Privatsphäre günstig abzugeben? Disputation auf der Hannover Messe am 25. April #marketingforum

„Es wird hohe Zeit, dass wir ein neues, zeitgemäßes und europäisiertes Urheberrecht bekommen zwischen purer Anarchie (was hat er nur gegen Anarchie? gs) und den verschrobenen und zumeist lobbyistischen Positionen vieler staatlich bestellter Datenschützer“, meint Klaus Stallbaum in einem Kommentar zu meiner Montagskolumne: Die Rückzugsgefechte der Alt-Verleger. Das ist auch das Thema der Podiumsdiskussion am 25.04.2012 im marketing forum hannover zwischen 11 und 13 Uhr: „Privatsphäre günstig abzugeben? Der Umgang mit dem Datenrohstoff des 21. Jahrhunderts“.

Es diskutieren – nach ihren jeweiligen Vorträgen – Dr. Stefan Groß-Selbeck (CEO Xing AG, Hamburg), Tom Noeding (Community Manager evangelisch.de, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH, Frankfurt) , Dr. Carsten Ulbricht (Rechtsanwalt M.C.L., Diem & Partner Rechtsanwälte, Stuttgart) und der Wirtschaftspublizist und Blogger Gunnar Sohn (Bonn) – also ich. Moderation: Dr. Klaus Stallbaum, bei dem es auch Freikarten für die Veranstaltung gibt.

Einen kleinen Vortrag halte ich dort auch: Außer Kontrolle: Die Macht ist nicht mehr mit Dir – Die Stimme der Vielen im Netz. Und der dazu gehörige Text zur Ankündigung:

Es geht im Schwarm des Netzes nicht um Hierarchisierungen und Positionierungen im Machtgefüge, sondern um schnell vermittelte Informationen, die immer in der Ebene des Schwarms bleiben, um beispielsweise eine effektivere Abwehr größerer Feinde zu gewährleisten. Im Internet wird es für die Funktions- und Positionselite in Unternehmen, Parlamenten und Parteien immer schwerer, den Dirigentenstab zu schwingen, um Kunden, Bürger und Wähler zu orchestrieren.

Die Dialogformen der sozialen Medien seien nichts anderes als die demokratisierte Form der Salonkonversation, die früher nur in elitären Kreisen geführt wurde – heute ist es ein Jedermann-Phänomen, so Professor Peter Weibel vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. Das Internet habe das Gespräch als politische Kraft zu einem Instrument der gemeinsamen Lebensgestaltung gemacht. Diese Dialoge müsse man als Philosophie des Sprechaktes sehen.

„Hier werden Dinge mit Worten gemacht”, sagt Weibel.

Mal schauen, was so auf dem marketingforum gemacht wird.

Das ganze Programm unter http://www.stapag.com/marketingforum2012.pdf

Kommet in Scharen nach Hannover und befruchtet die Disputation 🙂

Internet wird riesige Rechte-Management-Maschine: Sascha Lobo über soziale Filtersysteme und Datenfluten #webciety

In den Mittagsstunden habe ich mal über meinen Laptop den Webciety-Vortrag von Sascha Lobo auf der Cebit und die anschließende Diskussion mit Thomas H. Kaspar von Chip Xonio Online (Moderation: Björn Negelmann) aufgezeichnet. Thema: Das Web als das soziale Betriebssystem. Den Start des Vortrags hatte ich verpennt. Dürften aber nur wenige Minuten sein. Zwischendurch ist auch mal mein Bürostuhl, der Fotoapparat und ein Zwischenruf aus der oberen Etage zu hören – das sollte Euch aber nicht stören.

Hier die Aufzeichnung:

Die Thesen von Sascha in Kurzform:

Filtersysteme müssen sozial werden, um Datenflut zu bewältigen. Gesellschaft wird anfangen, die gigantischen Datenmengen immer präziser zu durchsuchen.

Cloud zieht alle Daten ins Netz. Neben den sozialen Filtersystemen werden das Rechte-Management und die Sicherheit relevanter.

