Sohn fragt Sohn zur Kritik von Fefe und Frank Rieger am Trend zur Gamification.
Es geht um die Abhängigkeit von Software und Regeln, zur Frage der Autarkie der Gaming-Szene, zur Drosselkom, die auch die Computerspieler netzpolitisch bewegen müsste und zu den Plänen von Sohn & Sohn auf der Gamescom, wo wir Live-Hangouts planen mit Computerspielern, Vertretern der Gaming-Industrie, mit Bloggern, Youtubern und allen Interessierten, die mit uns ins Gespräch kommen möchten.
Warum wir in Deutschland mit der Digitalisierung hadern und wie schädlich das ist, schildert eindrucksvoll MICHAEL KONITZER in seinem Blogpost: Im tiefen Tal der Exponentialität.
Patrick Breitenbach hat unser heutiges Gespräch Sohn über Gamification und dem großen einhergehenden Mythos „Spielen ist keine Arbeit“ oder „Spielen ist unernst“ sehr schön zusammen gefasst. Patrick fordert eine stärkere Berücksichtigung von spielerischen Elementen in der Arbeits-, Kultur- und Bildungswelt. „Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es.“
Darin spiegelt sich auch seine Mission an der Karlshochschule wider, den Führungskräften von morgen die Wichtigkeit des Spiels für eine gesunde und produktive Unternehmenskultur zu vermitteln.
Weitere Statements zu diesem Themenkomplex könnte ich gut für meine The European-Kolumne gebrauchen, die nächsten Mittwoch erscheint. Bis Dienstagmittag sind weitere Hangout-Interviews möglich. Danach muss ich schreiben und das Opus bis 18 Uhr abliefern.
Der Protest gegen die Drosselpolitik der Telekom nimmt an Schärfe zu. Kein Vorwahlgeplänkel, keine Eintagsfliege – die netzpolitische Bewegung nimmt den Angriff auf die Netzneutralität nicht hin, wie Markus Beckedahl auf der Anti-Drosselkom-Demo zur Hauptversammlung der Telekom in Köln deutlich machte.
Da wird es wohl nicht ausreichen, wenn Bundesnetzagentur und Kartellamt die Pläne des Magentakonzerns prüfen. Auch der Verweis der CDU-Netzpolitiker in der gestrigen Bloggercamp-Sendung auf bestehende Regelungen im Telekommunikationsgesetz können die Netzgemeinde nicht beruhigen.
Verlangt wird eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität.
So, erst einmal trockene Klamotten anziehen. Es hat heute zur Demo ungedrosselt aus Kübeln geschifft.
Noch ist Google Glass nicht auf dem Markt, „aber fast 14 Millionen Deutsche können sich jetzt schon vorstellen, eine solche, neuartige Datenbrille künftig zu nutzen“, verkündet der BITKOM-Verband in einer Pressemitteilung. Grundlage für diesen Optimismus ist eine Umfrage, die von BITKOM in Auftrag gegeben wurde. Demnach bekundet jeder fünfte Bundesbürger sein Interesse an einem solchen Gerät, das aktuelle Informationen wie E-Mails oder Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld einblendet und erlaubt, Fotos und Videos aus dem Blickwinkel des Trägers aufzunehmen. Dabei sind sich knapp 7 Prozent schon jetzt sicher, dass sie eine Datenbrille nutzen werden, rund jeder achte Befragte (13 Prozent) kann es sich vorstellen. Jeder Dritte (35 Prozent) ist hingegen skeptisch und will eher keine Datenbrille tragen, ein weiteres Drittel der Befragten will um die neuen Geräte einen großen Bogen machen (37 Prozent).
Zwei Drittel sind also eher kritisch, obwohl das intelligente Brillengestell noch gar nicht auf dem Markt ist. Insofern kann man die Umfrage auch ganz anders werten als es BITKOM getan hat.
Zweifel kommen bei mir auf, ob sich überhaupt schon quer durch die Bevölkerung ein klares Meinungsbild zu Datenbrillen manifestiert hat. Ein großer Teil wird zur Zeit mit dem Thema überhaupt nichts anfangen können. So war es zumindest beim Feldexperiment meines Bloggercamp-Kollegen auf der republica in Berlin. Am Veranstaltungsort war das Interesse groß und fast jeder konnte etwas mit dem Gloogle Glass-Replikat anfangen. Schon beim Gang zur Currywurst-Bude am U-Bahnhof Möckernbrücke war Schluss. Keine neugierigen Blicke, keine Reaktionen. Das könnte sich schnell ändern. Siehe meine heutige The European-Kolumne:
Führte das Street-View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto Normalverbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.
