Nach der dekadenten Landpartie geht es jetzt wieder um den CIO als Möglichmacher

Eine Landpartie macht lustig. Besonders einmal im Jahr auf Burg Adendorf bei Meckenheim. Für einen Fotografen ein Paradies 🙂

Verbot dürfen auch in den besseren Kreisen nicht fehlen!

Man schwimmt in den Adelskreisen eben mit….

Man weiß nie, ob sich unter einem Tweed-Sakko nicht auch ein Chinese befindet.

„Ich bin so schön, ich bin so….“.

Genug Schabernack. Jetzt geht es wieder um die harten Themen: CIO-Umfrage: IT wird stärker als Wachstumstreiber gesehen – Mobile Anwendungen und Social Media sorgen für Innovationsprojekte.

Das Immaterialgut und die neuen Regeln der digitalen Vernetzung: Über machtvolle Software

In der verkrusteten Urheberrechtsdebatte hat Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne unter dem Titel „Streit über Urheberrecht – Gabeln aus dem Drucker“ auf einen Aspekt hingewiesen, der sehr viel bedeutender ist:

„So, wie jetzt um das Urheberrecht samt wirtschaftlicher Auswertung gestritten wird, wird überall dort gekämpft werden, wo die digitale Vernetzung disruptiv wirkt – wo Branchen, Geschäftsmodelle, Lebensentwürfe durcheinandergewirbelt werden, wie es jetzt mit Kunst und Kulturwirtschaft passiert. Und das dürfte in den kommenden Jahren sehr viele Bereiche der Wirtschaft betreffen.“

Die gesamte Ökonomie auch außerhalb des Internets hab ein starker Sog in Richtung der Immaterialgüter erfasst, wie man nichtdingliche Güter, letztlich aus Daten bestehend, juristisch korrekt nennt.

„Das Immaterialgut aber unterliegt im Raum der digitalen Vernetzung anderen Regeln, als man es aus dem 20. Jahrhundert gewohnt ist und wie sie heute Wirtschaft und Gesellschaft prägen“, so Lobo.

Man könne es an der Verschiebung von Hardware zur Software gut erkennen.

„Früher kaufte man ein Nokia-Handy, heute kauft man ein Android-Handy. Schon die Verschiebung der Bezeichnung zeigt die Richtung auf. Es kommt der Zeitpunkt, wo ein Unterschied nur noch durch die Software erkennbar ist, das Gerät selbst ist nur noch austauschbarer Randbestandteil des Produkts. So erklärt sich auch der Erfolg der iPhone-Serie, die oft nur mittelmäßige technische Spezifikationen mitbrachte – aber als einziges Produkt über den Zugang zur hochattraktiven i-Immaterialwelt in Form von Software, Daten und Image verfügt. Deshalb ist das jeweils nächste iPhone das einzige Gerät, das jeder Applenutzer kaufen würde, ohne zu wissen, wie es aussieht: Es bringt die richtigen Immaterialwerte mit, die Hardware ist schmückendes Beiwerk“, schreibt Lobo.

Der deutsche Ingenieur definiert sich aber weiter über das Produkt. Es muss anfassbar sein, sonst hat das keinen Wert. Produkte und gutes Design sind ja auch bei Apple wichtig – keine Frage. Aber heute gilt: Der Mächtige hat die bessere Software.

Die Fixierung wirtschaftlicher Wertvorstellungen auf physisch greifbare Dinge habe vor allen Dingen in Deutschland möglicherweise archaische Wurzeln, denen mit nüchterner Ökonomie kaum beizukommen sei, moniert brandeins-Redakteur Wolf Lotter:.

„Die deutsche Gesellschaft verschließt sich mit an Starrsinn grenzender Konsequenz jeglicher Veränderungsbereitschaft. Aber das muss nur den behindern, der bei seinem Aufbruch in die neue Welt unbedingt von den alten Strukturen ausgehen will.“

Der Schweizer Innovationsberater Bruno Weisshaupt fordert neue Systeme und Geschäftsmodelle, um das On-Demand-Verhalten der Menschen zu unterstützen und ihnen die Technik unauffällig zur Verfügung zu stellen.

„Urbanität, Identität, Mobilität, Interaktion, Integration, Individualität, Automatisierung sind die zukunftsfähigen Infrastrukturen und die Basis für jede Systeminnovation.“

Produkte, die man irgendwo auf der Welt als Module herstellt, würden zu Gunsten von Applikationen an Marktbedeutung verlieren. Worauf es ankomme, sei die Konfiguration.

„Zwar wird die bessere Technologie auch in Zukunft ein wesentlicher Grundstein für den Erfolg einer neuen Anwendung sein. Wer würde bezweifeln, dass man mit der Entwicklung einer funktionierenden Brennstoffzelle nicht gute Geschäfte machen kann. Der Erfolg am Markt wird aber nicht an der Technologie hängen, sondern an ihrer kundenorientierten Umsetzung“, sagt Weisshaupt.

Wer sich auf die Produktion der Basisprodukte konzentriere, werde das Ausscheidungsrennen gegen Länder wie China oder Indien verlieren. Dazu habe ich gestern einen passenden Beitrag geschrieben: Vernetzte Services ohne physikalische Limitierungen: Wenn aus der Kreditkarte eine App wird.

myTaxi-App jetzt mit Vorbestellungsmöglichkeit: Wie konventionelle Geschäftsmodelle über die Wupper gehen

myTaxi bringt eine neue Version ihrer Taxi-App auf den Markt: Ab sofort können Fahrgäste ein Taxi vorbestellen. Über drei Monate arbeitete nach Firmenangaben das Entwicklerteam an der neuen Version. Neben der Funktion „Vorbestellung“ gibt es auch ein neues Design. Mit 80 Prozent Marktanteil und über 1 Million Downloads habe sich myTaxi zur beliebtesten und am schnellsten wachsenden Taxi-App in Deutschland entwickelt und erschließt aktuell internationale Märkte.

myTaxi stelle eine direkte Verbindung zwischen Fahrer und Fahrgast herstellt und lässt die Zentralen dabei außen vor.

„Für die Fahrer bedeutet das vor allem Unabhängigkeit und Freiheit – für die Fahrgäste Transparenz“, teilt die Firma mit.

Dem Fahrgast werden während des Bestellprozesses die Telefonnummer, ein Bild des Fahrers sowie die durchschnittliche Fahrerbewertung angezeigt. Zudem könnten Fahrgäste Stammfahrer auswählen und bei einer Bestellung bevorzugen. Mit über 10.000 angeschlossenen Taxis sei man der erste Anbieter, der auf die Bedürfnisse in der Branche eingeht und somit Qualität im Taxigewerbe schafft. Durch die direkte Verbindung werden Taxifahrer zu echten Dienstleistern, was in der Branche bisher nicht üblich war.

„myTaxi ist neutral, unabhängig und finanzstark. Dadurch sind wir in der Lage, Lösungen innovativ, schnell und flexibel umzusetzen“, erklärt Niclaus Mewes, Co-Gründer und Geschäftsführer von myTaxi.

Die neue Version stehe ab sofort zum kostenlosen Download im App Store bereit. Zudem biete myTaxi seit Anfang des Jahres die Möglichkeit, eine Taxibestellung über die Website zu tätigen.

