So. Endspurt beim vdav-Branchentreff in Berlin. Gestern begeisterten mich einige Sessions, die sich gegen den Bürokratismus und die alte Management-Denke in deutschen Unternehmen ins Zeug legten.
Man hört, sieht und streamt sich aus Berlin beim #vdav Branchentreff
Wer kennt den Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien – kurz vdav? Bitte die Hand heben. Das werden nicht viele sein. Jeder kennt aber Telefonbücher und Gelben Seiten. Und genau hier liegt der Schwerpunkt des Wirtschaftsverbandes, der vom 31. Mai bis 2. Juni den jährlichen Branchentreff im Hotel Maritim in Berlin veranstaltet.
Es sind in erster Linie die Telefonbuch-Verleger. In Deutschland sind es nicht die Telcos, wie in anderen europäischen Ländern, die die Verzeichnis herausgeben, sondern rund 120 Verlage, die mit der Telekom-Tochter DETEMedien verbunden sind. Dazu zählen große Häuser wie Müller Medien oder Heise und auch ganz kleine Unternehmen. Sie produzieren das Telefonbuch, Das Örtliche und Gelbe Seiten.
Aber auch Produkte wie das Bonner Bürger-Buch mit Stadtplan und Hinweisen über Service-Einrichtungen, Shoppen, Gesundheit, Kindergärten, Kultur, Bildung, Wissenschaft, Familie und Freizeit. Nützliches Opus zum Durchblättern.
Man kann es auch erkennen an den SocialTV-Sendungen, die ich während der drei Tage in Berlin ausstrahlen werde. Live und ungeschminkt aus dem Hotel Maritim stelle ich die Verbandsmitglieder vor und die Themen der Tagung.
Dabei geht es den vdav-Machern nicht um Nabelschau. Man sucht nach Impulsen, die von außen kommen, um Neues zu wagen. Keine Heizdecken-Vertriebssprüche, sondern Themen zum Durchbrechen des Alltagstrotts im Tagesgeschäft. Das brachten der vdav-Geschäftsführer Rhett-Christian Grammatik und der Branchentreff-Moderator Christian Bredlow im ichsagmal.com-Gespräch zum Ausdruck.
Ab Dienstag wird es eine geballte Ladung an SocialTV-Sendungen geben. Ihr könnt Euch an den Gesprächen beteiligen mit den Hashtags #vdav#SocialTV. Oder auf die jeweilige Google Plus-Eventseite klicken und den Fragebutton am Webplayer oben rechts nutzen.
Mit kleinem Equipment mache ich wieder ein SocialTV-Marathon. Laptop, Smartphone, ConferenceCam von Logitech, Mikrofon und fertig ist das mobile Studio, das am 20. Oktober bei der IBM BusinessConnect in Köln zum Einsatz kommt.
Opening um 10 Uhr mit Stefan Pfeiffer von IBM: Über wunderliche Talente, neue Wege im Arbeitsleben und digitale Revolutionen.
Um 11:30 Uhr sinniere ich mit brandeins-Kolumnist Wolf Lotter über die Ablenkungsgesellschaft.
Dann gibt es ab 12:45 Uhr ein SocialTV-Magazin mit Miriam Specht (Yellow Frog) Cornelia Heinke (Bosch), Harald Schirmer (Continental) und zwei Außenreportagen mit Überraschungsfaktor.
Um 15:45 Uhr folgt New Work und die Neuerfindung des Personalmanagements – Diskurs mit Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung.
Allianzen, lebendige Unternehmen und Universalmaschinen diskutiere ich ab 17:45 Uhr mit Sascha Pallenberg (Tech-Blogger) und Axel Oppermann (Analyst).
Der Vorhang zu, nicht mit Brecht, sondern Stefan Pfeiffer um 19:15 Uhr.
Es erwarten Euch also kurze, knackige Interviews im Magazinstil, sicher kein Ersatz für die ausführlichen Vorträge und das Dabeisein auf dem Event. Aber Atmo werden wir reichlich einfangen in Kölle.
Kai Rüsberg im Gespräch mit Uni-Rektor Elmar Weiler
Kann man über hyperlokale Formate via Hangout on Air das Geschehen in seiner Stadt, seines Bezirks oder seiner Nachbarschaft ohne Schnörkel, ohne Zeitverlust, ohne Abstimmungsschleifen direkt vermitteln und den Dialog in der Bürgerschaft fördern? Man kann. Der Fernsehjournalist Kai Rüsberg stellt das in seiner Heimatstadt Bochum unter Beweis mit SocialTV-Gesprächsformaten, die man ohne Ü-Wagen und schwerer Technik realisieren kann. Es reichen Laptop, Webcam und ein halbwegs vernünftiges Mikrofon.
Bei der Generalversammlung der GLS-Bank in Bochum, wo ich als Moderator beteiligt war, ist das eindrucksvoll demonstriert worden.
Jetzt hat Kai zum Auftakt der Vortragsreihe „Hörsaal City live“ im „Blue Square“ in der Fußgängerzone von Bochum mit einer SocialTV-Sendung begleitet. Nicht nur der Standort ist dabei spannend, sondern vor allem das Vorhaben der Universität bei der Föderung des Diskurses zwischen Wissenschaft und Bürgerschaft. Ich bin ja kein Freund des Geredes von 1.0, 2.0 oder 4.0. Bei Bochum 4.0 macht das Sinn, wie es Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit Kai Rüsberg formuliert.
Mit der Vortragsreihe wolle man die Vorteile von Bochum stärker in den Vordergrund rücken. Und die liegen ganz klar bei rund 50.000 Studierenden und den über 7.000 Absolventen, die jedes Jahr erfolgreich ihr Studium beenden. Aus dem Blickwinkel eines Unternehmen, das sich in der Stadt ansiedeln möchte und dabei hochqualifizierte Mitarbeiter sucht, sei das ein klarer Standortvorteil. Und hier kommt auch das Stichwort 4.0 ins Spiel.
„Bochum 1.0 dokumentiert die Zeit, als man Kohle aus der Erde holte, bis keine mehr da war. Allen sei klar gewesen, dass sich die Lagerstätten erschöpfen würden. Dann hat man angefangen, einen Hightech-Werkstoff zu entwickeln – nämlich Stahl. Da brauchte man nicht nur Eisenerz, sondern auch sehr viel Wissenschaft, um etwa rostfreien Stahl herzustellen. Das war Bochum 2.0. Von der Kohle über den Stahl geht die Erfolgsgeschichte weiter zu Fabriken, in denen Hochleistungsmaschinen gefertigt wurden wie Autos und Handys. Diese Zeit geht jetzt auch zu Ende. Also Bochum 3.0“, sagt Weiler.
Jetzt folgt die Phase 4.0.
„Es bricht eine neue Zeit an, die weniger geprägt sein wird von großen Industriewerken“, meint Weiler – auch wenn das viele Industrielobbyisten immer noch nicht ganz wahrhaben wollen.
Der Uni-Rektor ist fest davon überzeugt, dass das in der Region der Vergangenheit angehört.
SocialTV-Außenreportage bei der Vorstellung der Hörsaal City-Vortragsreihe
Relevanter werden Mittelstand und innovative Unternehmen, die sich besser vernetzen müssen bei der Erzeugung von lokalen Wertschöpfungsketten. Es gehe dabei um die Vernetzung von allem. Also Kultur, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und bürgerschaftliches Engagement. Genau dieser Ansatz des notwendigen Strukturwandels steckt hinter der Bezeichnung „Bochum 4.0“.
Was Professor Weiler in wenigen Worten skizziert hat, sollte sich die Große Koalition in Berlin hinter die Ohren schreiben.
Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, “dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.
Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus – in Bochum und vielen anderen Städten schon, aber nicht in der Bundespolitik.
Was die Ruhr-Univerität in ihrer Vortragsreihe thematisiert, greifen wir in Bonn auch beim Netzökonomie-Campus auf, der am Sonntag bei Kaffee und Käsekuchen in meiner Bibliothek startet und natürlich via Hangout on Air ab 16 Uhr live übertragen wird.
Gemeinsam mit dem Hörfunk- und Fernsehjournalisten Kai Rüsberg unternehmen die Besser Online-Kongressteilnehmer in Berlin am Samstag, den 18. Oktober in einem Workshop den Versuch, mithilfe eines Google Hangout on air und alternativer Kameratechnik live im Internet von der Konferenz zu berichten.
Produziert wird eine Live-Doku der Veranstaltung unter Einbindung der Teilnehmer. Sie kann vom DJV geteilt und eingebunden werden und steht nach Sendungsende als Aufzeichnung dauerhaft unter dem gleichen Link auf YouTube online. Die so produzierten Sendungen sind zugleich ein Beispiel für SocialTV, weil sie interaktiv sind und etwa dem Zuschauer die Möglichkeit bieten, über eine eingebaute Frage-Antwort-Funktion, aber auch per Social Media während der Sendung Fragen zu stellen. Zusätzlich können externe Orte, Fachleute, Konferenzen und sogar Zuschauer in die Sendung aufgeschaltet werden.
„Das Seminar und die Sendung werden vorab in Google+ als Veranstaltung veröffentlicht und lassen eine Anmeldung zu, die dann eine Terminerinnerung auslöst. In dem vorweglaufenden Seminarteil von 9:30 bsi 10:30 Uhr werden bis zu 8 Teilnehmer in die Technologie eingewiesen und an der Sendungsgestaltung beteiligt. Der Fokus liegt nicht auf optimaler Sendequalität, sondern auf dem interaktiven Erlernen der Technik und eigenständigem Entdecken der Möglichkeiten eines Live-Streams“, heißt es in der Ankündigung des DJV.
Das Streamcamp in München ist Teil dieser Doku, denn um 13:30 Uhr organisieren wir eine Liveschalte in das Foyer des Besser Online-Kongresses und werden uns mit den Workshop-Teilnehmern von Kai Rüsberg unterhalten. Am Nachmittag gibt es dann in Berlin noch ein Forum, wo die Ergebnisse des Medienexperiments erörtert werden. Das können wir dann beim Streamcamp nicht mehr verfolgen. Aber Kai könnte ja danach in unserer Mittwochssendung bei Bloggercamp.tv darüber berichten.
In der einstündigen Session basteln wir in zehn Minuten einen „Redaktionsplan“, wählen einen Moderator aus und machen dann mit den weiteren Teilnehmern der Session eine kleine TV-Show, live gesendet via Hangout on Air. Schnelle Interview-Wechsel, vielleicht auch Außenreportagen via Smartphone und weitere Elemente, um eine abwechslungsreiche Sendung zu produzieren. Vom Startcamp in Köln gibt es während der Übertragung eine Liveschalte zum Barcamp in Essen. Zudem stelle ich eine Quizfrage, bei der die Startcamp-Teilnehmer unser Livestreaming-Buch gewinnen können.
Ein Laptop, zwei Mikrofone, Mischpult, LAN-Anschluss und Logitech-Kamera. Mehr brauchten wir nicht, um in guter Bild- und Tonqualität ein rund halbstündige Übertragung auf die Beine zu stellen. Die Moderation übernahm Ute Blindert von Campus2Company. Sie machte das glänzend. In der Vorbereitung konnten wir gerade noch festlegen, wer vor die Kamera geht und was wir inhaltlich aufgreifen wollen: So ging es um den Suizidpod von Johannes Wolf, bei dem sich der Podcaster in der ersten Folge umbringt und deshalb keine zweite Folge zustande bringt.
Dann folgte mit kleinen technischen Schwierigkeiten eine Außenreportage von Kai Rüsberg, der parallel zu unserer Session auf dem Barcamp Essen ebenfalls das Konzept der SocialTVShow vorstellte. Bei der Spontan-Podcast-Aufgabe für ein Krimistück fielen dann überraschend die Stichworte „Mord“, „Tod“, „Toaster“, „Badewanne“ und „Gewürzgurke“. Was nun Johannes aus diesen Begriffen zaubert, werden wir wohl demnächst hören können.
Romeo wird die Zeit bis zum finalen Krimi-Podcast damit überbrücken, in dem er Rembrandts Nachtwache von Amsterdam nach Kölle via Schiff verfrachtet und das Ganze dramaturgisch einer Melodie folgend via Twitter postet. Und da die Münchner so verrückt sind, exportiert Nicole Hundertmark den Vinewalk in die bayerische Landeshauptstadt und verbindet die Kurzfilm-Kunst mit dem Streamcamp.
Vom Silver Surfer zum Silver Nerd
Ilse Mohr erläuterte, was Silver Nerds mit dem Karneval in Zukunft vorhaben. Alexa war vom Startcamp-Geschehen so überwältigt, dass sie kaum zum Twittern kam. Sie hängt auch nicht den kompletten Tag auf Facebook, Google Plus oder Twitter rum, was sie immer schon mal der Weltöffentlichkeit mitteilen wollte.
Und wer Herr Latz ist und wer die Frage stellte, wer Herr Latz sei, verrate ich jetzt nicht.
Schaut Euch einfach die SocialTV-Startcamp-Show an. War insgesamt ein tolles Barcamp zu Kultur- und Kunst-Themen. Nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein und ein größeres Stativ im Gepäck haben 🙂