Digitalisierung und (Netz-)Ökonomie – Wohin führen unsere Denkansätze? #NEO17x

Qualität statt Quantität
Qualität statt Quantität

Im Gefolge des Werturteilstreits Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Mehrheit der Ökonomen der Ansicht angeschlossen, die Wirtschaftswissenschaften hätten nicht über die Ziele des Wirtschaftens zu befinden, sondern dienten allein einer Aufklärung über den intelligentesten Gebrauch knapper Mittel, erläutert Professor Claus Dierksmeier vom Weltethos-Institut im ichsagmal.com-Interview.

Aber schon diese Reduktion ist ein Werturteil. Etwa die Anwendung des Ökonomismus auf alle Lebensbereiche, von Schule bis Medizin. Wir werden ausschließlich als Kunden betrachtet, als Objekt der Begierden. Man merkt es an der Unternehmenskommunikation, die darauf ausgelegt ist, uns mit weltweit führenden Wortblähungen zu verscheißern. Winfried Felser hat das in einem Beitrag über Content Marketing auf LinkedIn eindrucksvoll belegt.

Wir werden mit wohlklingenden Versprechungen umworben, also mit Angeberei und haltlosen Behauptungen. Und das führt zu einer fatalen Schieflage:

„In einer Gesellschaft, in der alle öffentlichen Räume von Botschaften überflutet werden, die im Konsumieren die Antwort auf alle Lebensfragen versprechen, hat es ein an Wahrhaftigkeit ausgerichteter Diskurs um das gute Leben schwer. Dies untergräbt die kulturellen Voraussetzungen moralischer und politischer Autonomie“, kritisiert Professor Claus Dierksmeier in seinem Opus „Qualitative Freiheit“.

In der Wirtschaftswissenschaft regiert eine scheinheilige Abstinenz bei Werturteilen und Zielen. Etwa bei der „Konsumentensouveränität“, die einfach die Egozentrik von Einzelentscheidungen aggregiert und sie in der Summe als Wohl der Allgemeinheit ausspuckt. Wie von Geisterhand. Eine mathematische Schimäre, die politischen Reformen im Weg steht. Wir beschränken uns auf eine abstrakt-quantitative wirtschaftliche Freiheit eines Konsumentenstaates auf Kosten von qualitativen Freiheiten einer realen Bürgergesellschaft.

Dierksmeier plädiert für einen qualitativen Liberalismus in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen. Pseudo-Liberale, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheiten ausbreiten, demontieren die Freiheit- und Bürgerrechte. Wer anderen vorschreibt, Freiheit sei allein quantitativ zu verstehen, also als Maximierung von Erträgen, Nutzen, Profiten und Einkommen, der verstößt selber gegen jene von Liberalen hochgehaltene Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung, betont Dierksmeier.

Man braucht sich nur die Kollateralschäden der Deregulierung anschauen, um die Werturteilsfreiheit, die in VWL-Lehrbüchern fast religiös gepredigt wird, werten zu können. Etwa beim Investment-Banking, beim Buchhaltungsrecht oder im Sicherheitssektor. Stichworte wie WorldCom-Pleite, Lehman-Untergang, Savings and Loans-Debakel, Enron-Arthur-Andersen-Skandal mögen da ausreichen. Wir könnten jetzt noch VW, Deutsche Bank, Thyssen, RWE und Co. hinzufügen. Es gibt kein Naturgesetz und keinen Automatismus in der Ökonomik, um für Wohlfahrt zu sorgen. Es sind qualitative Bedingungen, die auch ganz anders gestaltet werden können, meint der Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch in der Philosophie-Sendung von Richard David Precht.

Was kann man ändern jenseits der Erbsenzählerei, die sich in Algorithmen, ceteris paribus-Formeln und sonstigen von Menschen gemachten mathematischen Rechenexempeln verstecken?

Auch in Algorithmen verstecken sich Werturteile

Der Mensch ist viel mehr als die Summe von Daten, die die Wirklichkeit gewichten und somit manipulieren. Es gibt in der Ökonomik keine störungsfreie Laborsituation.

„Die Wirklichkeit wird durch qualitative Entscheidungen bestimmt“, sagt Lesch.

Mit den Methoden der Himmelsphysik, wo im luftleeren Raum alles funktioniert, kommen wir in der Gesellschaft nicht weiter. Jeder ist gefordert, seine Entscheidungen zu begründen und sich nicht hinter Formeln, Kennzahlen, Rankings, aufgeblähten Umsätzen und Renditen zu verstecken.

„Es muss grundsätzlich eine Änderung der Ökonomik herbei geführt werden, die nicht mehr von mechanistischen Paradigmen geprägt ist“, fordert Dierksmeier.

Es geht immer um Wertentscheidungen. Auch jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Das gilt auch für jene, die auf Bühnen über die Notwendigkeit der Digitalisierung schwätzen, aber sich in Wirklichkeit hinter Begriffskaskaden verstecken. Die Keynote-Dauerredner sprechen von Digitaler Transformation, Digitalem Darwinismus (sozusagen die Donald Trump-Variante des Business-Darwinismus), Disruption oder Innovation, erläutern aber nicht, welche Programmatik dahinter steckt.

„Wenn wir wirklich eine inklusive, nachhaltige und verantwortliche Gesellschaft und Ökonomie wollen, müssen wir unsere Bilanzen und Logiken ändern. Ich halte das für fundamental. Was sind die grundlegenden Paradigmen und Theorien der Ökonomie. Die sind implizit normativ. Am Ende ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es gibt auch keinen Determinismus (Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt, gs). Wir haben gestalterische Freiheiten. Wohin führen unsere Denkansätze“, fragt sich Winfried Felser in der netzökonomischen Ideenrunde vor gut einer Woche.

Wenn wir dazu keine Antworten geben, wird sich das digitale Geschwätz und der technokratische Diskurs in der Ökonomik nicht ändern. Ein Thema, das wir in diesem Jahr beim Netzökonomie-Campus aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersuchen werden.

Wo der Trump-Darwinismus (das hat Charles Darwin übrigens nicht verdient) im Digitalen hinführt, belegt diese Personalentscheidung: Neuer FCC-Chef will Netzneutralität wieder abschaffen

Welche Ideen habt Ihr für die Netzökonomie-Diskurse in diesem Jahr?

Betonköpfe zermürben: Machteliten-Hacking, digitale APO, Ideeninfiltration, ManagerWatch #NEO16x

Banner-Kreation von Isabel Morales Rey
Banner-Kreation von Isabel Morales Rey

Vieles ist denkbar beim Aufstand der Kreativen in der Netzökonomie, um Betonköpfe in Wirtschaft und Politik mürbe zu machen.

Der ehemalige Konzernvorstand Thomas Sattelberger hat für die Formierung einer digitalen APO wichtige Stichworte geliefert, um das Inzest-System des Top-Managements der DAX 30-Konzerne, von autoritär geführten mittelständischen Unternehmen und von korrumpierbaren Elite-Hochschulen zu durchbrechen. Er will mit politischen Mitteln den Gehorsamskäfig in Organisationen aufbrechen. Wenn wir in der digitalen Sphäre von Partizipation, Transparenz und einer Kultur der Beteiligung reden und auch danach handeln, dürfe das in Wirtschaft und Politik nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Wir dürfen jetzt nicht den alten Taylorismus, der das Arbeitsleben nach Befehl und Gehorsam taktet, in digitalem Gewand reproduzieren. Die Netzökonomie sollte schon mit intelligenteren Methoden gesteuert werden.

Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach hat dafür im vergangenen Jahr auf der Next Economy Open in Bonn mit seinem spontihaften Aufruf zum Machteliten-Hacking eine vortreffliche Denksportaufgabe hinterlassen. Man müsse Gegen-Narrative in die Organisationen bringen. Die alten Eliten sind von einer Blase der Ja-Sager umgeben. Wie wäre es mit einer subversiven Injektion für kritisches Denken? So pflegte der Philosoph Karl Popper eine sehr intensive Beziehung zum Altkanzler Helmut Schmidt. Das habe den früheren Regierungschef in seinem politischen Denken sehr stark geprägt.

„Popper war indirekt ein Hacker der politischen Elite“, bemerkt Breitenbach.

Man brauche zudem starke Metaphern, um bei den Entscheidern der Machtelite etwas anzurichten, ergänzt brightone-Analyst Stefan Holtel im NEO15-Streitgespräch.

Wie könnte eine Graswurzelbewegung die Werkzeuge des Social Webs einsetzen, um Verkrustungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufzubrechen? Eine Möglichkeit sehe ich in der Ideen-Infiltration, die der Jesuit Michel de Certeau in seinem Band „Kunst des Handelns“ für listenreiche Konsumenten aufgebracht hat.

Es geht um normale User, die beim Surfen durch die Warenwelt in den Nischen des Konformismus auf ungeahnte Autonomiemöglichkeiten stoßen, ohne sich der Aufgabe des aufopfernden Heldentums widmen zu müssen. Wer ist schon gerne Märtyrer. Es reichen kleine Regelverletzungen. Man könnte während der Arbeitszeit unauffällig anderen Tätigkeiten nachgehen, Meetings mit endlosen Monologen ad absurdum führen, Vorgesetzte mit falschen Excel-Tabellen in den Wahnsinn treiben und Macho-Manager bei der nächsten Weihnachtsfeier mit scharfsinnigen Witzen als eitle Trottel bloßstellen.

Powerpoint-Fußnoten für Kopisten-Bosse

Die Zweckentfremdung von digitalen Werkzeugen bietet eine Vielzahl von dadaistischen Möglichkeiten des Anarchentums: Powerpoint-Präsentationen für den Vorstand und selbst das Intranet sind ein ergiebiges Feld für Sticheleien. Klaut der eigene Boss regelmäßig seine Führungsweisheiten aus einschlägig bekannten Ratgeberbüchern der prahlerischen Beraterzunft, empfehle ich als Fußnote schlichtweg die Quellen-Angabe. In meiner Zeit beim Telefonie-Unternehmen o.tel.o ergänzte ich die Durchhalteparolen des Kommunikationsdirektors, die er aus einem Opus von Reinhard Sprenger abkupferte, mit einer Rezension des besagten Werkes.

Hintergrundinfos über prahlerische Vorgesetzte

Die angeberischen Exkurse des Top-Managers mit dem Charme eines Autoverkäufers über seine Karriere als Bundesliga-Torwart konterte der zuständige Mitarbeiter für das Sport-Sponsoring mit einem Zitat aus dem Bundesliga-Jahrbuch: Die fußballerische Karriere des VoKuHiLa-Schwätzers währte nur kurz, weil der Protagonist den Anforderungen des Profivereins nicht gewachsen war. Um so mehr redete er von seinen Kitzbühl-Begegnungen mit Franz Beckenbauer und Konsorten. Alle Mitarbeiter, die unter diesem Zwergen-Regime dienen mussten, konnten mit den vermittelten „Hintergrundinfos“ die Auftritte des Direktoren-Würstchens besser ertragen.