Über die App-Allergien der Taxizentralen hatte ich ja vor einigen Monaten schon berichtet.

Das Verhalten dieser Gestern-Manager ist symptomatisch für viele andere Branchen. Führungskräfte und Meinungsbildner der Wirtschaft gebärden sich wie der Frosch aus dem von FDP-Chef Philipp Rösler holprig vorgetragenen Schockstarre-Gleichnis: Wenn also der FDP-Frosch in heißes Wasser hüpft, springt er sofort wieder heraus. Setzt man die liberale Amphibie in kaltes Wasser und erhöht langsam die Temperatur, bleibt sie regungslos sitzen und endet als Froschschenkel auf dem Mittagsteller oder verfehlt die Fünfprozent-Hürde bei der nächsten Bundestagswahl. Die auch von Managern gerne vorgetragene Weisheit ist zwar biologischer Mumpitz, beschreibt aber sehr gut das defensive Denken von klassischen Dienstleistern im Umgang mit den digitalen Umwälzungen.

Musikmanager, Tourismus-Anbieter, Videotheken-Besitzer, Verleger oder eben die Taxizentralen behaupten solche Abwehrargumente nicht mehr: Die von Apple-Gründer Steve Jobs geschaffene App-Economy hat einiges auf den Kopf gestellt. Der iPhone-Marktstart am 9. Januar 2007 wird nach Ansicht von Professor Lutz Becker als Beginn einer neuen disruptiven Innovationswelle in die Technologie-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte eingehen:

„Mit dem iPhone kamen die Apps. Glaubt man den Prognosen von Forrester Research, wird das kombinierte Geschäft für mobile Anwendungen, Services und Business-Management im Jahr 2015 ein Volumen von knapp 55 Milliarden US-Dollar erreichen“, schreibt Becker gemeinsam mit Friederike Schmitz in dem Sammelband Informationsmanagement 2.0 (gerade im symposion-Verlag erschienen).

Das App-Prinzip wirbelt die Kräfteverhältnisse von etablierten Wirtschaftsgrößen kräftig durcheinander, etwa die Personenbeförderung:

„Drückt man einen Knopf auf meinem iPhone, fährt einige Minuten später ein Taxi vor – eine Entwicklung, diese Voraussage darf man wagen, die die Branche auf Dauer verändern und zu Konzentrationsprozessen führen wird“, erläutert Becker, der an der Karlshochschule in Karlsruhe lehrt.

Entscheidend ist die Kombinatorik von unterschiedlichen Diensten, die der Kundenservice des analogen Zeitalters so nicht vornehmen konnte.

„GPS, Apps und andere Gadgets machen Geschäftsmodelle möglich, die die bestehenden Paradigmen nicht nur in Bezug auf Markt und Wettbewerb, sondern auch auf Wertketten und Organisation im Unternehmen über den Haufen werfen – und wir stehen erst ganz am Anfang“, betont Becker.

Wichtig ist vor allen Dingen die Immaterialität, mit der bestehende Grenzen eingerissen werden. Warum soll ich denn noch in die Videothek marschieren, um mir eine DVD auszuleihen, wenn die Apple-TV-Box am Fernseher alles Nötige bietet und sogar über das bestehende Angebot hinaus geht – wie Vorschau, Suchfunktionen oder längere Mietzeit.
Untergehende Taxizentralen

Die App-Economy, so Becker, lässt traditionelle Industrieprodukte und Dienstleistungen smart werden. Am Beispiel der Taxizentralen lässt sich das sehr gut ablesen:

„Es ist absehbar, dass mehr und marktmächtigere virtuelle Taxizentralen entstehen und die Anzahl der Städte, in denen Taxi-Apps genutzt werden, kontinuierlich steigt. Vorreiter sind Berlin, Hamburg, Köln, Bonn, München, Stuttgart und Frankfurt.“

Das konventionelle Geschäftsmodell werde verdrängt. Prozesse werden automatisiert und digitalisiert. Software und komfortable Dienste sind die treibende Kraft. Die meisten Taxizentralen gebärden sich momentan noch als passive Zuschauer. Sie haben noch kein ausgeprägtes Bewusstsein für den App-Trend entwickelt, scheinen lieber an ihrem alten Modell festzuhalten oder ziehen sich auf juristische Gegenmaßnahmen zurück. Das dürfte sich irgendwann rächen.

„Die Effekte potenzieren sich in der App-Economy mit der Anzahl der Nutzer“, resümiert Becker.

Service-Apps sind noch relativ unterentwickelt. Für pfiffige Programmierer sind die Eintrittshürden allerdings gering, so dass man einen exponentiellen Anstieg von Service-Applikationen erwarten kann. Geräte sind überall verfügbar, Plattformen gibt es ausreichend und Apps können preisgünstig oder sogar kostenlos heruntergeladen werden. Keine guten Nachrichten für den Rösler-Frosch.

Liebwerteste Kanzlerin, wo bleibt der kompromisslose Internet-Ausbau? #Heinrich-von-Stephan #informare12

Am 11. Mai jährte sich in Berlin ein Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte: Die DeTeWe Communications feierte ihr 125-jähriges Jubiläum. Gegründet im Jahr 1887 als Zulieferer in der Telefonapparateproduktion, war das Unternehmen Pionier bei der Konstruktion von Fernmeldeämtern, Co-Erbauer des ehemaligen Berliner Rohrpostsystems, millionenfacher Hersteller von Telefonen und ist heute einer der größten ITK-Systemintegratoren in Deutschland. „Die DeTeWe blickt auf Generationen von Ingenieursleistung zurück und hat die Kommunikationsbranche wie kaum ein anderes Unternehmen mitgeprägt. Ob Telefon, Rohrpost, Fax, schnurlose Telefone, Internet, E-Mail: Die Informations- und Telekommunikationsbranche ist schnelllebig, die DeTeWe war und ist immer dabei“, sagt Christian Fron, Geschäftsführer der DeTeWe Communications.

Der Architekt für die Technik-Revolutionen im Berlin des 19. Jahrhunderts war der Generalpostmeister Heinrich von Stephan. Er erkannte sofort die wirtschaftliche und gesellschaftliche Dimension der elektrischen Nachrichtenübertragung. Mitte Oktober 1877 wurde Stephan ein Bericht der Zeitschrift „Scientific American“ vom 6. Oktober 1877 über Bells Telefon vorgelegt.

Schon am 24. Oktober hat er zwei Telefone in Händen. Es waren die ersten Apparate, die überhaupt nach Europa kamen. Schon am gleichen Tage beginnt der Generalpostmeister mit den ersten Versuchen in seinem Amtsgebäude. „Dann werden das Generalpostamt Berlin, Leipziger Straße und das Generaltelegraphenamt in der Französischen Straße verbunden“, schreibt Hermann Heiden in seinem Buch „Rund um den Fernsprecher“, erschienen 1963 im Georg Westermann Verlag. Am 26. Oktober erklärt Stephan: „Meine Herren! Diesen Tag müssen wir uns merken“. Es war die Geburtsstunde des Fernsprechers in Deutschland.