Internet wandelt sich in eine riesige Rechte-Management-Maschine. Damit ist nichts anderes gemeint, als eine Übersetzung von sozialen Strukturen ins Netz.

Daten werden prozessualer – man könnte auch philosophisch sagen: Alles fließt (Heraklit). Alle digitalen Produkte gehen diesen Weg. Ständig werden sie benutzt, angereichert, kombiniert, verändert. Es kommen immer wieder neue soziale Umstände dazu.

Ausführlicher möchte ich am Freitag in meiner Kolumne für Service Insiders darüber berichten. Wer sich mit Stellungnahmen in die Diskussion einschalten möchte, sollte sich die Audioaufzeichnung komplett anhören und mir seine Gedanken bis Donnerstagabend (von mir aus auch in der Nacht) mailen oder hier als Kommentar posten. E-Mail: gunnareriksohn@googlemail.com. Werde dann in den Morgenstunden am Freitag den Beitrag schreiben. Gegen 14 Uhr erscheint das Opus – wie immer.

Am Donnerstag bin ich übrigens den ganzen Tag auf der Cebit. Könnte also auch dort Interviews führen – Video und/oder Audio. Um 14 Uhr höre ich mir ein Panel zur De-Mail an. Ansonsten bin ich flexibel. Mobil erreichbar unter 0177-620 44 74.

Einen ersten Bericht hat tn3 bereits publiziert: Sascha Lobo: Wir brauchen die analoge Welt fürs Knutschen

CeBIT läuft rückwärts: Nehmen auch Mitglieder der Bundesregierung teil?


Habe gerade eine sensationelle Pressemitteilung erhalten:

Der Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen, Achim Aretz, hat seine Teilnahme am CeBIT Run 2012 zugesagt. Am 8. März um 19 Uhr startet er gemeinsam mit Standpersonal, Mitarbeitern der CeBIT-Aussteller 2012, Hobby-Läufern und Fitness-Fans zum gemeinsamen Lauf durch die Messehallen.

Wahnsinn. Wenn das nicht Symbolkraft für die CeBIT hat. Da könnten sich doch auch Ilse Aigner und weitere Mitglieder des Bundeskabinetts melden.

Siehe auch: Die staatlichen Internet-Ausdrucker scheitern beim Bürgerdialog 2.0: Bürokratie im Netz

Die perversen Vorstellungen von schlecht angezogenen Cebit-Männern mittleren Alters

Dotcomtod-Alphonso mag die Cebit nicht. Ich mag Hannover nicht und auch die Computermesse geht mir seit Jahren auf den Zeiger. So richtig prickelnd war es auch in diesem Jahr nicht. Wer interessiert sich denn noch für Computer? Es geht um Apps, um Software, um die Wissensgesellschaft, um neue Arbeitsformen, um bürgerfreundliche Dienste des Staates, um – ja Don Alphonso – es geht auch um Social Media.

Aber nicht um Berater oder schlecht angezogene Männer mittleren Alters mit Bauchansatz, die sich auf dem Messegelände ihre Plastikschuhe ruinieren. Ich habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass es um irgendwelchen technischen Schnickschnack geht. Um den berühmten Kühlschrank, der selbständig Eier nachbestellen kann und um Roboter, die meine Haushaltsaufgaben erledigen.

Gut, Reinhard Karger, Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, sprach über Marmelade, die im Supermarkt mit mir kommunizieren kann. Das ist aber sicherlich eher metaphorisch gemeint, Don. Es geht um das Internet der Dinge und Dienste, um das jederzeit verfügbare Web, um Produktinformationen, die weit über das Haltbarkeitsdatum hinaus gehen. Siehe auch die dreiteiligen Youtube-Mitschnitte, die ich semiprofessionell (stümperhaft) angefertigt habe:

Übrigens entschied ich mich vor meiner Abreise zu den ollen IT-Managern kurzfristig gegen Plastikschuhe und wählte stattdessen braune Lederschuhe aus der Pionierzeit der amerikanischen Siedler (siehe Foto oben). Meinen Rennschlitten konnte ich nicht mitnehmen, da die Schneedecke in Hannover doch etwas dünn war. Gleiches gilt für meine Langlaufski von Fischer und für meine Carving-Ski von Völkl. Halbleere Messehallenestrichböden konnte man in Hannover ausgiebig bewundern, da muss ich dem FAZ-Buffetblogger recht geben.

