Eilmeldung des Spiegels: Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert sich überraschend

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zum neuen Jahr überraschend aufgehellt. Das berichtet Spiegel online in einer Eilmeldung: „Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 82,6 Punkten im Dezember auf 83,0 Punkte, teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung mit. Experten waren hingegen von einem Rückgang auf 81,3 Punkte ausgegangen. Dies ist der erste Anstieg des wichtigsten Stimmungsbarometers für die deutsche Wirtschaft nach sieben Rückgängen in Folge“, so der Spiegel. Der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. „Die Weltuntergangsstimmung, die uns seit Monaten verordnet wird, will sich nicht so recht durchsetzen. Eigenlich müssten wir schon längst vor rasender Angst unter den Teppich gekrochen sein. Absturz! Abgleiten! Zusammenbruch! Die schlimmste Wirtschaftskrise seit 1929“, schreibt der Trendforscher Matthias Horx in seinem Informationsdienst „Zukunftsletter“. Und er bemerkt sehr treffend: Folgen für die Realwirtschaft würden bei geplatzten Spekulationsblasen selten ausbleiben. „Doch selbst wenn diese Krise, wie die Auguren verkünden, uns grauenhafte 3 Prozent Schrumpfung bringen würde, wäre unsere Wirtschaft auf dem Niveau von 2006. Bei 10 Prozent auf 2000. Wäre das der finale Zusammenbruch des Wohlstands“, fragt Horx. Wohl nicht. Vergleiche mit 1929 sind sowieso eine Frechheit für die krisengebeutelten Menschen jener Zeit. Das ist Jammern auf hohem, sehr hohem Niveau. Wir sollten endlich mit der kollektiven Heulerei aufhören, die nach dem Ifo-Index gar nicht so kollektiv ist, und unsere Arbeit machen. Allerdings nicht so inhaltsleer und visionslos wie in der Vergangenheit!!!

Jobmaschine Steve Jobs

Wenn es mit dem Aufschwung funktionieren soll, geht es nur mit einer geballten Kraft Unternehmertum und Wettbewerb als Entdeckungsverfahren. Die Dinge des Lebens, auch die relevanten wie die Energiewende, geschehen nur nach der Versuch und Irrtum-Methode. Entdeckerlust und Vermarktungsfähigkeiten sind gefragt. Wie man Arbeitsplätze schafft, hat der kongeniale Apple-Chef Steve Jobs geschaffen, allein durch die Erfindung des iPhones? Das hat die NZZ heute schön beschrieben: „Es sind ästhetisch ansprechende Produkte, technisch zu Ende gedacht, intuitiv zu benutzen; es sind Produkte, die sich von der Masse der Konkurrenz abheben, die etwas Rebellisches an sich haben, etwas Unangepasstes. Ein Hang zu Eleganz, Perfektion, Benutzerfreundlichkeit, zum Besonderen – das ist es, was Jobs Arbeit als Computerunternehmer auszeichnet. Es ist nicht einzusehen, warum nicht auch andere Führungspersönlichkeiten Produkte entwickeln lassen könnten, die sie gerne auch selber für sich oder ihre Angehörigen kaufen würden“, soweit die NZZ. Es ist eigentlich sehr traurig, dass diese Selbstverständlichkeiten von anderen Unternehmen so häufig vernachlässigt werden. Wir müssen uns auf die Forschung und Entwicklung konzentrieren, auf die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, auf die Veredelung von Produkten, auf die Verbesserung der Produktvermarktung und auf smarte Servicekonzepte, wie es der Apple-Chef praktiziert. Wir müssen massiv den ökonomischen Wandel von der klassischen industriellen Produktion zu Dienstleistungen und Wissen sowie zur Informations- und Kommunikationstechnik vorantreiben. Wir können nur als Wissens- und Dienstleistungsökonomie überleben.

Warum wir Obama-Spirit in der Wirtschaftspolitik brauchen

Erwartungen sind nach Erfahrungen von Mario Ohoven der Lotse für die Wirtschaft. „Geschäftserwartungen bestimmen Investitionen, Einkommenserwartungen den Konsum. In dem derzeitigen Wunschkonzert der Konjunkturhilfen werden viele Partikularinteressen deutlich, ein konsistenter Plan fehlt aber“, moniert Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“. Dabei sei eine plausible Gesamtstrategie aber aus zwei Gründen notwendig: um die Dauer der Rezession so kurz wie möglich und die Belastungen für den Staatshaushalt in einem erträglichen Rahmen zu halten. Wenn schon im keynesianischen Sinne die Konjunktur angekurbelt werden, müssten die Maßnahmen zielgerichtet und wahrnehmbar sein.

„Einfach und wirkungsvoll ist es, einbehaltene Gewinne steuerfrei zu stellen. Dann können die Betriebe aus eigener Kraft weiter investieren, Arbeitsplätze schaffen und Eigenkapital aufbauen. So wurde schon in den 50er-Jahren das Wirtschaftswunder ohne Fremdkapital finanziert. Zudem müssen in der heutigen Phase der Unsicherheit und der düsteren Prognosen die Einkommensteuersätze für mittlere Einkommen gesenkt werden. Damit Mittelstand und Mittelschicht merken, dass sie nicht allein die Last der Finanzkrise zu tragen haben. Die für 2009 diskutierte Anhebung des Grundfreibetrags um drei Prozent reicht dazu nicht aus“, so Ohoven.

Auch nach Auffassung des Wirtschaftswoche-Chefredakteurs Roland Tichy http://www.wiwo.de sei nur eine Steuer- und Abgabensenkung hilfreich, um aus dem Konjunkturtal wieder herauszukommen. „Nur so werden die Leistungsträger der Gesellschaft entlastet, die letztlich die Pfade zu einem neuen Wirtschaftswachstum finden. Wir müssen die Aktiven belohnen, statt die Passivität und das Nichts-Tun noch höher zu subventionieren“, führt Tichy aus. Steuersenkungen seien schnell zu haben, sie könnten in die Vorauszahlungsprogramme und Lohnsteuerberechnung schneller eingearbeitet werden als staatliche Planungsprozesse für Bauvorhaben. „Die Bürger, das muss man den Politikern der CDU und SPD immer wieder sagen, wissen selbst am besten, wofür sie ihr Einkommen ausgeben. Ohnehin stranguliert die Abgabenbelastung, die unter dieser Regierung angestiegen ist, die Nachfrage“, bemängelt Tichy.

Trendforscher Matthias Horx fordert eine neue Ära der Innovation. Man brauche jetzt flexiblere, erfinderischere und mobilere Unternehmen, die auf neue Weise profitabel sind. So könnten neue Märkte entstehen: Energienetze, Care-Systeme, Humanressourcen, neue Bildung oder Gesundheit Plus. Soweit die Experten. Wir brauchen allerdings auch Vision, Spirit und Optimismus, wie ihn US-Präsident Obama in seiner Antrittsrede vermittelt hat. Auf Härten hinweisen und gleichzeitig große Ziele formulieren. Nicht verzetteln, sondern Groß-Projekte angehen, wie bei der Apollo-Mission.
Kluge Grundlagenforscher und Ingenieure haben wir genug. Themen wie Gezeitenkraftwerke, semantisches Web (beispielsweise Projekte der Deutschen Forschungsgesellschaft für Künstliche Intelligenz), Biogaskraftwerke, geothermische Energiegewinnung, komplette Abkopplung von fossiler Energie. Nicht kleinlaut daherreden Frau Merkel. Machen Sie es wie Ludwig Erhard, mit klaren Botschaften (damals: Wohlstand für alle) für Chorgeist sorgen und keine Schmalspurdebatten über Abwrackprämien, Kindergelderhöhung und lächerlichen Abgabenentlastungen führen.

Meine Umfrage zum Crash: Untergangspropheten werden von Wirtschaftsrealität überholt

Fast jeder Zweite ist der Meinung, dass die Untergangspropheten schneller Wirtschaftsrealität überholt werden als es von der veröffentlichten Meinung suggeriert wird. 27 Prozent gaben zu Protokoll, dass die Krise nur einzelne Branchen treffen wird und nur jeder vierte Umfrageteilnehmer geht von einer lang anhaltenden weltweiten Rezession aus.
Meine Umfrage ist sicherlich nicht repräsentativ. Ein Indikator für die verzerrte Krisenberichterstattung ist das Votum auf alle Fälle.

Der Einzelhandel in Zeiten der Ernüchterung: Lokale Intelligenz und Kundennähe werden wichtiger

In schwierigen Wirtschaftszeiten sollte man wieder näher an die Kunden rücken und lokale Märkte wieder entdecken: Das verkündeten Jamey Wojciechowski von Best Buy und Chris Kneeland von Rapp Collins Retail auf der New Yorker Fachkonferenz Retail’s Big Show. Das alte Modell der Standardisierung und Einheitlichkeit von Produktangeboten funktioniere nicht mehr. Hier definiere sich der Wettbewerb nur über den Preis und alle Händler verkaufen das Gleiche.

Handelsmanager müssten lokale Intelligenz entwickeln, ihre Kunden genau kennen und mit ihnen stärker ins Gespräch kommen. „Der lokale Wettbewerb wird wichtiger. Ein Einzelhändler muss in seinem Umfeld die Nase vorn haben“, so Will Ander von McMillan Doolittle, Co-Autor des Buches „greentailing“ (Wiley Verlag). Das alleine werde aber nicht ausreichen. Der Konkurrent könne aus der benachbarten Stadt, Region oder von einem anderen Fleck der Erde kommen. „Weit beängstigender für Platzhirsche sind E-Commerce-Wettbewerber oder Direktvermarkter, die die Spielregeln des Einzelhandels radikal ändern“, erklärte Ander.

Die nächsten sechs Monate werden sehr schmerzhaft für den Einzelhandel verlaufen, so das fast einhellige Resümee von Analysten, Vertretern der Konsumgüterindustrie und des Handels zum Abschluss der NRF-Convention. Einzelhändler sollten sich auf das Überleben konzentrieren. „Nur die Besten werden durchkommen und in Zukunft eine starke Position einnehmen, um zu wachsen“, sagte Christopher Donnelly von Accenture in der Paneldiskussion „The Sky Has Fallen. Now what?“.

Nach Ansicht von Matthias Harsch, Mitglied der Geschäftsführung beim Technologiespezialisten Bizerba, beginnt jetzt für den Einzelhandel die Zeit der Umsetzung von technologischen Innovationen. „Wichtig sind strategische Investitionen für die Interaktion mit Kunden. Dazu zählen Multichannel-Konzepte, um die Kommunikation mit den Verbrauchern zu vernetzen über Ladengeschäfte, Call Center, Internet und mobile Endgeräte“, sagte Harsch in New York. Informationen müssten zeitnah und stets aktuell an Kunden vermittelt werden, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.

Retail-Spezialist Tudor Andronic von Bizerba ergänzte, dass sich in einer Periode der Ernüchterung jene System- und Lösungsanbieter durchsetzen werden, die den Einzelhändlern sowohl Kostenreduzierung als auch besseren Kundenservice und Kundenzufriedenheit garantieren: „Das müssen Technologiefirmen und Provider schwarz auf weiß nachweisen“. Optimierungsbedarf sieht er in der Logistikkette von frischen Lebensmitteln. Allein von der Produktion bis zum Supermarkt verschwindet fast die Hälfte der Lebensmittel. „Rund fünf bis zehn Prozent gehen verloren durch den Verderb der Ware im Laden. Eine entscheidende Komponente ist dabei die Koordination und ein flexibles Management. Wenn ich weiß, dass das Haltbarkeitsdatum von frischen Lebensmitteln abläuft, muss ich in der Lage sein, mit Sonderangeboten die Ware schnell zu verkaufen. Entsprechend dynamisch sollten beispielsweise Etikettiersysteme funktionieren“, erläuterte Andronic.

Generell wichtig sei eine Reduktion der Komplexität für Kunden und Verkaufspersonal. „Deshalb bringen wir die Informationen mit Touchscreens dorthin, wo sie gebraucht werden. Sie brauchen keine Ordner zum Abheften mehr, sondern können die Informationen on demand abrufen“, so Harsch. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.

Volkswirtschaft in der Formelfalle – Wirtschaftspolitik sollte wieder als Staatskunst begriffen werden

Wer heute als Ökonom reüssieren will, der muss vor allem ein begnadeter Formelkünstler sein: „Er muss sich in der höheren Mathematik bewegen wie ein Fisch im Wasser und die Wirtschaftswelt in Formeln und abstrakte Modelle einpassen. Damit hat sich die Wirtschaftswissenschaft in den vergangenen fünf Jahrzehnten immer stärker zu einer mathematischen Disziplin entwickelt. An den Rand gedrängt wurde die ältere ordnungsökonomische Schule, die in Deutschland einst bedeutend war und die nach den Zusammenhängen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fragte, dabei aber auf Formeln verzichtete und verbal argumentierte“, schreibt der Redakteur Philipp Plickert in der neuen FAZ-Rubrik „Der Volkswirt“, die im wöchentlichen Wechsel mit „Der Betriebswirt“ erscheint.

Es wachse allerdings das Unbehagen an der Mathematisierung der Volkswirtschaftslehre. So erinnert der Soziologe und Ökonom Viktor Vanberg von der Universität Freiburg an den Massenprotest französischer Studenten vor einigen Jahren, die sich gegen eine „autistische Ökonomik“ wandten. Die mathematische Formalisierung sei Selbstzweck geworden, beklagten sie. Es würden imaginäre Welten modelliert, die mit ihrer Erfahrungswirklichkeit wenig oder nichts gemein hätten.
Noch härter drücke es der Theoriegeschichtler Mark Blaug aus: „Die moderne Ökonomik ist krank.“ Sie sei zu einem intellektuellen Spiel geworden, das um seiner selbst willen gespielt werde, aber nur wenig praktische Bedeutung für das Verständnis der Welt liefere. Nach Ansicht des Nobelpreisträgers Ronald Coase sei die Ökonomik nur noch ein theoretisches Spiel, das in der Luft schwebt und kaum Bezug zu dem hat, was in der realen Welt geschieht. „Die Volkswirtschaftslehre ist mittlerweile mathematischer als naturwissenschaftliche Disziplinen. Teilweise wird das Fach von Konvertiten aus der Mathematik bevölkert, die uns mit naiven Ceteris-paribus-Klauseln die Welt erklären wollen“, kritisiert Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungsunternehmens Harvey Nash.

Die Mathematisierung der Ökonomik erinnert den ehemaligen Allensbach-Meinungsforscher Manfred Wirl an die Mathematisierung und Topographisierung des Kriegswesens vor der französischen Revolution. „Damals glaubte man allen Ernstes mit Hilfe von strikt ausgerichteten mathematischen Modellen, den Verlauf und den Ausgang einer Schlacht vorhersagen zu können. Die Revolutionsarmeen und später Napoleon haben diese schönen Rechenmodelle über den Haufen geworfen und auf diese Weise nachgewiesen, dass immaterielle und moralische Faktoren in der Realität des Krieges von entscheidender Bedeutung sein können“, so Wirl, der sich wissenschaftlich mit der öffentlichen Meinung unter dem NS-Regime beschäftigt hat.

An der Börse könne man nachvollziehen, wie sehr die Ökonomie von sozialpsychologischen Faktoren bestimmt wird. „Zwar käme keiner auf den Gedanken, sie als exaktes Abbild der Wirtschaftslage wahrzunehmen, doch ebenso wenig lässt sich ihre Bedeutung als Indikator für die Wirtschaft leugnen. Mit mathematisch-formalistischen Modellen kommt man an der Börse nicht sehr weit. Man würde damit nur Geld verlieren. Ich kenne zumindest keinen Wirtschaftswissenschaftler, der aufgrund seines theoretischen Wissens dort reich geworden wäre“, sagt Wirl.

„Die formale Eleganz und scheinbare Genauigkeit der mathematischen Ökonomik übten aber auf viele Wissenschaftler eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. In den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren schaffte sie in Amerika einen Durchbruch, für den berühmte Namen wie Kenneth Arrow, Gérard Debreu und auch Paul Samuelson stehen. Diese bauten die ökonomische Wohlfahrtstheorie aus, die behauptete, ein soziales Optimum der wirtschaftlichen Allokation sei mit mathematischer Logik voraussagbar und sogar planbar. Auch in der Makroökonomik, welche die Schüler von Keynes vorantrieben, herrschte der Glaube an die Steuerbarkeit von Konjunktur und Wachstum vor. Folglich erlebte die ökonomische Politikberatung einen Aufschwung, der die Wirtschaftsfachleute in eine gesellschaftliche Schlüsselrolle brachte und ihr Selbstbewusstsein steigerte“, so der Wirtschaftshistoriker Philip Plickert, der darauf hinweist, dass diese Denkschule in Deutschland zunächst keine Relevanz hatte.

Die Soziale Marktwirtschaft entstand vor allen Dingen durch die Freiburger Schule um Walter Eucken und Franz Böhm. Ihr Credo war das ‚Denken in Ordnungen’. Wirtschaft, Recht und Gesellschaft müssten in ihrer Interdependenz betrachtet werden. Ordoliberale Ökonomen wie Wilhelm Röpke hatten ein reges Interesse an Soziologie und dachten intensiv über die außerökonomischen Voraussetzungen einer funktionierenden Marktwirtschaft nach.

„Die mathematisch-formale Ökonomik lehnten sie ab, da sie ihnen zu mechanisch erschien“, weiß Plickert. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard sah das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft nicht als wissenschaftlich-empirisches Modell. „Erhard und seine ordoliberalen Berater begriffen Wirtschaftspolitik als Staatskunst. Sie war der dynamische Kern der deutschen Innenpolitik und begründete auch das außenpolitische Gewicht der Bundesrepublik. Die Soziale Marktwirtschaft entstand nicht als theoretische Formel, sondern als politische Konfession. Von dieser Raison der politischen Ökonomie zehren wir noch heute, obwohl die Praxis der marktwirtschaftlichen Politik mittlerweile von ideenlosen Zahlendrehern und Technokraten dominiert wird“, erklärt der Personalexperte Nadolski.

Bezeichnend sei, so Plickert, dass die erste Generation der mathematisch ausgerichteten Ökonomen in Deutschland oft ausgebildete Physiker oder Ingenieure waren: „An den Wirtschaftsforschungsinstituten experimentierte man mit immer größeren Makromodellen mit unzähligen Gleichungen, welche die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge im Detail darstellen und auch steuerbar machen sollten. Ein konjunkturelles ‚fine-tuning’ galt in den sechziger und frühen siebziger Jahren als möglich. Dies stellte sich aber wenig später als Illusion heraus“.

Der Ökonom Friedrich August von Hayek wandte sich 1974 in seiner Rede zur Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises gegen die Benutzung der Instrumente der harten Wissenschaften in den sozialen Wissenschaften. Er forderte seine Zunft zu mehr Demut auf und kritisierte die „Anmaßung von Wissen“. Den Boom dieser Methoden in den Wirtschaftswissenschaften konnte Hayek nicht aufhalten. „Die in Deutschland einst stark repräsentierte Ordnungsökonomik ist mittlerweile weitgehend verschwunden, seit an den Universitäten mehr und mehr Lehrstühle für Wirtschaftspolitik geschlossen oder der mathematisch orientierten Richtung umgewidmet wurden“, erläutert Plickert.

Die mathematisch-formalistische Ökonomik sei längst zu einem auf sich selbstbezogenen System geworden, moniert der Publizistikwissenschaftler Manfred Wirl: „Sie erstarrt im Dogmatismus. Es fällt der menschlichen Natur leichter, sich an Modellen der Wirklichkeit zu orientieren als an der Wirklichkeit selbst. Man nennt das auch die Reduzierung von Komplexität. Dummerweise kommt es damit auch immer zu einem Realitätsverlust. In der derzeitigen Situation sind die negative Auswirkungen besonders schwerwiegend, da die Verfechter solcher Modelle mit ihrem begrenzten Wissen die Deutungshoheit über die Gesetze der Ökonomie nach wie vor für sich beanspruchen.“

Kakophonie der Schwarzmaler

In der FAZ haben sich Unternehmer gegen die Kakophonie der Konjunktur-Schwarzmaler gewendet: „Auf die Ökonomen sind viele Vorstandschefs und Unternehmer derzeit gar nicht gut zu sprechen. Fast schon im Tagesrhythmus überböten sich die Konjunkturauguren mit düsteren Prognosen und erzeugten damit erst jenen Pessimismus, der die Verbraucher vom Einkaufen und die Firmenkunden vom Bestellen abhält, lautet der Vorwurf. Natürlich seien die Aussichten für 2009 nicht gut, aber die Manager fürchten, dass sich die Krise durch ständiges Jammern selbst verstärkt. Deshalb geben sich viele Firmenchefs gerade jetzt selbstbewusst und betonen, dass ihr Betrieb gerüstet sei, um den Wirtschaftseinbruch ohne tiefe Dellen zu überstehen. Und mancher Manager sieht die nahende Krise auch als Chance, die eigene Marktposition zu verbessern“.

Ähnlich kritisch äußert sich in seinem Unternehmensblog der Personalexperte Udo Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash, zu den Horrormeldungen der vergangenen Wochen: „Wenn jetzt kollektiv von Marktversagen und vom Niedergang des so genannten Neoliberalismus gesprochen wird, hat das fatale Folgen. Über 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland setzen auf mehr Staat statt auf mehr Markt. Unisono vertreten mittlerweile alle politischen Akteure die Auffassung, dass man sich von der liberalen Marktgläubigkeit verabschieden müsse. Dabei blendet man die Ursachen der geplatzten Finanzblase gerne aus. ‚Verschulden Sie sich. Bei uns kostet der Kredit nur ein Prozent Zinsen im Jahr‘, das war über viele Jahre die Botschaft der amerikanischen Notenbank an die Kreditinstitute. Die Banken spielten gerne mit. In Deutschland waren es auffällig viele Finanzinstitute der öffentlichen Hand. Die Finanzkrise ist also im Kern von einer staatlichen Institution ausgelöst worden – durch die legere Geldpolitik der Federal Reserve Bank. Ein Versagen der Marktwirtschaft sieht anders aus. Deshalb sollten wir uns in der Realwirtschaft vom Chorheulen der Wölfe verabschieden und antizyklisch agieren. Investieren, konsumieren, Firmen gründen, zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Die wirtschaftliche Prosperität ist abhängig von der Summe der Einzelentscheidungen“.

Die Krise als Chance für einen Neustart der Wirtschaft – Fordistische Geschäftsprinzip hat ausgedient

Die herannahende Rezession blockiert das stark vernetzte Wirtschaftssystem in weiten Teilen. Nicht nur die Finanzströme stocken, auch die gesamten Warenströme fließen nicht mehr reibungslos. Man legt Produktionen still und kann Mitarbeiter gar nicht oder nur teilweise auslasten. Diese Denkpause sollten Firmen nutzen, um vom kurzfristigen und reaktiven in ein strategisches Handeln umzuschwenken, so der Ratschlag des Schweizer Systemarchitekten Bruno Weisshaupt. „Statt lediglich unbefriedigende Entwicklungsstände bei den aktuell am Markt angebotenen Produkten zu korrigieren, zu reparieren oder marginal zu verbessern, muss fundamental umgedacht werden. Jedes Unternehmen, das jetzt diese Zeit nicht für die eigene Rollenfindung nutzt, gerät bald in Rückstand. Die in dieser Situation gefragte Fähigkeit, mit disruptiven Innovationen aus dem intimen Verständnis des Marktes heraus zu handeln, wurde in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt“, beklagt Weisshaupt. Das vor allen Dingen die Autoindustrie von der Finanzkrise so gebeutelt wird, sei kein Wunder. „Das hängt nicht nur mit dem Konjunkturzyklus zusammen, sondern auch mit der Produktpolitik. Es ist doch sehr auffällig, dass in der Automobilindustrie technologisch schon lange kein großer Sprung nach vorne gelungen ist. Im Grunde fahren wir schon seit hundert Jahren mit den gleichen, wenn auch optimierten Vehikeln herum“, sagt Weisshaupt.

Der Finanzcrash beschleunige nur die Tatsache, dass man am Ende des natürlichen Entwicklungszyklus angekommen sei. Mit einer linearen Weiterentwicklung der Produkte komme man nicht weiter. Überlieferte Lösungen seien geprägt von aufgeblähten Funktionen und überbordender Technik. So sieht das auch Alexander Horn, Autor der Frankfurter Zeitschrift Novo: „Die gegenwärtigen Absatzprobleme der Automobilhersteller resultieren nicht aus der Not der am Abgrund stehenden Finanzwirtschaft – beide Krisen haben vielmehr die gleichen Wurzeln. Die Lösung kann nur darin liegen, dass wieder Autos gebaut werden, die die Kundschaft auch ohne nachgeworfenes Geld haben will“.

Weisshaupt fordert neue Systeme und Geschäftsmodelle, um das On-Demand-Verhalten der Menschen zu unterstützen und ihnen die Technik unauffällig zur Verfügung zu stellen. „Urbanität, Identität, Mobilität, Interaktion, Integration, Individualität, Automatisierung sind die zukunftsfähigen Infrastrukturen und die Basis für jede Systeminnovation.“ Produkte, die man irgendwo auf der Welt als Module herstellt, würden zu Gunsten von Applikationen an Marktbedeutung verlieren. Worauf es ankomme, sei die Konfiguration. „Zwar wird die bessere Technologie auch in Zukunft ein wesentlicher Grundstein für den Erfolg einer neuen Anwendung sein. Wer würde bezweifeln, dass man mit der Entwicklung einer funktionierenden Brennstoffzelle nicht gute Geschäfte machen kann. Der Erfolg am Markt wird aber nicht an der Technologie hängen, sondern an ihrer kundenorientierten Umsetzung“, sagt Weisshaupt. Wer sich auf die Produktion der Basisprodukte konzentriere, werde das Ausscheidungsrennen gegen Länder wie China oder Indien nicht gewinnen. „Im täglichen Geschäft verlieren das fordistische Geschäft und das tayloristische Prinzip längst an Bedeutung, was beileibe nicht nur für die Internetwirtschaft gilt“, schreibt Zeit-Redakteur Götz Hamann in einem Beitrag für das Buch „Die Kunst, loszulassen – Enterprise 2.0“ (Rhombos-Verlag).

Wer sich aber die Strukturen von Konzernen und straff organisierter Mittelständler anschaue, werde erkennen, dass das Erbe von Ford und Taylor noch sehr lebendig sei: Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Produktion, Buchhaltung, Innenverwaltung, IT-Abteilung – und natürlich der Vorstand. Die meisten Unternehmen würden aus Schubladen bestehen und wer in einer von ihnen stecke, habe in den anderen meist nichts zu suchen. „Die traditionelle Arbeitsteilung gilt noch immer als sicherste Form der Herrschaftsausübung und als wirkungsvollste Methode, um eine Organisation zu kontrollieren“, bemängelt Hamann.

Andreas Rebetzky, Vorstandsmitglied des cioforums, verweist auf ein Zitat von Schiller: „Nur vom Nutzen wird die Welt regiert“. So müsse ein IT-Chef aus seiner verträumten Technikecke rauskriechen und sich als Gestalter und nicht als Verwalter im Unternehmen profilieren. „Das tradierte Wissen aus dem vergangenen Jahrhundert sitzt oft starr in den Köpfen der IT-Entscheider. Hier erwarte ich Impulse von der jungen Generation, die als Digital Natives auch die Berufswelt umpflügen werden“, prognostiziert Rebetzky, Director Global Information der Firma Bizerba, die Systemlösungen der Wäge-, Informations- und Food-Servicetechnik anbietet. Mit der gegenwärtigen Sparhysterie werde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen eher negativ beeinflusst. „Es sollte mehr investiert werden in wirkliche Prozessinnovationen“, fordert der IT-Interessenvertreter des cioforums.

Makroökonomische Alchimisten und die Grenzen der Vorhersehbarkeit – Wirtschaftswissenschaftler sind nur bescheidene Philosophen

In Deutschland überschlagen sich zur Zeit die Meinungsbildner beim Entwerfen wirtschaftlicher Horrorszenarien. „Je katastrophaler die Prognosen, desto beliebter sind ihre Verkünder“, kommentiert Paul Spree von der Südthüringer Zeitung. Makroökonomische Alchimisten ringen um die Deutungshoheit, um unser konjunkturelles Schicksal zu verorten. Dabei verdrängen sie jegliche Selbstzweifel an der wissenschaftlichen Seriosität ihrer Zahlenspiele. „Nachdem wir alle die Geschwindigkeit und die Dramatik des wirtschaftlichen Absturzes unterschätzt und zu lange an zu optimistischen Voraussagen festgehalten haben, will man dieses Mal nicht hinter der Realität hinterherhinken. Schon allein weil die Wirtschaftsinstitute von Regierung, Politik und Medien ihrer Fehlprognosen wegen mit einer Mischung von Enttäuschung, Kritik, Vorwürfen bis hin zu Häme und Schadenfreude überschüttet wurden“, räumt Thomas Straubhaar ein, der als Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts tätig ist.

Um aus dem auch für die eigene Existenz nicht ungefährlichen Fahrwasser der Fehlprognosen herauszufinden, würden sich die Konjunkturforscher wie Banken verhalten. „Nachdem letztere Kredite zu fahrlässig und zu leichtfertig vergeben haben und für ihr Fehlverhalten in der Öffentlichkeit gnadenlos abgestraft und an den Pranger gestellt wurden, sind sie jetzt über Gebühr risikoscheu geworden und sehen sogar in der einfachen Kreditfinanzierung von gängigen Geschäftsabwicklungen für kerngesunde deutsche Mittelständler mehr Gefahren als Chancen“, so Staubhaar. Wer sich jetzt sehr pessimistisch äußere, werde kaum geprügelt werden, wenn es nicht so schlimm kommen sollte. „Das ist eine ziemlich schnoddrige Haltung. Vielleicht servieren uns die gutdotierten Wirtschaftsprognostiker Ende 2009 noch die Story, dass ihre apokalyptischen Vorhersagen für ein rasches Eingreifen der Politiker gesorgt haben und deshalb eine Rezession verhindert werden konnte“, so der Einwand von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer IT-Beratungshauses Harvey Nash. Wenn sich herausstellen sollte, dass es für wirtschaftliche Projektionen kaum eine solide Zahlenbasis gibt, könnten die mit viel Brimborium vorgestellten Vorhersagen als staatlich alimentierte Kaffeesatzleserei entzaubert werden. „Man darf nicht vergessen, dass die Wirtschaftsprognosen nicht auf harten Fakten beruhen, sondern das Ergebnis mathematischer Modelle sind“, sagt Nadolski im Gespräch mit NeueNachricht.

Ein Prozent nach oben oder nach unten – genauer lasse sich das Wirtschaftswachstum nicht vorhersagen, sagt Ulrich Fritsche, Juniorprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin brandeins. Sein Spezialgebiet: die Bewertung von Konjunkturprognosen. Eine Wachstumsprognose von 0,5 Prozent müsste demnach eigentlich lauten: Wir gehen von einem Wachstum von minus 0,5 Prozent bis plus 1,5 Prozent aus. „Aber so etwas kann man der Öffentlichkeit schlecht verkaufen“, vermutet Fritsche. Deshalb sollten die volkswirtschaftlichen Trendgurus mehr Demut an den Tag legen und ihre wissenschaftstheoretische Fundierung selbstkritisch überprüfen, fordert der Personalexperte Nadolski: „Ein Studium der Werke von Karl Popper könnte einigen VWL-Professoren gut tun. Sie würden erkennen, dass ihre wissenschaftliche Arbeit ungefähr auf dem Niveau der Unterhaltungsbranche rangiert. Wer sich mit der Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt, ist ein Geschichtenerzähler. Um geschichtliche Ereignisse vorhersagen zu können, müsste man nach Erkenntnissen von Popper die technologische Innovation vorhersagen, die jedoch grundsätzlich nicht vorher gesagt werden könne“, erläutert Nadolski. Bei ökonomischen und sozialen Prozessen sei die Komplexität einfach zu groß, um sie genau zu berechnen.

„Management der Zukunft findet unter den Bedingungen der Komplexität und Zufall statt. Zufallsfluktuationen und Komplexität erzeugen nichtlineare Dynamik“, schreibt der Wissenschaftstheoretiker Klaus Mainzer in seinem Buch „Der kreative Zufall – Wie das Neue in die Welt kommt“. In unsicheren und unübersichtlichen Informationsräumen könnten Menschen nur auf Grundlage beschränkter Rationalität entscheiden und nicht als homo oeconomicus. Der Laplacesche Geist eines linearen Managements von Menschen, Unternehmen und Märkten sei deshalb zum Scheitern verurteilt. Auch wissenschaftliche Modelle und Theorien seien Produkte unserer Gehirne. „Wir glauben in Zufallsreihen Muster zu erkennen, die keine sind, da die Ereignisse wie beim Roulette unabhängig eintreffen. Wir ignorieren Spekulationsblasen an der Börse, da wir an ein ansteigende Kursentwicklung glauben wollen“, erläutert Professor Mainzer.

Zufall führe zu einer Ethik der Bescheidenheit. Es gebe keinen Laplaceschen Geist omnipotenter Berechenbarkeit. In einer zufallsabhängigen Evolution sei kein Platz für Perfektion und optimale Lösungen. Zufällig, spontan und unberechenbar seien auch Einfälle und Innovationen menschlicher Kreativität, die in der Kultur- und Wissenschaftsgeschichte als plötzliche und unvorherbestimmte Ereignisse beschrieben werden. Ohne Zufall entstehe nichts Neues. „Nicht immer fallen die Ereignisse und Ergebnisse zu unseren Gunsten aus – das Spektrum reicht von Viren und Krankheiten bis zu verrückten Märkten und Menschen mit krimineller Energie“, resümiert Mainzer. Der Ökonom Friedrich August von Hayek wandte sich 1974 in seiner Rede zur Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises gegen die Benutzung der Instrumente der harten Wissenschaften in den sozialen Wissenschaften. Den Boom dieser Methoden in den Wirtschaftswissenschaften konnte Hayek nicht aufhalten, obwohl es immer noch Stimmen gibt, die den Ökonomen eher die Rolle bescheidener Philosophen zuweisen wollen. Hohepriester sind sie jedenfalls nicht.

Wirtschaft muss den Deal-Makern entzogen werden – Börsenzocker unterlaufen unternehmerische Belange

Bei Konzernen in Deutschland gibt es nach einem Bericht der Zeitschrift „Wirtschaftsbild“ nicht nur Licht, sondern auch sehr viel Schatten.

„Ende Februar 2008 verkündeten der Autobauer BMW und der Düsseldorfer Konsumgüter- und Markenartikel-Konzern Henkel, sie wollten 8.000 beziehungsweise 3.000 abbauen. Kurz zuvor hatte Siemens erklärt, fast 7.000 Stellen in der Kommunikationssparte zu streichen. Zugleich vermeldeten die Konzerne allerdings Rekordgewinne“, schreibt die Wirtschaftsbild.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit konzentriere sich einseitig auf Großunternehmen:

„Wissenschaftler, Analysten, Aktionäre oder Journalisten widmen ihre ganze Neugierde den Konzernen, während sie für die Mittelständler oft nur ein unbeteiligtes Schulterzucken übrig haben.“

Die Fixierung auf börsennotierte Schwergewichte verzerrt nach Auffassung des Schweizer Management-Experten Fredmund Malik die Wirtschaftsrealität:

„Die Shareholder-Brille hat blind gemacht für die überwältigende Zahl der Unternehmen, die immer schon gut funktionierten und auch in der Ära der Wallstreet-Skandale von ihren Prinzipien nicht abrückten.“

Man habe sich von einer verschwindenden Minderheit von geldgierigen Egozentrikern und Wirtschaftskriminellen für ein Jahrzehnt in die falsche Richtung führen lassen.

„Dazu kommt, dass seitens einer bestimmten ökonomischen Theorie ein Problem maßlos überbewertet wird, das täglich in allen Ländern millionenfach problemlos gelöst wird, nämlich das so genannte Principal-Agent-Problem – das heißt, die Frage, wie man als Eigentümer die im Auftrag handelnden Personen so steuert und überwacht, dass man nicht systematisch betrogen wird“, führt Malik in seinem Buch „Unternehmenspolitik und Corporate Governance – Wie Organisationen sich selbst organisieren“ (Campus Verlag) aus.

Die wahren Perlen der Unternehmenslandschaft blieben dadurch unentdeckt und unbeachtet. Malik beschränkt seine Sichtweise nicht nur auf den Mittelstand. Er definiert die erfolgreichen Firmen als „Unternehmerisch geführte Unternehmen“ (UMU). „Es geht bei diesem Unternehmenstyp nämlich nicht um die Größe, sondern um die Art der Führung“, stellt Malik klar. Das Shareholder Value-Prinzip habe das Unternehmertum auf finanztechnische Kennziffern reduziert. Gewinn könne man aber nicht mit wirtschaftlich-unternehmerischer Leistung verwechseln.

„Die Wirtschaft muss den Deal-Makern und Spekulanten entzogen werden, denn sonst kollabiert das gesamte System in einem Sumpf aus Fälschungen, Korruption und Wirtschaftskriminalität“, warnt Malik.

Heutzutage seien Shareholder keine Aktionäre mehr im Sinne des unternehmerischen Eigentümers.

„Sie kaufen Aktien nicht als Anleger, um sie wegen des Unternehmens und seiner Leistungsfähigkeit zu halten. An den Unternehmen selbst ist diese Art von Aktionär im Grunde nicht interessiert, sondern an der schnellen Perfomance für die Funds-Manager und die Zertifikat-Besitzer“, bemängelt Malik.

Die 100 größten Money Manager Amerikas verwalten fast 60 Prozent der US-Aktien und da gehe es in erster Linie um die Turnover-Rate, also um Aktienumschichtungen und weniger um unternehmerische Belange, sonst würden diese Manager die Papier länger halten. Malik plädiert daher für eine Neuregelung des Aktienrechtes.

„Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, soll eine Haltefrist beachten müssen. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben“, fordert Malik. Noch 1950 waren nach seinen Erkenntnissen rund 90 Prozent aller amerikanischen Aktien in den Händen der privaten Haushalte. Heute seien es noch knapp über 30 Prozent. „Hingegen halten die institutionellen Investoren heute fast 70 Prozent der Aktien, während sie 1950 lediglich 9 Prozent besaßen“, so Malik.