Technikprobe zum bundesweiten #Warntag2020 #BBKvirtuell @BBK_Bund @ConstantinSohn

Wir testen schon mal den LTE-Router, der zur Pressekonferenz, zum virtuellen Tag der offenen Tür und zum Warntag zum Einsatz kommt. Auch Ton und Licht haben wir mit dem mobilen Equipment überprüft. Nächste Woche kommt dann das große Setup ins Spiel mit Greenscreen, großem Rechner, Monitore und dergleichen mehr. Heute wollten wir die Upload-Geschwindigkeit messen: 50 MBit konnten wir mit dem Gigacube erreichen. Erste Sahne. Wir sind mehr als zufrieden. Es kann losgehen 🙂

Am 3. September live dabei sein beim virtuellen Tag der offenen Tür. Start 11 Uhr. Wir zählen auf Euch 🙂

@derjopen mit Feuer, Felsen und Fossilien: #NextWalk in Gerolstein #DorfCamp

Es gab viele Gespräche, tolle Landschaften, Höhlen, Felsen, Fossilien, Lagerfeuer-Romantik, Ideen für ein neues und interessante Einsichten in einen müllpolitischen Skandal, den ich noch separat recherchieren werde. Die Gerolstein-Tour war ein voller Erfolg. Super organisiert von Michael Jopen mit Grillhütte und der Erforschung einer sehenswerten Region. Von Euskirchen mit dem Eifel-Express ohne große Schwierigkeiten zu erreichen.

Zudem wurde in der Grillhütte beschlossen, wieder ein auf die Beine zu stellen – genau dort, wo das kollektive Grillen stattfand.

Was nächsten Sonntag passiert, steht noch in den Sternen.

Der Bandscheiben-Test:

Der Grillmeister:

Herr Felser:

Home Office: Managementfehler oder verpasste Chancen in der Arbeitsorganisation? #economists4future #NextTalk

Köln, 2039. Zwanzig Jahre nach der letzten gemeinsamen treffen sich zwei Pioniere der Lehr-Lern-Konferenz – der frühere Wirtschaftsblogger Gunnar Sohn und der ehemalige Hochschullehrer Lutz Becker – auf der Terrasse des letzten Stadtcafés. Die Rheinland-Metropole ist wegen der sich in den Sommermonaten anstauenden Hitze praktisch unbewohnbar geworden. Nur die wenigen sturmfreien Tage im Spätwinter laden zum Aufenthalt im Freien ein. Aber vielleicht ist auch alles ganz anders.

Wenn ich mir die aktuellen Temperaturen anschaue, ein gar nicht mehr so utopisches Gespräch in dem Ende August erscheinenden Band #economists4future.

Im Laufe der Unterhaltung blickte ich auch auf verpasste Chancen in der Arbeitsorganisation zurück:

Gunnar: Solche Scheingefechte erschwerten damals auch die nötige Energie- und Verkehrswende. 67 Prozent der Berufspendlerinnen und Berufspendler fuhren damals in Deutschland mit dem Auto zur Arbeit, versauerten im Stau, den sie selbst verursachten, belasteten die Umwelt und ärgerten sich über den Verlust an Lebensqualität. Durchschnittlich saßen im Berufsverkehr nur 1,2 Personen pro PKW. Rund zehn Millionen Menschen waren täglich länger als eine Stunde unterwegs. Über sechs Millionen fuhren mehr als 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz. Wir hätten die Arbeit so viel schneller zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bringen können. Aber da musste erst die Corona-Pandemie kommen, um den Mainstream-Chefs zu zeigen, dass Homeoffice funktioniert. Nicht in allen, aber in vielen Sparten hätte es ein Lob der Immobilität gebraucht. Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier. Diese Zahlen waren bewiesen. Ich selbst hatte bereits 2019 mein Auto abgeschafft und kaufte mir auch kein E-Auto, das im gleichen Stau wie die Verbrenner gestanden hätte. Im Schnitt legten wir in Deutschland 16 Kilometer zum Arbeitsplatz zurück. Dabei können wir 20 bis 32 Kilometer pro Tag locker mit dem E Bike bewältigen – ohne ins Schwitzen zu kommen. Wenn wir von E-Mobilität reden, hätten wir stärker auf Fahrräder schauen müssen und nicht auf Autos.

