Neues Handbuch zum Lernen durch Lehren (LDL) – Jean-Pol Martin und Simon Kolbe im Interview #NEO23

Ein spannendes Gespräch mit Jean-Pol Martin und Simon Wilhelm Kolbe zum Konzept “Lernen durch Lehren” (LDL), fand auf der Next Economy Open  statt. Das LDL Handbuch, ein Ergebnis ihrer Zusammenarbeit, öffnet die Tür zur Praxis und zeigt, wie es in verschiedenen Bildungsbereichen eingesetzt werden kann.

Das Handbuch zielt darauf ab, Lehrenden und Lernenden zu zeigen, wie sie die Autonomie und das Vertrauen der Lernenden stärken können. Es liefert konkrete Schritte und Empfehlungen zur Umsetzung von LDL, beleuchtet kritische Aspekte und zeigt Lösungswege auf. Es spricht Lehrende, Hochschullehrende, Forscherinnen und Forscher sowie alle, die in der Bildungspraxis tätig sind, an.

Jean-Pol Martin betont, dass das LDL-Konzept schon seit Jahrhunderten existiert, aber oft übersehen wird. Er kritisiert, dass Institutionen und Pädagogen das Konzept nicht genug unterstützen und verbreiten. LDL ermöglicht es, Schülerinnen und Schüler aktiv in den Lernprozess einzubeziehen und ihre Potenziale zu fördern. Simon Kolbe fügt hinzu, dass LDL in der aktuellen Bildungsdebatte eine wichtige Rolle spielen sollte. Er verweist auf Studien, die zeigen, dass Schulen mit mehr Autonomie und bestimmten Bedingungen besser mit der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler umgehen können. LDL bietet hier Lösungsansätze, die bisher noch nicht ausreichend genutzt werden.

Das LDL Handbuch ist ein Schatz an vielfältigen Einblicken und Erfahrungen. Es enthält Beiträge von verschiedenen Autorinnen und Autoren, die ihre Praxiserfahrungen teilen und konkrete Tipps geben. Es ist verständlich geschrieben und richtet sich an alle, die ihre berufliche Praxis verbessern möchten. Es bietet eine Antwort auf die Defizite im Bildungssystem, wie sie in der aktuellen Pisastudie aufgezeigt wurden.

In der Session wird erläutert, dass die Belohnung für die Konzeptionalisierung und Informationsverarbeitung der „Flow“ ist, der sich positiv auf den Organismus auswirkt. Dieser Flow wird auch in der Literatur über LDL beschrieben und kann durch quantitative Erhebungen unter den Nutzern weiter erforscht werden.

Es hebt auch den praktischen Nutzen des neuen Menschenrechtsansatzes hervor. Dieser Ansatz ordnet alle Paragraphen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den sechs Bedürfnisdimensionen zu und bietet somit eine praktische Grundlage für die Reflexion und das praktische Handeln in der sozialen Arbeit. Es betont, dass dieser Ansatz die Menschenrechte nicht angreift, sondern sie in einer praktischen und verständlichen Weise umsetzt.

Das LDL-Konzept ist in der Hochschulbildung noch nicht weit verbreitet. Positive Erfahrungen gibt es beispielsweise mit Projektteams an der Hochschule Fresenius, die in Live-Sendungen zu verschiedenen Themen gearbeitet haben. Dabei wurde festgestellt, dass die Studierenden intensiver und tiefer in die Themen eingestiegen sind und auch empirische Forschung betrieben haben.

So lief die Next Economy Open #NEO23 – Die #NEO24 ist am 5. und 6. Dezember – Dann feiern wir zehnjähriges Jubiläum :-)

Geschafft. Die Next Economy Open war wieder eine echte Inspirationsquelle. Von Big Tech bis zu Brückenprojekte in Norwegen.

Spitzenreiter-Session:

Siehe auch unsere virtuelle Programmzeitschrift 🙂

Großer Dank an alle Mitwirkenden. Man hört, sieht und streamt sich auf der am 5. und 6. Dezember: Da feiern wir zehnjähriges Jubiläum.

Stefan Holtel über ChatGPT und die Zukunft der Wissensarbeit #NEO23

In der Next-Economy-Open-Session beleuchtete Stefan Holtel, Autor und Kurator für digitalen Wandel bei PricewaterhouseCoopers, die Auswirkungen von KI-Tools wie ChatGPT auf die Zukunft der Wissensarbeit. Holtel, der an einem Buch zum Thema arbeitet, teilte seine Einblicke und Prognosen in einer tiefgründigen Diskussion.

Der Auslöser für Holtels Buchprojekt

Holtels Interesse an ChatGPT entstand aus der Beobachtung einer signifikanten Verbesserung in der Qualität von Chatbots. Sein Buchprojekt „Droht das Ende der Experten? Chat-GPT und die Zukunft der Wissensarbeit“ reflektiert seine Vision einer Zukunft, in der Chatbots für wichtige Lebensfragen konsultiert werden könnten. Die dramatische Verbesserung dieser Technologien führte ihn zu der Frage, wie sie die Wissensarbeit transformieren werden.

ChatGPTs Einfluss auf Unternehmen und Markenidentität

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf den Auswirkungen von ChatGPT auf Unternehmen und deren Markenidentität. Holtel betonte, dass ChatGPT Unternehmen dazu zwingen könnte, ihre Markenidentität zu überdenken. Er warf die Frage auf, wie sich die Interaktion zwischen Mensch und Maschine verändern wird und welche neuen Herausforderungen und Möglichkeiten dies mit sich bringt.

Herausforderungen und Chancen für Wissensarbeiter

Holtel thematisierte auch die Herausforderungen und Chancen für Wissensarbeiter im Kontext der sich entwickelnden KI-Technologien. Er betonte, dass die Fähigkeit, klare Fragen zu stellen und KI-Systeme als Werkzeuge zur Weiterentwicklung zu nutzen, von entscheidender Bedeutung ist. Er argumentierte, dass KI-Tools innovative Lösungen ermöglichen, aber auch neue Herausforderungen in Form von potenziellen Skandalen und der Notwendigkeit von Regulierungen mit sich bringen.

Die Notwendigkeit eines Dialogs mit Maschinen

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Diskussion war die Notwendigkeit, einen Dialog mit Maschinen zu führen und die tatsächlichen Möglichkeiten und Potenziale von KI zu erkennen. Holtel betonte, dass wir uns auf eine neue Welt des Verständnisses und der Interaktion zwischen Mensch und Maschine einstellen müssen.

Stefan Holtel ging in der Diskussion auf die Frage ein, in welchen Branchen oder Nischen die meisten Veränderungen durch KI-Tools wie ChatGPT zu erwarten sind. Er prognostizierte einen Domino-Effekt, der sich zunächst in textorientierten und kognitiven Berufen manifestieren wird, sich aber schnell auf andere Bereiche wie Bildbearbeitung und Filmproduktion ausweiten könnte. Holtel betonte, dass die Fähigkeit, klare und präzise Fragen zu stellen, entscheidend sein wird, um den vollen Nutzen aus solchen Tools zu ziehen.

Die Rolle von ChatGPT in der Interaktion und Kommunikation

Die Diskussion beleuchtete auch, wie ChatGPT die Art und Weise verändert, wie Menschen miteinander und mit Informationen interagieren. Holtel hob hervor, dass die Fähigkeit, einen Dialog mit einer Maschine zu führen und nicht nur eine direkte Antwort zu erwarten, eine Schlüsselkompetenz sein wird. Er wies darauf hin, dass die Kommunikation mit ChatGPT eine neue Art der Interaktion erfordert, die über traditionelle Suchmaschinenmodelle hinausgeht.

Die Herausforderungen und Chancen des KI-gestützten Dialogs

Die Diskussion ging auch auf die Herausforderungen ein, die sich aus dem endlosen Dialog mit ChatGPT ergeben. Holtel sprach über das Potenzial von KI, die menschliche Neigung zum Spielen und die Möglichkeit einer zunehmenden Abhängigkeit von der Interaktion mit KI-Systemen zu verstärken. Er betonte, dass die effektive Nutzung von KI-Tools ein tiefes Verständnis für ihre Funktionsweise und die Fähigkeit zur Reflexion erfordert.

Abschließende Gedanken und Buchankündigung

Zum Abschluss der Session dankte der Moderator Stefan Holtel für seine Einblicke und wünschte ihm viel Erfolg für sein bevorstehendes Buchprojekt „Droht das Ende der Experten? Chat-GPT und die Zukunft der Wissensarbeit“, das Ende Februar erscheinen soll. Holtel betonte die Bedeutung eines breiten Diskurses über die Rolle von KI in der Wissensarbeit und die Notwendigkeit, sich jetzt mit den Herausforderungen und Möglichkeiten dieser Technologien auseinanderzusetzen.

clear water droplets

Haushaltskrise in Deutschland: Wirtschaftsweiser @AchimTruger warnt vor drohender Rezession #NEO23

Professor Achim Truger, Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung, spricht auf der Next Economy Open über die Haushaltskrise in Deutschland.

Im Moment besteht die Gefahr, dass die Bundesregierung teilweise falsch reagiert und die deutsche Wirtschaft erneut in eine Rezession drückt. Eine positive Nachricht ist jedoch, dass die Inflation rückläufig ist. Im Jahr 2021 lag sie bei 6,1% und wird im kommenden Jahr voraussichtlich auf 2,6% zurückgehen. Die Inflationsrate setzt sich aus dem Energiebeitrag, dem Nahrungsmittelbeitrag und der Kerninflation zusammen. Die Energiepreise haben die Inflation zu Beginn stark beeinflusst, gefolgt von den Nahrungsmittelpreisen und schließlich den Dienstleistungen. Es ist absehbar, dass Energie und Nahrungsmittel rückläufig sind.

Der Arbeitsmarkt ist derzeit noch stabil, aber es besteht die Hoffnung auf eine Erholung und die Vermeidung von Arbeitslosigkeit. Die Finanzlage Deutschlands ist solide, mit einem Defizit von unter 3% des BIP im Jahr 2021 und einer Schuldenstandsquote von 66%. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht Deutschland gut da.

Die strukturellen Ursachen für die schlechtere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im Vergleich zu anderen Ländern liegen vor allem in dem großen und energieintensiven Industriesektor. Deutschland war besonders stark von der Krise betroffen, da es eine hohe Abhängigkeit von russischer Energie hatte. Andere Länder mit einem hohen Dienstleistungsanteil und einem starken Tourismussektor konnten sich schneller erholen.

Um die aktuelle Krise zu bewältigen, müssen wir die Energiekrise bekämpfen. Dazu gehört der Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze sowie gezielte Investitionsförderungen für die Transformation und Energiesicherheit. Es ist auch wichtig, die Stromkosten für energieintensive Unternehmen zu senken. Allgemeine Steuersenkungen sollten vermieden werden, stattdessen sollten gezielte Investitionsförderungen in den Bereichen Klima und Digitalisierung erfolgen.

Die Finanzierung dieser Maßnahmen ist eine Herausforderung. Die Schuldenbremse hat sich als restriktiver erwiesen als gedacht, und die Spielräume für Investitionen und Konjunkturstabilisierung sind begrenzt. Es wäre sinnvoll, die Schuldenbremse zu modifizieren und eine Netto-Investitionsorientierung einzuführen. Alternativ könnte die Notlage für das Jahr 2024 erneut ausgerufen werden, um höhere Kredite zu ermöglichen. Es wäre wichtig, die geplanten Ausgaben wie geplant durchzuführen und sie kreditfinanziert zu tätigen, um negative Auswirkungen zu vermeiden. Eine weitere Möglichkeit wäre der Abbau kontraproduktiver Subventionen oder die Erhöhung der Einnahmen.

Insgesamt ist die Lage kritisch, aber es gibt Lösungsansätze, um die Krise zu bewältigen und die deutsche Wirtschaft zu unterstützen. Es ist wichtig, dass die Regierung schnell handelt und die notwendigen Maßnahmen ergreift, um die wirtschaftliche Erholung zu fördern.

„Droht das Ende der Experten? ChatGPT und die Zukunft der Wissensarbeit – Vorbereitungen auf das Autorengespräch mit Stefan Holtel #NEO23

Das Buch „Droht das Ende der Experten? ChatGPT und die Zukunft der Wissensarbeit“ von Stefan Holtel untersucht die Auswirkungen von ChatGPT auf verschiedene Bereiche der Wissensarbeit. Folgende Fragen finde ich dabei interessant.

  1. Einfluss auf Journalismus und Autorenschaft: Wie verändert ChatGPT die Rolle von Autoren und Journalisten und welche neuen Fähigkeiten werden in diesen Berufen benötigt?
  2. Bildungswesen: Wie kann ChatGPT im Bildungsbereich für Schüler, Lehrer und Studenten effektiv eingesetzt werden, und welche Herausforderungen gibt es dabei?
  3. Juristischer Bereich: Welche Rolle kann ChatGPT in der Rechtspraxis spielen, und wie kann es Juristen in ihrer Arbeit unterstützen oder herausfordern?
  4. Medizin und Gesundheitswesen: Inwiefern kann ChatGPT Ärzten und Krankenhäusern helfen, und welche Grenzen gibt es bei seinem Einsatz im medizinischen Kontext?
  5. Kreative Berufe: Wie beeinflusst ChatGPT kreative Berufe, insbesondere in der Kunst, und verändert es die Definition von Kreativität?
  6. Grundlagen von ChatGPT: Was macht ChatGPT zu einer disruptiven Innovation, und wie unterscheidet sich diese von anderen Technologien?
  7. ChatGPT in der KI-Evolution: Wie passt ChatGPT in den breiteren Kontext der KI-Entwicklung, und inwiefern ist es eine Übergangstechnologie?
  8. Zukunft der Wissensarbeit: Wie wird die Wissensarbeit durch ChatGPT und ähnliche Technologien beeinflusst, und welche neuen Kompetenzen werden benötigt?
  9. Kommunikation mit ChatGPT: Wie beeinflusst ChatGPT unsere Kommunikation und Sprache, und was sind die Grenzen seiner Sprachfähigkeiten?
  10. Grenzen von ChatGPT: Welche wesentlichen Einschränkungen und Herausforderungen gibt es bei der Nutzung von ChatGPT?
  11. Wissensarbeit und Automatisierung: Inwieweit trägt ChatGPT zur Automatisierung von Denkprozessen bei, und wie verändert es die Tätigkeitsprofile in der Wissensgesellschaft?
  12. Werkzeuge für Wissensarbeit: Welche Werkzeuge neben ChatGPT sind entscheidend für die Wissensarbeit, und wie verändern sie die Arbeitsweise?
  13. Kompetenzen des 21. Jahrhunderts: Welche Fähigkeiten sind im 21. Jahrhundert besonders relevant, und wie trägt ChatGPT zu deren Entwicklung bei?
  14. Tätigkeitsprofil des Wissensarbeiters: Wie verändert sich das Profil des Wissensarbeiters durch Technologien wie ChatGPT?
  15. Gestaltung von Wissensarbeit mit ChatGPT: Wie kann Wissensarbeit unter Einbeziehung von ChatGPT effektiv gestaltet werden, und welche Rolle spielt dabei das Verständnis der Technologie?

Habt Ihr weitere Fragen für die Session am Donnerstag, den 7. Dezember, ab 13 Uhr?

flag near building

Brüning, Lindner und die Falle der prozyklischen Wirtschafts- und Finanzpolitik: Wir diskutieren das am 7. Dezember auf der Next Economy Open #NEO23

„Auftragseingänge auf Talfahrt. Doch die Ampelregierung plant ein Sparpaket von 17 Mrd. Euro. Die Schuldenbremse zwingt zu prozyklischer Politik. Anfang der 1930er Jahre machte Reichskanzler Brüning denselben Fehler. Die Folgen waren fatal. Ist sich @c_lindner dessen bewusst?“, fragt sich der Ökonom Professor Peter Bofinger.

Wir haben uns diese Frage schon vor ein paar Wochen gestellt, als wir die Sessions zur Next Economy Open erstellten. Also vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Haushaltspolitik der Bundesregierung. Ein Vorschlag kam von Professor Frank H. Witt:

Man hört, sieht und streamt sich auf der . Start um 10 Uhr. Die Brüning-Session ist um 11 Uhr.

Empfehlungen für nachhaltige Finanzpolitik: Reform der Schuldenbremse vonnöten #Haushaltskrise #NEO23

Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beschäftigt sich mit den Herausforderungen und Empfehlungen für eine nachhaltige Finanzpolitik zur Sicherstellung der Finanzierung von sozialen Sicherungssystemen, ökologischer Transformation und dem Ausbau der öffentlichen Infrastruktur.

In den letzten Jahren ist die Finanzpolitik unübersichtlicher geworden. Die Bildung von Sondervermögen und umfangreiche Rücklagen haben dazu beigetragen. Diese Politik ermöglicht zwar vorübergehend eine einfachere Finanzierung erhöhter Ausgaben, ist jedoch nicht nachhaltig und erfordert starke Anpassungen, sobald die Schuldenbremse wieder gilt und die Rücklagen aufgebraucht sind.

Um eine nachhaltige Finanzpolitik zu erreichen, ist es unumgänglich, Prioritäten im Bundeshaushalt zu setzen, anstatt auf Verschuldung zu setzen. Der Beirat hat in verschiedenen Gutachten konkrete Herausforderungen und Vorschläge zur Überwindung dieser Herausforderungen aufgezeigt.

Der Beirat empfiehlt der Bundesregierung, eine langfristige Finanzplanung zu entwickeln, die über die mittelfristige Finanzplanung hinausgeht. Regelmäßig wiederkehrende Aufgaben des Staates sollten durch Steuern finanziert werden. Sondervermögen sollten aufgegeben und Aufgaben in den Kernhaushalt zurückgeführt werden.

Eine Schuldenbremse ist grundsätzlich sinnvoll, um der Kurzfristorientierung der Politik entgegenzuwirken. Eine Reform der Schuldenbremse ist jedoch notwendig, um einer Überforderung des Produktionspotenzials entgegenzuwirken. Der Beirat schlägt die Weiterentwicklung der Schuldenbremse zu einer Goldenen Regel Plus vor und empfiehlt die Einrichtung von Investitionsfördergesellschaften, um eine Verstetigung der Investitionen zu garantieren.

Um den starken Anstieg der Staatsausgaben im Bereich der Sozialversicherungen entgegenzuwirken, sollten Reformen in der Gesetzlichen Rentenversicherung und der Sozialen Pflegeversicherung angegangen werden.

Steuererhöhungen sind nur eingeschränkt sinnvoll, um Spielräume für zusätzliche öffentliche Investitionen zu schaffen. Die Transparenz über die Finanzierungslasten kann erhöht werden, indem die Lasten einer Steuererhöhung proportional zum Einkommen der Haushalte ausgewiesen werden.

Die Bundesregierung sollte darauf dringen, dass sich die europäischen und deutschen Haushaltsregeln nicht zu weit auseinanderentwickeln. Die Mitwirkung unabhängiger Fiskalinstitutionen sollte verstärkt werden, um die Einhaltung der europäischen Haushaltsregeln zu verbessern.

Die Empfehlungen des Gutachtens sind wichtige Schritte hin zu einer nachhaltigen Finanzpolitik, die die langfristige finanzielle Stabilität des Staates gewährleistet und Investitionen in wichtige Bereiche wie Bildung, Infrastruktur und Klimaschutz ermöglicht.

Auf der Next Economy Open am Donnerstag greifen wir das Thema auf.

Reform der Schuldenbremse gefordert von Politikern, Ökonomen und Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums: Live-Sessions auf der #NEO23 am 7. Dezember um 11 Uhr Professor Witt und um 16 Uhr mit dem Wirtschaftsweisen @AchimTruger

Die Kritik an der Schuldenbremse, die 2009 beschlossen worden ist, ist immer lauter geworden. Politiker der Sozialdemokraten und der Grünen sowie viele Ökonomen fordern eine Reform der Vorgaben, mit denen die deutsche Politik zu einem solideren Haushaltsgebaren verpflichtet ist. Unter der Schuldenbremse darf die jährliche Neuverschuldung nicht mehr als 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen, wobei Notfallklauseln in Abhängigkeit von der konjunkturellen Lage gelten. Der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums stellt ein Gutachten vor, in dem er sich für eine Reform der Schuldenbremse ausspricht. Der Beirat schlägt vor, dass der Staat Nettoinvestitionen durch Schulden finanzieren kann, unter der Aufsicht eines unabhängigen Gremiums, um sicherzustellen, dass die Regierung keine Konsumausgaben als Investitionen tarnt.

Die FAZ hat einige Stimmen eingefangen:

„Ein Konstruktionsfehler der Schuldenbremse ist die mangelnde Investitionsorientierung“, sagt der Ökonom Achim Truger von der Universität Duisburg. Er schlägt vor, dass Investitionen pragmatisch gemäß den Regeln der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung definiert werden, was auch den Fiskalregeln der Europäischen Union entspricht. „Wenn man die Schuldenaufnahme für den Gesamtstaat auf 1 oder 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt, muss man sich keine Sorgen um die Nachhaltigkeit machen“, sagt Truger.

Michael Hüther, Präsident des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), hält es nach dem Bericht der FAZ für notwendig, die Diskussion über eine Reform der Schuldenbremse von den finanziellen Anforderungen der Klimatransformation zu trennen. Die Kosten für die Klimapolitik sollten in einen verfassungsrechtlich abgesicherten Transformations- und Infrastrukturfonds fließen. Das nötige Geld könne nicht durch jährliche Neuverschuldung im Rahmen der Schuldenbremse aufgebracht werden. Hüther schlägt für den Fonds ein Volumen von bis zu 400 Milliarden Euro über zehn Jahre vor.

Für die Reform der Schuldenbremse schlägt Hüther Änderungen wie eine Überarbeitung der Berechnung der konjunkturellen Normallage, eine Berücksichtigung der Zinssteuerquote als Zielgröße oder eine stärkere Orientierung an den Staatsausgaben vor. Eine Investitionsklausel in die Schuldenbremse einzuführen, hält er angesichts des Transformations- und Infrastrukturfonds für nicht notwendig. „Es ist nicht zu leugnen, dass die Unterscheidung zwischen Staatsverbrauch und Staatsinvestitionen nicht klar ist“, sagt Hüther.

Seit Jahrzehnten steht das Thema der Staatsverschuldung auf der Tagesordnung. In einer Seminararbeit an der FU-Berlin im Sommersemester 1984 unter dem Titel „Gibt es eine optimale Staatsverschlung? – Das Problem der intertemporalen Allokation“, die ich gemeinsam mit Sebastian Schich erstellte, zitierten wir das Jahresgutachten des Sachverständigenrats 1980/81: „Komplizierter ist das Argument, dass die Staatsverschuldung eine Belastung künftiger Generationen darstellt. Die Güter und Dienste, die der Staat durch Kreditaufnahme beansprucht, mindern auf jeden Fall das, was die heutige Generation an privaten Gütern und Diensten beanspruchen kann. Ob künftige Generationen belastet werden, hängt davon ab, wie die Kreditaufnahme und die damit finanzierten Staatsausgaben auf das Produktionspotential der Volkswirtschaft wirken. Finanziert der Staat mit den Krediten Investitionen (!!!!!, gs am 5. Dezember 2023), deren volkswirtschaftlicher Ertrag auf der Höhe der Rentabilität privater Investitionen ist, so kann man nicht von einer Belastung künftiger Generationen sprechen, selbst dann nicht, wenn durch die staatliche Kreditaufnahme private Investitionen verdrängt worden sind.“

Unsere Berechnungen: Die optimale Höhe der Investitionen, um den langfristigen Konsum zu maximieren, ist erreicht, wenn sowohl die staatliche Investition als auch die private Investition eine Höhe erreicht haben, die ihrem mit den jeweiligen Produktionselastizitäten gewichteten Anteil am Sozialprodukt entsprechen.

In zwei Sessions auf der Next Economy Open am Donnerstag 7. Dezember beschäftigen wir uns mit der aktuellen Haushaltskrise. Um 11 und 16 Uhr.

Der Weg zum Gehirntuning und zu neuen Lehrstühlen in der KI-Forschung #DigitalX

In der pulsierenden Stadt Köln, genauer gesagt in der Venloer Straße 24, sitzt Johannes Lierfeld, ein KI-Forscher, der gerade sein neues Buch „Ein Log-In für die Matrix“ veröffentlicht hat. Es geht um die Verbindung zwischen Gehirn und Computer, um die Brücke zwischen Protein und Silizium.

Die Diskussionen um Interfaces sind allgegenwärtig auf der Digital DX. Lierfelds Buch beleuchtet die Grenzen dieser Technologie. Elon Musk behauptet, wir könnten alles aus dem Gehirn auslesen, bis hin zur tiefsten Gefühlsebene. Lierfelds Forschung zeigt jedoch, dass es klare Grenzen gibt.

Die Neurologie kann vieles über Hirnscanner feststellen, aber vieles bleibt verborgen. Das Problem ist, dass wir das Gehirn benutzen, um das Gehirn zu verstehen – ein Paradoxon. Lierfeld versucht, Licht ins Dunkel zu bringen und eine Diskussion anzustoßen.

Er spricht über seine Kommissionshypothese, die davon ausgeht, dass die Daten, die über unsere Sinneskanäle in unser Gehirn gelangen, zunächst objektiv sind. Im Prozess des Erlebens werden sie jedoch gefiltert und subjektiviert. Sie sind verzerrt und verändert und können so nicht mehr ausgelesen werden.

Die Frage ist, wie eine zukünftige Mensch-Maschine-Interaktion aussehen könnte. Lierfeld betont, dass die Verbindung mit einem Interface immer freiwillig erfolgen muss und dass wir uns über die Autonomie Gedanken machen müssen. Wenn die Technik die Autonomie des Menschen erhöht, ist das gut. Aber wir müssen auch die Verantwortlichkeit neu beleuchten.

Lierfeld spricht auch über die ethischen Fragen, die sich stellen, wenn ein Gehirn mit Technologie „aufgerüstet“ wird, um intelligenter oder schneller zu sein. Er betont, dass es wichtig ist, diese Fragen jetzt zu stellen und zu verhandeln.

In Deutschland gibt es eine kritische Diskussion darüber, dass wir zu wenig in der KI-Forschung tun und zu wenige Lehrstühle haben. Lierfeld wünscht sich, dass die Politik ihre Versprechen einhält. Angela Merkel hat 2018 100 Professuren für KI ausgelobt, aber wir sind noch lange nicht bei dieser Zahl.

Lierfelds Buch „Ein Log-In für die Matrix“ ist gerade erschienen und kann als gedrucktes Werk erworben werden. Es kostet 15,80 Euro.

„Der Markt alleine wird es nicht lösen“: Wirtschaftsweise Monika Schnitzer zur Energiewende #SchubkraftTV #SZGipfel

Inmitten des Nachhaltigkeitsgipfels der SZ stand Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Rede und Antwort. Die Wirtschaftsweise sprach über die Herausforderungen der Energiewende und die Rolle des Staates dabei.

„Es ist kompliziert, CO2 mit herkömmlichen Mitteln zu reduzieren“, gesteht Schnitzer. Sie betont, dass eine klare Planung erforderlich ist, um voranzukommen. „Wenn wir erneuerbare Energie ausbauen wollen, müssen wir Flächen dafür ausweisen und die Genehmigungsverfahren beschleunigen“, erklärt sie.

Schnitzer spricht auch über die Notwendigkeit, die Energienachfrage zu flexibilisieren. „In Zukunft müssen wir Möglichkeiten schaffen, dass die Menschen dann Strom verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden ist“, sagt sie.

Die Wirtschaftsweise erläutert, dass der Staat eine klare Zielsetzung und einen klaren Plan haben muss. „Der Markt alleine wird es nicht lösen.“ Sie spricht auch über die Herausforderungen, die mit der Unsicherheit verbunden sind, die mit der Energiewende einhergeht.

Schnitzer spricht auch über die Notwendigkeit, die Menschen mitzunehmen, die sich die neuen Technologien vielleicht nicht leisten können. „Wir müssen jetzt handeln, um die Klimaziele zu erreichen“, sagt sie.

Die Wirtschaftsweise spricht auch über die Notwendigkeit, die Infrastruktur zu verbessern. „Wir müssen Stromnetze ausbauen, damit die Windkraft, die wir im Norden sehr günstig produzieren können, in den Süden kommen kann“, sagt sie.

Schnitzer betont, dass der Sachverständigenrat in intensivem Austausch mit der Politik steht. „Wir machen ökonomische Vorschläge, die Politik muss ganz andere Themen auch noch mit berücksichtigen“, sagt sie. Sie betont, dass die Politik die Menschen mitnehmen und andere Interessen austarieren muss.