Der bemerkenswerte Wandel der ökonomischen Prognostik @LaetitiaLenel @ProfHolm #DigitalX

Die ökonomische Prognostik hat nach Ansicht von Laetitia Lenel im Laufe des 20. Jahrhunderts einen bemerkenswerten Wandel durchlaufen, der sowohl die enttäuschten Erwartungen als auch die Bedeutung der Prognostik erklärt. Anstatt eine unabhängige Zukunft korrekt vorherzusagen, wird die ökonomische Prognostik heute genutzt, um die Zukunft aktiv mitzugestalten. Also normativ vorzugehen, was ja von vielen immer in Abrede gestellt wird.

Ursprünglich hofften Ökonomen, durch den Ausbau der ökonomischen Statistik zeitlose Gesetzmäßigkeiten des Konjunkturzyklus zu identifizieren. Prognoseinstrumente wie der Index of General Business Conditions wurden entwickelt, um Daten der Vergangenheit zu nutzen und statistische Relationen in die Zukunft zu projizieren. Doch schon früh zeigte sich, dass die Zukunft anders verlief als prognostiziert. Das Harvard Committee reagierte darauf mit einem Methodenwandel und begann, ihre Prognosepraxis auf dem Wissen über die Erwartungen politischer und wirtschaftlicher Akteure aufzubauen.

Konjunkturforscher griffen diese Prognosetechnik auf und nutzten Umfragen, um die Erwartungen von Konsumenten und Unternehmern zu erfassen. Dabei stellten sie fest, dass die Zukunft nicht nur von den Erwartungen abwich, sondern dass die Akteure auch ihre Pläne nicht wie angegeben umsetzten. Dies führte zur Erkenntnis, dass ökonomische Akteure ihre Erwartungen kontinuierlich an die Erwartungen anderer Akteure anpassen. Formulierte Wilhelm Röpke schon Anfang der 1930er Jahre.

Die Prognostik hat sich somit von einem Instrument der Voraussage zu einem interaktiven Koordinationsinstrument gewandelt. Prognosen bieten wirtschaftlichen Entscheidungsträgern einen gemeinsamen Erwartungshorizont und können so Unsicherheit reduzieren. Sie erfüllen damit eine wichtige wirtschaftliche Funktion, da ökonomisches Handeln auf Erwartungen über die Zukunft basiert. Prognosen können Investitions- und Konsumentscheidungen stabilisieren und Vertrauen wiederherstellen. Das sollten die Konjunkturforscherinnen und Konjunkturforscher in aller Offenheit bei all den inszenierten Auftritten in der Bundespressekonferenz in Berlin auch mal sagen.

Einer Aussage von Lenel im Beitrag für den Wissenschaftsteil der FAZ widerspreche ich allerdings: „Mit den Wachstums- und Inflationsprognosen für das Jahr 2022 lagen ökonomische Experten gründlich daneben.“ Das gilt sicherlich für Marcel Fratzscher, EZB-Chefin Legarde und Co. Nicht aber für Professor Holm und Sohn – also icke.

Was schrieb ich im Sommer 2021:

Ökonomie im Lieferketten-Stress – Bekommen wir eine dauerhafte Inflation? Der Präsident des  Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung  (DIW), Marcel Fratzscher, ist Sorgen wegen der aktuell hohen Inflation entgegengetreten. Derzeit gebe es letztlich eine Normalisierung von den gefallenen Preisen in der Corona-Krise im vergangenen Jahr, sagte Fratzscher im Deutschlandfunk. Wenn man das über zwei Jahre vergleiche, sei das völlig konsistent mit der Preisstabilität. „Wir sehen also eine willkommene Normalisierung der Preise“, so der Ökonom. Es sei zudem relativ wahrscheinlich, dass die Preissteigerung im nächsten Jahr wieder eher unter zwei Prozent liege und damit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Inflation werde nur dann zum Problem, wenn sie sich verstetige. Nun, die Frachtkosten pro Container sind von 1.000 Dollar auf teilweise 14.000 Dollar gestiegen. Ähnliche Preisschübe gibt es an den Rohstoffmärkten, in der Produktion, bei Papier, Holz, Autobau, Nutzfahrzeuge. Von einer Normalisierung der Preise kann man nicht sprechen. In den vergangenen Monaten haben besonders die Weltmarktpreise für Rohstoffe insbesondere für Industrierohstoffe stark zugelegt. Nach dem Einbruch im April 2020, ausgelöst durch den ersten globalen Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, sind die Rohstoffpreise kontinuierlich und zum Teil deutlich über das Vorkrisenniveau gestiegen.

