„Nur 39 Prozent der CEOs in Deutschland verfolgen das Ziel, gemeinsam mit Partnern Innovationen voranzutreiben“, betont Gregor Pillen, Geschäftsführer der IBM Deutschland und Leiter der IBM Unternehmensberatung. „Hier besteht unserer Meinung nach Handlungsbedarf. Denn weltweit schließen sich immer mehr, vor allem der besonders erfolgreichen Unternehmen zu Innovationspartnerschaften zusammen. Laut unserer Studie fast 60 Prozent.“
Weltweit setzen diese besonders erfolgreichen Unternehmen (Outperformer) auch auf eine intensivere Nutzung von sozialen Medien. Doch noch scheinen die digitalen Dialogmöglichkeiten in den Unternehmen nicht wirklich angekommen zu sein.
Heute nutzen weltweit nur 16 Prozent, in Deutschland sogar nur sieben Prozent der CEOs derartige Plattformen, um sich mit anderen auszutauschen. Diese Zahl wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren aber laut Studie auf 57 Prozent erhöhen.
So spielen soziale Netzwerke und die App-Economy im Kundenservice kaum eine Rolle. Erst 43 Prozent der weltweit befragten Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit der Nutzung von Social Media begonnen. Nur elf Prozent nutzen soziale Netzwerke seit drei Jahren oder länger für die Kommunikation mit Kunden.
Angesichts der allgegenwärtigen Nutzung von Mobilgeräten und Social Media wie Facebook und Twitter sei es alarmierend, dass viele Unternehmen die Relevanz der neuen Kommunikationsformen zu spät erkennen und die Zuständigkeiten nicht geklärt haben, so der Genesys-Vorstandschef Paul Segre.
Führungskräfte seien wohl noch immer der Ansicht, dass sie die Kommunikation im Social Web kontrollieren können, spekuliert die Marketing-Professorin Donna Hoffman von der University of California Riverside.
„Viele gehen so vor, dass sie ein kleines Team für Social Media ernennen und die Situation damit als erledigt betrachten. So ist es nicht.”
Nach der CIO-Umfrage von Harvey Nash gewähren 82 Prozent der IT-Chefs ihren Mitarbeitern Zugriff auf Facebook, Twitter, Youtube und Linkedln. Fast ebenso viele sind davon überzeugt, soziale Netzwerke in gewissem Maße kontrollieren zu können. Letzteres dürfte sich als Illussion herausstellen:
„Die Kontrolle von Social Media ist absoluter Schwachsinn, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich verstehe den Wunsch der Kontrolle. Das ist gezielt aber schon technologisch nicht möglich. Die Antwort im Umgang mit Social Media liegt in der Unternehmenskultur. Wir zum Beispiel haben die Nutzung unbeschränkt freigegeben. Der von uns konzipierte Leitfaden ist nur eine Orientierungshilfe. Eine Law & Order-Orientierung ist zum Scheitern verurteilt“, betont Nadolski im Interview mit dem Fachdienst Service Insiders.
Erinnert irgendwie an die Geheimdiplomatie von Metternich. Bei Themen wie Vernetzung und digitale Wirtschaft ist das ja logisch 🙁 Ist mit Frau Merkel auch über die Ökonomie der Beteiligung gesprochen worden? Wenn ja, rückt die Ergebnisse dieser Runde raus.
• Funktionen verschwinden beim Übergang von Mobile zu WLAN und vice versa, selbst wenn man das Handy zwischendurch ausgemacht hat. D.h. man wartet minutenlang und nichts passiert.
• Handover auf der Autobahn: Apps bleiben einfach hängen (d.h. sie frieren ein) oder stürzen ohne erkennbaren Grund ab.
• App-Nutzung in Gebieten mit wenig Bandbreite oder dem Übergang von hoher nach niedriger Bandbreite: Apps frieren ein oder stürzen ab.
• Man fährt mit seinem Smartphone in ein anderes europäisches Land und erlebt sowohl bei der Performance der App als auch später beim Empfang der Rechnung sein blaues Wunder.
All das seien Alltagserfahrungen, selbst mit einem iPhone, wo man sich doch eine ganz andere Stabilität erhofft hatte. „Diese Effekte treten auf bei Netzübergängen, hohem Datenverkehr, niedriger oder schwankender Bandbreite, unzuverlässigen Datenverbindungen, und ähnlichem auf“, so Dirk Zetzsche, Director bei Nash Technologies, gegenüber Chip Online. Die Crux liegt für ihn darin, dass diese Alltagserfahrungen eben nicht in einem klinisch reinen Standard-Testlabor mit WLAN oder USB-Kabel verlässlich reproduzierbar gemacht werden können:
„Bei kostenlosen oder sehr günstigen Apps drücken die Anwender vielleicht noch ein Auge zu, wenn die App versagt, aber bei höherwertigen Diensten und Apps bezahlen die Firmenkunden gutes Geld und wollen dafür auch Leistung sehen, zu recht. In Anbetracht der immer noch steigenden Verbreitung von Smartphones und der Abkehr von RIM hin zum iPhone im Geschäftskundenumfeld, ist das aber ein aktuelles Thema“, so Zetzsche.
Eines der Hauptprobleme: Apps werden in der Regel innerhalb weniger Monate entwickelt und landen dann als zertifizierte Software in den Shops. Danach alle paar Monate ein Update. Prinzip ‚Eternal Beta‘. Der Kostendruck sei nach Erfahrungen von Zetzsche enorm und die Innovationsrate hoch. Die App Stores scheinen in den Himmel zu wachsen:
„Und jetzt steckt man schon mitten im Dilemma, denn nützliche Software hat eine notwendige Mindestkomplexität. Hier ist es mit vertretbarem Aufwand gar nicht möglich, alle Fehlerfälle abzudecken. Dies gilt umso mehr, als Apps nicht im luftleeren Raum existieren, sondern komplexe Wechselwirkungen mit anderen Softwarekomponenten haben, mit Betriebssystemfunktionen, Kommunikations-Systemen und anderem. Hier treten viele Fehlerszenarien auf, die man als App-Entwickler gar nicht auf dem Radar haben kann, weil man nur das API benutzt, aber nicht die Interna hinter der Programmierschnittstelle API kennt“, weiß Zetzsche.
Das ist wohl generell ein unterschätzter Faktor der Vernetzung. Mobile Services müssten genau so robust sein wie wir es von der Festnetz-Telefonie gewöhnt sind. Dort bricht die Leitung auch nicht einfach zusammen, wie wir es beim mobilen Surfen im Internet immer noch erleben. So müssen medizinische Anwendungen so robust und smart konzipiert sein, dass sie auf schwankende Verbindungsqualität reagieren können. Nur ein Beispiel von vielen.
Bei der neuen Testreihe können sich CHIP Online-Leser beteiligen. Erste Tests könnten folgende Themen beleuchten:
„Vergleich der Apps-Gruppe QuickOffice, ZoHo Mobile, GoogleDocs und Apple iWork. Verhalten von Business-Apps beim Upgrade. Multitasking – welche App versagt, wenn der Kunde anruft. Geschäftstaugliche Cloud-Apps im Up- und Download. Logistik – welche Profi-Navi-Apps halten auf dem Land und auf Langstrecken durch. Raus damit, welche App macht Ihnen beruflich die meisten Sorgen? Welche ist nach einem Update abgestürzt und welche spielt auch bei perfekter Netzabdeckung verrückt? Schreiben Sie uns unter b2b(at)chip.de Wir starten sofort“, so Chip Online.
Bin gespannt auf die Ergebnisse. Meine Rennspiel-App kann ich wohl nicht vorschlagen?
Viele Manager haben einfach keine Peilung, was ihre Kunden im Netz machen und wie sie sich die Kommunikation mit Unternehmen wünschen. Wer mit seinen Social Media-Phobien darauf verzichtet, smarte Angebote via Social Web zu machen oder Service-Apps für die mobile Kommunikation zu etablieren, kann doch nicht behaupten, dass das Telefon noch hoch im Kurs steht. Aus Mangel an Alternativen bleibt einem nichts anderes übrig, sich den Hotline-Warteschleifen auszusetzen. Das bringt der Call Center-Experte Harald Henn von der Mainzer Beratungsfirma Marketing Resultant auf den Punkt:
„Telekom oder der OTTO Versand erfreuen sich eines starken Zuspruchs ihrer Social Media-Angebote. Die Ergebnisse der Sikom-Befragung haben den falschen Akzent. Kunden nutzen Social Media sehr wohl – und im Übrigen präferieren sie soziale Netzwerke gegenüber dem Telefon – wenn man ihnen es denn auch anbietet. Kein Social Media-Angebot – keine Nutzung.“
Was hier insinuiert werde, könnte man mit den Wahlergebnissen in der DDR vergleichen. 99 Prozent Zustimmung sei eben nicht 99 Prozent Zustimmung gewesen, sondern das Ergebnis einer vorgegebenen Einheitsliste, die man falten und in die Wahlurne stecken konnte.
Wir Kunden sind mit unseren Smartphones, mit den Apps, die wir nutzen, den Blogs, die wir schreiben, den Tweets, die wir posten und dem mobilen Einkauf, den wir tätigen, wir Konsumenten sind den meisten Unternehmen meilenweit voraus. Das ist keine Randerscheinung oder kurzlebige Mode, sondern bereits ein Massenphänomen. Als Kunde möchte ich gute Produkte und Dienste kaufen. Auf Warteschleifen-Servicebürokratie kann ich getrost verzichten. Ähnlich bewertet das Mirko Lange von der Agentur Talkabout im Interview mit den Mailingtage-News:
„Viele Unternehmen sind noch nicht über Social Media ansprechbar – jedenfalls nicht so wie über E-Mail oder Telefon. Ein Beispiel: Als Abonnent von ‚Sky Go‘ konnte ich mich neulich nicht einloggen. Auf der Website findet man zwar ein Formular und eine E-Mail-Adresse. Die wollte ich aber nicht nutzen, weil ich ja sofort Hilfe brauchte. Einen Link zu Twitter oder Facebook gab es nicht. Dabei wäre das die beste Lösung gewesen. Ich war sowieso online, hätte eine Nachricht hinterlassen und schnell eine Antwort erwartet. Kunden mit ähnlichen Problemen hätten mitgelesen. Hier gibt es enorm viel Potenzial.“ Die Dialogmöglichkeit über das Social Web habe für Unternehmen große Vorteile. „Die Kommunikation ist schriftlich, asynchron und dennoch fast in Echtzeit. Zudem gibt es keine Medienbrüche bei Links ins Internet, und es lassen sich simpel Daten austauschen. Über Dienste wie ‚Google+ Hangout‘ kann man auch in einen synchronen Gesprächsmodus wechseln. Die Qualität des Dialogs verbessert sich enorm“, so Lange.
Nur findet eben dieser Dialog mit Kunden nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wie beim Telefonat. Was man unter Kontrollverlust subsummiert, könnte Ursache für die Social Media-Phobien der Service-Manager sein. An der Überlegenheit der asynchronen Kommunikation ändere das aber nichts, bestätigt Andreas Klug vom Software-Anbieter Ityx.
„Gerade die schriftbasierten Interaktionen können analysiert und verwertet werden. Das bietet den Unternehmen enorme Möglichkeiten, wiederkehrende Service-Anfragen automatisiert zu verarbeiten und im Hintergrund gezielt Geschäftsprozesse anzustoßen. Diese Entwicklung ist vergleichbar mit der Automatisierung in der Automobilindustrie, wie sie die Japaner in den 1980er Jahren vorangetrieben haben. Damals haben Umfragen der deutschen Industrie auch ergeben, dass kaum ein deutscher Hersteller Roboter einsetzt. Wer aber unbeweglich ist, nimmt sich selbst die Chance, wiederkehrende Arbeiten im Kundenservice zu erkennen und durch intelligente Software erledigen zu lassen“, erklärt Klug.
In den kommenden drei Jahren werde man erleben, wie mehr und mehr Verbraucher sich dem Service-Diktat der Industrie entziehen, um ihre Anliegen via Youtube, Apps und soziale Netzwerke zu lösen. Mehr asynchron statt Telefon. Das wird so langsam Zeit, sonst brauchen wir noch einige IT-Gipfelgespräche im Kanzleramt 🙁
Der NRW-Datenschützer hat sich wohl in den vergangenen Wochen durchs Netz gewühlt, um an Rhein und Ruhr oder sonstwo Verstöße beim Einsatz von Google Analytics aufzuspüren – die kleine Wühlmaus. Ein entsprechendes Schreiben an die Web-Bösewichte müsste in den vergangenen Tagen verschickt worden sein. Das kann man zumindest dem Brief entnehmen, der mir als pdf-Dokument von einem wütenden Netzbewohner per E-Mail übersendet wurde.
Im schönsten Bürokratendeutsch pocht man auf die beanstandungsfreie Form des Einsatzes von Google Analytics und formuliert folgende Auflagen:
– Abschluss eines Vertrages zur Auftragsdatenverarbeitung mit Google;
– Information der Nutzer der Seite über die Verarbeitung personenbezogener Daten (wobei diese Formulierung wohl eher eine Behauptung ist, liebwertester NRW-Datenschützer, gs) im Rahmen (Tucholsky hätte seine Freude, da rieselt der semantische Verwaltungskalk, gs) von Google Analytics in der Datenschutzerklärung sowie Aufklärung über die Möglichkeit des Widerspruchs gegen diese Erfassung;
– Kürzung der IP-Adressen durch entsprechende Einstellungen im Google Analytics-Programmcode durch Ergänzung des Trackingcodes um die Funktion „_anonymzelp()“.
Wenig freundlich folgt am Schluss die hausmeisterliche Zurechtweisung: Wer eine Auskunft nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erteilt, kann mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro bestraft werden. Willkommen im Thilo Weichert-Club. Karneval war gestern, jetzt wird mit den Muskeln gespielt.
Aber wenn Interessengruppen wie der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) weiter nur mit Sandförmchen spielen und keine Musterklagen gegen die Datenschützer einleiten, bleiben die betroffenen Firmen auf sich allein gestellt.
Auslöser dieser Staatseingriffe ist immer wieder die These der Datenschützer, dass IP-Adressen bereits personenbezogene Daten darstellen. Daher müsste den „Betroffenen“ Widerspruchsmöglichkeiten eingeräumt werden.
„Das Ganze hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für Firmen wie Google. Hier ist die Verwertung der IP-Adressen für den Geschäftsbetrieb unverzichtbar.“
Ob die Rechtsauffassung des so genannten Düsseldorfer Kreises, einem informellen Zusammenschluss von Datenschützern aus Bund und Ländern, richtig sei oder nicht, müsste höchstrichterlich entschieden werden.
„Die Auslegung der Gesetze ist Sache der Gerichte. Es fehlt allerdings eine einheitliche Linie. Wir haben eine unklare Rechtslage und unterschiedliche Entscheidungen von Gerichten“, moniert Wüllrich, Fachanwalt für gewerblichen Rechtschutz.
Aktuell könne man mit gutem Gewissen die Wertung vornehmen, dass IP-Adressen keine personenbezogenen Daten sind – auch wenn der Düsseldorfer Kreis das Gegenteil behauptet. Dann sollten doch die Datenschützer mit ihren Bußgeldandrohungen weitermachen. Eine endgültige Klärung bekomme man nur vom BGH oder Bundesverwaltungsgericht.
Für die digitale Wirtschaft wäre es ratsam, es auf Klagen ankommen zu lassen.
„Gegen die Verfügungen der Datenschützer sollten in jedem Fall Rechtsmittel eingelegt werden. Hier muss die Internet-Branche einheitlich vorgehen und verhindern, dass es zu bestandskräftigen Entscheidungen kommt“, sagt Wüllrich im Interview mit mir.
Die Nutzer der IP-Adressen sollten einen Gegenpol zum Düsseldorf Kreis organisieren.
Welt-Online hat ja eine richtig heiße Story „recherchiert“: „Gema erhöht Speicher-Abgabe um 1850 Prozent – Die Gema erhöht die Abgaben auf USB-Sticks und Speicherkarten kräftig. Ab Juli werden diese von 10 Cent auf bis zu 1,95 Euro steigen. Grund für die Erhöhung sei der technische Fortschritt, heißt es.“ Toll, liebwerteste Welt-Redaktion. Oder sollte ich Gichtlinge sagen? Diesen Titel habt Ihr Euch redlich verdient. Denn die Quelle für diese Story ist doch wohl mein geschätzter Blogger-Freund Heinrich Rudolf Bruns, der mit seinem Blogpost vor zwei Tagen einen echten Scoop landen konnte:
Die Welt-Redaktion wird mir wahrscheinlich erklären, dass die Geschichte auf eigenen Recherchen beruht (klar, Ihr habt zum Telefonhörer gegriffen und den GEMA-Sprecher befragt – tolle Leistung) und daher keine Notwendigkeit besteht, die Ursprungsquelle zu zitieren oder gar zu verlinken. Wenn Blogger erwähnt werden, heißt es ja häufig in den Berichten der „Qualitätsmedien“, „laut Internet“ blablabla. Das ist man ja schon gewöhnt. Aber liebwerteste Welt-Gichtlinge, seid doch wenigstens so ehrlich und dokumentiert den von Bruns ausgelösten Web-Tsunami, der Euch mit Sicherheit zu diesem Artikel inspiriert hat: @hrbruns hat das auf seinem Blog sehr schön dokumentiert: Ein Blog und seine Wirkung.
„Die Leermedienabgabe auf USB-Sticks und Speicherkarten soll erheblich steigen. Derzeit beträgt die Abgabe pro Stick und Speicherkarte noch pauschal zehn Cent, doch im Sommer sollen die Preise auf bis zu knapp zwei Euro steigen. Der Blogger Heinrich Rudolf Bruns verweist auf ein Gema-PDF vom 10. Mai, aus dem die neuen Preise hervorgehen. Die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ), vertreten durch die GEMA, die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort und die VG Bild-Kunst legen darin die neuen Preise fest, die ab dem 1. Juli gelten sollen: Für USB-Sticks und Speicherkarten mit einer Kapazität von bis zu vier Gigabyte beträgt die Vergütung demnach 91 Cent. Für einen Stick mit mehr als vier Gigabyte werden 1,56 Euro, für eine Speicherkarte dieser Größe sogar 1,95 Euro fällig.“
Korrekt. So macht man das!
Entsprechend kritisch würdigt Heinrich Rudolf Bruns die Vorgehensweise der Welt-Redaktion:
„Der Verlag gefällt mir. Autorenrechte beschneiden, mies behandeln, sich aufregen wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen und ein Leistungsschutzrecht fordern.“
Recht hat er. Hiermit verleihe ich der Welt-Redaktion den Gichtling-Medienorden des Tages.
Oliver Michalsky: Lieber Gunnar Sohn, ich will Ihnen gern erläutern, was wir getan haben: nämlich eine Meldung der Nachrichtenagentur dapd vom 24. Mai 16.58 Uhr publiziert, was Sie an dem Kürzel erkennen können. Nicht mehr, nicht weniger. Der bemerkenswerte Blogbeitrag von Heinrich Rudolf Bruns ist darin nicht erwähnt – und er ist zuvor an uns vorbeigegangen. Das sollte nicht, kann aber durchaus passieren.
Gunnar Sohn: Oliver Michalsky da taucht noch ein Kürzel mit jk auf – nehme an, dass ist der Redakteur, der das bearbeitet hat. Merkwürdig, Merkwürdig, für eine Agenturmeldung habt Ihr das aber prominent auf Eurer Facebook-Seite platziert…..Spiegel Online hat das fast zeitgleich gebracht mit Hinweis auf @hrbruns – zumindest nachtragen könnte Welt Online das noch. Auch Agenturmeldung(en) sollte man zumindest auf die Quellen-Lage prüfen. Bruns Blogposting ist so fett im Netz gelaufen, dass man das eigentlich nicht übersehen konnte. Sorry. Schlampig.
Oliver Michalsky: Ja, lieber Gunnar Sohn. So wie Ihr Sprachgebrauch.
Gunnar Sohn: Sorry, Oliver Michalsky, wenn man das so breit ins Netz pustet, sollte man in der Lage sein, die Primärquelle zu finden.
Fazit: Schlampig auf Seiten von Welt Online und der Nachrichtenagentur. Bei meinem harten Urteil bleibe ich!
Update:
Ich finde es sehr gut, dass Welt Online jetzt die Quelle Heinrich Rudolf Bruns eingefügt hat. Insofern Dank an Oliver Michalsky. Vielleicht zeigt ja dapd auch noch diese Größe.
GEMA-Story von @hrbruns. @weltonline hat mittlerweile die Primärquelle genannt, könnte jetzt @dapd nachziehen? http://t.co/otjSNbLb
Hat alles nichts genutzt. Der Streit geht weiter….
Michalsky sagt: Um bei der Wahrheit zu bleiben: die Quelle des Textes ist gekennzeichnet. Dies jetzt in Abrede zu stellen, lieber Gunnar Sohn, führt überhaupt nicht weiter. Auch das Gutti-System spielt hier keine Rolle: Wenn wir einen Agenturtext verwenden, in der die Agentur ihre Quelle nennt, nämlich die Gema, und wir dies so wiedergeben, ist das vollkommen korrekt. Was sollen wir denn tun, wenn die dpa ein exklusives Zitat von der Bundeskanzlerin bringt? Sollen wir im Bundeskanzleramt anrufen und fragen, ob die dpa das frei erfunden hat? Wie weltfremd sind Sie eigentlich?
Gunnar Sohn Jetzt fallen Sie wieder in den alten Modus zurück, Herr Oliver Michalsky. Wie kompetent sind Sie denn in puncto digitaler Recherche? Wenn eine Meldung schon vor zwei Tagen im Netz hochschießt, News-Aggregatoren den Blogpost von Heinrich Rudolf Bruns am Mittwoch (!!!) als Top-News bringen, eine Story 418 Retweets und 429 Likes verzeichnet, kann man das natürlich mal übersehen. Wie weltfremd sind Sie denn?
Oliver Michalsky In welchen alten Modus? Ich wehre mich nur gegen Ihre Falschbehauptungen.
Gunnar Sohn Oliver Michalsky Das ist meine Meinung und keine Falschbehauptung. Sie sagen, ich sei weltfremd. Damit kann ich leben und gebe den Vorwurf gerne zurück. Spiegel Online war halt in diesem Fall besser informiert. So ist das Leben.
Man ist im Bundesinnenministerium immer noch davon überzeugt, dass die Merkel-Hotline eine gute Sache sei. So verkündet heute das BMI in einer Presseerklärung: Einheitliche Behördennummer 115 wird gut angenommen
Text des BMI:
Im Roten Rathaus in Berlin hat heute die 2. Teilnehmerkonferenz der einheitlichen Behördennummer 115 im Regelbetrieb getagt. Vertreter der beteiligten Kommunen, Länder und Bundesbehörden haben gemeinsam den entsprechenden Lenkungsausschuss entlastet. Die IT-Beauftragte der Bundesregierung, Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe, hat als Vorsitzende dieses Lenkungsausschusses den Jahresbericht 2011 vorgestellt. Daraus geht hervor, dass die 115 von den Bürgerinnen und Bürgern sehr gut angenommen wird. Eine Evaluation hat ergeben, dass das vereinbarte Serviceversprechen insgesamt eingehalten und sogar mehrheitlich übererfüllt werden konnte (ach was, gs).
Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe erklärt hierzu: „Wir haben 2011 viel erreicht. Nun geht es darum, diesen positiven Trend auch in 2012 fortzusetzen und die Behördennummer bundesweit zu etablieren. Die 115 ist eine Innovation, die die Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen revolutioniert.“ Geprüft werde die Erweiterung des 115-Services über die reine telefonische Auskunft hinaus hin zu einem Multikanal-Service. Besonders Terminvereinbarungen mit den Behörden oder die Möglichkeit Anträge im Voraus auszufüllen, könnten die Attraktivität des 115-Services weiter steigern, so die Staatssekretärin. Die 115 solle mittelfristig auch bei Krisen, Großschadenslagen und sonstigen Lagen, beispielsweise bei Hochwasser, unterstützend eingesetzt werden.
Zahlreiche Städte, Landkreisen und Gemeinden haben bereits im vergangenen Jahr die 115 freigeschaltet: Insgesamt wurden 98 Kommunen neu angeschlossen. Aktuell sind es 278 Kommunen, bis Jahresende werden es voraussichtlich 350 sein, darunter auch Städte wie München, Stuttgart oder Potsdam. Der Pilotbetrieb war 2009 mit 29 Kommunen gestartet. Die Erreichbarkeit, also die Zahl der Bürgerinnen und Bürger, die die 115 nutzen können, ist im vergangenen Jahr von gut zehn Millionen auf knapp 18 Millionen gestiegen. Bis Ende 2012 wird sich diese Zahl auf gut 23 Millionen erhöhen.
Die Einheitliche Behördennummer 115 ist in den teilnehmenden Regionen montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar.
Sie kann aus dem Festnetz überwiegend und aus mehreren Mobilfunknetzen zum Ortstarif sowie über Flatrates auch kostenlos gewählt werden.
Hier endet das Opus des BMI.
Erinnert sei noch mal, dass die Merkel-Hotline auf dem IT-Gipfel ständig als technologische Innovation gepriesen wird.
Können wir auf dem Münchner IT-Gipfel am Nikolaustag mit irgendwelchen technologischen Überraschungen der Bundesregierung rechnen oder dominiert wieder nur die Transpiration vor der Inspiration? Das Merkel-Telefon 115 ist für mich immer noch das Symbol für die Hightech-Politik der politischen Elite in Berlin. Eine Hotline auf Amtsstubenniveau – geöffnet von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. Wenn man den IT-Gipfel als Plattform für das Bürgertelefon einsetzt, dann sollte zumindest ein Hauch von technologischer Kompetenz erkennbar sein, fordert Andreas Klug, Mitglied der Ityx-Geschäftsführung in Köln.
„Es kann nicht ohne Automatisierung funktionieren. Eine Vorqualifizierung der Anrufe ist unabdingbar, um Standardabfragen über Öffnungszeiten, Sperrmüllabfuhr oder dergleichen abzufangen. Das System selbst muss über mehr Wissen verfügen, um die Servicemitarbeiter an den Telefonen zu entlasten und eine ständige Erreichbarkeit zu gewährleisten.“
Es sei doch peinlich, wenn die Bürgerinnen und Bürger vor 8 Uhr, nach 18 Uhr oder am Wochenende anrufen und nur eine Bandansage ertönt: „Sie rufen außerhalb unserer Servicezeiten an.“
Dabei wäre es möglich gewesen, zumindest in Ansätzen eine Applikation in das Merkel-Projekt einzubauen, die in Richtung des Sprachcomputers SIRI geht, der derzeit auf dem iPhone 4S für Furore sorgt.
„Bei der Auslegung des Bürgertelefons 115 wurde Sprachtechnologie völlig ausgeblendet. Das kann nicht funktionieren. Es gibt nicht den allwissenden und jederzeit verfügbaren Mitarbeiter im Call Center“, sagte schon vor Jahren Professor Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.
Zudem kommt das Call Center-Angebot des Staates um einige Jahre zu spät. Noch vor drei Jahren entfielen nach einer Studie der Düsseldorfer Unternehmensberatung Mind Business rund 80 Prozent der Kundeninteraktionen auf das Telefon. Heute sind neue Formen der Servicekommunikation auf dem Vormarsch. Facebook, Twitter, Apps, Chats und Foren werden von 56 Prozent der Befragten häufiger genutzt als Telefon oder Post.
Das Zusammenwachsen von Internet, Fernsehen und Telefon biete den Menschen die Möglichkeit, unabhängig von Zeit und Ort zu kommunizieren. Er entscheide situativ, wie und wann er Unternehmen erreichen möchte. Der vernetzte Verbraucher und Bürger erwartet von den Organisationen der Wirtschaft und des Staates, dass sie das Social Web als Dialogplattform begreifen, den Dialog transparent und offen gestalten und dort auch schnell auf Anliegen reagieren und Service-Applikationen bereitstellen, die rund um die Uhr Hilfe und Orientierung bieten. Genau das bietet eben die 115-Hotline nicht. Wer soziale Netzwerke im Bürgerdialog einsetzt, macht die Kommunikation direkter, persönlicher und weniger hierarchisch. Daran ist die Bundesregierung doch überhaupt nicht interessiert. Man will alles schön unter Kontrolle halten.
„Die Welle der Empörung gegen die Disco-Tarif-Erhöhung der GEMA ist grade etwas abgeflaut, da droht neues Ungemach: Zum 1. Juli 2012 erhöhen sich die Tarife für USB-Sticks und Speicherkarten. Statt bislang 10 Cent pro Stick oder Karte wird künftig nach Größe und Art unterschieden. In den letzten Wochen entschied die Schiedsstelle des Patentamtes in München zu Gunsten der Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ). Der alte Vertrag mit den Herstellern war 2011 ausgelaufen, die Verhandlungen scheiterten und die GEMA machte das, was sie dann immer tut: Sie veröffentlicht die neuen Tarife einseitig, so dass die Gegenseite zur Feststellung der Rechtmäßigkeit zum Patentgericht gehen kann. Bei der Abgabe auf Leermedien handelt es sich nicht um eine neue Erfindung: Seit 1963 erhebt die ZPÜ diese Gebühr. Jeder, der irgendwann mal ein Tonband oder eine Leer-Cassette kaufte, einen CD- oder DVD-Rohling, hat sie schon über den Ladenpreis entrichtet. Bislang waren die Tarife mit 0,10 Euro je Stick/Karte einheitlich, ab 1. Juli wird zunächst einmal nach Größe, dann aber auch nach Art des Mediums unterschieden. Für USB-Sticks mit einer Kapazität bis einschließlich 4 GB müssen künftig 91 Cent abgeführt werden, USB-Sticks mit einer Speicherkapazität größer 4 GB schlagen mit 1,56 Euro zu Buche. Speicherkarten bis 4 Gigabyte kosten ebenfalls 0,91 Euro, über 4 GB sind 1,95 Euro zu berappen.“
„Wofür steht eine Kursexplosion in den ersten Handelstagen? Für eine Unterbewertung des Unternehmens vor dem Börsengang, einem zu günstigen Zeichnungspreis. Die Konsortialbanken haben bei dem Facebook IPO ihre Hausaufgaben gemacht, wie auch Patrick Bernau und Martin Hock in einem Kommentar auf FAZ.net schreiben. Die Erstzeichner der Aktie wurden ausgereitzt. Solange die Investmentbanken Zeichner finden, die für den Ausgabepreis von 38$ zuschlagen, haben sie ihre Arbeit doch ausgezeichnet erledigt. Banken und Facebook sind glücklich. Es haben sich anscheinend genügend Muppets gefunden, die bereit waren diesen Preis zu zahlen, da kann man niemandem einen Vorwurf machen.“
„Bei dem Hype dabei zu sein und als einer der ersten Facebook-Anteile in der Hand zu halten wurde durch die Berichterstattung noch einmal verstärkt. Dabei wurden die Anleger wohl von der Gier und dem Gedanken getrieben, schlauer als die Konsortialbanken zu sein. Das melken der Erstzeichner und das ausgebliebene Kursfeuerwerk mussten die Banken in den ersten Handelstagen durch Stützungskäufe allerdings schon teuer bezahlen.“
Sein Fazit:
„Vielleicht werden die letzten in diesem Fall die ersten sein. Wenn der Kurs der Aktie einen soliden Boden findet und der Anfangshype verflogen ist, dann dürften auch die langfristig orientierten Anleger über einen Kauf nachdenken. Die gesamten Leerverkäufe, Short Squeezes und Stützungskäufe verhindern eine solide Kursfindung noch.“
„Mark Zuckerberg hat von Anfang an gesagt, dass er den Börsengang umsetzen wolle, um die Weiterentwicklung seines Unternehmens als soziales Netzwerk sicherzustellen. Deshalb sind auch die eingereichten Aktionärsklagen wegen des Kursrückganges in den vergangenen Tagen nicht sachgemäß. Zuckerberg hat selbst vor dem Hype gewarnt und noch Tage vor dem Börsenstart klar auf die langfristige Ausrichtung seines Konzerns hingewiesen. Die Kurzfrist-Spekulanten fallen jetzt auf die Nase. Wer für die Aktie für 40 Dollar gekauft hat, erlebt ein böses Erwachen. Facebook ist kein Zockerpapier für schnelle Gewinne. Der Kursverlust ist eine gute Option, um Aktien zu kaufen für eine langfristige Perspektive“, so Land. Ähnliches konnte man auch beim Börsenstart von Google beobachten. Auch da hätten die Analysten von einem Kauf abgeraten und vor dem Google-Gaga-Effekt gewarnt. Mittlerweile habe sich der Wert der Google-Aktie verfünffacht. Das sei auch nicht über Nacht entstanden und brauchte seine Zeit.
„Guter Artikel, der meine ersten Gedanken beim Lesen des Artikels von Gaede aufgreift. In der ganzen Diskussion um unser Urheberrecht wird selten davon gesprochen/geschrieben, dass die Verwerter in der Regel nicht auf der Seite der Urheber stehen. Im Gegenteil, wenn man die letzten Jahre in der Verlags-, Fernseh- und Werbebranche beobachtet hat. Stichworte: Buyout-Verträge, angemessene Vergütung,…“
Beim Social Media Marketing dominiert nach einem Bericht von t3n (E-Commerce-Studie 2012: Wie deutsche Onlineshops SEO, SEA und Social Media einsetzen) wenig überraschend weiterhin Facebook. „Mit großem Abstand folgen dann Twitter und Google+. Hier sind die Unterschiede in der Herangehensweise der einzelnen Shops aber auch noch sehr deutlich. Während beispielsweise Elektronikshops wie Apple oder TomTom sehr stark im Social Web präsent sind, ist die Sichtbarkeit in anderen Branchen wie Kosmetik, Arzneimittel oder Heimwerker noch sehr gering.“
Warum kurz nach dem Börsenstart von Facebook schon die Sterbeglöcklein für den Zuckerberg-Konzern ertönen, ist nicht nachvollziehbar. Selbst die Kursrückgänge in den vergangenen Tagen sind kein Grund, in den Jammer-Chor von Bild und Co. einzustimmen. Mit was hat man denn gerechnet? Kurzfristige Rendite einheimsen in Daytrading-Zocker-Manier? Das ist doch in den vergangenen drei Jahren immer kritisiert worden.
Der Börsengang wird von Kritikern mit Spott und Häme bedacht, die schon vorher mit dem weltweit größten Social Network auf Kriegsfuß standen, wie der Datenschützer Thilo Weichert (Weichert, nicht Facebook hat ein Problem).
Kurz vor dem Niedergang der New Economy vor 12 Jahren schrieb übrigens die Bild-Zeitung noch, dass man Aktien kaufen solle.
„Wenn die eine ‚Kaufempfehlung‘ abgeben, sollte man das Gegenteil tun. Jetzt publiziert das Boulevardblatt das Gegenteil und wertet den Börsengang bereits als Flop. Das ist natürlich Unsinn. Genau das Gegenteil ist der Fall. Facebook konnte die Kassen füllen, was auch für die Aktionäre gut ist. Jetzt kann der Konzern nachhaltig seine Geschäftsstrategie entwickeln. Mark Zuckerberg hat von Anfang an gesagt, dass er den Börsengang umsetzen wolle, um die Weiterentwicklung seines Unternehmens als soziales Netzwerk sicherzustellen. Deshalb sind auch die eingereichten Aktionärsklagen wegen des Kursrückganges in den vergangenen Tagen nicht sachgemäß. Zuckerberg hat selbst vor dem Hype gewarnt und noch Tage vor dem Börsenstart klar auf die langfristige Ausrichtung seines Konzerns hingewiesen. Die Kurzfrist-Spekulanten fallen jetzt auf die Nase. Wer für die Aktie für 40 Dollar gekauft hat, erlebt ein böses Erwachen. Facebook ist kein Zockerpapier für schnelle Gewinne. Der Kursverlust ist eine gute Option, um Aktien zu kaufen für eine langfristige Perspektive“, sagt Karl-Heinz Land von Microstrategy.
Ähnliches konnte man auch beim Börsenstart von Google beobachten. Auch da hätten die Analysten von einem Kauf abgeraten und vor dem Google-Gaga-Effekt gewarnt. Mittlerweile habe sich der Wert der Google-Aktie verfünffacht. Das sei auch nicht über Nacht entstanden und brauchte seine Zeit. Im Konzert des Wehklagens habe ich die Gegenmeinung von Land etwas ausführlicher eingefangen.
Vielfach wird ja eine Versachlichung der Urheberrechts-Debatte verlangt, um konstruktiv nach Lösungen zu suchen. In den Thesenpapieren von SPD und Piraten gibt es da ja schon ein paar Anknüpfungspunkte – man wird ja bescheiden. Trotzdem leiden immer noch einige Adepten der Printindustrie unter unerklärlichen Sprech-Durchfällen. Einen aktuellen Fall greift der Dienst Meedia unter der Überschrift „Gaedes Wutrede gegen das Freibeutertum“:
„Peter-Matthias Gaede zieht gegen die Gegner des Urheberrechts ins Feld: Der Geo-Chef hat eine Erklärung verfasst, in dem er die Chefredakteure in Deutschland dazu aufruft, den Wert des geistigen Eigentums offensiv zu verteidigen. Immer mehr Musiker, Autoren und Künstler bezögen Position „gegen das Freibeutertum“, nur die Chefredakteure schwiegen bislang. Gaede schweigt nicht – und trommelt nicht nur für das Urheberrecht, sondern auch und vor allem gegen dessen Verächter.“
In dem Pamphlet von Gaede geht es dann richtig zur Sache:
„Vielleicht sind Sie, wie ich, der Meinung, dass es Zeit ist, eine vernehmbare Stimme in dieser Diskussion zu werden.“ Es sei an der Zeit, jenen entgegenzutreten, die, wie die Piratin Julia Schramm, den Begriff des geistigen Eigentums als ‚ekelhaft‘ bezeichnen. „Dass es Zeit ist, jenen zur Seite zu stehen, die, wie die Unterzeichner des Aufrufs ‚Wir sind die Urheber‘, einer denunziatorischen Reaktion ausgesetzt sind.“
Hm, G wie Geo, G wie Gaede. Da sage ich nur, G wie Google und mal nachgeschaut, was noch in meinem Langzeitgedächtnis verankert ist. Richtig: Freier Autor klagt gegen Geo und gewinnt. Nachzulesen bei Niggermeier in seinem Blogpost „Gericht erklärt Geo: Autoren haben Rechte“.
„Christian Jungblut hätte dankbar sein sollen, dass sein Text von der Geo-Redaktion überarbeitet und in so vielen Details geändert wurde, dass von seinem Schreibstil nichts übrig geblieben war. Der Anwalt von Gruner + Jahr teilte dem freien Journalisten mit, dass sein Manuskript von niemand geringerem als ‚einer Preisträgerin des 1. Preises beim Henri-Nannen-Preis 2008 — bekanntlich dem Nachfolger des Kisch-Preises — redigiert wurde‘. Auch Peter-Matthias Gaede, der Chefredakteur von ‚Geo‘, sei ‚als ein Preisträger des 1. Preises beim Kisch-Preis 1984 (…) sicherlich über jeden Zweifel erhaben‘. Jungblut selbst hingegen hat nur einen 3. Platz beim Kisch-Preis 1986 vorzuweisen. Es geht aber gar nicht um die Frage, ob die Reportage, die Jungblut für Geo über den Deichbau in den Niederlanden geschrieben hat, nach der gründlichen Änderung durch die Redaktion besser war als vorher. (Seine blasse Erzählweise sei durch einen lebendigen und plastischeren Stil ersetzt worden, argumentierte der Verlag vor Gericht.) Es geht um die Frage, ob Jungblut als Urheber ein Recht darauf hat, dass sein Werk nicht gegen seinen Willen in einer massiv veränderten Form veröffentlicht wird“, schreibt Stefan Niggemeier.
Das Landgericht Hamburg entschied gegen Gruner + Jahr (308 O 78/10): Es untersagte dem Verlag, den entsprechenden Artikel aus Heft 12/2009 weiter zu verbreiten. Entscheidend für das Urteil war dabei nicht die Zahl der Preise, sondern das Urheberpersönlichkeitsrecht, das dem Urheber das Recht gibt, „eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden“.
Wie Gaede mit freien Autoren umgeht, kann man in der Niggemeier-Story sehr schön nachlesen. Da steigt bei mir der Wutpegel. Heuchelei hoch drei, Meister Gaede.
Hier schon mal ein Vorgeschmack: Es sei nicht eine einzelne Technologie, so Rieger, die zu den Umwälzungen beiträgt, sondern die Kombination und gegenseitige Potenzierung paralleler Entwicklungen. Dieser digitale Tsunami könnte ganze Branchen umpflügen und selbst qualifizierte Berufe wegspülen:
„Es sind nicht länger nur die Fließbandarbeiter, deren Job durch einen Roboter ersetzt werden kann. Es sind auch Buchhalter, Anwälte, Personalentwickler, Marketingmitarbeiter, sogar Journalisten und Wissensvermittler, also Lehrer und Professoren, die sich Sorgen um ihr berufliches Arbeitsfeld machen müssen. Diese Veränderungen sind nicht nur rein technischer Natur, die Kombination von Vernetzung, Computerleistung und einer Umgewöhnung der Kunden schafft einen qualitativen Sprung, und das kann sehr schnell dramatische Auswirkungen haben – wie etwa das Beispiel der verschwindenden Reisebüros zeigt“, erläutert Rieger.
Eine Verbrauchssteuer für Algorithmen?
Wie könnten also Wirtschaft und Gesellschaft weiter funktionieren, wenn immer weniger Menschen noch eine dauerhafte Arbeit haben, die gut genug entlohnt wird, dass davon Steuern, Sozialversicherungs-, Renten- und Krankenkassenbeiträge gezahlt werden können? Der Vorschlag des Chaos Computer Club-Sprechers klingt auf den ersten Blick logisch: Ein schrittweiser, aber grundlegender Umbau der Sozial- und Steuersysteme hin zur indirekten Besteuerung von nichtmenschlicher Arbeit und damit zu einer Vergesellschaftung der Automatisierungsdividende.
Was heißt das konkret?
Eine Steuer auf den Konsum von Künstlicher Intelligenz, eine Luxusabgabe für den Einsatz von besonders leistungsfähiger Software oder eine höhere Mehrwertsteuer für Algorithmen? Bei indirekten Steuern wird die Steuer über den Preis einer Ware oder Dienstleistung erhoben. Problem: Jeder Verbraucher wird unabhängig von der Höhe seines Einkommens mit einem annähernd gleichen indirekten Steuerbetrag belastet wird – das Prinzip der Leistungsfähigkeit bleibt auf der Strecke.
An dieser Stelle muss Rieger etwas konkreter werden und sich mal äußern zur Frage der Steuergerechtigkeit.
Rieger-Manifest ohne empirisches Fundament
Aber nicht nur an dieser Stelle gibt es Klärungsbedarf über das Manifest für eine Sozialisierung der Automatisierungsdividende:
„Es ist richtig, dass wir Fortschritte in der IT haben – auch in der Automatisierung. Die Diskussion ist aber viel älter als es scheint. Es geht schon los in der Science Fiction von 1842, wo darüber spekuliert wird, dass Maschinen die menschliche Arbeit übernehmen und die der Einsatz von Menschen nur noch eine Option sei. Und wir finden das auch in der klassischen marxistischen Lehre, der die Welt in Proletarier und Bourgeoisie einteilt, wo das Innehaben von Produktionsmitteln zu einem Mehrwert führt. Das kann man analog zur Dividendentheorie von Rieger betrachten. Der Computer als Produktionsmittel erzeugt einen Mehrwert, der den Kapitalisten zufällt. Dieses Gedankengut ist 150 Jahre alt. Danach hatten wir ähnliche Diskussionen in den 1970er Jahren über Rationalisierung und Humanisierung der Arbeitswelt. Da hat man schon versucht, die tayloristischen Prozesse in den Fabriken menschenfreundlicher zu gestalten und das hat ja zu Dingen wie das Betriebsverfassungsgesetz, der Arbeitsstätten-Verordnung, Gesundheitsregeln und kollektiven Arbeitszeitregeln geführt. Was wir jetzt im Zusammenhang mit Computern diskutieren, hat bereits mit dem Beginn der Industrialisierung angefangen“, so der Internet-Berater Christoph Kappes im Gespräch mit Service Insiders.
Leider bleibe Rieger bei seinen Thesen auf einem feuilletonistischen Niveau, ohne empirische Belege zu liefern. Wenn es beispielsweise um maschinelle Textgenierung gehe, beschäftigt man sich in der Regel mit Daten, denen keine weiteren Informationen hinzugefügt werden.
Rieger sage einfach nur, Maschinen machen Arbeiten, die bislang von Menschen erledigt wurden, also werden die Menschen arbeitslos: Das sei falsch. Die gesamte Geschichte der technischen Industrialisierung belege das Gegenteil. In Dienstleistungsberufen arbeiten heute rund 70 Prozent der Beschäftigten. Das hätte Karl Marx nie für möglich gehalten. Arbeit wurde nur in industriellen Kategorien gedacht. Selbst der geistige Vater der Marktwirtschaft, Adam Smith, wertete die Arbeit von Kirchenmännern, Anwälten und Ärzten als „unproduktiv und ohne Wert“.
„Die geschichtliche Evidenz steht im Widerspruch zu den Thesen von Rieger. Müssen sich nun Professoren, Lehrer und Marketingmanager Sorgen um ihre Zukunft machen? Das Internet bietet Informationen, die vorher so nicht verfügbar waren. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass diese Informationen in Wissen transformiert werden. Beim Wissen geht es um tiefes Verstehen, um Ad-hoc-Nutzen, um Anwendungsorientierung und um die Entwicklung von Intuition. Da geht es um menschliches Wissen und nicht nur um maschinelle Informationen. Hier wirkt sich das Internet nicht als negativer Indikator aus. Wir haben Datenrohmaterial und müssen das in Wissen ummünzen. Es gibt sicherlich Fortschritte beim E-Learning. So findet man alle Vorlesungen des MIT auf Youtube. Bestimmte Frontalvorlesungen werden nicht mehr belegt. Es kommt darauf an, wie soziale Systeme auf diese Entwicklungen reagieren. Es muss ja nicht zu einer Reduktion der Professorenstellen führen. Spitzenvorlesungen kann man heute im Netz abrufen. Man könnte jetzt die Anforderungen erhöhen, die Professoren erfüllen müssen. Professoren können mehr forschen und in den direkten Dialog mit Studenten treten. Das führt zu einer Beschleunigung der Wissensaufnahme. Dieser Effekt ist sehr positiv. Die Entscheidung über einen Stellenabbau liegt bei uns. Deshalb verstehe ich die Maschinenlogik von Frank Rieger nicht. Unser Anspruch wird sein, dass noch mehr Wissen in die Köpfe kommt. Es ist zum Teil gar nicht belegbar, ob Maschinen wirklich zu einer Steigerung der Produktivität beitragen“, erläutert Kappes.
Steigert Informationstechnologie die Produktivität?
Erinnert sei an das Paradoxon der Informationstechnologie.
„Bis zum Jahr 2000 gab es keine belastbaren Studien, die den Produktivitätsfortschritt durch den Einsatz der IT untermauern. Wenn in Konzernen bei einem IT-Kostenanteil von 50 Prozent eine Fehlallokation auftritt, müssen die IT-Investitionen in die Tonne getreten werden. Macht man alles richtig, können die 50 Prozent IT-Kosten sich als hervorragender Hebel erweisen. So einfach ist das alles nicht. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Informationstechnologie immer zu einem Produktivitätsfortschritt führt, treten Kompensationseffekte auf. Es fallen die Preise und auf der Kundenseite steigt das Realeinkommen. Das sehen wir bei ja bei Software. Da hat Rieger wirtschaftlich überhaupt nicht nachgedacht. Es gibt immer zwei Möglichkeiten: Sinkende Priese führen zu einem höheren Realeinkommen und Wohlstand der Verbraucher. Oder der Preis bleibt gleich und es steigt die Leistungen, wie man es bei PCs beobachten kann. Die Theorie, dass die Maschinen-Dividende beim Unternehmen bleibt, halte ich für Unsinn“, so das harte Urteil von Kappes.
Zwei Bergsteiger auf dem Weg zum Mond und der Nutzen marxistischer Ökonomie
Ebenso skeptisch beurteilt Dr. Gerhard Wohland, Leiter des Instituts für dynamikrobuste Höchstleistung, die Weissagungen von Rieger:
„Aussagen über die Zukunft haben eines gemeinsam, sie sind nur zufällig richtig. Die Welt ist keine Maschine, bei der sich die Zukunft aus der Vergangenheit ergibt. Die Zukunft der Welt ist grundsätzlich offen.“
Auch Wohland sieht die Analogien zu Karl Marx.
„Das ist löblich, aber selbst dieser große Denker konnte die Zukunft nur durch ein Schlüsselloch sehen. Auch machen es die vielen Geister im Text schwer zu ergründen, was der Autor eigentlich meint. Wer zum Beispiel ist ‚Wir‘? Die Profiteure, die Leidenden, der Autor und ich als Leser, oder alle zusammen? Wer ist ‚der Mensch‘? Es hat den Anschein, es ist eine Person, die handelt und denkt und sich an Kommunikation beteiligt. Hat ihn, ‚den Menschen‘, schon jemand gesehen? Nein, es sind Geister“, erwidert Wohland vom Ityx-Thingtank.
An der Diskussion, ob „der Computer“ „den Menschen“ eines Tages überflügeln werde, möchte Wohland sich nicht beteiligen. Denn sie sei ähnlich spannend wie die Diskussion zweier Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel über die Frage, ob man gerade auf dem Weg zum Monde sei.
Wohland empfiehlt weiteres Nachdenken:
„Eine vollautomatische Produktion kann keinen ökonomischen Wert erzeugen und damit auch keinen Profit. Beispiel: die Produktion des allgemein zugänglichen Luftsauerstoffs. Kein Wert, kein Preis, kein Profit. Profit wird also immer von Menschen produziert. Maschinen schaffen keinen Wert, sie übertragen ihn nur auf Produkte. Deshalb hilft gegen die Verelendung der Produzenten nur deren Organisierung. Wenn ein ‚Wir‘ entsteht, kann die Herstellung von Profit verweigert werden. Diese Gewalt kann Interessen durchsetzen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine verstaubten Kenntnisse der marxistischen Ökonomie nochmal brauchen könnte.“
„Je höher der Bildungsgrad der durch Echtzeitalgorithmen ersetzbaren Berufsstände, desto größer die Einsicht in die offensichtliche Eigendynamik der Innovationsintensität, hoffentlich verbunden mit energetischen Initiativen, die die notwendigen Veränderungen des Steuersystems mit Verve und Expertise voran treiben.“
Entscheidend sei jetzt die breite und vorausschauende öffentliche Diskussion über einen finanzierbaren und wünschenswerten Gesellschaftsentwurf, in dem Kreativität, soziales Engagement und familiäre Sorge eine überraschende neue Aufwertung erfahren könnten.
Unabhängig von den volkswirtschaftlichen Verwerfungen, die Frank Rieger nicht mit Fakten untermauert, rechnet auch Bernhard Steimel von der FutureManagementGroup mit gewaltigen Verschiebungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Ein wichtiger Zukunftstrend sei die wachsende Autonomie der Verbraucher.
„Das Internet bietet heute schon dem vernetzten Kunden vielfältige Möglichkeiten, um Social Software und das Expertenwissen seiner Peers zu nutzen. Serviceautomatisierung und Selbstberatung sind aus meiner Sicht zwei Seiten der gleichen Medaille und haben die Tendenz, sich gegenseitig zu verstärken. Das wird von vielen Führungskräften in seinen Auswirkungen zuweilen unterschätzt. Oftmals befinden sie sich in der Kurzfrist-Falle und richten ihre Entscheidungen an den Erfordernissen des Tagesgeschäfts aus. Unsere Erfahrung zeigt, es lohnt sich, den Blick in die nächste Ära des eigenen Geschäfts zu richten, um Zukunftschancen frühzeitig zu nutzen, bevor krisenhafte Entwicklungen wie bei Videotheken oder Reisebüros eintreten, die nur noch wenig Handlungsspielraum bieten“, rät Steimel.
Hörfunkjournalist und Blogger Heinrich Rudolf Bruns hält eine Maschinensteuer in Kombination mit dem bedingungslosen Grundeinkommen für diskutabel. „Wer durch eine Maschine ersetzt wird und keine Angst mehr haben muss, dass er darbt, weil die Besteuerung der Maschine seinen Lebensunterhalt sichert, der kann sich auf Neues einlassen.“
Soweit die die unterschiedlichen Reaktionen auf den sehr sinnvollen Debattenbeitrag von Frank Rieger. Das Thema wird uns mit Sicherheit weiter beschäftigen. Vielleicht auch auf unserem Blogger Camp, dass wir (Heinrich Bruns, Hannes Schleeh, Bernd Stahl und icke) für den September planen. Näheres folgt in den nächsten Wochen.
Wer schon jetzt Lust verspürt, sich an den Vorbereitungen zu beschäftigen, kann sich direkt bei mir melden. Hier einfach einen kurzen Kommentar hinterlassen.