Soweit der winzig kleine Ausschnitt aus dem Buch. Ihr solltet es vorbestellen 🙂

Und Ihr solltet am Montag, um 14 Uhr der Debatte folgen, ob es sich beim Home Office um den Managementfehler des Jahres 2020 handelt oder wie oben geschildert, um verpasste Chancen bei einer radikalen Umorganisation des Arbeitslebens.

mit dem Digitalberater Thomas Knüwer, mit Dr. Josephine Charlotte Hofmann vom Forschungsbereich Unternehmensentwicklung und Arbeitsgestaltung Fraunhofer IAO, mit Mister HR Winfried Felser und mir.

Wir übertragen im Multistream auf YouTube, Twitter-Periscope, Facebook und LinkedIn. Einfach auf meine Profile gehen. Event auf YouTube schon angelegt. Die anderen Dienste starten dann just in time. Ihr könnt auf allen Plattformen mitdiskutieren. Über die Software Ecamm Live kann ich die Postings auf allen Diensten einfangen.

Arbeit neu organisieren: Hausaufgaben für Politik und Unternehmen – #NextTalk mit @PeterMWald

Was wir um 17 Uhr diskutieren wollen:

Bekommt jetzt jeder eine digitale Stempeluhr mit nach Hause?

Die neue Realität (Homeoffice, Remote Work, Mobiles Arbeiten) kann auf Dauer nur mit neuen Lösungen bei Führung und Zusammenarbeit funktionieren.

Nach dem großen SPRUNG in eine neue Realität folgt jetzt ein STOLPERN bei der langfristigen Umsetzung in den Unternehmen und durch die Politik.

Zukunft der Arbeit und Personalmanagement – Ideen des Personalmanagements? – Fehlanzeige.

Viele Unternehmen und auch die Politik haben die Komplexität der laufenden Veränderungen noch nicht erfasst. Über systematische Hilfen für Führungskräfte und Mitarbeitende im Sinne eines Upskillings wird viel zu wenig diskutiert.

Die Realität eilt – wieder einmal – den Politikern und den selbst ernannten Vordenkern davon. Es sind aber neue Praktiken und Lösungen für die Arbeit der Zukunft  gefragt UND diese Lösungen sollten gemeinsam mit den Betroffenen gefunden werden.

Bei all unseren Diskussionen dürfen wir nicht vergessen, dass wir uns zumeist in einer Blase der „Corona-Gewinner“ bewegen.

Einschalten und mitdiskutieren über die Chat- und Kommentarfunktionen von YouTube, Twitter-Periscope, LinkedIn und Facebook.

Hier schon mal das angelegte Event auf YouTube:

Gewinnt Gesinnungskommunikation die Oberhand?

Objektivität und Pluralismus gelten in politischen Debatten wohl nicht mehr als oberste Ziele. In klassischen Medien und im Social Web ist ein Hang zur Gesinnungskommunikation wahrzunehmen. „Nur was ‚wahr‘ ist, soll verbreitet werden. Allerdings wollen die jüngeren Kollegen selbst bestimmen, was Wahrheit ist. Das hat gefährliche Züge“, kritisiert Jacob Heilbrunn, Chefredakteur des Debattenmagazins „ The National Interest“ , im Interview mit dem Tagesspiegel.

Möchte man neue Themen aufspüren oder lieber missionarischen Eifer an den Tag legen? Das untersuchte vor 35 Jahren die heutige Allensbach Chefin Renate Köcher in ihrer Dissertation an der Uni München unter dem Titel „Spürhund und Missionar“.

Es geht dabei um eine vergleichende Untersuchung über die Berufsethik und das Aufgabenverständnis im britischen und deutschen Journalismus. Ableitungen sind aber auch für Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in unseren Tagen sehr interessant.

In öffentlichen Auseinandersetzungen ging und geht es in Deutschland nicht in erster Linie um einen Pro-und-Contra-Diskurs mit anschließender Meinungsbildung: Es dominiert die Parteinahme.