Auch die zwischenzeitlich erneut gestiegenen Corona-Infektionszahlen und die Einführung weiterer Lockdown-Maßnahmen konnten den Aufwärtstrend der Rohstoffpreise nicht bremsen. Der HWWI Rohstoffpreisindex stieg im Vergleich vom Dezember 2019 um 32 Prozent. Besonders gravierend ist der Anstieg des Teilindex für Industrierohstoffe, der gegenüber seinem Vorkrisenniveau um mehr als 70 Prozent zulegte und im Mai 2021 sein Zehnjahreshoch überschritt. Als Lieferketten- Stress für die Netzökonomie betitelte ich die Gemengelage auf der Digitalkonferenz Digital X in Köln in einer Session mit dem Logistikprofessor Peter Holm. Den Hauptgrund für den Preisschub sieht Holm im Mangel an Halbleitern, der sich auf die gesamte Produktion von Gütern auswirkt. „Kurzfristig lässt sich dieser Engpass nicht beseitigen“, warnt Holm. Ein Konzern wie VW konnte im ersten Quartal 100.000 Autos nicht produzieren wegen der mangelhaften Verfügbarkeit von Halbleitern. Energiewende, Elektrifizierung und Digitalisierung werden den Bedarf an Halbleitern und den dafür notwendigen Rohstoffen exorbitant steigern.

Hier entsprechende Produktionskapazitäten aufzubauen, wird von der EU zwar forciert, aber es geht nicht schnell genug. „Der Bau solcher Fabriken dauert lange und ist extrem kapitalintensiv“, erläutert Holm. Zu diesem Mangel gesellt sich die Störung der globalen Lieferketten. „So etwas hat man in den vergangenen zwanzig Jahren noch nie gesehen. Das fing mit dem blockierten Suez-Kanal an und ging weiter mit dem Herunterfahren der größten Häfen wie beispielsweise in Shenzhen. Gut 90 Prozent aller Waren werden mit Containern verfrachtet. Alle Elektronikteile, die verschifft werden sollten, stecken im Stau. Als Folge dieser Warteschleifen steigen die Preise. Sie schaukeln sich zur Zeit hoch und werden uns als Konsumenten erheblich belasten“, so Holm. Alles nur eine vorübergehende Krise? Im Wahlkampf waren die Lieferengpässe, die die Konjunktur belasten, kein Thema. Antworten von der Wirtschaftspolitik erhält man auch nicht. In der Netzszene stehen solche Problematik selten auf der Agenda. Das wird sich rächen.

Artikelende.

Und das rächt sich ja nun auch bei der mangelhaften Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Man hätte früher gegensteuern müssen. Auch die EZB, die nun mit hohen Leitzinsen prozyklisch die Krise verschärft. Da fehlt es an Timing.

Die besten Beiträge auf ichsagmal.com in 2023: Eine Zusammenfassung

Die Top-Storys des Jahres auf ichsagmal.com: Von erfolgreichen Messen über innovative Recycling-Verfahren bis hin zu neuen Berufen in der digitalen Ära. Erfahrt, welche Beiträge die Leser am meisten begeistert haben und warum sie auch für Euch interessant sein könnten.

Mit den vielen Abonnenten und Fans von unserem Blogprojekt ist es immer wieder eine Freude, auf die Top-Storys des Jahres zu blicken. 2023 gab es insgesamt einen deutlichen Zuwachs bei den Abrufen auf ichsagmal.com. Das liegt wohl auch an den ganzen Eskapaden bei den Betreibern der privatisierten Plattformen, die zur allgemeinen Social-Media-Müdigkeit beitragen.

Kommen wir nun zu den beliebtesten Beitrag auf ichsagmal.com in den vergangenen zwölf Monaten – nicht berücksichtigt werden Dauerbrenner wie „Über mich“ oder Beiträge über das nicht mehr vorhandene Schornsteinfeger-Monopol oder Gesundheitstipps in den kallten Wintertagen wie „Radikalenfänger machen gesund: Trinke ab sofort jeden Tag einen Ingwer-Cocktail“.

Klar vorne:

Messe lebt: Neue Partnerschaften, neue Formate, neue Rekorde bei den Live-Sessions im Messe-TV-Studio, euphorische Aussteller, alle Stages sind förmlich überrannt worden, neue Reichweiten durch LinkedIn-Live auf der Zukunft-Personal-Seite, gutes Zusammenspiel bei den Netzwerkeffekten im Vorfeld der Messe #ZPEurope

Frisch auf ichsagmal.com und direkt ein Bestseller: Die Wahrheit über die Massentierhaltung in Deutschland #FriedrichBüse

War direkt am Anfang des Jahres eine Top-Story: Zukunftsplan für den Mittelstand in der Station Berlin am 1. März – Man hört, sieht und streamt sich im Livestudio von Schubkraft #ZukunftstagMittelstand

#ChatGPT im Wissensmanagement

Überlegungen zur Veränderungskompetenz und zu Lernkonzepten in Organisationen #SAPTF23 #ChangeTV

SAP-Experte Torben Mauch ist der wohl unbekannteste Internetstar Deutschlands, schreibt das Manager Magazin – #SAPTF23

Vom Altkleider-Container zur Premium-Jeans: Das innovative Recycling-Verfahren von AMUI #SchubkraftTV

Taucht auf einmal wieder in den Top-Beiträgen auf: Spurensuche: Der Selbstmord eines Bonner Gerichtspräsidenten – da wird wohl wieder kräftig recherchiert.

