#StreamCamp13: Eine Erzählung in Tweets

Barcamp als Experimentierlabor

Unsere StreamCamp-„Weltpremiere“ (unverschämte und gigantomanische Behauptung von mir) im Kölner Startplatz ist vorüber und mein Kopf ist gefüllt mit überraschenden Begegnungen, Erlebnissen, neuen Freundschaften, sensationellen Session-Ideen, spontaner Experimentierfreude, unglaublicher Hilfsbereitschaft, einer famosen Lockerheit und Lustigkeit der Barcamperinnen und Barcamper, intensiven Diskussionen über Livestreaming und das Leben sowie kaum noch überschaubaren Reaktionen auf das Geschehen am vergangenen Wochenende.

Was soll man da hervorheben? Natürlich unsere genialen Sponsoren Genesys, Ityx, KreativeKK, Logitech und natürlich der Startplatz als idealer Ort für Barcamps.

Das ebenso geniale Orga- und Aufbauteam.

Baut so lange bis es kracht
Baut so lange bis es kracht

Und die familiären Event-Strategen Miliana und Nina.

Event-Strategen

Und die StreamCamp-Erzählung in Tweets in einer kleinen und unvollständigen Auswahl. Hier die Langfassung.

https://twitter.com/MarekTh/statuses/401589907657076736

https://twitter.com/DREI_SECHS_NULL/statuses/401747102214012929

https://twitter.com/derUnterstrich/statuses/401661955888644096

https://twitter.com/schleeh/status/401673740733644800

Sogar das Wetter spielte mit:

https://twitter.com/gecwitscher/statuses/401684037732802561

https://twitter.com/gecwitscher/statuses/401704758135619584

Session von @ruhrnalist mit kollektivem Live-Streaming 🙂

https://twitter.com/gecwitscher/status/402011961203769344

@schnodderpepe hat das StreamCamp dann auf einen neuen Gipfelpunkt gebracht mit seinen mehrstündigen Katzen-Livestreams – auf seinem Bambuser-Kanal kann man sich damit einige Tage die Zeit vertreiben – statt „Wetten, dass“.

Nicht nur Krümie fand die Wortspiel-Radio-Session mit Wolfgang Schiffer klasse.

Mit purem Leben getränkte Erzählungen des ehemaligen WDR-Hörspielchefs.

Folgt einfach Wolfgangs Blog „Wortspiele“ – da gibt es noch viele mehr Lebensgeschichten.

https://twitter.com/gecwitscher/status/402185344743124993

Die Power-Gamer beim StreamCamp:

https://twitter.com/GastroImNetz/status/402047748373241856

https://twitter.com/Ni_Hundertmark/statuses/402061491782037504

https://twitter.com/Ni_Hundertmark/statuses/402109389857120257

Eine richtig gute Zusammenfassung hat Nicole produziert:

Unser Auftrag für die nächsten Monate:

Und die wichtigste Botschaft zum Schluss:

https://twitter.com/gecwitscher/status/402169053495955456

Man hört und sieht sich hoffentlich schon morgen wieder bei Bloggercamp.tv oder beim Social Media Club Bonn – da wird Gerhard Schröder vortragen 🙂

Weitere StreamCamp-Fotos findet Ihr auf Facebook – könnt Ihr alle honorarfrei verwenden.

Jedermann-TV jenseits vom Massenmarkt #mfMW #StreamCamp13

StreamCamp-Vorarbeiten
StreamCamp-Vorarbeiten

Morgen gibt es in einer Session beim Medienforum Mittweida eine schöne Steilvorlage für das Kölner StreamCamp im Startplatz – sind ja nur noch fünf Tage bis zum Barcamp für Streaming-Technologie.

Thema von Claudia Heydolph und Tim Kader in Mittweida: „Livestreams in HD jenseits vom Massenmarkt: Überall live dabei – mehr als Fernsehen“.

Sie beschäftigen sich mit der Frage, wann es sich auch für Inhalte mit geringen Zuschauerandrang lohnt, einen Livestream in HD anzubieten. In 60 Minuten sollen Standards, Chancen, Risiken, sowie Produktionstechniken und Workflows für HD Livestreams anhand von Marktanalysen und Best-Practice-Beispielen skizziert werden. Wie lassen sich HD Livestreams ohne großen Sponsor finanzieren? Bin gespannt, was da von 13 bis 14 Uhr vorgestellt wird. Da die beiden Referenten in der Herbert E. Graus Arena auftreten, müsste es wohl auch einen Livestream geben.

Was mit relativ kleinem Budget an Liveübertragungen möglich ist, demonstriert gerade der StreamCamp-Mitorganisator Hannes Schleeh auf der Agritechnica in Hannover.

Ton und Bild können sich hören und sehen lassen. Im Einsatz sind Nikon D 800, MacBook Air und Blackmagic Design UltraStudio Mini Recorder. Fertig ist der Ü-Wagen von Hannes. Beim StreamCamp wird er darüber berichten.

Wer sich für diese Medienrevolution interessiert, sollte nicht lange zögern und schnell noch ein Ticket fürs StreamCamp in Kölle besorgen 🙂

Jetzt live: Sensationelle Bilder von der #Agritechnica – Leistungsschau in Bonn

Oder einfach mal bei Agrarblogger vorbeischauen 😉

Wer sich für die Traktoren im Kleinformat interessiert, sollte das hier lesen:

Es gibt sie noch, die guten Dinge: Aber nicht nur bei Manufactum – Der Kulttraktor Porsche-Diesel 419 im Maßstab 1:25

Best of Livestreaming: #StreamCamp13-Sessionvorschlag

Marek Thi hat einen sehr schönen Sessionvorschlag fürs StreamCamp gemacht:

„Hallo Gunnar, ich würde gerne eine Session anbieten/moderieren die interessante Livestreaming-Formate zeigt. Dazu würde ich die Teilnehmer in der Sessionplanung des ersten Tages bitten, ihre liebste Livestreaming-Sendung aufzuschreiben. Aus den Vorschlägen würde ich einen Zusammenschnitt (2 Minuten von einer Sendung / einem Format) machen. Die 10-15 verschiedenen Schnipsel können wir gemeinsam anschauen und besprechen.“

Marek möchte die Session am zweiten Tag machen – also am 17. November. Da können sich die Teilnehmer schon jetzt über ihre persönliche Best-of-Liste Gedanken machen.

Für die besten Sessionideen gibt es übrigens am ersten und zweiten Tag des Barcamps tolle Preise zu gewinnen. Hannes Schleeh hat das an Land gezogen 🙂

Nexus 7

Logitech Webcam

Logitech Headset

Logitech Headset 2

LTE Stick und Box

Ein großes Dankeschön an die Spender Google, Telekom und Logitech. Das wird Euch bestimmt beflügeln, originelle Sessionideen zu präsentieren.

Digitaler Standstreifen: Unterwegs auf Unternehmens-Autobahnen – im Schneckentempo #StreamCamp13

Andreas Klug Ityx Asynchron statt Telefon

Andreas Klug vom Kölner Software-Spezialisten Ityx ist heute um 18:30 Uhr Gast bei Bloggercamp.tv. Wir sprechen mit ihm über die Relevanz von Live-Streaming in der Kundenkommunikation. Er erläutert seine Motivation, das erste Barcamp zur Streaming-Technologie als Sponsor finanziell zu unterstützen.

Seine Thesen:

>> 66 Prozent der CIO´s weltweit glauben, dass Business und Consumer Technologie in den kommenden drei bis fünf Jahren zusammen wachsen werden (SAP-Studie) —> in der Realität sind alle Anstrengungen zur Consumerization zu zaghaft

>> Man ist was man isst = Kommunikationsgewohnheiten der Mitarbeiter sind nicht gleich den Kommunikationsgewohnheiten der Unternehmen

>> Die Wahl des richtigen Kanals (Video/Mail/Phone): Der Verbraucher wählt das „Bequeme“ – das Unternehmen das „Planbare“ = wie passt das eigentlich zusammen?

>> Technisieren von Kommunikation: Wissen als Kern jeder Kundenbegeisterung

>> Die Video-Kommunikation (youtube) als Suchmaschine der Zukunft (Google) – die zweitgrößte Suchmaschine ist Youtube ja schon heute.

ITyX glaubt, dass die Streamcamp Szene mit ihrem „missionarischen Weckruf“ einer der vielen unterstützenswürdigen Stimmen des WWW ist, die Unternehmen auf den digitalen Wandel einstimmt…

All das diskutieren wir in den Abendstunden. Twitter-Zwischenrufe während der Liveübertragung mit dem Hashtag kennzeichnen. Man hört und sieht sich nachher. Hier geht es um 18:30 Uhr zum Hangout on Air. Auf meinem Blog werde ich den iframe natürlich auch einbetten. Viele Wege führen nach Rom – fünf Euro fürs Phrasenschwein.

Siehe auch: Loslassen und Zwitschern: Über die Vorteile der asynchronen Kundenkommunikation.

Jetzt live: iOS 7 oder die Frage: Was macht der Nexus 4-Überläufer?

Gespräch mit dem App-Entwickler und Kölner Grandcentrix-Geschäftsführer Ralf Rottmann, der als Apple-Fan am Anfang des Jahres mit seinem Wechsel zum Nexus 4 international für Schlagzeilen sorgte.

Themen fürs #StreamCamp13: Twitch.tv und die Überwacher-Überwachung

Sohn und Sohn

Der Sohn vom Sohn, also Constantin Sohn, und sein Informatik-Kumpel Dominik Warwas werden auf dem Kölner StreamCamp eine Session über den Streaming-Dienst Twitch.tv anbieten, der vor allen Dingen die Gaming-Szene anspricht. In einem kleinen Tutorial hat der Sohn die Einrichtung und Funktionen kompakt zusammen gefasst.

Wir wollen uns am 16. und 17. November mit allen Facetten der Streaming-Welt beschäftigen und nicht nur auf Hangout on Air beschränken, obwohl Hannes Schleeh und ich dort am aktivsten sind.

Einen weiteren Aspekt habe ich in einem Vortrag von Christoph Kappes entdeckt, der die Schattenseiten von Live-Streaming beleuchtet – jede Technologie hat auch me­phis­to­phe­lische Züge. Es geht um Raumüberwachung und die Überwacher-Überwachung.

„Jedermann kennt heute die Video-Überwachung von Kunden und Mitarbeitern durch Privatunternehmen, aber auch durch Staatsorgane – vor allem an öffentlichen Plätzen, was vielerorts diskutiert wird. In jüngerer Zeit fügt sich hier ein neues Phänomen ein: Bürger über­wachen Bürger. Auf der einen Seite sind Pennycams für jedermann günstig verfügbar (z.B. bei eBay und hier http://megaspy.net). Zum anderen werden Smartphones mit hochauflö­senden Kameras der Regelfall sein, die bereits heute Videos (z.B. via UStream) live streamen können. Schließlich werden wir, getrieben durch die großen Internetanbieter das Vordringen von Videotelefonie an den Arbeitsplatz und auch ins Heim erleben, so dass häu­fig Kameras mit Internetanschluss vorzufinden sein werden. Es ist nur noch eine Frage des Zeitpunktes, bis Kameras allerorts direkt ins Internet streamen können und auch von außen ansprechbar sind. Denn auch hier schreitet die Technik fort, WLAN-Technologie mit 16 Gbps ist noch in diesem Jahrzehnt zu erwarten. Drahtlose Funknetze mit Reichweiten deutlich über die heutigen WLAN-Standards hinaus sind angekündigt.“

Google Glass

Nun ja, was passiert, wenn man mit Google Glass nicht nur sinnvolles vorhat, wie die von mir thematisierte journalistische Einsatzmöglichkeit in Krisengebieten?

Auch das gehört auf die Agenda des StreamCamps. Wer also die teuflische Seite des Live-Streamings aufgreifen möchte, sollte nach Köln kommen und eine Session vorschlagen!

Übrigens eine gute Idee von Constantin, Session-Vorschläge in Form eines Videos zu bringen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Mehr davon!

Werdet doch auch Fans unserer Facebook-Seite – wollen ja schließlich im November eine volle Bude erreichen 🙂

Über Opa, Ironblogger in OWL, gamescom, #StreamCamp13 und #BTK13

Auch Regen kann Blogger nicht aufhalten
Auch Regen kann Blogger nicht aufhalten

Der Besuch des Bloggertreffens in Köln hat sich wirklich gelohnt. Man konnte alte Kontakte wieder auffrischen, neue Kontakte aufbauen und viele Ideen über Netzprojekte diskutieren. Etwa mit dem Bonner Blogger Walid Chaar.

Sein Blog hat mit http://www.www-blogger.de nicht nur eine sehr originelle URL, auch seine Beiträge sind sehr lesenswert. Sein Opus über die lebensrettende Kraft des Kommas für „Wir essen jetzt Opa“ kann als Beispiel genannt werden.

Mit Bitpage-Blogger Christopher Piontek diskutierte ich über seinen Blog, die gamescom, die Gründung der Ironblogger für die Region Ostwestfalen-Lippe mit der Metropole Paderborn und der Un-Stadt Bielefeld sowie über das StreamCamp im November, bei dem auch Christopher dabei sein wird:

„Der Gunnar Sohn hat mich zum Streamcamp 2013 am 16. und 17. November im Startplatz in Köln eingeladen und werde dieser Einladung sehr gerne folgen. Es ist super interessant, was Google mit Hangouts On Air für ein Live-Streaming-Werkzeug anbietet und es anschließend auch auf YouTube verfügbar ist. Eigenes Fernsehen + Mediathek für geringes Budget für Jedermann. Wer also ebenfalls Interesse an Streaming hat, sollte mit nach Köln kommen. Das Barcamp wird über 2 Tage gehen und die Tickets kosten wohl verträgliche 10 Euro pro Tag.

Dann sammelte ich natürlich auch einige spannende Themen für Bloggercamp.tv-Sessions in den nächsten Wochen und Monaten ein. Da werde ich Euch auf den Laufenden halten.

Ein Dankeschön an die Organisatoren des Bloggertreffens in Köln
Ein Dankeschön an die Organisatoren des Bloggertreffens in Köln

Kurzes Resümee: Werde beim nächsten Bloggertreffen in Köln wieder dabei sein 🙂

Gaming statt Hierarchien: Wie Computerspiele das politische System ändern könnten #gamescom

Gamification: Opium fürs Volk?
Gamification: Opium fürs Volk?

Nach dem postideologischen Kater der Systemkrise namens Finanzkapitalismus und dem Einsturz des Utopieglaubens bleibt nach Auffassung von Frank Rieger und Fefe nur noch Zynismus und Gamification übrig. Das äußerten sie in einem gut zweitstündigen Gespräch mit dem FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. Abzuhören in ihrer Alternativlos-Podcast-Reihe.

Digitale Artefakte werden benutzt, um unsere Soziotope zu gestalten, wenn es etwa um Reputation oder Wissensmanagement geht.

„Dabei müssen wir darauf achten, nicht mehr die Rolle eines Game Masters hinzunehmen wie bei Google, der die Regeln bestimmt. Wir müssen verstehen, wie diese Regeln funktionieren”, so Rieger.

Und ich würde ergänzen, wie man sie brechen kann. Als besonders fragwürdig werden in dem Podcast Regeln gewertet, die von Algorithmen bestimmt werden wie beim Google-Spiel Ingress, das zumindest von Frank Rieger bis zum finalen Level 8 durchgespielt wurde.

Indoktrination über Software-Versionen

Es heißt nur, hier hast Du das Programm, viel Spaß dabei.

„Regeländerungen kommen ausschließlich über Software Updates und plötzlich funktioniert Deine Welt anders”, stellt Rieger fest.

Er wertet das als Vorboten für soziale Interaktion und Politikgestaltung. Wenn von der Gamification der realen Welt gesprochen werde, könnte man von der „fucking” Software Version abhängig werden. Auf der Strecke bleiben Möglichkeiten der Selbstorganisation, die es allerdings im klassischen Industriekapitalismus nie gab, wie Wolf Lotter sehr eindrucksvoll auf der republica skizzierte.

In dem kulturpessimistischen Diskurs der Dreier-Runde darf natürlich auch der altväterliche Einwurf über „die” Jugend und über „die” Kinder nicht fehlen, die mit Computerspielen aufgewachsen seien, die ihnen vorschreiben, was sie tun dürfen und was nicht. Gamification mache die Masse träge und würde sie indoktrinieren, so der Vorwurf, der auf der Manfred Spitzer-Skala mit Sicherheit die volle Punktzahl erhält.

Gaming als Kulturfaktor

Gamification bewirkt allerdings genau das Gegenteil. Das anfängliche Verschweigen der Spielregeln in den meisten Computer- und Videospielen und überraschende Regeländerungen über Software-Updates sind Teil des Spiels. Als Gamer bekommt man Anreize für die Aufnahme von Informationen, um das Spiel zu verstehen und zu erkunden. Man könnte es auch fortdauernde Versuch-und-Irrtum-Schleife bezeichnen, um sich als aufmerksamer Beobachter zu profilieren. Jedes gute Spiel fordert uns heraus, unnötige Hindernisse freiwillig zu überwinden. Und das mit großer Energie und Anstrengung – ohne Zwang, Anpassung, Unterdrückung oder Macht.

In bildungsbürgerlichen Diskursen wird gerne der Gegensatz von Spiel und Ernst kultiviert. Viele Jahre wurde das Ende der Spaßgesellschaft proklamiert und vor dem Niedergang der Hochkultur gewarnt. Dabei ist die Gaming-Szene, sowohl Entwickler als auch Spieler, längst Teil der Alltagskultur – auch wenn das von den Gaming-macht-süchtig-und-deformiert-das-Hirn-Spitzers dieser Welt mit hysterischen Gesängen bekämpft wird.

Gegensatz von Spielen ist Depression

Diese Abgrenzung ist albern und falsch, meint Soziopod-Blogger und Grimme Online Award-Preisträger Patrick Breitenbach:

„Spielen ist immer Arbeit und das in jeder Form – körperlich und geistig. Es geht um Fleiß, um Teamwork, um strategische Denkarbeit, entdeckerische Arbeit und kreative Arbeit.“

Das Gegenteil von Spielen sei eher Depression. Um sich aus der Ohnmacht und dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Politik und Wirtschaft zu befreien, bietet die Gamification das nötige Rüstzeug. Was zeichnet analoge und digitale Spiele aus?

„Freiwilligkeit, die sich von den Zwängen der Arbeitswelt und den nicht vorhandenen politischen Beteiligungsmöglichkeiten deutlich unterscheidet. Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es“, so Breitenbach.

Warum das „wahre“ Leben enttäuscht

In der von triefendem Kulturpessimismus geprägten Debatte der liebwertesten Spitzer-Gichtlinge über Computerspiele sollte man sich eher die Frage stellen, warum Spiele mittlerweile die ergiebigste Quelle für positive Beschäftigungen sind und das „wahre“ Leben so wenig zu bieten hat. Warum kommen Computerspieler sehr schnell in den von dem Psychologen Mihály Csíkszentmihályi erforschten Flow-Zustand? Flow bezeichnet das völlige Aufgehen des Handelnden in seiner Aktivität. Schulen, Büros, Fabriken und das Alltagsleben sind derzeitig unfähig, uns mit Flow zu versorgen.

Spiele bringen uns bei, frei wählbare, anspruchsvolle Formen der Arbeit zu schaffen, die uns stets das Beste abverlangen:

„Wir könnten akute Probleme wie Depression, Hilflosigkeit, soziale Entfremdung und das Gefühl von Unzulänglichkeit wirksam bekämpfen, wenn wir spielmechanisch geprägte Arbeit in den Alltag einbänden“, schreibt Jane McGonigal in ihrem Buch „Reality Is Broken. Why Games Make Us Better und How They Can Change Change The World“.

Level statt Zensuren

Statt Zensuren in Schulen und Universitäten zu vergeben, könnten wir Spiel-Level vorgeben. Es geht um Missionen und nicht um Klausuren, es geht um Anreize und nicht um Bestrafung. Positiver Stress, der beim Erreichen von Zielen in Computerspielen zur Normalität gehört, wirkt sich auch auf den Lernerfolg aus. So wird am Quest to Learn-College in New York City mit Geheim-Missionen, Bosslevels, Erfahrungsaustausch, Spezialagenten, Punkten und Stufen operiert und auf klassische Noten verzichtet:

„Eine bahnbrechende Fusion von spielerischem Handeln und öffentlichem Schulsystem“, so McGonigal.

Intellektuelle Fähigkeiten verwandeln sich in Superkräfte und epische Herausforderungen können nur mit einer Lernkultur gemeistert werden, die Fehler als Antriebsfeder werten und nicht als Schwäche.

Die positive Utopie des Spiels

Nicht das Spiel und der Homo Ludens sind bedrohlich, sagt Patrick Breitenbach, sondern unsere kaputte, graue und langweilige Realität. Deshalb sollte stärker über den Transfer der Gaming-Kultur in den Alltag nachgedacht werden. Wie kann man das Phänomen der Beteiligung, der Begeisterung und des Engagements auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft übertragen? Das ist eine positive Utopie, so Breitenbach:

„Beim Spielen geht es auch um Macht. Aber in einer völlig anderen Ausrichtung. Nicht Unterdrückung, Unterordnung, Gehorsam und Hierarchien, sondern Gestaltungsmacht, Gestaltungsfreiheit, Selbstorganisation und Kooperation.“

Und wenn die Spielregeln langweilen und Software-Updates als reine Geldschneiderei von der Game-Community entlarvt werden, stimmen wir radikal mit den Füßen ab und gehen zum nächsten Spiel, wie es mein Sohn Constantin in unserem Interviewformat „Sohn fragt Sohn“ zum Ausdruck brachte.

Wir wollten unseren Diskurs eigentlich auf der Gamescom fortsetzen – aber irgendwie wollten die Gamescom-Veranstalter nicht mit uns spielen, obwohl sie uns das versprochen haben. Also gibt es in diesem Jahr auf der Gamescom kein Sohn fragt Sohn-Format.

Twitch Dir einen – zur Gamescom und beim StreamCamp

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Der Streaming-Dienst Twitch, der sich in der Gaming-Szene einer hohen Populärität erfreut, ist sicherlich auch ein heißer Kandidat für mindestens eine Session auf dem StreamCamp in Köln. So bereitet wohl der Sohn vom Sohn etwas vor. Wir sammeln schon im Vorfeld unseres Barcamps interessante Themen und Vorschläge rund um Streaming für die Sessions im November ein, die dann natürlich erst am Ort des Geschehens endgültig vorgestellt werden.

Zur Gamescom werde ich mir die Twitch-Streams mal anschauen.

Etwa zu….

Infinite Crisis

Ubisoft: Splinter Cell Blacklist

World of Tanks

SMITE

Bin gespannt, was die Gaming-Experten beim StreamCamp vortragen.

Weitere Vorschläge fürs StreamCamp immer willkommen.