Welche Entwicklungschancen stecken in alternativen Proteinen für Klimaschutz, Gesundheit und Welternährung? #Roundtable

Unter dem Begriff Alternative Proteine werden Substitute für tierische Proteine und deren Ursprung verstanden (Milch, Eiern, Fleisch) und daraus hergestellten Produkten. Zudem werden darunter auch neue Quellen wie Pflanzen, Pilze, Insekten, Bakterien oder Einzeller subsumiert, die dem Ersatz gängiger pflanzlicher Rohstoffe wie Sojabohnen oder Getreide dienen können. 

Alternative Proteine werden als maßgebliche Ergänzung der Nahrungsversorgung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung angesehen – Grundlage vieler Anträge auf Forschungsförderung. 

Nach einer neuen Studie gewinnen Fleischersatzprodukte auf pflanzlicher Basis sowie andere „alternative Proteine“ an Bedeutung auf dem Lebensmittelmarkt. Zwei Drittel sagten in einer internationalen Verbraucherbefragung, die die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in sieben Ländern durchgeführt hat, sie hätten alternative Proteine bereits probiert, wie BCG und die an der Studie beteiligte Investmentgesellschaft Blue Horizon bekannt gaben.

Sie hielten Fleischersatz für gesünder als tierische Proteine, sagten über drei Viertel. Der Preis spielt allerdings eine bedeutende Rolle: Sojaprodukte und andere pflanzliche Proteinquellen dürfen nicht teurer sein als Fleisch. 

Laut BCG liegt die durchschnittliche akzeptierte Preisspanne zwischen 50 und 90 Prozent der tierischen Originals.

In den USA, China, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Deutschland, Frankreich und Spanien wurden 3700 Verbraucherinnen und Verbraucher befragt. 515 Personen nahmen in Deutschland teil.

Schätzungen zufolge verursacht die Nutztierhaltung rund 15 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, heißt es in der Untersuchung. Im Jahr 2035 könnten alternative Proteine nach Einschätzung der Autoren elf Prozent der von der Weltbevölkerung verzehrten Proteine ausmachen, da ihr Verzehr schnell zunehmen wird.

Nach Berechnungen der beiden Unternehmen könnte dies den CO2-Ausstoß der Landwirtschaft um fast eine Gigatonne reduzieren. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) betrug der weltweite CO2-Ausstoß im Jahr 2021 36,3 Gigatonnen.

„Das Bewusstsein für alternative Proteine ist während der Pandemie gestiegen, hinzu kommt eine höhere Verfügbarkeit und immer bessere Qualität der Produkte. Wir sehen weiterhin großes Potenzial für den Markt“, so Benjamin Morach, Co-Autor der BCG-Studie. 

Wichtigster Faktor für die erhöhte Akzeptanz unter ist die Gesundheit: 76 Prozent der Befragten kaufen Ersatzprodukte, weil sie diese für gesünder halten als tierische Proteine. Knapp 15 Prozent würden sogar nahezu vollständig oder ausschließlich auf alternative Proteine zurückgreifen, vorausgesetzt, die Produkte wären gesünder und schmeckten besser. Der Klimaschutz spielt eine sehr große Rolle: Mehr als 30 Prozent der Befragten sehen den Umweltschutz als wichtigsten Grund, um auf alternative Proteine umzusteigen. Mehr bezahlen möchten die Befragten allerdings nicht. Die durchschnittliche akzeptierte Preisspanne liegt bei 50 bis 90 Prozent des tierischen Pendants.

„Auf die Produkte, die die Verbraucher heute in den Regalen sehen, wird schon bald eine Welle von cleaneren, gesünderen und leckereren alternativen Proteinen folgen, da die Technologie immer mehr Innovationen ermöglicht. Wir beobachten die rasante Entwicklung dieser Technologien sowohl in unserem eigenen Portfolio als auch in der breiteren Food-Tech-Branche“, so Björn Witte, CEO von Blue Horizon. Das führe zu einer insgesamt besseren Produktpalette. 

„Für die Konsumenten ist das eine tolle Nachricht, aber wir stehen erst am Anfang.“ Künftige Generationen würden in hohem Maße von den messbaren Auswirkungen auf die Umwelt profitieren, ergänzt Witte.

Die Studie zeigt:

Die Umstellung auf alternative Proteine ist die kapitaleffizienteste und wirkungsvollste Lösung zur Bewältigung der Klimakrise, denn alternative Proteine sparen pro investiertem US-Dollar die meisten Emissionen. Sie sind damit mindestens doppelt so effektiv wie Investitionen in die Dekarbonisierung von Zement, Eisen, Stahl, Chemikalien oder des Verkehrssektors. Das lockt immer mehr Geldgeber an. Das in alternative Proteine investierte Kapital ist von einer Milliarde Dollar im Jahr 2019 auf fünf Milliarden im Jahr 2021 angestiegen – eine jährliche Zuwachsrate von 124 Prozent.

Investments sind dabei zunehmend global und beschränken sich nicht mehr nur auf Wagniskapital. Nach Auffassung von Witte sei das der kapitalschonendste Weg, um Emissionen zu vermeiden und eine positive Rendite zu erzielen. „Wenn wir bis 2035 eine Marktdurchdringung von elf Prozent erreichen, könnten wir mehr Kohlenstoffemissionen einsparen als durch die Dekarbonisierung von 95 Prozent des Luftfahrtsektors. Die positiven Auswirkungen sind absolut gewaltig, und die langfristigen Treiber waren noch nie so stark.“

Eine vernünftige und wirksame Regulierung sei unerlässlich, um sicherzustellen, dass die schnelle Innovation und das Wachstum des Marktes für alternative Proteine den Kunden sichere, gesunde und transparente Lebensmittel liefern. Rund um den Globus hat sich die Zulassung von Produkten auf der Basis von Fermenten und tierischen Zellen zuletzt beschleunigt. Vorreiter war 2015 Israel, als es ankündigte, dass der Rahmen für die Regulierung der Lebensmittelsicherheit auch für alternative Proteine gelten würde. Auch China erkennt in seinem Fünfjahresplan an, dass das Land auf alternative Proteine als Ergänzung zu traditioneller Landwirtschaft setzen muss und machte Fleisch auf der Basis tierischer Zellen und andere alternative Proteine zu einem Teil seiner Strategie für die Ernährungssicherheit.

Herausforderungen:

Ein systematischer wissenschaftlicher Ansatz zur Untersuchung der Sicherheit der neuartigen Proteine, ihrer Funktionalitäten, ihrer biologischen Wechselwirkungen und des Einflusses der Verarbeitungsbedingungen auf ihre Funktionalitäten. Maßstäbe für den industriellen Einsatz.  Eiweißalternativen aus nachhaltigen Quellen wie Pflanzen, Mikroalgen, Insekten und Pilzen haben das Potenzial, den weltweit steigenden Eiweißbedarf zu decken, können aber auch gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Abwägung der Allergenität und inhärenten Risikofaktoren. Verwendung schneller und quantitativer Nachweissysteme für die Risikobewertung neuartiger Proteine. 

Welche Methoden sind wichtig?  Massenspektrometrie und spektroskopische Techniken. Zukünftige Forschungsziele sind die Verringerung von Matrixinterferenzen und die Erhöhung des Methodendurchsatzes. Die quantitative Massenspektrometrie wurde in mehreren Forschungsstudien erfolgreich eingesetzt, und sie hat das Potenzial, in Zukunft für den routinemäßigen gleichzeitigen Nachweis mehrerer Allergene verwendet zu werden.

Neuartige Proteinprodukte müssen in der Regel eine Sicherheitsbewertung und ein Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie auf den Markt gebracht werden können. Die Aufsichtsbehörden jedes Landes oder jeder Region haben ihren eigenen Rechtsrahmen entwickelt. Die meisten Länder und Regionen, darunter Australien, Neuseeland, Kanada, die EU und Singapur, verwenden die Gesetzgebung für neuartige Lebensmittel, um mit Lebensmitteln umzugehen, deren Verwendung in der Vergangenheit nicht dokumentiert wurde. Die USA verwenden entweder den GRAS-Status oder ein Vorab-Zulassungsverfahren für Lebensmittelzusatzstoffe, um diese auf den Markt zu bringen. 

Nach der Zulassung muss ein neues Protein oder Produkt die im Lebensmittelgesetz des jeweiligen Landes oder der Region festgelegten Anforderungen erfüllen wie Hygienevorschriften, Kennzeichnungsvorschriften, Rückstandshöchstwerte und dem Sicherheitsmanagement für Lebensmittel. Die Sicherheitsbewertung alternative Proteine ist weltweit nicht harmonisiert, und es fehlen internationale Richtlinien, wie solche Bewertungen durchgeführt werden sollten. 

Was wir in dem Roundtable-Talk im Allgäu diskutierten:

Wo liegen die größten Entwicklungschancen?

Pflanzliche Proteinquellen

Insekten

In-vitro-Fleisch. 

Abkehr von der Massentierhaltung – Klimaschutz. 

Haupttreiber in den nächsten Jahren.

Erleben wir eine vollständige Abkehr vom Fleischkonsum?

Alternative nur für Veganer und Vegetarier?

Welche staatlichen Initiativen müsste es geben?

Wie erhört man die Akzeptanz bei den Verbrauchern?

Was sollte international zum Standard werden? 

Wie wird sich der Markt in den kommenden zehn Jahren entwickeln? 

Teilnehmer: Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor Multivac; Harald Suchanka, CEO Handtmann Filling & Portioning; Bernd Esser, Mitglied des Vorstands BALPro + CEO Berief Food; Friedrich Büse, Founder & Partner Endori; Angela Wadenpohl, Reset Yourself; Moderation: Gunnar Sohn.

Dokumentation.

Siehe auch:

Wie wir uns die Klimazukunft besser vorstellen können

Schrumpfen statt Wachsen?

Roundtable-Talk über alternative Proteine – Über Klimaschutz, Gesundheit und Welternährung

Roundtable im Allgäu. Die Umstellung auf alternative Proteine ist die kapitaleffizienteste und wirkungsvollste Lösung zur Bewältigung der Klimakrise, denn alternative Proteine sparen pro investiertem US-Dollar die meisten Emissionen. Sie sind damit mindestens doppelt so effektiv wie Investitionen in die Dekarbonisierung von Zement, Eisen, Stahl, Chemikalien oder des Verkehrssektors. Das lockt immer mehr Geldgeber:innen an: Das in alternative Proteine investierte Kapital ist von einer Milliarde Dollar im Jahr 2019 auf fünf Milliarden im Jahr 2021 angestiegen – eine jährliche Zuwachsrate von 124 Prozent. „Investments sind dabei zunehmend global und beschränken sich nicht mehr nur auf Wagniskapital“, sagt Benjamin Morach von BCG. Wir diskutierten das in einer Expertenrunde. Teilnehmer: Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor Multivac; Harald Suchanka, CEO Handtmann Filling & Portioning; Bernd Esser, Mitglied des Vorstands BALPro + CEO Berief Food; Friedrich Büse, Founder & Partner Endori; Angela Wadenpohl, Reset Yourself; Moderation: Gunnar Sohn.

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Alternative Proteine als Klimaretter? Roundtable-Gespräch im Allgäu um 14:30 Uhr

Die Umstellung auf alternative Proteine ist die kapitaleffizienteste und wirkungsvollste Lösung zur Bewältigung der Klimakrise, denn alternative Proteine sparen pro investiertem US-Dollar die meisten Emissionen. Sie sind damit mindestens doppelt so effektiv wie Investitionen in die Dekarbonisierung von Zement, Eisen, Stahl, Chemikalien oder des Verkehrssektors. Das lockt immer mehr Geldgeber:innen an: Das in alternative Proteine investierte Kapital ist von einer Milliarde Dollar im Jahr 2019 auf fünf Milliarden im Jahr 2021 angestiegen – eine jährliche Zuwachsrate von 124 Prozent. „Investments sind dabei zunehmend global und beschränken sich nicht mehr nur auf Wagniskapital“, sagt Benjamin Morach von BCG. Wir diskutieren das in einer Expertenrunde und freuen uns auf Eure Fragen und Diskussionsbeiträge. Man hört, sieht und streamt sich um 14:30 Uhr im Multistream auf Twitter, Facebook, LinkedIn, Twitch und YouTube. Das Event haben wir auf YT schon angelegt. Die anderen Dienste starten just in time auf meinen Accounts. Also einfach unter @gsohn (Twitter) und unter dem Namen Gunnar Sohn auf den anderen Plattformen nachschauen.

