Die „doppelte Transformation“, die gleichzeitige Umstellung von Energie- und Rohstoffversorgung auf nachhaltige Quellen und die vollständige Digitalisierung gesamter Wertschöpfungsketten, stellt die europäische Wirtschaft vor große Herausforderungen. Insbesondere der strukturprägende Mittelstand hat trotz erfolgreichen Wirtschaftens vor der Coronakrise weder ausreichendes Kapital noch genügend personelle Kapazitäten, um beide Transformationsstränge mit der notwendigen Geschwindigkeit und technologischen Tiefe voranzutreiben.
Dies ist gravierend, da umfangreiche technologische Unsicherheiten der Transformation bestehen: Antworten auf zentrale technologische Fragen wie nach den zukünftigen Antriebstechnologien in der Automobilwirtschaft, nach dem Internet der Dinge im Maschinenbau, nach klimaneutralem wie wirtschaftlichem Energiebezug und nach nachhaltigen Rohstoffquellen für die chemische Industrie sind noch offen und stellen daher bedeutsame technologische Risiken dar.
Die geopolitischen Herausforderungen bei der Energiebeschaffung, Lieferketten-Probleme, Inflation, Rohstoffknappheit und dergleichen kommen noch hinzu.
Vorher war Growitsch von Januar 2020 bis April 2021 Direktor Industrielösungen im Vorstandsbereich Technologiemarketing und Geschäftsmodelle in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft in München. Von 2018 bis 2019 war er stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer IMWS, von Mitte 2017 bis 2019 leitete er zudem das Center for Economics of Materials CEM in Halle (Saale), das seit Anfang 2020 Außenstelle des Fraunhofer IMW ist.
Das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (BMUV) will nach einem Bericht der FAZ Hersteller von Plastikverpackungen über eine Sonderabgabe und einen staatlichen Fonds an den Kosten für die Vermüllung der Umwelt beteiligen. In der Wirtschaft stieß der entsprechende Referentenentwurf, der Mitte der Woche veröffentlicht wurde, umgehend auf Ablehnung. Der Entwurf sei ’nicht geeignet‘, die EU-Vorgaben im Kampf gegen Plastikmüll ‚richtlinienkonform, verfassungsgemäß und effizient‘ umzusetzen, kritisiert die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) in ihrer Stellungnahme, die der F.A.Z. vorliegt.“ Die IK sowie mehrere Wirtschaftsverbände hatten sich für einen privatrechtlichen Fonds ausgesprochen, angesiedelt bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister. „‚Leider hat das Ministerium unseren Vorschlag bislang weitgehend ignoriert‘, bedauerte IK-Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann gegenüber der F.A.Z. Einige Vorschläge der Wirtschaft sind in den Referentenentwurf eingeflossen, allerdings betreffen diese nicht den Kern der Fondsgestaltung. Bis zum 14. April haben die Länder und Verbände Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Kabinettsbefassung ist für Ende Mai geplant“, schreibt die FAZ.
Kern des Referentenentwurfs sei ein Einweg-Kunststoff-Fonds, den die Hersteller von Plastikverpackungen im Wege einer Sonderabgabe finanzieren sollen.
„Die Zahlungspflicht der Hersteller richtet sich nach Art und Masse der Einwegkunststoffprodukte, die sie auf den Markt bringen. Darüber müssen sie dem Umweltbundesamt jährlich Meldung erstatten. Die Behörde ist für die Verwaltung des Fonds zuständig. Dafür sind dort bis zu 32 neue Stellen vorgesehen. Die Einnahmen aus dem Fonds sollen die Kommunen für das Einsammeln und die Entsorgung von Plastikmüll bekommen“, berichtet die FAZ weiter. Nach der EU-Richtlinie soll vor allem der Vermüllung der Umwelt entgegen gewirkt werden.
Die EU-Richtlinie sieht vor, die Hersteller von Plastikartikeln finanziell in die Pflicht zu nehmen, um den Ressourcenschutz zu fördern und der Vermüllung der Umwelt entgegenzuwirken. „Die Städte und Gemeinden in Deutschland zahlen jährlich rund 700 Millionen Euro, um Parks und Straßen von Zigarettenkippen, Getränkebechern zum Mitnehmen und anderen Einwegplastikprodukten zu reinigen sowie öffentliche Abfallbehälter zu leeren und die Abfälle zu entsorgen, ermittelte der Verband kommunaler Unternehmen 2020“, so die FAZ.