„Ende 1877 sind es 19 Orte, Ende 1880 bereits 1000 geworden, die über den Fernsprecher Anschluss an das Telegrafennetz erhielten. In Amerika war der Fernsprecher zur Errichtung von Fernsprechnetzen in Städten und zur Herstellung von Privattelegrafenlinien benutzt worden. Dass man ihn zur Erweiterung des staatlichen Telegrafennetzes benutzte, war etwas ganz Neues“, erläutert Heiden. Die Widerstände in Deutschland gegen die Einführung des Telefons waren so groß, dass Stephan sich mit der Bitte an die Ältesten der Kaufmannschaft wendet, ihm geeignete Persönlichkeiten zu nennen, die bereit wären, gegen Vergütung die Werbung für den Fernsprecher in die Hand zu nehmen. Die Wahl fällt auf Emil Rathenau, den späteren Gründer der AEG. 1897, im letzten Lebensjahr des Generalpostmeisters, werden in Berlin von neuen Fernsprechämtern 170 Millionen Gespräche vermittelt. Davon 20 Millionen Ferngespräche nach den von Berlin zu erreichenden Orten mit Fernsprechanschlüssen. Drei Jahre später schreibt die „Berliner Illustrirte“ stolz, dass Berlin mehr Fernsprechanschlüsse habe als ganz Frankreich mit Paris und dass es sogar London und New York übertreffe.

https://twitter.com/#!/SERVICEInsiders/status/200264792659861505

„Die Beharrlichkeit, Weitsicht und Intuition des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan könnten wir heute in Deutschland sehr gut gebrauchen, um für die vernetzte Ökonomie die modernste Infrastruktur zu schaffen. Nur so ist wirtschaftliche Prosperität möglich – von der Logistik bis zur Energiewende“, sagte Systemingenieur Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare.

Vom Heinrich von Stephan-Gründergeist könnte sich die Berliner Politik eine große Scheibe abschneiden, um die Voraussetzungen für eine vernetzte Ökonomie zu schaffen.

Gunter Dueck spricht in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit einer „strukturkultivierenden Marktwirtschaft“. Der Staat müsse die Infrastrukturen auf die Zukunft ausrichten. „Zum Beispiel könnte die Bundesregierung einen verbindlichen ‚Fahrplan‘ für den Ausbau des Breitbandinternets herausgeben. Das würde etwa 60 Milliarden Euro kosten, nicht mehr als die Rettung einer Bank“, erläutert Dueck. Zu einem solchen Schritt würde sich niemand entschließen. Ein superschnelles Internet sei für die Wirtschaft und für die Transformation zur Wissensgesellschaft unabdingbar. Ein kompromissloser Ausbau des Internets hätte ähnlich dimensionierte positive Auswirkungen.

„Dieselben Leute, die die 60 Milliarden für die Zukunft nicht geben wollen, argumentieren wie selbstverständlich, dass der entscheidende Anstoss zu Deutschlands Wirtschaftswunder der energische und kompromisslose Ausbau des Autobahnnetzes in den 1960er-Jahren war, der für Deutschland eine moderne Infrastruktur schuf“, führt Dueck weiter aus.

Immer grössere Teile der gesellschaftlichen Werte werden digitalisiert.

„Und damit auch deren Wertschöpfung. Man sieht das sehr schön an Garys Social Media Count. Nicht nur die Tatsache, dass die Zahl der Google+ und Facebook User schneller wächst als die der neuen Internet-Teilnehmer. Der Hammer befindet sich hinter dem Tab ‚heritage‘: diese gigantischen Wertschöpfungen werden zum grossen Teil in die virtuelle Welt wandern: digitalisiert und vernetzt“, meint Stahl.

Content bedeute die vollständige Digitalisierung ALLER Lebensbereiche, Branchen und Prozesse. Die Kanzlerin sollte also aufhören, noch weiter von dümmlichen Herdprämien zu träumen, sondern sich den wesentlichen Zukunftsaufgaben widmen. Ich möchte nichts mehr hören von tausend Projekten, Kompetenz-Zentren und sonstigen Alibi-Veranstaltungen. Die Bundesregierung sollte auf dem nächsten IT-Gipfel am 13. November in Essen einen Internet-Masterplan auf den Tisch legen.

Siehe auch:

Heinrich von Stephan, DeTeWe und die Technikrevolutionen in Berlin.

Digitales Entwicklungsland: Warum der IT-Gipfel einen Heinrich von Stephan-Preis vergeben sollte.

Ideenlos im Netz: Es fehlen Visionen für die Hightech-Kommunikation.

Vom „Buch der Narren“ zum Mekka der Kommunikation.

Bestraft mich doch endlich!

Der liebwerteste Zeit-Gichtling Adam Soboczynski ist ein heldenhafter Kämpfer für die Rechte von geknechteten, gebeutelten und verarmten Künstlern, die in den Fängen von freibeuterischen Piraten bald ein Dasein am Hungertuch fristen müssen. Die Wochenblatt-Edelfeder macht sich wenig Gedanken, wie das Vollzugsdefizit des Urheberrechtes beseitigt werden kann und schreibt in unnachahmlicher Klarheit, dass sich die Künstler mit ihrer Protestnote „Wir sind die Urheber“ bemerkenswert kompromisslos in Szene setzen. Achtung, ich verdinge mich jetzt als Kopist und zitiere Sobo in Auszügen, bitte nicht abmahnen:

„Sie zielen nicht auf bereits diskutierte Modelle wie etwa Kultur-Flatrates oder freiwillige Bezahlsysteme, die das Urheberrecht ersetzen könnten, sondern unmissverständlich auf die Stärkung desselben unter den neuen digitalen Gegebenheiten – mit welchen Mitteln auch immer.”

Mit welchen Mitteln auch immer! Da sind doch Bedenkenträger wie Dirk von Gehlen oder Frank Schirrmacher völlig fehl am Platz. Sie reden einfach zu viel von den Kehrseiten der Urheber- und Verwerter-Herrlichkeit sowie von den digitalen Irrläufen der etablierten Industrien, die sich in ihren analogen Erdlöchern verschanzen zur Vorbereitung der finalen Abwehrschlacht gegen Filesharing-Piraten.

Nachdenken könnte Künstler verwirren

Warum sollten sich auch Künstler die Finger schmutzig machen mit Recherchen über die Abmahn-Gichtlinge dieser Republik, die in unsäglich aufwändigen Verfahren IP-Adressen identifizieren, jeden noch so kleinen Regelverstoß ahnden, grotesk überhöhte Strafzölle mit einer Durchschnittssumme von 1000 Euro erheben und damit, „wie Constanze Kurz in der FAZ schrieb, allein 2011 Einnahmen in Höhe von 190 Millionen Euro generierte, die in Anwaltskanzleien und Eintreiberbüros größtenteils versickern“, so Frank Schirrmacher. Bislang konzentriert sich die Gebühren-Abzocke noch auf die Musikbranche. Im Literaturbetrieb geht es gerade erst los, wie der FAZ-Herausgeber in seinem Opus „Schluss mit dem Hass“ konstatiert. Da ist es Sobo und Co. wohl wurscht, wenn man nur die Dummen erwischt und die schlauen Kopisten an ihrem bösen Treiben auch in Zukunft nicht hindern kann. Hauptsache, die Kasse klingelt.