Siehe auch:

Utopien als Spielwiese für unser Denken: Buchneuerscheinung #KönigVonDeutschland

Der Kapitalmarkt verlangt Investitionen in Nachhaltigkeit #SchubkraftTV #DigitalX

„Das schärfste Schwert sind die Finanzen. Wenn sie nicht in Nachhaltigkeit investieren, bekommen Unternehmen kein Kapital, keine Kredite und keine guten Rankings mehr. Unternehmen werden nachhaltig oder sie verschwinden“, warnt Professor Rupert Felder, Personalchef der Heidelberger Druck AG.

Der größte Handlungsdruck entsteht durch institutionelle Anleger, die auf Nachhaltigkeit setzen, wie beispielsweise der weltweit größte Finanzinvestor BlackRock. Das Unternehmen hat klare Richtlinien etabliert, um Nachhaltigkeit in die Investitionsentscheidungen einzubauen. Der Investor berücksichtigt ESG-Kriterien bei der Bewertung potenzieller Investments. 

Entsprechend wichtig sind jetzt Investitionen in die Digitalisierung. Und hier gibt es eine Menge Fördermittel für Unternehmen.

Die Förderung von EU, Bund und Ländern ermöglicht es Unternehmen, sich fit für die Zukunft zu machen. Die Bandbreite von Vorhaben, die eine finanzielle Unterstützung er- halten können, ist groß. Allein hierzulande stehen Unternehmen oder öffentlichen Institutionen mehr als 3.000 Förderprogramme zur Wahl.

Neue Vorgaben erfordern mehr Digitalisierung

Besonders für digitale Business-Lösungen, Technologien und IT-Systeme gibt es eine Vielzahl staatlicher Zuschüsse. Immer öfter steht dabei auch nachweisbare Nachhaltigkeit in den Förderzielen. Denn sie ist künftig eine konkrete Vorgabe für den Mittelstand: Ab 2024 müssen Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten und 40 Millionen Euro Umsatz oder 20 Millionen Euro Bilanzsumme sowie alle börsennotierten Unternehmen Berichterstattungspflichten für Nachhaltigkeit erfüllen. Ein hoher Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad erleichtert es Unternehmen deutlich, diesen Transparenzanforderungen nachzukommen, da ihnen relevante Daten auf digitalem Weg schneller zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für die strengeren Reporting-Richtlinien, die ab 2024 im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes für Betriebe ab 1.000 Mitarbeitenden gelten.

Vor diesem Hintergrund legen einige Förderprogramme ihren Fokus auf nachhaltigkeitsori- entierte Digitalisierungsprojekte. Das können sowohl software- als auch hardwarebasierte Lösungen sein.

Zwei Beispiele:

1. Das Förderprogramm „Bundesförderung für Energie und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ übernimmt 30 Prozent der förder- fähigen Investitionskosten von Maßnahmen, die die Strom- oder Wärmeeffizienz von Unternehmen deutlich erhöhen. Dazu gehören etwa Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Sensorik und Energiemanagement-Software. Zusätzlich gibt es einen KMU-Bonus in Höhe von zehn Prozent.

2. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt strukturschwache Regionen oder aber auch mittelständische Betriebe, die auf Innovationen und Digitalisierung setzen, um nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu werden. Allein für Deutschland beträgt das Fördervolumen 10,9 Milliarden Euro.

Investitionen in die eigene Entwicklung

„Die Auswahl an Fördermöglichkeiten ist riesig“, sagt Gabriele Kotulla-Münster, Leiterin Competence Center Förderung bei der Deutschen Telekom. „Deshalb es ist für Unternehmen aufwendig, die passende Unterstützung für das eigene Vorhaben zu finden. Wir bieten unseren Kunden einen einfachen Überblick über die Fördermöglichkeiten und prüfen gemeinsam mit ihnen, wie sich Investitionen in die Digitalisierung sinnvoll einsetzen und durch Fördergelder unterstützen lassen.“ Angesichts der Vielzahl der Programme stünden die Chancen für beinahe jedes Vorhaben gut, Förderungen zu erhalten.

Gute Gründe, am 13. und 14. September ins Brandhouse Schubkraft auf der Digital X zu kommen.

Man hört, sieht und streamt sich in der Aachener Str. 21 in Kölle.

Hier das Programm:

Bis dann.

Bio-Kabel und die ökologischen Eseleien mit Mais, Zuckerrüben und Raps

Nachhaltigkeit sei in aller Munde – zum Glück, schreibt Felix Frank in einem Blogbeitrag. „Und da möchte auch Anker mitmischen. Mit neuen Ladekabeln. Klingt erst einmal etwas kontraintuitiv, wo Ladekabel doch für zusätzlichen Elektroschrott sorgen. Es sind aber nicht gerade 0815-Kabel. Die neuen ‚Bio-Kabel‘ von Anker kommen mit USB-C- oder Lightning-Anschluss und bestehen zu 40 Prozent aus Pflanzen. Bestandteil des Kabels seien hierbei etwa Mais und Zuckerrüben, so der Hersteller. Damit möchte man zur Reduzierung von Kunststoffen beitragen – der Stabilität tue dies keinen Abbruch.“

Eine Belastung von bis zu 80 Kilogramm und über 20.000 Biegungen sei kein Problem, so Anker.

Wenn ich mir die Mono-Anbaugebiete für Mais und Zuckerrüben anschaue, halte ich auch diese Maßnahme eher für eine Öko-Eselei.

Man kann das vergleichen mit dem so genannten Bio-Sprit für Autos. Horst Seehofer in seiner Funktion als Bundeslandwirtschaftsminister und Sigmar Gabriel als früherer Bundesumweltminister hatten vor einigen Jahren mal mit großem Getöse ihre Strategie zur Klima- und Energiepolitik im Biokraftstoffsektor vorgestellt und sie als wichtigen Beitrag zur Klima- und Energiepolitik sowie zur Entwicklung der ländlichen Räume gepriesen.

Biokraftstoffe, so das damalige Credo von Gabriel, können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten – allerdings nur, wenn sie signifikant zur Kohlendioxid-Reduktion beitragen. „Das stellen wir gesetzlich sicher. Und außerdem sorgen wir dafür, dass importierte Biomasse zukünftig nur dann eingesetzt werden darf, wenn sie nachhaltig angebaut worden ist. Es kann nicht sein, dass anderswo auf der Welt Wälder gerodet und Moore trockengelegt werden, um Palmöl anzubauen, das dann bei uns als vermeintlich klimafreundlicher Rohstoff eingesetzt wird“, sagte Gabriel bei der Vorstellung der so genannten „Roadmap Biokraftstoffe“. Hat ja toll geklappt, wenn man die Rodungen in den Regenwäldern sich anschaut.