Praktisch für alle Interessierten eines Events: Europa-Konferenz vom 13. bis 15. Oktober: Die virtuelle Programmzeitschrift – Man hört, sieht und streamt sich in Berlin

Was #ChatGPT zum Konzept #LernendurchLehren und zu #LernOS sagt @DrLutzBecker1 @ThomasJenewein @SimonDueckert @KhPape

Neue Berufe in der digitalen Ära: Der Human Machine Integration Manager – Interview mit Miriam Meckel @mmeckel #ZukunftPersonal

Maßstab unserer Kommunikationsstrategien: Instagram führt das Ranking der Social Media-Nutzung mit 35 Prozent vor Facebook mit 33 Prozent an: Totgesagte leben länger

Exkursion nach München: Nachhaltigkeit total digital? #SZNachhaltigkeitsgipfel

Wird auch 2024 ein Top-Thema bei Sohn@Sohn: Notizzettel: Ist Deutschland ein Innovationsversager? Deep-Tech statt High-Tech

Dauerbrenner: Die TV-Autonomen kommen: Die Streaming-Revolution frisst ihre Eltern – Unsere Session in Berlin @MediaCB14 #rp14

Wiedereröffnung des Melbbades nicht vermasseln: Ohne kritische Öffentlichkeit bewegt sich nix in Bonn #Melbbad

Software-Kompetenzen für die vernetzte Ökonomie: #VW im Upskilling-Modus – Herausforderungen auch für das Personalmanagement #ZukunftPersonal

Sohn@Sohn: Über die Livestreaming-Kunst ohne Ü-Wagen und ohne XXL-Technikteam: 29 Sessions in zwei Tagen auf der Zukunft Personal Süd #ZPSüd

Systemdenken muss sich vom Produkt abkoppeln: Guter Ansatz ist Device-as-a-Service #ZukunftstagMittelstand #SchubkraftTV

Bonner Kulturbeiträge gefragt: Dritter Tag #WDRRockpalast #Crossroads in der Bonner Harmonie: Mein Favorit Siena Root @WDR

DIE Stimme der Literatur in Bonn: Lesung von Wolfgang Schiffer in der Buchhandlung Böttger

#GreenDeal der EU bei Verpackungen: Der Müllberg soll sinken – #Notizzettel für den Roundtable in Bonn @VSinkevicius @TimmermansEU @vonderleyen @MULTIVACGroup

Der unternehmerische Staat, Fördermittel und das #Freiheitsgesetz @BMWK @SPRIND

Verwaltung innovieren, um Mittelständler besser zu unterstützen #ZukunftstagMittelstand

Erst Ende des Jahres veröffentlicht und schon sehr beliebt: Buchveröffentlichung von Sohn@Sohn: Gedankenblitze der Kommunikation – Wer noch Geschenke sucht fürs frohe Fest, wird bei uns fündig

Man hört, sieht und streamt sich in alter Frische im neuen Jahr. Eure Bonner Söhne.

Vision einer klimaneutralen Zukunft – Die D2030-Szenarien

Die ambitionierte Vision einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft bis 2045 steht im Zentrum der aktuellen Szenario-Diskurse des Vereines D2030. Deutschland, ein Land, das sich stets durch seinen industriellen Fortschritt und seine Innovationskraft ausgezeichnet hat, steht vor einer seiner größten Herausforderungen: die Transformation in eine sozial gerechte und klimaneutrale Nation.

Bereits im Jahr 2018 setzte das Szenarioprojekt „Neue Horizonte“ erste Impulse, um mögliche Pfade in die Zukunft zu erkunden. Heute, fünf Jahre später, sind die D2045-Szenarien nicht nur eine Fortsetzung dieses Gedankenexperiments, sondern ein konkretes Werkzeug, um Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen.

Die Szenarien bieten keine simplen Lösungen, sondern skizzieren komplexe Zukunftsbilder, die sowohl die Ambitionen als auch die Risiken dieser großen Transformation berücksichtigen. Sie reichen von radikalen Umbrüchen bis hin zu Szenarien, die auf eine behutsamere Anpassung der bestehenden Systeme setzen.

Das Besondere an diesen Szenarien ist ihre interaktive Natur. Sie sind nicht in Stein gemeißelt, sondern dienen als Diskussionsgrundlage für ausgewählte Stakeholder-Dialoge und sogenannte „Missionswerkstätten“. Diese Formate ermöglichen es, die verschiedenen Zukunftsbilder weiter zu verfeinern und in konkrete Handlungsleitlinien zu überführen.

Ein zentraler Aspekt der Szenario-Gedankenexperimente ist die Anerkennung, dass der Weg zur Klimaneutralität keine geradlinige Reise sein wird. Es ist ein Pfad, der von Zielkonflikten, experimentellen Ansätzen und offenen Fragen geprägt ist. Diese Herausforderungen anzuerkennen und dennoch mutig voranzuschreiten, zeugt von einer neuen Art des zukunftsorientierten Denkens.

