Freibeuter-Wutrede des Geo-Chefs: Wer gegen Piraten schießt, sollte von verärgerten Autoren nicht schweigen

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Vielfach wird ja eine Versachlichung der Urheberrechts-Debatte verlangt, um konstruktiv nach Lösungen zu suchen. In den Thesenpapieren von SPD und Piraten gibt es da ja schon ein paar Anknüpfungspunkte – man wird ja bescheiden. Trotzdem leiden immer noch einige Adepten der Printindustrie unter unerklärlichen Sprech-Durchfällen. Einen aktuellen Fall greift der Dienst Meedia unter der Überschrift “Gaedes Wutrede gegen das Freibeutertum”:

Peter-Matthias Gaede zieht gegen die Gegner des Urheberrechts ins Feld: Der Geo-Chef hat eine Erklärung verfasst, in dem er die Chefredakteure in Deutschland dazu aufruft, den Wert des geistigen Eigentums offensiv zu verteidigen. Immer mehr Musiker, Autoren und Künstler bezögen Position “gegen das Freibeutertum”, nur die Chefredakteure schwiegen bislang. Gaede schweigt nicht – und trommelt nicht nur für das Urheberrecht, sondern auch und vor allem gegen dessen Verächter.”

In dem Pamphlet von Gaede geht es dann richtig zur Sache:

“Vielleicht sind Sie, wie ich, der Meinung, dass es Zeit ist, eine vernehmbare Stimme in dieser Diskussion zu werden.” Es sei an der Zeit, jenen entgegenzutreten, die, wie die Piratin Julia Schramm, den Begriff des geistigen Eigentums als ‘ekelhaft’ bezeichnen. “Dass es Zeit ist, jenen zur Seite zu stehen, die, wie die Unterzeichner des Aufrufs ‘Wir sind die Urheber’, einer denunziatorischen Reaktion ausgesetzt sind.”

Hm, G wie Geo, G wie Gaede. Da sage ich nur, G wie Google und mal nachgeschaut, was noch in meinem Langzeitgedächtnis verankert ist. Richtig: Freier Autor klagt gegen Geo und gewinnt. Nachzulesen bei Niggermeier in seinem Blogpost “Gericht erklärt Geo: Autoren haben Rechte”.

“Christian Jungblut hätte dankbar sein sollen, dass sein Text von der Geo-Redaktion überarbeitet und in so vielen Details geändert wurde, dass von seinem Schreibstil nichts übrig geblieben war. Der Anwalt von Gruner + Jahr teilte dem freien Journalisten mit, dass sein Manuskript von niemand geringerem als ‘einer Preisträgerin des 1. Preises beim Henri-Nannen-Preis 2008 — bekanntlich dem Nachfolger des Kisch-Preises — redigiert wurde’. Auch Peter-Matthias Gaede, der Chefredakteur von ‘Geo’, sei ‘als ein Preisträger des 1. Preises beim Kisch-Preis 1984 (…) sicherlich über jeden Zweifel erhaben’. Jungblut selbst hingegen hat nur einen 3. Platz beim Kisch-Preis 1986 vorzuweisen. Es geht aber gar nicht um die Frage, ob die Reportage, die Jungblut für Geo über den Deichbau in den Niederlanden geschrieben hat, nach der gründlichen Änderung durch die Redaktion besser war als vorher. (Seine blasse Erzählweise sei durch einen lebendigen und plastischeren Stil ersetzt worden, argumentierte der Verlag vor Gericht.) Es geht um die Frage, ob Jungblut als Urheber ein Recht darauf hat, dass sein Werk nicht gegen seinen Willen in einer massiv veränderten Form veröffentlicht wird”, schreibt Stefan Niggemeier.

Das Landgericht Hamburg entschied gegen Gruner + Jahr (308 O 78/10): Es untersagte dem Verlag, den entsprechenden Artikel aus Heft 12/2009 weiter zu verbreiten. Entscheidend für das Urteil war dabei nicht die Zahl der Preise, sondern das Urheberpersönlichkeitsrecht, das dem Urheber das Recht gibt, “eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden”.

Wie Gaede mit freien Autoren umgeht, kann man in der Niggemeier-Story sehr schön nachlesen. Da steigt bei mir der Wutpegel. Heuchelei hoch drei, Meister Gaede.

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4 Gedanken zu “Freibeuter-Wutrede des Geo-Chefs: Wer gegen Piraten schießt, sollte von verärgerten Autoren nicht schweigen

  1. Guter Artikel, der meine ersten Gedanken beim Lesen des Artikels von Gaede aufgreift. In der ganzen Diskussion um unser Urheberrecht wird selten davon gesprochen/geschrieben, dass die Verwerter in der Regel nicht auf der Seite der Urheber stehen. Im Gegenteil, wenn man die letzten Jahre in der Verlags-, Fernseh- und Werbebranche beobachtet hat. Stichworte: Buyout-Verträge, angemessene Vergütung,…

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  2. Um so trauriger ist es, wenn sich die Urheber für heuchlerische Kampagnen einspannen lassen.

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