Teleprompter-Nahaufnahmen

Die Nahaufnahme der Entschuldigungs-Stammelei des mittlerweile gefeuerten VW-Chefs Marin Winterkorn, die auf Youtube immer noch abrufbar ist, kann als Paradebeispiel für Machteliten-Hacking herangezogen werden – wahrscheinlich unbeabsichtigt. Mit der Kameraeinstellung wurde sichtbar, dass der cholerische Auto-Macher nicht in der Lage war, sein Ehrenwort-Statement frei zu sprechen. Der bestbezahlte CEO in Europa, der nach Auskunft des IG-Metallers Bernd Osterloh angeblich jeden Euro wert ist, schrumpfte zum Teleprompter-Rhetoriker.

Zu den Establishment-Crashern zählt auch jener schlaue CDU-Berater, der mir auf meine Twitter-Anfrage zur Sendelizenz für das Livestreaming-Projekt von Kanzlerin Angela Merkel eine 007-Replik entgegenschleuderte. Ergebnis: Es gab nie wieder einen Live-Hangout der Regierungschefin mit der Gefahr einer weiteren Schwarzfunk-Debatte.

Systemkritik mit Geissen-Gegenteilaktionen

Einen systemkritische Geist verorte ich zudem bei den Werbefachleuten des „Verbraucherportals“ Verivox, die das Goldkettchen-Traumpaar Geissen klimapolitisch korrekt ins Rennen schicken. Aussage: „Je mehr Energie wir verbrauchen, desto mehr sparen wir.“ Besser kann man den so genannten Rebound-Effekt massentaublich nicht erklären. Was weniger kostet, wird mehr nachgefragt. „Ich habe ja eine Energiesparlampe – also kann ich sie länger brennen lassen.” Das wäre ein direkter Rebound-Effekt. Der indirekte Rebound. Der Energieverbrauch sinkt tatsächlich – ich spare Geld. Aber dieses Geld gebe ich wieder für etwas anderes aus, das ebenfalls Energie verbraucht. Wer dank besserer Isolation seines Hauses tausend Euro im Jahr für Heizöl spart, macht mit dem gesparten Geld mehr Fernreisen mit dem Flugzeug oder fährt sinnlos mit einer Motor-Yacht an der Côte d’Azur hin und her.

Wer sich ökologisch orientieren möchte, braucht nur das Gegenteil der Blinki-Blinki-Gichtlinge machen. Machteliten-Hacking ist jeden Tag möglich.

Am 8. August, um 16 Uhr werden wir in einem Live-Hangout weitere Ideen diskutieren über den Aufstand der Kreativen in der Netzökonomie. Wer mitmischen will im Hangout, sollte mir einige Tage vorher eine Info zukommen lassen. Hier einen Kommentar posten, auf der Facebook-Eventtseite oder auf Google Plus.

Man hört, sieht und streamt sich 🙂

Siehe auch: Top-Manager und die dunklen Hinterzimmer der Macht

#DigitalesBonn braucht mehr Open Space-Kultur und weniger Honoratioren-Gremien

Netzökonomie-Campus im Kino ;-)
Netzökonomie-Campus im Kino 😉

Bonn ist Hidden Champion der Digitalisierung und genau das ist das Problem der beschaulichen Stadt am Rhein. Nach den Experteninterviews von empirica sei es ein Manko, dass “der IT-Standort Bonn nicht so auffällt”. In der Öffentlichkeit sind nur die Dax-Unternehmen im Fokus und nicht die vielen kleinen IT-Unternehmen.

Aber das ist nicht das einzige Problem, wie die Bonner Barcamp-Session zum Städte-Wettstreit belegt. Bonn fehlt im Vergleich zu Köln eine ausgeprägte digitale Lebenskultur.

Es fehlen Begegnungen der etablierten Protagonisten von Wirtschaft und Politik mit den Netzaktivisten, die meistens vom Establishment eher belächelt werden. Es gibt zu viele Honoratioren-Events, die auf Berieselung und Frontalbeschallung ausgerichtet sind. Da hilft dann auch kein weiter Digitalisierungsbeauftragter weiter, den PwC ins Spiel gebracht hat.

Fehlender Mut zu offenen Formaten

Es mangelt an der nötigen Offenheit, die Potenziale der digitalen Crowd zu heben, die man beispielsweise im Coworking Space Bonn in Poppelsdorf abrufen könnte. Der Netzexperte Guido Bosbach setzt sich intensiv damit auseinander, wie man offene Dialoge und Vernetzungen fördern kann.

Wie erzeugt man mehr Breite in den digitalen Debatten, einen Meinungsaustausch mit vielen Akteuren und nicht nur mit den so genannten Meinungsführern einer Stadt? Ein Hebel sieht er bei den Un-Konferenzen, also jenen Formaten, die nach Barcamp-Prinzipien ablaufen.

“Das sind Veranstaltungen, bei denen jeder mit jedem auf Augenhöhe über ‘sein Thema’ sprechen kann. Es gibt manchmal ein zentrales Thema, aber keinen vorher erarbeiteten Plan, wer wann welchen Impuls gibt. Lediglich Zeiten, also ‘Sessionslots’ werden festgelegt. In einer Vorstellungsrunde erklären freiwillige Sessiongeber, worüber sie sprechen möchten. Was nach einem purem Chaos klingt ist – sofern gut gemacht – ein perfekter Raum für Kreativität, Inspiration und Energie”, so Bosbach.

Gut organisierte Open Space-Plattformen seien wie eine perfekt arrangierte Choreographie bei der man mittendrin ist, statt nur dabei.

Generell wird die Etablierung einer digitalen Szene nicht gelingen, wenn man Nerds, Geeks, Hacker, Gamer und Blogger als belanglose Randerscheinungen betrachtet. Wie wollen Unternehmen, Behörden und Wissenschaftseinrichtungen coole Mitarbeiter mit Technologie-Kenntnissen anwerben, wenn sie selbst mit dem Rücken zum Netz stehen und gerade mal die Fernbedienung für Power Point-Präsentationen beherrschen? Da müssen auch die Hidden Champions der Digitalisierung in Bonn noch einiges ändern müssen, um weniger hidden rüberzukommen. Bürokratische Digitalisierungsbeauftragte werden da wenig bewirken. Ausführlich nachzulesen in meiner Netzpiloten-Kolumne.

Skeptisch sehe ich auch das so genannte Advisory Board, die das Projekt „Digitales Bonn“ vorantreiben sollen. Mitglieder sind Dr. Wolfgang Clement, Bundesminister und Ministerpräsident a.D.; Prof. Dr. Christof Ehrhart, Direktor Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung der Deutschen Post DHL;
Wolfgang Grießl, Präsident IHK Bonn/Rhein-Sieg; Prof. Dr. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn; Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom; Prof. Dr. Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn Rhein-Sieg, Ashok Sridharan; Oberbürgermeister der Stadt Bonn; Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender Deutsche Postbank; Frank Thelen, Unternehmer; Prof. Dr. Stephan Wrobel, als Sprecher der drei Fraunhofer Institute in Sankt Augustin.

Stefan Saah forderte in der netzökonomischen Käsekuchenrunde mit Ralph Grundmann, Sascha Förster, Johannes Mirus und meiner Wenigkeit im Coworking Bonn mehr Impulse von den kleinen Unternehmen. Man sollte nicht auf die Konzerne warten, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen. Sehe ich ähnlich.

Warum hat das Advisory Board nicht netzöffentlich getagt? Werden die kommenden Sitzungen im Verbund mit der Bonner Bürgerschaft ablaufen? Oder werden am Ende wieder nur die fertigen Pläne in einer Pressekonferenz verkündet?

Wer auf offene Dialogformen setzt, wie bei der netzökonomischen Käsekuchen-Runde, bei der jeder mitmachen kann und nicht handverlesen eingeladen wird, treibt den Ideen-Motor für Projekte wie #DigitalesBonn an. Das konnte man an den Reaktionen auf unsere Diskussion im Coworking Bonn ablesen.

https://twitter.com/TransformWerk/status/706750254117462017

https://twitter.com/DerGuenther/status/705770825530609665

Siehe auch:

Wirtschaft und Stadtgesellschaft vernetzen #digitalesbonn

Käsekuchen-Diskurs um 16 Uhr: Schnellboote der Netzökonomie #Solopreneure #NEO16 #LiveHangout

Solopreneure auf der Next Economy Open in Bonn: Miliana Romic und Benjamin O'Daniel
Solopreneure auf der Next Economy Open in Bonn: Miliana Romic und Benjamin O’Daniel

Wird über netzökonomische Aspekte in der Öffentlichkeit gesprochen, denkt man automatisch an die großen Kaliber des Silicon Valley und die neuen Zuckerbergs, die sich am Horizont abzeichnen. Es werden nur jene ernstgenommen, die das ganz große Rad drehen oder zumindest prahlerisch behaupten, irgendwann in der ersten Liga der Internet-Giganten mitzuspielen. Traditionell bekommt man als Gründer auch in Deutschland den Rat, ein komplettes Unternehmen zu planen mit Rechnungswesen, Controlling, Fragen des Gesellschaftsrechts, Finanzen, Gebäude und Mitarbeitern. Bei allem soll der Gründer einen Überblick haben. Am besten noch mit BWL-Expertise. Und immer wieder kommt die Empfehlung von schlauen Beratern, wie wichtig doch die Finanzierung sei – entweder mit Bankkrediten oder Risikokapital. Der Sprung in die Selbstständigkeit führt dann ganz schnell in eine neue Abhängigkeit von Kapitalgebern. Man wird zum Angestellten in seiner eigenen Firma.

Auch die Luftblase namens Venture Capital vernebelt die Sinne vieler Startups, die nicht wissen, worauf sie sich in den Verträgen mit hundert Seiten, geschrieben von Anwälten in noblen Kanzleien, einlassen. Zu schnell geraten Enthusiasten für eine neue Geschäftsidee in den Konflikt mit klassischen Aufgaben des Managements: Ordnung halten, Routinen konzipieren und Menschen kontrollieren.

Einzelkämpfer mehr beachten

Konzepte von Einzelkämpfern, die sich als Laptop-Unternehmer im Netz erfolgreich etablieren, finden nur wenig Beachtung. Benjamin O’Daniel, Redakteur für Content Marketing-Projekte, will das ändern. In einem eBook präsentiert er Digitalexperten, die sich nicht mehr von ihren Kunden und Geschäftspartnern antreiben lassen. „Sie wollen nicht mehr ständig im Zug, Auto und Flugzeug sitzen und quer durch Deutschland oder die Welt jetten. Sie wollen ihre Arbeitsprozesse und Einkommensquellen selbst steuern. Sie wollen raus aus dem System ‚Zeit gegen Geld‘. Sie wollen gutes Geld verdienen UND ein angenehmes Privatleben führen. Und das funktioniert mit digitalen Produkten ausgesprochen gut.“

Kein Personal, keine Gewerbemiete, keine hohen Betriebskosten, Steuern und Sozialabgaben. Es sind Solopreneure, weil diese Akteure sich alleine etwas aufbauen. „Sie setzen auf digitale, skalierbare Vertriebsformen. Es bedeutet keinen Mehraufwand, ob man ein eBook oder tausend eBooks verkauft“, so O’Daniel. Das Fachwissen der Solopreneure ist im Netz abrufbar und kann mit einfachen Mitteln vermarktet werden. Sie befreien sich aus dem Hamsterrad der klassischen Projektarbeit. Zu den Vorreitern zählt Ehrenfried Conta Gromberg http://www.contagromberg.de, der im Opus von Benjamin O’Daniel zu Wort kommt. Während viele Unternehmensberater sich auf Konzerne und mittelständische Unternehmen konzentrieren, interessiert sich Gromberg für die digitalen Vorreiter. Ausführlich nachzulesen in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten.

Darüber wollen wir heute in unserem netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs reden. Live-Hangout beginnt um 16 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich daher zum Thema: „Vom Blogger zum Solopreneur: Geschäftsmodelle für die Blogosphäre“.

Hashtag zum Mitdiskutieren

Oder den Fragebutton auf dem Webplayer von Youtube auf der Google Plus-Seite verwenden.

Wie man sich beim Netzökonomie-Campus an der Diskussion beteiligen kann #NEO15

Netzökonomie-Campus

Morgen gibt es ja wieder einen Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen, der via Live-Hangout ab 16 Uhr übertragen wird. Wie man über die Google Plus-Seite mitdiskutieren kann, habe ich heute mal kurz erläutert – am Abreisetag aus Tunis 🙂

http://katch.me/embed/v/c77a0360-375e-3371-a7b3-efc5fb8be897

Update: Katch.me hat den Hangout-Erklärteil gar nicht aufgezeichnet. Das hole ich hier nach. Hatte die Periscope-Konserve ja in der Mediathek.

Man hört, sieht und streamt sich am Sonntagnachmittag.

Wie die liebwertesten VWL-Gichtlinge die (netz-)ökonomische Wirklichkeit ausblenden #NEO15

Die VWL-Dünnbrettbohrer mit ihren ceteris paribus-Modellen würden fälschlicherweise Quantifizierung mit Wissenschaftlichkeit gleichsetzen.
Die VWL-Dünnbrettbohrer mit ihren ceteris paribus-Modellen würden fälschlicherweise Quantifizierung mit Wissenschaftlichkeit gleichsetzen.

Wolfgang Kasper, emeritierter Professor für Nationalökonomie der australischen Universität New South Wales, geht mit den Protagonisten der Wirtschaftswissenschaften hart ins Gericht. Die sogenannte Neoklassik operiere mit Scheinwissen. Politische Macht und unerwartete sowie schädliche Nebeneffekte von wirtschaftspolitischen Entscheidungen werden einfach wegdefiniert. Die VWL-Dünnbrettbohrer mit ihren ceteris paribus-Modellen würden fälschlicherweise Quantifizierung mit Wissenschaftlichkeit gleichsetzen. Die Modellschreiner und Makromechaniker bilden nach Ansicht von Kasper ein karriereförderndes Kartell. Lehrstuhlkandidaten, die Bürokraten und Minister-Aktivismus kritisieren, hätten nur geringe Chancen im undurchsichtigen universitären Ernennungsdickicht. So etablierten sich Professoren, die sich mit ökonometrischen Gefälligkeitsgutachten und Expertenrat in den Dienst von Politikern und Ministerien stellen. Wichtig wären Denkfabriken, Universitäten und Medien, die nicht vom Steuermäzenatentum abhängig sind.

Zudem brauche man eine Neuausrichtung der Wirtschaftswissenschaften:

„Das neoklassische Gedankengut stammt aus der Ära der Großindustrie mit Massenproduktion. Heute machen maßgeschneiderte Dienstleistungen zwei Drittel bis drei Viertel der Wirtschaftsaktivität aus. Und hier ist dezentrales Wissen der wichtigste Produktionsfaktor“, so Kasper.

Mit Mathematik und irgendwelchen unkritisch hingenommenen statistischen Schätzungen könne man leicht publizieren und promovieren.

„Und wo die Daten nicht ausreichen, da müssen eben ‚dummy variables’ und andere ökonometrische Tricks herhalten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ungern man einmal mühsam erlerntes ökonometrisches Wissenskapital ersatzlos abschreibt, auch wenn man merkt, dass die mathematische Ausdrucksweise ein armseliges, künstliches Esperanto darstellt, das für die wirtschaftspolitische Beratung bei weitem nicht das gleiche leisten kann wie das ordnungspolitische Idiom“, führt der Nationalökonom weiter aus.

Als lang gedienter Universitätslehrer und Institutsleiter weiß er, wie leicht das neoklassische VWL-Reportoire zu unterrichten ist.

„So kann man etwa mit dem Marshall’schen ‚ceteris paribus Kreuz’ von Angebot und Nachfrage oder dem makroökonomischen IS-LM Gleichgewicht ohne viel Anstrengung Vorlesungsstunden füllen und erspart den Studenten die Begegnung mit der viel komplexeren Realität, mit Wissen aus Soziologie, Geschichte, Psychologie, Institutionen oder Unternehmertum. Studenten ohne Lebenserfahrung finden die neoklassische Abstraktion zumeist befriedigend. Für das Examen reicht dies aus. Die meisten merken überhaupt nicht, dass sie um aufregende und anregende Wertediskussionen – etwa Freiheit versus Effizienz, oder Sicherheit versus Gerechtigkeit – betrogen werden.“

Erst später, wenn sie ihr Universitätswissen mit der Wirklichkeit konfrontieren, bemerken sie enttäuscht, dass sie mit völlig unbrauchbaren Modellen operiert haben. Man merkt es an den Fehlprognosen, die die Konjunkturforscher in jedem Jahr der Bundesregierung an die Hand geben.

„Die Ökonomen liefern mit ihren Modellen keine Aussagen über Kausalzusammenhänge, sie bieten lediglich mögliche Interpretationen vergangener Handlungen von Wirtschaftsakteuren“, schreibt Tobias Schmidt in der Zeitschrift Merkur.

Das Ganze ist eine Beschreibung vorhandener Datenreihen. Für die Zukunft folge daraus nichts, bemerkt der Merkur-Autor. Dennoch kommen solche Modell permanent zum Einsatz. Eine Zirkelschluss-Ökonomie mit Blick in den Rückspiegel unter Ausschaltung der wirtschaftlichen und politischen Realität.

Einen völligen Blindflug legen die liebwertesten Gichtlinge der Wirtschaftswissenschaften in netzökonomischen Fragen an den Tag. Die ungeheure Dynamik der digitalen Transformation mit ihren ständig neu aufkommenden Trends in der Informationstechnik und der Angriffslust der Internetkonzerne aus dem Silicon Valley stehen nicht auf den Lehrplänen von VWL und BWL. Wie sollte die Wettbewerbspolitik auf die Monopolstrategien von Google und Co. reagieren? Die Internet-Plattformen könnten machtpolitisch irgendwann zu einem Problem werden, warnt Professor Lutz Becker, Studien-Dekan der Fresenius Hochschule, im #BonnerSommerInterview.

Damit müssten wir uns gesellschaftlich auseinandersetzen, fordert Becker. Antworten von den unpolitischen Modellschreinern der wirtschaftswissenschaftlichen Institute sind da nicht zu erwarten. Gefragt wäre eher ein Ludwig Erhard des 21. Jahrhunderts mit netzökonomischer und soziologischer Expertise, der erkennt, wie man mit den großen Aggregationen des Silicon Valley ordnungspolitisch umgeht.

„Das nationale Kartellrecht ist mittlerweile ein zahnloser Tiger. AT&T ist im Vergleich zu Google aus nichtigem Anlass zerschlagen worden“, so Becker.

Das funktioniere im globalen Maßstab nicht mehr. Bislang gebe es keine Antworten auf die „Highlander-Märkte“ – also auf das Bestreben der amerikanischen Technologie-Konzerne nach absoluter Herrschaft: „Erst werden maximale Marktanteile angestrebt und erst danach fängt man mit der Abschöpfung an.“

Wie schnell sich Gewichtungen ändern ändern können, sehe man am iCar von Apple.

„Auf einmal sitzt selbst der Audi-Chef Rupert Stadler auf dem Beifahrersitz. Das haben diese Konzernchefs in der Geschichte der Automobilindustrie noch nie erlebt“, erläutert Becker.

Auch klassische Industrien werden durch die Plattform- und App-Ökonomie in neue oligopolistische Abhängigkeitsverhältnisse geraten, etwa durch 3D-Druck- und Robotik-Plattformen zu sehen.

Das Internet sei in vielen Bereichen zu einem Winner-takes-it-all-Markt geworden, schreibt der Kölner Ökonom Thomas Vehmeier:

„In dieser Welt ersetzt der ‘Wettbewerb um den Markt’ den ‘Wettbewerb im Markt’. Im Zentrum eines solchen Ökosystems sitzt ein Market Maker, alle anderen Unternehmen müssen ihre Strategien anpassen und degenerieren zu digitalen Pizzabring-Diensten.“

Für den herkömmlichen Reifenhändler oder Kleinverlag, für den ortsansässigen Apothekerbetrieb oder den Optiker seien das keine tauglichen Rezepte, um bei weiterlaufendem Bestandsgeschäft den Wandel einzuläuten. Diese Rezepte seien von der Realität in vielen Unternehmen zu weit weg und können daher nicht angegangen werden.

„Als Antwort bieten sich gegebenenfalls offene und multifunktionale Plattformen an, die mittelständischen Industrien im Sinne des Commons-Gedanken vor neuen ökonomischen Abhängigkeiten schützen, gleichzeitig neue Geschäftsmodelle sowie Zugänge zu internationalen Märkten eröffnen“, resümiert Becker, der mit seinen Studentinnen und Studenten auf der Next Economy Open am 9. und 10. November ein Forschungsprojekt vorstellen wird.

Bis November werden wir in Netzökonomie-Campus-Runden die Notwendigkeit einer ökonomischen Theorie des Internets auf die Tagesordnung setzen.

Man hört, sieht und streamt sich spätestens am Samstag, den 22. August, beim nächsten Netzökonomie-Campus in Hamburg.

Siehe auch:

APPLE PAY & CO KOMMEN: BLEIBT DA NOCH PLATZ FÜR ANDERE MOBILE-PAYMENT-ANBIETER?

Googles Umstrukturierung: Teilen und herrschen.

EIN PAAR GEDANKEN ZU GOOGLES “ALPHABET”.

Eat your own dogfood: Warum Digital-Manager auch privat ihr eigenes Hundefutter essen sollten

Wau
Wau

Die Aufforderung klingt etwas unappetitlich. Gemeint ist ein Phänomen, das Thomas Knüwer in einem Beitrag angesprochen hat unter dem Titel: „Privat halte ich mich eher mit dem Internet zurück“.

Er meint damit Bekenntnisse, die nicht selten von Digitalverantwortlichen der Firmenwelt öffentlich artikuliert werden – bei der Bundeskanzlerin, die ähnliches im Interview mit LeFloid äußerte, habe ich nichts anderes erwartet. Aber für Führungskräfte, die die Digitalisierung im Unternehmen vorantreiben wollensollen?

„Es ist für mich nicht verständlich, wieso Digital Manager, diese Äußerung von der Analogie des Privaten von sich geben. Schämen sollten sie sich dafür. Natürlich müssen sie nicht wie mit Tour de France-Mitteln gedopt durch die Gegend kommunizieren. Aber: Eine leicht überdurchschnittliche Nutzung digitaler Dienste sollte auch im Privaten erwartbar sein. Schließlich müssen sie Leidenschaft mitbringen für ein weiterhin rasant nach vorn preschendes Feld, für die vielleicht spannendste Aufgabe, die es derzeit in Unternehmen gibt“, so Knüwer.

“Sollte privat eher weniger digitale Technologie nutzen“: Das würde bei einer Stellenbeschreibung für den Digital Manager oder Chief Digital Officer ziemlich absurd klingen.

Das Stichwort Leidenschaft für die Digitalisierung ist dabei entscheidend. Es fehlt in Deutschland in vielen Organisationen das leidenschaftliche und experimentelle Engagement, um wirklich Neues in der vernetzten Welt hervorzubringen. Das brachte der Mittelstandsexperte Marco Petracca beim vergangenen netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs zum Ausdruck:

„Was wir brauchen, ist Punk und Rock ‘n’ Roll für einen digitalen Gründergeist und nicht vertrocknete Lehrbücher von Meffert und Co.“

In Deutschland pflege man eine merkwürdige Definition von Visionen. Was in der Netzwelt und eben auch im Silicon Valley gepflegt werde, seien Visionen gepaart mit Leidenschaft. Fragt man industriell geprägte Unternehmen nach Visionen, kommt als Antwort:

„20 Prozent Wachstum in zwei Jahren“.

So könne man Gesellschaft und Wirtschaft nicht verändern.

„Wir denken ausschließlich in der Kategorie der Profitoptimierung. Es fehlt die übergeordnete Vision“, kritisiert Petracca.

Recht hat er. Nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Übrigens gilt die „Eat your own dogfood“-Aufforderung auch für Vorstandschefs – ihnen würde es gut tun, direkt mit Kunden, Bloggern, Lieferanten und der Netzöffentlichkeit insgesamt in Kontakt zu kommen. Da geht es um Kommunikation auf Augenhöhe und den Ausstieg aus dem geschützten Silo der Chefetage. Warum das sinnvoll ist, kann man dem Interview von Klaus Eck mit Opel-Chef Karl-Thomas Neumann entnehmen.

„In seinem ersten Tweet hatte der Opel-Chef seinen Followern versprochen, sie über Opel und das größte Comeback in der Automobilindustrie auf dem Laufenden zu halten. Mit dieser Social-CEO-Kommunikation auf Twitter setzt er neue Maßstäbe in digitaler Nahbarkeit. Dass er als digitaler CEO überzeugt, zeigen nicht nur 10.000 Follower auf Twitter, sondern auch sein Videocast, mit dem er auf YouTube erfolgreich ist.“

Es geht also doch, die Geschichte mit den twitternden Chefs. Und das bitte ohne Aufteilung in berufliche und private Persönlichkeit. Es geht um die Persönlichkeit im Ganzen!

Siehe auch:

Eat your own dogfood: Wer hat die beste Plattformstrategie fürs Online-Geschäft?

Über die Geschlossenheit der digitalen Tschakka-Brüller: Vom Netz reden und in Hinterzimmern agieren #KölnerBarcampKontroverse #nöccn

Netzökonomie-Campus

Mister Unternehmerplattform Winfried Felser hat einige Gedanken zur ‪#‎KölnerBarcampKontroverse formuliert‬: Wir brauchen offene, kollaborative Netzwerke und Plattformen sowie offene, vernetzte kollaborative Maßnahmen, etwa weiterentwickelte BarCamps.

„Dass dies nicht alle so sehen, zeigte die Kölner BarCamp Kontroverse, die sich aus dem letzten Käsekuchen-Event von Gunnar Sohn entwickelt hat. Ist es am Schluss dann doch eher eine geschlossene Elite der digitalen Macher, die uns in die Zukunft führt, wo andere nur reden?
Und am Ende werden wir weitgehend unberührt von lokalen, aber sicherlich paradigmatisch beispielhaften Diskussionen (offene Gesellschaft versus geschlossene Zirkel, nur Top-Down-Macher oder Mitnehmen aller, …) den Siegeszug der „neuen“ Ökonomie und ihrer neuen Wertschöpfung erleben. Soweit die Zusammenfassung des Abschnitts über unseren Netzökonomie-Campus vor einer Woche“, schreibt Felser.

Es geht also nicht nur um Sinn und Unsinn von Barcamps, sondern um die geistigen Haltungen, die in der ‪#‎KölnerBarcampKontroverse‬ zum Vorschein kamen.

Gegen die digitalen Tschakka-Brüller formiert sich eine interessante Graswurzel-Bewegung. Zarte Pflänzchen der Spontan-Vegetation. Mal schauen, was daraus wird.

Naiv darf man allerdings nicht ans Werk gehen: Über die Desorganisation der Netzbewegung und die Herrschaft der alten Eliten #DigitaleAPO @WinfriedFelser @th_sattelberger

Wie das Establishment auf Graswurzel-Initiativen reagiert, sieht man hier: Telekom greift Freifunk-Bewegung an.

Management-Gichtlinge, Davoser Seilschaften, APO und @wilddueck #Arbeiten40 #nöcbn

Sessionplanung
Sessionplanung

APO-Provokationen in der Bertelsmann-Stiftung 🙂

https://twitter.com/Rostmarie/status/606081052050898944

https://twitter.com/deltasig/status/606068501191790592

Siehe auch:

APO-Denklabore für die digitale Revolte.

Sieben Kompetenzen, die wir brauchen werden, um in einer Welt der ständigen Veränderung klarzukommen.

Doppelte Ignoranz: Monströse Netzszene und selbstverliebte Ingenieure #rp15 #Netzökonomie #nöccn

Wer ist monströser in der Digitalisierungsdebatte?
Wer ist monströser in der Digitalisierungsdebatte?

Von den wenigen netzökonomischen Impulsen, die jenseits der Lieblingsthemen der re:publica in Berlin in diesem Jahr vermittelt wurden, hat Ole Wintermann in einem Blogbeitrag die wichtigsten Erkenntnisse für die Wirtschaft zusammengetragen:

„Wir müssen gegen die Vorstellung der Traditionalisten argumentieren, die meinen, dass es sich bei den Folgen der Digitalisierung allein um eine Skalierung oder lineare Fortschreibung vorhandener Prozesse handeln würde.Es herrscht im Einklang damit ein relativ großes Unverständnis über die Bedeutung der digital ermöglichten Disruption und ihre Bedeutung für angestammte Tätigkeitsfelder eines Unternehmens oder auch einer Institution. Die Gesellschaft der zwei Geschwindigkeiten findet sich zunehmend auch innerhalb von Unternehmen. Die von Zuckerman beschriebene Systemkrise infolge von steigendem Misstrauen dürfte als Nächstes die Unternehmen treffen. Arbeiten 4.0 widerspricht systematisch (da dezentral, kreativ, flach, netzwerkbasiert, multikausal) dem in der deutschen Industrie sehr stark verankerten Ingenieurs-Denken. Dieser Widerspruch dürfte für Deutschland bald zum Problem werden. So wie der Wechsel auf digitale Plattformen die Macht der Kunden (Renzensionen, Transparenz, öffentlicher Druck) gegenüber den Konzernen gestärkt hat, wird Arbeiten 4.0 die Position der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber verändern.“

Sind deutsche Unternehmen auf diesen Wandel vorbereitet, fragt sich Wintermann. Ist die Netzszene darauf vorbereitet? Wer ist eigentlich das Monster in diesem Zustand des gegenseitigen Nichtverstehens? Diesen Aspekt behandelte Marco Petracca in einem bemerkenswerten re:publica-Vortrag mit einem Lagebericht aus den Chefbüros mittelständischer Industrieunternehmens. Die Hidden Champions des produzierenden Gewerbes blicken auf ihre Erfolgsgeschichten und können mit den Themen der Blogosphäre wenig anfangen.

„Sind wir in der Netzszene nicht viel monströser? Wir treiben mit hoher Geschwindigkeit die digitalen Themen voran und vergessen schlichtweg, diese Leute in der Provinz abzuholen“, kritisiert Petracca.

Die Lebenswelten von Mittelstand und Netzaktivisten klaffen weit auseinander. Firmeninhaber, Techniker und Ingenieure haben eine eher verschlossene Mentalität und sehnen sich nach Stabilität, die man in der Provinz noch vorfindet. Die Kommunikation endet häufig am Ortsausgangsschild. Das steht nach Auffassung von Petracca im krassen Widerspruch zu dem, was wir im Netz machen.

„Wir reden über Dialog und den Austausch von Wissen. Viele Unternehmen tun sich hingegen schwer, das zu kommunizieren, was sie aus ausmacht. Das ist kulturell tief verankert. Mittelständler sind sehr stark von ihrer Leistung geprägt, von Innovationen und Patenten. Das soll aber keiner wissen. Wir sind angetrieben von Denkansätzen wie Sharing, Share Knowledge, Big Data und einer Kultur der Beteiligung. Da ist der Kollisionskurs vorprogrammiert.“

Betriebsgeheimnis soll Betriebsgeheimnis bleiben.

„Bei uns ist jede Information auch eine Transaktion“, erklärt Petracca.

Was auf Konferenzen wie der re:publica abläuft, sei hochgradig spannend, hat aber nur wenig mit dem Erfahrungshorizont der Hidden Champions zu tun. Was wir offerieren, passe nicht zu den Anforderungen der Unternehmen. Der Austausch wäre jedoch wichtig. Spätestens wenn die Betriebe auf Wettbewerbsprobleme stoßen, die die digitale Sphäre auslöst. Wenn etwa Kunden der Hidden Champions Anlagen direkt über chinesische Absatzmärkte oder indirekt über eine Plattform wie Alibaba ordern und das deutsche Unternehmen mit dem dreifachen Preis auf der Strecke bleibt.

Der blinde Fleck in der Digitalisierung liegt also nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch an der Mangelhaftigkeit der netzökonomischen Kompetenz von digitalen Konferenzformaten. Wir sollten also weniger über die digitalen Vorzeigeprojekte von Red Bull, Coca Cola & Co. sprechen, sondern über digitale Strategien für Firmen wie EDAG Engineering in Fulda nachdenken.

Schöner Denkanstoß von Marco Petracca, den wir beim nächsten Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen am Sonntag, den 7. Juni aufgreifen und auch bei unserem Kölner Barcamp für Netzökonomie im November vertiefen werden.

Siehe auch:

DIE DIGITALE UND INNOVATIVE SPALTUNG: ALTEN UNTERNEHMERN FEHLT DIE NETZ-ERLEBNISWELT – NETZÖKONOMIE-CAMPUS WILL DAS ÄNDERN.

rivva

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