D2030, Initiator des Projekts, versteht seine Rolle dabei als konstruktiver Beitrag zur Gestaltung der Zukunft.

Es soll vor allem der Grundstein für eine langfristig angelegte transformative Politik gelegt werden.

Beteiligt Euch noch bis zum 3. Januar am Online-Dialog.

tall grass under cloudy day sky

Prof. Brunnermeier erklärt die Bedeutung von Resilienz und deren Unterschiede zu Risiko und Robustheit

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Am 17. November 2023 fand an der Humboldt-Universität zu Berlin die zweite Ausgabe der LEF ACADEMY statt, zu der das Ludwig-Erhard-Forum für Wirtschaft und Gesellschaft eingeladen hatte. Als Referent der Vorlesungsreihe konnte Professor Markus K. Brunnermeier begrüßt werden. In seinem Vortrag zum Thema „Resiliente Ordnung in fragilen Zeiten“ erläuterte er die Bedeutung von Resilienz und deren Unterschiede zu Risiko und Robustheit.

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, nach einem negativen Schock wieder zurückzufedern. Im Gegensatz dazu geht es beim Risikomanagement darum, Risiken zu vermeiden oder zu reduzieren. Resilienz ist ein dynamischer Ansatz, der es ermöglicht, Risiken einzugehen und dennoch flexibel auf negative Ereignisse zu reagieren. Dabei spielt die Fähigkeit zur Rückkehr zum Mittelwert und die Halbwertszeit eine wichtige Rolle.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Resilienz und Robustheit. Während Robustheit bedeutet, dass ein System auch unter extremen Bedingungen funktioniert, ist Resilienz die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen und flexibel zu reagieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Schilfrohr, das sich im Sturm biegt, aber nicht bricht.

Resilienz ist auch eng mit Nachhaltigkeit verbunden. Während Resilienz eine hinreichende Bedingung für Nachhaltigkeit ist, bedeutet Resilienz allein nicht automatisch Nachhaltigkeit. Um Resilienz zu erreichen, müssen bestimmte Resilienzbarrieren überwunden werden. Ein Beispiel hierfür sind negative Rückkopplungseffekte, die zu einer Eskalation von Problemen führen können. Um diese Effekte zu vermeiden, ist es wichtig, rechtzeitig zu reagieren und die Erwartungsbildung anderer Akteure zu berücksichtigen.

Beim Resilienzmanagement geht es darum, sowohl Puffer und Reserven aufzubauen als auch die Agilität und Anpassungsfähigkeit zu verbessern. Es ist wichtig, kleine Krisen zuzulassen, um daraus zu lernen und für größere Krisen gewappnet zu sein. Auch die Diversifizierung spielt eine Rolle, jedoch nicht, um das Risiko zu minimieren, sondern um flexibel auf negative Ereignisse reagieren zu können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vermeidung von Ungleichgewichten und das Aufstauen von Spannungen. Durch eine rechtzeitige Reaktion und die Vermeidung von Ungleichgewichten kann die Resilienz gestärkt werden. Auch die Einbeziehung von Querdenkern und die Förderung von Innovationen sind wichtige Elemente des Resilienzmanagements.

Prof. Brunnermeier betonte die Bedeutung von Kipppunkten und Übergängen. Es ist entscheidend, diese Übergänge gut zu gestalten und kontinuierliche Veränderungen anzustreben, anstatt abrupte Sprünge zu machen.

Die halbierte Demokratie in der Unternehmenswelt #NEO23

Unternehmen als Lern- und Entwicklungsräume für die sozial-ökologische Transformation – ist das Konzept der unternehmensdemokratie noch zeitgemäß? In Zeiten, in denen viele Unternehmen ihre agilen Ansätze zugunsten hierarchischer Strukturen zurückfahren, stellt sich die Frage, ob Unternehmensdemokratie ein überholtes Konzept ist. Ist es das tote Pferd, auf dem wir immer noch reiten?

Andreas Zeuch, Gründer und Partner des Berliner Beraternetzwerks „Unternehmensdemokraten“, stellt in seiner Session auf der Next Economy Open die These auf, dass Unternehmensdemokratie nicht das eigentliche Ziel ist, sondern Unternehmen als Lern- und Entwicklungsräume für die sozial-ökologische Transformation zu betrachten.

Zeuch betont, dass Partizipation und Nachhaltigkeit die beiden zentralen Themen sind, die in seinem Impuls und der anschließenden Diskussion behandelt werden sollen. Er verweist auf die Diskrepanz zwischen demokratischen Werten, die in unserer Gesellschaft hochgehalten werden, und der Arbeitswelt, in der Demokratie oft nicht erwünscht ist.

Die Ausgangslage beschreibt Zeuch als „halbierte Demokratie“. Während wir als Bürgerinnen und Bürger in einer demokratischen Gesellschaft leben, sind wir in der Arbeitswelt oft auf Anweisungen angewiesen und haben keine demokratische Mitbestimmung. Diese Diskrepanz wirft die Frage auf, wie demokratisch unsere Gesellschaft überhaupt sein kann, wenn unsere tägliche Arbeit nicht demokratisch gestaltet ist.