Damit der Nutzen von elektronischen Assistenten (ich wollte schon Agenten schreiben) nicht vollends vor die Hunde geht, sollten potenzielle Anwender von intelligenten Gadgets schon jetzt über neue Formen der Höflichkeit nachdenken, fordert der Blogger Gerhard Schröder im ichsagmal.com-Interview.
Wir können darauf warten, was der Gesetzgeber zu Google Glass sagt. Besser wäre es, als Zivilgesellschaft über freiwillige Regeln nachzudenken.
Noch ist die Datenbrille „Google Glass“ nicht auf dem Markt, da erklingen in Deutschland schon die Alarmglocken. Die staatlichen Datenschützer bringen sich in Position und warnen vor dem so genannten „Lifelogging“, also dem unbemerkten Aufzeichnen von vertraulichen Gesprächen. Das Rechtssystem sei auf das Ausspähen der Umgebung nicht vorbereitet.
Drei Tage beglückte er das Nerd-Treffen mit einem Replikat und provozierte nicht nur wohlwollende Kommentare. So fragte der Chef der Gastronomie erbost:
„Nimmst Du mich jetzt auf, oder was?“
Auf Twitter gab es eine Flut von Reaktionen. Hier nur drei Beispiele:
„Ob den Leuten, die ihre #googleglass aufm Kopf tragen, bewusst ist, wie bescheuert das aussieht?“
„Habe jemandem auf der #rp13 die Brille aus dem Gesicht gerissen und zertreten. War leider gar kein Google Glass.“
„Irgendwie fühle ich immer ein Unbehagen, wenn mir jemand mit #googleglass entgegenkommt, wie auf der #rp13, etwa als wäre es Röntgenbrille.“
Führte das Street View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto-Normal-Verbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.
Liebwerteste Gichtlinge der Bild-Zeitung, für diese Schlagzeilen beantrage ich übrigens Leistungsschutzrecht!
Aber selbst Google-Chairman Eric Schmidt und Google Ideas-Direktor Jared Cohen greifen in ihrem neuen Opus „Die Vernetzung der Welt“ zum Vokabular von billigen Agenten-Filmen, um den Nutzen der Wunder-Brille zu beschreiben. So könnte man in Kombination mit einer Armbanduhr frühzeitig Religionswächter oder Agenten der Geheimpolizei verorten. Kein Scherz, das haben die beiden Autoren so formuliert. Die Uhr kommuniziert über GPS-Daten den Standort ihres Trägers und die Datenbrille stellt fest, aus welcher Richtung ein Agent kommt. Mehr ist den Google-Topmanagern auf 441 Seiten nicht eingefallen. Kein Wunder, dass die Phantasie wuchert.
Damit der Nutzen von elektronischen Assistenten (ich wollte schon Agenten schreiben) nicht vollends vor die Hunde geht, sollten potenzielle Anwender von intelligenten Gadgets schon jetzt über neue Formen der Höflichkeit nachdenken, fordert der Blogger Gerhard Schröder im ichsagmal.com-Interview.
Wir können darauf warten, was der Gesetzgeber zu Google Glass sagt. Besser wäre es, als Zivilgesellschaft über freiwillige Regeln nachzudenken. Wer bei der Blogparade bis Ende Mai mitmachen möchte, findet hier die nötigen Infos: Glassiquette statt Glasshole.
Bis zur Demo am Donnerstag möchte ich von der Telekom-Pressestelle noch ein paar Details wissen, die mir bislang nicht übermittelt wurden. Folgend Fragen habe ich heute an die entsprechende Abteilung des Magenta-Konzerns gemailt.
Die Aussage Ihres Hauses, dass nur drei Prozent der Telekom-Kunden von der Drosselung betroffen sind, halte ich immer noch für schwer überprüfbar. Details wollten Sie bislang nicht verraten. Aber vielleicht könnten Sie mir auf der Metaebene Informationen übermitteln. Handelt es sich bei den 100 Prozent nur um Kunden mit T-DSL-Vertrag, oder werden auch alle Telekom-Kunden mit reingerechnet, die nur über einen Festnetzanschluss, nicht aber über einen DSL-Anschluss verfügen? Und was ist mit Mobilfunk-Nutzern? Das sind genau genommen ja auch Telekom-Kunden.
Aber auch abseits dieser unklaren Berechnungsgrundlage kommen starke Zweifel an dieser Berechnung auf. So spricht die Telekom einerseits von nur drei Prozent der Kunden, die mehr als das ab sofort in Neuverträgen verankerte Inklusivvolumen benötigen. Andererseits schreibt die Telekom in ihrer Pressemitteilung aber auch, dass sie davon ausgeht, dass sich das benötigte Datenvolumen bis 2016 vervierfachen wird. Selbst mit der simplen Rechnung der Telekom wären demnach 2016 nicht nur drei Prozent, sondern ein vielfaches davon von der Drosselung betroffen. Wie viele werden es denn 2016 sein?
Über eine kurzfristige schriftliche Beantwortung wäre ich Ihnen dankbar.
Wären Sie oder ein anderer Vertreter der Telekom bereit, am Rande der Demonstration vor der Köln Arena am Willy-Brandt-Platz 2 (zur Hauptversammlung am Donnerstag) ein Video-Interview mit mir zu führen?
Angeblich hat Telekom-Chef René Obermann mit den massiven Protesten gegen die Drossel-Tarifpolitik seines Konzerns gerechnet. Aus internen Quellen ist mir genau das Gegenteil bekannt. Anfänglich wurde die öffentliche Empörung als Vorwahlkampf-Geplänkel abgetan, mittlerweile haben auch die Magenta-Topmanager kapiert, in welcher schlechten Rolle sie für die Provider-Gemeinschaft unterwegs sind. Halt blöd, wenn man den kürzesten Strohhalm gezogen hat, um sich aus der selbstgewählten Flatrate-Falle zu befreien.
Um so affiger sind nun die Liebesschwüre vom Telekom-Boss. Nachzulesen bei heise.de: „Wir lieben unsere Kunden.“ Die Telekom kämpfe um jeden einzelnen Kunden „heute und in Zukunft.“
Siehe auch die Mielke-Rede in der Volkskammer – so am Schluss der Video-Aufnahme 🙂
Mit Liebesschwüren ist es so eine Sache. Vor allem, wenn es um das Verhältnis von Anbietern zu Kunden geht. Als Kunde erwarte ich einen anständigen Service, seriöse Angebote, transparente Geschäftsmodelle und keine formelhafte Dauerberieselung wie
„Wir lieben unsere Kunden“ oder „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt“. Wer so etwas runterlabert, praktiziert in der Realität genau das Gegenteil.
Die Telekom-Führungsmannschaft agiert mit dem Rücken zum Kunden und bekommt jetzt die Quittung für diese Ignoranz. Zudem geht es nicht so sehr um die neuen Preise, sondern um die Schaffung eines Zweiklassen-Netzes auf Kosten der Netzneutralität. Mit diesem netzpolitischen Offenbarungseid wird der Bonner Konzern nicht durchkommen.
Der politische Widerstand ist von den hohen Herren der Telefonie nicht einkalkuliert worden. Wir sehen und hören uns hoffentlich am Donnerstag auf der Demo in Köln. Lass Dich nicht erdrosseln!
Bei technischen Innovationen gründen wir in Deutschland erst einmal Kommissionen, Arbeitskreise und wissenschaftliche Initiativen zur Technikfolgen-Abschätzung. So auch bei Google Glass. Was da so alles auf uns zukommt: Ständige Überwachung durch Brillenträger. Selbst beim Nerd-Klassentreffen namens re:publica gab es solche Reflexe, wie das Feldexperiment von Hannes Schleeh unter Beweis stellte.
Müssen wir uns auf ein neues Spionage-Gadget einstellen und rechtzeitig über die alarmististischen Staats-Datenschützer neue Bollwerke zum Schutz der Privatsphäre errichten?
„Die technosoziale Faszination ist so groß, dass der Verkauf selbst kaum mehr als eine Preisfrage sein wird. Google Glass braucht kein Marketing, sondern Aufklärung.“
Im April 2012 stellte Google den Prototyp „Project Glass“ vor. Eine Brille mit eingebautem Display über einem Auge, das Informationen übermittelt, über gesprochene Kommandos Nachrichten verwaltet und über eine eingebaute Kamera Bilder und Videos aufnehmen kann.
„In Zukunft wird die Zusammenstellung von tragbarer Technologie, Augmented Reality und P2P eine Kombination aus Sinneseindrücken, Information und sicherer Kommunikation bieten und einige nützliche Geräte hervorbringen“, schreiben Google Chairman Eric Schmidt und Google Ideas-Direktor Jared Cohen in ihrem Buch „Die Vernetzung der Welt“.
Das Schlagwort Augmented Reality bezeichnet die Verschmelzung der Welten, der digitalen mit der nichtdigitalen, so Lobo:
„Es handelt sich dabei um eine derzeit dramatisch unterschätzte Spielart der Technologie – insbesondere, was die Diskussion um die Wirkung angeht. Augmented Reality steht nämlich von außen betrachtet für das Gefühl, dem Internet nicht mehr ausweichen zu können, wenn man den Rechner zuklappt.“
Und Frank Schirrmacher wird wahrscheinlich der Erste sein, der für die kulturpessimistische Debatte das entsprechende Buch liefert. Das wäre schade. Selbst in den Ausführungen von Lobo taucht nicht ein einziges Beispiel auf, um die Sinnhaftigkeit bei der Kombination von realen und digitalen Wahrnehmungen zu untermauern.
Etwa bei Ferndiagnosen. Über das dritte Auge kann ein Tierarzt kontaktiert werden und einem Bauern, der mit der Netz-Brille das Tier untersucht, erste Hinweise über das Krankheitsbild geben.
Bei der Analyse eines Tatorts folgt das dritte Auge dem Sichtfeld des Inspekteurs und fängt Informationen ein, die dem Betrachter vielleicht gar nicht so richtig aufgefallen sind. Phänomen: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zudem können die Filmaufnahmen live übertragen und von weiteren Inspekteuren am Bildschirm verfolgt werden. Auch die nachträgliche Bearbeitung der Aufzeichnungen ergänzt die eigenen Sinneseindrücke, die von Störquellen beeinträchtigt sein können.
Gleiches gilt für die Wartung von Flugzeugen. Mit dem dritten Auge – gepaart mit Sprachsteuerung – hat man die Hände frei, muss nicht ständig seine Arbeit wegen Schreibarbeiten unterbrechen, protokolliert über Sprache die Arbeitsschritte und reduziert die Fehlerquellen.
„Erst dann kann man von einem elektronischen Assistenten sprechen, der meinen Alltag erleichtert, mich vor der Informationsüberflutung bewahrt und sich auf meine Bedürfnisse einstellt.“
Schon vor einigen Jahren entwickelte der Grazer Informatikprofessor und Science Fiction-Autor Hermann Maurer interessante Szenarien für Brillen, die mit Mikrofon, Kamera, Stereoton und GPS-System ausgestattet sind. Weitere Sensoren ermitteln die Kopfposition des Brillenträgers, inklusive Blickrichtung und Kopfneigung, so dass der Minicomputer stets weiß, wohin der Benutzer gerade sieht. Der „Brillen PC“ kombiniert Mobiltelefon, Fotoapparat sowie Videokamera und ist ständig mit dem Internet verbunden. Die Eingabe von Informationen über Tastatur und Mausklicks wird ersetzt durch Sprach- und Gestenerkennung.
Beim wearable computing geht es weniger darum, medienwirksame Cyborg-Phantasien oder Jacken mit eingebautem MP3-Player zu realisieren, sondern langfristig dem Menschen in persönlicher Weise zu dienen: Seinen Gesundheitszustand zu überwachen, seine Sinne zu schärfen und ihn mit Informationen zu versorgen.
Wer über die Risiken spricht, sollte also über den Nutzen nicht schweigen. Ich werde das Thema in den nächsten Wochen vertiefen: In meinen Kolumnen, in Video-Interviews und gemeinsam mit Hannes Schleeh in Bloggercamp-Hangout-Fachgesprächen. Dabei werden wir natürlich auch kritisch reflektieren, ob hier ein neuer Kulturkampf schlummert. Wer Interesse daran hat, sollte sich bei mir melden.
Auf der re:publica dominierten übrigens in der Begegnung mit Hannes Schleeh die positiven Reaktionen 🙂
Nur nicht in Deutschland – so müsste ich eigentlich die Überschrift ergänzen, wo wir doch in kulturpessimistischen Endlos-Debatten wertvolle Zeit verplempern, um Millionen von Computerspielern als Suchtkranke zu stigmatisieren (Methode Manfred Spitzer) oder als potenzielle Serienkiller zu diskriminieren.
Dabei gibt es weltweit mehr weiblicher Gamer im Alter von über 55 Jahren als Gamer im Teenager-Alter.
Beim vielgescholtenen Spiel World of Warcraft handelt es sich um eine komplexe Welt mit eigenem politischen System, einer eigenen Wirtschaftsordnung, speziellen Strategiesystemen und Tools zur Informationsverarbeitung, die kontinuierlich weiterentwickelt wird.
„Bei Hauptschülern, die World of Warcraft spielen und in Deutschland keinen Abschluss bekommen, versagen nicht die Schüler, sondern die Schulen“, kritisiert Deeg.
Wie könne es sonst sein, dass Unternehmen wie Starbucks explizit nach Mitarbeitern suchen, die Gildenführer bei World of Warcraft sind. Über ein Spiel wie Pokemon würden Kleinkinder schneller Lesen und Schreiben lernen als in der Schule. Der große Unterschied zum Alltag in der Schule ist dann noch der Spaßfaktor. Bei Pokemon lernen Kinder Wortbedeutungen wesentlich schneller, weil sie sonst im Computerspiel nicht weiterkommen – aber ohne Druck und Zeigefinger von außen. Sie haben einfach Spaß am Lernen.
Einer der größten Wikis der Welt, wahrscheinlich der größte nach Wikipedia, ist der von World of Warcraft. Gamer nutzen alle möglichen Formen von Social Media-Plattformen für Recherchen, Wissensmanagement, Kooperation und Interaktion.
„Die sind von dem, was in der Schule geboten wird, komplett unterfordert. Gamer lieben es, eine neue Sache zu finden, sie zu posten und mit anderen zu teilen“, betont Deeg.
Das Potenzial der Gaming-Szene in Deutschland sei zudem wesentlich größer als die Netzbewegung, die sich auf der republica in Berlin versammelte. Auf der Gamescom in Köln kommen Hunderttausende – dort könne man sehen, was eine digitale Gesellschaft wirklich ist.
Gleiches gilt für die Wirtschaft. Die besten Community-Manager kommen aus der Gaming-Industrie. Immer mehr Unternehmen möchten gerne Mitarbeiter für bestimmte Managementaufgaben rekrutieren, die neben ihrer beruflichen Qualifikation vor allem Gamer sind. Es gibt nach Erkenntnissen von Christoph Deeg mittlerweile Headhunter, die sich darauf spezialisiert haben, Gamer zu finden, die Gildenführer bei World of Warcraft sind und einen guten BWL-Abschluss haben. Gaming hat eben sehr viel mit Lernen zu tun.
„Und dann haben wir aber noch eine andere Zahl. 15 Prozent!. Das ist die Anzahl der Schüler, die in Deutschland täglich den Computer nutzen dürfen. Allerdings nicht für die Entwicklung von coolen Social Media-Tools oder komplexen Netzstrategien. Sie dürfen ab und zu eine Recherche im Internet machen oder eine Powerpoint-Präsentation bauen“, kritisiert Deeg, der im Frühjahr eine längere Asien-Reise absolviert hat.
Dabei hätten wir gute Voraussetzungen, um Gaming zum elementaren Bestandteil der Arbeit in Schulen und Universitäten zu machen. Bildungspolitiker, Kultusministerien und selbst Feuilleton-Redakteure sehen so eine Forderung eher als Kriegserklärung. Sie würden wohl lieber eine Sonderauflage des Manfred Spitzer-Buches über Digitale Demenz in Auftrag geben als Freikarten für die Gamescom zu organisieren.
Aber Christoph Deeg hat einen interessanten Aspekt in die Diskussion geworfen, mit dem wir auch die Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Ganzen analysieren können:
„Der Umgang einer Gesellschaft mit Gaming ist ein wunderbarer Indikator für die Digitalisierungs-Stufe einer Gesellschaft.“
Und da befinden wir uns noch im digitalen Mittelalter, wie es Deeg im Bloggercamp-Interview auf der republica pointiert zum Ausdruck brachte.
Gaming habe in Asien den gleichen Stellenwert wie Besuche in der Oper oder im Theater. In Südkorea seien die Pro-Gamer – also die Profispieler, Superstars. Bei uns ein Randphänomen unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit.
Gaming ist in Ländern wie Japan, Südkorea und verstärkt auch in China fester Bestandteil der Alltagskultur. Es wird als Katalysator begriffen, um die gesamte Gesellschaft mitzunehmen auf dem Weg zur Digitalisierung. Ein Spiel wie Starcraft wird von der Regierung als Instrument gesehen, um die Voraussetzungen für eine digitale Gesellschaft zu schaffen. Entsprechend werden von Regierungsorganisationen alle Ressourcen zur Verfügung gestellt, damit möglichst jeder an die Gaming-Kultur herangeführt wird. Das wäre derzeitig in Deutschland undenkbar, moniert Deeg.
Konzerne wie Samsung sind ein fester Bestandteil dieser Strategie. Entsprechend wichtig ist die Gaming-Industrie als Wirtschaftsfaktor.
Bis 1995 zählten Wirtschaftszweige wie die Schwerindustrie und die chemische Industrie zu den Grundpfeilern der südkoreanischen Volkswirtschaft. Dann kam die Asienkrise und führte zu einem Aderlass bei den industriellen Arbeitsplätzen. Was machte die Regierung? Sie entschied sich für eine Zäsur und digitalisiert die Gesellschaft. Sie sorgte dafür, dass alle Menschen Zugang zum Internet haben und auch wissen, wie das funktioniert. Es ist eine Entscheidung getroffen worden, wie wir in Deutschland bis heute noch nicht gemacht haben: Ob wir nun eine digitale Gesellschaft sein wollen oder nicht?
„Deshalb passieren bei uns so komische Sachen wie mit der Drosselkom“, bemerkt Deeg.
In Südkorea drosselt man nicht, sondern investierte über den „Framework Act on Information“ zweistellige Milliarden Beträge in den Bau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes und in die Entwicklung von Software sowie Hardware.
Alle Klassenräume sind entsprechend umgebaut worden. Wir hingegen ergehen uns in Labereien, ob denn nun Computer in Schulen sinnvoll sind oder nicht.
Aber auf die Infrastruktur beschränkte sich Südkorea nicht. Die Regierung formulierte das Ziel, allen Menschen zu helfen, um Teil der digitalen Welt zu werden.
Rund zehn Millionen Koreaner haben spezielle Internet-Schulungen bekommen in einem Land mit 50 Millionen Einwohner. Das Ergebnis kann sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihren IT-Gipfeln hinter den Spiegel stecken. 95 Prozent der Haushalte hatten schon 2008 Anschlüsse mit 20 MBit pro Sekunde. Aktuell sind es sogar schon 100 MBit. Über 20.000 Internet-Cafés wurden gebaut. Und, und, und.
Also ist die Gaming-Szene wohl netzpolitisch ebenso interessant für die Netzbewegung wie die Youtube-Stars – manchmal gibt es hier ja auch eine Schnittmenge.
Bis zur Gamescom, die vom 21. bis 25. August in Kölle stattfindet, will ich dieses Thema vertiefen. Und natürlich auch auf der Gamescom. Am Pressetag – schon traditionell mit meinem Sohn Constantin Sohn. Und dann am ersten oder zweiten Messetag über Live-Interviews mit einem mobilen Studio.
Kaum einer der Unterzeichner steht wohl schon unter dem Regime der Drosseltarife, die ab 2016 ihre Wirkung entfalten werden. So blöd bin ich auch nicht. Aber schon jetzt gibt es eine breite Bewegung, die die neue Strategie der Telekom massiv bekämpft. Der Konzern hat den Limes überschritten und versucht dennoch, durch rhetorische Leerformeln sich über Wasser zu halten. Wäre Malte Goetz nicht an der Telekom interessiert, so van Damme gegenüber den Medienvertretern, wäre er vielleicht direkt zum Wettbewerber gegangen:
„Darüber sind wir froh. Wir wollen die Kunden, denen das Internet so wichtig ist, auch richtig bedienen. Führt das dazu, dass wir jetzt die Maßnahmen zurücknehmen? Nein. Wir haben nur gesagt, dass wir die nächsten drei Jahre nutzen werden, um über Lösungen zu sprechen, die für alle auch wirklich akzeptabel sind. Ich bin mir sicher, wir werden diese Lösungen finden.“
Daraufhin fragte ich, ob denn Malte Goetz überhaupt direkt zur Konkurrenz wechseln könnte? Geben Sie den 24-Monatsvertrag jetzt frei? Eine Kündigungswelle ist nach Ihren Worten noch nicht eingetreten. Ich kann ja gar nicht kündigen.
„So lange wir bringen, was wir mit diesen Verträgen versprochen haben, behalten wir die Kunden gerne bei uns. In dem Moment, wo wir unsere Versprechen (im Video klingt das eher wie Verbrechen, gs) nicht mehr halten, können Kunden gehen. Es gibt aber doch kein Grund, um zu wechseln. Die geänderten Geschäftsbedingungen gelten ja nur für Neukunden und nicht für jene Kunden, die in den letzten Jahren einen Vertrag abgeschlossen haben“, sagt van Damme.
Dann folgt der wohl nach Sprachregelung festgelegte Hinweis auf die drei Prozent Vielnutzer, die man stärker zur Kasse bitten will, damit nicht der Otto-Normalverbraucher und die „kleine Maria Müller“ für die Leute bezahlen müssen, die den ganzen Tag HD-Filme herunterladen und Musik hören.
Nach dem Pressetermin redete dann noch eine kleine Entourage des Deutschlandchefs auf mich ein, dass ich eben kein Recht und keinen Grund habe, die Telekom zu verlassen. Ich sei von der Regelung als Bestandskunde nicht von der Drosselung betroffen. Auf meinen Hinweis, dass die Telekom mit dem Angriff auf die Netzneutralität über die Bevorzugung von eigenen Diensten und von Partnerdiensten ein geteiltes Internet schaffe und ich diese Linie nicht mehr mitfinanzieren wolle, folgte die arrogante Zurechtweisung eines aalglatten Telekom-Managers, ich könne ja auch einen laufenden Leasing-Vertrag nicht ohne Einhaltung der Fristen kündigen.
Zudem hätte jeder die Möglichkeit, Partner der Telekom zu werden, um vom bevorzugten Transport der Datenpakete zu profitieren. Dieses Managerlein grinste die ganze Zeit auf mich herab, wenn es denn die Körpergröße zulassen würde. Wohl ein Jurist wie aus dem Bilderbuch mit braunem Tweed-Sakko, brauner Hornbrille (Marke „Ich möchte aussehen wie ein Intellektueller“), Timberland-Boatshoe und Halstuch. Auf meine Anmerkung, dass die von den Telekomikern so häufig erwähnten drei Prozent Vielnutzer etwas nebulös dargestellt werden, zog man sich dann auf Geschäftsgeheimnisse zurück. Auch die Umsätze, die man sich von dieser Klientel verspricht, wurden von dem Hornbrillen-Manager nicht benannt. Man wolle der Konkurrenz nicht in die Karten spielen – ah ja.
„da nicht gesagt wird, welcher Wert als Basis für die Prozentrechnung herangezogen wird. Handelt es sich bei den 100 Prozent nur um Kunden mit T-DSL-Vertrag, oder werden auch alle Telekom-Kunden mit reingerechnet, die nur über einen Festnetzanschluss, nicht aber über einen DSL-Anschluss verfügen? Und was ist mit Mobilfunk-Nutzern? Das sind genaugenommen ja auch Telekom-Kunden. Aber auch abseits dieser unklaren Berechnungsgrundlage kommen starke Zweifel an dieser Milchmädchenrechnung auf. So spricht die Telekom einerseits von nur drei Prozent der Kunden, die mehr als das ab sofort in Neuverträgen verankerte Inklusivvolumen benötigen. Andererseits schreibt sie in ihrer Pressemitteilung aber auch, dass sie davon ausgeht, dass sich das benötigte Datenvolumen bis 2016 vervierfachen wird. Selbst mit der simplen Rechnung der Telekom wären demnach 2016 nicht nur drei Prozent, sondern ein vielfaches davon von der Drosselung betroffen.“
Bleibt zu hoffen, dass jetzt zumindest die politischen Instanzen eingreifen, um die Netzneutralität zu wahren.
Die Netzinfrastruktur muss endlich als öffentliches Gut begriffen werden. Sind die Netzbetreiber dazu nicht bereit, sollte man einen gesetzlichen Riegel vorschieben oder den Telcos das Netz entziehen und ein öffentlich-rechtliches Betreibermodell wählen. Was nicht heißt, dass der Staat als Netzbetreiber auftreten sollte – das wäre genauso fragwürdig.