Schon direkt nach Aufhebung der staatlichen Zensurbestimmungen 1848 entwickelte sich die deutsche Presse zu einer auf die Beeinflussung und Lenkung der allgemeinen Urteilsbildung bedachten Meinungsmaschinerie. Die publizistischen Organe verstanden sich nicht in erster Linie als Informationsübermittler, sondern als engagierte Verfechter politischer und weltanschaulicher Positionen.

Das Selbstverständnis als Bannerträger politischer Positionen ließ Bemühungen um Objektivität und zurückhaltenden Skeptizismus kaum zu. Die reine Meinungsäußerung stand im Vordergrund und nicht so sehr die Mitteilung von Tatsachen. Die Konsequenzen sind heute im Social Web jeden Tag zu beobachten: Die nüchterne oder sachliche Nachricht wird wenig geschätzt.

Differenzierte Recherchen und die Untermauerung von Argumenten durch Fakten genießen weniger Anerkennung als Gesinnungsgesänge. Die Folgen sind gravierend: Fakten stören eher den missionarischen Eifer. Die Versuchung ist also groß, nicht nur die Recherche und Faktenvermittlung zu vernachlässigen, sondern sie nur selektiv zur Unterstützung der eigenen Linie einzusetzen. Klagen über verzerrende Berichterstattung, die die Nachricht bewusst nur zur Stützung des eigenen Standpunkts einsetzt, sind seit dem 19. Jahrhundert ein Dauerbrenner in der Öffentlichkeit.

„In Deutschland wird die Nachricht in ungeheuer vielen Fällen nur veröffentlicht, um ein Urteil zu stützen; sie wird für einen politischen Zweck ausgespielt und zu diesem Zweck sehr häufig vergewaltigt“, klagte Wilhelm Schwedler, Chefredakteur der Nachrichtenagentur Transocean im Jahr 1927. Die Schwelle zu Fake News überschreitet man da sehr schnell. In England stand ein anderes Ideal im Vordergrund. Man baute auf die Urteilskraft des Individuums. Jeder sollte sein eigenes Urteil bilden können durch freie Zugangschancen zu allen Informationen und Meinungen.

Die Werke „Areopagitica“ von John Milton und „On Liberty“ von John Stuart Mill seien eindrucksvolle Deklarationen wider jede geistige Bevormundung; „ihre Überzeugung, dass für die Meinungsbildung der Gegensatz der Standpunkte wichtig, die falscheste und minderwertigste Ansicht zu kennen genauso notwendig sei wie die zutreffendste, wertvollste Einschätzung,
entzieht einem einseitig selektierenden Journalismus die Begründung“, schreibt Köcher in ihrer Dissertation.

Für erzieherische Exkurse und stellvertretende Urteile ist da kein Platz. Gesinnungsbekundungen vertiefen die Gräben und stärken die radikalen politischen Kräfte. Mehr Gelassenheit im Geiste von Milton und Mill in der Netzkommunikation wäre wünschbar.

Sie können @WinfriedFelser mitnehmen: Er singt so schön – Es war wieder #Wandertag #NextWalk

DER Rücken

Erlebnisse auf dem Eifelsteig. Diesmal ohne Killer-Wespen, aber mit viel Gesang.

Die Zurückgebliebenen:

Felser und Jopen springen:

Felser in weiß:

Rocky äh Felser rennt:

Bienen:

Am nächsten Sonntag, also am 9. August, um 10 Uhr, soll es durch das Siebengebirge gehen. Treffpunkt wird noch mitgeteilt.

Jede und jeder kann man mitmachen. Motto: Strafe für Völlerei.

The Art of Resilience – #NextTalk live am Dienstag, um 15 Uhr

Umwelt, Gesellschaft und Ökonomie verändern sich tiefgreifend. Wir erkennen, dass Märkte und Organisationen weniger Maschinen ähneln, sondern eher Organismen oder Ökosystemen: Nicht vollständig berechenbar, selbstorganisierend, dynamisch vernetzt, immer für Überraschungen gut.

Und dann erleben wir auch noch mehrfache systemische Schocks durch Corona oder auch die Digitalisierung mit ihrer neuen ökonomischen Logik. 