Aber wo es richtig brummte, wo es gut angezogene Frauen und Männer zu bewundern gab, war die Webciety, die von Dunkelmännern der Social Media-Szene zum zweiten Mal organisiert wurde. Da gab es Lederschuhe zu bewundern, Stiefel, farbenfrohe Haarpracht, ab und zu richtig gute Vorträge. Die Halle 6 wirkte wie ein Magnet. Empfehlung an die Messeverantwortlichen: Macht doch aus der ganzen Cebit eine Webciety oder fusioniert einfach mit der IFA-Berlin.

Für die bildungsbürgerliche Modeberatung könnte man ja Don Alphonso gewinnen, der zudem die Messehallen im Stil der Renaissance (natürlich in der spanischen Variante) oder des Barocks (darauf fahren Katholiken ab) gestalten sollte. Auf alle Fälle sollte es eine Teststrecke für Rennschlitten geben, damit man mal sehen kann, was der eine oder andere Blogger wirklich drauf hat. Soweit die sportliche Kampfansage eines Bloggers mittleren Alters. Tischtennis, Kickern, Volleyball, Squash, Fußball oder Hallenslalom gingen natürlich auch.

Wie Digital Natives die Unternehmenskommunikation verändern und was ein Anbieter von Unified Communications an Kompetenzen mitbringen muss

Auf der diesjährigen Computermesse Cebit wird wieder viel von Konvergenz, Unified Communications, Web 2.0, Echtzeitkommunikation, Skype oder VoIP geredet. Experten halten es aber für notwendig, den Buzzwords, Presseschlagzeilen und PowerPoint-Folien auch Taten folgen zu lassen. „Die Konvergenz ist ja schon längst Realität. Jetzt ist es wichtig, dass die angebotenen Lösungen auch zu den Unternehmensprozessen passen“, sagt Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Spezialisten Aastra in Berlin, mit dem ich ein längeres Interview geführt habe. Um das große Thema Unified Communications ins Laufen zu bringen, müsse man die Geschäftswelt gut verstehen und die Technologie beherrschen. „Das ist unser täglicher Job. Wir kommen aus der Ecke, wo Datenübertragung in Echtzeit eine große Rolle spielt. Ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Projekte ist auch, die Anwender auf den Entwicklungspfad mitzunehmen und nicht am Ende mit einer völlig neuen Konstellation zu konfrontieren“, so Latzel.

Beschleunigt werden die Umwälzungen der Unternehmenskommunikation durch die privaten Gewohnheiten der Digital Natives, bei denen Skype, Wikis, Blogs und Social Media intensiv zum Einsatz kommen: „Wir erleben in der Wirtschaft eine Generation mit einem völlig anderen Kommunikationsverhalten. Die kommerzielle Sinnhaftigkeit müsse im Einzelfall genau geprüft werden. Sehr viele Projekte werden in den Kreativabteilungen zwar vorgedacht, müssen aber den Test der harten Realität am Schalter des Finanzchefs erst überstehen“, erläutert Latzel.

Die Wirtschaftlichkeit von neuen Systemen müsse sich in einem Zeitraum von 12 bis 24 Monaten einstellen, dann habe Unified Communications eine große Chance. Fast alle Kommunikationslösungen seien mittlerweile Applikationen im Netz. Anbieter für Unified Communications brauchten neben dem Netzmanagement auch Kompetenzen in der Echtzeitkommunikation, völlig unabhängig, ob es um bewegte Bilder oder Sprache geht. Mit den Versuch-und-Irrtum-Verfahren, die man aus der Informationstechnologie kennt, könne man nicht arbeiten. „Dumm ist es, wenn der Anfang meines Satzes später ankommt als das Ende. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man die Echtzeitkommunikation gut beherrscht. Da hat der klassische Sprachanbieter gewisse Vorteile, weil er sich mit diesem Faktor schon länger auseinandersetzt“, weiß Latzel. Zudem seien offene Schnittstellen und Standards wichtig, damit im Netzwerk Innovationen möglich bleiben und unterschiedliche Systeme zusammengebracht werden können.

Hier eine Kurzversion des Interviews auf Youtube:

Geklaute Mobilfunkwelten, LTE-Feldversuche in Nürnberg und kognitive Funktechnik

dsc_0008Technikjournalisten zufolge haben der Mobile World Congress in Barcelona und die Cebit in Hannover keine Impulse für die Mobilfunkwelt gebracht. Am Ende bleibe nur Enttäuschung und Ratlosigkeit: Keine spektakulären Ideen, wenig Neuvorstellungen und Inspirationen. „Was in diesem Jahr geboten wurde, war vor allem peinlich. Einer guckt vom anderen ab. Microsoft kommt mit seinem neuen Betriebssystem 7 für Taschencomputer nicht in die Puschen. Was macht der Konzern? Er präsentiert ein Interims-Release, Windows Mobile 6.5, und die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, die Geräte nun besser mit dem Finger zu steuern. Abgeschaut bei HTC und seinem Touch Flo-System und natürlich bei Apples iPhone“, schreibt FAZ-Redakteur Michael Spehr. Auch der vom Handy aus erreichbare Marktplatz für Software stamme ursprünglich von Apple. Microsoft mit dem Windows Marketplace und Nokia mit dem Ovi Store würden nur nachahmen. „Wenn Apple neuerdings den Handy-Speicher mit seinem ‚Mobile Me’ ins Internet hinein erweitert, auf dass man mit iPhone und PC auf ein und denselben Datenbestand zugreife, heißt das Plagiat von Microsoft ‚My Phone’ und bei Nokia abermals ‚Ovi’. Die Zielrichtung der großen drei ist damit klar: Wer sich für eines dieser Konvergenzprodukte entscheidet, bindet sich fest an den betreffenden Anbieter, denn natürlich ist nichts untereinander kompatibel“, so Spehr. Insgesamt sei der Auftakt des Mobilfunkjahres 2009 ein Debakel.

„Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Man sollte sein Augenmerk auch nicht nur auf neue Handys oder Smartphones setzen oder welche Apple Store-Kopien sich durchsetzen werden. Vielmehr zeigte der Kongress in Barcelona dem geneigten Fachbesucher zum Beispiel eines: Die neue Technologie Long Term Evolution (LTE) oder 4G, also die vierte Mobilfunk-Generation kommt ins Laufen. Das konnte man zum Beispiel an der Ankündigung von Verizon ablesen, dem größten US-Mobilfunkanbieter, sein Netzwerk in den nächsten Jahren auf LTE umzustellen. Dabei haben Alcatel-Lucent und Ericsson den Zuschlag bekommen. Wie ich finde, eine gute Nachricht für die europäische Telekom-Branche. Nicht zu übersehen war auch die fulminante Präsenz von Ausrüstern aus Asien, allen voran China mit Huawei und ZTE, die eine zunehmende Konkurrenz für die europäischen und amerikanischen Platzhirsche darstellen. Die haben den Ernst der Lage jedoch erkannt“, erläutert Mobilfunk-Experte Dirk Zetzsche von Nash Technologies in Nürnberg. Er geht davon aus, dass vor allen Dingen die Länder der westlichen Hemisphäre auf die LTE-Technologie setzen werden. Sein Unternehmen betreibe in Nürnberg bereits ein eigenes Netz für Feldtests der Netzbetreiber.

So habe der Nokio-Chef Olli Pekka Kallasvuo eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Qualcomm angekündigt, um neue Handys zu bauen, basierend auf den Chipsätzen von Qaulcomm und Nokias S60 Plattform. „Alles in allem kein schlechter Auftakt in das Mobilfunkjahr 2009, auch wenn das kaffeekochende Smartphone und der einzigartige Superstore nicht gezeigt wurden“, meint Zetzsche im Gespräch mit NeueNachricht.

Allerdings klaffen zwischen den Funktionen der neuen Endgeräte und den angebotenen Diensten der Netzbetreiber noch Lücken, betont Aastra-Deutschlandchef Andrea Latzel. „Ob die eingebaute Kamera sechs, acht oder zwölf Megapixel Auflösung hat, spielt im Grunde keine Rolle, genauso wenig, ob das Betriebsystem des Smartphones Mac OS X, Windows Mobile, Symbian oder Android heißt. Insofern variieren die gezeigten Geräte den zur Verfügung stehenden Pool an Leistungsmerkmalen in beliebiger Kombination. Was aber auch nicht wundert, da die den technischen Plattformen der Handys zugrunde liegenden Prozessoren und Chips ziemlich gleich sind“, sagt Latzel. Die Rückkopplung der Leistungsmerkmale auf die angebotenen Dienste der Netzbetreiber entscheidet, ob Geräte in die Subventionierung über Mobilfunkverträge gehen oder nicht. „Und damit entscheidet sich, ob ein Gerät ein Massenmodell wird oder ein Nischenmodell in geringer Stückzahl bleibt. Die Situation um mobiles Fernsehen in Deutschland und das Mobile 3.0 Konsortium hat deutlich gezeigt, dass Technologie und Inhalte keine kommerzielle Chance haben, wenn die Netzbetreiber nicht in die Geschäftsmodelle involviert sind. Mit der Broadcast-Übertragung über DVB-H und der Lizenz im Besitz eines Konsortiums ohne Teilnahme der Mobilfunknetzbetreiber war im Grunde das Scheitern dieses Dienstes vorprogrammiert“, kritisiert Latzel.

Was derzeit weiter fehle, seien interessante und gleichzeitig für den Betreiber profitable Anwendungen. Apple habe das mit dem iPhone und iTunes exemplarisch vorexerziert, und damit auch die Netzbetreiber eingefangen. Wobei die Mobilfunknetzbetreiber nur als Vertriebsvehikel und Bitpipe für Apple dienen würden. Richtig Spaß wird der Mobilfunk erst machen, wenn man sich als Anwender über die kryptischen Abkürzungen wie GMS, GPRS, HSDPA, EDGE, Bluetooth, UMTS, WLAN oder LTE keine Gedanken mehr machen muss. Abhilfe könnte der so genannte „kognitive Funk“ schaffen: „Das Telefon der Zukunft sucht sich die schnellste oder billigste Verbindung automatisch aus – der Nutzer muss sich um lästige Details nicht mehr kümmern. Kommt man unterwegs zum Beispiel an einem offenen WLAN vorbei, schaltet das Handy nahtlos von der teuren UMTS-Verbindung auf WLAN um – und verbindet sich beim Verlassen des Netzes ohne Unterbrechung wieder mit UMTS“, berichtet die Zeitschrift „Technology Review“.

Bereits in drei Jahren könnte es nach Prognosen von Intel-Forscher Krishnamurthy Soumyanath erste Chips geben, in denen Ansätze von kognitiver Funktechnik enthalten sind. Das größte Problem sei nicht technischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Man brauche völlig neue Vertragsmodelle, Bezahlsysteme und gegenseitige Vereinbarungen der Netzbetreiber.

Die Netbook-Androiden kommen: Kampf zwischen Microsoft und Google um die Computer-Hoheit geht in eine neue Runde

Norbert Wiener, Mathematiker und "Vater der Kybernetik"In Kinofilmen und Romanen sind sie schon längst Realität: Maschinen, die reden, denken und fühlen wie Menschen, technisch optimierte Zwitterwesen, denen Neuroimplantate übermenschliche Kräfte und Fähigkeiten verleihen oder intelligente, allwissende Computersysteme. Wissenschaftler für Künstliche Intelligenz (KI) sind davon überzeugt, dass es eines Tages tatsächlich Cyborgs und Androiden geben wird – denkende Maschinenwesen. Künstliche Intelligenz soll auch das Google-Betriebssystems Android erlangen, das nach einer Ankündigung von Asus auf Netbooks installiert werden soll. Derzeit werde der Einsatz des bisher auf Handys zugeschnittenen Betriebssystems auf Netbook-Modellen der EeePC-Serie getestet, bestätigte Asus-Europachef Eric Chen der Nachrichtenagentur dpa auf der Cebit in Hannover. Noch sei das Projekt in der Versuchsphase, sagte Chen. Erste Ergebnisse werden laut Chen in ein bis zwei Monaten vorliegen. „Mit Preisen von 200 bis 600 Euro sind die kleinen und leichten Netbooks derzeit das einzige deutlich wachsende Segment im PC-Markt. Die Marktforscher von Gartner prognostizieren für dieses Jahr einen Absatzsprung von 11,7 auf 21 Millionen Geräte. Zugleich werde der PC-Markt insgesamt mit einem Absatzrückgang von 11,9 Prozent auf 257 Millionen Computer den stärksten Einbruch seiner Geschichte erleben“, berichtet Spiegel Online.

Wenn Asus Android-Netbooks auf den Markt bringt, werde das weitreichende Folgen haben: „Da Android auf Linux aufbaut, unterliegt es keinerlei Beschränkungen, was die Hardware angeht. Zudem ist Android bereits bestens auf mobile Kommunikation vorbereitet. Damit würde es sich perfekt für Netbooks mit eingebauter Mobilfunkkarte eignen. Diese neue Kategorie der UMTS-Netbooks ist noch vergleichsweise jung und rennt vor allem bei Mobilfunkanbietern offene Türen ein“, so Spiegel Online.

Ein günstiges und hübsches UMTS-Netbook mit guter Hardwareausstattung, integrierter Mobilfunkkarte und Android-Betriebssystem wäre ein fast sicherer Erfolg – auch für Google: „Nicht ungeschickt, die Stärken von Linux zu nutzen, und die Schwächen durch eine eigene Entwicklung auszumerzen. Was rauskommt, könnte ein Fancy-Mobile-Linux sein, Android eben. Für den Privatkundenmarkt wird dies aus meiner Sicht auch hohe Erfolgschancen haben, vielleicht nicht bei der Kundschaft für Computerspiele, aber bei den ‚allways on’ urbanen Anwendern schon“, prognostiziert Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums in München und CIO des Technologiespezialisten Bizerba. Damit werde der Kampf um die Computer-Hoheit zwischen Microsoft und Google neu und intensiv entfacht.

„Für Unternehmen sehe ich derzeitig keine Auswirkungen. Dort liegen die Kriterien und Messlatten an anderer Stelle: Administrative Einbindung in die Unternehmenssoftware, Verfügbarkeit von Unternehmenssoftware, Aufwandsbewertung für die Systemintegrationen. Dennoch könnte es in der Geschäftswelt auch Nischen geben, beispielsweise bei mobilen Anwendungen, wo bereits heute mit Sonderlösungen gearbeitet wird. Windows Mobile ist ein Betriebssystem, das durch Windows 7 oder Android mittelfristig ersetzt werden könnte. Denn ein E-Book ist eines Tages nichts anderes mehr als ein etwas zu groß geratenes Multifunktionshandy“, resümiert Rebetzy.