Biosprit, Bionahrung oder Bioplastik – das Ganze ist häufig ökologischer Etikettenschwindel. Wenn wir den heimischen Agrarsektor auf biologischen Anbau umstellen würden, müsste in Deutschland die Ackerfläche um sechs Millionen Hektar erweitert werden. Die ist aber nicht vorhanden, also wird kräftig aus Südamerika importiert. Ähnlich hoch wäre der Flächenbedarf, wenn wir aus eigener Kraft Agrotreibstoffe herstellen wollten. Bei Bioplastik ist die Entsorgung ungeklärt, also muss das Zeug verbrannt werden.

Ein internationales Wissenschaftlerteam um den niederländischen Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen hat sogar nachgewiesen, dass die alternativen Kraftstoffe klimaschädlicher als Benzin sind. „Biosprit-Pflanzen“ – in Deutschland vor allem Mais und Raps – müssen stark gedünkt werden. Dadurch gelangt das gefährliche Stickoxid (N2O) in die Atmosphäre. Ein Teil dieses Treibhausgases wird durch chemische Reaktionen in Lachgas umgewandelt – ein über 300 mal stärker wirkendes Treibhausgas als Kohlendioxid. Crutzen und sein Team haben nachgewiesen, dass bei der Produktion von Biosprit fast doppelt so viel Stickoxid in die Atmosphäre gelangt, wie Wissenschaftler des UN-Klimarats IPCC bislang angenommen hatten. Im Vergleich zu normalem Benzin oder Diesel ist Raps-Benzin 1,7 mal klimaschädlicher und aus Mais hergestelltes Ethanol 1,5 mal. Selbst Ethanol aus Zuckerrohr kommt auf einen Faktor von 0,5. Das gilt auch für so genannte Biopolymerwerkstoffe, die auf Basis von Zucker, Stärke, Cellulose oder Pflanzenölen hergestellt werden. Die Ökobilanz fällt noch verheerender aus, wenn tropische Regenwälder gerodet werden, um Anbauflächen für Zuckerrohr zu gewinnen. Ähnlich negativ ist die ökologische Wirkung, wenn Palmöl aus Indonesien um den halben Globus verschifft werden muss, um es hier zu verarbeiten. 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sind auf die Rodung von Wäldern zurückzuführen.

Und zum Thema Bioplastik führte ich ein Interview mit Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie-Institut in Wien:

Frage: Hersteller und Interessenvertreter von Bioplastik behaupten, dass durch die Verwendung von biologisch-abbaubaren Verpackungen (BAW) kein Treibhauseffekt entstehe und diese Produkte CO2-neutral seien, da nachwachsende Rohstoffe durch Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid ständig neu gebildet werden. Was halten Sie von dieser Einschätzung?

Christian Pladerer: Ich halte wenig von dieser Einschätzung. Um die tatsächliche Umweltbelastung einer Verpackung festzustellen, müssen alle relevanten Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebensweges vom Abbau der Rohstoffe, inklusive Hilfsstoffe und Energieträger, über die Transportwege bis hin zur Entsorgung betrachtet werden. Es dürfen also nicht nur einzelne Emissionen wie CO2 für einzelne Abschnitte des Lebensweges berechnet werden. Es stimmt schon, dass Pflanzen im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen durch Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid ständig neu gebildet werden. Ob das auch für Einwegverpackungsmaterial gilt, ist sehr fraglich: Die rohstoff- und energieintensive industrielle Agrarwirtschaft und Verpackungsherstellung sowie die von den BAW Herstellern empfohlene Kompostierung sind Aktivitäten, die umweltschädliche Emissionen verursachen. Aus meiner Sicht sind somit BAW-Verpackungen keinesfalls CO2-neutral.

Frage: In Ihrer Studie schreiben Sie, dass selbst die Kompostierung der PLA-Becher keinen nennenswerten ökologischen Nutzen bringen würde. Die Auswirkungen der Entsorgung seien nur marginal im Vergleich zur Herstellung der Becher. Die Möglichkeit der Kompostierung wird aber von
den Herstellern immer wieder in den Vordergrund gestellt. Wie beurteilen Sie die Entsorgungsmöglichkeiten der PLA-Becher unter den verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten (Verbrennung, Biogas, Kompost) und welche Umwelteffekte hat das auf die gesamte Ökobilanz der PLA-Becher?

Pladerer: Die privaten und kommunalen Kompostwerke in Österreich, in Deutschland und in der Schweiz, die Kompost mit hoher Qualität herstellen, sind wenig begeistert von der Diskussion über ‚kompostierbare’ Kunststoffe. Hier muss zwischen biologisch abbaubar und kompostierbar unterschieden werden. Organische Materialien wie Küchenabfälle, Strauchschnitt oder Papier sind biologisch abbaubar. Durch natürliche Prozesse und durch Mikroorganismen sind diese Materialien in ihre Bausteine zerlegbar. Kompostierung ist eine technisch gesteuerte exotherme biologische Umwandlung abbaubarer organischer Materialien in ein huminstoffreiches organisches Material. Ziel der Kompostierung ist der möglichst rasche und verlustarme Abbau der organischen Ursprungssubstanzen und gleichzeitig der Aufbau stabiler, pflanzenverträglicher Humussubstanzen. Dass ein Werkstoff biologisch abbaubar ist, bedeutet noch lange nicht, dass diese Umwandlung in einem Rotte- oder Mieteprozess der technischen Kompostierung tatsächlich im gewünschten Ausmaß erfolgt. Im Unterschied zu ‚biologisch abbaubar’ wird für ‚kompostierbar’ ein Zeitrahmen vorgegeben. Es fehlt nun an der Glaubwürdigkeit, dass biologisch abbaubare Kunststoffe auch kompostierfähig sind. Zusätzlich werden BAW-Verpackungen wie herkömmliche Kunststoffverpackungen von automatischen und mechanischen Sortierschritten erkannt und als Fremdstoff aussortiert. Das gilt nicht nur für die Kompostierung sondern auch für Biogasanlagen. Schließlich bleibt die Müllverbrennungsanlage als einzige derzeit praktikable Entsorgungsschiene übrig. Die Ergebnisse unserer Ökobilanz von verschiedenen Getränkebechern zeigen deutlich, dass die Rohstoffbereitstellung und die Becherherstellung beim PLA Becher (biologisch abbaubarer Einwegkunststoffbecher) rund 95 Prozent der gesamten Umweltbelastung ausmachen.

Frage: Ist die Kompostierung von Bioplastik überhaupt sinnvoll? Was sagen die Kompostbetreiber?

Pladerer: Von den Kompostwerken wird die Annahme von biologisch abbaubaren Kunststoffen zur Zeit nicht akzeptiert. Sie haben eine längere Verweilzeit und einen zu hohen Störstoffanteil.

Frage: Was halten Sie von der vom Bundestag und der Bundesregierung beschlossenen Novelle der Verpackungsverordnung, biologisch-abbaubare Verpackungen von Verwertungspflichten freizustellen? Welche Wirkung wird das auf die Verpackungsindustrie haben?

Pladerer: Die Novellierung der deutschen Verpackungsverordnung ist aus ökologischer Sicht nicht nachvollziehbar und es gibt für den Gesetzgeber keine Rechtfertigung, biologisch abbaubare Verpackungen von den Entsorgungspflichten und damit von den Kosten zu befreien. Wie oben angeführt, landen biologisch abbaubare Kunststoffe in den Öfen der Müllverbrennungsanlagen – und diese brennen auch nicht ‚gratis’. Aus meiner Sicht ist die Reaktion der Verpackungsindustrie natürlich verständlich, da unterschiedliche Entsorgungskosten auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen können. Ökologische Lenkungsmaßnahmen über Entsorgungskosten sind prinzipiell zu begrüßen. 

Soweit das Interview.

Was die Herstellung und das Recycling von Bio-Materialien anbelangt, kann man also deutlich von einer Öko-Eselei sprechen.

Langlebigkeit, Material-Verzicht, Mehrweg, Wiederverwendung und dezentrale Konzepte sind ökologisch.

Nachhaltigkeit muss jetzt geliefert werden von Unternehmen #SchubkraftTV #DigitalX

Aus dem Trendbook „Nachhaltigkeit mit Digitalisierung: Nachhaltigkeit gehört aktuell zu den Top-Themen in den deutschen Chefetagen. Nach einer aktuellen Studie der HypoVereinsbank sehen 67 Prozent der Mittelständler die Entwicklung von nachhaltigen Geschäftsmodellen als wichtige Herausforderung. Dazu gehören auch die ab 2023 geltenden Nachhaltigkeitsberichtspflichten für Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern.

Gesellschaftlicher Bewusstseinswandel führt zu Verhaltensänderung: 7 von 10 Verbrauchern suchen gezielt nachhaltige Produkte und erwarten Transparenz über die CO2- Bilanz. Nachhaltige Investments entwickeln sich dynamisch. Drei Viertel der Anleger bevorzugen Fonds mit einer besseren CO2-Bilanz und erhoffen sich davon auch bessere Renditen. Die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit kommt auch aus den Unternehmen selbst. Häufig sind es die jüngere Mitarbeiter und Bewerber, die zum Beispiel Mobilitätskonzepte fordern.

Investoren lenken ihr Vermögen in nachhaltige Anlagen.

Nachhaltige oder ESG-Investments – ESG steht für Umwelt, Soziales und Governance (Environmental Social Governance)  – entwickeln sich derzeit dynamisch. Drei Viertel der Anlegerinnen und Anleger bevorzugen heute Fonds mit einer besseren CO2-Bilanz – und erhoffen sich davon auch bessere Renditen.

Die Nachhaltigkeitsziele erfordern die Entwicklung neuer und besserer Technologien. Bestehende Technologien können lediglich etwa 65 Prozent der für das Netto-Null-Ziel erforderlichen Emissionen reduzieren. Die letzten 30 Prozent lassen sich nur mit neuen Technologien erreichen, die zum Teil noch nicht kommerziell skalierbar sind und den Aufschlag einer Umweltprämie (Green Premium) erfordern. Der geschätzte Investitionsbedarf dafür liegt bei 100 bis 150Millionen US-Dollar in den nächsten 30Jahren.

Für den Nachhaltigkeitsexperten Prof. Dr. Michael Braungart ist der richtige Weg, Innovationen zu entwickeln, die kein Abfallproblem haben oder keine Giftstoffe enthalten. Unternehmen sollten langlebige und problemlos reparaturfähige Produkte entwickeln, die dann nicht verkauft, sondern in einem Servicemodell vermietet werden, Wartung inklusive. Anschließend gehen sie dann rückstandsfrei in biologische oder technische Kreisläufe ein. Dies gelte für alle Branchen, vor allem für Schlüsselbranchen wie dem Maschinenbau oder der Autoindustrie.

Braungart:

„In zehn bis 15 Jahren gibt es keinen Maschinenbau mehr in Deutschland, wenn die Unternehmen nicht auf serviceorientierte, digitale Geschäftsmodelle umstei- gen. Diese Geschäftsmodelle sind die eigentliche Innovation. Doch das digitale Denken in As-a-Service-Modellen ist noch nicht überall vorhanden.”

Die unternehmensübergreifende Initiative R-Cycle wurde von der Reifenhäuser Gruppe gegründet. Sie ist in der Kreislaufwirtschaft aktiv und bietet die Rückverfolgung von Kunststoffverpackungen. R-Cycle verwirklicht einen digitalen Produktpass. Er dokumentiert Verpackungseigenschaften während der Produktion und stellt diese Daten zur Verbesserung des Sortierprozesses am Ende des Lebenszyklus zur Verfügung. Maschinenbau-Initiative.

Wir sprechen mit Bernhard Steimel im Format über die Studie und über seine Sessions auf der .

Digitaler Produktpass und digitales Wasserzeichen für eine bessere Kreislaufwirtschaft #rp22 @mhp_de @RCycle5 #iffa22 @iffa_frankfurt

Sohn@Sohn-Adhoc-Gespräch mit Lucas Strutz von MHP, Porsche Company, auf der re:publica in Berlin. Und Bericht über das Roundtable-Gespräch zum Kunststoffrecycling-Konzept der Maschinenbau-Industrie: Der Digitale Produktpass wird von Seiten der EU als technische Maßnahme zur Etablierung der Kreislaufwirtschaft gefordert, Rezyklatquoten werden vorgeschrieben und Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte.

Das System der Verwertung (Aufbereitung und Einsatz der Rezyklate) muss sich in seiner Ausrichtung und Philosophie deutlich umstellen. Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur die Entsorger von Kunststoffabfällen, sondern alle Abfallbranchen. Die Abfallverwertung muss sich quasi entgegen der Entsorgungsrichtung der Abfallmassenströme auf die Erfordernisse der Industrie ausrichten. Letztendlich gilt es, hochwertige sekundäre Rohstoffe zu produzieren, die möglichst weit den Eigenschaften der klassischen in der Produktion eingesetzten primären Rohstoffe entsprechen sollten, so dass weder an der Produktion noch an den Produkteigenschaften Änderungen vorgenommen werden müssen.

Der Hersteller entscheidet sich, einen Anteil seiner Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft zu beziehen, da diese seine Spezifikationen erfüllen. Dies ist im direkten Austausch zwischen Aufbereiter, der Regranulate herstellt, und Produzent und damit für den Einzelfall zu erreichen. Für den Aufbereiter bedeutet dies im zweiten Schritt, dass er seine Prozesse auf dieses Produktionsziel ausrichten muss. Dies bedeutet damit eine Optimierung der Technik, aber auch eine Definition der Zusammensetzung und Eigenschaften der Materialien, die er zur Aufbereitung übernimmt. Das diskutierten wir in einem Sohn@Sohn-Roundtable mit Experten aus dem Maschinenbau: Michael Baumeister, COO von Brückner Maschinenbau; Guido Frohnhaus, technischer Geschäftsführer von Arburg; Thomas Hartkaemper, CEO von Kautex Maschinenbau; Bernd Reifenhäuser, CEO der Reifenhäuser Group; Guido Spix, Group President der Multivac-Gruppe. Moderation: Gunnar Sohn. Hier ist der Podcast zum Thema:

Meine Überlegungen auf dem Nachhaltigkeitscamp in Bonn im Jahr 2016 (da hatte ich wohl den richtigen Riecher – hab ja auch eine große Nase):

Netzökonomische Überlegungen zur Post-Müll-Epoche – Wie man Produkte mit Öko-Intelligenz aufladen kann #ncbn16

Was kommt in zehn Jahren in die Tonne? Was passiert, wenn Produkte mit digitaler Öko-Intelligenz aufgeladen werden?

In der netzökonomischen Debatte sollten wir es nicht versäumen, uns auch mit dem Kern der Ökologie zu beschäftigen: Oikos war in der Antike die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Orientierung an der Nachbarschaft – verbunden mit dem Verzicht auf Supersysteme, die das Himmelreich auf Erden versprechen, sich aber kaum steuern lassen. Konzentriere Dich auf das, was Du selbst gestalten kannst. Übernehme Verantwortung für Dein eigenes Handeln und delegiere es nicht auf kommende Generationen.

So ist auch das politische Ziel zu verstehen, spätestens bis zum Jahr 2020 vollständig aus der Beseitigungswirtschaft auszusteigen und alle Deponien zu schließen (nun ja…..). Damit verabschieden wir uns endgültig vom menschlichen Archetypus, Dinge nach dem Verlust individueller Wertschätzung einfach zu vergraben oder zu verbrennen nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ökologische Anforderungsprofil für das 21. Jahrhundert hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) trefflich formuliert:

„Funktional, langlebig und damit kostengünstig, ressourcenleicht und emissionsarm, reparaturfreundlich, wiederverwertbar, risikoarm, fehlerfreundlich und rückholbar.“

Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um Dienstleistungen und soziale Innovationen wie Carsharing oder Repair Cafés. Wenn es gelingt, dass alle Gegenstände des Alltags im „Internet der Dinge“ digital vernetzt werden, könnte man sie auch mit ökologischer Intelligenz aufladen. Dann würden sie über ihre Herkunft und Ökobilanz informieren sowie Empfehlungen über eine sinnvolle Weiterverwendung zum Ende ihres Lebenszyklus geben. So fänden die Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zum Kunden – und wieder zurück zum Recycling oder zur Wiederverwendung. Dann würden 99 Prozent der mobilen Endgeräte nicht mehr in der klassischen Müllentsorgung verschwinden, sondern spezialisierten Logistikern signalisieren, wo man sie findet und wie man ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin, Kupfer, Aluminium und seltenen Metalle heben kann.

Man darf gespannt sein, wie der Gesetzgeber die hoheitlichen Aufgaben der Müllentsorgung gestalten wird, wenn gar kein Müll zur archaischen Beseitigung mehr anfällt. Das ist nur ein kleiner Aspekt, der in den Debatten über Digitalisierung stärker beachtet werden sollte.

Interessant dazu auch ein Interview auf der #Iffa in Frankfurt, also Leitmesse „Technology for Meat and Alternative Proteins„:

Interesse an #Klimapolitik geht zurück – Das ist keine gute Nachricht

Mikroklima verbessern – ein Projekt im oder am Hause Sohn

Zu viel Krieg, zu viele Krisen: „Die Menschen sind erschöpft von schlechten Nachrichten, sagt eine Studie“, so die FAS.

Referenz für den Beitrag von Anna Vollmer ist der neue „Reuters Digital News Report“. Für die Studie wurden über 93 000 Menschen in 46 Ländern zu ihrem Nachrichtenkonsum befragt. Die Pressemitteilung des Hamburger Hans-Bredow-Instituts, das den deutschen Teil der Studie durchgeführt hatte, trug den Titel: „Deutsche sind nachrichtenmüde“. Obwohl der Anteil derjenigen, die mehrmals pro Woche Nachrichten konsumierten, mit 92 Prozent laut Befragung noch immer sehr hoch ist, gaben nur 57 Prozent der erwachsenen Internetnutzer an, sich für die aktuelle Weltlage zu interessieren. Das waren zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

„Überraschend sind die Ergebnisse auch deshalb, weil die Mediennutzung in der Regel in Krisenzeiten spürbar steigt, Berichte über Corona und den Krieg werden viel gelesen. Aber offenbar führt das bei immer mehr Menschen irgendwann zu Ermüdungserscheinungen, zum Überdruss an der Berichterstattung über die immergleichen Themen, zur Erschöpfung durch die Menge der Nachrichten“, schreibt Vollmer.

Ein Thema, das laut Reuters-Studie gemessen an seiner Dringlichkeit erstaunlich wenig interessierte, sei der Klimawandel. Auf die Frage „Für welche der folgenden Arten von Nachrichten interessieren Sie sich gegebenenfalls?“ nannten nur 28 Prozent der 18- bis 24-Jährigen die Themen „Umwelt/Klimawandel“. Gleichzeitig ist in anderen Studien zu lesen, ein Großteil der Jüngeren sorge sich um die Zukunft.

