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Über mediale Agenda-Setting-Champions, wichtige Indikatoren für die Konjunkturentwicklung und Impulse für die Innovationspolitik in Deutschland

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Gemeinsam mit Winfried Felser und der Indeed-Analystin Annijna widmeten wir uns bereits im ersten Pandemie-Jahr 2020 der Frage, wie man mit Stellenanzeigen Voraussagen für die Konjunkturentwicklung treffen kann. Wie kann die Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten möglichst zeitnah und granular agieren? Die Entwicklung von Online-Stellenanzeigen kann als Frühindikator für die Auswirkungen von Krisen auf den Arbeitsmarkt gewertet werden. Die Daten sind hierfür nahezu in Echtzeit verfügbar.

Indeed indexiert und aggregiert Jobangebote von tausenden Karriere-Websites und einer Vielzahl von Personaldienstleistern und Jobbörsen. Die Analyse von bezahlten und unbezahlten Stellenanzeigen garantiert, dass der Gesamtarbeitsmarkt repräsentiert wird.

Zudem bekommt man für die Konjunkturpolitik einen wichtigen Orientierungspunkt für die notwendigen Maßnahmen. In welchen Berufsgruppen und Branchen muss der Staat aktiv werden? Das leisten die üblichen makroökonomischen Daten nicht wirklich. Da betracht man den Wald, vernachlässigt aber die einzelnen Bäume – etwa bei Fragen der Innovations- und Technologie-Politik. Das kritisierte der Ökonom Joseph Schumpeter schon am Anfang des 20. Jahrhunderts. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen, Konsumenten, die Rolle von staatlichen Institutionen und die Wirkung von Gesetzen verschwinden aus dem Blickfeld. Vor allem die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelte der Wirtschaftsforscher. Ausführlich in unserem Sohn@Sohn-Adhoc-Newsletter nachzulesen. Leitmotto. Steuerungskunst gefragt.

Von diesem Credo ist auch das Manifest von Rafael Laguna de la Vera und Cyriac Roeding geprägt:

„Trotz aller Spar-Dramen der Regierung: Mit einem Acht-Punkte-Programm könnten wir es unter die Top 3 der globalen Innovationsstandorte schaffen. Es ist Zeit zu investieren, damit unsere Kinder und Enkelkinder auch noch in Wohlstand leben können. In unserer Welt, in der rasante technologische Fortschritte rund um den Globus passieren, wird das Rennen um Innovation zur obersten Priorität, um den Wohlstand zu erhalten.“

Innovationen sind auch gefragt, um die dringend notwendige Ernährungswende anzugehen:

Zu den Voraussagen über Tech-Trends 2024 von Sascha Pallenberg. Mal schauen, was in Deutschland zündet.

Überfällig: Homöopathie raus aus der Erstattung durch die Kassen

Wer ist Agenda-Setting-Champion in Deutschland, wer bestimmt den Medientenor? Das untersucht regelmäßig der Schweizer Media Tenor. Die Kräfteverhältnisse an der Spitze des Zitate-Ranking bleiben 2023 im wesentlich so bestehen wie im Jahr davor: Die BILD-Gruppe bleibt deutlich vor den Markengruppen von SPIEGEL und HANDELSBLATT. Allerdings untermauert die BILD-Gruppe ihre Spitzenposition, in dem die Titel der Gruppe noch einmal etwas häufiger zitiert werden, dagegen gehen die SPIEGEL-Zitate im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück. Auch das ZDF verliert deutlich an Aufmerksamkeit für seine Inhalte.

Das HANDELSBLATT bleibt zu Wirtschaftsthemen das Maß der Dinge und unter den deutschsprachigen
Medien ohne Konkurrenz, SPIEGEL, FAZ und WELT verlieren hier an Bedeutung. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern schiebt sich die ARD wieder vor das ZDF, die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
rangiert am Ende des Jahres vor der WELT-Gruppe, ist aber immer noch weit von früheren Erfolgen
entfernt, in denen die SZ eher zu den Top-5 gehörte.

Die Aufmerksamkeit für die SZ resultiert wesentlich aus der Flugblattaffäre von Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger, die auf zwiespältiges Echo stieß. Im Vergleich der Regionalmedien konnte der TAGESPIEGEL 2023 häufiger Themen setzen als im Jahr zuvor und rangiert wieder vor der FUNKE Mediengruppe. Eine deutlich größere Resonanz gab es auch für die NEUE OSNABRÜCKER. Die AUGSBURGER ALLGEMEINE bleibt auch nach dem Weggang des früheren Chefredakteurs Gregor Peter Schmitz zum STERN weiter relevant.

Zu den Gewinnern im Jahr 2023 zählt auch die Gruppe um RTL, N-tv, STERN und CAPITAL. „Der STERN hat sein Profil geschärft mit neuen Federn und neuen Impulsgebern. Das ist eindeutig zu erkennen“, meint Roland Schatz, Gründer von Media Tenor International. Und das nicht nur mit schlagzeilenträchtigen Interviews mit ehemaligen Kanzlern wie Gerhard Schröder, sondern auch mit exklusiven Recherchen und Interviews zu aktuellen Debatten, zuletzt dem Vorstoß von Bayerns Ministerpräsident Söder, der auf eine Verschiebung der geplanten Bürgergeld-Erhöhung drängt.

„Der STERN ist wieder zu dem Medium geworden, an das sich Politiker wenden, wenn sie gezielt solche Botschaften platzieren wollen“ , erklärt Schatz.

Bonner Verbindungen: Joseph Schumpeter, David und Gottfried Eisermann

Joseph Schumpeter ist vor allem für seine Theorien über Innovation und den kapitalistischen Entwicklungsprozess bekannt. Seine Zeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn von 1925 bis 1932 war besonders prägend für sein Schaffen. Schumpeter nutzte diese Jahre, um seine soziologischen und wirtschaftlichen Überlegungen zu vertiefen, wobei er regelmäßig Kollegs über ‚Gesellschaftslehre‘ hielt. Diese Bonner Periode wurde intensiv von Ulrich Hedtke, einem Berliner Sozialwissenschaftler, erforscht, der in den 1990er Jahren Schumpeters Arbeit aufgriff und dessen Einfluss auf die damalige Wissenschaftslandschaft beleuchtete. Schumpeter hielt in Bonn Vorträge zu Themen wie Staat und Gesellschaft, soziale Klassen und soziologische Übungen.

Hedtke untersucht Schumpeters öffentliche und akademische Vorträge, die sowohl in Deutschland als auch im Ausland gehalten wurden, und betont Schumpeters Interesse an der Verbindung von Wissenschaft und Politik sowie seine Bemühungen, eine wissenschaftlich fundierte Politik zu fördern. Diesen Punkt muss ich vertiefen!

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung Schumpeters zu Gottfried Eisermann, der sich ebenfalls intensiv mit Schumpeters Werk auseinandersetzte. Eisermanns Sohn, David Eisermann, machte auf Facebook darauf aufmerksam, dass sein Vater Schumpeter seine Bonner Antrittsvorlesung im Jahr 1962 widmete. Diese Verbindung ist ein faszinierendes Beispiel für das Fortleben und die Wiederentdeckung von Schumpeters Gedanken, auch lange nach seinem Tod im Jahr 1950.

Gottfried Eisermann beschrieb Schumpeter als den sozialwissenschaftlichen Spiritus rector der Bonner Alma Mater und betonte, dass Schumpeters Werk tief von soziologischen Denkweisen durchdrungen sei. Dieser Einfluss war bereits erkennbar, als Schumpeter 1925 dem Ruf auf den Lehrstuhl an der Bonner Universität folgte.

Ein Live-Interview mit Ulrich Hedtke, dem Schumpeter-Forscher in Berlin, würde weitere Einblicke in Schumpeters Zeit in Bonn und sein Vermächtnis geben. Dies wäre eine Gelegenheit, die Bedeutung von Schumpeters Werk in der heutigen Zeit zu erörtern und seine Auswirkungen auf die moderne Wirtschaftstheorie und -praxis zu beleuchten. Mal schauen, ob ich das realisieren kann.

Ausführlich in meinem Beitrag nachzulesen für den Band „Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter“

Schumpeters Bonner Jahre sind somit nicht nur ein wichtiger Teil seiner eigenen Biografie, sondern auch ein Zeugnis der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit seinen Ideen und Theorien, die bis heute Wissenschaftler und Denker inspirieren.

Joseph Schumpeter, ein österreichischer Ökonom und Soziologe, ist vor allem für seine Theorien über Innovation und den kapitalistischen Entwicklungsprozess bekannt. Seine Zeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn von 1925 bis 1932 war besonders prägend für sein Schaffen. Schumpeter nutzte diese Jahre, um seine soziologischen und wirtschaftlichen Überlegungen zu vertiefen, wobei er regelmäßig Kollegs über ‚Gesellschaftslehre‘ hielt. Diese Bonner Periode wurde intensiv von Ulrich Hedtke, einem Berliner Sozialwissenschaftler, erforscht, der in den 1990er Jahren Schumpeters Arbeit aufgriff und dessen Einfluss auf die damalige Wissenschaftslandschaft beleuchtete.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung Schumpeters zu Gottfried Eisermann, der sich ebenfalls intensiv mit Schumpeters Werk auseinandersetzte. Eisermanns Sohn, David Eisermann, machte auf Facebook darauf aufmerksam, dass sein Vater Schumpeter seine Bonner Antrittsvorlesung im Jahr 1962 widmete. Diese Verbindung ist ein faszinierendes Beispiel für das Fortleben und die Wiederentdeckung von Schumpeters Gedanken, auch lange nach seinem Tod im Jahr 1950.

Zum Tod von Wolfgang Bergsdorf: Analytischer Kopf und wichtiger Berater von Helmut Kohl

Der General-Anzeiger beschreibt in einem Nachruf Wolfgang Bergsdorf, der im Alter von 82 Jahren verstorben ist, als „intellektuellen Kopf“ im Umfeld von Helmut Kohl. Diese Charakterisierung trifft den Kern seines Wirkens, denn über Jahrzehnte hinweg war Bergsdorf einer der engsten Mitarbeiter Kohls in der CDU und der Bundesregierung. „Kohl machte den gebürtigen Bensberger nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden 1973 zum Leiter seines Büros im Adenauer-Haus (also in der Parteizentrale, gs). Zudem war er Chefredakteur der Zeitschrift ‚Die Politische Meinung‘ der Konrad-Adenauer-Stiftung. Während der schwarz-gelben Koalition von 1982 bis 1998 war Bergsdorf Abteilungsleiter im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung sowie für Kultur und Medien im Innenministerium“, so der GA.

In meiner Zeit als Leiter des Bonner Büros des Instituts für Demoskopie Allensbach lernte ich Bergsdorf in seiner Funktion im Bundespresseamt zwischen 1989 und 1993 kennen. Also eine spannende und wilde Zeit des Umbruchs zur Zeit der Wiedervereinigung. Ich schrieb damals die Wochenberichte fürs Kanzleramt und erlebte Bergsdorf und den klugen Politstrategen Horst Teltschik bei den Themenkonferenzen für die Monatsumfragen kennen, die dann Grundlage für meine Analysen waren.

Anekdote am Rande: Noelle sagte zu mir folgendes: „Herr Sohn, Sie können sich erst dann ‚Demoskop‘ nennen, wenn sie 100 Wochenberichte geschrieben haben.“ Was sagte mir die Pythia vom Bodensee wohl nach dem 100. Bericht – also nach knapp zwei Jahren meiner Tätigkeit?

Stephan Eisel, seinerzeit Redenschreiber und stellvertretender Leiter des Kanzlerbüros, sagte dem GA, dass Bergsdorf einer der ersten war, der sich wissenschaftlich mit der Massenkommunikation als politischem Phänomen und der Instrumentalisierung von Sprache in der Politik befasste. Das war in er Tat so. Ein kühler Kopf, immer unaufgeregt, aber sehr kritisch und tiefgründig. So schreibt er in seinem Buch „Herrschaft und Sprache“, im 31. Kapitel „Erneuerung der CDU-Terminologie: Soziale Anreicherung der ‚Freiheits‘-Rhetorik“ (1983 (!) im Neske-Verlag erschienen): „Die Euphorisierung der politischen Terminologie durch Willy Brandt hatte die CDU/CSU nichts entgegenzusetzen. Sie hielt zunächst an den traditionellen Formeln fest, die um ihren Zentralbegriff ‚Freiheit‘ gruppiert waren und geriet mit ihnen vor allem in der ost- und deutschlandpolitischen Auseinandersetzung in die Defensive. Begriffe wie ‚Wiedervereinigung‘ und ‚Selbstbestimmungsrecht‘, mit denen die CDU/CSU in den 50er Jahren ihre Politik der West-Orientierung gegen gesamtdeutsche Einwände flankierend abgesichert hatte, gewannen nun zentrale Stellenwerte ihrer Argumentation. Vor allem die CDU/CSU-Fassung des ‚Nation‘-Begriffs – von Oppositionsführer Rainer Barzel in seiner Kritik an der Brandtschen Ostpolitik immer wieder verwandt – geben der CDU-Terminologie eine neue, national akzentuierte Einfärbung. Mit ihr unterschied sie sich gründlich vom Vokabular der Regierung. Es gelang ihr aber kaum, die von der Regierung auch terminologisch erzeugten Erwartungshaltungen zu korrigieren. Die Niederlage der Unionsparteien in der Bundestagswahl 1972 wurde so auch zu einer Niederlage ihrer Terminologie.“ Entscheidend ist der Kontext.

Unter dem neuen Vorsitzenden Helmut Kohl wurden diese Defizite unter Führung des CDU-Generalsekretärs Kurt Biedenkopf sehr schnell aufgearbeitet durch einen verstärkten Dialog der Partei mit Intellektuellen. Also nix mit Birne und Provinz-Ei. Kohl war ein ErneuerSo sagte Biedenkopf auf dem Bundesparteitag der CDU 1973 folgendes: „Was sich heute in unserem Lande vollzieht, ist eine Revolution neuer Art. Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache…Statt der Gebäude der Regierungen werden die Begriffe besetzt, mit denen sie regiert, die Begriffe, mit denen wir unsere staatliche Ordnung, unsere Rechte und Pflichten und unsere Institutionen beschreiben.“ In der Mannheimer Erklärung wird der Begriff der „Freiheit“ eng mit dem Schlüsselwort „sozial“ verknüpft. „‚Freiheit‘, ‚Gerechtigkeit‘ und ‚Chancengleichheit‘ sowie ‚Solidarität‘ werden als ‚Grundwerte‘, die sich gegenseitig bedingen und ergänzen, bezeichnet“, erläutert Bergsdorf.

Die Freiheit des Einzelnen wurde sprachlich verbunden mit seiner Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. Kann sich Merz hinter die Ohren schreiben. Unter Kohl und den Generalsekretären Biedenkopf und Geißler war die Union schon mal fortschrittlicher und sozialer orientiert. Was Geißler nach der Jahrtausend-Wende schrieb, wäre auch heute noch ein sittlicher Maßstab für eine christliche Partei. Das nur am Rande.

In dieser Zeit habe ich eine Menge über empirische Sozialforschung gelernt, über die Analyse von Umfragen und über strategische sowie taktische Politikberatung – in den Hintergrundgesprächen mit Teltschik, Bergsdorf, Noelle und Co.

Bergsdorf hörte politisch das Gras wachsen und brachte immer wieder interessante Hypothesen auf die Agenda der Mehrthemen-Befragungen von Allensbach. Erfolgschancen einer bundesweiten CSU, Rolle der Grünen, Siegchancen der Allianz für Deutschland in Ostdeutschland und vieles mehr.

Nach meinem Wechsel als Pressesprecher in die Wirtschaft verlor ich leider den Kontakt zu den Polit-Profis im Kanzleramt und im Bundespresseamt. Ich profitiere aber nach wie vor von der Klugheit von Menschen wie Bergsdorf. Für mich waren die Begegnungen mit ihm ein Glücksfall. Auch die späte Freundschaft zu Rüdiger Altmann, dem Berater von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard.

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Zuerst Optimismus, dann Wachstum: WEF-Weltrisikobericht blickt pessimistisch in die Zukunft – Jetzt ist Wirtschaftspolitik als Staatskunst gefragt

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Die Experten des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben ihren neuen Weltrisikobericht vorgestellt und dabei einen eher pessimistischen Eindruck hinterlassen. Die Umfrageergebnisse spiegeln die aktuelle Lage der Welt und die Stimmung vieler Menschen wider. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte erwarten in den nächsten zehn Jahren schwere Krisen.

Der Bericht des WEF basiert auf Daten von rund 1400 Unternehmen weltweit und berücksichtigt auch Ansichten aus Politik, Wissenschaft und der globalen Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse zeigen einen starken Anstieg des Pessimismus. Während ein Drittel der Befragten für die nächsten zwei Jahre Risiken schwerer Krisen sieht, rechnen zwei Drittel der Teilnehmer mit solchen Entwicklungen in den kommenden zehn Jahren.

Die größten Risiken für die Jahre 2024 und 2025 sind Desinformation, Extremwetter, gesellschaftliche Polarisierung, Datenunsicherheit und Krieg.

Auch das Thema Extremwetter nimmt seit Jahren eine Spitzenposition in den Risikoberichten des WEF ein. Viele Unternehmen weltweit haben erkannt, was der Klimawandel bedeutet, sind jedoch nicht immer bereit, angemessen darauf zu reagieren. In der Vorschau der größten Risiken für die nächsten zehn Jahre belegen Klima- und Umweltprobleme sogar die ersten vier Plätze.

Und in Deutschland rangiert bekanntlich das jährlich von Allensbach ermittelte Stimmungsbarometer auf einem historischen Tiefstwert wie zu Zeiten des Korea-Krieges Anfang der 1950er Jahre. Wo bleibt da die Wirtschaftspolitik als Staatskunst im Sinne von Rüdiger Altmann, dem früheren Berater von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard? Oder Bidenomics? Das große Rad drehen, um die Unternehmen für Investitionen und Innovationen zu ermutigen: Um wieder in den Aufschwung-Modus zu kommen, brauchen wir mehr Optimismus. Darauf hat der Informatik-Professor Karl Steinbuch bereits 1979 hingewiesen. Steinbuch berechnete, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage „Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen“ in dem Prozentsatz der Antworten „mit Hoffnungen“ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt. Der Verlauf des Optimismus folge nach Erkenntnissen von Steinbuch wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinke nicht hinter der Konjunktur her, sondern gehe ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum.

Die Sparpolitik der Ampel-Regierung trägt nicht die Züge einer klugen antizyklischen Konjunkturpolitik, sondern besitzt eher den Charakter einer zänkischen internen Zerstückelung der Koalitionspartner – auf Kosten der Allgemeinheit.

Folgen wir doch den Anregungen des WEF-Reports: Lokale Strategien, die Investitionen und Regulierung nutzen, können die Auswirkungen der unvermeidlichen Risiken, auf die wir uns vorbereiten können, verringern, und sowohl der öffentliche als auch der private Sektor können eine Schlüsselrolle spielen, um diese Vorteile auf alle auszuweiten.

Rezension: Durchbruch der Künstlichen Intelligenz – Auch beim Prompt Engineering gilt: Shit in, Shit out

Der Gastbeitrag von Peter Buxmann in der FAZ beschäftigt sich mit dem Thema des Durchbruchs der Künstlichen Intelligenz (KI) und den Auswirkungen, die dieser auf die Gesellschaft hat. Der Universitätsprofessor für Wirtschaftsinformatik analysiert die aktuellen Entwicklungen und stellt die Frage, wer von der KI-Revolution profitiert und was die Zukunft bringen wird.

Im Jahr 2023 wurden täglich neue Produkte und Dienstleistungen im Feld der KI angekündigt und auf den Markt gebracht. Unternehmen wie Open AI haben eine beeindruckende Geschwindigkeit vorgelegt und kontinuierlich neue Modelle und -Anwendungen entwickelt. Die KI hat auch den Elfenbeinturm verlassen und ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen. KI-basierte Sprachassistenten, autonomes Fahren und medizinische Diagnoseunterstützung sind nur einige Beispiele für den Einfluss der KI auf unseren Alltag.

Neben den großen Technologieunternehmen setzen auch immer mehr Start-ups auf KI und integrieren sie in ihre Geschäftsmodelle. Sowohl große Softwareanbieter als auch kleinere Unternehmen nutzen KI, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern. Die Integration von KI in Software wird in Zukunft zur Normalität werden, so SAP-Produktvorstand Thomas Saueressig.

Die Gewinner der KI-Entwicklungen im Jahr 2023 waren unter anderem Open AI und Microsoft, die maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren. Aber auch andere Unternehmen wie Nvidia profitierten vom Boom. Es gab jedoch auch Enttäuschungen, wie zum Beispiel fehlerhafte Demos und bizarre interne Konflikte bei Open AI und Google.

Die wirtschaftliche Bedeutung der neuen KI-Sprachsysteme ist noch nicht abschließend zu bewerten. Studien zeigen jedoch, dass der Einsatz von KI-Modellen wie ChatGPT zu Zeitersparnis, besserer Textqualität und höherer Mitarbeiterzufriedenheit führen kann. Unternehmen nutzen KI auch, um ihre Prozesse zu verbessern, insbesondere im Wissens- und Servicemanagement.

Es gibt jedoch auch Herausforderungen im Umgang mit KI. Anwendungen wie ChatGPT können „halluzinieren“ und unsinnige Inhalte generieren, ohne dass die Entwickler den genauen Grund dafür kennen. Das liegt allerdings häufig an idiotischen Eingaben. Auch beim Prompt Engineering gilt: Shit in, Shit out.

Im Jahr 2023 gab es eine Vielzahl von Produkten und Start-ups, die das Label „Künstliche Intelligenz“ für sich beanspruchten, ohne einen klaren Zusammenhang zur KI zu haben. Dies führte zu einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Geld. Die Angst vor einer Superintelligenz und deren Auswirkungen auf die Menschheit erlebte eine Renaissance. Es gibt jedoch unterschiedliche Meinungen dazu, wie realistisch diese Bedenken sind.

KI kann grundsätzlich für gute und problematische Zwecke eingesetzt werden. Es gibt Diskussionen über den Einfluss von KI auf Diskriminierung und die Frage, ob KI böse ist. Dabei liegt die Verantwortung nicht nur bei den Algorithmen, sondern auch bei den von Menschen bereitgestellten Trainingsdaten.

Im Jahr 2024 werden wir weiterhin eine rasante Entwicklung der KI erleben. Multimodale Sprachmodelle, die Bilder, Videos und Audiodateien verstehen und generieren können, eröffnen neue Möglichkeiten und erhöhen gleichzeitig die Risiken des Missbrauchs. Die Entwicklungsgeschwindigkeit der KI war in den letzten Jahren beeindruckend und wird wahrscheinlich auch in Zukunft hoch bleiben.

Abschließend lässt sich sagen, dass die KI gekommen ist, um zu bleiben. Die Zusammenarbeit von Mensch und KI wird in vielen Bereichen zu besseren Entscheidungen führen. Es ist wichtig, die Chancen und Risiken der KI zu erkennen und verantwortungsvoll damit umzugehen.

KI zwischen Assistenz und Autonomie

Cebit-Rundgang der Kanzlerin

Zum Abgleich. Hochkarätige Diskussionsrunde zur #KünstlichenIntelligenz auf der CeBIT 2018, moderiert von Klaus Burmeister und Gunnar Sohn. Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Bauer, Prof. Dr. em. Reinhard Merkel, Journalist Matthias Spielkamp und Dirk Wittkop, Geschäftsführer von IBM Deutschland Research & Development, debattierten die Rolle des Menschen im Angesicht fortschreitender Technologien. Im Fokus standen die ethischen, gesellschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Implikationen der KI, die Frage nach der menschlichen Autonomie und die Gestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Mit der zunehmenden Verschmelzung von menschlichen Fähigkeiten und künstlicher Intelligenz, der sogenannten Cyborgisierung, wachsen auch die Herausforderungen an die Gesellschaft, ethische Normen zu definieren und die Ausbildung der nächsten Generationen anzupassen. Die Runde betonte die Notwendigkeit eines interdisziplinären Ansatzes und einer breiten gesellschaftlichen Diskussion über die Anwendung von KI.

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Next Economy: Plädoyer für ein investitionsfreudiges Handeln des Staates

In einem lebhaften Dialog auf der Next Economy Open erinnert Professor Frank H. Witt an vergangene Wirtschaftskrisen und die Reaktionen darauf, insbesondere die der Weimarer Republik unter Heinrich Brüning, die er als historische Parallele zu den heutigen Austeritätsmaßnahmen zog. Er argumentierte, dass der Liberalismus des 21. Jahrhunderts eine Neudefinition benötige, die eine aktive, gemeinschaftliche Zukunftsgestaltung und nicht den Rückzug des Staates in den Fokus rückt.

Witt sprach sich klar gegen die Schuldenbremse aus und plädierte für ein kühnes, investitionsfreudiges Handeln des Staates. Er kritisierte das festgefahrene Narrativ um die angebliche Gefahr der Staatsschulden und stellte diesem eine Vision entgegen, in der politisches Handeln sich durch Investitionen in die Zukunft, in Technologie und Bildung auszeichnet.

Die Veranstaltung bot Raum für historische Reflexionen über die politische Ökonomie und deren Auswirkungen auf die gegenwärtige globale Finanzlandschaft.

Insgesamt forderte Witt eine Rückkehr zu einer Wirtschaftspolitik, die die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit respektiert und fördert. Er mahnte, dass die Zukunftsgestaltung nicht einer vermeintlich effizienten Marktlogik überlassen werden dürfe, sondern dass eine gemeinschaftliche Anstrengung für das Wohl aller erforderlich sei.

Seine Ausführungen endeten mit einem Appell zur Besinnung auf die Rolle des Staates als Gestalter der Zukunft und zur Notwendigkeit einer rationalen und evidenzbasierten Politikgestaltung.

Mehr Hannah Arendt wagen – auch im Management @Haufe_NMP

Management folgt oft, bewusst oder unbewusst, autoritärem Denken. Höchste Zeit, mit Hannah Arendt anders zu denken.

Die Philosophin und politische Theoretikerin Hannah Arendt war in ihrer Präsenz eine Meisterin der Kombinatorik. Sie wusste, dass der Dreiklang von gedrucktem Text, Radio und Fernsehen die Nachhaltigkeit ihrer Botschaft sicherte. Sie nutzte die unterschiedlichen medialen Spielformen als Gelegenheit, ihre Überlegungen zu variieren. „Die Medien gaben ihr die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven einzunehmen, die Sehepunkte zu ändern. Dinge, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht in die Bücher oder Artikel passten, hatten noch immer dankbare Abnehmer bei den Radiostationen oder umgekehrt“, schreibt Thomas Meyer in seiner vorzüglichen Arendt-Biografie, erschienen bei Piper. Zuweilen ging es darum, dass das von Arendt gewählte Thema Prominenz bekam. „So war es etwa im Falle Walter Benjamins, der selbst sehr viel über Medien und die Veränderung des Denkens nachgedacht hatte. Sie schrieb eine lange Einleitung in eine Werkauswahl, hielt einen von Radio und Fernsehen übertragenen Vortrag über ihn im New Yorker Goethehaus und veröffentlichte eine Variation dieser Überlegungen in der Zeitschrift Merkur“, erläutert Meyer in dem Kapitel Dreiklangdimensionen.

Arendt war nicht nur eine der ersten Medienintellektuellen, sondern ein Medienprofi. Sie verfügte weltweit über ein sehr gut informiertes Netz von Freundinnen, Freunden und Bekannten, die mit ihr und für sie den Markt beobachteten. Das reichte bis zur Höhe von Honoraren, Tantiemen und Resonanz auf das publizierte Œuvre. Erfolge verkaufte Arendt immer als Erfolg der Publikationsorgane und Verlagsmitarbeiter. Zudem war die Philosophin und Publizistin schnell erreichbar, formulierte zugespitzte Thesen, sprach druckreif und man erhielt direkt zitierfähige Antworten. Das Schöne für Medien war der unverwechselbare Arendt-Sound, der sich nicht nur über Radio und Fernsehen, sondern auch in Printbeiträgen vermitteln ließ. Kein überheblicher Ordinarienton, kein Aburteilungsgestus, wie er heutzutage inflationär im Social Web zur Schau gestellt wird, sondern nachdenkliche und kluge Analysen.

„Zu kühn, um weise zu sein“

„Arendts Aufstieg in den amerikanischen intellektuellen Zirkeln hatte mit ihrer Fähigkeit zu tun, die Situationen ergriffen zu haben, die sich ihr boten. Zufälle ebenso anzuerkennen und zu nutzen wie die Möglichkeiten, die sich durch ihre Arbeiten ergaben“, so Meyer. Ihre öffentliche Anerkennung erhöhte sich mit jedem Artikel, jedem Buch, jeder Zeile, die über sie geschrieben wurde.

Ihre Wirkmächtigkeit drückte der Politikwissenschaftler Dolf Sternberger sehr gut aus: „Sie war zu kühn, um weise zu sein.“ Im „kleinen Eckladen des Denkens“, den sie „querab von der Zeit“ betrieb, wie sie mit Vorliebe sagte, war sie glücklich über jeden Beistand, der ihr zuteil wurde, doch mußte er aus der Freiheit des Urteilens kommen: „Wo von geistigen Lagern die Rede ist, herrscht meistens der Ungeist“, sagte sie.

Sie sei weder links noch rechts, weder liberal noch prinzipienstreng und glaube nicht einmal an irgendeinen Fortschritt – sei es in der Moral, sei es im Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Selbst Theorien seien häufig nur pompöse Masken für dürre Köpfe, die auf dem intellektuellen Karneval herumspringen.

Nicht wenige hielten sie für unberechenbar, und ein gemeinsamer Freund äußerte bei Gelegenheit, sie sei für eine Philosophin allzu launisch. Ihren intellektuellen Einfluss aber könnten wir heute gut gebrauchen, in der Politik, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft.

Immerwährendes Hinterfragen

Wolf Lotter sieht mit Blick auf Arendt die Notwendigkeit einer permanenten Inventur. Diese Inventur muss deshalb erst einmal die Kultur in den Blick nehmen, ganz so, wie es Arendt in ihrer „Vita Activa“ aus dem Jahr 1958 tat: Der Arbeitsgesellschaft, so prophezeite sie darin, werde die Arbeit ausgehen, und damit die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. „Die Folgen sind immer deutlicher spürbar. Wer heute den Fachkräftemangel beklagt, hat nicht verstanden, was diesen Mangel neben dünnen Geburtsjahrgängen noch auslöst: dass immer weniger eine schwere, monotone Routinearbeit machen wollen. Die Wissensgesellschaft braucht ein anderes Konzept von Organisationen, von Kultur, Arbeit und Leistung, von Innovation und Fortschritt, Politik, Teilhabe und Selbstbestimmung als bisher. Begriffe, die wir sorglos benutzen und die für uns ganz normal sind, müssen neu definiert werden. Damit haben wir noch nicht einmal ansatzweise begonnen. Dafür ist es wichtig, klar, nüchtern und pragmatisch vorzugehen. Es ist wichtig, auch empirisches Wissen dort zu sammeln, wo es um Diversität geht. Denn noch wird die – man kann es nicht oft genug sagen – durch die Brille derer gesehen, die Wissensgesellschaft und selbstbestimmte Arbeit ablehnen oder zumindest nicht verstehen. Aus deren Perspektive wirken alle anderen und alles andere als gestört“, schreibt Wolf Lotter in seinem neuen Opus „Die Gestörten“.

Ausführlich nachzulesen in meiner New-Management-Kolumne bei Haufe.

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Happy New Year #2024? Bin optimistisch und gut gelaunt – Ängste, Befürchtungen und das Spiegelbild der veröffentlichten Meinung #FutureLounge

In der ersten Futures Lounge des Jahres am 3.1. wirft die D2030-Initiative einen Blick auf Hoffnungen und Ängste, die unseren Start in’s Jahr 2024 prägen.

Teile Deine Hoffnungen und Ängste in dieser Umfrage: https://lnkd.in/ewyRh2xN
Nimm am Event teil: https://lnkd.in/d-YMGR76
Erfahre mehr über unser neues, inklusiveres Umfragetool: https://lnkd.in/dyV56Uvg
Oder speichere Dir den Zoomlink für das Event ab: https://lnkd.in/edj7R_Dj

So weit, so gut. Hier meine Einschätzung der Lage:

Die Hoffnungen und Ängste sind häufig nur eine Projektion der veröffentlichten Meinung. Fragt man nach Dingen, die man selbst erlebt hat und überprüfen kann, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Etwa die wirtschaftliche Lage. Die eigene wirtschaftliche Lage wird seit dem Ende der Finanzkrise 2009 kontinuierlich als gut gewertet. Die Werte schwanken bei den Befragungen der Forschungsgruppe Wahlen zwischen 50 und 70 Prozent. Nur jeder zehnte Befragte sieht seine wirtschaftliche Lage zwischen 2009 und 2023 schlecht.

Durch den Angriff von Russland auf die Ukraine, durch die Inflation und eine leichte technische Rezession, die wir seit Ende des vergangenen Jahres erleben, gibt es wieder Nahrung für mehr Pessimismus. Das hinterlässt Spuren bei der Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage: Seit vier Befragungswellen ist die Fernsicht auf den Status quo der Volkswirtschaft in Deutschland kritisch. Das doppelte Meinungsklima schlägt wieder zu wegen der Dominanz eines negativen Medientenors. „Die mediale Verzerrung der Wirklichkeit lässt sich in vielen Bereichen des Alltags ständig beobachten“, sagt Edgar Piel, der frühere Sprecher des Instituts für Demoskopie Allensbach: Etwa beim Vertrauen in die Politik oder bei der Einschätzung von Stress und Glücksgefühlen in der Politik. „In fast allen Bereichen gibt es das doppelte Meinungsklima: die eigene Situation wird mehrheitlich gut beurteilt, aber man fühlt die eigene Situation als Ausnahme, weil man das Allgemeine ja nur aus den Medien kennt – und glaubt“, erläutert Piel. Dieses Phänomen eines „doppelten Meinungsklimas” müsste zur Grundausbildung von Journalisten gehören, stört aber in der Praxis doch sehr bei der Zeichnung und Dramatisierung von Stimmungsbildern. Siehe auch: Mittelstand im innovativen Aufschwungmodus – Medientenor leider nicht.

Es gibt doch sehr viele Gründe für Optimismus: So waren Im Jahresdurchschnitt 2023 rund 45,9 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Das waren so viele wie noch nie seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stieg die jahresdurchschnittliche Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 333 000 Personen (+0,7 Prozent). Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte damit einen neuen historischen Höchststand, nachdem bereits im Jahr 2022 der vormalige Höchstwert aus dem Jahr 2019 (45,3 Millionen Personen) um 320 000 überschritten worden war. Eine Ursache für die Beschäftigungszunahme im Jahr 2023 war die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte. Hinzu kam eine gesteigerte Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung. Diese beiden Wachstumsimpulse überwogen die dämpfenden Effekte des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt, der mittelfristig zu einem deutlichen Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter führen dürfte. Also gute Gründe für Zuversicht.

Oder schlichtweg Pragmatismus, wie ihn Andreas Eschbach zum Ausdruck gebracht hat: „(Z)u allen Zeiten suchen die Menschen das Paradies, aber was immer sie auch anstellen, das Leben wird immer dieses seltsame Chaos bleiben, das man nie ganz zu fassen kriegt. Immer wird es Freude geben und Leid, immer Geburt und Tod: zu allen Zeiten wird man Niederlagen und Heimtücke und Hass kennen – aber auch Siege, Ehrlichkeit und Liebe ….“. Nachzulesen in: „Der Mann aus der Zukunft“ in dem Eschbach-Band „Eine unberührte Welt“. Hinweis von Professor Lutz Becker in einem ichsagmal.com-Kommentar.

Um wieder in den Aufschwung-Modus zu kommen, brauchen wir übrigens mehr Optimismus. Darauf hat der Informatik-Professor Karl Steinbuch bereits 1979 hingewiesen. Steinbuch berechnete, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage „Sehen Sie dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen“ in dem Prozentsatz der Antworten „mit Hoffnungen“ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt. Der Verlauf des Optimismus folge nach Erkenntnissen von Steinbuch wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinke nicht hinter der Konjunktur her, sondern gehe ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum.

Bei den Hoffnungen liegen wir in Deutschland nach den Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach ungefähr auf dem Niveau von 1950 zur Zeit des Korea-Krieges. Das war der Tiefpunkt, dann ging es wieder steil bergauf – mit den Hoffnungen und mit der Konjunktur.

Bislang folgten nach den Tiefpunkten recht steile Anstiege bei den Hoffnungen.

Kritiker und Werbungstreibende schwimmen in der gleichen Cookie-Sauce der Übertreibungen

Persönliche Daten werden immer mehr zu einer Handelsware, an der private Unternehmen mehr Interesse haben als der Staat. Um Bürgerinnen und Bürger vor einem Ausverkauf dieser Daten zu schützen, bedarf es einer modernen Datenschutzstrategie. Deshalb klagt und streitet man gegen alles, was im Netz in Richtung Werbung geht. Ständig sind irgendwelche üblen kommerziellen Interessen im Spiel, die die Macht DER KONZERNE stärken und den STAAT schwächen. So hört sich die Schallplatte häufig an, wenn es um Marketing und Werbung im Netz geht. Wie schlimm. Ohne Werbung hätte es klassische Medien nie gegeben. Selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk und seine GmbH-Tochtergesellschaften sind darauf angewiesen.

Niemand sollte sich aufschwingen, sich als Aufseher meiner privaten Daten zu inszenieren – weder die Datenschützer noch irgendwelche anderen netzpolitischen Bedenkenträger. Dahinter steckt ein merkwürdiges Menschenbild oder vielleicht gar eine hysterische Projektion: Die Angst vor der Manipulation von bösen Mächten. Das ist Gedankengut von vorgestern: „1957 war Vance Packards Buch ‚Die geheimen Verführer‘ erschienen und prägte die Vorstellung eines ohnmächtigen, von Medien und Werbung wie eine Marionette geführten Konsumenten“, schrieb Peter Glaser vor einigen Jahren.

Diese Leitvorstellung hält sich bis heute. Allerdings hatte selbst in den 1970 Jahren das angebliche Medienopfer mit der Fernbedienung längst ein bedeutendes Machtinstrument in der Hand. Für Werbetreibende und Programmgestalter wurde der Mediennutzer zu einem potenziell treulosen Wesen. Mit dem Internet hat sich die Kanalvielfalt und die Bewegungsfreiheit der Nutzer ins Millionenfache erweitert. Vor allem: Wenn an irgendeiner Stelle zensiert, manipuliert oder intransparent gefiltert wird, wird darüber nicht mehr nur in herkömmlichen Massenmedien berichtet, sondern auch in den zahllosen neuen Meinungsblasen im Netz – von kleinen Kommentarfeldern bis hin zu großen Blogs und sozialen Netzen. Und wenn mir meine Lieblingsmarke für Herrenbekleidung etwas für den Sommer anzeigt und ich das Teil auch kaufe, ist es eher Ausdruck meiner privaten Vorlieben und nicht Belegt für die Macht der Werbung. Kritiker und Werbungstreibende schwimmen in der gleichen Cookie-Sauce der Übertreibungen. Bei letzteren braucht man sich nur die angeblichen Erfolgsmeldungen von SEO- und SEA-Kampagnen anschauen. Da wird mit Erfolgszahlen gelogen, dass sich die Schwarte kracht. Das sollte der Chaos Compter Club mal analysieren.

Gleiches gilt für die Prediger von Big-Data-KI-Systemen. Auch da wird an Welterklärungsmaschinen gebastelt, wie am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts: Damals hofften Ökonomen, Wirtschaftsstatistiken nutzen zu können, um zeitlose Gesetzmäßigkeiten des Konjunkturzyklus zu identifizieren. Etwa der Harvard-Index. „Amerikanische Unternehmer hofften, dass die neue Methode staatliche Eingriffe in die Wirtschaft überflüssig machen werde. In Europa träumte man auf Initiative des Völkerbunds davon, den Harvard-Index zu einem ‚Weltbarometer‘ auszubauen, das internationale Kooperation fördern und künftigen Kriegen entgegenwirken sollte“, schreibt Laetitia Lenel in einem Beitrag für die FAZ. Wir wissen ja, wie das Ganze dann ausgegangen ist.

Das erinnert ein wenig an Delphi, wo sich die berühmteste griechische Orakelstätte befand. Dort erteilte die Priesterin Pythia in ekstatischem Rausch auf einem Dreifuß sitzend ihre scheinbar widersinnigen Orakel, zu denen sie Apollon inspirierte. Die Antworten von Pythia wurden in Versen verkündet und zumeist zweideutig formuliert. Ähnlich kryptisch klingen die Verheißungen und Warnungen von selbsternannten DATEN-EXPERTEN.

Weltsimulatoren sollen durch Echtzeitanalyse den epidemischen Weg von Schweinegrippen-Viren vorausberechnen. Es sollen Empfehlungen zur Bewältigung des Klimawandels und Frühwarnungen ausgespuckt werden – selbst Befunde zur Bewältigung von Finanzkrisen stellen die Konstrukteure von
Simulationsrechnern in Aussicht. Bei der Vorhersage der Inflation hat das ja wieder super gut geklappt – NICHT.

Die Prognose-Systeme versagen fast immer. Analysten und netzpolitische Bedenkenträger erleben in schöner Regelmäßigkeit Tiefschläge wie Krösus, der gegen Persien in den Krieg ziehen wollte und das Orakel von Delphi um Rat fragte. Die Pythia antwortete ihm, wenn er nach Persien zöge, würde ein großes Reich zerstört werden. Krösus war begeistert von der Antwort und zog gleich mit seinem Heer los. Leider war das große Reich, das dabei zerstört wurde, sein eigenes. Pech gehabt.