Warum sollten die Protest-Künstler überhaupt nur in Ansätzen differenziert über Ursache und Wirkung der vernetzten Ökonomie nachdenken. Das von den Verwertern aufgeführte Untergangsdrama folgt einem bewährten Drehbuch, wie Dirk von Gehlen in seinem Buch Mashup darlegt: In er ersten Phase singt der Klagechor vom Sterben einer ganzen Branche – hier dienen die Musikmanager als profilierte Regisseure: „

In der zweiten Phase versucht man dann, durch technische Mittel wie das sogenannte Digitale Rechtemanagement (DRM) nicht nur das Vagabundieren der Kopien, sondern das Kopieren an sich zu unterbinden; und schließlich gehen die Konzerne dazu über, juristische Schritte gegen den kopierenden Verbraucher einzuleiten, um so ein Klima der Abschreckung zu schaffen. Diese dritte Phase ist verbunden mit Lobbyarbeit bei Politikern und Parlamentariern, die diese für eine Verschärfung des Urheberrechts gewinnen soll“, erläutert SZ-Redakteur Dirk von Gehlen.

Die Empörung der „Funk-Jockeys“

Dann stößt man die Medienarbeit an mit Überschriften wie „Die Musikindustrie steht vor ihrer gefährlichsten Krise“ oder „Umsatzverlust von mehr als einer Milliarde“. Diese Headlines kann man mit dem Zufallsgenerator aus dem Zeitungsarchiv gewinnen. Bei der Umsatzverlust-Story habe ich etwas geschwindelt und die Währung unterschlagen. Es war von „Mark“ die Rede und man blickte in den 1970er Jahren sorgenvoll auf die Partisanen und Piraten des verschworenen Ordens der Cassetten-Raubkopierer, zu denen auch ich damals zählte. „Funk-Jockeys“ wie Frank Elstner und Thomas Gottschalk sowie der damalige Jupiter-Rekord-Chef Ralph Siegel bildeten die Speerspitze der Schallplatten-Industrie. Die Totschlagformel „Umsonstkultur“ war noch nicht erfunden. Damals ging es um „Hits zum Nulltarif“. Heute wohl semantisch etwas zu kompliziert für die PR der Verwerter und Urheber. Da liebt man es derber und formuliert nicht mehr allzu komplizierte Sätze wie „Hometaping is killing music“. Besser ist: „Raubkopierer sind Verbrecher“ oder „Aufruf gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“.

Die Aufruf-Künstler mögen es monokausal. Wer den starken Staat gegen digitale Hausierer und Kopisten in Stellung bringen will, darf nicht zurückblicken auf die Fehler der Gesternbranchen, wie ich sie in dem Fachmagazin „Absatzwirtschaft“ beschrieben habe. Und was ich weiter noch so alles zu diesem Thema geschrieben habe, steht morgen in meiner The European-Kolumne.

Update: Hier geht es zur Kolumne.

Wir sind die Urheber! Die Zeit-Überschrift habe ich jetzt einfach mal geklaut: Sind wir nicht alle Urheber?

Warnung: Dieser Propagandatext ist durch Urheberrechtsgesetze und internationale Verträge geschützt. die unbefugte Vervielfältigung oder Weitergabe dieser geistigen Ergüsse oder von Teilen davon kann schwere zivilrechtliche oder strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Zuwiderhandlungen werden im größtmöglichen Umfang verfolgt!

Wäre diese Formulierung genehm, Herr Adam Soboczynski, wenn es um die Durchsetzung der so sehnsüchtig verlangten Rechte von geknechteten und gebeutelten Künstlern geht? Ob sich nun die Künstler auf die Seite der Verwerter stellen oder nicht, ist mir egal. Überraschend ignorant finde ich die Position, noch nicht mal in Ansätzen über innovative Modelle auch nur nachzudenken, wie man das Vollzugsdefizit des Urheberrechtes kompensieren kann.

Da schreibt der Sobo:

„Hier zeigen sich die Künstler bemerkenswert kompromisslos. Sie zielen nicht auf bereits diskutierte Modelle wie etwa Kultur-Flatrates oder freiwillige Bezahlsysteme, die das Urheberrecht ersetzen könnten, sondern unmissverständlich auf die Stärkung desselben unter den neuen digitalen Gegebenheiten – mit welchen Mitteln auch immer.“

Uff. Das ist ein Rückfall. Dann sollten die Künstler doch etwas konkreter werden. Mit welchen Mitteln wollen sie das Urheberrecht gegen die unendliche Reproduzierbarkeit digitaler Kopien denn durchsetzen? Welche Maßnahmen der Film- und Musikindustrie gegen die so genannte Piraterie führten denn zum Erfolg? Dieses Katz- und Maus-Spiel hat die Industrie schon längst verloren. Wie hoch sollen die sozialen Kosten bei der Durchsetzung des Urheberrechtes denn noch sein? Sollen alle Internetnutzer kollektiv als Verbrecher abgestempelt werden? Jeder unter Verdacht geraten? Die schlauen Kopierer lassen sich nicht schnappen. Man bestraft die Dummen, die sich erwischen lassen. Ist das gerecht? Über das Propagandawort der Raubkopie habe ich mich ja schon ausgelassen. Der in der Zeit abgedruckte Künstler-Aufruf unter dem Titel „Diebstahl geistigen Eigentums“ ist nicht besser. So heißt es im Strafgesetzbuch:

Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wer nimmt denn was weg? Geistiger Diebstahl ist ein Propagandawort. Dann greifen wir halt zum Urheberrecht:

§ 106 Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke:

Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Das ist dann wohl etwas zu komplex für eine Proklamation. Also schön in die semantische Trickkiste greifen wie die Filmindustrie mit dem „abschreckenden“ Trailer, der einem im Kino um die Ohren gepfeffert wird.

Am Vollzugsdefizit ändert das nichts.

Bitte jetzt doch weitere Abschreckungsmaßnahmen in der Zeit veröffentlichen, wie man diesem Piraten-Volk auf die Pelle rücken kann. Mittelalterliche Foltermethoden, heilige Inquisition, Pfählen, Narrenkappe aufsetzen, zum Schämen in die Ecke stellen, Gründung einer Urheberrechtspolizei, Zuständigkeit der Knöllchenjäger erweitern, Staatstrojaner im Kampf für Künstlerhonorare einsetzen oder, oder, oder. Etwas präziser sollten die Künstler schon werden, die sind ja sonst nicht auf den Mund gefallen.

Wem nichts einfällt, um Netzbewohner zu kujonieren, kann sich auch den Vortrag des SZ-Redakteurs Dirk von Gehlen anhören oder einen Ausschnitt ansehen. Da können sogar Kehlmann, Regener, Willemsen und Co. noch was lernen – nämlich Sinn für Realität!

Siehe auch:

Über den Propagandabegriff der „Raubkopie“ und die Innovationen der Kopisten #rp12 #informare12

Lesenswert: Ich bin Urheber.

Die fünf größten Irrtümer im Urheberrechtsstreit.

Wir sind Bürger.

Digitales Entwicklungsland: Warum der IT-Gipfel einen Heinrich von Stephan-Preis vergeben sollte #informare12

Heinrich Rudolf Bruns (@hrbruns), mit dem ich zusammen die Obi Wan Kenobi-Runde auf der Informare in Berlin moderierte, war so freundlich, eine Audioaufzeichnung anzufertigen. Wer also den Livestream gestern nicht gesehen hat, kann sich das Spektakel zumindest anhören:

Mit dabei waren Arnoud de Kemp (informare), Hannes Schleeh, (Coach, @7xy) und Bernd Stahl von Nash Technologies (@NashTecGermany).

„In lockerer Runde disktutierten wir, wie sehr neue Technologien und Ansätze das Internet verändern werden. Aber auch, wie verhalten manche Unternehmer und Besitzstandswahrer sind, wenn es um Innovation geht“, so das Fazit von Heini.

Danach saßen wir noch gemütlich in der Ständigen Vertretung, genehmigten uns einige Bierchen und schmiedeten neue Vernetzungspläne. Wir vier werden wohl Ende August oder Anfang September ein Blogger-Camp in Nürnberg aufziehen.

Über die Themen müssen wir uns noch austauschen. Wer mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir sammeln noch Ideen.

Ich hatte ja versprochen, die Playmobil-Piraten zu politisieren. Hier das Beweisfoto:

Für meine morgige Service Insiders-Kolumne werde ich wohl den Vortrag von Professor Hans Uszkoreit vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) als Basis nehmen. Thema: Turings Traum weiter träumen. Mit Sprachtechnologie und KI auf dem Weg zur Social Intelligence.

Vielen Dank an die sehr fleißige Vera Münch (@observaitress), die die Fotos der Obi Wan Kenobi-Runde geschossen hat. Weitere Fotos der Informare habe ich auf FB hochgeladen.

Future Internet-Panel auf der #informare12 um 17 Uhr: Wo sind die Denker für morgen?

Nach den Diskussionen und Vorträgen auf der Informare ist mir deutlich geworden, wie stark wir in Deutschland im analogen Graben stecken.

https://twitter.com/#!/hrbruns/status/200129765066280962

https://twitter.com/#!/gsohn/status/199820156136980480

Im Panel „Obi Wan Kenobi und das Future Internet“ müssen wir auf den Verlauf der Tagung ein wenig eingehen. Mit dabei:

Hannes Schleeh, Hypnoseberater und Social Media-Kenner
Bernd Stahl, Nash Technologies
Arnoud de Kemp, Organisator der Informare

Gerontologen-Runde gestern bei Maischberger:

Richard von Weizsäcker: Piraten haben „nur“ ein Programmpunkt: Das Netz.

Scholl-Latour: Facebook-Revolution ist vorbei.

Vom Niedergang der Experten-Deutungsmacht.

Der Laie lebt für sich, vertraut seiner Erfahrung, pfeift auf die Finessen der Theoretiker.

Das ‘Lob der Torheit’ war längst angestimmt, als Erasmus von Rotterdam es besang: Der Humanist verspottete den Bildungsdünkel, spielte Leben gegen Schule aus, Common Sense gegen Dogma, Lachen gegen Tintenernst, erklärte die Torheit zur alleinigen Quelle des sozialen und privaten Lebensglücks.

Man rümpft die Nase und echauffiert sich darüber, dass jetzt die Stunde der Stümper gekommen sei, wie es Andrew Keen ausdrückte.

Mit der Computerkommunikation, so der Zettelkasten-Soziologe Niklas Luhmann, wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht.

Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch Unbekanntheit der Quelle. Logik des Netzes.

Die Art und Weise, wie Wissen in den Computer kommt, lässt sich schwer überprüfen. Sie lässt sich aber jedenfalls nicht mehr in Autorität ummünzen. Und genau das treibt einige Debatten-Dompteure an die Decke.

Gunter Dueck hat die Konsequenzen für Gestern-Branchen treffend auf den Punkt gebracht. „Das Alte schwindet immer um ein, zwei Prozent und sieht sich folglich in einem unendlich lange stagnierenden Markt. Welche Wirtschaftsbranche hält das aus? Keine!“

Sehr viel von Gestern-Denkern gehört, wo sind die Denker für morgen? Heinrich von Stephan, Generalpostmeister unter Bismarck – Pionier der Telekommunikation

Hausaufgaben: Beseitigung von Inseln im Netz (Cloud, Social Media)

Nachholbedarf: Wir reden zu viel über die Gefahren des Web 2.0 und schon das wird bald von vorgestern sein:

Digitales Mittelmaß: IT-Gipfel, Breitbandstrategie oder digitale Dividende konnten nicht verhindern, dass der Digitalisierungsgrad in Deutschland deutlich hinter der internationalen Spitzengruppe herhinkt.
Im Networked Readiness Index 2012 (NRI) des World Economic Forum (WEF) und der Business School INSEAD belegt Deutschland mit einer Gesamtpunktzahl von 5.32 lediglich den 16. Rang.
Die Top-Positionen des Rankings belegen Schweden (5.94) vor Singapur (5.86) und Finnland (5.81).

Das Investitionsvolumen in eine neue Infrastruktur ist in Deutschland erschreckend niedrig.

Es sind gerade mal zwei Dollar pro Einwohner. In Singapur liegt man bei 154 Dollar. Dort gibt es allerdings auch den „Singapore iN2015 Masterplan“.

Die Digitalisierung aller Wirtschaftszweige sollte in Deutschland auf der Prioritätenliste ganz nach oben gerückt werden: Es ist kaum zu glauben, von der Hotelbranche über den Handel bis zum Energiesektor gibt es noch eine dramatische Unterversorgung. Der Grad der Digitalisierung liegt teilweise nur bei 30 bis 45 Prozent. Selbst Finanz- und Versicherungsunternehmen kommen nach den Booz-Zahlen nur auf knapp über 50 Prozent. Mit Digitalisierung sind Kommunikation, Anbindung an Zulieferer, Prozessketten und die Lieferung an Endkunden gemeint – also nicht nur der profane DSL-Anschluss.

Internet verschwindet unter der Haube

Unsichtbare Kommunikation

Dezentrales Netz: Die Frage ist: kann man dieses Prinzip so aufbrechen, dass es eine große Zahl dezentraler Service Providers mit deren Plattformen begünstigt, sowohl in der Entstehung als auch nachhaltig?

Wegweisend war übrigens gestern der Vortrag von Professor Hans Uszkoreit vom DFKI:

Thesen zum Future Internet: Panel am 9. Mai auf der #Informare12

Von Bernd Stahl, Netzwerkexperte von Nash Technologies und Teilnehmer des Informare-Panels, kamen folgende Überlegungen:

Hauptthese: es geht um fortschreitende Vereinfachung des Systems und der User-Experience. Das Reduziert die Kosten des Systems: sowohl Herstellung als auch Betrieb. Diese Vereinfachung umfasst das Internet auf der Netz-Ebene und auf der Anwendungs-Ebene. Es geht einfacher, effizienter, eleganter und effektiver und mit den sich daraus ergebenden natürlichen Geschäftsmodellen.

Formel: E4+G. Einfacher, Effizienter, Effektiver, Eleganter. Und damit baut man Geschäftsmodelle.

o Kunden kaufen, wenn man etwas hat, mit dem man entweder Kosten sparen kann oder zusätzliches Geld verdienen kann. Das ist die Basis für Geschäftsmodelle.

o Einfacher (mach es nicht komplizierter, sondern einfacher!) und effizienter (macht es richtig gut! Z.B. sollte man das mal auf die vielen Apps anwenden) steht dafür, wie man Geld sparen kann.

o Effektiver (tue ich überhaupt das richtige Ding oder müsste ich eigentlich nicht etwas ganz anderes tun? Z.B. nicht noch einen Balkon im Internet, sondern ein besseres IP++, einen Single View of Social, Social Media Dial Tone, etc.) und eleganter (was kann ich tun, damit das Leben angenehmer, beschwingter, lustiger, etc. wird? Z.B. das iPhone plus iTunes App Store) steht dafür wie man zusätzliches Geld verdienen kann.

o Die Geschäftsmodelle der Internetwirtschaft beruhen auf folgenden zwei Säulen: den Usern muss der Dienst gefallen, und den Service Providers müssen die dadurch gewonnenen User Data Gewinn bringen. D.h. kostenloser Service bezahlt durch User Daten. Hier gilt das Prinzip: je größer und wirkungsvoller die Plattform des Service Providers, desto höheren Wert kann man aus den User Daten gewinnen. Die Frage ist: kann man dieses Prinzip so aufbrechen, dass es eine große Zahl dezentraler Service Providers mit deren Plattformen begünstigt, sowohl in der Entstehung als auch nachhaltig?

Die Vereinfachung auf der Netzebene betrifft den IP-Layer, d.h. den Network Layer.

o In den vergangenen drei Jahrzehnten tobte ein Glaubenskrieg (der 30-jährige Krieg der Kommunikation-Systeme): Packet Switching vs. Circuit Switching. Getrieben letztendlich von Wirtschaftsinteressen. Heute weiß man, man braucht beides, nahtlos integriert.

o Will man die Leistungsmerkmale von Circuit Switching mit Packet Switching realisieren, dann muss man hohen technischen Aufwand treiben, d.h. das System wird unnötig komplex und anfällig.

o Will man andererseits die Leistungsmerkmale von Packet Switching mit Circuit Switching realisieren, dann verschwendet man Netzwerk-Ressourcen.

o Auf dem Ethernet-Layer ist man mit Carrier Ethernet bereits dabei, die Hausaufgaben zu lösen, d.h. man hat eine einheitliche Plattform für beides.

o Problem: Auf dem IP-Layer gibt es nur Packet Switching. Dies bedeutet, dass man auf den darüber liegenden Schichten die Features Circuit Switching nicht vollständig emulieren kann, selbst wenn diese auf Ethernet-Ebene vorhanden sind und man mit TCP z.B. über eine Connection Oriented Protocol verfügt. Die Verbindungsorientierung schafft eben doch keine maximal definierbare End-to-End Bandbreiten- und Antwortzeitgarantie, weil es in IP eben Queues gibt.

o Zusätzlich gibt es eine Innovationsblockade auf dem IP Layer: es gibt nur ein einziges Protokoll für alles, die anderen sind im Wettbewerb ausgestorben. Man müsste also die Möglichkeit schaffen, auf dem IP Layer mehrere weitgehend disjunkte Protokolle zuzulassen, die überlebensfähig wären, so wie es die Georgia Tech University fordert. Oder man schafft ein innovativ offenes und erweiterbares Internet-Protokoll IP++. Mit beiden Optionen wäre der Innovationsstau aufgelöst.

o Das Ganze ist ein operator-freundliches Scenario. D.h. wegen der Vereinfachung der Kommunikationsarchitektur, wird auch die Herstellung von Netzelementen günstiger bei gleichzeitiger Steigerung der Leistungsfähigkeit und Senkung des Energieverbrauchs. Kehrseite: der Verdrängungswettbewerb der Hersteller geht weiter, aber der Erste gewinnt.

o Wenn IP++ sowohl Circuit Switching als auch Packet Switching unterstützt, dann fallen Balkon-Protokolle wie MPLS, LISP, etc. weg. Ebenso fallen zusätzliche Protokolle und Mechanismen für Bandbreitenreservierung weg, weil man sie direkt in IP++ erledigt, ohne Balkone. Das Routing ließe sich vereinfachen: Routing-Protokolle und –Mechanismen könnten teilweise oder ganz wegfallen und gleichzeitig das Routing robuster und weniger anfällig für Störungen und Angreifer gemacht werden. Durch Einführung topologischer Adressen würden die Routingpläne um Größenordnungen kleiner werden bei gleicher Leistungsfähigkeit. Dadurch würde das Betreiben vereinfacht und die Fehleranfälligkeit verringert. Durch Dienstgüteklassen in IP++ könnte man über mehrere Netze hinweg Quality of Service garantieren. Durch SLAs können die beteiligten Netzbetreiber die Dienstgüte über Netzwerkgrenzen hinweg garantieren und effektive Geschäftsmodelle aufbauen.

o Durch explizite effektive Service Classes spart man sich das teure und umstrittene Deep Packet Inspection.

Für die Entwicklung auf dem Application Layer spielen mehrere Trends eine Rolle:

o Immer mehr Firmen denken darüber nach, für ihre interne Kommunikation Social Media einzusetzen und auf E-Mails zu verzichten. Firmen bauen interne Social Networks auf. Die werden aber mit Sicherheit keine öffentlichen Netze wie Facebook sein. Vertrauliche Information wird abgesichert und wird von den Firmen selber gehostet oder von einem lokalen Cloud-Anbieter. Es entstehen viele soziale Inselnetze mit höherwertiger Information. Die Technologie kann die gleiche sein, die Netze selber haben aber klare Abgrenzungen. Partiell wird man sein Unternehmensnetz auch öffnen wollen: Partner, Kunden, Lieferanten. Man muss soziale Netze miteinander verknüpfen. Dazu müssen die entsprechenden APIs zugänglich gemacht werden. Das Ganze wird durch die Kosten getrieben, denn Unternehmen haben kein Interesse daran, ihre Informationen mehrfach einzugeben, nur damit man in mehreren Netzen präsent ist. Die logische Konsequenz: eine sehr große Anzahl unabhängiger Social Networks.

o Apples Siri stellt eine einzige sprachgesteuerte Benutzerschnittstelle dar, die derzeit etwa ein Duzend Apps steuert. Damit ist Siri die singuläre Schnittstelle zum User. Der Rest wandert schrittweise unter die Haube.

o Die Marktmacht weniger Großer Player und deren beginnende / fortschreitende Zensur bewirkt immer mehr Unbehagen. Die Lösung liegt in dezentralen miteinander konkurrierender Strukturen. Immer mehr Leute denken über sogenannte Mesh-Networks nach. Es wäre eine Renaissance des ursprünglichen Internet Spirits, angewandt auf den bereits stark kommerzialisierten Application Layer.

o Schließlich werden es auch einfache Rationalisierungsgründe sein. Soziale Mehrfachkonten sind einfach erhebliche Mehrarbeit. Wer das vereinfacht, präsentiert einen besseren Business Case.

Mein Traum: ein „Social Media Dial Tone“ auf dem Application Layer (bei Google findet man für diesen String nur 7 Links). So wie früher beim Telefon. Ohne Mehrfachkonten bei Facebook, Twitter, G+, LinkedIn & Co. Ohne zusätzliche Balkon-Tools. Ein Access. Ein View. In alle Netze. Semantisch angereichert. Sozusagen unter der Haube. Wieso muss der Wildwuchs-Spaghetti der Entwickler dem User eins zu eins zugemutet werden? Wie könnte sich so etwas entwickeln?

o Ein Dial Tone beim Telefon bedeutet: Einfacher Access zum weltweiten Telefonnetz, unabhängig wo mein Kommunikationspartner sich befindet und an welchem Operator er angeschlossen ist. Auch die Directories waren global vernetzt. Der Ton stand auch für Carrier Grade: d.h. hoch verfügbar (5-7 neuner), definierte Services mit definierter Quality of Service. Für den Internanschluss auf IP-Ebene gibt es mittlerweile auch so etwas wie einen Dial Tone: der DSL-Anschluss, SmartPhone, etc. Bei Google findet man folgende Links – noch sind es sehr wenige – mit dem String „Social Media Dial Tone“:

Hier geht’s darum, dass es einen Social Media Dial Tone nicht gibt, d.h. ein soziales Netz kann jeder Zeit abgeschaltet werden ohne Ankündigung. Daher der Rat, seine Social Media Presence auf so viele Netzwerke wie möglich duplizieren. Verständlich, aber nicht wirklich eine Lösung.
Mein Verbesserungsvorschlag: ein Social Shadow auf meiner privaten Cloud. Für Unternehmenskritische Daten ist das sowieso die Lösung.

Hier wird der Social Media Dial Tone als API zu einem Social Network definiert, von denen es de facto tausende gibt und die bekanntesten sind Facebook, Twitter, G+, YouTube, LinkedIn, etc. Aber der Text skizziert auch schon die Möglichkeit eines einzigen Accesses auf vernetzte Social Networks.

Mein Verbesserungsvorschlag: meine Definition eines Social Media Dial Tones ist: ein einziger API auf vernetzte Social Networks mit Customised View.

Hier wird auch das Problem der zu vielen Social Networks dargestellt. Der Lösungsvorschlag: nicht zu viele Social Networks.

Hier geht’s um die versteckten Kosten für „Free Social Media“: der zu bezahlende Preis ist User-generated Content und User Demographic Information.
Mein Verbesserungsvorschlag: ein echter Social Media Dial Tone ist ein Mehrwert der in der Internet Flatrate eingehen sollte und für den man bezahlt um verlässliches und einfaches Social Media zu haben. Für Firmen lohnt sich das, weil es Kosten spart. Und: Firmen wissen, dass ihre Daten extrem wertvoll sind. D.h. „Free Social Media“ ist eine Werbeplattform, echter Content ist nicht umsonst.

Auch hier geht man davon aus, dass man einen Social Media Dial Tone braucht, weil Social Media derzeit kein wirklicher Service ist, sondern nur eine Application Destination.

Mein Verbesserungsvorschlag: Social Media muss tatsächlich ein echter Service werden, vernetzt, hochverfügbar, customisable, unabhängig vom Endgerät.

Überträgt man das auf Social Networks und Search dann kommt etwa folgendes dabei heraus:

Ein echter Service (im Gegensatz zu einer Applikation auf Servern eines Rechenzentrums), vernetzt mit allen anderen Social Media Networks, hochverfügbar, ein einziger Customisable View, unabhängig vom Endgerät, bereitgestellt durch den Internet-Provider. Durch die Bereitstellung via Internet-Provider wird „Social“ mehr und mehr zu einer Commodity.

Grob vereinfacht besteht ein Social Network aus:

· Einer Datenbanktechnologie.

· Einer Datenbank-Applikation.

· Einem API.

· Einem User View.

Diese 4 Komponenten sollte man konsequent trennen:

· Die Datenbanktechnologie kann dazu verwendet werden, unabhängige Social Networks aufzubauen.

· D.h. damit schafft man viele unabhängige Datenbank-Applikationen.

· Der API wird standardisiert um Interoperabilität zu gewährleisten.

· Der User View gehört als App aufs Endgerät oder in einen Browser.

· Durch die Trends oben wird das Social Media Network auf allen Protokoll-Ebenen dezentral. Damit wird ein Big Brother vermieden. Wodurch wird die dezentrale Lösung getrieben? Folgende Möglichkeiten:

o Wenn Firmen ihre interne Kommunikation durch Web 2.0 und Social Media Technologien E4 gestalten, dann geht es nicht mehr um das Geschäft Free Service gegen Werbung mit User Daten. Es geht dann einfach um höhere Produktivität in der Wissensgesellschaft und geringere Kosten.

o Die Information, die hierdurch in Firmen generiert wird, hat einen hohen Wert an sich, für die Firma selber, aber auch für Partner, Kunden, Lieferanten.

o Wenn sich diese hochwertigen Web 2.0 Inseln durch Knowledge Peering vernetzen, dann geht es unterm Strich für das daraus entstehende Gesamtsystem wieder um höhere Produktivität in der Wissensgesellschaft und geringere Kosten. D.h. alle gewinnen.

o Ein Social Media Dial Tone ist hier ein zentrales Kostenargument.

o Der Basis-Dienst ist Teil der Internet-Flatrate. Für höherwertigen Content kann man aus einer Fülle von Geschäftsmodellen wählen.

Die Social Media Existenz kann abgesichert werden durch einen Social Shadow auf einer privaten Cloud. Dieser Social Shadow erlaubt dann weitere Anwendungen.

· Das heutige Geschäftsmodell für „Free Social Media“ wird sich durch Werbung finanzieren, Werbung die auf der Ressource User Data aufbaut. Neue Geschäftsmodelle für „Value Content Social Media“ werden ebenfalls entstehen, je mehr diese Art von Inseln de facto aufgebaut werden. Diese Inseln werden ihre Daten semantisch annotieren.

· Ebenso findet Search heute fast ausschließlich „Free Content“. Z.B. landet Google oft auf Wikipedia. Höherwertiger Content, obwohl begehrt, wird nicht gefunden. Hier gibt es eine Fülle neuer Geschäftsmöglichkeiten. Semantic und Social Search: Paid Content veröffentlicht ein semantisches API, mit oder ohne Binding an ein kommerziell betriebenes Portal. Idee: Online Semantic Crawler.
Allerdings hat Google laut Vizechefin Marissa Mayer einen allwissenden Suchdienst im Sinn, der im voraus schon weiß, was der User will.

Meine These: Google wird nicht der Big Brother werden können, sondern bestenfalls der Klebstoff zwischen den Hochwertigen Content Inseln.

· Ein spannende Frage ist hier auch, wie die Aufgabenteilung zwischen Endgerät und Netz / Applications liegen wird. Ich gehe davon aus, dass das sich Endgeräte zu einer Kombination von R2D2 und C-3PO entwickeln werden, d.h. die Personalisierung ist fast ausschließlich im Endgerät. Und damit ist sie wieder dezentral.

· Schließlich noch was zu den Endgeräten: Die meisten Leute denken beim Mobilen Internet heute an Smartphones und Pads. Mobile und Festgeräte werden über einen singulären Dial Tone verfügen: man beginnt den Film auf dem Smartphone und beendet ihn auf dem TV. Aber: die Miniaturisierung der Endgeräte geht weiter. D.h. Smartphones und Tablets werden nach und nach zu Teilen der Kleidung wie Armbanduhren oder Brillen. Die Benutzerschnittstelle wir 3D (3D Screen, Hologramme, Virtuelles 3D via Brille, etc.), gesteuert mit Sprache, Händen (effektivere Gesten), Augen und Gedanken, etc. Ein neues Lebensgefühl. Auch die Endgeräte haben Wechselwirkungen, wie Internet und Soziale Netze verwendet werden. Diese Funktionsmächtigkeit will man doch sicher keiner zentralen Instanz anvertrauen.

Vom Co-Moderator Heinrich Bruns folgender Blogpost interessant: Die Wolke ist … ähm, ja … wolkig

Siehe auch:

Über den Propagandabegriff der „Raubkopie“ und die Innovationen der Kopisten #rp12 #informare12

Längst haben die Wirtschaftshistoriker herausgefunden, dass rückständige Volkswirtschaften mit dem Abkupfern existierender Technologien ihr Wachstum befeuern: Aufholen durch Nachahmen. Japan und Korea haben diese Strategie nach dem Zweiten Weltkrieg enorm genutzt. Häufig spielt der Zufall eine Rolle: Bei einem flüchtigen Besuch in amerikanischen Supermärkten sahen japanische Autofirmen-Vorstände, wie dort die Ware automatisch nachgefüllt wurde. Das war die Geburt der Just-in-time-Produktion. Besonders die deutsche Industrie, die sich heute mit der Forderung nach Leistungsschutz t gegen die digitale Welt abschotten will, konnte ihre Rückständigkeit Ende des 19. Jahrhunderts nur durch kluge Imitation kompensieren.

„Wie heute die Chinesen, haben damals deutsche Maschinenbauer ausländische Erfolgsmodelle in großem Stil eingekauft: Sie zerlegten die Maschinen in England und bauten sie im Siegerland oder im Schwäbischen neu auf. Durchs Nachmachen zu Erfahrung gekommen, haben die Deutschen sodann ihre Maschinen billig ins Ausland verkauft“, berichtet Hank.

Er verweist auf ein besonders dreistes Kopistenwerk in Solingen. Dort wurden minderwertige Messer aus Gusseisen hergestellt und mit dem Stempelaufdruck „Sheffield“ veredelt – das galt damals als Markenzeichen der englischen Messerproduktion.

„Ironie der Geschichte: Als Abwehrmaßnahme zwang England Deutschland das Label ‚Made in Germany‘ auf, damit man die mindere Ware erkennen sollte. Aber den Deutschen gelang es, das Stigma zum Qualitätssiegel umzuschmieden“, so der „FAZ“-Redakteur.

„Wenn man sich anschaut, welche unfassbar wichtige Wirkung Generika in der Medizin haben, etwa für bei der Therapie von Aids-Patienten, umso skandalöser ist es, wenn Menschen mit Patenten der Zugang zur Heilung verweigert wird“, kritisiert Dirk von Gehlen in seinem Republica-Vortrag zum „Lob der Kopie“ (gleichnamiger Titel seines Buches, das im Suhrkamp-Verlag erschienen ist).

Ebenso fragwürdig ist die Kriminalisierung des digitalen Kopierens, die in der aktuellen Urheberrechtsdebatte hochkocht, bemerkt der Redaktionsleiter von jetzt.de.

„Die digitale Kopie, das Verbreiten von identisch duplizierten Inhalten, nahezu ohne Kosten, ist eine historische Neuerung und zieht eine Veränderung nach sich, die man vergleichen kann mit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit“, erklärt von Gehlen.

Schon das Wort „Raubkopie“, von Musik- und Filmindustrie in „abschreckenden“ Filmchen als Propagandavokabel inflationär verwendet, ist juristisch unsinnig.

„Es ist eine sachliche Feststellung, dass nichts geraubt wird. Es wird nicht weggenommen. Nach dem Strafgesetzbuch ist der Raub so definiert, dass man unter Gewaltanwendung einen beweglichen Gegenstand von A nach B bewegt. Wenn ich eine Datei verschicke, ist es weder mit Gewalt verbunden, noch bewegt sich der Gegenstand von A nach B. Er verbleibt nämlich da, wo er war. Diese Erkenntnis muss allen Urheberrechts-Diskussionen zugrundeliegen, wenn man sie denn zielgerichtet führen will“, fordert von Gehlen.

Was heißt heute noch Original und was Kopie bei einem Medium, „in dem alles auf dem Prinzip der Kopie basiert“, fragt sich Urs Gasser im Interview mit Dirk von Gehlen (abgedruckt im von Gehlen-Buch „Lob der Kopie“ S. 54 ff.):

„Ich glaube, durch die Digitalisierung werden so viele Grenzen unscharf, dass wir da enormen Gesprächsbedarf haben – zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen, aber auch zwischen den Generationen.“

Hinter die Kultur des Teilens und Austauschens werde man nicht mehr zurückgehen können.

„Die Kultur ist in unserer DNS enthalten. Wie junge Menschen heute aufwachsen und wie wir kommunizieren, basiert auf diesem Prinzip“, so Gasser.

Kulturtechnik des Kopierens wie Software betrachten

„Wenn wir Einsicht in die Tatsache nehmen, dass es nur zu extrem hohen sozialen Kosten möglich ist, Menschen am Kopieren zu hindern, gibt es meiner Meinung nach keinen besseren Vorschlag als die Kulturflatrate, um einen Ausweg aus dem Legitimationsproblem zu finden. Es wird adaptiert, was wir von analogen Medien schon kennen. Wenn man sich einen CD-Rohling kauft, fällt eine Leermedien-Abgab an. Ein geringer Anteil wird also an die Verwertungsgesellschaft GEMA überwiesen, die diese Summen nach einem wenig durchschaubaren Schlüssel an die Künstler auszahlt“, so das Gehlen-Plädoyer auf der Republica.

Tauschbörsen und Filesharing durch Verdammung, juristische Sanktionen und Abmahnungen in den Griff zu bekommen, hat nie funktioniert. Wenn digitale Kopien ohne große Aufwendungen dupliziert werden können, müssen wir diese Kulturtechnik des Kopierens und Teilens wie Software betrachten. Der Begriff des Originals läuft in der digitalen Welt ins Leere.

Soweit ein Auszug meiner heutigen Kolumne für den Fachdienst Service Insiders.

So, jetzt habe ich mehr oder weniger alle Aufzeichnungen und Notizen von der Republica verwertet. Die Konferenz und die vielen Gespräche haben mir sehr viel gebracht.

Hoffe, dass es morgen auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare im Cafe Moskau so weitergeht. Am Mittwoch bin ich dort als Moderator im Einsatz und werde sicherlich einige Themen der Republica aufgreifen und weiter diskutieren in dem Panel „Obi Wan Kenobi und das Future Internet“. Einige Thesen zu dieser Runde werde ich wohl noch im Laufe des Abends posten und würde mich über Anregungen für die Diskussion freuen. Unterstützt werde ich in der Moderation vom Hörfunkjournalisten Heinrich Bruns. Da wird natürlich auch über soziale Netzwerke, die App-Economy, zentral versus dezentral, AGB versus Grundgesetz disputiert. Vielleicht auch über das heimliche Platzen der Social-App-Blase.

Siehe auch:

Gehlen-Vortrag als Audioaufzeichnung in längerer Version:

Vernetzte Ökonomie: Digitale Kompetenz statt Leistungsschutz.

Kultur der Beteiligung statt geheime Kabinettspolitik.

Wir sind Facebook! Netzöffentlichkeit zwischen Zensur, Willkür und Kontrollsucht.