An den Ergebnissen der Reuters-Befragung ist deutlich zu erkennen, dass der Grad der persönlichen Betroffenheit ein wichtiger Faktor für das Nachrichteninteresse ist. „Im globalen Süden, also in den Regionen, die den Klimawandel jetzt schon unmittelbar zu spüren bekommen, war das Interesse am diesem Thema am größten. Greta Thunberg mag aus Schweden kommen, doch ist das Interesse in ihrem Heimatland im Vergleich zu anderen Regionen verhältnismäßig gering. In Schweden haben die wenigsten Angst, ihr Zuhause durch Überflutungen zu verlieren. Auf den Philippinen fürchten das viele“, erläutert die FAS-Autorin.

Vielleicht sollte man weniger mit moralistischer Attitüde operieren. Ratsam wäre es zudem, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Nicht ständig Camouflage-Nebelkerzen zünden, sondern Dinge auch konkret realisieren. So sieht es auch Vollmer: „Anstatt sich also nur über den politischen Gegner aufzuregen, der einfach nicht das Auto stehen lässt, könnte man sich die Mühe machen, einfach mal nachzufragen, unter welchen Bedingungen so etwas denn vorstellbar wäre. Denn wer sich angesprochen fühlt, liest höchstwahrscheinlich auch wieder mehr Nachrichten. Und ist dann vielleicht auch bereit, über Veränderungen nachzudenken.“

Ich selbst versuche das durch Projekte wie der maximalen Begrünung meines Grundstücks, durch den Verzicht auf einen eigenen PKW, durch ein Plädoyer für Cloud-Belegschaften ohne PKW-Berufspendelei und dergleichen mehr. Aber ohne „Die-Leute-Aburteilungen“ als Hohepriester der ökologischen Wende.

R-Cycle: Kunststoffrecycling braucht endlich technologische Innovationen – Vom Nutzen digitaler Wasserzeichen – Sohn@Sohn-Roundtable-Podcast

Wachsende Müllberge, Klimawandel, eine drohende Energiekrise: Es scheint wichtiger denn je, dass der Wechsel von der Linearwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft gelingt. Doch von einer ressourcenschonenden Wirtschaft scheint die Welt noch weit entfernt. Das beweisen Kunststoffprodukte. 6,28 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle fielen 2019 allein in Deutschland an (Quelle: Umweltbundesamt). Das Problem: Ein Großteil des Kunststoffs landet in der Verbrennung. Nur 16 Prozent wird zu Rezyklat (Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung).

Einer der Gründe für die geringe Quote: Es ist bislang nur schwern möglich, aus dem Rezyklat wieder hochvollwertige Produkte herzustellen – jenseits von Müllsäcken oder dickwandigen Spritzgussteilen. Dafür trennen Sortieranlagen die Kunststoffe nicht sortenrein genug. Hersteller sehen oft noch keine Notwendigkeit in der Verarbeitung von Rezyklat gegenüber Neumaterial. Der politische und gesellschaftliche Druck nimmt aber zu.

Der Digitale Produktpass wird von Seiten der EU als technische Maßnahme zur Etablierung der Kreislaufwirtschaft gefordert, Rezyklatquoten werden vorgeschrieben und Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte. Das System der Verwertung (Aufbereitung und Einsatz der Rezyklate) muss sich in seiner Ausrichtung und Philosophie deutlich umstellen.

Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur die Entsorger von Kunststoffabfällen, sondern alle Abfallbranchen. Die Abfallverwertung muss sich quasi entgegen der Entsorgungsrichtung der Abfallmassenströme auf die Erfordernisse der Industrie ausrichten. Letztendlich gilt es, hochwertige sekundäre Rohstoffe zu produzieren, die möglichst weit den Eigenschaften der klassischen in der Produktion eingesetzten primären Rohstoffe entsprechen sollten, so dass weder an der Produktion noch an den Produkteigenschaften Änderungen vorgenommen werden müssen. Der Hersteller entscheidet sich, einen Anteil seiner Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft zu beziehen, da diese seine Spezifikationen erfüllen. Dies ist im direkten Austausch zwischen Aufbereiter, der Regranulate herstellt, und Produzent und damit für den Einzelfall zu erreichen.

Für den Aufbereiter bedeutet dies im zweiten Schritt, dass er seine Prozesse auf dieses Produktionsziel ausrichten muss. Dies bedeutet damit eine Optimierung der Technik, aber auch eine Definition der Zusammensetzung und Eigenschaften der Materialien, die er zur Aufbereitung übernimmt. Das diskutierten wir in einem Sohn@Sohn-Roundtable mit Experten aus dem Maschinenbau: Michael Baumeister, COO von Brückner Maschinenbau; Guido Frohnhaus, technischer Geschäftsführer von Arburg; Thomas Hartkaemper, CEO von Kautex Maschinenbau; Bernd Reifenhäuser, CEO der Reifenhäuser Group; Guido Spix, Group President der Multivac-Gruppe. Moderation: Gunnar Sohn.

Auch die Umweltministerien von Bund und Ländern haben einen Katalog vorgelegt, wie man das Kunststoffrecycling verbessern kann. Unser Roundtable kommt also genau zur richtigen Zeit.

Stefan Lang vom Fachdienst Euwid hat dazu folgendes berichtet:

„Wie kann das Recycling von Kunststoffen forciert werden? Zahlreiche Ideen dazu zeigt der Abschlussbericht der Sonderarbeitsgruppe ‚Rezyklateinsatz stärken‘ (RESAG) der Umweltministerkonferenz. Die Konferenz hat den Bericht zur Veröffentlichung freigegeben. Bis Ende Januar hatten über 120 Experten aus Wirtschaft, Forschung in zahlreichen Arbeitssitzungen unter Leitung der Umweltministerien aus Brandenburg und Baden-Württemberg an dem Abschlussbericht gearbeitet“, schreibt Lang.

Herausgekommen sei eine umfangreiche Vorschlagsliste für Maßnahmen, die den bisher zu spärlichen Einsatz von Kunststoffrezyklaten möglichst kurzfristig verbessern bzw. die stoffliche Verwertung von Kunststoffabfällen insgesamt stärken können.