Cebit: IT-Champions für den Mittelstand gekürt

Die Initiative Mittelstand hat auf der Cebit die Gewinner für den INNOVATIONSPREIS-IT 2009 bekannt gegeben. Vor mehreren hundert Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wirtschaft wurden die innovativsten und am besten für den Mittelstand geeigneten IT-Lösungen aus 2000 Bewerbungen geehrt. Zu den Gewinnern gehören Unternehmen wie Google, Grundig, QSC, Aastra oder Lancom Systems. So kürte die 60-köpfige Fachjury den Kommunikations-Server Aastra 800 zur besten Lösung in der Kategorie VoIP. „Mit dieser Prämierung hat auch die Initiative Mittelstand die besondere Leistungsfähigkeit, Flexibilität und Offenheit unseres Call Managers anerkannt. Aastra hat sich auf die Fahnen geschrieben, seine Kunden mit Hilfe offener Lösungen bestmöglich beim Optimieren ihrer Prozesse zu unterstützen – und hat dabei früher als andere Hersteller konsequent auf Standards wie VoIP und SIP gesetzt. In Krisenzeiten spielt die Garantie des Investitionsschutzes eine Hauptrolle. Die Ansprüche des Mittelstands an umfassende Lösungen für Unified Communications steigen. Die Software Aastra 800 macht sämtliche technische Möglichkeiten individuell angepasster Lösungen, die bislang großen Kunden vorbehalten waren, auch für klein- und mitteständische Unternehmen nutzbar“, so Thomas Stephan, Head of Product Management von Aastra. Die Kategorie Business Intelligence konnte das Steinbeis-Transferzentrum mit dem Management Monitor für sich entscheiden.

Bereits im sechsten Jahr haben die Initiative Mittelstand und der Huber Verlag für Neue Medien den INNOVATIONSPREIS-IT verliehen. TV-Moderator Markus Brock (SWR) führte durch die Veranstaltung aus dem NORD/LB-Forum. Die Hauptrede hielt Internet-Publizist Tim Cole und erklärte unter dem Titel „Das Ende der Eintagsfliege“ warum der Mittelstand nachhaltige IT-Innovationen braucht. Stellvertretend für alle von der Jury ermittelten 34 Kategorie- und 18 Landessieger wurden anschließend auf der Bühne die Preise in den Kategorien Green-IT, Telekommunikation, On Demand und IT-Security überreicht. Professor Norbert Pohlmann von der Fachhochschule Gelsenkirchen und Boris Groth, Geschäftsführer des Fraunhofer-Verbund Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) repräsentierten die Jury aus Wissenschaftlern, Fachjournalisten und IT-Experten.

Webciety-Panels auf der Cebit: Livestream zu den Expertengesprächen

image_galleryZum Livestream. Bislang hatten die noch nicht sehr viele Zuschauer.

Sascha Lobo hat gegenüber tagesschau.de erklärt, um was es geht.

Cebit-Debatte über Cloud Computing: Wundermittel oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Mehr als jeder zweite Manager und IT-Chef sieht in Cloud Computing eine nützliche Technologie-Option, um die Wirtschaftlichkeit in Unternehmen anzukurbeln. Das ist das Ergebnis einer global durchgeführten Umfrage des Beratungsunternehmens Avanade unter mehr als 500 Wirtschaftsentscheidern in Deutschland und 16 weiteren Ländern.

72 Prozent aller Befragten weltweit und 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland vertrauen zur Zeit ihren eigenen Systemen und sehen die Nutzung von Software und Hardware als Internetservice von Drittanbietern noch skeptisch. Grund sind Sicherheitsbedenken und die Angst davor, die Kontrolle über Daten und Systeme zu verlieren. Gleichzeitig jedoch berichtet ein großer Teil der Unternehmen (42 Prozent weltweit, 25 Prozent deutschlandweit), dass ihre aktuellen internen Systeme zu teuer sind.

„Die globale Studie zeigt, dass Unternehmens- und IT-Manager die Vorteile von Cloud Computing bereits verstanden haben – sie wissen, dass die Systeme entscheidende Verbesserungen bedeuten können”, sagt der Avanade-Manager Tyson Hartman. Gleichzeitig blockieren jedoch Sicherheitsbedenken und die Angst vor einem Kontrollverlust über Daten eine weitere Verbreitung im Markt. „Unsere Branche steht nun vor der Herausforderung, mit diesen Bedenken aufzuräumen und handfeste Strategien und Wege aufzuzeigen. Cloud-basierte Services sollen schon heute implementiert und ein langfristiger Plan in die Wege geleitet werden, um einen wirtschaftlichen Nutzen für die Zukunft zu schaffen“, erklärt Hartmann.

Beim Cloud Computing zweifeln viele deutsche Unternehmen jedoch noch, ob es sich um eine zukunftsfähiges Konzept oder nur um einen „Hype“ handelt: „Die Argumentation für Cloud Computing unterscheidet sich in vielen Details nicht von den Argumenten, die viele Jahre für Großrechner angeführt wurden, nun verbunden mit einer Netzversorgungsphilosophie, die neben unbegrenzten Übertragungskapazitäten auch unbegrenzte Rechenkapazitäten verheißt. Nach dem Ende der Großrechnerära wurde in den 90er Jahren von einigen IT-Herstellern das Network-Computing propagiert, wo die einfachen Terminals zwar durch Lite-PCs ersetzt wurden, aber die Applikationen aus dem Netz kommen. Das hatte keinen Erfolg“, so Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieters Aastra.

Die Cloud Computing-Prediger würden verkennen, dass es komplett gegenläufige Trends zu großen, mächtigen Computerzentren und damit auch zu Anbietern der Leistungserbringer gibt. „Open Source etwa, wo zunehmend auch viele große Unternehmen auf freier, unter der Open Source Lizenz veröffentlichter Software aufsetzen und diese für ihre Modifikationen und Erweiterungen benutzen. Ob Linux, OpenOffice oder Mozilla, es gibt viele gute Gründe für Open Source“, sagt Latzel. Ein weiteres Gegenargument sei die zunehmende Mobilität. „Es gibt keine unbegrenzte Bandbreite. Selbst in Deutschland, wo UMTS seit vier Jahren kommerziell verfügbar ist, lässt sich selbst mit Bandbreiten nach R99 nicht flächendeckend und in allen Gebäuden arbeiten, von schnelleren Bandbreiten nach HSDPA und LTE ganz zu schweigen. Auch WLAN-Hotspots sind nur begrenzt verfügbar. Somit muss jede Anwendung für die Geschäftswelt auch darauf ausgelegt sein, offline arbeiten zu können. Dazu kommt die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Anwender, für sehr hohe mobile Bandbreiten zu bezahlen, so dass eher Bandbreiten in Frage kommen, die lediglich Anwendungsdaten übertragen, aber nicht eine zentralisierte Rechenleistung unterstützen“, führt Latzel weiter aus.

Als Skeptiker hat sich auch der Free-Software-Guru Richard Stallman offenbart. Für ihn ist Cloud Computing schlicht eine „Dummheit“. Zumal unter diesem Begriff nichts Neues zusammengefasst werde. Doch Stallman zieht nicht nur gegen alten Wein in neuen Schläuchen zu Felde: Er sieht reale Gefahren für die Anwender. Es könnten neue Abhängigkeiten entstehen und die Kosten explodieren. „Das Interessante am Cloud Computing ist, dass wir es so re-definiert haben, dass es vor allem Dinge enthält, die wir ohnehin schon tun“, so Stallman. Der Begriff sei vor allem durch die Industrie geprägt worden. In erster Linie beschreibe es jedoch die Tatsache, dass die Anwender die Hoheit über ihre Computer an die Hersteller und Anbieter abgeben. Und diese Hersteller heißen Google, Microsoft und Amazon. „Cloud Computing ist nicht neu, und vielleicht eher als Fortführung des Gridgedankens vor zehn Jahren zu sehen, nämlich der Nutzung der Netzwerk-Ressourcen, Computing aus der Steckdose oder ASP Modelle. Die Realität ist jedoch anders: Die Performance ist durch die Komplexität der Applikationen limitiert“, erläutert Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums.

Sie leide immer unter dem schwächsten Glied in der Kette. „Und das wechselt ab und an die Lager: Heute die CPU, morgen das I/O Verhalten und dann vielleicht die Netzperformance. Wir sollten auf den Boden der Realität zurückkommen und die verfügbaren Technologien wertsteigernd einsetzen – anstatt mit Schlagworten den Nebel zu verdichten“, fordert Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba.