Professor Kruse und seine Firma nextpractice: Wichtige Hinweise für weitere Recherchen zur FAZ-Gegenrecherche

Mein Beitrag „Zwischen Luftgitarren und Zauberberg: FAZ-Ostfriese Reents zerstückelt den Netzwerk-Experten Professor Kruse“ hat doch einiges ans Tageslicht gebracht, um die Qualität der Recherche des FAZ-Literaturredakteurs zu überprüfen. So schreibt der ehemalige Mitarbeiter Dr. Thomas Gebel von nextpractice, der für Kommunikation und Information verantwortlich war:

„Als ehemaliger langjähriger nextpractice-Mitarbeiter möchte ich kurz folgende Fakten sicherstellen. Die von Reents erwähnten vermeintlichen Kunden sind reale Kunden. Es lassen sich für jedes der erwähnten Unternehmen Projekte und Ansprechpartner (Projektnehmer) rekonstruieren – auch wenn sie vielleicht schon nicht mehr für das damals beratene Unternehmen tätig sind. In einer Minderheit der Fälle haben die hausinternen Publikationen auch explizit über Teilaspekte der Projekte berichtet. Einige dieser Beiträge befinden sich für jeden les- und recherchierbar auf der np-Homepage. Eines der Projekte – die IdeenWerkstatt auf dem Thyssen-Krupp-Ideenparks 2008 in Stuttgart, schon in den neun Tagen ihres stattfindens für jedermann offen – wurde sowohl von ThyssenKrupp-Chef Ekkehart Schulz als auch von dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier besucht.

Das erwähnte Vernetzungsprojekt im EU-Parlament hat real stattgefunden. Teilgenommen haben eine Reihe von Parlamentariern, deren Mitarbeiter sowie viele NGO-Klima-Aktivisten. Gastgeber war das Ökosoziale Forum Europa ÖSFE), anwesend war zum Beispiel deren Vorsitzender und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler. Teilnehmende EU-Abgeordnete waren etwa der Schwede Anders Wijkmann (EVP), Jo Leinen (SPE-SPD), ein Vertreter der schwedischen Linkspartei und eine britische Grüne. Die Teilnehmerliste kann beim ÖSFE angefordert werrden. Die Ergebnisse des Workshops flossen über mehrere Verdichtungsschritte in das Abschluss-Memorandum ein. Ich war persönlich während der ganzen Veranstaltung anwesend. Die Repertory-Grid-Methode – übrigens in der Tat eine qualitative – ist durchaus wissenschaftlich erforscht. Referenzen zur Methode, Validität etc. siehe Kruse, P., Dittler, A. & Schomburg, F. (2007). nextexpertizer und nextcoach: Kompetenzmessung aus der Sicht der Theorie kognitiver Selbstorganisation. In Erpenbeck, John/Rosenstiel, Lutz von (Eds.): Handbuch Kompetenzmessung, 515-543. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. Das Buch ist im Handel erhältlich“, so die Mitteilung von Dr. Gebel. Hier werden also endlich Namen genannt, die man befragen kann zu den Projekten der Firma von Professor Kruse. Eine Möglichkeit, die der FAZ-Artikel nicht bietet.

Leser Lucomo verweist auf eine nextpractice-Broschüre, die eingehend die qualitative Methodik beschreibt.