Wie können wir Organisationen und Volkswirtschaften erfolgreich durch diese neue Umwelt steuern? Resilienz – die Fähigkeit Krisen zu meistern – ist nicht nur in Corona-Zeiten gefordert. Darüber sprechen wir im am Dienstag, den 28. Juli 2020, um 15 Uhr mit Birgit Cronenberg von Hüttenwerke Krupp Mannesmann, Dirk Strubberg von qentinel, Axel Kuhlmann von AAKC.

Sie zählen zu einem Netzwerk von Persönlichkeiten und Organisationen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen und für angewandte Business Resilienz einsetzen.

Inspiriert durch das „Agile Manifest“ gibt es folgende Prinzipen:

  • Kreative Anpassungsfähigkeit mehr als Wahrung des Besitzstands
  • Achtsames Wachstum mehr als Maximierung des Profits
  • Entfaltung des Potenzials mehr als Steigerung der Performance
  • Kooperation in Netzwerken mehr als Konkurrenz in Hierarchien

The Art of Resilience

Wie aber kommt man von den Prinzipien zur neuen Handlungsfähigkeit?Wie resilient wir wirklich sind, erfahren wir erst, wenn wir an unsere Grenzen kommen.

Darauf müssen wir uns vorbereiten, indem wir wissen, was passiert ist, was zu erwarten ist, was wichtig ist und was zu tun ist.

The Art of Resilience umfasst dementsprechend vier Künste:

  • Antizipieren – wir entwickeln kritische Intuition durch das Verständnis von Mustern
  • Kreieren – wir schaffen und testen systematisch neue Optionen
  • Steuern – wir finden unseren Kurs durch Versuche, Monitoring und Feedback
  • Lernen – wir hinterfragen unsere Annahmen und schätzen unsere Fehler

Live-Übertragung läuft im Multistream über meine Accounts auf YouTube, Facebook, Twitter-Periscope und LinkedIn.

Mitdiskutieren über die Chat- oder Kommentarfunktionen unter oder neben den Videos.

Hier schon mal das Event auf YouTube:

Die anderen Videos springen dann direkt zum Start des Livestreams an.

Regionale Wirtschaftsförderung: Gelbe Seiten oder Google? Projektidee für #vdav und @BMWi_Econ

Das Sendezentrum

Es wird ja bemängelt, dass es keine regionalen Plattformen gibt, um lokale oder regionale Produkte besser zu vermarkten. Bei #9vor9 hatten wir das thematisiert.

Dabei gibt es eine Plattform, die wohl über bessere Infos zur Regionalwirtschaft verfügt als Google: Es sind die Gelben Seiten. Warum stützen wir uns nicht auf diese Plattform etwa in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen, den kommunalpolitischen Entscheidungsträgern im Verbund mit den Mitgliedsfirmen des vdav. Wäre übrigens auch ein gutes Projekt fürs BMWi.

Abschied von der Jägerzaun-Denke: Autorengespräch mit @WolfLotter

Wolf Lotter eröffnet seinen neuen Essay-Band mit einem Zitat des Management-Denkers Peter Drucker: „Um Wissen produktiv zu machen, müssen wir lernen, sowohl den Wald als auch den einzelnen Baum zu sehen. Wir müssen lernen, Zusammenhänge herzustellen.“

Das kommt häufig zu kurz. Gefragt sei Kontext-Komeptenz, so Lotter. Da wird Winfried Felser direkt zu Jubelgesängen ansetzen. Ist ja genau sein Thema:

„Kontext-Kompetenz, die Fähigkeit, Zusammenhänge herzustellen, ist in der Wissens- und Netzwerkökonomie eine Grundlage allen Handels und Verstehens. Wer Zusammenhänge erschließt und für andere zugänglich macht, erschließt Lösungen, Antworten, Aussichten. Komplexität ist die wichtigste Ressource der neuen Welt. Es wird Zeit, sie zu respektieren“, schreibt Lotter.

Wissensgesellschaft bedeutet, sich von einem Zusammenhang – der Einheit – abzuwenden und Zusammenhänge – die Vielfalt – zu erkennen.

„Die neue These zur Transformation, ganz gleich, ob es dabei um Energie, Klima, Gesellschaft und Wirtschaft geht, lautet: Bisher wurde Komplexität nur verschieden reduziert, es geht aber darum, sie zu erschließen.“ Und ganz entscheidend: Die Wissensgesellschaft und ihre Netzwerkkultur löse ein besonders starres (und starrsinniges) Gebilde ab, den Industrialismus, der besonders auf Masse, Einheit Reduktion versessen war. Das haben viele Akteure in Wirtschaft und Politik noch nicht kapiert. Etwa die Sozialdemokratie. Sie ist ein Kind der Industrialisierung. Das ist aber Schnee von gestern. Sie müsste sich zum Interessenvertreter derjenigen machen, die den Wandel zur Wissensökonomie nicht so richtig bewältigen. Immerhin rund ein Drittel der Gesellschaft.

„Arbeit und Organisation im Zeitalter der Netzwerke stellen uns vor völlig neue Zusammenhänge. Kontext-Kompetenz bedeutet hier, Organisationen und Netzwerke als Spielfeld für Komplexität und Unterschiedlichkeit zu gestalten, was sie, wie wir sehen werden, ja eigentlich auch sind. Hier spielt die Überwindung des Schrebergartendenkens und der Fachidiotie eine entscheidende Rolle“, führt Lotter aus.

Als Schrebergarten-Kind ersetze ich das mal mit dem Wort #JägerzaunDenke…..

Autorengespräch live im Multistream auf fünf Plattformen gelaufen:

Facebook-Profile:

Facebook-Seite:

Twitter-Periscope:

LinkedIn:

YouTube:

„Der Beifall von Netzaktivisten genügt nicht, um Wahlen zu gewinnen“: Twitter, @eskensaskia und die SPD

Wenn es um die Führung der SPD geht, erscheinen mir die vergangenen Jahre in der Arbeiterpartei wie beim Fußball-Bundesligaverein HSV. Viele Trainerwechsel und dennoch kein durchschlagender Erfolg in der ersten oder zweiten Liga. Eher der freie Fall oder zumindest Stillstand auf einem mittelmäßigen Niveau.

„Ein gutes halbes Jahr sind Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans nun Vorsitzende der ältesten Partei Deutschlands . Mit dem euphorischen Hashtag #Eskabolation feierten ihre Unterstützer von den Jusos die beiden im parteiinternen Wahlkampf . Ein neues , goldenes Zeitalter sollte beginnen. Doch die Performance im Amt erinnert manche Genossen eher an Kapitulation“, schreibt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Dabei wollte die Industriearbeiter-Partei mit der Doppelspitze doch etwas Neues wagen: raus aus dem Hinterzimmer , eine stärkere Beteiligung der Mitglieder, mehr Gleichberechtigung. Ihr großes Vorbild war die Doppelspitze der Grünen. Doch der Vergleich mit Annalena Baerbock und Robert Habeck fällt für Esken und Walter-Borjans ernüchternd aus. Ihr Zusammenspiel will bislang nicht gelingen , jeder kämpft für sich allein“, so der Spiegel.

So etwas funktioniert höchst selten – also das Kopieren von erfolgreichen Maßnahmen der Konkurrenz. Die Grünen haben für dieses Konzept eine andere DNA, eine andere Kultur und eine andere Tradition.

Kritisch beleuchtet wird vom Spiegel vor allem die Themenauswahl von Saskia Esken auf Twitter. Etwa in der Polizei-Debatte. Besser wäre es wohl gewesen, erst einmal die Erfolge bei der Erstellung des Konjunkturpaketes in den Vordergrund zu stellen.

Kritisch in dem Spiegelbericht wird auch das „hyperkative“ Verhalten von Esken auf Twitter beleuchgtet: „Eine ‚loose cannon‘ sei sie, heißt es in der Partei, eine tickende Zeitbombe. Ihre Unberechenbarkeit treibt führende Genossen zur Verzweiflung. Esken lässt sich von der Kritik aber keineswegs beeindrucken. Sie twittert ungehemmt weiter und reagiert auf alle und jeden.“

Esken verstehe nicht, dass sie in ihrem neuen Amt nicht nur sich selbst repräsentiert, sondern rund 400 000 Mitglieder. „Viele Abgeordnete ärgern sich darüber , dass Esken in Sitzungen intensiv mit ihrem Handy beschäftigt sei und kaum am Geschehen teilhabe“, schreiben die Spiegel-Redakteure Lydia Rosenfelder und Christian Teevs. Twitter sei Eskens wichtigster Resonanzraum.

„Die Internetfreundschaften, die sich gegenseitig beistünden, seien auch Heimat für sie , so formulierte sie es einmal. Tatsächlich schlagen ihre Follower auch jetzt geballt zurück, wenn Esken angegriffen wird, was ihr wiederum den Eindruck vermittelt , auf der richtigen Seite zu stehen. Ihr übermäßiger Einsatz auf Twitter passt jedenfalls nur bedingt zum Anspruch der SPD , eine Volkspartei zu sein. Der Beifall von Netzaktivisten genügt nicht , um Wahlen zu gewinnen“, berichtet der Spiegel.

Inhaltlich möchte ich die Streitigkeiten der SPD nicht bewerten. Das ist deren Problem. Aber die Rolle von Twitter als Erregungskatalysator beschäftigt mich schon.

Der Kurznachrichtendienst triggert in extremer Weise die Überhitzung von Diskussionen und Debatten. „Einer Studie am MIT ist zu entnehmen, dass sich auf Twitter falsche Informationen schneller ausbreiten als in jedem anderem Medium und falsche auch erheblich schneller als richtige“, schreibt der Soziologe Armin Nassehi in seinem Buch „Muster – Theorie der digitalen Gesellschaft“. Es sei sicher auch die Begrenztheit der Informationen auf 280 Zeichen, die die Überhitzung und die Konzentration auf geradezu exklusive Zirkel befördert.

„Wer je gesehen hat, wie sich eine Selbstbestätigungsmaschinerie auf Twitter in kurzer Zeit hochfährt und wie sich die Form einer Art Privatsprache vor Publikum hochschaukelt, kann Überhitzung geradezu am offenen Herzen beobachten. Nicht umsonst ist Twitter ein Ort, an dem sich partikulare Gruppen etablieren können, die aufgrund der Beobachtbarkeit durch Dritte so aussehen, als wären sie eine veritable Öffentlichkeit, die aber letztlich nur eine Selbstbestätigungsform ist.“

Der sachliche, differenzierte oder nüchterne Ton wird auf Twitter nicht belohnt. Eher die Zuspitzung, Ironie, Polemik, die harte Abrechnung und Aburteilung, Häme und das Verscheißern des Andersdenkenden werden mit Aufmerksamkeit belohnt.

Im eher harmlosen Modus kann man das an meinem Flugtaxi-Tweet abmessen:

Medienprofessor Roberto Simanowski spricht von einem numerischen Populismus. „Man klickt immer auf die Angebote mit der höchsten Zahl und befestigt so ihre Spitzenposition.“

Der Hunger nach Bestätigung, den die Social Web-Plattformen uns antrainieren, führt zu tragischen Entgleisungen. Konditionierung statt Denken. Auf der Strecke bleibt nach Auffassung von Simanowski das komplexe Argument zugunsten der simplen Parole, mühsame Versuche des Welt und Selbstverstehens zugunsten amüsanter Banalitäten, die Vertiefung zugunsten des schnellen Klicks.

Und der Begründer der ökonomischen Theorie der Aufmerksamkeit Professor Georg Franck sagt, dass es noch nie und nirgends so leicht war, Leidensgenossen des eigenen Ressentiments zu aktivieren wie in den sozialen Medien.

„Die Reichweite ist unbeschränkt, kein Gatekeeper kann der Niedertracht wehren.“

Nur kann man auf dieser Grundlage breite Bevölkerungskreise überzeugen und Wahlen gewinnen?

Ich bin da im Zweifel. Auf Twitter wird das nicht gelingen. Was denkt Ihr? Ich möchte das Thema vertiefen. Gerne auch mit Saskia Esken, die ich sehr schätze.

Update – Reaktionen auf Twitter: