Wie sich der Musikmarkt durch Streaming-Dienste ändert
Sieben von zehn Hörern digitaler Musikangebote (67 Prozent) schalten täglich das Webradio oder Musik-Streaming-Plattformen ein. Ein Viertel hört immerhin mehrmals in der Woche Musik über das Internet. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Musik im Netz“ des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW). Läuft die Musik erstmal, bleibt sie bei der Hälfte der Befragten auch mindestens zwei Stunden lang an.
Musik-Streaming-Plattformen wie Spotify, Deezer oder Simfy fungieren dabei als Katalysator, bemerkt der BVDW. Entsprechend steigt das Selbstbewusstsein der Anbieter.
„Spotify ist heute die heißeste Erfolgsgeschichte der Musikindustrie. Bei Google hat der Firmengründer Ek inzwischen Hausverbot, weil er dort zu viele Mitarbeiter abgeworben hat“, schreibt die FAZ.
„Streaming wird größer sein als das Download-Geschäft“, prognostiziert Spotify-Marketingmanager Jonathan Forster gegenüber der FAZ.
Dieser Satz kann auch als Kampfansage interpretiert werden. Das Start-up-Unternehmen aus Schweden fordere damit einen Konzerngiganten heraus: Apple sei heute der mit Abstand größte virtuelle Tonträgerhändler der Welt und kontrolliert mit dem iTunes Store mehr als die Hälfte des digitalen Musikmarkts.
„Schon heute sind die Schweden nach den Amerikanern der zweitgrößte Einnahmenlieferant für die Plattenfirmen. Apple, Google und Microsoft haben nach dem Erfolg von Spotify inzwischen eigene Musikstreaming-Dienste auf den Markt gebracht“, so die FAZ.
In der heutigen Ausgabe von Focus gibt es auf Seite 102 den Digital Readiness Index mit dem Schwerpunkt Handel zu bewundern. Entwickelt wurde er vom Unternehmensberater Karl-Heinz Land, dessen Firma auch noch Neuland heißt – die Namensgebung wurde allerdings nicht mit der Kanzlerin abgesprochen. Land stellt auf Facebook folgende Fragen:
„Wie steht es um die digitale Fitness des deutschen Handels? Ist es Zufall das Praktiker und ProMarkt zu den Schlusslichtern zählen? Kann es sein das es eine Korrelation zwischen Umsatz, Profitabilität und der Bewertung im Digital Readiness Index von Neuland gibt? Gefährden Unwissen und Ignoranz von Managern deutsche Unternehmen? Zahlen die Mitarbeiter von Praktiker, ProMarkt, Schlecker und Karstadt den Preis dafür? Was meint Ihr?“
Auch den Experten des deutschen Einzelhändlers dämmert so langsam, dass Amazon wie ein Staubsauger die Umsätze aus allen Handelssparten wegsaugt, wie es Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung gegenüber Focus ausdrückt.
„Noch 2011 hatten viele deutsche Händler gehofft, dass sich das Internet hierzulande nicht so negativ auf ihre Umsätze auswirken werde wie etwa in den USA (gleiches trällerten ja die Verlegen, gs). Spätestens der Erfolg des Modehändlers Zalando hat sie wachgerüttelt (wirklich?, gs). Alle großen Handelsunternehmen arbeiten inzwischen an Digitalstrategien“, schreibt Focus-Redakteur Holger Schmidt.
Der Neuland-Index zeigt allerdings, dass das bislang nur wenigen Firmen gelingt. 85 Kriterien lässt Neuland-Chef Land in den Index einfließen, um zu prüfen, ob ein Unternehmen schon in der digitalen Welt angekommen ist. Einige Faktoren erwähnt Holger Schmidt:
„Existieren Apps für mobile Geräte? Wie ist der Kontakt zu den Kunden in sozialen Medien wie Facebook? Funktioniert der Onlineshop? Taucht das Unternehmen in den Suchmaschinen weit oben auf – und reagiert es schnell auf Kundenanfragen?
Kunden erwarten im Netz schnellere Lieferung, besseren Service und personalisierte Informationen. Kein umständliches Herumsuchen, keine komplizierten Shop-Systeme, schnelle Bestellung, einfache Handhabung.
Und was ich an Amazon so interessant finde: Alles aus einer Hand. Das hat der Hamburger Trendforscher Professor Peter Wippermann im ichsagmal-Interview so schön auf den Punkt gebracht: Amazon taucht in den deutschen Handelsstatistiken gar nicht auf. Der Online-Händler entzieht sich der Branchen-Segmentierung:
“Das hängt damit zusammen, dass es eben ein ganz anderes System ist. Amazon geht nicht über Branchen, sondern es geht über die individuell massenhafte Beziehung zu Kunden”, betont Wippermann.
Deshalb halte ich das im Focus erwähnte Argument von Hudetz für nicht stichhaltig:
„40 Prozent der Online-Bestellungen beim Media-Markt werden in einer Filiale abgeholt. Diese Verknüpfung kann Amazon nicht bieten.“
Diese Verknüpfung ist mir allerdings völlig wurscht, weil ich keine Lust habe, mich durch die Stadt mit dem Auto zu quälen, um eine Online-Bestellung bei einem Filialisten abzuholen. Das mag ja beim Media-Markt noch Standard sein. Ich habe dort allerdings noch nie etwas bestellt.
Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer Filialen vorweisen kann, sollte seinen Allerwertesten zu den Kunden bewegen und Waren vorbei bringen.
„Das klassische Ladengeschäft muss nicht mehr Teil des Distributionsnetzes sein. Als Konsument möchte ich nur die allernötigsten Artikel an Ort und Stelle mitnehmen. Was darüber hinausgeht, soll mir nach Hause gebracht werden. Statt weit zu fahren, damit ich zu einem großen Sortiment komme, werde ich zu einem Showroom gehen, wo man mir das ganze Sortiment zeigt – echt oder virtuell“, sagt Moshe Rappaport, IBM- Experte für Technologie- und Innovationstrends.
Es müssten nicht mehr alle Artikel im Laden vorrätig sein. Es reiche vollkommen aus, alles zeigen zu können. Nicht mehr das Produkte steht im Vordergrund, sondern der Service.
Eure Meinung interessiert mich.
Das werde ich am Mittwoch, um 18:30 Uhr in der Bloggercamp.tv-Sendung mit Startup-Unternehmen diskutieren, die die Deutsche Service Allianz aus der Taufe gehoben haben.
Hashtag für Twitter-Zwischenrufe während der Live-Übertraung #bloggercamp
Verflüssigte Hotline mit einer Portion Hermann Burger
In meiner Kolumne für das Debattenmagazin „The European“ habe ich ja wild drauflos spekuliert, wie sich die Kommunikation von Organisationen ändern könnte, besonders die Interaktion mit Kunden. Sozusagen Blauer Dunst, denn vieles davon ist reine Utopie – auch wenn hie und da mal etwas ausprobiert wird, wie beim Einsatz von Live-Hangouts in der Kundenberatung. Oder die Möglichkeiten von Google Glass, die Google-Sprecher Stefan Keuchel in die Diskussion gebracht hat:
„Wenn man Hangouts über Google Glass starten kann, ergeben sich völlig neue Einsatzmöglichkeiten“, betont Keuchel.
Nicht nur für journalistische Zwecke sei das hochspannend – etwa bei Live-Berichten aus Krisengebieten. Hier könne genau das filmisch eingefangen werden, was der Reporter gerade sieht. Er hat die Hände frei, trägt keine schweren Gerätschaften und kann sich voll auf das Ereignis konzentrieren. Das gilt natürlich auch für die Wartung einer Maschine oder die Reparatur eines Autos.
Und nun schickt mir Frau Dr. Hofmann eine Einladung zu einer Fraunhofer-Fachtagung unter dem Titel „Der virtuelle Berater“, die das Ganze gar nicht mehr so utopisch erscheinen lassen. Da heißt es in der Ankündigung:
„Wir haben uns daran gewöhnt, im Internet einzukaufen und über E-Mail zu kommunizieren. Viele Unternehmen überlegen nun, wie sie wieder mehr persönliche Beziehung und individualisierte Beratung anbieten können, ohne auf die Vorteile zeitversetzter und räumlich ungebundener Kommunikation im Internet verzichten zu müssen. Mit verbesserten Bandbreiten und neuen Technologien wird vieles möglich, von Videokonferenzen über virtuelle Einkaufsassistenzen beim Online-Shopping bis zur persönlichen Online-Beratung bei Dienstleistern.“
Vorträge:
Virtuelle Berater – neue Geschäftsmöglichkeiten. Einsatzpotenziale neuer Beratungsformen: Prof. Dr. Wilhelm Bauer, stellvertretender Institutsleiter Fraunhofer; Der „Virtuelle Experte“ in der Praxis: Vito Caime, MVC Mobile VideoCommunication; Frag den Anwalt – Online-Rechtsberatung im Netz: Rechtsanwalt Daniel Hesterberg, HSV Rechtsanwälte; Auf allen Kanälen erreichbar – die virtuelle Beratung der AOK Baden-Württemberg Bettina Lichtner und Martin Walter; Virtuelle Mobilität – Qualifizierungswege zur guten Online-Beratung: Dipl. Phys. Meinrad Rombach, Video-Coach; Und wie geht das technisch? Ein kurzer Einblick in die Kollaboration der Zukunft
Thomas Rickermann, Computacenter; Qualitätsgesicherte und vertrauenswürdige Beratung im Netz – Perspektive der Verbraucher Dr. Eckhard Benner, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg; Zusammenfassung und Abschlussdiskussion – Moderation: Dr. Josephine Hofmann, Fraunhofer IAO.
Die Veranstaltung läuft am 16. Oktober 2013 im Institutszentrum Stuttgart der Fraunhofer-Gesellschaft. Beginn: 9 Uhr. Hier das Programm als pdf. Fraunhofer Fachtagung
Und was Startup-Unternehmen so vorhaben in einer vernetzten Service-Ökonomie, werden wir in der nächsten Bloggercamp.tv-Sendung in Erfahrung bringen am Mittwoch, den 11. September, um 18:30 Uhr. Unsere Gäste: Pascal van Opzeeland von userlike, Mathias Meisdrock von OMQ, Alexander Keck von Einfach machen lassen (cooler Firmenname, gs) und
Mark Egert von dozeo. Die glorreichen Vier haben sich zur Deutschen Service Allianz zusammen geschlossen.
Twitter-Zwischenrufe während der Live-Übertragung natürlich erwünscht! #bloggercamp
Ich habe ja die Alzheimer-Effekte beim Anruf einer Hotline hoch und runter beschrieben. Jeder hat sich wahrscheinlich schon über Anrufe bei irgendwelchen telefonischen Kundendienst-Angeboten geärgert. Kürzlich musste ich mal wieder bei einer Flughafen-Gesellschaft anklingeln. Es ging um die Inanspruchnahme eines Rollstuhls, da sich meine Liebste vor dem Abflug den Mittelfuß gebrochen und die Bänder verletzt hat. „So einen Service müssen Sie 48 Stunden vor dem Abflug anmelden“, sagte mir der Agent. Jetzt komme er nicht mehr ins System, da sei nichts zu machen. Jau. Gut gebrüllt Löwe. So eine Verletzung muss man halt einplanen und vorher anmelden, damit die optimierten Prozessabläufe eines Call Centers nicht durcheinander gebracht werden.
In etwas strengerem Ton machte ich dem „Service-Mitarbeiter“ klar, dass es sich um einen Notfall handeln würde und er nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Bleibt man freundlich, läuft in der Regel gar nichts. Der Agent erwiderte, dass er das intern klären müsse. Ich solle mich etwas gedulden und landete in der Warteschleife mit ekelhafter Hotelfahrstuhl-Musik. Nach fünf Minuten bin ich dann aus der Leitung gefallen. Noch mal anrufen. Prompt lande ich wieder bei einem anderen Mitarbeiter – in diesem Fall eine recht unfreundliche Mitarbeiterin. Nach langem hin und her konnte ich die Dame überreden, am Flughafen anzurufen und die Angelegenheit zu klären – mittlerweile waren bestimmt so rund 20 Minuten vergangen. Und siehe da, es funktionierte. Aber eben nur mit der Brechstange und Wiederholungsschleifen, da die Fließband-Produktion eines Call Centers sehr vergesslich ist und mechanisch abläuft. Generell gilt: Im analogen Service dominiert das Dokument, die skriptgesteuerte Beantwortung von Kundenanfragen – abgeschottet von der Öffentlichkeit und unteilbar.
Im Digitalen dominiert der Dialog, nichts ist wirklich abgeschlossen oder unveränderlich. Service-Wissen wird geteilt, weiterverbreitet, überarbeitet und fortgeschrieben. Auch Call Center müssen also liquide werden – besonders bei erklärungsbedürftigen Produkten und Diensten. Vernetzungsintelligenz ist gefragt, etwa durch Dialogangebote, die live über Dienste wie Hangout on Air übertragen werden. Die Videos sind schneller verfügbar und können direkt als Aufzeichnung via Youtube abgerufen werden.
Auch wenn es um Installationen, Wartungen oder Hinweise zur Behebung eines Problems geht, sind Videos bei vielen Menschen die erste Wahl. Der Sohn vom Sohn greift nie zur Bedienungsanleitung. Er sucht erst einmal nach Videos, die ihm das bildhaft erläutern – also die How to-Schiene. Und weil er damit positive Erfahrungen macht, produziert Constantin hin und wieder selbst Tutorials.
Die Filme werden in der Regel von Kunden gemacht, die sich Expertisen zu einem Produkt angeeignet haben. Von den Unternehmen kommt da bislang wenig, bestätigt Graap. Sollte es hier eine Professionalisierung geben, dürften die Netzwerk-Effekte in der Kundenberatung noch stärker ausfallen – für die liebwertesten Hotline-Gichtlinge wird die Luft in den nächsten Jahren noch dünner. Ein Thema, das beim StreamCamp in Köln zur Sprache kommt.
Der Sohn vom Sohn, also Constantin Sohn, und sein Informatik-Kumpel Dominik Warwas werden auf dem Kölner StreamCamp eine Session über den Streaming-Dienst Twitch.tv anbieten, der vor allen Dingen die Gaming-Szene anspricht. In einem kleinen Tutorial hat der Sohn die Einrichtung und Funktionen kompakt zusammen gefasst.
Wir wollen uns am 16. und 17. November mit allen Facetten der Streaming-Welt beschäftigen und nicht nur auf Hangout on Air beschränken, obwohl Hannes Schleeh und ich dort am aktivsten sind.
Einen weiteren Aspekt habe ich in einem Vortrag von Christoph Kappes entdeckt, der die Schattenseiten von Live-Streaming beleuchtet – jede Technologie hat auch mephistophelische Züge. Es geht um Raumüberwachung und die Überwacher-Überwachung.
„Jedermann kennt heute die Video-Überwachung von Kunden und Mitarbeitern durch Privatunternehmen, aber auch durch Staatsorgane – vor allem an öffentlichen Plätzen, was vielerorts diskutiert wird. In jüngerer Zeit fügt sich hier ein neues Phänomen ein: Bürger überwachen Bürger. Auf der einen Seite sind Pennycams für jedermann günstig verfügbar (z.B. bei eBay und hier http://megaspy.net). Zum anderen werden Smartphones mit hochauflösenden Kameras der Regelfall sein, die bereits heute Videos (z.B. via UStream) live streamen können. Schließlich werden wir, getrieben durch die großen Internetanbieter das Vordringen von Videotelefonie an den Arbeitsplatz und auch ins Heim erleben, so dass häufig Kameras mit Internetanschluss vorzufinden sein werden. Es ist nur noch eine Frage des Zeitpunktes, bis Kameras allerorts direkt ins Internet streamen können und auch von außen ansprechbar sind. Denn auch hier schreitet die Technik fort, WLAN-Technologie mit 16 Gbps ist noch in diesem Jahrzehnt zu erwarten. Drahtlose Funknetze mit Reichweiten deutlich über die heutigen WLAN-Standards hinaus sind angekündigt.“
Auch das gehört auf die Agenda des StreamCamps. Wer also die teuflische Seite des Live-Streamings aufgreifen möchte, sollte nach Köln kommen und eine Session vorschlagen!
Übrigens eine gute Idee von Constantin, Session-Vorschläge in Form eines Videos zu bringen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Mehr davon!
„Seit August 2012 sind Hangouts On Air im deutschen Google+ verfügbar und bieten den Nutzern die Möglichkeit, einen Live-Stream zu starten, dem theoretisch alle Internetnutzer auf YouTube oder Google+ zuschauen können.“
Und nicht nur dort. Mit dem Einbettungscode, den man beim Start eines Hangouts in der oberen Leiste eingeblendet bekommt, kann man die Live-Übertragung starten, wo man möchte. Parallel auf diversen Blogs und sonstigen Websites.
„Es gibt keine Einschränkungen, was das Format angeht, sondern es kann munter experimentiert werden“, schreibt Andreas Graap von Webschorle.de und nennt einige Beispiele.
Etwa für die Präsentation eines neuen Produktes. So bestehe die Möglichkeit, direktes Kundenfeedback zu bekommen und nicht die Kommentare unter Presseartikeln lesen zu müssen. Oder für indirektes Marketing: Hier werde nicht das Produkt in den Mittelpunkt gestellt, sondern seine Einsatzmöglichkeiten. Eine Lebensmittelfirma könne etwas kochen lassen, ebenso der Hersteller von Töpfen und Pfannen. Oder eben die Kommunikation für Abwesende sicherstellen – bei einer Konferenz, die schon ausgebucht ist oder die nur ein regional begrenztes Publikum anspricht.
Oder im Kundenservice mit Netzwerkeffekten, die sich durch die Aufzeichnungsfunktion via Youtube nachhaltig auf die Interaktion auswirkt. Kein aufwändiges Schneiden, keine Ladezeiten – die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation.
“Wenn man in einer telefonischen Beratung dem Kunden weiterhelfen kann, dann freut sich nur dieser eine Anrufer. Wenn es sich um einen Service-Fall handelt, der bei vielen anderen Kunden auch auftritt, dann bekommt es keiner mit”, so die Erfahrungen des Mittelständlers.
Andreas Graap nennt das Beispiel „E-Bike-World“:
„Hier können sich potentielle Kunden beraten lassen, ohne ein Fachgeschäft aufsuchen zu müssen. Dabei können die anderen Google-Nutzer live zuschauen, allerdings bleibt das Gespräch zwischen Kunde und Berater privat. Auch in anderen Branchen ist eine solche Beratung über Hangouts on Air denkbar.“
In der vergangenen Woche breitete Julius van de Laar bei einer Google-Veranstaltung in Berlin seine Heldentaten im Wahlkampf-Team von Barack Obama aus.
Also jetzt nicht für die komplette Wahlkampagne, auch nicht für alle Bundesstaaten, sondern ausschließlich für Ohio. Da war er für Wählermobilisierung zuständig.
Was hat van de Laar nun in dem Wahlkampfapparat der Demokraten getan und wie wichtig war das für den Ausgang der Präsidentschaftswahlen? Keine Ahnung. Hier gibt es ja nur die Erzählungen eines Beraters, der sich hübsch in Szene kann. Von der FAZ wird der Polit-Frischling zum amerikanischen „Wahlkampf-Veteranen“ stilisiert, der freimütig schildert, wie sich Daten zur Wählerbeeinflussung nutzen lassen.
Ausgangspunkt der Analysen für die Wählermobilisierung seien die in Amerika geführten Wählerlisten gewesen.
„Sie beinhalten Namen und Telefonnummern und führen auf, ob die Wähler an den demokratischen oder republikanischen Vorwahlen teilgenommen hatten. Im zweiten Schritt ‚haben wir uns einfach einen Haufen Daten gekauft‘, sagte van de Laar. ‚Sie kennen Payback?‘, fragte er ins Publikum. ‚Wir gehen da hin und sagen: ,Payback, bitte einmal die Daten ausspucken.‘ Diese Daten, die das Einkaufsverhalten der Wähler aufzeigen, die die Payback-Bonuskarte verwenden – was van de Laar als ein Beispiel unter vielen nannte –, seien mit den Daten aus dem Wählerregister fusioniert worden“, schreibt die FAZ.
Mit Sicherheit ohne Wissen der Payback-Kunden.
Für jeden potentiellen Obama-Wähler sei ein Datenbankeintrag angelegt und ständig erweitert worden.
„Mit ‚Cookie-Targeting‘ wurde das Online-Verhalten der Wähler über deren Computer ausgespäht und ausgewertet. ‚Social Media, Data Mining, Data Matching‘ seien die Kernpunkte des Vorhabens gewesen, das sich ‚predictive analytics‘ nennt –also auf Vorhersagen abzielte“, so die FAZ.
Ich will hier jetzt nicht den kompletten Artikel wiedergeben, sonst gibt es noch Ärger mit den LSR-Adepten der FAZ.
Wichtig ist noch der Hinweis von Julius van de Laar auf die Relevanz von Facebook. Man wollte, dass sich die Leute mit Facebook auf Obamas Internetseite anmelden, um einen Komplettzugriff auf deren Profildaten zu erhalten.
„Wähler, die sich per Facebook auf Obamas Internetseite anmeldeten, willigten auch ein, dass die Kampagne im Namen der Nutzer Botschaften auf Facebook verbreiten durfte.“
Aber entscheidend ist der Effekt, den der Organisationsberater aufführt: Die Wähler konnten schlicht nicht mehr unterscheiden, wann sie es mit ihren Nachbarn oder der Kampagne zu tun bekamen.
Was schlichtweg Manipulation ist. Man könnte es auch als Täuschungsmanöver bezeichnen. Liegen hier die Stärken von Big Data-Systemen? Wurde dadurch die Wahl in den USA entschieden? Oder lag es vielleicht auch an der Dämlichkeit des Gegenkandidaten Mitt Romney? Siehe auch: Wahl-Analyse: Minderheiten bescheren Obama den Sieg.
Und wie gut funktionieren die Daten-Systeme, wenn die Wähler und Kunden einen Blick in die Big Data-Trickkiste werfen? Wenn Menschen das durchschauen, passiert das Gegenteil von dem: Solche Dinge bleiben eben nicht geheim – dafür sorgen ja Analysten wie van de Laar. Instrumente zur Verhaltenskontrolle oder Verhaltensmanipulation werden über kurz oder lang bemerkt. Man erkennt die Absichten und verhält sich absichtsvoll anders. Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, verweist auf die Hawthorne-Experimente (1924 bis 1932). Forscher wollten herausgefunden haben, dass Arbeiterinnen auch ohne Lohnerhöhung schneller und besser arbeiten, wenn man freundlich zu ihnen ist und die Wände gelb anstreicht.
„Aber nachdem sich unter den Beschäftigten herumgesprochen hatte, dass das Management mit seinen guten Worten und der gelben Farbe nur Geld sparen sollte, kam es zu Lohnforderungen und einem Streik“, führt Streeck aus.
Die Geltung derartiger Modelle und Theorien könne durch ihr Bekanntwerden schnell wieder außer Kraft gesetzt werden! Von politischen Gegenmaßnahmen mal ganz abgesehen. Was macht denn der Payback-Fan van der Laar, wenn für solch ein Abo-Verkäufer-Geschäftsmodell das Opt-in-Verfahren gesetzlich vorgeschrieben wird? Also der Ankauf meiner Adresse nur nach Zustimmung. Fragen, die ich mit dem Obama-Wahlkämpfer gerne in Bloggercamp.tv diskutieren würde. Ich frag dann mal an.
Bekanntlich drohen fünf Jahre Knast, wenn man nur darüber spricht, ein sogenanntes National Security Letter von den amerikanischen Geheimdienst-Gichtlingen erhalten zu haben – ohne auf die Inhalte der “Anfrage” einzugehen.
„Wenn es um die nationale Sicherheit geht, können amerikanische Ermittler Konzerne wie Google oder Microsoft per Anordnung zwingen, Daten ihrer Kunden herauszugeben. Die sogenannten National Security Letter verpflichten die Firmen zu absoluter Geheimhaltung: Sie dürfen weder den Betroffenen Auskunft geben noch öffentlich auch nur über die Existenz dieser Geheimanordnungen sprechen“, schreibt Spiegel Online.
Das ist nicht nur paranoid, sondern öffnet Willkür und Denunziantentum Tür und Tor – das gilt nicht nur für die Schnüffler des Staates: Genaue Einblicke gewähren auch die Big Data-Gurus selten bis gar nicht. Es scheint zum Ehrenkodex dieser neuen Daten-Elite zu zählen, die Zahlentricks zwar öffentlich vorzuführen und ein raunendes Publikum zu unterhalten. Jeder gute Zauberer ist einem Ehrenkodex verpflichtet, Trickgeheimnisse zu wahren. Als zulässig wird angesehen, Tricks denen gegenüber zu offenbaren, die selbst aktive Zauberkünstler werden möchten. Das gilt für Geheimdienstler der NSA, Rating-Agenturen, Berater, Wirtschaftsforscher und sonstige Welterklärer.
Wenn Big Data-Algorithmen ohne meine Zustimmung anfangen, mich zu klassifizieren und zu stigmatisieren, automatisch meine Bonität herabstufen, einen Wechsel der Krankenversicherung wegen meines vermeintlich exakt berechneten Gesundheitszustandes verhindern, meine kritischen Beiträge als Vorstufe zum Terrorismus verorten oder Personalberatern die Abweisung meiner Stellenbewerbung empfehlen, dürfte es zu heftigen Gegenreaktionen der Netzgesellschaft kommen – bislang ist das ja nur ein laues Lüftchen. Nachzulesen unter: Big Data im Unsinn-Modus: Die Illusionen der Weltvermesser von NSA bis Rating-Agenturen.
„Uns liegen keinerlei Erkenntnisse vor, die die These einer Wirtschaftsspionage aus dem Westen stützen könnten. Tatsächlich wurde bis zum heutigen Tage in ganz Europa kein einziger Fall amerikanischer oder britischer Wirtschaftsspionage nachgewiesen.“
Vielleicht sagt das mehr über die Dummheit deutscher Sicherheitsdienste als über die tatsächliche Faktenlage. Es sind wohl doch schafsköpfige Einfaltspinsel.
Es gibt also keinen einzigen Fall von amerikanischer oder britischer Wirtschaftsspionage in Europa, Herr Maaßen? Wenn ich einen einzigen Fall finde, darf ich Sie dann einen Lügner nennen? Denn:
„Die Europäer legen hinsichtlich der Zusammenhänge dieser Art der Konfrontation eine gewisse Heuchelei an den Tag. Die Wirtschaftsexperten und Managementspezialisten prangern die Wirklichkeit an, indem sie sie als Verschwörungstheorie verharmlosen. Aber diese Ablehnung, die Wirklichkeit zu akzeptieren, wie sie ist, geht fast schon ins Lächerliche. In Deutschland spricht man höchstens über Wettbewerb zwischen den Marken. Diese Sichtweise ist jedoch zu einseitig und birgt langfristig das Risiko, den Überblick darüber zu verlieren, wie Teile der weltweiten Wirtschaft wirklich funktionieren“, sagt Christian Harbulot, Gründer und Direktor der École de Guerre Économique.
Etwa beim Wettbewerb „Boing versus Airbus“ oder bei der Destabilisierung der Euro-Länder über halbseidene Einstufungen durch die Rating-Agenturen der USA. Auch die gezielten Lauschangriffe auf die politischen Institutionen der EU dienen mit Sicherheit nicht dem Anti-Terrorkampf. Das ist noch kein Beweis. Aber ich suche jetzt mal etwas intensiver.
Wenn ihn finde, könnte der Verfassungsschutzpräsident ja zu uns in die Bloggercamp.tv-Sendung kommen, damit ich den Fund virtuell übergeben kann.
Merkel-Gipfel mit Männern in dunklen Anzügen: Foto von Hannes Schleeh
Heute Abend diskutieren wir in unserer zweiten Bloggercamp.tv-Session, um 19:30 Uhr mit Constantin Mang vom ifo Institut, Zentrum für Bildungs- und Innovationsökonomik, über die Frage, warum unser Netz in Deutschland so lahm ist.
Das ifo Institut kommt im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium zu dem Schluss, dass es an der schwachen Nachfrage liegt – warum überrascht mich das jetzt nicht….
Dazu die ifo-Studie:
„Vor 15 Jahren wurden die Telekommunikationsmärkte in Deutschland liberalisiert. Die Verbraucher profitierten damit nicht nur von sinkenden Preisen, sondern auch von der Verfügbarkeit immer schnellerer Netze. Gab es Anfang 2005 beispielsweise noch so gut wie keine Internetanschlüsse mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von mehr als 3 Mbit/s, kann heute jeder zweite in den Genuss eines Hochgeschwindigkeitsanschlusses mit mindestens 50 Mbit/s kommen (?????,gs), Zugänge mit 16 Mbit/s sind für knapp 75 Prozent der Bevölkerung verfügbar und rund 85 Prozent der Bevölkerung haben die Möglichkeit, zumindest eine Leitung mit 6 Mbit/s nutzen zu können. (äh, an der Rechnung stimmt doch irgendwas nicht, gs).
Allerdings hinkt die Nachfrage hinterher. 70 Prozent aller Internetanschlüsse in Deutschland weisen eine Zugangsgeschwindigkeit von nur 6 Mbit/s oder weniger auf, und lediglich 10% der Haushalte mit Internetanschluss haben eine Leitung mit 16 Mbit/s. „Auch wenn in ländlichen Gebieten die Verfügbarkeit von schnellen Breitbandanschlüssen sicher noch zu wünschen übrig lässt, zeigt dies, dass ein Großteil der Bevölkerung hohe Anschlussgeschwindigkeiten verhältnismäßig wenig nachfragt“, erklärt Prof. Dr. Oliver Falck, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Bildungs- und Innovationsökonomik. Des Weiteren ist auch das Datenvolumen pro Nutzer nicht in dem Maße gestiegen wie erwartet. Bei leistungsgebundenen Internetanschlüssen lag es in den vergangenen Jahren bei 12 Prozent, die prophezeite Explosion im Datenverkehr pro Nutzer lässt also weiterhin auf sich warten.
Ein ähnliches Bild zeigt sich im Mobilfunk. Auch dort ist die Nachfrage nach den schnellen LTE-Tarifen eher verhalten. So verfügt zwar die Hälfte der Haushalte an ihrem Wohnort über LTE-Netzabdeckung, aber die Zahl der LTE-Kunden beträgt gerade mal 1,12 Mio., bei aktuell 40 Mio. Nutzern mobiler Datendienste.
Anwendungen mit Wachstumspotenzial können Nachfrage stimulieren
Eine Erklärung für die geringe Nachfrage ist, dass noch zu wenige überzeugende An-wendungen für Nutzer existieren (wie sollen sich diese Anwendungen denn entfalten bei einer schlechten Infrastruktur?, gs). Der Blick auf die Inhalte des Datenverkehrs offenbart, dass in Europa sowohl im Fest- als auch im Mobilfunknetz ca. 40% des Datenverkehrs auf Streaming-Dienste entfallen, in den USA sind es sogar 70%. „Geht man davon aus, dass die Nachfrage nach schnellen Anschlüssen vor allem auf Unterhaltungsdienste zurückzuführen ist, könnte dies die Zurückhaltung der Verbraucher erklären. So sehen Internetznutzer mit Satelliten- oder Kabelfernsehen eventuell nur wenig Nutzen darin, über internetbasierte Dienste fernzusehen“, kommentiert Falck.“
Mehr Vernetzung bitte
Nun ja, genügend Stoff für eine interessant Debatte Constantin Mang. Wer sich übrigens in der Sendung mit Constantin Mang kontrovers auseinandersetzen möchte, ist herzlich eingeladen. Schnell bei mir oder Hannes Schleeh melden. gunnareriksohn@gmail.com Wer sich während der Liveübertragung via Twitter an der Diskussion beteiligen möchte, benutzt bitte #bloggercamp als Hashtag. Man hört und sieht sich hoffentlich heute Abend.
„Es gibt eine ganz starke Korrelation zwischen der Infrastruktur-Ausstattung eines Landes und dem Sozialprodukt. Hier fallen wir zurück. Im weltweiten Maßstab sinken unsere Investitionen für Festnetz, Mobilfunk und Breitbandkommunikation. Wir verschenken damit Wachstum. Das ist leider ein Ergebnis der Regulierung.”
Liveübertragungen via Hangout on Air mit gleichzeitiger Youtube-Aufzeichnung werden häufig als Killer-Feature von Google Plus bezeichnet:
„Das trifft es ganz gut. Ich bin immer vorsichtig mit solchen Formulierungen. Mit Sicherheit zählen Hangouts und Hangouts on Air zu den Features, die uns von allen anderen sozialen Netzwerken unterscheiden“, so Google-Sprecher Stefan Keuchel in Bloggercamp.tv zum einjährigen Jubiläum des Dienstes Hangout on Air.
Die Akzeptanz sei phänomenal und die Anwendungen reichen von Mathe-Vorlesungen, technischen Experimenten, Gymnastik-Lehrstunden, Familien-Festen bis zu den klassischen Talk-Runden. Einen plötzlichen Tod dieser Dienste wie beim Google Reader müsse man nicht fürchten.
„Es gibt keinerlei Pläne, die Hangouts einzustellen. Ganz im Gegenteil. Wir haben noch einiges vor, um die Dienste besser und funktioneller zu machen“, sagt Keuchel.
So kam in den vergangenen Tagen das Thema „Helpouts“ auf. Ein Format, das dazu dienen soll, Expertenwissen über Video-Chats zu vermitteln. Das könnte sogar für Unternehmen als visuelles und virtuelles Call Center eingesetzt werden, so der Google-Sprecher.
Ganz oben auf der Wunschliste für die Erweiterung der Funktionen steht der mobile Einsatz. Bislang kann man Hangout on Air nicht mit mobilen Geräten starten. Und hier geht es nicht nur um Smartphones oder Tablets, sondern auch um Google Glass.
„Wenn man Hangouts über Google Glass starten kann, ergeben sich völlig neue Einsatzmöglichkeiten“, betont Keuchel.
Für journalistische Zwecke sei das hochspannend – etwa bei Live-Berichten aus Krisengebieten. Hier könne genau das filmisch eingefangen werden, was der Reporter gerade sieht.
Welche Einsatzmöglichkeiten würden Euch interessieren? Reisereportagen, spontane Interviews, Extrem-Touren in den Bergen, waghalsige Abfahrten mit dem Mountain-Bike, Wildwasser-Fahrten, Begegnungen mit wichtigen Persönlichkeiten und, und, und. Dazu wird Hannes Schleeh bestimmt eine Session auf dem StreamCamp in Köln anbieten 😉