmen ihre Ableger nennen, sind in den vergangenen Jahren ein fester Teil der deutschen Firmenlandschaft geworden. Ob Daimler, Lufthansa, Thyssenkrupp oder Deutsche Bank – jeder, der zeigen will, dass er die Zukunft anpackt, hat inzwischen ein Labor gegründet. Rund 100 sind es mittlerweile und noch deutlich mehr, wenn man zugekaufte Startups oder IT-Ausgründungen miteinbezieht. Tendenz steigend“, schreibt Capital.

Das Monatsmagazin hat mit der Hamburger Managementberatung Infront Consulting über Monate Dutzende von Laboren besucht. Bislang sind die Ergebnisse ernüchternd: Wirklich Geld habe noch niemand verdient, auch die nicht, die schon länger dabei sind.

„Es fällt auf, dass bisher betriebswirtschaftlich eigentlich fast nichts erreicht wurde“, zitiert Capital Julian Kawohl, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Kein Unternehmen hat durch sein Lab signifikantes Neugeschäft aufgebaut.“

Was fehlt, sei die Bereitschaft der Konzerne, wirklich im großen Stil Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Noch stünden die Labs unter Welpenschutz, heißt es in der Studie.

Controller und die Sucht nach der kurzfristigen Rendite

Noch sei die Begeisterung bei den CEOs hoch. Noch werden die Units von dem verführerischen Parfüm des Neuen umgeben.

„Das aber könnte sich ändern, wenn die Controller kommen und Nachweise für wirtschaftlichen Erfolg verlangen“, schreibt Capital und hätte vielleicht die systemischen Defizite der Deutschland AG stärker unter die Lupe nehmen sollen.

Viele Konzerne und mittelständische Unternehmen leben von der Substanz. Sie setzen nicht auf neue Technologien, sondern auf höhere Preise und Scheininnovationen.

Wachsende Konzentration in wichtigen Branchen und eigentumsrechtliche Verflechtungen schädigen die Innovationskraft, um Zukunftsthemen wie die Kreislaufwirtschaft, die Mobilitätswende und den Klimaschutz zu stemmen. Wir bescheiden uns lieber mit Dumping-Kapitalismus, mahnt Wolfgang Neef, ehemaliger Vizepräsident der Technischen Universität Berlin. Rendite-Geilheit rückt an die Stelle der Qualitätsproduktion.

Value-Engineering statt Qualitätsproduktion

Die Studenten von Neef berichten, dass in der Firma Siemens professionelle Ingenieurarbeit, die ihre Zeit braucht und nicht mit billigsten Mitteln arbeitet, als „Over-Engineering“ geschmäht werde. Es soll stattdessen um „Value-Engineering“ gehen, also Ingenieurarbeit, die primär den Unternehmenswert an der Börse im Blick hat und möglichst geringe Kosten aufweist.

Laut Handelsblatt ist das national und international kein Einzelfall. Statt Produkte zu erfinden, würden sich Firmen im Zahlenjonglieren üben: Statt Wissenschaftler einzustellen, Forschungslabore einzuweihen oder neue Geschäftsfelder zu gründen, baut man die Finanzabteilung aus, in der dann neue Tricks zur internationalen Steuerarbitrage ausgebrütet werden. Laut einer Studie des MIT setzen die meisten Konzerne nicht mehr auf langfristige Grundlagenforschung und angewandte Forschung, sondern konzentrieren ihre Ausgaben auf kurzfristige Ziele. Ein immer größerer Anteil der Patentanmeldungen dient nicht mehr dem Schutz von Innovationen, sondern soll die Anwendung innovativer Technologien durch Konkurrenten blockieren.

Solche Effizienzdogmatik führt zur Sparsamkeit der Geisteskraft, so der Duktus der aphoristischen Schrift „Kritik der grotesken Vernunft“ aus der Feder von Lars Hochmann:

„Jede Gesellschaft hat die Unternehmen, die sie verdient.“

Das muss aber nicht zur fatalistischen Gegenwartsrestauration führen.

„Zukünfte zu gestalten, bedeutet: die Wirklichkeit aufheben lernen“, so Hochmann, der mit seiner Aussage gut zur Programmatik der D2030 Initiative passt. Denn: „Unternehmen sind von Menschen gemacht und damit immer auch anders machbar.“

Ausführlich in meiner Netzpiloten-Kolumne nachzulesen.

Effizienzdogmatik in der Praxis: Microsoft streicht zehn Prozent der Stellen in Deutschland

#FutureHubs Exzellente Diskurse über die Zukunft #D2030

Ein großes Dankeschön an alle, die bei den FutureHubs mitgemacht haben.

Brauchen wir eine neue Ökonomie? #D2030 #FutureHubs @Martin_Leutz

Dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen und das gehört zur Disputation.

Um 17 Uhr werden wir das debattieren in der Tournee der Initiative.

Liveübertragung via www.facebook.com/gsohn

Mitdiskutieren 🙂

„Wer Big Data anwendet, kann sich an Open Data nicht vorbeimogeln“ #Siri #Alexa #Cortana

Big Data

Wenn Big Data-Algorithmen und sprachgesteuerte Systeme ohne meine Zustimmung anfangen, mich zu klassifizieren und zu stigmatisieren, automatisch meine Bonität herabstufen, einen Wechsel der Krankenversicherung wegen meines vermeintlich exakt berechneten Gesundheitszustandes verhindern oder Personalberatern die Abweisung meiner Stellenbewerbung empfehlen, wird es zu heftigen Gegenreaktionen der Nutzer kommen.

„Das wird noch eine Weile beobachtet und irgendwann reagiert die Gesellschaft“, meint der Systemtheoretiker Gerhard Wohland.

Es folgen Störungen des Systems, die bis zu Boykott und Ausstieg reichen können.

Im Wettbewerb von personalisierten und vernetzten Angeboten werden deshalb nur jene überleben, die einen Vertrauenspakt mit ihren Kunden eingehen, ist sich der Düsseldorfer Unternehmensberater und Smart Service-Blogger Bernhard Steimel sicher.

„Wer Big Data anwendet, kann sich an Open Data nicht vorbeimogeln. Jedes Tracking zur Auswertung von Datenspuren, jede Lokalisierung und jeder Abgleich mit dem Profil eines Internetnutzers darf nur erfolgen, wenn der Kunde es will.“

Friss-oder-stirb-Geschäftsbedingungen könne sich niemand auf Dauer erlauben. Nicht alles, was technisch machbar sei, ist auch kulturell mehrheitsfähig.

„Das Maß aller Dinge ist meine Bereitschaft, Daten von mir preiszugeben. Hier liegt der Kern von Big Data-Anwendungen. Mein digitales Ich, meine digitale Repräsentanz und mein digitales Beziehungsnetzwerk dürfen nicht fremdgesteuert sein. Sozusagen ein Recht auf virtuelle Selbstbestimmung. Die Nutzung dieser Daten kann ich den Big Data-Systemen zu jeder Zeit wieder wegnehmen. Der Datenschlüssel, den ich zur Verfügung stelle, kann abhängig sein vom Zeitpunkt der Nutzung, er kann abhängig sein von Personen, er kann definiert sein für bestimmte Aktionen oder Nutzungsszenarien. Entscheidend ist nur, dass mir die personalisierten Dienste das Leben einfacher machen“, resümiert Steimel.

Die ersten Anbieter, die zu einem neuen Datenpakt mit den vernetzten Konsumenten bereit sind, werden zu den Gewinnern der Netzwerk-Ökonomie zählen. Ein direkter Vertrag könne auch fernab von Facebook und Google über Apps abgeschlossen werden, so Steimel. Dafür eignet sich aber nicht der anmaßende Begriff „Big Data“, sondern eher „Smart Data“.

Das gilt auch für Systeme wie Siri, Alexa oder Cortana, die Stefan Pfeiffer in seinem Blog thematisiert. Unternehmen sollten nach seiner Ansicht für Transparenz und Vertrauen in den Systemen der künstlichen Intelligenz sorgen. Als Beispiel nennt er die Prinzipien seines Arbeitgebers IBM. Klingt vernünftig. Sollten wir auf der Cebit zum Thema machen.

Da haben allerdings einige Tech-Konzerne noch Nachholbedarf. Sinnvoll sind die Dienste – auch für Journalisten. In der Datenpolitik muss allerdings einiges besser werden.

Gute Frage: Können Algorithmen Falschmeldungen entlarven?

Keine Partei beschäftigt sich mit der drängendsten Frage der Digitalisierung – dabei gibt es so viele Fragen.

#SPON Politik bei Kommentaren: Feuer frei bei Putin und Brexit #33c3

Grafik von Daniel Kriesel
Grafik von Daniel Kriesel

Seit Mitte 2014 hat David Kriesel fast 100.000 Artikel von Spiegel Online systematisch gespeichert und in einer Datenanalyse eindrucksvoll einige Clusterungen beleuchtet.

Etwa die Frage der Kommentierbarkeit von Beiträgen auf Spiegel Online. Klingt unspektakulär. Wenn man sich aber die Muster der Kommentarmögichkeiten anschaut, sieht das ganz anders aus.

putin

brexit

iran

paris

Flüchtlinge

Und da sehe ich einen Bedarf für eine Diskussion mit der Spiegel Online-Redaktion.

Bei Themen zu Putin, Brexit und Iran kann aus vollen Rohren kommentiert werden.

Bei anderen Schwerpunkten ist das nicht möglich. Auch so macht man Politik…..

Ich halte das für einen Fehler. Wer in Kommentaren beleidigt, droht oder hetzt, sollte ausgesperrt werden. Aber ansonsten halte ich diese Gewichtung der Kommentarmöglichkeiten für eine nicht sinnvolle Maßnahme. Damit gießt man noch mehr Öl ins Feuer und beflügelt die Verschwörungstheoretiker.

Siehe auch:

Analyse von Spiegel Online: So tickt Deutschlands größte Nachrichtenseite

Regeln ohne Visionen und Utopien: Visionsarmes Weißbuch Arbeiten 4.0 – Plädiere für #NullEmission #NEO16x

Guido Bosbach von ZUKUNFTheute im #NEO16x Gespräch mit Frank Eilers, Frank Widmayer, Kerstin Schinck, Heiko Fischer und Lars Hahn.
Guido Bosbach von ZUKUNFTheute im Gespräch mit Frank Eilers, Frank Widmayer, Kerstin Schinck, Heiko Fischer und Lars Hahn.

Mal unabhängig vom Schwachsinn des 4.0-Gequatsches, das seit einiger Zeit auch in der Arbeitswelt Anwendung findet und niemand etwas zu 1.0, 2.0 und 3.0 sagen kann, hat Lars Hahn einen lesenswerten Beitrag zum Weißbuch Arbeiten 4.0 geschrieben. Zwei Jahre ist darüber diskutiert worden und heraus kam ein Werk der Regeln, der Gesetze, der Sicherung, des Schutzes und des Rahmens: Arbeitsversicherung, Arbeitsschutz 4.0, Beschäftigtendatenschutz, Rentenversicherung, Arbeitszeitregelungen, Sicherungssysteme.

„Damit mich keiner falsch versteht. Regeln für die digitalisierte Arbeitswelt sind wichtig: Datenschutz und Arbeitsschutz erhalten im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung gar eine noch höhere Bedeutung, als sie ohnehin schon haben. Allerdings: Beim Lesen des Weißbuches kann der Eindruck entstehen: Außer Regeln nichts gewesen“, kritisiert Hahn.

Wo aber bleiben die Zielen, Visionen und Utopien? Was will man ändern? Wann gibt es Initiativen für mehr dezentrale Arbeit jenseits der Berufspendler Republik Deutschland? Welche Arbeitskultur wollen wir?

„Wenn wir nur regeln und versichern, reißt das keinen vom Hocker. Wir brauchen nahrhafte, leckere Ziele. Setzen wir die Chancen, die die Digitalisierung bietet gezielt ein, um Themen zu bearbeiten, etwas zu erreichen, eine Mission zu erfüllen, so etwas wie damals: ‚Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen‘. Und nutzen dafür die Chancen, die uns die Digitalisierung bietet, würde man heute ergänzen.“

Lars Hahn bringt einen Vorschlag, der auch in der von Guido Bosbach organisierten und moderierten -Diskussionsrunde unter seiner Beteiligung eine große Rolle spielte:

„Wir haben uns entschlossen, bis 2030 in Deutschland die Arche Noah des globalen Klimawandels zu bauen. Wir Deutschen schaffen die Technologien und Methoden, die den weltweiten Klimawandel stoppen! Arche Noah 4.0. Wir können das! Dafür investieren wir in Bildung, schaffen die Rahmenbedingungen für Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen.“

Die Diskussionen über die neue Arbeitswelt bleibt nach Ansicht von Hahn zu oft im Wie stecken.

„Das Wohin und Weswegen, darüber lohnt es sich zu sprechen, gar zu streiten.“

Er fragt nach Visionen. Meine lautet #NullEmission mit einer fundamentalen #Mobilitätswende.

Das stellt nicht nur die Arbeitswelt auf den Kopf, sondern auch die Industrie, die Art und Weise der Produktion, die Stadtplanung, die Lebenswelt im Kiez, die Energiepolitik und sogar die Außenpolitik durch stärkere Autarkie bei der Energieversorgung.

Der Unternehmer Jörg Heynkes nennt das Schwarm-Mobilität.

„Während die Politik wertvolle Zeit verplempert, die schwerfällige Autoindustrie zu nähren, verschlafen wir die wirklich große Wende in der Neugestaltung unseres Landes.“

Am Beispiel der Stadt Wuppertal skizziert Heynkes eindrucksvoll, warum wir die Zukunft nicht mehr durch einen Blick in den Rückspiegel gestalten sollten. Wuppertal hat 350.000 Einwohner und 200.000 PKW:

„Die Autos fahren aber nicht ständig durch die Gegend, sondern stehen im Schnitt 23,6 Stunden am Straßenrand, blockieren permanent Flächen und kosten aber 24 Stunden am Tag Geld. Das ist das absolute Gegenteil von Effizienz. Jetzt kommt ein neuer Anbieter und sagt: ‚Liebe Wuppertaler, die Mobilität, die ihr zur Zeit mit 200.000 PKW bewerkstelligt, können wir Euch problemlos mit 25.000 Schwarm-Mobilen besser erledigen‘.“

Solche ‚Fahrzeuge’ haben kein Gaspedal, keine Bremse, kein Lenkrad. Sie sorgen einfach nur für den Transport von A nach B. Man nimmt nur noch solche Dienste via App über eine Flatrate in Anspruch, ohne überhaupt noch eigene Autos zu besitzen. Keine KFZ-Steuer, keine Versicherung, keine Inspektion, kein Kauf von Sommer- und Winterreifen, keine nervige Parkplatzsuche, keine horrenden Gebühren im Parkhaus und keine teure Benzinbetankung in Abhängigkeit vom Ölkartell. Die Schwarm-Mobile sind lautlos, sauber, umweltfreundlich, dezentral verfügbar und sicher.

Schwarm-Mobile werden alles verändern

Der Zuwachs an Komfort und Lebensqualität durch Schwarm-Mobilität wird alles verändern. 90 Prozent weniger Unfälle, 90 Prozent weniger Werkstätten für Reparaturen, 90 Prozent weniger Taxifahrer, 90 Prozent weniger ADAC-Mitglieder.

„Durch eine vernetzte Technologie zur Verbesserung unserer Mobilität ändern sich unfassbar viele Parameter – mit negativen und positiven Folgen, die die Politik jetzt durchdenken muss“, fordert Heynkes.

Was bedeutet das für die Stadtentwicklung und für die Verkehrsplanung? Stadt muss und darf komplett neu gedacht werden. In Wuppertal gibt es rund 630.000 PKW-Stellplätze, die jeweils rund 12,5 Quadratmeter beanspruchen. Fallen die weg, gewinnt man Flächen, um beispielsweise in Kombination von digitaler Technologie, Hightech-Landwirtschaft und Manufaktur Stadtfarmen mit kleinen Kraftwerken aufzubauen.

Die Menschen in den Wohnquartieren bekommen gesunde Nahrungsmittel direkt aus der Nachbarschaft – gestern gewachsen, heute geerntet und morgen gegessen. Und das ohne Transportwege und Belastungen mit Emissionen. Obst und Gemüse können zu hochwertigen Produkten veredelt werden in dezentralen und gemeinwohlorientierten Organisationsformen. All das steckt in der Mobilitätswende, aber nicht in den Köpfen der Industriepolitiker und Lobbyisten. Das steckt auch nicht im Kopf von Andreas Nahles.

Lieber Lars, das wäre doch ein zukunftsträchtiges und revolutionäres Moonshot-Projekt? So schaffen wir das Ziel #NullEmission

Siehe auch: Was wäre eigentlich, wenn alle Autos morgen elektrisch fahren würden?

Übrigens: Schon das Nachdenken und Aussprechen von Utopien verändert die Gegenwart, auch wenn sich nicht alles realisieren lässt – das wäre ja auch anmaßend.

Eure Utopien würden wir gerne in unserem Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland vorstellen.

Meldet Euch bei mir oder bei Professor Lutz Becker.

Die #NEO16x läuft noch und wir planen schon die #NEO17x

#NEO16x Sendezentrum

Hier unser kleines Resümee zum ersten Tag der :

Und hier die Übertragungen der gestrigen Sessions via Facebook Live:

Hier die NEO16x Playlist auf YouTube.

Heute stehen noch zwei Sessions an.