Wie VoIP sind wir???? Keine belastbaren Daten über den VoIP-Einsatz in Unternehmen

Das Telefonieren per Internet wird wohl immer beliebter. Anfang 2010 gab es gut 10,3 Millionen regelmäßige Nutzer in Deutschland. Das entspricht einem Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das berichtet der Hightech-Verband BITKOM auf Basis von aktuellen Daten des European Information Technology Observatory (EITO). Im Verlauf des Jahres 2010 wird die Nutzerzahl laut EITO voraussichtlich auf rund zwölf Millionen steigen. Der Bundesnetzagentur zufolge lag das VoIP-Gesprächsvolumen 2009 bei geschätzten 35 Milliarden Minuten – ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zu 2008. „Die Internet-Telefonie hat sich im beruflichen und privaten Umfeld etabliert“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Ja, Herr Professor Scheer, aber die Pressemitteilung beantwortet nicht die Frage, wie sich die Nutzerzahlen zwischen Unternehmenswelt und privaten Haushalten aufteilen. Auf Nachfrage konnte mir der Verband keine Informationen liefern. Das ist ärgerlich. Dabei wird das Voice over IP-Thema seit Jahren in den Fachmedien hoch und runter genudelt. Hier ein kleines Beispiel von heute.

Nach meinen Erfahrungen liegt die VoIP-Nutzung in der Geschäftswelt noch weit zurück. Umfragen, Analysten und Branchenvertreter gehen in ihren VoIP-Prognosen häufig nur von Optionen und Wünschen aus. In Studien werden dann Fragen gestellt „Wird sich VoIP“ in den nächsten fünf Jahren durchsetzen“ oder „Halten Sie VoIP für sinnvoll“. Das sind die berühmten und empirisch höchst unseriösen Fragetechniken nach dem Prinzip „Wollen Sie arm oder reich sein?“.

Nach dem Zahlenmaterial der Bundesnetzagentur und des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste liegt der Anteil der VoIP-Nutzung bei über 10 Prozent. „Für Geschäftskunden, die sehr häufig Nebenstellenanlagen betreiben, deren weitere Wartung durch die Lieferanten zu Ende geht, erwarte ich persönlich eine schnellere Migration zu VoIP als bei den Privatkunden, wenngleich die Nachfrage nach Lösungen für IP-Centrex dem Vernehmen der Anbieter nach enttäuschend ist. Hier liegen uns belastbare Zahlen jedoch nicht vor“, sagte WIK-Senior Consultant Dr. Thomas Plückebaum gegenüber NeueNachricht.

Die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll ist ja auch kein Kinderspiel und mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Wenn man jeden Tag mit PR-Texten von Firmen bombardiert wird, die eine „nachhaltige und ganzheitliche VoIP-Strategie garantieren, Prozesse optimieren und implementieren, eine Vielzahl von Synergien realisieren und mit leistungsfähigen Tools basierend auf einem Netzwerk von Applikationen für geringere Kosten und einer höheren Effizienz sorgen“, darf man sich über die starre Haltung der Unternehmer gegenüber neuen Kommunikationstechnologien nicht wundern.

Und wenn man jetzt schon auf jedem sich bietenden Fachkongress vom Trend zur Unified Communications spricht, fehlt den Branchenexperten augenscheinlich eine gehörige Portion Wahrnehmungskompetenz: In neun von zehn Unternehmen dominiert nach wie vor die klassische Festnetz-Telefonie. Das belegt eine Umfrage der Experton Group, die fast punktgenau die Erkenntnisse der Bundesnetzagentur wiederspiegelt. Entwickler und Hersteller der Telekom-Branche sowie Anwender müssen noch einen dornenreichen Weg zurücklegen, um VoIP auf breiter Front durchzusetzen. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheit in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen“, so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden“ (Hanser Verlag).