Auszug: „Mit nextexpertizer äußern sich die Befragten in eigenen Worten und vollkommen frei über den Gegenstand der Untersuchung. Zur Erhebung der Aussagen, die vom Interviewer direkt in einen Computer eingegeben werden, verwendet nextexpertizer das psychologisch robuste Prinzip des assoziativen Paarvergleiches. Obwohl es sich bei nextexpertizer um eine qualitative Methode handelt, bietet das Tool alle Möglichkeiten eines quantitativen Verfahrens: Mit nextexpertizer können beliebig viele Interviews mathematisch miteinander in Beziehung gesetzt, ausgewertet und in dreidimensionalen Grafiken anschaulich dargestellt werden. Je nach Zielrichtung einer Befragung werden bis zu 30 Vergleichselemente wie z.B. Personen, Abteilungen, Marken oder Produkte vorgegeben. Diese individuell entwickelten Elemente werden paarweise miteinander verglichen, assoziativ beschrieben und anschließend bewertet. Dieser Vorgang wird mit immer neuen Paarbildungen so lange wiederholt, bis der Befragte aus seiner Sicht alle wesentlichen Aspekte geäußert hat. So entsteht eine Matrix aus vorgegebenen Vergleichselementen und frei genannten Beschreibungsdimensionen, die das individuelle Bewertungsmuster des Befragten widerspiegelt. Aus der erzeugten Matrix lässt sich unmittelbar nach Abschluss eines Interviews ein mehrdimensionaler Bedeutungsraum berechnen (Single-ESA), der die persönliche Sichtweise des Befragten anschaulich und vergleichbar macht. In der Gruppenauswertung wird über speziell entwickelte Algorithmen ein Gesamtbedeutungsraum (Multi-ESA) berechnet, der einen Zugang zu dem intuitiven Bewertungsmuster der befragten Gruppe ermöglicht und vielfältige Detailanalysen zulässt. Die Originalbeschreibungen und gebildeten Themencluster bleiben in der Auswertung und Ergebnisdarstellung erhalten“, soweit der Broschürentext. Größe und Güte einer Stichprobe sind nicht die einzigen wichtigen Standards für empirische Untersuchungen. Hierzu könnte sich ja noch einmal die ZDF-Medienforscherin Ursula Dehm äußern. Und wenn wir schon bei Methodenkritik sind, habe ich für Frau Dehm noch ein kleines Schmankerl über die Dummheiten bei der Erhebung der Einschaltquoten:

Die so genannte „werberelevante Kernzielgruppe“ der 14- bis 49-Jährigen ist ein Marketing-Mythos des Privatsenders RTL. Das enthüllte der frühere RTL-Vermartungschef Uli Bellieno gegenüber der NDR-Sendung Zapp schon im vergangenen Jahr. Große Auswirkungen hatte das bislang nicht: „Schaut man sich die einschlägigen Fachzeitschriften an, steht bei der Veröffentlichung der Fernsehquoten immer noch die Altersabgrenzung im Vordergrund“, kritisierte Hans-Joachim Strauch, Geschäftsführer des ZDF-Werbefernsehens, auf dem Deutschen Handels-Werbekongress in Düsseldorf. Das Ganze war ein Vermarktungstrick von Helmut Thoma. Der damalige RTL-Chef habe es mit seiner Eloquenz geschafft, diese Zielgruppe im Markt zu verankern, berichtet Zapp: „Die Kukidents überlasse ich gern dem ZDF“, so der legendäre Ausspruch des Österreichers.

Eine Änderung der Einschaltquoten-Messung ist mir bislang nicht aufgefallen…..

Auf dem Weg in den BKA-Zensursula-Staat

zdfErst gestern bin ich in einer Wiederholung der ZDF-Sendung „aspekte“ vom 31. Juli auf Aussagen des ehemaligen Verfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem gestoßen. Er äußerte verfassungsrechtliche Bedenken über das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie im Internet.

Hoffmann-Riem sagte Kinderpornographie sei schändlich, und er halte es für richtig, dass der Gesetzgeber dagegen vogehe. Dabei müsse sich dieser aber an rechtsstaatliche Grenzen halten. Der Bund habe ein Gesetz erlassen, für das er keine Gesetzgebungskompetenz habe. Es handele sich um Straftatverhütung einerseits und andererseits um Einwirkung auf die Inhalte von Medienangeboten. Beides seien Fragen, für die die Länder zuständig seien. Wenn der Bund aber gar nicht die Gesetzgebungskompetenz habe, dürfe er nach dem Grundgesetz auch nicht das Bundeskriminalamt als Bundesoberbehörde zur Ausführung dieses Gesetzes einschalten, so Hoffmann-Riem.

Christian Bahls, ein Missbrauchsopfer, sagte gegenüber aspekte: „Was hier passiert ist eine Symbolpolitik und für die Symbolpolitik werden eben Missbrauchsbetroffene ein zweites Mal missbraucht – nämlich als Gallionsfigur im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet und das ist eigentlich eine ziemlich schlimme Sache.“

Bahls ist selber als Kind missbraucht worden und hat einen Verein gegründet: „Missbrauchsopfer gegen Internetsperren“. Er ist Teil einer Protestbewegung die sich in den letzten Monaten gegen das Gesetz formiert hat. Eine Internet-Petition dagegen fand 134.000 Unterzeichner. Alvar Freude, Arbeitskreis Internet Zensur meint: „Man muss hier auch ganz klar Frau von der Leyen den Vorwurf machen, dass sie alle Möglichkeiten effektiv gegen Kinderpornografie im Internet vorzugehen konterkariert, nur um sich ein bisschen Show zu veranstalten, ein bisschen Wahlkampfgetöse zu machen.“

Der Vorwurf: Seiten werden zwar gesperrt, aber das nütze nichts. Inhalte blieben ja weltweit im Netz. Nicht nur nutzlos so ein Gesetz, sondern sogar rechtlich problematisch, sagen Juristen.

Der Medienrechtler Thomas Hoeren hat es noch klarer formuliert. meint: „Wir haben ein Gesetz, das weit in die Grundrechte eingreift. Das Gesetz ist überhaupt nicht effizient, die Zugangssperren, die da gewünscht werden, kann man binnen drei bis vier Sekunden umgehen. Ein politischer Scherz bedingt durch den Wahlkampf.“

Im Kern geht es um Gefahrenabwehr, es geht um Straftatenverhütung und um Einwirkungen auf die Inhalte von Medienangeboten. Beides sind Fragen für die die Länder zuständig sind. Wenn aber der Bund auch gar nicht die Gesetzgebungskompetenz hat, dann darf er nach dem Grundgesetz auch nicht das Bundeskriminalamt als Bundesoberbehörde zur Ausführung dieses Gesetzes einschalten, auch das ist nicht in Ordnung.“

Trotzdem sollen BKA-Beamte darüber entscheiden, welche Internetseiten mit dem Stoppschild verdeckt werden. In den Landeskriminalämtern ermitteln Fahnder gegen die Täter. Kinderpornografie wird vor allem über Handy, per Post und geschlossene Computernetzwerke verbreitet. Die wenigsten Straftäter nutzen für diesen Austausch offene Webseiten, die man sperren kann.

Frank Federau vom Landeskriminalamt Hannover sagt: „Die Sperrung von kinderpornographischen Seiten im WWW ist mit Sicherheit sinnvoll und auch ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen aber auch deutlich sagen, dass viele Inhalte ganz anders getauscht werden und dort müsste man auch entsprechend nachbessern (…)Wir haben auf der einen Seite die Kinderpornografie, das ist ein Phänomen, das ja grundsätzlich mit dem Internet überhaupt nichts zu tun hat. Das Internet begünstigt nur den Austausch und man könnte natürlich möglicherweise ganz woanders ansetzen, nämlich bei der Bekämpfung der Kinderpornografie und nicht unbedingt beim Sperren der Seiten.“

Wenn das Gesetz das Hauptproblem nicht löst, wozu dient es dann, fragt aspekte. Die Antwort des Familienministeriums verblüfft: „Natürlich ist auch dem Ministerium klar, dass Access Blocking nicht alle aufhält, vor allem nicht die Schwerpädophilen – aber es macht ausnahmslos deutlich: Kinderpornografie wird in unserem Land grundsätzlich geächtet.“

„Hätte dafür nicht eine Plakatkampagne gereicht? Denn Kinderpornografie ist in unserem Land schon lange strafbar. Stattdessen erzeugt man eine unheilige Allianz zwischen Internetanbietern, den Providern, und dem Bundeskriminalamt“, so aspekte.

Viel Energie habe man in die PR für das Gesetz gesteckt – wenig in die Umsetzung. „Beinahe hatte man übersehen, dass die EU noch zustimmen muss und das Gesetz darum gar nicht wie geplant in Kraft treten kann. Erst blind im Eifer des Vorwahlkampfes, dann verschlungen in bürokratischen Versäumnissen scheint das eigentliche Problem aus dem Fokus zu geraten“, berichtet das ZDF-Kulturmagazin.

zensursula„Missbrauch passiert im realen Leben, der passiert nicht im Internet, da müssen Opfer und Täter an einem Ort sein. Auch wenn Frau von der Leyen jetzt versucht mit ihrer Web 2.0 Kampagne anderes zu suggerieren. Missbrauch passiert immer noch im realen Leben“, weiß Christian Bahls.

Wolfgang Hoffmann-Riem war von 1999 bis 2008 Richter im Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts und unter anderem für Rundfunk- und Pressefreiheit, das allgemeine Persönlichkeitsrecht und Datenschutz zuständig. Er gilt als einer der profiliertesten Medienrechtler und wurde vor allem durch die von ihm geprägten Entscheidungen zur Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit und zum Großen Lauschangriff bekannt.

Insgesamt hat der aspekte-Beitrag sehr kompakt die Tragweite des Gesetzes dargelegt und die Heuchelei von Zensursula entlarvt!

Siehe auch: MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren.

Freund und Zensor: die Phantomdebatte um Verkehrsregeln im Netz.

ZDF-WISO: Bankberatung auch in Krisenzeiten desaströs – Sparda-Bank in Köln empfiehlt kurz laufende Rentenversicherungen – Verbraucherzentrale kritisiert Orientierung an hohen Provisionen – Kundengewinnung nach dem LEO-Prinzip: Leicht erreichbare Opfer

Die Qualität der Bankberatung in Deutschland ist trotz Finanzkrise katastrophal. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Stichprobe des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion WISO. Demnach gelingt es nur einem von 25 Bankberatern, den finanziellen Hintergrund eines möglichen Kunden auszuleuchten und dann auch richtig zu beraten. Die Testerin gab sich als angeblich 55 Jahre alt aus, die als Sekretärin arbeitet. Sie ist alleinerziehender Single mit einem Sohn (24 Jahre und Student). Sie hat im Mai eine Erbschaft von 95.000 Euro gemacht. Wichtige Kriterien sind außerdem: Eine laufende Immobilienfinanzierung: die Kredittilgung läuft bis 2013, monatliche Rate 405 Euro. Die Restschuld ist dann noch 33.000 Euro groß (ohne Sondertilgung). Jährliche Sondertilgungsmöglichkeiten von 2500 Euro gibt es. Das heißt bis 2013 können 12.000 Euro sondergetilgt werden, dann beläuft sich die Restschuld auf nur noch etwa 19.000 Euro.

Der Kundenwunsch: Eine sorgfältige Beratung, wie man das Erbe am besten anlegen kann. Das Anlageziel: ist noch etwas unklar – das Geld soll für das Alter zur Verfügung stehen. Die Risikobereitschaft: eher sicher, bereit mit kleinem Anteil mehr Risiko einzugehen (10.000 Euro). Das Testergebnis ist desaströs. So gelingt es nur einem von 25 Bankberatern, den finanziellen Hintergrund eines möglichen Kunden auszuleuchten und dann auch richtig zu beraten. „Ich bekomme täglich einiges an Falschberatung auf den Tisch. Trotzdem ist es bestürzend, dass von 25 Beratern tatsächlich 24 schon im Ansatz scheitern“, kommentiert Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, das Ergebnis. Bankmitarbeiter berichten, dass die Krise intern nicht thematisiert wird. Sie sollen verkaufen, was die Unternehmensleitung für gut befindet.

Ganz oben auf der Verkaufsliste der Banken stehen zwei Produkte: In 14 der 25 Gespräche wurden offene Immobilienfonds als sichere Geldanlage angeboten, geworben wurde unter anderem mit Sätzen wie „Dieser Fonds macht niemals minus“. Betont wurden die Renditewerte der Vergangenheit oder vermeintliche Steuervorteile. Weiteres Top-Produkt der Bankmitarbeiter waren, für die Tester überraschend, Rentenversicherungen. Zwölf der Berater hatten eine solche Versicherung im Angebot, meist wurde erst auf Nachfrage erklärt, wie hoch die garantierte Rendite im Gegensatz zu den versprochenen Überschüssen ist. Bei der Sparda-Bank in Köln wurden der Testkundin gar drei Rentenversicherungen mit vier, sechs und zwölf Jahren Laufzeit angeboten. Ebenfalls in Köln bot die SEB Bank sogar eine sofortige Verrentung an ? danach wurde überhaupt nicht gefragt.

Bei der Sparda-Bank in Köln sollte sogar für den abzulösenden Kredit (in vier Jahren) und dem Wunsch, ein Auto zu kaufen (in sechs Jahren), kurz laufende Rentenversicherungen abgeschlossen werden. Dabei wurden Renditen von rund drei Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt, nicht aber garantiert. Für Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen ist die Empfehlung von Rentenversicherungen kein Wunder, denn hier werden hohe Provisionen gezahlt. Finanzexperten sehen die Provisionsgeschäfte als Grundübel der aktuellen Krise. Kunden würden nach dem LEO-Prinzip gewonnen: „Leicht erreichbare Opfer“. Die Bankberater sollten daher persönlich haften für falsche „Empfehlungen“.

„Eine Rentenversicherung ist das klassische Produkt, bei dem man eine hohe Provision verdienen kann. Es ist nach wie vor eher undurchsichtig und für denjenigen, der Geld anlegen soll, schwer verständlich“, kritisiert Arno Gottschalk.

Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ist das Ergebnis ein Alarmsignal: „Von einem Umdenken in der Bankenbranche ist nichts zu sehen. Es wird weiter am Bedarf vorbei verkauft. Die Risiken der empfohlenen Produkte werden verschwiegen“, so Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen. „Den politischen Absichtserklärungen, die Finanzmärkte und die Finanzvermittlung stärker zu regulieren, müssen bald Taten folgen. Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig.“

Eure Erfahrung mit Bankberatern würde mich interessieren. Märkte sind Gespräche und Banken scheuen die Öffentlichkeit, wie der Teufel die Seligsprechung.

Konsumfreude in Deutschland ungebrochen

In den Heute-Nachrichten konnte man erstaunliches vernehmen. Die Deutschen lassen sich ihre Kauflaune auch durch die permanente Krisenberieselung der Medien nicht verderben. Für Mai sagen die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) ein stabiles Konsumklima vorher. Das Barometer werde bei 2,5 Punkten liegen und damit auf dem Stand vom Frühjahrsbeginn, teilten die Experten am Montag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mit. Dabei sei das Klima weiterhin erstaunlich robust.

Derzeit stütze die niedrige Inflation, gesunkene Energiepreise sowie Anzeichen für eine wirtschaftliche Trendwende das Konsumklima. Sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen konnten im April zulegen, erklärten die Marktforscher.Die GfK sagt für 2009 einen Anstieg des privaten Verbrauchs um 0,5 Prozent vorher. Die Konjunkturforscher zeigten sich im Interview mit den Heute-Nachrichten überrascht von der positiven Stimmung in der Bevölkerung und halten das tatsächlich für einen Faktor, um einen raschen Konjunkturaufschwung zu schaffen. Wer hätte das gedacht.

„Kaufkraftstärkende Faktoren, wie eine niedrige Inflation, geringe Energiepreise sowie steigende Renten sowie erste vereinzelte Anzeichen, die auf eine konjunkturelle Trendwende zum Jahresende hoffen lassen, sorgen offenbar dafür, dass sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen im April 2009 zulegen können“, so die GfK.

Siehe dazu auch: Haben die Deutschen keine Lust mehr auf Krise?

Milliardenschwere Fernsehwerbung beruhte auf Mumpitz – Altersabgrenzung war ein RTL-Vermarktungstrick

Marketingtrick steuerte Milliardendeals für Fernsehwerbung
Marketingtrick steuerte Milliardendeals für Fernsehwerbung
Die so genannte „werberelevante Kernzielgruppe“ der 14- bis 49-Jährigen ist ein Marketing-Mythos des Privatsenders RTL. Das enthüllte der frühere RTL-Vermartungschef Uli Bellieno gegenüber der NDR-Sendung Zapp schon im vergangenen Jahr. Große Auswirkungen hatte das bislang nicht: „Schaut man sich die einschlägigen Fachzeitschriften an, steht bei der Veröffentlichung der Fernsehquoten immer noch die Altersabgrenzung im Vordergrund“, kritisierte Hans-Joachim Strauch, Geschäftsführer des ZDF-Werbefernsehens, auf dem Deutschen Handels-Werbekongress in Düsseldorf. Das Ganze war ein Vermarktungstrick von Helmut Thoma. Der damalige RTL-Chef habe es mit seiner Eloquenz geschafft, diese Zielgruppe im Markt zu verankern, berichtet Zapp: „Die Kukidents überlasse ich gern dem ZDF“, so der legendäre Ausspruch des Österreichers.

Dabei handelte es sich um eine völlig willkürliche Abgrenzung ohne wissenschaftliche Grundlage. Dennoch wurde die „werberelevante Zielgruppe“ die zentrale Währung für die Werbewirtschaft. Seit Mitte der 1980er Jahre sind jährlich Milliarden Euro für Fernsehwerbung verprasst worden auf völlig willkürlichen Grenzziehungen eines Fernsehchefs. Thoma komme sich jetzt vor wie der Zauberlehrling, der nicht mehr beherrscht, was er entfacht hat. Hochbezahlte Mediaplaner, Kommunikationschefs und Werbeexperten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Agenturen und in der Wirtschaft fielen darauf rein. Selbst ARD und ZDF rannten dieser Schimäre hinterher. „Dabei hatte unsere Argumentation von Anfang an enorme Lücken“, gab Thoma in einem Interview mit dem Spiegel zu. Er habe der Werbewirtschaft suggeriert: Ihr müsst an die Jungen ran, die „Erstverwender“; deshalb braucht ihr auch keine alten Zuschauer, denn die seien markentreu. Aber ab 29 brauche man wirklich nicht mehr von „Erstverwendern“ zu sprechen. Außerdem: Wer habe denn heute das Geld? Die 50- bis 65-Jährigen.

Nach Ansicht des Personalexperten Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash hat sich vor allen Dingen die Konsumgüterindustrie ein sehr faules Kuckucksei ins Nest legen lassen: „Der Jugendkult in der Werbung war eine Schimäre des Tutti Frutti-Senders und niemand auf der Unternehmensseite hat das in Frage gestellt. Hier bewahrheitet sich leider im nachhinein die legendäre Floskel, die Henry Ford II zugeschrieben wird: ‚Ich weiß, dass die Hälfte meiner Werbeausgaben sinnlos zum Fenster herausgeworfenes Geld ist, ich weiß nur nicht welche Hälfte’.“ Vielleicht sei dieser Selbstbetrug auch systemimmanent. „Welcher Werbechef stellt sich denn jetzt seinem Vorstand und gibt zu, dass milliardenschwere Kampagnen auf Mumpitz beruhten“, vermutet Nadolski.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sei jedenfalls von Thoma am Nasenring vorgeführt worden. „Wir haben den kommerziellen Konkurrenten 1984 einfach nicht Ernst genommen“, räumt ZDF-Mann Strauch ein. Jetzt allerdings werde verstärkt über Qualität nachgedacht in der Fernsehwerbung. Auch Sonderplatzierungen und Print würden wieder eine größere Rolle spielen.

Auf der Suche nach dem Missing Link in der Zielgruppenanalyse ist man in Kooperation mit der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) auf globale Shopper-Typologien gestoßen. Als besonders relevant gelten die Premium- und Markenkäufer, die man als Zielgruppe für die Mediaplanung bereitstellen möchte. Wenn es beispielsweise um den Kaufakt geht, dominiere bei den Premiumkäufern die ältere Generation. Diese Gruppe achte auf Ästhetik, Ambiente, Emotion, Exklusivität und Service.

„Geht man nach der klassischen Aufteilung der 14- bis 49-Jährigen, haben ARD und ZDF in der Zeit von 17 bis 20 Uhr im Schnitt pro Werbeblock 240.000 Personen erreicht. Bei der Aufteilung nach Premium- und Markenkäufern kommen ARD und ZDF auf 1,1 Millionen Personen. Im Vergleich mit den drei größten kommerziellen Sendern RTL, Sat1 und Pro7 erreichen ARD und ZDF doppelt so viele Personen“, erklärte Strauch.

Koksende Banker, Kirchhoffs Roman zur Krise und die Staatspolitik des billigen Geldes

Die ZDF-Sendung Aspekte hatte am Freitag mal wieder einen guten Unterhaltungswert. Schwerpunkt war die Katerstimmung in London und die literarische Aufarbeitung der Finanzkrise.

Investmentbanker packen aus
Investmentbanker packen aus

Banker im Koksrausch
Banker im Koksrausch
Geraint Anderson ist ein Insider. Er kennt das Finanzsystem und er hat darüber geschrieben. Er arbeitete zwölf Jahre als Analyst in Europas Finanzmetropole London und wurde in seinem Fachgebiet mehrmals zum besten Analysten aller Banken der Stadt gewählt. Was keiner wusste: Während der letzten beiden Jahre seiner beruflichen Tätigkeit ging er einem brisanten Nebenjob nach. 22 Monate war seine Identität eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Londoner City. Unter dem Pseudonym City Boy veröffentlichte er in der Gratiszeitung The London Paper schmutzige Details aus der Londoner Finanzwelt. 500.000 Leser verfolgten jeden Freitag seine Geschichten von ausufernden Hummer- und Champagner-Abenden auf Spesenrechnung, Drogenexzessen, Prostitution und illegalem Aktienhandel. Mittlerweile ist er komplett ausgestiegen und hat ein Enthüllungsbuch geschrieben: City Boy. Beer and Loathing in the Square Mile.

Roman über die Krise
Roman über die Krise
Bodo Kirchhoffs „Erinnerungen an meinen Porsche“: Eine Satire auf deutsche Bestsellerlisten, Expromis oder die Praktiken der Investmentbanker macht ihm so schnell keiner nach. Sein Sprachwitz, seine originellen Worterfindungen sind oft zum Schreien komisch. […]. Satire funktioniert immer dann am besten, wenn sie mit heißem Herzen geschrieben ist und ein Stückchen Liebe zum Gegenstand dennoch hindurchflimmert. Genau das beherrscht Bodo Kirchhoff. (Sächsische Zeitung)

Die Rolle des Staates als Krisenverursacher
Die Rolle des Staates als Krisenverursacher
Wer etwas über die Ursachen der gierigen und koksenden Banker erfahren will, sollte zum Buch von John B. Taylor greifen. Getting off Track heißt das Werk. Der Makroökonom wendet seinen Blick auf das Jahr 2002. Damals hätte die amerikanische Zentralbank mit Zinserhöhungen beginnen müssen. Die zu niedrigen Zinsen ließen in Amerika, und in den wichtigsten Finanzzentren, einen Immobilienboom entstehen, begünstigt durch eine Politik, die den Hauserwerb begünstigte. Die Schleusen wurden schon unter dem US-Präsidenten Bill Clinton geöffnet mit einem Gesetz, dass amerikanischen Banken verbot, Arme bei der Kreditfinanzierung fürs Eigenheim zu diskriminieren. In der aktuellen Diskussion spielen diese Informationen leider keine Rolle, sind aber wichtig, um die richtigen Maßnahmen zur Krisenbewältigung einzuleiten.

Hähne auf dem Misthaufen und die Krisenprognosen der so genannten Wirtschaftsexperten

Fünf Prozent Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, wie der Chefvolkswirt der Deutschen Bank in als Prognose in die Welt gesetzt hat, mehr, weniger oder was. Die Kassandra-Rufer überbieten sich im Krisen-Konzert und suhlen sich in ihrem Negativismus. Jetzt hat der neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor zu pessimistischen Prognosen gewarnt. „Wir hören derzeit viele Aussagen auch zur konjunkturellen Entwicklung“, sagte Guttenberg gegenüber dem ZDF. „Wir dürfen uns jetzt allerdings auch nicht in einen Wettlauf begeben jede Woche um die möglichst härteste oder auch schwächste Aussage, sondern wir müssen doch insgesamt vernünftig und besonnen an die Sache herangehen.“
Helfen wird das nicht viel, denn auch DIW-Chef Zimmermann hatte Ende vergangenen Jahres ähnliches gesagt. Hilfreich wäre die Empfehlung von ZDF-Blogger Thorsten Alsleben: „Vielleicht sollten sich die ‚Experten‘ besser auf die Bewertungen der Gegenmaßnahmen konzentrieren. Sie könnten ihre Energie darauf verwenden, die Konjunkturpakete der Regierung zu analysieren, die internationalen Vorschläge zu untersuchen, vielleicht auch eigene Ideen zu entwickeln. Oder sie können Prognosen mit Bandbreiten angeben, die nicht nach wenigen Tagen oder Wochen schon wieder überholt sind. So etwas wie: Die deutsche Wirtschaft wird schrumpfen – zwischen 2 und 10 Prozent. Das bringt zwar nichts, schadet aber auch nicht so wie falsche, ständig revidierte Prognosen“. Oder wie wäre es mit der Weisheit: Weniger reden, mehr arbeiten und sein Ding machen – frei nach Oli Kahn.

Für Kochfans eine nette Idee: Rezepte von Fernsehkoch Schuhbeck an der Supermarktwaage

Bizerba und der Münchner Sternekoch Alfons Schuhbeck starten eine Kooperation: Der bekannte Fernsehkoch liefert dem Balinger Spezialisten für Wäge- und Schneidesysteme Bizerba exklusive Rezepte und Zubereitungstipps für die Waagen im Supermarkt.

Ab kommendem Jahr stehen die Rezepte nach Firmenangaben in sechs Sprachen an den Bizerba-Ladenwaagen zur Verfügung, dazu jeweils auch ein Bild des Gerichts. „Die Möglichkeit, Rezeptideen gleich beim Einkauf zu erhalten, spart eine Menge Zeit. Wir haben die Rezepte für die Kassenwaagen überarbeitet, damit sie nicht zu lang für den Ausdruck und schnell nachzukochen sind! Das unterstützt besonders Mütter, die sich täglich für die Familie ein neues Gericht ausdenken müssen! Aber auch Berufstätige, die wenig Zeit zum Kochen haben“, erklärt Schuhbeck. Die Kunden können sich diese Rezepte entweder direkt an den Selbstbedienungswaagen über die Bonrolle ausdrucken oder bekommen sie beim Einkauf an der Theke von den Verkaufsmitarbeitern. Auch die komplette Zutatenliste ist dabei. Damit bekommen die Verbraucher ihren Einkaufszettel für das Rezept gleich mitgeliefert und können die noch fehlenden Zutaten sofort mit einkaufen. „Natürlich haben wir die Rezepte ein wenig überarbeitet, damit sie schnell nachzukochen sind. Doch deshalb haben sie nichts an Qualität eingebüßt. Ich finde es wichtig, dass Menschen in sich selbst investieren, mit einem gesunden Essen können sie das täglich“, sagt Schuhbeck.