Über die Desorganisation der Netzbewegung und die Herrschaft der alten Eliten #DigitaleAPO @WinfriedFelser @th_sattelberger

Plädoyer für die digitale APO
Plädoyer für die digitale APO

Wenn wir nur auf die Technologie starren, kommen wir bei der Digitalisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft keinen Millimeter voran, so das Credo von Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser bei einer Diskussionsrunde von Interactive Cologne. Die Digitalisierung sei nur der Möglichmacher.

„Entscheidender ist die Änderung der Denkmuster. Wenn wir uns vom Ego-Denken nicht in Richtung Eco-Denken bewegen, passiert wenig. Die Meteoriteneinschläge sind nicht nur digital“, so Felser.

Digitale Fähigkeiten seien notwendig aber nicht hinreichend für die Transformationsfähigkeiten. Wenn wir weiterhin in Silos verharren und dabei ein wenig Facebook machen, ist das eben nur ein digitaler Zuckerguss, den ich in meiner The European-Kolumne beschrieben haben.

Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien, Seilschaften und Pseudoeliten. Was wir häufig in Deutschland erleben, ist das genaue Gegenteil. Die alten Eliten verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft. Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die alten Eliten abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von „gewöhnlichen“ Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Nachzulesen im Standardwerk von Manuel Castells „Das Informationszeitalter I – Die Netzwerkgesellschaft“ und bei Winfried Felser.

Die Positionselite in Wirtschaft und Politik hilft bei der Desorganisation der Gesellschaft kräftig nach. Wie das funktioniert, konnte man beim Niedergang der Piraten beobachten. Es lag nicht nur an der inneren Zerstrittenheit. Das Establishment in Deutschland konfrontierte die netzpolitische Bewegung mit Themen, die nichts mit ihrer Kernkompetenz zu tun hatte. Leider sind die Piraten darauf reingefallen. Rettungsanker für Schlecker-Mitarbeiterinnen? Darauf hatten die Hasardeure der Weltmeere nicht sofort eine Antwort parat. Rente, Steuern, Mindestlohn, Afghanistan, Finanzkrise, Euro, Zebrastreifen, Verkehrsberuhigung in Pimpelhausen, Spontanvegetation an Straßenkreuzungen, Trittbrettfahrer beim Verpackungsrecycling, Sonnenfinsternis, Klimawandel, Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren, Ausbreitung von gefährlichen Viren in Krankenhäusern: Zu all diesen Themen kamen von der Enterhaken-Partei keine Aussagen. Mit diesem recht simplen Trick konnten die Etablierten wieder zur Tagesordnung übergehen und die Digitalpolitik wieder zu einem Randereignis abstempeln.

Nach dieser Methodik verfahren auch einige Protagonisten der Wirtschaftswelt. Barcamps seien esoterischer Quatsch, Netzgemeinde oder Netzaktivisten klingen irgendwie nach Sekte. Alles dummes Zeug. Um auch in der digitalen Welt im vertrauten Klüngel-Kreis zu bleiben, gibt es ein paar Aktivitäten auf Facebook und Twitter – mehr nicht. Opium fürs Netzvolk.

Rein taktisch haben die etablierten Kräfte im Netz kräftig zugelegt, ihre digitale Kompetenz ist dennoch überschaubar. An dieser Schwachstelle sollten die Netzaktivisten ansetzen. Digitalisierung, Vernetzung und digitale APO sind gefragt 🙂 Wenn sich nichts tut, herrschen halt die alten Eliten weiter.

Auch das sollten wir ändern: Linkgeiz 2015 – kontinuierlich nachlassende Verlinkung der Bloggosphäre.

Siehe auch: Thomas Sattelberger und der Club der toten Dichter für unternehmerische Freidenker.

Management-Gichtlinge, Davoser Seilschaften, APO und @wilddueck #Arbeiten40 #nöcbn

Sessionplanung
Sessionplanung

APO-Provokationen in der Bertelsmann-Stiftung 🙂

Siehe auch:

APO-Denklabore für die digitale Revolte.

Sieben Kompetenzen, die wir brauchen werden, um in einer Welt der ständigen Veränderung klarzukommen.

Was die Netflix-Aufladekarte bei Penny mit der Netzökonomie zu tun hat #nöccn

Man sieht, hört und streamt sich.
Man sieht, hört und streamt sich.

Maschinenbauer, Schraubenhersteller und auch eine Vorzeigefirma wie Würth glauben nach wie vor, dass ihre Geschäftsmodelle den persönlichen Austausch bedingen. Ihre Leistungen würden online nicht funktionieren, lautet ein typischer und reflexartiger Satz von Industrievertretern.

„Das kollidiert doch mit der Welt, in der ich die Netflix-Aufladekarte mittlerweile an der Penny-Kasse bekomme oder meine Schrauben günstiger bei Amazon bestellen kann“, sagt Marco Petracca, Berater für B2B-Markenführung.

Netzszene muss praxisrelevante Vorschläge machen

Diese Welt ist dem Mittelstand fremd. Genauso fremd sind der Netzszene praxisrelevante Lösungsvorschläge, um Änderungen zu bewirken.

Der blinde Fleck in der Digitalisierung liegt also nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch an der Mangelhaftigkeit der netzökonomischen Kompetenz von digitalen Diskursen. Wir sollten also weniger über die digitalen Vorzeigeprojekte von Red Bull, Coca Cola & Co. sprechen oder stupides Online-Marketing-Blabla durch die Gegend pusten, sondern über handfeste digitale Strategien für Firmen wie EDAG Engineering in Fulda nachdenken.

Die neue Plattform-Logik

Besonders die neue Logik des Netzes muss eindringlicher vermittelt werden, denn sie betrifft auch das B-to-B-Segment. Wie aber reagiert man auf die neuen Herausforderungen? Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation fällt immer öfter der Begriff „Plattform“. Häufig wird dabei an Google, Apple oder Uber gedacht. Plattform-Theoretiker wie der US-Ökonom Van Alstyne gehen weit darüber hinaus.

„Ich definiere eine Plattform als einen veröffentlichten Standard, mit dem sich andere verbinden können, zusammen mit einem Governance-Modell, also den Regeln, wer wie viel bekommt“.

Praktiker wie Zhang Ruimin erkennen ein völlig neues Management-Konzept:

„In Zukunft gibt es nur noch Plattform-Inhaber, Unternehmer und Mikrounternehmer. Unsere fünf Forschungszentren weltweit funktionieren heute schon wie Plattformen, auf denen Unternehmer zusammenarbeiten. Die Firma der Zukunft hat keine Angestellten mehr“, erklärt der Haier-Chef gegenüber der Wirtschaftswoche.

Eine solche Plattform-Sichtweise hinterfragt nach Ansicht des Netzwerk-Spezialisten Winfried Felser alle Unternehmen.

„Es geht nicht mehr nur um die eigenen Ressourcen und Kompetenzen, sondern immer mehr auch um den Zugang zu Netzwerken. Hier gilt es die Qualität der eigenen Plattform- und Netzwerk-Kompetenzen ebenso zu gestalten wie man bisher die Kernkompetenzen gemanagt hat.“

Innen und Außen seien Begriffe der alten Ökonomie. Der Nutzer werde zum Produzenten und die Schnittstelle geht von der reinen Transaktion in Richtung Co-Produktivität.

NetzökonomieCamp als Plattform für die Plattform-Ökonomie

Der Wandel betrifft dabei alle bisherigen Wertschöpfungs-Strukturen. Auch Veranstaltungen werden neu definiert. So wird bei Barcamps bereits unter Beweis gestellt, wie aus passiven „Konferenzkunden“ kreative „Mitproduzenten“ werden können, die Themen selbst bestimmen und sich interaktiv organisieren. „Kunden sind aber auch nicht nur Mit-Gestalter, sondern auch Mit-Akquisiteure, wenn sie beispielsweise Empfehlungen zum Unternehmen aussprechen oder die sogar die Empfehlungs-Akquise immer mehr aus dem Netzwerk der eigenen Promotoren erfolgt“, resümiert Felser, Mitorganisator des NetzökonomieCamps, das am 21. und 22. November in Köln stattfindet. Das erste netzökonomische Barcamp ist deshalb sowohl der richtige Ort, um der klassischen Wirtschaft gemeinsam einen neuen Geist einzuhauchen und eine Veranstaltung zu etablieren, die nach den Prinzipien der neuen Denke zu realisieren ist.

Wie das konkret gelingen soll, ist Thema des nächsten Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen am 7. Juni.

Ausführlich nachzulesen in meiner morgen The Euroepan-Kolumne.

Paul Feyerabend, Barcamps und Anregungen für Selbstdenker #bcbn

Anregungen für Selbstdenker
Anregungen für Selbstdenker

Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend war für die Wissenschaftszunft eine Zumutung. Nichts war ihm heilig, jede Denk-Konvention lehnte er ab, jede rituelle Vorstellung im Namen der Vernunft war für Feyerabend ein Instrument, um Menschen niederzuhalten.

Sein Rat: Selber forschen. Seine Methode:

„Ich habe in meinen Vorlesungen gelesen, was mir Spaß gemacht hat und was ich lernen wollte. Das Beste, um etwas zu lernen, ist eine Vorlesung darüber zu halten.“

Wie entstehen Ideen? Man kann ins Grüne gehen, ins Café oder in die Bibliothek, wie es Feyerabend formulierte. Oder eben Barcamps als offene und freie Bühne fürs Ideengewimmel nutzen. Ein Experimentierlabor ohne thematische Vorgaben, ohne Reden von der Kanzel und ohne Emponiergehabe von Powerpoint-Rhetorikern.

Das Beste, was man machen kann, ist eine Session anzubieten, selber zu forschen, zu denken, zu diskutieren und neue Ideen zu entwickeln. Etwa am 28. Februar auf dem Barcamp in Bonn.

Ich selbst möchte etwas lernen über die Bonner Forschungszeit des Ökonomen Joseph Schumpeter. Daher mein Sessionvorschlag: Welche Spuren hat der Ökonom Joseph Schumpeter in seiner Bonner Zeit von 1925 bis 1932 hinterlassen? Diese Lehrjahre sind in der Schumpeter-Forschung noch ein relativ unerschlossenes Feld. Ich präsentiere meine Recherchen und werde daraus einen Podcast erstellen.

Man hört und sieht sich beim Barcamp Bonn 🙂

Siehe auch:

WARUM DIE WIRTSCHAFT MEHR SOCIAL WEB WAGEN SOLLTE.

Livestreaming mit Hangout on Air: Geballtes Praxiswissen im Buch und beim #Streamcamp14 in München

Livestreaming-Buch

Livestreaming kennen die meisten nur aus dem TV, andere haben es auch im Internet wahrgenommen.

„Doch mittlerweile werden hier nicht nur große TV-Ereignisse oder Präsidenten-Reden übertragen. Konferenzen, Vorträge werden genauso in das Internet geschoben, wie Podiumsdiskussionen oder Lesungen. Mit Google Hangout on Air hat der Internet Gigant Google ein gutes Mittel, eine schöne Werkzeugsammlung für Übertragungen und mehr zur Verfügung gestellt. Ein Hangout ist im Grunde eine Videokonferenz, ein Hangout on Air kann noch ein bisschen mehr. Es speichert oder überträgt (quasi live – leichter Versatz) das aufgenommene zu Youtube und bietet damit zahllose Anwendungsmöglichkeiten“, schreibt Thorsten Ising in der Rezension unseres Buches „Live Streaming mit Hangout on Air“, erschienen im Hanser-Verlag.

In Deutschland hätten noch nicht viele diese Möglichkeiten erkannt.

„Aber einige schon. Gunnar Sohn und Hannes Schleeh widmen sich seit dem Start von Google Hangout dem Thema und so finde ich es nicht überraschend, dass genau diese beiden ein Buch dazu verfasst haben“, so Thorsten Ising.

Livestreaming-Opus
Livestreaming-Opus

Neben Begriffserklärungen, Technik- und Durchführungsworkshops in Bild und Text (viele Screenshots), Plattformen, Checklisten für die Durchführungen und Vorbereitung von Live-Sendungen, mobilen Journalismus und vielem mehr, gebe es auch die praktischen Anwendungsbeispiele und Erfahrungsberichte.

Das Fazit von Thorsten Ising nach der Lektüre unseres Opus: Das Buch sei geballtes Praxiswissen:

„Newcomer wie Fortgeschrittene bekommen Informationen, Anleitungen, Tipps und Hintergrundwissen für laufende und künftige Projekte. Durch die wirklich strukturierten Inhalte ist es sowohl Praxisleitfaden, wie Nachschlagewerk. Gut gemacht, verständlich geschrieben, mehrwertig bebildert. Klare Kaufempfehlung.“

Vor Freude über diesen Beitrag könnte ich in die Luft springen, schließlich haben wir einige harte Arbeitswochen in den Hanser-Band gesteckt.

Streamcamp München is coming
Streamcamp München is coming

Unser geballtes Praxiswissen wird übrigens an diesem Wochenende wieder beim Streamcamp in München zur Geltung kommen. Der Hanser-Verlag macht einen Büchertisch und wir stellen alles zur Verfügung, um erste Gehversuche mit Livestreaming zu machen, vorhandene Kenntnisse zu vertiefen oder experimentell an neuen Dialog-Formaten für private und berufliche Zwecke zu arbeiten. So werde ich eine Session in Zusammenarbeit mit Fraunhofer IAO und weiteren Experten vorschlagen, die sich mit der Kunst des Distanzmanagements in Unternehmen beschäftigt.

Gemeinsam mit Hannes wollen wir eine Session anbieten, die zeigt, wie man mit Hangout on Air Webinare organisieren kann. Vielleicht mache ich auch wieder ein Audio-Livestreaming mit dem Google-Dienst, der für Audioübertragungen eine Studiofunktion beinhaltet. Hannes Schleeh bringt sein Greenscreeing-Equipment mit, um Heute Journal-Studio zu spielen. Ihr könnt Hardware und Software testen. Es gibt eine Liveschalte zum Besser Online-Kongress des DJV in Berlin. Am Samstag spendiert uns die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) einen zünftigen Bier-Abend. Dann kommen noch Drohnen zum Einsatz. Eine Unkonferenz mit vielen Überraschungen zu fairen Barcamp-Preisen.

Buch und Livestreaming-Barcamp gibt es am 18. und 19. Oktober im Doppelpack. Also schnell noch Tickets besorgen. Wir hören und sehen uns am Wochenende in der Payback-Firmenzentrale in München 🙂