Folgt man den Analysen des Beratungshauses Berlecon, hält zwar eine große Mehrheit der Entscheider in deutschen Unternehmen die Integration verschiedener Kommunikationskanäle und deren Einbindung in Geschäftsanwendungen für sinnvoll. Allerdings sind in vielen Unternehmen die notwendigen technischen Voraussetzungen gar nicht vorhanden: „Nur ein geringer Teil verfügt bisher über eine VoIP-Infrastruktur, wie etwa IP PBX oder gemeinsame Netze für Daten und Sprache. Von einer Sättigung ist der deutsche VoIP-Markt demnach noch weit entfernt und für die Anbieter gibt es noch erhebliche ungenutzte Potenziale zu aktivieren“, so Berlecon. „Was nutzen mir die effektvollen Powerpoint-Präsentationen über Unified Communications und die Versprechen einer schöneren Kommunikationswelt im IP-Zeitalter, wenn die Softwarebubis mit meiner alten TK-Anlage nichts anfangen können. Ich schmeiße doch meine gesamte Infrastruktur nicht über Bord“, klagt ein mittelständischer Firmenchef im Gespräch mit NeueNachricht.

Man sollte daher auf Kongressen und in der Werbung nicht das Blaue vom Himmel versprechen oder eierlegende Wollmilchsäue verkaufen. Zunächst muss man einige Hürde überwinden, um mit VoIP die gleiche Qualität und Sicherheit wie bei der klassischen Telefonie zu bieten.

Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur sind besondere zu berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie bietet Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Viele reine IP-Lösungen haben heute genau bei diesen Funktionen ihre Schwachstellen. Ob der Anwender hingegen die vielgerühmten neuen Funktionen der Unified Communications immer nutzen kann und möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das unterscheidet sich deutlich von Unternehmen zu Unternehmen, hängt von Firmenkultur, Demokratie der Arbeit, Hierarchie- und Entscheidungsmodell, von Branche und dem Arbeitsplatz selbst ab. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt wird und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun hat.

So sollten die Analysten, Marktforscher und VoIP- und Unified Communications-Experten erst einmal für sauberes Zahlenmaterial sorgen und mehr von der Realität erzählen – Luftschlösser helfen den Unternehmen nicht weiter.

Unified Communications: Revolution oder Evolution? Entwicklung abhängig von Unternehmen

Wie lange wird es wohl dauern, bis analoge Telefone abgeschafft sind und man für eine Mitarbeiter-Versammlung nicht mehr in einen Raum zusammenkommen muss, sondern ganz bequem vom eigenen Schreibtisch aus teilnehmen kann? Das Thema Unified Communications (UC) sei im stetigen Wandel und hängt laut Detlev Artelt, Geschäftsführer des Beratungshauses Aixvox, von den Einsatzgebieten der Unternehmen ab. Der Berliner Telekommunikationsspezialist Aastra bietet einen solchen Service und findet nach eigenen Angaben die passende Lösung für jedes Unternehmen und gestaltet Kommunikationsprozesse effizienter. In den vergangenen Jahren Jahren hat Aastra mehrere Hersteller gekauft und ist als Anbieter mitten im Transformations-Prozess von analog zu „UC“: 50 Prozent läuft „Voice über IP“-basiert und die anderen 50 Prozent in einem gemischten Hybrid-Ansatz.

Auf die Frage, ob sich die klassische IT-Welt das Thema Telekommunikation vielleicht zu einfach vorstellt, antwortet Jürgen Engelhardt von Aastra: „Jedem ist bewusst, dass Sprache und Echtzeitkommunikation kritische Themen sind; nicht nur aus der Applikations-, sondern auch aus der Netzwerk-/Infrastruktur-Betrachtung. Da muss man wissen, was man tut. Und vor allem, wie man es tut.“ Doch von wem geht die nächste, entscheidende „UC-Welle“ aus? Wer gibt die entsprechenden und notwendigen Impulse? Hier erhofft man sich von der jüngeren Generation, den „digital natives“ einen Antrieb. Diese „in die Management-Etagen oder in die Büro-Etagen wachsende Generation“, so Artelt, benutzt die Medien, wie zum Beispiel Skype und Instant-Messaging, mit einer souveränen Selbstverständlichkeit, die für „Unified Communications“ sicher angebracht, aber leider noch nicht überall vorhanden ist.

Viel Potenzial sieht Engelhardt unter anderem bei medizinischen Einrichtungen. Hier laufe vieles noch analog ab – doch die Zukunft sieht anders aus: „Multimedia-Patienten-Entertainment“ soll dann der Reiz eines jeden Krankenhauses sein. „17-Zoll-Terminal“, „Video-on-demand“ und „W-Lan“ auf dem Zimmer sollen bald keine Zukunftsmusik mehr sein. Ich hatte die beiden ITK-Experten mit meiner Flip-Kamera interviewt. Hier das Ergebnis.

Wie Digital Natives die Unternehmenskommunikation verändern und was ein Anbieter von Unified Communications an Kompetenzen mitbringen muss

Auf der diesjährigen Computermesse Cebit wird wieder viel von Konvergenz, Unified Communications, Web 2.0, Echtzeitkommunikation, Skype oder VoIP geredet. Experten halten es aber für notwendig, den Buzzwords, Presseschlagzeilen und PowerPoint-Folien auch Taten folgen zu lassen. „Die Konvergenz ist ja schon längst Realität. Jetzt ist es wichtig, dass die angebotenen Lösungen auch zu den Unternehmensprozessen passen“, sagt Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Spezialisten Aastra in Berlin, mit dem ich ein längeres Interview geführt habe. Um das große Thema Unified Communications ins Laufen zu bringen, müsse man die Geschäftswelt gut verstehen und die Technologie beherrschen. „Das ist unser täglicher Job. Wir kommen aus der Ecke, wo Datenübertragung in Echtzeit eine große Rolle spielt. Ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Projekte ist auch, die Anwender auf den Entwicklungspfad mitzunehmen und nicht am Ende mit einer völlig neuen Konstellation zu konfrontieren“, so Latzel.

Beschleunigt werden die Umwälzungen der Unternehmenskommunikation durch die privaten Gewohnheiten der Digital Natives, bei denen Skype, Wikis, Blogs und Social Media intensiv zum Einsatz kommen: „Wir erleben in der Wirtschaft eine Generation mit einem völlig anderen Kommunikationsverhalten. Die kommerzielle Sinnhaftigkeit müsse im Einzelfall genau geprüft werden. Sehr viele Projekte werden in den Kreativabteilungen zwar vorgedacht, müssen aber den Test der harten Realität am Schalter des Finanzchefs erst überstehen“, erläutert Latzel.

Die Wirtschaftlichkeit von neuen Systemen müsse sich in einem Zeitraum von 12 bis 24 Monaten einstellen, dann habe Unified Communications eine große Chance. Fast alle Kommunikationslösungen seien mittlerweile Applikationen im Netz. Anbieter für Unified Communications brauchten neben dem Netzmanagement auch Kompetenzen in der Echtzeitkommunikation, völlig unabhängig, ob es um bewegte Bilder oder Sprache geht. Mit den Versuch-und-Irrtum-Verfahren, die man aus der Informationstechnologie kennt, könne man nicht arbeiten. „Dumm ist es, wenn der Anfang meines Satzes später ankommt als das Ende. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man die Echtzeitkommunikation gut beherrscht. Da hat der klassische Sprachanbieter gewisse Vorteile, weil er sich mit diesem Faktor schon länger auseinandersetzt“, weiß Latzel. Zudem seien offene Schnittstellen und Standards wichtig, damit im Netzwerk Innovationen möglich bleiben und unterschiedliche Systeme zusammengebracht werden können.

Hier eine Kurzversion des Interviews auf Youtube:

Müde Firmen, mieser Kundenservice, bunte PowerPoint-Folien und Buzzwords

Nach einer Umfrage des Softwarespezialisten Genesys, die auf der Fachkonferenz von Nuance in München vorgestellt wurde, lassen sich deutsche Unternehmen durch schlechten Kundenservice jährlich mehr als 12 Milliarden Euro durch die Lappen gehen. Die befragten Kunden konnten angeben, wie viel die Geschäftsbeziehung, die abgebrochen wurde, jährlich wert gewesen ist. Diese Daten wurden dann durch Datamanitor/Ovum hochgerechnet. Als Gründe für die miesen Dienstleistungen in Deutschland sieht Genesys-Manager Heinrich Welter die unzureichende Qualität von Sprachdialogsystemen, die schlechte Erreichbarkeit der Agenten im Call Center, unqualifizierte Ansprechpartner, kostenpflichtige Services sowie eine fehlende Synchronisation zwischen den Kanälen für den Kundenkontakt. „Der Markt wurde jahrelang durch überzogene Versprechungen der Lieferanten einerseits und der ‚nur der Preis entscheidet-Manie’ andererseits vornehmlich mit kostengünstigen, aber durch die Bank weg schlechten Lösungen zugepflastert“, kritisiert Welter im Interview mit NeueNachricht.

An kritischen Web 2.0-Debatten mit Firmen wie Jack Wolfskin erkenne man, dass sich die Menschen immer aktiver und kritischer mit Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen. „Millenials, Digital Natives oder wie auch immer man die Gruppe bezeichnen möchte, sind im Bewusstsein der tradierten deutschen Unternehmen oft noch nicht angekommen. Erst langsam wird realisiert, dass sich das Verhalten der Verbraucher in den nächsten Jahren grundlegend ändern wird. Noch heute haben viele Unternehmen nicht einmal E-Mail integriert, geschweige denn SMS oder Chat. Da ist dann Social Media noch ganz weit weg“, so Welter. Oft sei es aber auch weniger die mangelnde Einsicht, etwas tun zu müssen, als das einfache Problem, wie man es denn umsetzen könnte, die Grundlage für diese Müdigkeit. „Nur Technologie ist in diesen Fällen natürlich nicht die Antwort. Denn was nützt der schönste Agent-Desktop mit Chat und SMS, wenn der Agent nicht den richtigen Ton in Chat oder SMS trifft“, führt Welter gegenüber NeueNachricht aus.

Hier geht es zum kompletten Interview.

Mit bunten PowerPoint-Folien und neuen Buzzwords kommt die Kommunikation über das Internet Protokoll nicht in die Gänge

Experten wissen, dass die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll kein Kinderspiel ist. Mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheiten in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen“, so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden“ (Hanser Verlag). Ähnlich sieht es Andreas Latzel von Aastra-DeTeWe http://www.aastra-detewe.de in Berlin: „Wer die alte Welt der Telekommunikation nicht versteht, besitzt keine Kompetenz, um Firmen in die IP-Welt zu transformieren. Der Philosoph Odo Marquard hat die technische Herausforderung treffend formuliert: Zukunft braucht Herkunft. Deswegen scheitern VoIP-Strategien, die den dritten vor dem ersten Schritt machen, wie es in der Software-Branche zu beobachten ist“, erläutert Latzel.

Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur müsse man einige Dinge berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie biete Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Ob der Anwender die neuen Funktionen der Unified Communications nutzen könne und möchte, hänge von Firmenkultur, Branche und dem Arbeitsplatz ab, so die Erfahrungen von Latzel. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt werde und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun habe.

Mehr zum Thema unter „Zukunft braucht Herkunft: Konvergenz von Informationstechnologie und Telekommunikation kein Kinderspiel“.

T-Mobile und Skype: Kostenfrei-Logik wird sich auch im Mobilfunk ausbreiten

Seit Wochenbeginn gibt es Skype auch für das iPhone. Keine Sensation, aber die Anwendung wurde von Apple-Fangemeinde lange erwartet. „Smartphone kaufen, Datenflatrate abonnieren, billig per Skype telefonieren. Genau dieser Traum könnte jetzt in Erfüllung gehen, zumindest theoretisch. Praktisch aber werden deutsche iPhone-Nutzer auch künftig ganz normal über Mobilfunknetze Gespräche führen müssen, denn der Mobilfunk-Marktführer mag Skype nicht in seinen Netzen sehen“, berichtet Spiegel Online. T-Mobile werde den Dienst in seinem Mobilfunknetz blockieren. Die Begründung: Würden iPhone-Anwender ihre Datenverbindung für Skype-Gespräche nutzen, würde die Leistung des Netzes leiden. Datenübertragungen würden verlangsamt, das Netz könnte überlastet werden. Davor müsse man sich schützen, behauptet ein T-Mobile-Sprecher.

Zudem müsse man eine gleichbleibende Qualität der Sprachverbindungen garantieren. Probleme mit Skype könnten von den Kunden als Telekom-Probleme fehlinterpretiert werden. Wohl deshalb will der Konzern die mobile Skype-Nutzung auch an seinen WLAN-Hotspots unterbinden. Branchenexperten reagieren mit Unverständnis. „Dass durch die Skype-Nutzung das Netz überlastet wird, kann ebenso als vorgeschobenes Argument angesehen werden wie die Behauptung, dass Kunden sich bei T-Mobile beschweren würden. Ich glaube vielmehr, dass durch die Nutzung der VoIP-Software die etablierten Spielregeln in Gefahr geraten und T-Mobile seine Gatekeeper-Funktion mit aller Macht aufrecht erhalten will. So ist denkbar, dass Kunden den günstigsten iPhone-Tarif buchen und ihre Gespräch dann über Skype führen. Noch gravierender ist sicherlich der Kontrollverlust. Über Skype kann gechattet und weitere Zusatzdienste genutzt werden. Die Dose der Pandora hat sich also schon geöffnet“, erklärt der Düsseldorfer Unternehmensberater Bernhard Steimel von Mind Business. Mit der Internet-Kostenfrei-Logik würden nach seiner Ansicht die Bezahl-Geschäftsmodelle der Mobilfunkanbieter unter Druck geraten. Im übertragenden Sinne erinnere die Situation ein wenig an den Untergang des Kommunismus und die letzten Abwehrschlachten vor dem Mauerfall.

„T-Mobile will sich das Geschäft mit dem iPhone nicht verderben lassen. Es bleiben nur fremde WLAN-Zugänge für Skype auf dem iPhone nutzbar, etwa zu Hause an DSL-Anschlüssen oder kostenpflichtigen Hotspots anderer Betreiber etwa an Flughäfen oder in Hotels. Damit sinkt die Attraktivität des Dienstes. Ohnehin müsste der Benutzer für sogenannte Skype-out Calls, also Anrufe aus Skype in öffentliche Telefonnetze hinein zahlen. Besonders die Gespräche in Mobilfunknetze haben keinen Preisvorteil gegenüber Angeboten von Mobilfunknetzbetreibern“, weiß Internetkenner Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity.

Unabhängig davon habe sich Skype eine Selbstbeschränkung auferlegt, um nicht direkt mit den Telefonanbietern in Konflikt zu geraten. Vorerst werde nur WLAN unterstützt, UMTS nicht. Das T-Mobile es aber anscheinend nicht selbst so genau nimmt, zeige sich daran, dass viele VoIP-Clients und Chat-Clients nutzbar sind. „Langfristig wird sich Skype durchsetzen. Die Sprachqualität über das iPhone ist schon jetzt wirklich gut“, so die Erfahrung von Schmidt.

„Die Telekom fällt zurück in die finsteren Zeiten der ‚Walled Gardens’“, kritisiert der Mobile Services-Experte und Fachautor Sebastian Paulke. Für viele Kunden seien die im iTunes-Shop angebotenen Applikationen ein entscheidender Grund, sich zugunsten eines iPhones zu entscheiden. Anstatt willkürlich Skype zu sperren, nicht aber den von der Telekom stark beworbenen Musikfinder Shazam, der auch Datentraffic verursacht, wäre das Unternehmen gut beraten, durch günstige Flatrate-Tarife den Nutzwert von Skype gegen Null zu treiben und durch Kostenführerschaft Marktanteile zu übernehmen. „Besonders die im Social Web überdurchschnittlich aktive Klientel der iPhone-Nutzer werde sich das kaum bieten lassen. Analog zum Versuch von E-Plus und O2, die im vergangenen Jahr den VoIP-Provider Rebtel sperrten, werden sie eine derartige Aufruhr in einschlägigen Fach- und Userforen veranstalten, dass die Telekom entweder schnell einlenken und Skype wieder freigeben wird, oder noch mehr Marktanteile an Nutzer verlieren, die ihr iPhone ‚hacken’“, vermutet Paulke.