Ticketshop für die Gamescom 2013 gestartet: Vorverkauf empfehlenswert

Gamescom 2012

Die Vorbereitungen für die Gamescom 2013, die vom 21. bis 25. August stattfindet, laufen auf Hochtouren. In diesem Jahr kann man nach Angaben des Messeveranstalters Neuheiten erwarten von Nintendo, Electronic Arts, Bethesda Softworks, Bigpoint, Deep Silver/Koch Media, Konami, NCSOFT, Riot Games, Ubisoft, Wargaming und Warner Bros haben so früh wie nie zuvor zugesagt. Ebenfalls bereits bestätigt sind AK Tronic, astragon, Bigben Interactive, bitComposer, Caseking, CD Projekt, Fishlabs, flashpoint, Gaya Entertainment, Kalypso Media, Korea Creative Content Agency, Mad Catz, Medion, NVIDIA, Razer, Roccat, UKIE und Turtle Entertainment.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Markt und der hohen gamescom-Nachfrage rechnen die Organisatoren mit einem höheren Besucheraufkommen als in den Vorjahren. Ab sofort ist der Ticket-Shop für Fach- und Privatbesucher geöffnet. Die Eintrittskarten sind auch in diesem Jahr im Vorverkauf bis zu 25 Prozent vergünstigt.

„Das im vergangenen Jahr angepasste Ticketingsystem, inklusive neuem Eingangsmanagement, hat sich bewährt. Die Aufenthaltsqualität für unsere Besucher konnte so nochmals optimiert werden. Aufgrund der mit Spannung erwarteten Neuheiten der Industrie und der aktuell sehr hohen gamescom-Nachfrage ist nicht auszuschließen, dass neben dem Samstag auch die Tagestickets für die weiteren Messetage vorzeitig vergriffen sein werden. Daher empfehlen wir unseren Besuchern den Vorverkauf verstärkt auch in diesem Jahr“, so Tim Endres, Projektmanager der Gamescom.

Eintrittskarten für alle Tage gibt es nur solange bis die maximale Besucherzahl des Tages erreicht ist. Außerdem werden Eintrittskarten für den Samstag exklusiv nur im Vorverkauf angeboten. Die Tageskarten für den Samstag waren im vergangenen Jahr bereits im Vorverkauf vergriffen. Samstag ist erfahrungsgemäß der besucherstärkste Tag. Viele Besucher reisen extra an diesem Wochenendtag nach Köln. Alle Gamescom-Besucher, die bereits im Vorverkauf eine Eintrittskarte erworben haben, erhalten damit direkt über die Halle 11 Einlass – dem exklusiven Eingang für Privatbesucher mit Vorverkaufsticket. Wie jedes Jahr ist die Eintrittskarte zugleich Fahrausweis im öffentlichen Personennahverkehr des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) und des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) in der zweiten Klasse.

Dann werde ich mir wohl wieder für den Pressetag schnell Karten besorgen, um die Neuigkeiten des Landwirtschaftssimulators 2013 zu beleuchten 😉

Plädoyer für eine Anti-Spitzer-Bewegung: Digitale Demenz ist ein Problem von alten Hirnforschern

Gestern konnte ich eine private Premiere feiern :-). Ich sah zum ersten Mal in voller Länge die Talkshow von Günther Jauch im Ersten. Es sind wohl die Spätfolgen des Christiansen-Syndroms, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben, dass ich mir fast nie irgendeine Talksendung anschaue, die uns täglich angeboten wird.

Der Grund für die Ausnahme ist schnell erklärt. Wegen meiner kleinen Polemik zur digitalen Demenz des Hirnforschers Manfred Spitzer rief die Jauch-Redaktion Anfang vergangener Woche an und fragte, ob ich nicht Interesse hätte, an der Runde teilzunehmen. Da das bei mir am Wochenende nicht ging, wollte ich zumindest erfahren, was die „prominenten“ Kontrahenten von Spitzer an Argumenten vortragen. Eigentlich hat man in dem TV-Format keine großen Möglichkeiten, so ein komplexes Thema wirklich sachgerecht zu behandeln. Das war auch gestern so. Zu einem ähnlichen Befund kommt Spiegel Online-Redakteur Ole Reißmann:

„Mal abgesehen vom immerhin noch lustigen Umstand, dass ausgerechnet im weitgehend passiv genutzten Fernsehen so über die größte interaktive Wissensmaschine der Geschichte gelästert wird – es war größtenteils wirklich schlimm. Wobei es später noch Punkte für Gelassenheit und Kompetenz zu verteilen gibt, allerdings nicht für Jauch und seinen Kronzeugen, den Psychiater Manfred Spitzer. Der hat ein Buch geschrieben, in dem er vor Internet-Verdummung warnt und Eltern aufträgt, ihren Nachwuchs möglichst lange von Computern fernzuhalten. Es ist ein gewagtes Mash-up aus rhetorischen Fragen, Allgemeinplätzen und ausgewählten Studien. Die Jauch-Redaktion prügelt Spitzers 368-Seiten-Pamphlet für die Fernsehzuschauer in einen Satz: ‚Wir klicken uns das Gehirn weg‘.“

Reißmann verweist dabei auf zwei sehr löbliche Initiativen. Etwa die von Martin Lindner im Carta-Blog. Martin hat sich durch das Spitzer-Opus förmlich gequält. Nach meiner Wochenend-Lektüre des Demenz-Buches kann ich das bestätigen.

„Diese Suada ist, mit dem Vorwort beginnend, die erste, alles verbindende Schicht des Buchs. (‚Aber, Herr Spitzer, höre ich oft besorgte Eltern fragen …‘ diese merkwürdigen Einsprengsel durchziehen übrigens das komplette Buch, gs). Es liest sich über weite Strecken wie eines dieser obskuren Bücher im Eigenverlag, mit denen selbsternannte Warner und Weltretter in der untergegangenen Gutenberg-Galaxis ihre wirren Meinungen mikropublizierten, vor der Erfindung des Blogs. Der Text genügt selbst in keiner Weise den Maßstäben, die die bildungsbürgerliche Kultur an Argumentation und Stil stellt. (Obwohl ausdrücklich dem Lektor für den Schliff an diesem ‚Rohdiamanten‘ gedankt wird!) Aber das macht nichts, weil es keine/r liest, außer denen, denen dieser Erguß aus der Seele spricht. Ansonsten ist das ein Talkshow-Buch“, schreibt Lindner.

Und dieser Trick funktioniert doch. Spitzer wird jetzt durch die Sender getragen. ZDF, ARD und Co.

Die Gegner von Spitzers Thesen würden in der Regel vor der “Hirnforscher”-Pose einknicken: “Die Ergebnisse Ihrer Forschungen bestreite ich ja gar nicht, aber …”

Und schon habe er gewonnen.

„Wäre er nicht der ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, mit vielen peer-reviewten englischsprachigen Aufsätzen zur Wirkung von Depressionen und Sucht auf das Langzeitgedächtnis, würde kein Hahn danach krähen. Sobald man ein klein wenig näher hinschaut (was NormalleserInnen nicht tun und auch kaum können), sieht man, dass es hier keine (!) klaren wissenschaftlichen Ergebnisse gibt, die als bewiesen gelten dürfen – obwohl Spitzer ständig gegen seine Feinde, die Medienpädagogen, polemisiert und auf ‚über 200 Studien‘ verweist, die er ausgewertet habe“, führt Lindner weiter aus.

In der After Jauch Show, an der ich auch teilnahm (mit etwas Verspätung, da ich mit den Missbrauchsfällen am katholischen Gymnasium Cojobo beschäftigte), machte Martin Lindner dann noch eine interessante Anregung. Man sollte das Spitzer-Werk kollaborativ auseinandernehmen – ähnlich wie die Doktorarbeit von Ex-Minister Gutti. Erste Ansätze sind auf Carta und im Dotcom-Blog nachzulesen.

Noch einen Schritt weiter geht der Gaming-Experte Christoph Deeg, der zu einer Anti-Spitzer-Bewegung aufruft. Es reiche nicht aus, dass demente Büchlein zu zerlegen und die Fakten-Melange auf Richtigkeit zu prüfen. Alte Männer wie Spitzer präsentieren keine Lösungen für den Trend zur Vernetzung, sie sind das Problem, warum wir in Deutschland immer mehr in digitaler Mediokrität versanden.

In ausführlicher Form werde ich in meiner The European-Mittwochskolumne auf das Interview mit Deeg eingehen. Weitere Anregungen sind natürlich wie immer willkommen!

Die digitale Demenz ist ungefähr genauso valide wie Forschungsergebnisse der Florida Atlantic University: Twitter-Kurznachrichten geben angeblich Rückschlüsse auf Psychopathien. Eher sind es Projektionen von anmaßenden Wissenschaftlern, die sich im herrischen Kasernenton austoben und gerne mit erhobenen Zeigefinger den Schlaumeier herauskehren – wie Spitzer in der Jauch-Sendung.

Siehe auch:

Wer schützt uns vor den Jugendschützern? Der Abstieg in den Internet-Provinzialismus.

Das Geschäft mit der “German Angst” oder Wie bringt man ein Sachbuch auf die Bestsellerliste?

Was Innovationsbürokraten in Wissenschaft und Wirtschaft von der Gamingszene lernen können

In meinem Vortrag auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare griff ich einen Vorschlag von Ulf Pillkahn auf, der bei Siemens für Zukunftstechniken zuständig ist. Er plädiert dafür, den Zufall über Ideen für neue Produkte entscheiden zu lassen. Warum?

„Wirkliche Neuerungen sind nicht kalkulierbar: Eine Idee kann zu einem tollen Produkt führen oder aber spinnert sein. Letzteres ist viel wahrscheinlicher, die Floprate bei Innovationen ist hoch. Mit dieser Unsicherheit tun sich Manager schwer. Sie sind darauf getrimmt, möglichst effizient zu wirtschaften und werden an diesem Ziel gemessen. Deshalb neigen sie dazu, das, was ihre Firma kann, zu perfektionieren – wie in der Formel 1, wo aus den Rennautos das Allerletzte herausgekitzelt wird. Nur stehen in der Formel 1 der Kurs und die Spielregeln fest, während sie sich für Unternehmen in der Marktwirtschaft rasch ändern können. Deshalb ist Effizienz auf Dauer gefährlich: Sie führt zum Tunnelblick“, sagte Pillkahn in einem Interview mit brand eins.

Es müsse allerdings nicht unbedingt Innovations-Roulette sein, man könnte beispielsweise auch „Spielgeld“ verteilen, also Etats, über die Mitarbeiter frei verfügen können, um ihre Ideen zu verwirklichen. Grundsätzlich ist Pillkahn davon überzeugt, dass solche Methoden notwendig sind, um die Innovationsträgheit von großen Organisationen zu überwinden. In der anschließenden Diskussion mit dem Informare-Auditorium wurden meine Thesen kontrovers aufgenommen. Interessant war die Meinungsäußerung von Christoph Deeg vom Verein „Zukunftswerkstatt für Kultur und Wissensvermittlung“, der das ähnlich sieht wie Pillkahn. Die kontrollsüchtigen Innovationsbürokraten in Wissenschaft und Wirtschaft könnten von der Gamingszene einiges lernen. Das versucht er über so genannte Gaming-Roadshows zu vermitteln. Was die Zukunftswerkstatt dabei erreichen will, erläuterte Deeg in einem Youtube-Interview, das ich nach der Tagung mit ihm führte (siehe oben). Ein ausführlicher Bericht wird am Montag in meiner Kolumne für das Debattenmagazin „The European“ erscheinen.

Sag es einfach: Abkehr von der technischen Litanei der IT-Branche – Erotikfaktor von Betriebssystemen eher bescheiden

Für die Titelstory der absatzwirtschaft (Märzausgabe) habe ich zwei Artikel geschrieben. Hier eine kleine Kostprobe: Steve Wozniak ist ein begnadeter Mathematiker und zählt zu den legendärsten Computeringenieuren aller Zeiten. So stilisiert sich zumindest der frühere Weggefährte von Steve Jobs und Erfinder des Apple I in seiner eigenen Biografie. Was Wozniak nicht ist, ein Marketinggenie. Das wollte er nie sein und äußert sich dementsprechend enttäuscht, dass sein alter Kumpel Jobs nicht den Ingenieur in den Mittelpunkt des Unternehmens stellte. Von Anfang an war Apple als Marketing-Unternehmen konzipiert: „Das Produkt wird sich mit anderen Worten danach richten, welche Wünsche und Anforderungen die Marketing-Abteilung bei den Kunden finden wird. Das ist das genaue Gegenteil von einem Ort, wo Ingenieure einfach das konstruieren, was ihnen Spaß macht, und das Marketing anschließend Wege findet, um das Produkt zu vermarkten“, so Wozniak. Genau das sei der Grund, warum „Woz“ nur noch über alte Zeiten sinniert und Steve Jobs zu den erfolgreichsten IT-Unternehmern der Welt zählt, meint Peter B. Zaboji, Chairman des Frankfurter After Sales-Spezialisten Bitronic, nach einem Bericht der Zeitschrift absatzwirtschaft http://www.absatzwirtschaft-shop.de: „Obsessionen für technische Perfektion sind ja schön und gut. Am Ende des Tages ist der Markterfolg entscheidend und nicht die Selbstverliebtheit von Ingenieuren. In vielen IT-Unternehmen sind Marketing, Management und Führung immer noch viel zu herstellerorientiert“, kritisiert Zaboji zum Start der Computermesse Cebit.

Der Erfolg der Apps für Smartphones zeige sehr deutlich, dass man in der IT-Branche neue Geschäftsmodelle nur über den Nutzen etablieren kann und nicht über das Formulieren und Transportieren von technischen Features, sagt Oliver Kaltner, Country Manager Entertainment & Devices bei Microsoft Deutschland und ehemaliger Geschäftsführer der Sony Deutschland GmbH. Der „Erotikfaktor“ eines Betriebssystems wie Windows 7 sei relativ bescheiden. „In der Vergangenheit haben wir dazu tendiert, ein Betriebssystem wie ein Betriebssystem zu vermarkten, nämlich über technische Features. Bei Windows 7 haben wir uns deshalb mit der Firmenzentrale in Redmond auf zwei Strategieaspekte verständigt. Nummer eins: Wir zeigen nicht alles auf, was Windows 7 kann, sondern konzentrieren uns auf vier einfache Botschaften. Windows 7 macht Deine Maschine schneller, gibt Dir eine bessere Struktur mit einer intuitiven Benutzeroberfläche, macht Dein System sicherer und richtet Dir das Betriebssystem nach Deinen Wünschen ein. Nummer zwei: Wir lassen diejenigen über die vier Botschaften sprechen, die am Ende des Tages das Produkt auch nutzen“, erläutert Kaltner.
Zum ersten Mal in der Geschichte von Microsoft habe es hundertprozentig gepunktet. Die Kampagne sei menschlich, sympathisch, einfach in den Botschaften und von Kunde zu Kunde gestrickt. Die Produktentwickler seien damit am Anfang nicht einverstanden gewesen, weil das Betriebssystem eigentlich viel mehr könne. „Wir halten das allerdings für wegweisend in der Kundenansprache. Im nächsten Schritt wird via Onlinekommunikation und Blogging kommuniziert, was das Programm alles kann. Mit diesen Maßnahmen bauen wir eine viel intensivere Kundenbeziehung auf. Das ist ein völlig neuer Aufschlag für die IT-Company Microsoft“, so Kaltner.

Microsoft werde noch vor Ende des Jahres ein Produkt auf den Markt bringen wollen, das den Umgang mit Computern ebenso radikal verändert wie seinerzeit die Computermaus. Beim „Project Natal“ sei nicht mehr das Interface-Design, sondern „out of your face design“ das Gebot der Stunde.

„Was Nintendo mit der Wii geschafft hat, ist der Beleg für die These, dass es nicht mehr um die Hardware geht. Die Entwickler haben erkannt, dass ein Großteil der Kunden grundsätzlich am digitalen Spiel interessiert ist, aber Angst davor hat, Hardware in die Hand zu nehmen und steuern zu müssen. Der Zugang zum Spiel muss vereinfacht werden und die Hardware darf nicht im Wege stehen. Wir gehen jetzt deutlich in die nächste Generation, denn es ist überhaupt keine Hardware mehr im Spiel. Bei uns ist kein Controller mehr notwendig, zudem kommt das Element der Sprachsteuerung hinzu. Beides hat zum Ziel, möglichst viele Konsumenten zum interaktiven Spiel zu bewegen und als gesellschaftliches Erlebnis zu Hause werden zu lassen. Der Blamierungsfaktor strebt dann gegen null und geht weit über das Thema Gaming hinaus“, sagt der Country Manager im Interview mit der absatzwirtschaft, die sich in ihrer Märzausgabe dem Thema IT und Marketing widmet. Natal sei der Weg zum „Gaming für Jedermann“ unter Einbindung der Social Media Networks wie Facebook und Twitter. Es werde über das Spielerlebnis hinaus ein Eisbrecher für ein neues User Interface sein: „Die Kulturgeschichte des Spiels hat gezeigt, dass sie Einfluss genommen hat auf andere gesellschaftliche Entwicklungen. Dafür wird auch die Bewegungs- und Sprachsteuerung des „Projects Natal“ sorgen“, ist sich Kaltner sicher.