
Alles gut gelaufen am ersten Cebit-Tag. Auch die netzökonomische Käsekuchen-Runde, die diesmal ein Apfelkuchen-Diskurs war.
Was heute los ist, könnt Ihr hier live verfolgen.

Alles gut gelaufen am ersten Cebit-Tag. Auch die netzökonomische Käsekuchen-Runde, die diesmal ein Apfelkuchen-Diskurs war.
Was heute los ist, könnt Ihr hier live verfolgen.

Damit nicht noch der Johannes Mirus anklopft, um fünf Euro für die Ironblogger einzutreiben, schreibe ich nach dem ganzen Orga-Stress für die Next Economy Open schnell noch einen Text. Die #NEO15 ist vorbei. Jetzt wieder Kräfte sammeln, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten, Rückmeldungen aufzunehmen, Vorschläge für die #NEO16 zu sammeln und Statements für die Next Economy journalistisch zu beackern. Ja, liebe Netzpiloten, ich schicke Euch heute im Laufe des Tages wieder ein Opus. In einer ordentlichen Dokumentation, die wir für alle NEOs und künftigen NEOs zettelkastenmäßig digital kuratieren, werden wir uns noch einmal bei allen Akteuren bedanken.
In dem ganzen Trubel bin ich nicht dazu gekommen, auf den nächsten Livestreaming-Workshop hinzuweisen, den wir – also der Kai Rüsberg aka @ruhrnalist und icke – am Samstag, den 28. November machen wollen. Start 11 Uhr. Ende: Wie Ihr lustig seid.
Um die Technik nicht durch die Gegend schleppen zu müssen, machen wir dat Janze einfach bei uns Zuhause. Bibliothek ist groß genug. VDSL ist vorhanden mit 12 Mbit/s Upload, wenn gewünscht auch Käsekuchen und sonstige Nervennahrung. Auf Facebook gibt es bislang eine Anmeldung – meine eigene. Klaro, hab ja auch die Eventseite kreiert. 8 bis 10 Teilnehmer wären optimal. Weniger geht auch, dann bekommt der Kai komplett die Einnahmen, denn er muss sich ja von Bochum in die Bundesstadt begeben. 50 Euro haben wir als Unkostenbeitrag angesetzt für den Tagesworkshop. Hoffe, dass ist ok.
Programm bestimmen die Teilnehmer – wir können für Euch Formate entwickeln, Moderationen und Interviews trainieren, Dinge live ausprobieren, in Duisdorf Reportagen produzieren, in Gadgets wühlen und uns mobile Studios für den Hausgebrauch basteln.
Hier nur eine kleine Richtschnur für den Workshop:
Kommunikation mit Laptop und Smartphone. Einführung: Wie gehe ich auf Sendung.
Abschluss-Diskussion: Zwischen Hochformat, Schlaf-TV und mobilen Einsätzen.
Die Anmeldung ist verbindlich.
Referenten:
Kai Rüsberg (Bochum): Diplom Sozialwissenschaftler (Ruhr-Universität). Freiberufler. Seit 1993 beim WDR Hörfunk und Fernsehen, Ressorts u.a.: Politik, Wirtschaft, Investigativ. Schulungsleiter für “mobile journalism”. Privatdozent an der Westfälischen Hochschule für Kommunikationspolitik im Wirtschaftingenieurswesen. Freier Videoproduzent;
Gunnar Sohn (Bonn): Diplom-Volkswirt (FU Berlin). Freiberufler. Wirtschaftspublizist, Buchautor, Blogger, Moderator und Kolumnist. Leidenschaftlicher Barcamper und Wanderer zwischen den Welten.
Warum ich Livestreaming-Formate so mag, habe ich im The European-Debattenmagazin beschrieben:
Der TV-Journalist Richard Gutjahr hat die Devise aufgebracht, dass Livestream der neue Mainstream sei. Mit den mobilen Diensten Periscope – von Twitter aufgekauft – und Meerkat hat sich in diesem Jahr in der Tat einiges verändert. Man startet mit dem Smartphone die App, drückt auf Senden und schon geht die Übertragung los. Mit Dritt-Anbietern wie katch.me lassen sich die „Stream your Life“-Aufnahmen speichern, ohne die eigene Mediathek in Anspruch zu nehmen und wertvollen Speicherplatz auf den mobilen Geräten zu blockieren sowie ohne Notwendigkeit des Hochladens auf Youtube oder Facebook – das Einloggen läuft über den eigenen Twitter-Account.
