Crowdfunding-Kampagne: Shift als Staffelmagazin – Zeitschrift nach Netflix-Prinzip

Das Gesellschaftsmagazin Shift will den Printjournalismus weiterentwickeln – und seine Ausgaben erstmals als Staffel veröffentlichen. Dabei sollen die Ausgaben ineinandergreifen und aufeinander aufbauen. Finanzieren will Gründer und Chefredakteur Daniel Höly dieses Konzept per Crowdfunding.

„Es ist für uns ein großes Wagnis, Shift vom klassisch monothematischen Magazin hin zu einer Staffel mit mehreren Episoden umzubauen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass man es sich in der heutigen Zeit nicht leisten kann, nicht zu experimentieren“, begründet Höly diesen Schritt.

„Warum nicht auch Impact Journalismus?“

Die Idee zum Magazin als Staffel kam dem 31-Jährigen bei zwei Fragen: „Wann habe ich das letzte Mal etwas in den Medien gesehen oder gelesen, das mich verändert hat? Und warum konsumiere ich eigentlich Journalismus? Die ehrliche Antwort auf diese beiden Fragen fiel bei mir eher ernüchternd aus“, gesteht Höly. Und so stellte er sich die Frage, wie solch ein Journalismus aussehen müsste, der wirklich etwas bewirkt. „Das wäre dann ein nachhaltiger Journalismus mit Wirkung.“ Im Finanzbereich etwa sei zunehmend von Impact Investing die Rede. „Warum also nicht auch Impact Journalismus?“, fragt der gebürtige Südhesse.

Weg von Hollywood-Filmen, hin zu Netflix-Serien

Konkret stellt Höly sich unter anderem vor, die einzelnen Ausgaben enger miteinander zu verzahnen – und ähnlich wie bei einer Filmserie auf einen zusammenhängenden Erzählstrang zu setzen. „Ich will weg davon, Magazine wie singuläre Hollywood-Blockbuster zu konzipieren und stattdessen lieber die Netflix-Schiene in den Printjournalismus holen“, erklärt Höly.

Dass er damit nebenbei auch ein alternatives Vertriebsmodell im Abonnement-Bereich entwickelt hat, war zunächst gar nicht beabsichtigt. So werden die Ausgaben nur noch als Staffel angeboten. Das gilt auch fürs Crowdfunding, das für Höly weit mehr ist als eine reine Vorfinanzierung. „Im Kern geht es nach wie vor um Beziehungen – zwischen uns und unseren Lesern. Alles andere hat sich dem unterzuordnen und nicht umgekehrt“, sagt Höly. Ob das die Crowd auch so sieht?

Endlich: WC-Literatur auf der Klorolle und eine Session-Idee: Payback-Punkte mit Zwirbler-Crowdfunding verbinden #Streamcamp14

Literatur fürs Klo
Literatur fürs Klo

Zwirblers Schwester hat abgetrieben und ist verschwunden. Ist sie in die Hände von Abtreibungsgegnern einer katholischen Sekte geraten, um in einem geheimen Schweigekloster in der Nähe von Köln Abbitte zu leisten, was in einem Schweigekloster nur schwer möglich ist? Steckt ein reaktionärer Kardinal hinter der Aktion von bigotten Saubermännern? Alles reine Spekulation. Eine Indizienkette, die ich ganz persönlich aus dem bisherigen Geschehen abgeleitet habe. Zwirbler zwirbelt zusammen mit seinen abertausenden Facebook-Fans Gedankenblitze, Wortkaskaden, Gesprächsfetzen und Fantasien in die Statusmeldungen, um das zerzwirbelte Dasein literarisch zu verarbeiten.

Zwirbler

Das Ende ist noch offen und doch scheint irgendein Ende so nah. Welche Rolle spielt dabei die erigierte Traurigkeit und die in den Statusmeldungen gepressten Zuneigungen, die Zwirbler bei seiner Suche begleiten? Wir lesen und posten auf Facebook, weil uns eine Welt alleine nicht genügt. TG als Zwirblers Alter Ego hat uns in der gestrigen Bloggercamp.tv-Sendung ein wenig in die Lebenswelt des Protagonisten eingeführt und erläutert, warum man Zwirbler aus den Untiefen des Zuckerberg-Imperiums befreien sollte.

Das solltet Ihr über die Crowdfunding-Plattform Startnext in den nächsten 15 Tagen unbedingt mit kleinen und großen Beträgen unterstützen.

Zwirbler braucht Eure Unterstützung
Zwirbler braucht Eure Unterstützung

Wer gar seine Geldbörse weit öffnet und 5.555 Euro in den Topf wirft, bekommt vom Autor des weltweit ersten Facebook-Romans den Hintern abgewischt. TG ist zu allem bereit.

Wie man die literarischen Klorollen mit Payback-Punkten und dem Startnext-Projekt verbinden könnte, wollen wir gemeinsam mit TG am Samstag auf dem Streamcamp erörtern, schließlich findet das Streamcamp am Samstag und Sonntag in der Firmenzentrale von Payback statt 🙂

Siehe auch:

Zwirbler im ARD-Nachtmagazin.

Der Atomausstieg ist übrigens teurer als das Zwirbler-Projekt….

Glücksversprechen werden im Roman nicht zurückgenommen.

Ob Eizellen im Facebook-Roman eingefroren wurden, kann ich nicht genau sagen. Da habe ich den Überblick verloren.

Jetzt live: #Bloggercamp.tv Update über Nachkriegskinder

Legendäre Langzeitstudien
Legendäre Langzeitstudien

Wie findet man 4000 Kriegs- und Nachkriegskinder wieder, die an einer Studie von 1952 bis 1961 teilgenommen haben? Die „Deutschen Nachkriegskinder“ (geb. 1945-1946) wurden 10 Jahre lang medizinisch und psychologisch untersucht. Für eine neue Studie über die Lebensspanne dieser Menschen benötigen wir eine Datenbank, die uns bei der Suche nach den heute etwa 70-Jährigen hilft. Mit Ihrer Unterstützung kann diese Datenbank weiter programmiert werden, damit eine Nachfolgestudie beantragt werden kann.

Sascha Foerster stellt ab 11 Uhr das Projekt in Bloggercamp.tv Update vor. Rund 7000 Euro müssen in sechs Tagen noch eingesammelt werden, vielleicht finden sich einige Großspender, die ein Herz für interdisziplinäre Forschung haben und hauen den fehlen Betrag direkt die Kasse.

Sobooks oder: Das Buch als Website #fbm13 #StreamCamp13

Lobo

Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, wie Hannes Schleeh und ich mit dem Crowdfunding-Buchprojekt über die Streaming Revolution “Hangout on Air” gnadenlos gescheitert sind.

Es sollte ein fließendes Un-Buch sein, um bei einem so dynamischen Technologiethema zum Erscheinen des Werkes nicht sofort wieder hinter dem Mond zu landen. Die Erscheinungsform wollten wir bewusst in der Schwebe halten, um Neuigkeiten sofort aufnehmen zu können. Aber uns war nicht ganz klar, ob das als eBook möglich sein würde.

Entsprechend zweifelnd reagierte die Netz-Community auf unsere Projektbeschreibung. Beim Social Media Club in Bonn gab es bei der Vorstellung unserer Startnext-Idee eine Frage, die mich grübelnd zurückließ: Warum macht Ihr das Buchprojekt nicht in Form einer Website? Anfänglich hielt ich das für Blödsinn.

Streaming Revolution

Etwas später waren wir davon überzeugt, eine Melange aus App, Website und eBook auf den Markt zu bringen. Es gibt einen Startpunkt aber kein Ende des Werkes. Wir halten unser Opus bewusst in der Schwebe, um Neuheiten, die sich bei Streaming-Technologien ereignen, sofort aufzunehmen. Leider kam die Erkenntnis zu spät – der Finanzierungszeitraum war schon fast abgelaufen.

Inspiriert hat uns vor allem Dirk von Gehlen mit seinem Startnext-Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“.

“Es geht nicht mehr einzig um das Werkstück, das früher auf analoge Datenträger gebannt wurde. Ein Film, ein Song, ein Text (und alle digitalisierten Werkstücke) werden ihren besonderen Zauber künftig immer mehr aus dem Prozess ihres Entstehens ziehen, denn einzig aus dessen Resultat.“

Crowdfunding-Buchpionier Dirk von Gehlen

Gehlen sieht die Analogie zum Fußball: Die Fans im Stadion wollen mitfiebern, reinrufen, teilnehmen, jubeln und sich ärgern.

“Und das tun sie nicht nur wegen der Resultate. Das tun sie, weil Fans, Spieler und Öffentlichkeit gemeinsam ein Erlebnis schaffen können, das mindestens ebenso wichtig sein kann wie das Ergebnis. In einer Welt, in der die Ergebnisse kopierbar und kaum zu halten sind, könnte der Blick auf das Erlebnis neue Perspektiven öffnen.”

Um so überraschter bin ich jetzt von dem programmatischen Konzept des neuen Verlages „Sobooks“, das am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse von Sascha Lobo und Christoph Kappes vorgestellt wird.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat Sascha Lobo die Idee der Firmengründung ausführlich erläutert. So doof waren wohl unsere Gedanken über das Buch zur Streaming Revolution gar nicht:

„eBook, wie wir sie heute kennen, sind nur das, was die Digitalisierung aus dem Buch gemacht hat – was aber machen Internet und soziale Medien aus dem Buch? Mit Sobooks versuchen wir, das zu beantworten, was allerdings dazu führt, dass jedes Buch, das man auf Sobooks kaufen kann, vollständig im Netz steht.“

Und jetzt kommt es: Bücher seien bei uns eigentlich Websites, schon um die Kraft des Internets zu nutzen. Ein Buch könne verschiedene Formen annehmen – jenseits von Kopierschutz-Systemen wie DRM.

Auch ein Buch könne – rein technisch betrachtet – die Form einer speziellen Website annehmen.

„Vielleicht muss es das sogar, um mit dem Netz seinen vollen wirtschaftlichen und kulturellen Mehrwert auszuschöpfen.“

Wenn das Buch im Browser stattfindet, könne man auch die vielen Instrumente nutzen, mit denen sich hervorragend Informationen verbreiten lassen. Und das gilt auch für die Interaktion. „Sobooks-Leser können im Buch selbst über das Buch diskutieren. Das ist wichtig, weil Bücher das Gesprächsthema Nummer eins sind, und wir glauben, dass es keinen organischeren Ort für diese Diskussion gibt als das Buch selbst.“

Lobo spricht von einem bereichernden Diskussionstrubel und knüpft damit nahtlos an das Dirk von Gehlen-Credo an.

Vielleicht sollten wir unser Streaming-Buchprojekt noch einmal bei Sobooks starten. Wir könnten das auf dem StreamCamp13 am 16. und 17. November in einer Session diskutieren.

Siehe auch:

Dirk von Gehlen: “…das unkopierbare Erlebnis der Teilhabe.”

Drei spannende Buch-Startups abseits des Selfpublishing.

WDR-Bonn fragt nach: Warum hast Du das @shiftmagazin unterstützt?

Fernsehinterview

Ein Fernsehteam des WDR interviewt mich gleich im Bonner Hofgarten über das erfolgreich finanzierte Crowdfunding-Projekt von Daniel Höly. Ihr wisst schon, Nerd macht Print. Ein junger Online-Journalist schwimmt gegen den Strom und hat den Mut, eine gedruckte Zeitschrift für 20 bis 35jährige zu machen, die sich doch in Scharen von Printmedien wegbewegen. Warum habe ich das Projekt unterstützt? Diese Frage stellt mir gleich das WDR-Team.

Daniel sprach im Bloggercamp.tv-Interview vom Bedürfnis der jungen Leute nach Slow Media. Nicht als Abgrenzung von der digitalen Sphäre, sondern als Ergänzung. Sich vom Nachrichtenstrom des Social Web abkoppeln und in aller Ruhe sich ausführlichen Reportagen, Interviews und Hintergrundartikeln widmen. Und das Ganze ohne Verlag, ohne Werbebudget, allein finanziert durch die potentiellen Leser, die er in der Crowdfunding-Kampange direkt angesprochen hat, um sie von seinen Ideen zu überzeugen. Keine Werbe-Dampfwalze, die man von neuen Printprojekten sonst gewöhnt ist.

Erst das Publikum für sich gewinnen, ausführlich diskutieren, viele Rückmeldungen erhalten und dann sehen, ob das von der Crowd angenommen wird. Das ist ein unglaubliches Pfund von Funding-Plattformen wie Startnext.

Und es hat ja geklappt. Über 7.000 Euro sind in die Kasse gekommen, 5.000 waren das Ziel. Das erste Heft ist auf dem Markt und ich wünsche Daniel ein erfolgreiches Gelingen seines Vierteljahres-Magazins. Gespannt bin ich auf die Verzahnung mit dem Netz:

„Zahlreiche Links führen zu Audio-Versionen, ergänzenden Videos, weiterführenden Artikeln und einem 34-seitigen Online-Add-on mit zusätzlichem Lesevergnügen. SH!FT zeigt, wie sich Print und Online nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.“

Bloggercamp.tv oder: Besser scheitern mit Crowdfunding

Heiter scheitern

Heute Abend ab 18 Uhr ist es soweit. Es startet in Kölle ein Crowdfunding-Roundtable, der monatlich über die Bühne gehen soll. Ich bin auch dabei und soll etwas über unser Startnext-Projekt zur „Streamingrevolution – ein fließendes Unbuch mit und über Hangout on Air erzählen“. Und wie es im Leben eben mal vorkommt, das Ganze war zum Scheitern verurteilt. Warum, das werde ich in rund 20 Minuten skizzieren. Als Verlierer stehen wir trotzdem nicht da, denn als Ergebnis entstand unser Workshop-Konzept “Video-Blogging und Echtzeitkommunikation über Streaming-Dienste: Von Laien für Laien“. Und das wird gut gebucht 🙂 So bleibt eben vom Scheitern eher das Heiter übrig.

Ablauf:

Einleitung und Begrüßung durch Dennis Schenkel.

Gunnar Sohn erzählt uns von seiner eigenen Crowdfunding-Kampagne.

Adrian Porger von United-Equity beleuchtet Crowdfunding aus der Sicht eines Crowdfunding-Portals.

Vidar Andersen lässt uns einen Einblick in seine Crowdfunding-Erfahrungen haben.

Get-Together in entspannter Atmosphäre.

Ab 19:30 gibt werden wir in Bloggercamp.tv live über die Kölner Gesprächsrunde berichten und Eindrücke des Zusammentreffens auffangen. Ab 18:30 Uhr ist Hannes Schleeh on Air mit: Warum eine Königin ein iPad-Magazin macht.

Von der Diplomarbeit zum Printmagazin für Nerds – Finanzierung über Startnext #Shift

Bonner Projekt "Shift"

Seit seinem Abschluss als Diplom-Online-Journalist an der Hochschule Darmstadt arbeitet Daniel Höly an einem Printmagazin für junge Erwachsene. Auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ möchte er genügend Geld sammeln, um die erste Ausgabe drucken zu lassen. 5.000 Euro sind dafür notwendig – rund 1.500 Euro müssen noch in die Kasse kommen, um die Finanzierung erfolgreich abzuschließen. Acht Tage verbleiben noch, um das ersehnte Ziel zu erreichen.

Das Konzept des Heftes macht einen guten Eindruck. Traditionelle Rubriken wie Politik, Wirtschaft und Kultur ersetzt Höly durch drei Hauptrubriken: Hirn, Herz und Horizont. Hirn steht für Kommentare und Debatten zu aktuelleren Themen, in Herz gibt es jede Menge Unterhaltung für Zwischendurch und in Horizont ist Platz für (Foto-)Reportagen und Porträts über den Tellerrand hinaus – ein Mix aus Debatten-, Unterhaltungs- und Gesellschaftsmagazin.

Jede Ausgabe bekommt zudem einen eigenen Schwerpunkt, der sich bei der Themenauswahl durchs ganze Heft zieht. Bei der ersten Ausgabe wird es das eher zeitlose Thema „Die unbequeme Wahrheit“ sein. Dieses Schwerpunktthema soll verdeutlichen, dass in dem Magazin auch ernste und schwere Themen behandelt werden.

Höly setzt zudem ganz bewusst auf einen engen Austausch mit den Lesern. So ließ er sie bereits über den Namen des Magazins in einer Umfrage entscheiden. Heraus kam „SHIFT“, was auf Deutsch „Veränderung“ heißt. Die Botschaft des Namens:

„SHIFT steht sowohl für Veränderung bei der Aufmachung und Themenauswahl des Magazins als auch für Veränderung in den Köpfen der Leser“, erklärt Höly.

Wichtig sei es ihm, das Magazin stets weiterzuentwickeln und nicht irgendwann stehen zu bleiben.

„Denn genauso wie sich die Gesellschaft immer weiterentwickelt, muss sich auch eine Zeitschrift stets mitverändern.“

Warum er im digitalen Zeitalter auf eine gedruckte Ausgabe setzt?

„Während meiner Diplomarbeit habe ich gemerkt, dass viele junge Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren nach wie vor gerne gedruckte Zeitschriften in die Hand nehmen. Vor allem bei längeren Artikeln empfinden es viele Menschen als angenehmer, sie ausgedruckt zu lesen“, begründet Höly seine Entscheidung. Er selbst bevorzuge es als studierter Online-Journalist, an Wochenenden gedruckte Zeitschriften zu lesen. „Allein die Haptik ist nach wie vor eine große Stärke von Printmagazinen“, sagt Höly.

Vier Mal im Jahr soll das Magazin erscheinen. Auf rund 120 Seiten sollen die Leser mit hintergründigen und meinungsstarken Artikeln begeistert werden. Damit die erste Ausgabe auch optisch überzeugen kann, lässt Höly das Magazin von einer Agentur layouten. Das ist genauso wie die Druckkosten alles andere als günstig. Doch für den Freien Journalisten lohnt sich diese Investition:

„Hochwertiger Inhalt hat auch eine hochwertige Optik verdient – und deshalb lohnt sich die professionelle Hilfe aus meiner Sicht.“

Bis zum 17. Juli hat Höly noch Zeit, auf www.startnext.de/shift die 5.000 Euro voll zu bekommen. Macht also Euer Portemonnaie auf und unterstützt das ambitionierte Projekt von Daniel. Er hat es verdient. Viel fehlt nicht mehr, der Countdown läuft!

Noch gut 2.000 Ocken in den Topf schmeißen: Slow Media-Zeitschrift für Nerds #Shift

@juicedaniel

Im Bloggercamp und auch im Wiwo-Lunchtalk hat der Bonner Online-Journalist Daniel Höly sein Crowfunding-Printprojekt „Shift“ vorgestellt. So eine Art Slow Media-Zeitschrift für Nerds.

Ein sehr ambitioniertes und interessantes Vorhaben. In den letzten 16 Tagen müssen jetzt noch gut 2.000 Euro zusammenkommen. Also aufraffen, noch etwas in den Topf werfen und weitersagen!

SHIFT happens: Wieso ein Nerd plötzlich Print macht? #Bloggercamp heute live um 18:30 Uhr #tck13

Shift

Mit dem Tweetcamp in Kölle hat unsere heutige Bloggercamp-TV-Sendung um 18:30 Uhr direkt nichts mehr zu tun. Aber ich habe Daniel @juicedaniel dort das erste Mal persönlich kennengelernt. Er ist Neu-Bonner, ich bin ein Berliner Alt-Bonner. Grund genug, sich über sein Startnext-Projekt für ein neues Printmagazin auszutauschen. Mit der Finanzierung über die Crowdfunding-Plattform soll sein Opus „Shift“ bereits im Juli/August in den Druck gehen:

„Die erste Ausgabe ist eine nichtkommerzielle Ausgabe. Heißt: Es wird sie später nirgends zu kaufen geben. Wenn ihr also eine Erstausgabe in den Händen halten wollt, solltet ihr euch diese Crowdfunding-Aktion nicht entgehen lassen“, schreibt Daniel auf Startnext.

Knapp 2.000 Euro hat er schon zusammen. Schlappe 3.000 Euro fehlen noch, um das Finanzierungsziel zu erreichen. 28 Tage stehen noch zur Verfügung. Also heute Abend den Ausführungen von Daniel lauschen und dann direkt das Projekt mit einem kleinen oder großen Beitrag unterstützen – ich zähle schon zum Unterstützerkreis.

@juicedaniel

Ich finde es sehr sympathisch, so eine Geschichte ohne Verlag zu wuppen. Im Journalismus brauchen wir solche Initiativen!!!!

Hashtag für Twitter-Zwischenrufe während der Live-Übertragung wie immer .

Selbstbestimmung statt Manager-Kapitalismus: Wolf Lotter auf der #rp13

Wolf Lotter auf der republica

In einem kurzen und pointierten Vortrag auf der republica in Berlin hat sich brandeins-Essayist Wolf Lotter mit der Frage beschäftigt, wie man auf die Krise des (Finanz-)Kapitalismus reagieren sollte. Mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Verbote, mehr Steuerausgaben oder gibt es auch eine andere Lösung, um sich vom traditionellen Kapitalismus zu lösen? Lotter nennt sein Vademekum für einen Neuanfang „Zivilkapitalismus“. Wie könne man frei und unabhängig sein, wenn man seine persönliche Ökonomie nicht im Griff hat? Er sieht in der öffentlichen Debatte einen Missing Link der Aufklärung und Emanzipation. Die Ökonomie spiele hier nur eine untergeordnete Rolle.

„Von Zivilgesellschaft reden alle, wenn es beispielsweise um Netzwerke geht. Zivilgesellschaft ist aber mehr als Demokratie-Verhübschung, es ist mehr als ab und zu eine Volksabstimmung durchzuführen, es ist mehr als das Recht für Demonstrationen. Zivilgesellschaft macht selbständig. Kultur, Schule, Ausbildung und Gesellschaft, in der wir uns befinden, wollen das nicht unbedingt. Sie wollen nicht unbedingt zur Selbständigkeit erziehen. Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit gehören bei uns immer noch zu den Risikosportarten“, so Lotter.

Woran liegt das? Wir leben immer noch in der alten Kultur des Industriekapitalismus und das ist eben eine Kultur der Unterordnung, der Hierarchie und der Abhängigkeit.

„In diesem Industriekapitalismus gibt es einen Manager-Kapitalismus – also den Kapitalismus der leitenden Angestellten“, erläutert Lotter, die in der Regel übrigens kaum für ihr eigenes Handeln haften müssen – im Gegensatz zu inhabergeführten Firmen.

Politik und Konzernmanager seien aus einem Holz geschnitzt, so die Beobachtung von Lotter. Man brauche nur das Organigramm eines Konzerns mit den Organigrammen von Parteien und politischen Organisationen vergleichen. Dann finde man fast immer die gleichen Strukturen:

„Deshalb verstehen sich Politiker, Beamte und Konzernmanager auch so gut, wenn sie miteinander lobbyieren.“

Wie beim Leistungsschutzrecht (gs).

Diese Kultur habe sich über Jahrzehnte verfestigt. Max Weber nennt dieses Phänomen „Das stahlharte Gehäuse“.

Manager-Kapitalismus sei Mitläufer-Kapitalismus. Es gebe Mitarbeit und Verbraucher aber keine Gestalter, die etwas in die Hand nehmen. Man solle nehmen, was Manager anbieten. Also Lieschen Müller, die angeblich von den Drosselplänen der Telekom nicht betroffen ist.

Es dominieren in dieser Kommandowirtschaft die Begriffe der Fremdbestimmung. Das gilt für Angestellte und für Kunden. Reicht es da als Konsequenz der vergangenen Krisenjahre aus, wenn wir das Primat der Politik wieder in den Vordergrund stellen?

„Das Primat der Politik hat über viele Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch das Untertanentum und die Fremdbestimmung kultiviert. Wir brauchen deshalb kein Primat der Politik im Sinne der Machtpolitik. Wir brauchen das Primat der Person. In der Ökonomie brauchen wir deshalb Selbstverwirklicher“, fordert Lotter und zitiert die Headhunterin Sue Reindke.

„Die Dinge ändern sich nur, wenn wir sie selbst ändern. Wenn wir uns eine neue Arbeite- und Führungskultur wünschen, müssen wir selbst Chefs werden.“

Anti-Haltungen, die sich gegen das wirtschaftliche System an sich richten, seien eher eine Camouflage für Bequemlichkeit im Denken, um nichts ändern zu müssen. „Alles Scheiße“ sei keine Antwort für eine Verbesserung.

„Das ist keine Haltung, sondern eine Ausrede“, meint Lotter.

Fundamentale Negation ändert gar nichts. Es geht darum, die Wirtschaft zu ändern. Es müsse sich, so Lotter, nicht nur das Bewusstsein ändern, sondern es müssten auch konkrete Dinge passieren. Erziehung zur Selbständigkeit und nicht zur Unterordnung. Bildung als Universalwerkzeug. Es sei schlicht Selbstbetrug zu glauben, dass alles im Leben planbar wäre.

„Üben wir die Fähigkeit, mit Überraschungen umzugehen. An die Stelle von Ohnmacht tritt ein konstruktives Staunen.“

Wirtschaft müsse barrierefrei sein und keine alten Besitzstände pflegen. Sie müsse Zugänge schaffen. Zivilgesellschaft sei Graswurzel und nicht Konzernwirtschaft. Es sei nicht Sache von Menschen in dunklen Anzügen oder Business-Kostümen. Oder wie es Leo Tolstoi ausdrückte:

„Damit die Lage der Menschen besser wird, müssen die Menschen besser werden.“

Ansätze sehe ich dazu in einer neuen Kultur der Beteiligung, der Makers-Bewegung und Krautökonomie.

Im September veröffentlicht Wolf Lotter zu seinen Berliner Thesen ein Buch: „Zivilkapitalismus – Wir können auch anders.“

Hangout-Interviews geplant

Bin gespannt. Habe es schon vorbestellt. Eure Meinung interessiert mich. Wir könnten das auch in Hangout-Interviews weiterspinnen. Wer sich an der Debatte beteiligen möchte, sollte sich bei mir melden.

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