Die ökologische Dimension des Kunststoffrecyclings ist erheblich: So vermeidet jede Tonne Recyclingkunststoff, die anstelle von Neuware zum Einsatz kommt, zwischen 1,4 bis 3,2 Tonnen CO2-Äquivalente. Das bedeutet, dass durch den Einsatz von Rezyklaten schon heute jährlich zwischen 2,7 bis 6,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in Deutschland vermieden werden. Als Vergleich: Dies entspricht ungefähr der zwei- bis dreifachen Menge an Treibhausgasen, die der gesamte innerdeutsche Luftverkehr erzeugt“, berichtet Euwid.

Gleich mit der ersten „Best of-Forderung“ werde ein heißes Eisen angefasst, an dem sich die vorletzte Bundesregierung bereits die Zähne ausgebissen hatte: „Die bundeseinheitliche Wertstoffsammlung. Vorgeschlagen wird eine gesetzliche Regelung, die ‚Kunststoffgesetz‘ oder ‚Rohstoffsicherungsgesetz‘ heißen könnte. Sie sollte als bundesweiter Standard Sondersammelmodelle und kreisindividuelle Lösungen ausschließen, jedoch bewährte von Herstellern getragene Rücknahmesysteme weiterhin berücksichtigen. In ergänzenden Vorschlägen zur Wertstofftonne werden die Ausweitung der Sammlungen und Sortierung auf stoffgleiche Nichtverpackungen im Rahmen der häuslichen Siedlungsabfälle und an vergleichbaren Anfallstellen genannt. Die Sortierung und Verwertung wird dabei an Mindestquoten für Kunststoffe gekoppelt. Zudem wird die Ausweitung der Systembeteiligungspflicht auf gewerbliche Verpackungen vorgeschlagen. Dadurch könne die komplexe Abgrenzung zwischen Verpackungen von vergleichbaren Anfallstellen und gewerblichen Verpackungen entfallen. Die Gretchenfrage, wer für die Entsorgung konkret zuständig sein soll, klammert die RESAG jedoch aus“, erläutert Euwid.

Wir werden das in zwei weiteren Roundtable-Gesprächen vertiefen – in Bonn und in Brüssel. Wer von der fachlichen Seite daran teilnehmen möchte, möge sich bei mir melden.

Podcast im Multistream:

Kreislaufwirtschaft bei Plastik: Eine unendliche Geschichte des Scheiterns #Roundtable

Als ich in den 1990er Jahren in der Recyclingwirtschaft tätig war, recherchierte ich mit einer Kollegin die Marktentwicklung für so genannte Rezyklate. Also für Regranulate, die man aus Plastikabfall gewinnt zur Herstellung von neuen Produkten. Das Ergebnis war ernüchternd. In der Regel wurden dickwandige Produkte aus den Sekundärrohstoffen gefertigt. Häßlich gestaltete Parkbänke, Rasengittersteine und Schallschutzwände. Und heute: Immer noch landet ein Großteil des gesammelten Plastikmülls in der Verbrennung oder wird rohstofflich verwertet. Im Ergebnis landen beide Verfahren im Schornstein von Müllverbrennungsanlagen und Hochöfen. Im Ausland auch auf Mülldeponien – eine tickende Zeitbombe für die Umwelt. Das Umweltbundesamt hat die Lage des werkstofflichen Kunststoffrecyclings eingehend analysiert. Ergebnis: Bisher fehlt bei vielen Herstellern die Bereitschaft, bei der Herstellung zumindest in Anteilen auf sekundäre Rohstoffe im Sinne der Rezyklate zurückzugreifen. So war die Lage auch schon in den 1990er Jahren.

„Es gibt keine objektive Notwendigkeit in der Industrie, sich mit dieser Frage ernsthaft zu beschäftigen oder sich gar über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu informieren.  Dies gilt noch weit mehr für die Frage des Produktdesigns. Das Design eines Produktes / einer Verpackung muss auf zahlreiche Anforderungen und Zielsetzungen ausgelegt werden. Die (umweltpolitischen) Rahmenbedingungen sind so gesetzt, dass eine recyclinggerechte Gestaltung des Produktes einen nur sehr geringen Stellenwert hat, wenn dieser Aspekt überhaupt in der Produktentwicklung eine Rolle spielt“, schreibt das UBA:

Das System der Verwertung (Aufbereitung und Einsatz der Rezyklate) sollte sich in seiner Ausrichtung und Philosophie deutlich umstellen. „Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur die Entsorger von Kunststoffabfällen, sondern alle Abfallbranchen. Die Abfallverwertung muss sich quasi entgegen der Entsorgungsrichtung der Abfallmassenströme auf die Erfordernisse der Industrie, in diesem Falle die Kunststoff verarbeitende Industrie, ausrichten. Letztendlich gilt es, hochwertige sekundäre Rohstoffe zu produzieren, die möglichst weit den Eigenschaften der klassischen in der Produktion eingesetzten primären Rohstoffe entsprechen sollten, so dass weder an der Produktion noch an den Produkteigenschaften Änderungen vorgenommen werden müssen. Der Hersteller entscheidet sich, einen Anteil seiner Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft zu beziehen, da diese seine Spezifikationen erfüllen. Dies ist im direkten Austausch zwischen Aufbereiter, der Regranulate herstellt, und Produzent und damit für den Einzelfall zu erreichen. Für den Aufbereiter bedeutet dies im zweiten Schritt, dass er seine Prozesse auf dieses Produktionsziel ausrichten muss. Dies bedeutet damit eine Optimierung der Technik, aber auch eine Definition der Zusammensetzung und Eigenschaften der Materialien, die er zur Aufbereitung übernimmt“, erläutert das UBA.

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat wohl ein Papier erarbeitet, wie man den Rezyklatanteil in der Produktion erhöhen kann. Da bekomme ich noch Infos.

Welche Hürden müssen überwunden werden? Preis für Neuware in der Regel niedriger als für Rezyklate. Hersteller greifen dann zur besseren Neuware, wenn der Kilopreis für PE, PP etc. niedriger liegt. Nachvollziehbar.

Auflagen der Lebensmittelsicherheit. Knappheit bei Hohlkörpern. Mischkunststoffe nicht vermittelbar – schlechte Qualität. Miniverpackungen, die direkt im Sortierrest landen – Milchdöschen und Co.

Zu diesem Thema gibt es Anfang Mai ein Roundtable-Gespräch mit Fachleuten aus der Verpackungsindustrie.

Was muss geschehen, um das Kunststoffrecycling zu verbessern?

Habt Ihr Ideen?