Aseptische Imagevideos zum Wegklicken
Der Charme dieser Spontan-TV-Applikationen liegt in der Schnelligkeit. Echtzeitkommunikation mit Interaktionsmöglichkeiten: Live, ungeschminkt, ohne Teleprompter und verfälschende Postproduktionen mit Anwendungen wie Final Cut. Viele liebwerteste Gichtlinge in der Unternehmenskommunikation neigen zu Schönwetter-Filmchen, wo die Akteure ihr weltweit führendes und gut aufgestelltes Plastikdeutsch ins Mikrofon stottern. Aseptische Imagevideos zum Wegklicken. Wer gebaute Beiträge mag, kann das ja machen und sich stundenlang mit der Videobearbeitung herumschlagen. Mich interessiert das nicht sonderlich. Bei längeren Gesprächsrunden lade ich ab und zu via ClipGrab die Audiospur herunter und packe die Datei als Podcast für die Badewanne und für längere Bahn- oder Autofahrten auf Soundcloud. Wird immer wieder so gewünscht. Sind Ereignisse planbar, wie die IBM BusinessConnect in Köln oder die Next Economy Open in Bonn, bevorzuge ich nach wie vor den Google Dienst Hangout on Air für die Liveübertragung.
Google könnte mehr tun
Ist das schnell und mobil? Die Hangout-App sicherlich nicht. Sie ist in die Jahre gekommen und wird von Google sträflich vernachlässigt. Videokonferenzen sind wie bei Skype möglich. Schickt man den Zugangslink zum Live-Hangout an ein Smartphone, gehen auch Außenreportagen. Dabei wäre ohne großen Entwicklungsaufwand mehr drin: Mit der Youtube-Anbindung von Hangout on Air, einer Chatfunktion wie bei Periscope oder Meerkat und der Zuschaltmöglichkeit von weiteren Gesprächspartnern könnte Google sehr leicht an die Spitze der mobilen Livestreaming-Apps schießen.
Dennoch eignet sich Hangout on Air auch für mobile Szenarien. Periscope und Meerkat sind exzellent einsetzbar für spontane Stimmungsberichte, schnelle Sendekritik wie bei heute+ oder Making-of-Einblicke. Live-Hangouts punkten bei der nachhaltigen Wirkung von Ereignissen – linear gesendet mit einem Live-on-Tape-Effekt, da beim Start des Livestreams sofort der virtuelle Rekorder auf Youtube anspringt und die Konserve schon während der Ausstrahlung angelegt wird. Wer verspätet einen Hangout als Zuschauer anklickt, kann zurückspulen und danach wieder in den Live-Modus zappen. Mit einem Laptop, vernünftigen USB-Mikrofonen oder einem Audio-Interface wie das Scarlett 2i2 von Focusrite für XLR-Mikrofone, einer externen Webcam, guter Beleuchtung und schnellem Internet ist das Livestreaming-Studio für unterwegs innerhalb von zehn Minuten aufgebaut.
Über Google+ wird die Veranstaltungsseite für die Live-Übertragung eingerichtet und fungiert wie eine Landing-Page. Sehr praktisch ist der Kalender, mit dem man Live-Hangouts terminieren kann. Es ist allerdings noch nicht möglich, eine Sendung für das Jahr 3995 zu fixieren. Zu diesem Zeitpunkt dürften wir das Merkel-Ziel der Gigabit-Gesellschaft erreicht haben, wenn wir uns beim Breitband-Ausbau weiterhin so anstrengen, wie in den vergangenen Jahren….. Für anstehende Konferenzen, Messen, Barcamps, Seminare, Lesungen, Workshops, Podiumsdiskussionen, Webinare und Kundenevents dürfte diese zeitliche Einschränkung kein Hindernis sein.
Eine neue Art der Improvisationskunst
Mich reizt das Unperfekte beim Livestreaming. Es gleicht der Improvisationskunst von Jazz-Musikern, schreibt Umberto Eco. Es werden Bilder erzeugt und zur Ansicht gebracht ohne die Möglichkeit der Wiederholung. Als Operator stürzt man sich in ein Gestaltungsabenteuer. Es geht um Zufall, Handlung und Überraschungen.
Man hört, sieht und streamt sich 🙂
Passt die Meldung, Johannes?

Auf Twitter und Facebook tobt gerade eine Disputation über Sinn und Unsinn von Livestreams bei Barcamps.
Ein Gegenargument von Astrid Christofori: Livestreaming zerstöre die “Illusion” des geschützten Raums. Mit der Dauerhaftigkeit des Abrufs durch den gespeicherten Stream gehe zudem die Leichtigkeit und Flüchtigkeit der Gespräche verloren. Also doch lieber ungestörte Hinterzimmer-Romantik? Tweets, Fotos, Blog-Berichte, Facebook-Postings sind weniger öffentlich? Livestreaming führt zu weniger offenen Diskussionen? Hab ich so nie erlebt. Das überzeugt Jan Theofel nicht so ganz. Seine Meinung: Es sei schlicht so, dass es entweder einen Livestream gibt oder nicht.
Ihr Barcamp-Veranstalter, Veranstaltungsleute und Planer… @LivestreamFfm hat das Stream-Café eröffnet: http://t.co/NTHjpJekxn #protip
— Hobbbes (@Hobbbes) August 14, 2015
„Du wirst nie wissen, wie die gleiche Diskussion mit respektive ohne Livestream verlaufen wäre. Wir müssen als theoretisch erörtern, wie es vermutlich ist – erfahren oder gar messen können wir es nicht.“
Das gilt auch umgekehrt, Jan. Ein Zirkelschluss. Fällt also als Gegenargument weg. Du bist da vielleicht anderer Meinung, nicht mehr. Ich selbst habe Sessions mit und ohne Livestreaming durchgeführt. Die waren lebendig, diskussionsfreudig und auch tiefgründig, unabhängig von der Liveübertragung. Ist das ein Gegenbeweis? Nö. Es sind nur meine bescheidenen Erfahrungen.
Machen denn Livestreams auf Barcamps immer Sinn? Nicht die Bohne. Es kommt auf das Konzept und die Formatideen an. Technisch ist es ohnehin ein gigantischer Aufwand, in jedem Session-Raum Livestreaming überhaupt anzubieten – von der Breitbandigkeit mal ganz abgesehen.
Aber bei Barcamps „geschützte Räume“ zu beanspruchen, halte ich unabhängig von Liveübertragungen schon für etwas merkwürdig. Jedes Foto, jeder Tweet oder jedes Facebook-Posting von öffentlichen Veranstaltungen kann eine ähnliche Wirkung erzielen wie Livestreams. Erinnert sei nur an die Replik eines CDU-Beraters auf Twitter, ob denn die Kanzlerin bei Ihrem Live-Hangout-Format für Bürgerdialoge über eine Sendelizenz verfügt 🙂
Gute Argument hat Sebastian Greiner vom Stream-Café gebracht:
„Wenn man mich fragt, warum ich Liveübertragungen und Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen mache, sage ich immer, dass es mir um das Teilen von Wissen geht. Dies live zu tun, hat den Vorteil, dass man auch direkt Feedback bei einer Veranstaltung erhalten kann (z.B. über Twitter) und nicht erst in den YouTube-Kommentaren. Außerdem ermöglicht man Menschen eine relativ direkte Teilnahme an Veranstaltungen, auf denen sie aus verschiedenen Gründen nicht selbst anwesend sein können. Das kann räumliche Entfernung oder auch eine fiese Erkältung sein.
Was man live mitschneidet, kann man auch direkt aufzeichnen und weiter verwerten. Bei der re:publica in Berlin z.B. gehen die Vortragsvideos noch während der Veranstaltung online zu YouTube, wobei auch hier nur eine der vielen gleichzeitigen Sessions live übertragen wird, aber zumindest alle Sessions aufgezeichnet.
Grundsätzlich gehe ich bei Menschen, die einen Vortrag halten, oder eine Diskussionsrunde zu Politik und Gesellschaft führen, davon aus, dass sie wollen, dass ihre Meinung gehört wird. Warum sonst sollte ich mich vor ein Publikum auf die Bühne stellen? Ich gehe dementsprechend auch davon aus, dass Vortragende es für gut heißen, wenn ihr Vortrag auch dauerhaft einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt wird.“
Es geht doch um die Anschlussfähigkeit von offenen Formaten, um die Kultur des Teilens, um Transparenz jenseits von irgendwelchen exklusiven Konferenzen wie Bilderberg oder Weltwirtschafftsforum in Davos, wo man unter sich bleiben will.
„Regel“ für den Live-Hangout: Es gilt das gesprochene Wort 🙂 Autorisierungen, Veränderungen oder gar Löschungen sind nicht möglich. Das Gespräch findet live und ungeschminkt statt. Hashtag zum Mitdiskutieren #BCDebatte

Braucht man in Deutschland für Periscope und Meerkat eine Rundfunklizenz, fragt sich Daniel Fiene in seinem Blog und bringt eine wichtige Klarstellung:
„Dazu eine kleine Beobachtung: Als vor ein paar Tagen ein Artikel zu dieser Frage von Süddeutsche.de durch das Netz gereicht wurde, ist der Artikel mit Sätzen à la ‚Medienwächter fordern Rundfunklizenz für Live-Stream-Apps‘ von anderen beworben worden. Immer wenn es irgendwas mit Live-Video oder Live-Audio im Netz gibt, folgt dieser Reflex: Medienwächter fordern Lizenz! Wenn man aber mal genau hinhört, was die Rundfunkanstalten sagen, dann klingt das ganz anders: Sie wollen nicht ‚mit Kanonen auf Spatzen‘ schießen – gerade wenn experimentiert wird. Bei professionellen Angeboten würden sie auf Jugendschutz und Einhaltung der Werberegeln halten. Ein Problem: Die Medienanstalten sind dazu verpflichtet, auf Einhaltung der Mediengesetze zu achten. Sie lassen deswegen oft durchblicken, dass sie sich von der Politik wünschen, die Rundfunk-Definition so anzupassen, dass es nicht ständig mit neuen Entwicklungen im Netz kollidiert.“
Sueddeutsche.de hätte sich mal unser Interview mit Jürgen Braumeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM), anschauen sollen 😉
Brautmeier plädiert für sinnvolle Übergangsregelungen bei der Bewertung von Liveübertragungen ins Netz:
„Wir dürfen die Community nicht dafür abstrafen, dass die Regeln des Rundfunkstaatsvertrages nicht mehr zeitgemäß sind.“
Sinnvoll wäre eine abgestufte Regulierung:
„Das ein klassischer Fernsehsender eine Rundfunklizenz braucht, ist wohl unbestritten. Bei einem einzelnen Blogger oder einer Gruppe muss es zu einer anderen Behandlung kommen. Wir müssen das Medienrecht novellieren und vernünftige Zwischenlösungen finden. Das gilt auch für die Öffentlichkeitsarbeit von Regierungen und Parlamenten. Wir müssen von einer Ex-ante-Regulierung zu einer Ex-post-Regulierung kommen. Erst einmal die Dinge laufen lassen und dann nachschauen“, so Brautmeier.

Trotz Hype interessiert sich angeblich niemand für die Livestreaming-Apps Periscope und Meerkat, die erst seit wenigen Wochen auf dem Markt sind. Zu dieser These versteigt sich zumindest Daniel Kuhn in einem Netzpiloten-Beitrag.
Etwas apodiktisch formuliert, aber anregend für tiefergehende Fachdebatten – etwa auf Facebook. Als Beleg für seine These stützt sich Kuhn auf die Zahl der Downloads. Beide Dienste müssten nach der medialen Welle eigentlich in den Appstores auf Spitzenplätzen liegen.
„Schaut man sich die Bestenlisten allerdings genauer an, muss man lange suchen, um die Apps zu finden. Laut App Annie ist die zu Twitter gehörende App Periscope in Deutschland nur auf Platz 329 und in den USA auf Platz 161 der beliebtesten iOS-Apps zu finden. Eine Android-Version gibt es bisher nicht. Der direkte Konkurrent Meerkat hat zwar bereits den Weg in den Google Play Store gefunden, belegt dort in den USA aber nur Platz 475 und unter den iOS Apps sogar nur Platz 1469.“
Als weiteren Indikator wählt Kuhn die Anzahl der Tweets, die spontane oder geplante Livestreams (was bei Meerkat möglich ist) anzeigen. Auch da sieht der Netzpiloten-Autor keine bemerkenswerte Ausschläge nach oben. Über die tatsächliche Entwicklung der Livestreams sagt diese Statistik nur bedingt etwas aus, da nicht alle Videoübertragungen über Twitter angezeigt werden – man hat die Wahlfreiheit.
Noch weniger sagt das Zahlenwerk von Kuhn über die Zuschauerquote und die Interaktionen via Chat aus. Und da gab es einen mächtigen Sprung nach vorne. Seit nunmehr drei Jahren schaue ich mir das Jedermann-TV-Phänomen über Angebote wie Hangout on Air und Co. an. Im Vergleich zum Google-Dienst haben Periscope und Meerkat zu einer Zuschauer-Explosion geführt – da kann der Anlass der Liveübertragung noch so profan sein, es schaut immer jemand zu. Gut vernetzte User wie Sascha Pallenberg schaffen mit spontanen Events regelmäßig 300 bis 400 Zuschauer – was beispielsweise Periscope an die Grenze der Server-Kapazitäten bringt. Ähnliches vollbringen auch andere bekannte Figuren der Netzszene wie Brian Solis oder Guy Kawasaki. Wer mal ohne Vorankündigung einen Live-Hangout über die Eventseite von Google Plus gestartet hat, weiß, welchen Qualitätssprung Periscope und Meerkat mit der Anbindung an Twitter geschafft haben.
Über Google Plus sitzt man häufig allein vor der Kamera und kann Selbstgespräche ohne jegliche Reaktion aus dem Social Web führen. Und selbst mit fleißiger Einladungspolitik gelingt es nur selten, fünf oder zehn Interessenten an die Bildschirme von stationären oder mobilen Bildschirmen zu bekommen. Nur die Aufzeichnungsfunktion via Youtube macht für mich Hangout on Air attraktiv, weil ich mir die aufwändige Postproduktion meiner Videos erspare – ich favorisiere ja die Quick-and-Dirty-Variante 🙂 Über Longtail-Effekte mit der komfortablen Einbettungsfunktion von Youtube kommt man dann auf Zugriffszahlen, die über Periscope und Meerkat liegen.
Den Nekrolog von Daniel Kuhn halte ich für falsch. Dennoch gibt es einige Sachargumente, die die Grenzen der Livestreaming-Apps aufzeigen:
Mein Kollege Kai Rüsberg hat einige Schwachpunkte zusammengetragen.
„Für die Massenkommunikation sind Meerkat und Periscope noch nicht geeigent. Bei 2800 Nutzern ist Schluss.“

Bei der Chatfunktion ist sogar schon viel früher das Ende der Fahnenstange erreicht.
Häufig ist die Liveübertragung schon beendet, ehe man irgendwas mitbekommt.
„Viele Nutzer sind zu sehr mit dem Kommentieren und Antworten beschäftigt, als dass sie sich um die Bildgestaltung kümmern“, so Kai Rüsberg.
Die Beschränkung auf Hochkant-Aufnahmen verschwendet nach seiner Ansicht die Bildschirmfläche mit Unwichtigem oder ungenutzten Flächen. Zudem erzeuge man damit eher einen Schlüsselloch-Effekt. Interviews mit mehreren Personen kann man getrost vergessen.
Bei zu viel Chat-Kommunikation ist kaum mehr ein sinnvolles Bild zu erkennen – zumindest bei Periscope, wo noch die dämlichen Herzchen die Übertragung stören.

„Die Bildqualität ist bislang viel zu schlecht. 480p ist Mindestanforderung für Miniplayer/Smartphone Bildschirme. 720p für professionelle Maßstäbe“, meint Kai Rüsberg.
Kai bringt auch positive Argumente:
„Spontane Livestreams eignen sich für Peer-Groups. Das hat bei #GNTM vor allem über Snapshat gut funktioniert, wo sich die Jugendlichen selbst ihre Freunde oder Bekannten als Berichterstatter gesucht haben. Das ist dann sehr authentisch. Als Instrument der direkten Kommunikation mit hoher Interaktion sind die neuen Dienste sinnvoll.“
Generell bewegt sich einiges beim Thema Livestreaming jenseits von aufwändigen Technik-Equipments und schwerfälligen Ü-Wagen.
„So sind neue Redaktionsdienste für Live-TV der großen Sender im Kommen: Reporter senden per Tagesschau-App oder Agenturen wie AP haben Dienste wie IRIS entwickelt, die zu mehreren Reportern schalten und per Intercom mit ihnen verbunden sind. Die Deutsche Welle steht vor der Einführung des Dienstes“, sagt Rüsberg.
Sein Fazit:
„Gut gemachtes Video-Livestreaming wird das große Ding in den nächsten Monaten, wenn es gut gemacht ist. Wer attraktive Streams anbietet, ist in der Lage Content auf die eigene Seite zu stellen, den kein anderer hat und der nicht so schnell kopiert werden kann. Er muß aber eine Weile abrufbar bleiben.“
Wer jetzt lamentiert, dass Livestreaming nicht funktioniert, hat die Power von gutem Live-Content nicht verstanden. Wir gehen auf Sendung.
Blick in die Redaktion von @HalloHerne http://t.co/tdfY14OcYm Ort unseres Live-Streaming Workshops 7.6.15 http://t.co/r0yjQjo1tI mit @gsohn
— @Ruhrnalist (@Ruhrnalist) May 16, 2015
Etwa am 7. Juni bei unserem Livestreaming-Workshop in Herne. Es gibt noch ein paar Karten.
Im Live-Hangout haben wir erläutert, was Euch erwartet.
Man hört, sieht und streamt sich 🙂

Mein Credo bei Videos lautet ja bekanntlich quick-and-dirty. Ohne großen technischen Aufwand, ohne High-End-Geräte und ohne aufwändige Nachbereitung in jeder Lebenslage Bewegtbilder produzieren. Das ist einer der Vorteile von Diensten wie Hangout on Air. Nachteil des Google-Dienstes: Man kann als Operator keine Livestreams via Hangout-App starten – oder nur mit einigen Tricks. Deshalb eignet sich für den mobilen Einsatz die Bambuser-App. Man aktiviert die Applikation und kann sofort mit einem Klick via Tablet oder Smartphone live senden.
Nachteil: Wenig Interaktion, weil kaum einer die Anwendung kennt. Die Entwickler der Meerkat-App (in Anlehnung an die putzigen Erdmännchen) haben einen besseren Weg gewählt: Login erfolgt mit dem Twitter-Account. Will man das Livestreaming sofort starten oder für später planen, reicht ein kurzer Titel, der sofort als Tweet in der eigenen Twitter-Timeline erscheint. Jeder Zuschauer wird am oberen Rand des Videos mit dem Account-Foto von Twitter angezeigt. Jeder Kommentar im Chat erscheint wiederum als Tweet der zuschauenden Follower und erhöht somit die Netzwerk-Wirkung sowie die Wahrscheinlichkeit, auf Twitter wahrgenommen zu werden.
Dank des Beitrages von Daniel Fiene im Zeitgeist-Blog der Rheinischen Post bin ich auf den knuffigen Livestreaming-Service gestoßen und habe direkt einen kleinen Versuch unternommen. Erster Eindruck: Ton und Bild sind exzellent. Die Interaktion mit den Zuschauern war sehr intensiv – das erreicht man mit dem Fragebutton auf der Google Plus-Eventseite bei Hangout on Air bislang nicht so richtig.
|LIVE NOW| #meerkat http://t.co/Kta0Gdj0lb
— gsohn (@gsohn) March 12, 2015
Bei Meerkat zählt das Echtzeit-Erlebnis, was man direkt mit anderen teilen kann. Nach der Liveübertragung ist es wohl möglich, einen kleinen Ausschnitt des Videos runterzuladen. Das hat bei mir allerdings nicht geklappt. Die App ist ja noch nicht so lange auf dem Markt und muss wohl erst kräftig getestet sowie verbessert werden.
Da ich Live-Videos mit der Möglichkeit der Speicherung sehr schätze, würde ich mir eine Wahlmöglichkeit bei Meerkat für die Archivierung wünschen. Aber da scheiden sich die Geister.

Roman Rackwitz betont den Live-Charakter und die direkte Dialogmöglichkeit über die Chatfunktion. Ich selbst sehe auch spontane Einsätze, die aber auch als Flaschenpost für die Zukunft noch Nachrichtenwert besitzen. Also das, was Hangout on Air auszeichnet und der Kommunikation ein Gedächtnis gibt.
Klar ist auch, das für jeden Livestream, der über die eigene Twitter-Timeline rauscht, ein interessanter Anlaß vorhanden sein muss. Sonst langweilt man sehr schnell die eigene Community. Das sieht Life On Air-Firmenchef Ben Rubin ähnlich:
„Vielmehr sollen Übertragungen dann stattfinden, wenn jemand glaubt, dass etwas Interessantes zu sehen ist. Dass er eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Es geht also nicht darum, wer Meerkat nutzt, sondern warum er es tut“, sagt Rubin im kress.de-Interview.
Durchs Planen von Streams müssten sich die Nutzer im Vorfeld Gedanken darüber machen, wann sie live gehen wollen und was sie dann sagen. In der nächsten Woche werde ich das noch mehr ausprobieren, direkt aus der Cebit-Mittelstandslunge in Halle 5. Mal schauen, ob hier der nächste heiße Scheiß im Social Web aus dem Boden gestampft wird.
Ach ja, die Videos laufen nur hochkant. Aber das kennt man ja schon von der Vine-App und macht die Sache nicht schlechter.

Livestreaming ist nach Ansicht von Nico Lumma eine völlig falsch verstandene Art der Transparenz, eines der vielen Irrtümer, die aus dem Umfeld der Piratenpartei hervorgegangen sei:
„Der kleine Bruder des Livestreaming ist übrigens die Twitterwall, die ich auch für völlig schwachsinnig halte. Ich glaube nicht, dass alles, was wir machen, live gestreamt werden muss. Und ich glaube auch nicht, dass wir in Echtzeit auf alles antworten müssen, nur weil es theoretisch ginge. Natürlich finde ich es erstrebenswert, die Teilhabe zu verbreitern, weswegen ich Vorträge durchaus live streamen würde. Nicht aber Diskussionsveranstaltungen. Sobald eine Kamera läuft, verändert sich die Dynamik einer Veranstaltung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versuchen dann so zu sprechen, dass es kameratauglich ist. Das wird dann ungefähr so spannend wie das gegenseitige Verlesen von Pressemitteilungen, denn alle Teilnehmer greifen auf Textbausteine zurück. Das wird noch schlimmer, wenn man gleichzeitig eine Twitterwall im Blick haben soll, denn Sprechen, Lesen, Zuhören und Denken ist ganz schön viel auf einmal. Da sorgt der Ruf nach Transparenz schnell für eine Fassade aus Worten, die dann auch niemandem wirklich weiterhilft“, schreibt Nico.
Als Livestreaming-Enthusiast muss ich darauf natürlich eine Antwort geben. Es macht sicherlich keinen Sinn, Hintergrundgespräche ins Netz zu übertragen oder einfach nur die Kamera aufzubauen und ohne Konzept live zu streamen. Bei Diskussionsveranstaltungen macht es durchaus Sinn, wenn im Vorfeld die Einbindung der Netzöffentlichkeit das erklärte Ziel des Formats ist. Also die Kommunikation für Abwesende zu erreichen. Ich habe es in den vergangenen Jahren seit dem Start des Livestreaming-Dienstes Hangout on Air noch nie erlebt, dass Teilnehmer verkrampft oder gekünstelt wirkten, weil eine Kamera eingeschaltet war. Bei jedem öffentlichen Gespräch oder Vortrag entsteht etwas Nervosität und Lampenfieber bei den Protagonisten – ob mit oder ohne Kamera.
DAS ENTSCHEIDENDE IST DIE MODERATION.
Ich habe allerdings schon unendlich viele Podiumsdiskussionen ohne Livestreaming erlebt, die stinklangweilig waren. Teilnehmer stellen sich vor, bekommen offene Fragen und können ihr übliches Pensum herunterleiern. Ein Wettstreit der Ideen und Gedanken findet da selten statt. Mit dem Transparenz-Credo der Piratenpartei haben die Möglichkeiten für Jedermann-TV nun überhaupt nichts zu tun. Ich sehe die Vorteile von Diensten wie Hangout on Air in der Verbindung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Während der Liveübertragung ist der Dialog mit den Zuschauern möglich und danach steht die Geschichte als Youtube-Konserve für die Ewigkeit zur Verfügung. Ohne zeitaufwändige Postproduktion.
Wichtig sind die Formatideen, die im Vorfeld mit allen Beteiligten entwickelt werden müssen. Nicht jede Keynote oder Diskussionsrunde eignet sich für die Liveübertragung ins Netz. Da macht man halt Vor- oder Nachberichte, Einzelinterviews in der Pause, kurze Reportagen und dergleichen mehr. Mit Kai Rüsberg habe ich das ja zur Generalversammlung der GLS Bank in Bochum unter Beweis gestellt.
Es ist doch blöd, mit großem Aufwand eine Veranstaltung zu planen mit interessanten Gästen sowie einem tollen Auditorium und dieses Event wie eine Eintagsfliege zu behandeln. Wer öffentliche Wirksamkeit erreichen will, sollte die Kommunikation nicht auf die Anwesenden beschränken. Man kann beides machen. Die Zusammenkunft an einem Ort hat eine ganz besondere Qualität und ermöglicht viele Gespräche, die in der virtuellen Welt nicht möglich sind. Da stimme ich Nico zu.
Die virtuellen Gesprächsrunden wiederum bringen Begegnungen und Inspirationen, die in der realen Welt nur mit großen Aufwand zu realisieren sind. Als TV-Autonomer arbeite ich weiter fleißig an interessanten Livestreaming-Formaten. Man hört und sieht sich beim nächsten Live-Hangout.

Etienne Gardé, Simon Krätschmer, Daniel Budimann und Nils Bomhoff von der Produktionsfirma Rocket Beans starten nach eigenen Angaben ab dem 15. Januar 2015 ihren eigenen 24-Stunden-Streaming-Kanal auf Twitch.tv. Das werde in großen Teilen live stattfinden, enthält aber auch andere eigenproduzierte Elemente.
„Fernsehen findet für unsere Fans hauptsächlich im Netz statt. Warum also den Umweg über TV-Sender gehen?“, sagt Etienne Gardé.
Um den Livestreaming-Kanal optisch zu einem Erlebnis zu machen, wurde das Redaktionshaus der vier Gründer zu einem überdimensionalen TV-Studio umgebaut. Auf drei Etagen verlegte man knapp ein Kilometer Kabel und installierte mehrere Dutzend Monitore.
„Wir können damit aus mehreren Räumen eine Live-Sendung fahren. Alles ist mit unserer Live-Regie verbunden, so dass wir jederzeit zwischen den Dreh-Settings hin- und herwechseln können“, so Arno Heinisch, Geschäftsführer von Rocket Beans.
Es werde ein Mix aus echten Live-Shows und zahlreichen aufgezeichneten Live-On-Tape-Formaten geben – ein Mix aus Giga reloaded und Waynes World 2.0.
Weitere Details gibt es am 18. Dezember ab 19 Uhr in der ersten Live-Show „Bohn Jour“.
Natürlich werden Games eine große Rolle bei Rocket Beans TV spielen. „In den vergangenen Jahren haben wir zu selten das gemacht, was uns eigentlich am meisten Spaß macht: Mit der Community und gegen die Community spielen. Live. Wir gegen euch.“, erläutert Budiman. Mit dem eigenen 24-Stunden-Programm habe man genügend Zeit, allen spannenden Themen und Leidenschaften eine eigene Plattform zu bieten. Bin gespannt. Wir sollten die Jungs zu Bloggercamp.tv einladen, Ende Januar.
Endlich gibt es in Deutschland mal ein Livestreaming-Vollprogramm. In unserem Hangout on Air-Buch konnten wir nur auf Beispiele in anderen Ländern eingehen.

Twitch kämpft mit Bekleidungsregeln für sauberes und moralisch einwandfreies Livestreaming.
Folgende Punkte sollten die Gaming-Moralhüter, die Richter und Staatsanwalt in Personalunion spielen, in ihre AGBs aufnehmen: Nicht mehr toleriert werden,
Stinkefüße und übel riechende Socken (hygienische Zumutung);
leise Fürze – gemeint sind rückwärtige Ausdünstungen durch eine verschämte Gesäßanhebung – im Volksmund auch “einen fahren lassen” genannt (gravierende Methan-Emissionen mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erderwärmung);
öffentlicher Hangout-Konsum von Mettbröttchen oder noch schlimmer von Mettigeln (Provokation für Vegetarier sowie Veganer und seelische Grausamkeit gegenüber Netzmenschen, die mit ihren Bloggerbäuchen hadern – also ich);
gsohn's post on Vine
Wann gibt es wieder Katzenlivestream? @schnodderpepe https://t.co/tjiybmPQQs
— gsohn (@gsohn) October 27, 2014
Livesendungen mit süß anmutenden Winkekatzen – die via Twitter mit dem Hashtag #katzenlivestream verbreitet werden. Noch ablehnungswürdiger sind jene Web-Zeitgenossen, die einen Blogbeitrag schreiben und dabei einen #katzenlivestream mit einer fetten und winkenden Glückskatze live übertragen (Tierquälerei und Propagierung von sinnlosem Glücks–Aberglauben, der in der Glücks-Themenwoche der ARD uns jeden Tag um die Ohren gehauen wurde);
Husten ins Mikrofon (Virenschleuder mit Pandemiepotenzial);
Interviews mit meinem Bloggercamp.tv-Kollegen Hannes Schleeh, die ihn als Henning oder Hans titulieren (üble Verleumdung).
Fallen Euch noch weitere Punkte ein, die man Twitch mit auf den Weg geben sollte?

In ihrem Misstrauen gegenüber dem digitalen Wandel bilden Politiker, Manager und Gewerkschafter derzeitig eine Große Koalition im XXL-Format. Wer überall nur Gefahren verortet, erstickt in einem Angstregime von Kontrolle und Bewegungslosigkeit.
Zu bewundern bei der Ankündigung von Microsoft, sich in Deutschland vom Anwesenheitswahn in Bürosilos zu verabschieden. Sofort warnten Bedenkenträger vor der Gefahr einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, statt auch nur ansatzweise über die Chancen flexibler Arbeitsorganisation nachzudenken. Das liegt wohl nicht nur an einer etwas naiven Idealisierung der klassischen Büroarbeit, die von Überstunden, Stress im Berufsverkehr, Flurfunk-Tratsch, Mobbing und dem Fluch der ständigen E-Mail-Erreichbarkeit geprägt ist.
Planungsgedöns endet im Irrtum
Die Bürosilo-Apologeten laufen einer inhumanen Planungsillusion hinterher, betont Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5 einem Expertenpanel beim Streamcamp in München:
„Planung ersetzt Zufall durch Irrtum.“
In einer vernetzten Ökonomie gehe das Planungsgedöns der Manager ins Leere.
Es gehe nicht darum, dezentrales Arbeiten zu verordnen, sondern den Wunsch des Mitarbeiters stärker in den Mittelpunkt des Personalmanagements zu stellen. Die Souveränität über die Arbeitszeit werde beim Abschied von Anwesenheitspflichten nicht geschwächt, sondern fundamental gestärkt. Entscheidend sei nicht mehr das tägliche Absitzen von Bürostunden, sondern das erzielte Arbeitsergebnis.
Die Langsamkeit der Planungsbürokraten
„Wir sind mit unserem Modell ohne Einsatzplanung und Präsenzpflichten in der Lage, 90 Prozent der aller Kundenanfragen zu bearbeiten“, sagt Dehler.
Planungsbürokraten sind zu dieser schnellen Reaktionsfähigkeit nicht in der Lage. Und wenn sich Gewerkschafter zum Thema Ausbeutung äußern, sollten sie den Arbeitsweg nicht ausklammern, denn der wird vom Arbeitnehmer bezahlt und wirkt wie eine Subvention zugunsten des Arbeitgebers.
Soziales und kollaboratives Arbeiten sei mit digitalen Technologien wie Videostreaming-Dienste im Social Hub sehr gut und sogar besser zu realisieren als in irgendwelchen aseptischen Glaspalästen in den einschlägig bekannten Gewerbegebieten.
Excel-Manager schauen in den Rückspiegel
Statt auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, verstecken sich die liebwertesten Gichtlinge des Top-Managements hinter Berichtsorgien und Kennzahlen-Management. „Sie beschäftigen sich mehr mit der Administration und dem Befüllen von Excel-Tabellen und vernachlässigen dabei die neuen Themen ihres Marktes“, bemerkt Dehler in der Streamcamp-Paneldiskussion. Echtzeit-Management sieht anders aus. Die Excel-Tabelle von heute bildet das Geschehen von gestern ab. Auf der Strecke bleibt die Gegenwart.
In einer Excel-Ökonomie aus Ängsten, Planungsillusionen und sinnlosen Kontrollschleifen gedeiht weder Vertrauen noch wirtschaftliche Prosperität.

Ähnlich angstbesessen verläuft die Diskussion über den Einsatz von Drohnen, die in der Regel aber nur harmlose Multikopter sind, wie Bloggercamp.tv-Kollege Frank Michna auf dem Streamcamp demonstrierte. In der Presse werde ja inflationär vor der Gefahr des Absturzes von Drohnen gewarnt.
„Da fällt nichts vom Himmel. Verliert das Fluggerät die GPS-Verbindung oder geht die Akkuleistung runter, kehrt der Multikopter automatisch zum Startpunkt zurück und landet. Die Systeme kalibrieren sich ständig.“
Genauso unsinnig seien die Hiobsbotschaften der Polizeigewerkschaft, die in den Mini-Drohnen eine neue Terrorgefahr sieht. Und welche Gefahren entstehen eigentlich, wenn man Veranstaltungen via Multikopter live ins Netz überträgt? Das Streamcamp hat das natürlich vorgeführt und damit neue Perspektiven nicht nur für Outdoor-Sportarten eröffnet.
Warum man auch bei Webinaren auf geschlossene Formate im Kontrollmodus verzichten sollte, war Thema einer weiteren Streamcamp-Session mit dem IT-Experten Joachim Hummel.
Was sonst noch ablief beim Streamcamp in München, habe ich auf Storify kompakt zusammen gefasst:
Im nächsten Jahr sehen wir uns am 21. und 22. November 2015 beim Streamcamp15 in Paderborn wieder, was wir morgen bei Bloggercamp.tv näher erläutern. Wie immer um 20:15 Uhr direkt nach der Tagesschau:
Siehe auch:
Warum sollte man auch vor 9 Uhr im Büro hocken: Wer lange schläft, ist nicht faul.
IT-Gipfel: Die Angst der Deutschen vor dem Internet.
Netzpolitik der Bundesregierung – Mehr Verantwortung, weniger Gipfel (und Taten, werte SZ).