Positive Reaktionen kommen vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU):
„Wir sind der Überzeugung, dass das vom BMUV gewählte Organisationsmodell grundsätzlich gut geeignet ist, die europäischen Vorgaben der Einwegkunststoffrichtlinie in deutsches Recht umzusetzen. Gerade das Instrument einer Sonderabgabe ist – da zweckgebunden – gut geeignet, um die kommunalen Stadtreinigungsbetriebe gezielt mit den notwendigen Finanzmitteln auszustatten, die es für die Beseitigung von Einwegkunststoffabfällen aus dem öffentlichen Raum braucht. Weiterhin wird es entscheidend sein, dass wirklich sämtliche Kosten, die unseren Betrieben vor Ort durch das Littering von Einwegkunststoffabfällen entstehen, verursachergerecht in die Sonderabgabe der Hersteller eingepreist werden“, so VKU-Sprecherin Maike Edda Raack gegenüber ichsagmal.com.
Eine Steuerlösung, die direkt den Kommunen zugute kommt, hält sie für nicht praktikabel. „Die Mittel des Einwegkunststofffonds kommen den Kommunen und ihren Stadtreinigungsbetrieben direkt zugute. Dafür soll ein Auszahlungsmechanismus geschaffen werden, der auf Leistungskennzahlen beruht. Die Zahlungsempfänger müssen sich beim Fonds registrieren lassen. Dieses Modell ist deutlich besser als eine Steuerlösung, da das Steueraufkommen nicht zweckgebunden ist und in die allgemeinen öffentlichen Haushalte fließt“, erläutert Raack. Bei einem Steuermodell gäbe es daher keine Gewissheit, dass das Geld auch tatsächlich für die Reinigung der Umwelt von Kunststoffabfällen verwendet wird. Durch die vom BMUV gewählte Fondslösung in Verbindung mit einer Sonderabgabe werde gerade das hingegen abgesichert.
Straßenmüll in Bonn-Duisdorf
Wichtig ist die Unterstützung der kommunalen Müllentsorgung. Die Problematik der Vermüllung der Städte, Rastplätze, Autobahnen und Bahnstrecken nimmt nach meinen Beobachtungen zu. Auch ein Indikator für das „Umweltbewusstsein“.
Wie könnte man generell die Kreislaufwirtschaft beflügeln?
„Kennst ja meinen Spruch: Regulierung wirkt! Interessant, dass das von den Marktakteuren gerne ausgeblendet wird. Ich denke gerade an Deinen Topos von der Staatskunst: Genau das ist der Schlüssel. Der zweite Schlüssel ist dann natürlich das (konkrete wirtschaftliche) Interesse. Eher mittel- langfristig orientierte Investoren erkennen selbstverständlich auch, dass ihnen der Kittel brennt, und dass kurzfristige braune Profite ihnen am Ende die Gesamtbilanz verhageln können. Ich bin angesichts der ESG Regeln auf Seiten der Firmen und der SDG Orientierung staatlicher Akteure durchaus optimistisch, auch wenn es natürlich schmutzige Ausweichbewegungen geben wird. Vor dem Katz und Maus Spiel werden wir uns nicht verstecken können.“
Was denkt Ihr? Kommt genügend Druck vom Kapitalmarkt, von neuen Governance-Richtlinien und von der Regulierung?
Unternehmen sehen sich angesichts des Klimawandels großen Herausforderungen gegenüber. Sie sind mit einem gesellschaftlichen Bewusst- seinswandel konfrontiert, der zu Verhaltensände- rungen bei Konsumenten, Unternehmen und Investoren führt. Zudem steht Nachhaltigkeit im
Zentrum neuer, europaweiter Regulierungen. Wie können Unternehmen darauf reagieren? Unsere These lautet: Nur mit Innovation und Digitalisierung lässt sich der Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft bewältigen.
„Das schärfste Schwert sind die Finanzen. Wenn sie nicht in Nachhaltigkeit investieren, bekommen Unternehmen kein Kapital, keine Kredite und keine guten Rankings mehr. Unternehmen werden nachhaltig oder sie verschwinden„, erläutert Professor Rupert Felder, Senior VP Global HR, Heidelberger Druck AG, im ichsagmal.com-Interview.
„Der größte Handlungsdruck entsteht durch institutionelle Anleger, die auf Nachhaltigkeit setzen, wie beispielsweise der weltweit größte Finanzinvestor BlackRock. Das Unternehmen hat klare Richtlinien etabliert, um Nachhaltigkeit in die Investitionsentscheidungen einzubauen. Der Investor berücksichtigt ESG-Kriterien bei der Bewertung potenzieller Investments. So haben Vertreter des Investors im Jahr 2020 auf den Hauptversammlungen von Unternehmen mangelnde Nachhaltigkeit kritisiert und gegen den Jahresbericht gestimmt“, schreibt Bernhard Steimel in der Nachhaltigkeitsstudie „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung“.
Für das wirtschaftlich und gesellschaftlich gebotene 1,5-Prozent-Ziel gilt dies umso mehr. So müssen die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent abgesenkt werden, um den 1,5-Grad- Pfad einzuhalten. Für Deutschland bedeutet dies: Die Wirtschaft muss insgesamt die Äquivalente von etwa 372 Millionen Tonnen CO2 durch entsprechende Maßnahmen einsparen.
Die Regulierungen der EU und in Deutschland zwingen die Unternehmen zur Anpassung. So fordert die EU Corporate Sustainability Directive ab 2023 eine Nachhaltigkeitsberichterstattung, die für Unter- nehmen ab 250 Mitarbeitern und 40 Millionen Euro Umsatz oder 20 Millionen Euro Bilanzsumme gilt.
Dadurch werden anders als in der bisherigen Gesetzeslage auch kapitalmarktorientierte Mittelständler und Familienunternehmen einbezogen. Deutlich wird das am Anstieg der Berichtspflicht: Waren bisher lediglich 550 Unternehmen zu gesonderten Nachhaltigkeitsberichten verpflichtet, sind es ab 2023 etwa 15.000.
Eine wichtige Neuerung: Der Nachhaltigkeitsbericht muss Bestandteil des allgemeinen Lageberichts sein und darf nicht getrennt veröffentlicht werden. Außerdem reicht die Veröffentlichung als PDF oder Druckwerk nicht, er muss den Behörden in digitaler Form im ESEF-Datenformat zugänglich gemacht werden. Marketing-Gedödel reicht nicht mehr aus!
Der Circular Economy Action Plan und die Sustainable Product Initiative fordern eine stärker nachhaltige Produktion und etablieren dafür den Digitalen Produktpass (DPP). Er enthält Informationen über Herkunft, Zusammensetzung, Reparatur- und Demontagemöglichkeiten eines Produktes sowie über die Handhabung am Ende seiner Lebensdauer.
Zudem verpflichtet das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten durch die Umsetzung definierter Sorgfaltspflichten. Dazu gehört unter anderem die Einrichtung eines Risikomanagements, um die Risiken von Menschenrechtsverletzungen und Schädigungen der Umwelt zu identifizieren, zu vermeiden oder zu verringern.
Das Gesetz gilt ab 2023 zunächst für Unternehmen mit mindestens 3.000, ab 2024 auch für Unternehmen mit mindestens 1.000 Arbeitnehmern im Inland. Im Unterschied zum Vorgängergesetz sind bei Verstößen empfindliche Bußgelder von 100.000 bis 800.000 Euro vorgesehen.
Bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 400 Millionen Euro kann ein Bußgeld von zwei Prozent des Jahresumsatzes oder acht Millionen Euro verhängt werden. Zum Jahresumsatz werden alle dazugehörenden Gesellschaften hinzugerechnet. Dekarbonisierung und nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens haben eine grundlegende Schwierigkeit: Die Unternehmen müssen nicht nur Scope 1 (Direkte Emissionen), sondern auch Scope2 (Indirekte Emissionen von Versorgern) und Scope3 (Indirekte Emissionen in der Wertschöpfungs-/Lieferkette) berücksichtigen. Bei Letzteren sind die CO2-Werte nicht so leicht zu ermitteln. Für die Netzökonomie aber ein entscheidendes Kriterium.
Maßnahmen:
Für den Nachhaltigkeitsexperten Prof. Dr. Michael Braungart ist der richtige Weg, Innovationen zu entwickeln, die kein Abfallproblem haben oder keine Giftstoffe enthalten. Unternehmen sollten langlebige und problemlos reparaturfähige Produkte entwickeln, die dann nicht verkauft, sondern in einem Servicemodell vermietet werden, Wartung inklusive. Anschließend gehen sie dann rückstandsfrei in biologische oder technische Kreisläufe ein. Dies gelte für alle Branchen, vor allem für Schlüsselbranchen wie dem Maschinen- bau oder der Autoindustrie.
„In zehn bis 15 Jahren gibt es keinen Maschinenbau mehr in Deutschland, wenn die Unternehmen nicht auf serviceorientierte, digitale Geschäftsmodelle umsteigen. Diese Geschäftsmodelle sind die eigentliche Innovation. Doch das digitale Denken in As-a-Service-Modellen ist noch nicht überall vorhanden„, so Braungart.
Bleiben wir doch Remote-Weltmeister!!!!!!!!
Das weltweit führende Bahntechnik-Unternehmen Vossloh nutzt eine digitale Ferninspektionslösung für die Inbetriebnahme von Weichen und Kreuzungen. Sie basiert auf Datenbrillen, die mit dem IoT verbunden sind. Sie erlauben Videokonferenzen, bei denen Techniker direkten Einblick in die Geräte haben. Auf wenig nachhaltige Reisen wird dabei verzichtet.
Arbeiten mit dem Digitalen Zwilling!
Remote X: De-Materialisierung mit Smart Services: Prototypen und Vorserienprodukte zunächst einmal am Computer.
Schwan Cosmetics, der Marktführer bei Kosmetikstiften, setzt auf Remote-Wartung seiner Werkzeugmaschinen. Ein Mitarbeiter vor Ort trägt die Datenbrille und wird per Netz-Verbin- dung von einem Spezialisten durch den Prozess der Wartung geführt. Durch Remote-Wartung sinken nicht nur die Reisekosten, der CO2-Fußabdruck reduziert sich ebenfalls.
Mit Ecodesign, Re-Commerce und Refurbishing lässt sich das Produktleben verlängern.
Mit Smart Analytics Emissionen reduzieren: KI-gestütztes Daten-Engineering hilft Unternehmen, alle Emissionen automatisch zu verfolgen.
Ablauf der langen Nacht der Utopien am Mittwoch, 16. Februar 2022:
19 Uhr: Begrüßung durch die Herausgeber Lutz Becker und Gunnar Sohn
19:05 Uhr: Über Blumenkübel-Romantik, Gartenzwerge und Good Governance in der ganzen Welt – LiveTalk mit Sabria David über ihr Buchkapitel „Die Zeit des Unperfektseins und Funktionierens“
19:30 Uhr:
Utopia lebt! Wo, wie und warum? Ein dialogischer Monolog.
45 Minuten, die Utopia zum Leuchten bringen.
Karlheinz Steinmüller (Zukunftsforscher und SF-Autor, https://steinmuller.de/de) antwortet und Klaus Burmeister (D2030 – Deutschland neu denken e.V., https://www.d2030.de/) fragt hartnäckig nach
Wir übertragen die lange Nacht der Utopien zudem über YouTube, Twitter, Facebook, Twitch und LinkedIn. Auch auf diesen Plattformen könnt Ihr über die Kommentar- und Chat-Funktionen mitdiskutieren:
Konsequent steuern nach einem Bericht des General Anzeigers Katja Dörner und die Grünen ihr Ziel an, das Autofahren in Bonn so unattraktiv wie möglich zu machen.
„Sie wollen die Menschen zum Umstieg auf Bus, Bahn und Rad bewegen. Schon beschlossen ist, das Bonner Rheinufer für den Durchgangsverkehr zu sperren. Die Opposition warnte, damit drohten Staus am Nadelöhr Koblenzer Tor. Doch Grünen-Ratsherr Rolf Beu wischte den Einwand im Rat mit entwaffnender Offenheit beiseite: Seine Partei strebe bekanntlich nach einer autofreien Innenstadt. Vergleichbar argumentiert Dörner bei den Umweltspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring, die nächstes Jahr den Individualverkehr auf der wichtigsten Ausfallstraße in Richtung Südwesten von zwei auf je eine Spur reduzieren sollen.“
Für den Radwegeausbau sind bis 2025 61 Millionen Euro vorgesehen und acht neue Stellen in der Stadtverwaltung beschlossen – acht von insgesamt 245 Zusatzstellen, die der Rat 2021 freigegeben hat.
Kappung des Innenstadtringes, um den Verkehr vorm Hauptbahnhof zu beruhigen.
Innovationsdreieck, das rund um den alten Schlachthof mit Konzerthalle, Bürobauten und Gewerbehalle.
Generell: Änderung der Verkehrsströme, Verringerung des PKW-Pendelverkehrs, Begrünung der Stadt, Meßdorfer Feld, klimafreundliche Maßnahmen – Hausbegrünung und dergleichen, Versiegelung von Flächen verringern – und dann noch eine Frage, die mich persönlich interessiert: Was wird aus dem Stadtmuseum?
Fragen aus dem Netz: Guido Schwan Autofreie Innenstadt traut sich Bonn das zu? Und Meinung zu E-Roller in der Innenstadt.
Michael Jopen Wie kann Bonn dafür sorgen, das der ÖPNV nicht dauernd im Autoverkehr festhängt und damit dauernd zu spät ist.
Johannes Mirus Wann wird das Stadthaus abgerissen? Was passiert mit den Mitarbeiter:innen in der Zwischenzeit? Wo wird das Dienstleistungszentrum dann sein?
Wie ist der Zeithorizont für die Westbahn?
Wie ist der Plan für die Stärkung der Innenstadt, sowohl was den Leerstand in der City anbelangt, als auch was die Entwicklung der Unterzentren wie Duisdorf und Beuel anbelangt?
Ist Bonn für eine nächste COP-Klimakonferenz gerüstet?
Isabell Lisberg-Haag Wie können die Menschen mitgenommen werden auf diesem Weg? Schon jetzt – bei den kleinsten Änderungen – regt sich (leider) Widerstand.
Kathrin Rosi Würtz Wie bliebt die Stadt Bonn nachhaltig in Bewegung? Sportlich & gesundheitlich, kulturell und gesellschaftlich?
PS: Und an diesem Tag (19.01.2022) wird die Oberbürgermeisterin auch auf unserem digitalen Podium „Klimawandel: Wissenschaft braucht Gesellschaft“ (Projekt „Learning For Future) sitzen, allerdings erst ab 17 Uhr: https://klimawandel-lff.de/…/112-podiumsdiskussion…
Weitere Fragen könnt Ihr gerne während des Livetalks stellen via Twitter, Facebook, YouTube, Twitch etc.
„Auch Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ökologie sind Querschnittsthemen, die man gerne als Argument gegen das Digitalministerium ins Feld führt. Umwelt reicht von Verkehr, Bauen, Landwirtschaft, Wirtschaft bis Bildung. Als Klaus Töpfer sein Amt als Bundesumweltminister antrat, war das ein klares programmatisches Statement der Bundesregierung für die Relevanz des Umweltschutzes. Auf dem Klimagipfel in Bonn konnte man beobachten, wie richtig diese Entscheidung war. Jetzt ist es an der Zeit, auch die Digitalpolitik gleichberechtigt an den Kabinettstisch zu bekommen.“
Und was passiert nun mit meinem häufig erwähnten Beispiel? Es kommt zur Kompetenzzerstückelung der Umweltpolitik. „Den Grünen ist es nicht gelungen, der FDP das Verkehrsministerium streitig zu machen. Schließlich liegen im Verkehrssektor – neben dem Bau – die gravierendsten Defizite in der deutschen Klimabilanz. Hinzu kommt, dass starke Kompetenzen des Bundesumweltministeriums (BMU) in das Wirtschaftsministerium (BMWi) und das Auswärtige Amt wandern. Wie wenig sich BMU und BMWi auf Arbeitsebene verstehen, ist hinlänglich bekannt“, schreibt Volker Heck in der Januar-Ausgabe des prmagazin. Witzig. Gerade bekam ich das bei einem Tischgespräch vor dem Wok-Laden in Bonn-Duisdorf mit. Dort essen regelmäßig Beamte des Wirtschaftsministeriums. Genau das war das zentrale Thema.
Die starke BMU-Hausleitung wandere in Form des Staatssekretärs Jochen Flasbarth ins Entwicklungshilfeministerium und wird auch in der Klimapolitik mitmischen, erläutert Heck im prmagazin. Damit bleibe das BMU als zerstückeltes Kompetenzzentrum zurück, das die Umweltpolitik kaum noch zusammenhängend führen und zudem nur noch über wenig Budget verfügen kann. „Zudem muss wegen der geplanten Ausweitungen der Vorrangflächen für den Windenergieausbau der Artenschutz zurückstecken. All das wird die Arbeit von Umweltministerin Steffi Lemke erheblich erschweren. Die Grünen laufen Gefahr, sich selbst im Kernbereich ihrer Kompetenz massiv im Weg zu stehen.“
Ein klassischer Fehlstart in der Umweltpolitik und in der Digitalpolitik.
Keine Verträge, keine Hierarchie, Einheitslohn, kein Streben nach Gewinn. In der demokratisch geführten Firma von Uwe Lübbermann (Geschäftsführer Premium Cola) werden die Grundprinzipien von Unternehmensstrategien einfach auf den Kopf gestellt.
Ob das eine Lösung ist, die auch in der Energiebranche und großen Unternehmen umsetzbar ist, diskutieren Marion Rövekamp (Vorständin Personal & Recht, EWE AG), Professor Lutz Becker (Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership an der Hochschule Fresenius) und Uwe Lübbermann in der #ZPSpätschicht live um 16 Uhr.
Moderation: Icke.
Weitere Punkte, die wichtig sind für den Livetalk: Allianz der Chancen, neue Arbeitsweisen und Methoden, sieht man schon Impulse aus dem Koalitionsvertrag der Ampel, Digitalisierung = demokratischer, Diversität. Habt Ihr noch weitere Anregungen? Dann her damit. Oder ab 16 Uhr mitdiskutieren und Fragen stellen.
„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten können.“ So steht es im Sittengesetz von Immanuel Kant, besser bekannt als kategorischer Imperativ. Über die Stärken und Schwächen des Imperativs möchte ich mich hier nicht weiter äußern. Das werde ich an anderer Stelle zu einem Opus von Emanuel Seitz hier gerne etwas vertiefen.
Für das Handeln im beruflichen, politischen und privaten Kontext ist das Sittengesetz des Philosophen von Königsberg allemal tauglich. Für Altkanzler Helmut Schmidt, der das Werk von Kant ausführlich rezipierte war die Leitschnur klar: „Ich soll mich so benehmen, dass die meinem Tun unterliegenden Prinzipien jederzeit von anderen auch akzeptiert werden können.“
Schmidt formulierte den Anspruch an sich selbst, dass die private und die in der Öffentlichkeit gelebte Moral übereinstimmen müssen.
Und hier gibt es etwas, was man in Beziehung setzen kann mit dem Kurzflug von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von Wien ins nahe gelegene Bratislava, nachzulesen im Anhang von Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“. Dort findet sich eine Erörterung über die Mißhelligkeit zwischen der Moral und der Politik. Wie lässt sich sittliches Handeln in der Politik etablieren? „Kant sieht sittliches Handeln durch einen bestimmten Politiker-Typ, den ‚moralischen‘ Politiker‘ gewährleistet. Durch eine andere Sorte, den ‚politischen Moralisten‘, hält er es dagegen für gefährdet“, schreibt Dr. Martin Rupps in seinem vorzüglichen Buch „Helmut Schmidt – Politikverständnis und geistige Grundlagen“, erschienen im Bouvier-Verlag und wohl nur noch im modernen Antiquariat zu erwerben.
Der moralische Politiker werde versuchen, die Politik mit der Moral in Einverständnis zu bringen. Ihm ist sein Tun eine sittliche Aufgabe. Solche Persönlichkeiten handeln freiwillig und aus der eigenen Einsicht in den Wert dieser Aufgabe. Politische Moralisten gehen anders vor. Sie ordnen ihre Handlungen dem Zweck unter. Solche Amtsträgerinnen und Amtsträger beanspruchen eine exklusive Moral und dazu zähle ich auch Flugreisen mit dem Privatjet für eine Strecke, die ich mit einem Regionalzug zurücklegen kann.
Zentralistisch, großindustriell, subventionsbelastet, wettbewerbsfrei – die Energiekonzerne in Deutschland sind Fossile. Es ist höchste Zeit, unsere Stromversorgung anders zu organisieren. Wer bei der Energiewende von Planwirtschaft und von staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftssystem redet, wie der FDP-Politiker Thomas Sattelberger, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomindustrie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man diese Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen – Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte – müssten wir viel höhere Preise für eine Kilowattstunde berappen. Könnt Ihr Euch noch an den energiepolitischen Appell von Brüderle und Co. erinnern?
Unwirtschaftliche Großorganisationen behindern die Energiewende
Die Atomenergie und auch die Energie aus Kohle binden gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konservieren unwirtschaftliche Großorganisationen. Man kann den Dinosauriern in Politik und Wissenschaft ja mal eine Gegenrechnung präsentieren, die vom Forum „Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“ in der Studie „Billiger Strom aus Atom und Kohle?“ aufgestellt wurde. Für die Zeit von 1970 bis 2008 ergibt sich eine Summe von rund 165 Milliarden Euro, die als Staatsknete kassiert wurde. Dann kommen noch die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke dazu – etwa 42 Milliarden Euro. Zusammen ergibt das Subventionen von über 200 Milliarden Euro. Aber damit sind wir nicht ganz fertig mit der Vollkostenrechnung. Es folgen Rückbaukosten für die noch laufenden Atommeiler, die mit 34 Milliarden Euro beziffert werden. Dann fehlen die Kosten für die Endlagerung für den hochradioaktiven Abfall, für den es bislang kein Endlager gibt. Hierfür stehen die Kosten in den Sternen.
Solarindustrie im Stich gelassen
Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius erwartet von der Politik, dass sie ein Konzept für eine mittelständisch geprägte Energiewende vorlegt. „Die deutsche Solarindustrie ist am ausgestreckten Arm verhungert. Den Bürger Windparks werden alle erdenklichen Steine in den Weg geworfen, den Ausbau machen andere. Also was ist zu tun, um etwa ein bürgerliches und mittelständisches Engagement zu fördern? Ich habe zunehmend den Eindruck, dass solche Fragestellungen viele überfordern.“ Da ist er nicht alleine. Alles werde angeblich der Wettbewerb regeln. Ob Klimaschutz, E-Mobilität, Unternehmensdemokratie oder Breitbandausbau – man überlässt die zentralen Fragen dem Markt, so tönt es seit Jahren aus den Denkzentralen der FDP. Mit Ordo-Liberalismus hat das aber nichts zu tun. Mit Wirtschaftspolitik als Staatskunst schon gar nichts. Der Wettbewerbsgedanke ist eine quasi-religiöse Schimäre. Die Wirklichkeit in planwirtschaftlich organisierten Konzernen sieht anders aus.
Nach außen Marktordnung predigen, nach innen Planwirtschaft organisieren
„Ich fand immer eine besondere Ironie in dem Umstand, dass Unternehmer, die doch gemeinhin als die Fürsprecher der unsichtbaren Hand des Marktes auftreten, in ihren eigenen Organisationen auf die sichtbare Hand des Managers vertrauen“, so Professor Martin Kornberger von der Business School Lyon. In der Realität setzen die Marktprediger auf Hierarchie, zentrale Planung, Abschottung, Absprachen und Macht. Da werden Pfründe verwaltet, das Brot-und-Butter-Geschäft bis zum bitteren Ende abgeschöpft, Innovationen verhindert und politische Hebel zur Abwehr des Allgemeinwohls eingesetzt. Die res publica geht dabei den Bach runter. Es ist geradezu lachhaft, jene Protagonisten der Autokonzerne, die sich in über tausend „Arbeitsgruppen-Sitzungen“ in zentralen Fragen des PKW-Marktes abgesprochen haben, zu Gralshütern einer Marktordnung zu machen und von ihnen eine ökologisch ausgerichtete Mobilitätswende zu erwarten.
Metaphysisches Erlösungswissen
Alexander Rüstow, einer der Architekten der Sozialen Marktwirtschaft, warnte vor einem Laisser-Faire-Dogmatismus, der von einem theologisch-metaphysischen Erlösungswissen gespeist wird und in der neoklassischen Theorie eine säkularisierte Entsprechung gefunden hat. Es dominiert nicht nur in der FDP der Absolutheitsanspruch einer Marktsteuerung, die in planwirtschaftlichen Planspielen der Konzerne vermodert. Gleichzeitig wird der Ordnungsfaktor Staat als Störfaktor gebrandmarkt. Von den Repräsentanten des Staates muss mehr erwartet werden. Dabei geht es nicht um Interventionismus oder Dirigismus. Es gibt zentrale Gestaltungsfragen für die Zukunft, die wir nicht mehr an die reduktionistischen Ziele von Managern koppeln dürfen. Darauf verweist das D2030-Beiratsmitglied Professor Dirk Helbing.
Volkswirtschaft neu erfinden
„Wir haben noch nicht so richtig begriffen, was diese UN-Agenda 2030 und die Pariser Klimaverträge implizieren. Sie implizieren, dass wir 40 bis 50 Prozent CO2 reduzieren müssen. Warum hat das dramatische Folgen? Weil die Weltbevölkerung quasi proportional zum Erdölverbrauch gestiegen ist. Wenn wir jetzt also CO2 reduzieren und damit auch den Erdölverbrauch, dann ändert sich die Tragfähigkeit der Erde, das heißt, die Anzahl der Menschen, die auf diesem Planeten leben können. Eine Reduktion um ein einziges Prozent bedeutet, 80 Millionen Menschen werden sterben. Sie ahnen also schon, dass diese Frage der Nachhaltigkeit nicht ein Hobby von uns sein wird, sondern da geht es um Leben und Tod. Das müssen wir lösen, und zwar innerhalb von weniger als 15 Jahren. Das ist halb so viel Zeit, wie wir damit verbringen, eine Straße zu planen und zu bauen.“
In diesem Zeitraum müsse man die Volkswirtschaft neu erfinden, und zwar aus zwei Gründen: „Einerseits, weil viele alte Tätigkeiten von künstlicher Intelligenz und von Robotern übernommen werden, und andererseits, weil wir eine kohlenstoffarme Wirtschaft brauchen. Können Sie sich das vorstellen, was das bedeutet, innerhalb von gut einem Jahrzehnt die halbe Volkswirtschaft umzubauen? Was das für eine gewaltige Herausforderung ist, die selbstverständlich die gesamte Zivilgesellschaft betrifft und einbeziehen muss“, fragt Helbing. Wenn wir in Zukunft in Freiheit und Demokratie leben wollen, dann müssen wir es schaffen, das Nachhaltigkeitsproblem anders zu lösen.
„Nicht durch Optimierung, sondern durch Innovation. Innovation braucht Freiheit. Und es braucht aber auch Strukturwandel: Eine Veränderung des Geldsystems, des Finanzsystems, des Wirtschaftssystems und der gesellschaftlichen Organisation im partizipativen Sinne“, erklärt Helbing. Hört man zu dieser großen Transformation irgendetwas im Bundestagswahlkampf? Da ergeht man sich eher in Verteidigungsreden des Dieselmotors. Das schrieb ich vor vier Jahren in einer Kolumne für die Netzpiloten. Wird sich da etwas in der Ampelkoalition ändern?
Warten auf die Strom-Revolution
Schon vor gut zehn Jahren herrschte in der Energiebranche so etwas wie Revolutionsstimmung, schreibt der Spiegel: „Die großen Konzerne würden bald die Kontrolle verlieren, weil die Verbraucher ihren Strom selbst erzeugen und speichern, hieß es. Dieser Strom werde Elektroautos, Trockner und Kühlschränke antreiben, die digital kommunizieren und immer dann laden, trocknen und kühlen, wenn das Energieangebot gerade am günstigsten ist. Die kühne Fantasie entpuppte sich bald als Rohrkrepierer. Die dezentral digitale Strom-Republik scheiterte an bürokratischer Überregulierung und einem überforderten Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das eine Richtlinie für digitale Stromzähler erst jahrelang verschleppte und dann ein lückenhaftes Regelwerk vorlegte. Das Vorhaben wurde mehr oder weniger ad acta gelegt: Es schien zu komplex für deutsche Behörden.“
Bekommt die Ampelkoalition hier eine Wende zur dezentralen Strom-Republik hin? Und funktioniert das auch ohne Tesla.