Zeuch stellt die These auf, dass Unternehmen als Lern- und Entwicklungsorte für die sozial-ökologische Transformation dienen können. Durch Partizipation und Mitbestimmung in der Arbeitswelt könnten Haltungen, Kompetenzen und die Erwartung der Selbstwirksamkeit auf die Gesellschaft übertragen werden. Dieser „Spillover Effekt“ könnte dazu führen, dass sich positive demokratische Einstellungen und umweltbewusstes Handeln in der Gesellschaft verstärken.

Zeuch betont, dass es keine Garantie für diesen Effekt gibt, aber dass es möglich ist, ihn systematisch zu nutzen, um die sozial-ökologische Transformation voranzutreiben. Studien zeigen, dass Mitbestimmung in Unternehmen antidemokratische Einstellungen reduzieren kann und die demokratische Teilhabe insgesamt gestärkt wird. Auch positive Umwelteinstellungen können durch Partizipation in der Arbeitswelt gefördert werden.

Insgesamt plädiert Zeuch dafür, Unternehmen als Lern- und Entwicklungsräume für die sozial-ökologische Transformation zu betrachten und den spillover Effekt gezielt zu nutzen. Durch Partizipation und Mitbestimmung in der Arbeitswelt könnten positive Veränderungen in der Gesellschaft angestoßen werden. Es liegt an uns, diese Chance zu nutzen und Unternehmen zu Orten des Wandels zu machen.

Buchveröffentlichung von Sohn@Sohn: Gedankenblitze der Kommunikation – Wer noch Geschenke sucht fürs frohe Fest, wird bei uns fündig

Vorwort

Für Erkenntnisblitze ist bekanntlich der Ausspruch „Heureka!“ des griechischen Physikers und Mathematikers Archimedes zum Erkennungszeichen geworden: Ich hab’s gefunden! Gelöst wird nicht nur das irritierende Grundproblem des Denkers, sondern öffnet auch seinem Lebensweg eine neue Perspektive.

Mit der spontanen Einsicht ist es aber nicht getan. Der Geistesblitz muss zu einer Werkidee weiterentwickelt werden, schreibt Manfred Geier in seinem Opus „Geistesblitze – Eine andere Geschichte der Philosophie“.

In dem Band geht es auch um die „Entdeckung“ ́des kritischen Rationalismus durch Karl Popper. Ein Heureka-Erlebnis der Buchlektüre. Leitstern für die wissenschaftstheoretischen Arbeiten von Popper war das Forschungsprinzip von Albert Einstein. Er grenzte sich von vielen Wissenschaftlern ab, die krampfhaft nur nach der Bestätigung des eigenen Schaffens suchten:

Dazu zählten vor allem Psychoanalytiker wie Freud oder Adler. „Weil ihre Wahrheit offenbar zu sein schien, fanden sie gläubige Anhänger und Bewunderer, und wer nicht an sie glaubte, galt als verstockt, durch Ideologien verführt oder als unaufgeklärt“, schreibt Geier.

Einstein dagegen suchte nach einer möglichen Widerlegung seiner Gravitationstheorie, und er war bereit gewesen, sie als unhaltbar aufzugeben, wenn sie einer experimentellen Überprüfung nicht standgehalten hätte. Die Ausschaltung von Fehlern war ihm wichtiger als die Behauptung sicherer Wahrheiten. „Aus diesem Grund war die erste Bewährung der Relativitätstheorie während der Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 das große Erlebnis, das Poppers geistige Entwicklung maßgeblich beeinflusste.

So kam er gegen Ende des Jahres 1919 zu dem Schluss, ‚dass die wissenschaftliche Haltung die kritische war; eine Haltung, die nicht auf Verifikation ausging, sonder kritische Überprüfungen suchte, die die Theorie widerlegen konnten.“

Auf Basis dieses Geistesblitzes demontiert er 1944 in seiner Schrift „Das Elend des Historizismus“ den trügerischen Glauben an die Vorhersehbarkeit geschichtlicher Entwicklungen und spricht sich für eine Sozialtechnik der kleinen Schritte aus, die Helmut Schmidt in seiner Kanzlerschaft beherzigte.

In einer offenen Gesellschaft komme es nach Ansicht von Popper darauf an, politische Institutionen so zu organisieren, dass es schlecht oder inkompetenten Herrschern unmöglich ist, allzu großen Schaden anzurichten. Die guten Absichten des allwissenden und durchregierenden Basta-Politikers verwandeln sich schnell in einen politischen Albtraum. Sympathisch war ihm der Denkansatz von Xenophanes, dass alles menschliche Wesen ein Raten ist, und dass auch seine eigenen Theorien im besten Falle nur der Wahrheit ähnlich sind.

Das ist auch der Maßstab für die Geistes- oder Gedankenblitze der Kommunikation, die Sohn@Sohn zu vielen Anlässen immer wieder heraus kitzeln. Nicht am Reißbrett, nicht über vorgestanzte Moderationskarten, nicht über blutleere Teleprompter-Rhetorik, sondern über die Lust an der Kombinatorik, über den Charme des Zufalls, die blitzschnelle Anpassung an das nicht Vorhersehbare und über die Kunst des guten Gesprächs. Sohn@Sohn folgen Popper und Xenophanes: Im Lauf der Zeit finden wir, suchend, das Bessre. 

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Die Wahrheit über die Massentierhaltung in Deutschland #FriedrichBüse

Sohn@Sohn-Adhoc-Interview mit Friedrich Büse in Bamberg.
Gunnar Sohn: Friedrich, als wir uns beim Roundtable von Multivac das erste Mal
begegnet sind, hast du kurz angedeutet, wie sich deine berufliche Laufbahn
entwickelt hat. Erzähl doch bitte etwas mehr darüber.

Friedrich Büse:

Ja, mein Werdegang ist tatsächlich ein wenig wie die Wandlung vom Saulus zum Paulus. Auf der einen Seite habe ich im elterlichen Betrieb das Fleischerhandwerk von der Pike auf gelernt und war als Fleischer und Koch tätig. Nach meiner Ausbildung und Meisterprüfung bin ich dann ins Ausland gegangen, um zu sehen, wie in anderen Ländern die Fleischwurstherstellung gehandhabt wird und welche Unterschiede es gibt. In über 20 Jahren habe ich viel gelernt, vor allem darüber, wie man es machen kann und wie man es nicht machen sollte. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich mich letztendlich dazu entschieden, dass ich die Fleischwarenindustrie hier nicht überzeugen konnte.

Das ist ähnlich wie in anderen Ländern, wo der Fleischkonsum mit steigendem Einkommen zunimmt und die Schlachthäuser und Fabriken immer größer werden. In Deutschland haben wir jedoch den zusätzlichen Aspekt, dass wir immer den letzten Cent aus der Wertschöpfungskette pressen wollen, obwohl es gar nicht notwendig ist. Es geht um Geiz und Billigpreise. In anderen Ländern, wie dem Nahen Osten, Afrika oder Asien, ist Fleisch ein wichtiger Eiweißträger und man versucht, Wurstsorten preiswerter zu machen, damit sich die Menschen überhaupt Fleisch leisten können. In Syrien und Jordanien haben wir zum Beispiel Corned Beef hergestellt, bei dem ein Drittel Fleisch und der Rest Karotten und Kartoffeln waren. Es gibt also unterschiedliche Perspektiven auf den Fleischkonsum.

Was mich jedoch schockiert hat, als ich nach Deutschland zurückkam, war die Tatsache, dass hier vor allem der Preis im Vordergrund steht. Das betrifft nicht nur Fleisch und Wurst, sondern auch den Bio-Bereich. Viele Bio-Produkte kommen nicht aus Deutschland oder Europa, sondern aus China. Es gibt viele Mechanismen und Zusammenhänge, über die wir uns kaum Gedanken machen, weil wir in einer Konsumgesellschaft aufgewachsen sind und uns an die große Auswahl gewöhnt haben. Aber sollten wir nicht darüber nachdenken, ob es wirklich notwendig ist, zu jeder Tages- und Nachtzeit alles verfügbar zu haben? Ist es nicht schöner, saisonale Produkte zu genießen, die frisch und geschmackvoll sind? Diese Fragen haben Auswirkungen auf Nachhaltigkeit, Umwelt und unsere eigene Gesundheit.

Es ist wichtig, dass der Verbraucher versteht, dass hinter den Lebensmitteln komplexe Wertschöpfungsketten stehen. Es wäre sinnvoll, die Herkunft der Rohstoffe auf den Verpackungen zu kennzeichnen. Natürlich wäre die Liste dann lang, aber es würde uns helfen, bewusster einzukaufen. Wir müssen uns fragen, ob es wirklich notwendig ist, zu jeder Tages- und Nachtzeit alles verfügbar zu haben. Es gibt Länder, in denen die Versorgung regional abgebildet wird. Es geht nicht um Verzicht, sondern um einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln und unserer Umwelt.

Leider haben viele Verbraucher kein Bewusstsein dafür, was hinter den Kulissen der Supermärkte passiert. Die Kommunikation endet oft an der Eingangstür des Supermarktes. Wir sollten uns bewusst machen, dass es nicht nur um die Nahrungsmittelversorgung geht, sondern um Lebensmittel, die wir mit Respekt behandeln sollten. Es gibt viele Fragen, die wir uns stellen müssen, und sie haben Auswirkungen auf Nachhaltigkeit und unsere Gesundheit. Leider haben wir als Gesellschaft verlernt, uns damit auseinanderzusetzen.

Die industrielle Massentierhaltung liefert rund 97 Prozent des konsumierten Fleisches in Deutschland. Das ist erschreckend. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies nicht nur Auswirkungen auf das Tierwohl hat, sondern auch auf die Menschen, die in dieser Branche arbeiten. Der Umgang mit den Tieren und die Arbeitsbedingungen in den Schlachtbetrieben können psychische Schäden verursachen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir Tiere töten, um Fleisch und Wurst auf dem Teller zu haben. Es ist tragisch, dass wir als Gesellschaft oft nicht mitbekommen, wie das alles abläuft.

Jeden Tag werden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Tiere geschlachtet. Diese Massenproduktion hat Auswirkungen auf die Menschen, die in der Branche arbeiten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass es nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um das Wohl der Menschen geht. Die Logistik dahinter ist eine Meisterleistung, um die Nachfrage der Supermärkte zu erfüllen. Es ist jedoch erschreckend, wie wenig wir als Gesellschaft davon mitbekommen.

Wenn man bedenkt, dass Tiere sterben, damit wir Fleisch auf dem Teller haben, ist es tragisch, dass wir als Gesellschaft oft nicht darüber nachdenken. Es geht nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um das Wohl der Menschen, die in der Branche arbeiten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, was hinter der Produktion und dem Transport von Tierprodukten steckt.

Es ist tragisch, dass wir als Gesellschaft oft nicht mitbekommen, wie die Tiere sterben, damit wir Fleisch und Wurst auf dem Teller haben. Es geht nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um das Wohl der Menschen, die in der Branche arbeiten. Wir sollten uns bewusst machen, dass es nicht nur um die Nahrungsmittelversorgung geht, sondern um Lebensmittel, die wir mit Respekt behandeln sollten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, was wir essen und wie es produziert wird.

CDU macht den Brüderle und wirbt wieder für eine strahlende Atom-Zukunft

aerial shot of crimean atomic energy station
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Das schrieb ich in meiner The-European-Kolumne vor 12 Jahren: Die liebwertesten Gichtlinge des energiepolitischen Appells, die Deutschland am liebsten im Zustand eines oligopolistisch beherrschten Industriemuseums konservieren würden, planen die letzte Schlacht zum Erhalt ihrer Macht, die sie in der Stromwirtschaft in den vergangenen 100 Jahren mit staatlichem Segen errungen haben. Die von der Energiewende geplagten Konzerne bereiten Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung vor, um das Atomgesetz zu kippen und anschließend milliardenschwere Schadensersatzforderungen stellen zu können. Nach „Spiegel“-Informationen haben die Unternehmen namhafte Anwaltskanzleien und Top-Gutachter engagiert: „Beauftragt wurden Kanzleien wie Linklaters, Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance und Gleiss Lutz. Die Konzerne wappnen sich zudem mit entsprechenden Gutachten. So gehen der Verwaltungsrechtler Christoph Moench und der ehemalige Verteidigungsminister und Staatsrechtler Rupert Scholz in einem für den Düsseldorfer E.on-Konzern verfassten Gutachten davon aus, dass der von der Bundesregierung geplante Ausstieg klar gegen die Verfassung verstoße“, so „Spiegel Online“. Die den Konzernen im Jahr 2000 zugestandenen Reststrommengen für Atomkraftwerke, so die Juristen der Kanzlei Gleiss Lutz, seien Eigentum der Konzerne, das durch das Eigentumsrecht des Grundgesetzes geschützt sei. In dieses Eigentumsrecht jedoch greife der Staat mit dem geplanten Ausstiegsgesetz massiv ein, ohne bislang „stringente Gründe dafür zu liefern“. Somit, heißt es in dem rund 80-seitigen Papier, stünde den Konzernen Schadensersatz zu – und der liegt nach Schätzungen der Konzerne im zweistelligen Milliardenbereich.

Man könnte die Gegenrechnung präsentieren

Eine höchst merkwürdige Logik der im Abflug befindlichen Stromkonzerne, die über Jahrzehnte Subventionen kassiert und Sonderrechte genossen haben sowie die Folgen ihrer Atompolitik auf die Allgemeinheit abwälzen. Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren – ein prima Geschäftsmodell. Man könnte den Dinosauriern der Energiewirtschaft ja mal eine Gegenrechnung präsentieren, die vom Forum „Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“ in der Studie „Billiger Strom aus Atom und Kohle?“ aufgestellt wurde. Für die Zeit von 1970 bis 2008 ergibt sich eine Summe von rund 165 Milliarden Euro, die als Staatsknete kassiert wurde. Dann kommen noch die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke dazu – etwa 42 Milliarden Euro. Zusammen ergibt das Subventionen von über 200 Milliarden Euro. Aber damit sind wir nicht ganz fertig mit der Vollkostenrechnung, liebe Nobelanwälte und Berater der oligopolistischen Konzernwelt. Es folgen Rückbaukosten für die noch laufenden Atommeiler, die mit 34 Milliarden Euro beziffert werden. Dann fehlen die Kosten für die Endlagerung für den hochradioaktiven Abfall, für den es bislang kein Endlager gibt. Hierfür stehen die Kosten in den Sternen. Damit liegen wir wohl ein klein wenig über den Forderungen auf Schadensersatz.

Die Strombosse können es einfach nicht ertragen, dass sie zu den Verlierern der Energiewende zählen werden. Wir erleben als Zuschauer einen Niedergang von Gebilden, die über Jahrzehnte mit höchst fragwürdigen Methoden herangezogen wurden – im klaren Widerspruch zum Kartell- und Wettbewerbsrecht. „Der Erfolg der Französischen Revolution hatte seine Grundlage letztlich darin, dass der Feudalismus abgewirtschaftet hatte. Dem Prunk des Sonnenkönigs Louis XIV. standen die Hungerrevolten in der Vendée gegenüber. Die objektiven Symptome des Abgewirtschafteten gehen einher mit dem Defätismus der noch Mächtigen“, schreibt der Energierechtsexperte Peter Becker in seinem Buch „Aufstieg und Krise der deutschen Stromkonzerne“. Ähnliches erleben wir bei den Stromgiganten. „Viele Hunde sind des Hasen Tod. Das weiß man nicht nur aus dem Märchen, sondern kann es auch sehr schön beim Wachsen der Erneuerbaren Energie erkennen. Die vielen Investoren sind nur ein äußeres Zeichen. Dahinter steht eine gesellschaftliche Bewegung, die von der Kraft der Erneuerbaren erzeugt ist. Es handelt sich um die Energie der Zukunft“, so Becker weiter. Das sollten wir uns nicht zerreden lassen und in den kommenden zehn Jahren zum wichtigsten Projekt von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat machen. Die fossile und nukleare Stromerzeugung mit zentralistischen Machtbefugnissen steht vor dem Aus. Den Blockierern aus dem Industriemuseum sollten wir zumindest einen Platz als Kartenabreißer reservieren.

Reaktionäre Atomfreunde

Soweit die Kolumne aus dem Jahr 2011. Und jetzt drängt die CDU in ihrem Entwurf zu einem neuen CDU-Grundsatzprogramm auf eine Rückkehr zur Atomkraft und bricht damit mit der Energiepolitik von Angela Merkel. „Deutschland kann zurzeit nicht auf die Option Kernkraft verzichten“, heißt es in dem Entwurf. Die Partei setze auf Technologieoffenheit und benennt unter anderem Kernkraftwerke der „vierten und fünften Generation“. Da kommen sie wieder die Schlagzeilen der restaurativen Bedenkenträger der Deutschland AG, die sich 2011 mit dem „energiepolitischen Appell“ schon so eifrig für die atomare Zukunft ins Zeug gelegt hat. Die Stimmung der Bevölkerung in Deutschland gegen Atomkraftwerke würde im Ausland wieder als Rückfall in die „German Angst“ gewertet. Es mache sich „Technikskepsis und Kulturpessimismus breit. Zudem müsse mit höheren Strompreisen gerechnet werden, die die Wettbewerbsfähigkeit belaste. Weit gefehlt, Ihr liebwertesten Gichtlinge der Atomfront. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Romantiker des alten und überkommenen Industriekapitalismus zählen zur reaktionären Fraktion im Lande. Wo käme man denn hin, wenn Städte und Kommunen auf dezentrale und hocheffiziente Konzepte setzen würden, sich abkoppeln von den Stromkonzernen und damit unabhängiger das Energiemanagement regeln. Das stinkt nach mehr Wettbewerb, schwächt die Möglichkeiten für politische Muskelspiele und verringert das Spielfeld für die Lobbyisten der zerbröselnden Deutschland AG. Wer von den Preisrisiken eines Atomausstiegs redet, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomenergie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man die Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen – Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte – müssten wir schon längst weitaus mehr für eine Kilowattstunde berappen. Die Atomenergie bindet gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konserviert unwirtschaftliche Großorganisationen der Energiewirtschaft. Wenig zukunftsorientiert, Herr Merz.

green peas

Vom Saulus zum Paulus: Wie etabliert man Alternativen zum Fleinschkonsum? #Klimaschutz #FriedrichBüse #Recherche

LinkedIn-Event.

Die nächsten Sendetermine:

Teil 2: Dienstag, 09.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 3: Dienstag, 16.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 4: Dienstag, 23.01.2024, um 12 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich.

white and black wooden blocks

Die Chancen einer Ernährungswende – Vierteiliges Interview mit Friedrich Büse – Start am 12.12.2023, um 12 Uhr

Im Interview mit Sohn@Sohn-Adhoc thematisiert Büse die dunklen Aspekte der Fleischindustrie: den extrem billigen Fleischkonsum, die verheerenden Umweltauswirkungen und die gesundheitlichen Risiken. Besonders alarmierend findet er die Bedingungen der Massentierhaltung, die nicht nur das Tierwohl, sondern auch das Wohl der in der Fleischproduktion Beschäftigten beeinträchtigen. Täglich werden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Tiere geschlachtet, ein Umstand, der nach Büses Meinung mehr Bewusstsein in der Gesellschaft erfordert. In einem vierteiligen Interview erörtern wir die Chancen einer umfassenden Ernährungswende.

Start am Dienstag, 12.12.2023, um 12 Uhr.

Teil 2: Dienstag, 09.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 3: Dienstag, 16.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 4: Dienstag, 23.01.2024, um 12 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich.