Allein über die Elektrifizierung der Taxiflotten können pro Jahr 750.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Weitere Flottenpotenziale gibt es im Handwerk, in Gesundheitswesen, natürlich in der Logistik und in vielen anderen Segmenten des gewerblichen Bereichs.
Wie es gehen kann, skizzieren wir in #DigitalXAdhoc am Beispiel #Zukunftstaxi.
Bis 2030 will Hamburg die CO2-Emissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Bis 2050 strebt die Stadt eine Emissionsminderung von mindestens 95 Prozent an, um Klimaneutralität zu erreichen. Gleichzeitig wird Hamburg an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst und so zu einer klimaresilienten Stadt werden.
Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, muss die Stadt in eine zukunftsfähige, sichere und bezahlbare Infrastruktur investieren. Dies erfordert den Umbau der städtischen Energieversorgungs-, Gebäude- und Verkehrsinfrastruktur und eine Transformation aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche. In dem im Dezember 2019 verabschiedeten Klimaplan legt der Senat erstmals sektorbezogene CO2-Minderungsziele und die erforderlichen Maßnahmen zu deren Erreichung fest. Als erstes Bundesland verpflichtet Hamburg damit die für die jeweiligen Sektoren verantwortlichen Fachbehörden, die erforderlichen CO2-Einsparungen durch eigene Maßnahmen zu erbringen.
Wie der erforderliche Transformationsprozess, das Erreichen der CO2-Minderungsziele in den Sektoren und die weitere Anpassung an den Klimawandel erfolgen sollen, veranschaulichen die vier Transformationspfade: Wärmewende / Gebäudeeffizienz, Mobilitätswende, Wirtschaft und Klimaanpassung.
MOBILITÄTSWENDE UND E-MOBILITÄT
Der Verkehrssektor steht bei der Reduktion von CO2-Emissionen vor massiven Herausforderungen. Er verursacht im Vergleich zum Basisjahr 1990 immer noch nahezu ein Drittel der städtischen CO2-Emissionen und wird weiterhin wachsen. Um die Hamburger Klimaschutzziele zu erreichen, müssen bis 2030 im Transformationspfad Mobilitätswende 1,4 Mio. t CO2 eingespart werden. Bis Mitte der 2020er-Jahre muss daher der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge im öffentlichen Raum und auf privaten Flächen intensiv vorangetrieben werden. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten ist ein Baustein der Hamburger Mobilitätswende. Der Umstieg der Hamburger Taxenflotte auf emissionsfreie Antriebe ist dabei ein wichtiger Punkt.
Neben den Ausgleichszahlungen für den betrieblichen Mehraufwand aus dem Hamburger Projekt „Zukunftstaxi“ kann ein Taxiunternehmer noch von weiteren Förderungen profitieren. Bis zu 9.000 Euro geben Hersteller und Bund dazu.
Über das Projekt #Zukunftstaxi unterhalten wir uns um 14 Uhr mit Thomas Sell von der Telekom:
Vor drei Jahren diskutierte ich mit Professor Lutz Becker und Professor Dr. Mahammad Mahammadzadeh über Klimaanpassungsstrategien in allen Facetten. Von der Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Klimapolitik bis zu Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Insbesondere wurden die unterschiedlichen Arten und Auswirkungen von Klimabetroffenheit sowie Optionen zur strategischen Umsetzung diskutiert.
Damals ist diese Fachdiskussion nur auf ein mäßiges Interesses gestoßen. Auch bei einigen, die jetzt andere Töne anschlagen.
Jetzt sollten die politische Verantwortlichen auf Experten wie Lutz Becker und Mahammad Mahammadzadeh zugehen und deren Rat für die notwendigen Weichenstellungen in der Klimapolitik einholen.
„Das Corona-Konjunkturpaket und der europäische Wiederaufbaufonds ermöglichen es, umfangreiche öffentliche Investitionen zu tätigen. Diese müssen in Infrastrukturen und Technologien fließen, die für ein klimaneutrales Land und Europa gebraucht werden“, fordert Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
„In der Krise brauch(t)en wir einen starken Staat, um die Lasten abzufedern und den Zusammenbruch von Existenzen und funktionsfähigen Strukturen zu verhindern. Im Frühjahr 2020 hat die Politik schnell, konsequent und zielgerichtet agiert.“
„Neben den kurzfristig wirksamen Maßnahmen sind das Zukunftspaket im Rahmen des Konjunkturprogramms aus dem Juli 2020 sowie die Einigung auf den europäischen Wiederaufbaufonds im Juli 2020 besonders bemerkenswert. Aus diesen Programmen stehen nun hohe Summen für öffentliche Investitionen zur Verfügung, um Wachstumsimpulse zu setzen und die Resilienz der europäischen Wirtschaft nach der Krise zu stärken.“
„Es gilt, die Digitalisierung voranzutreiben, das Bildungssystem zu stärken und vor allem die grüne Transformation zu beschleunigen. Schon zu Beginn der Krise gab es Befürchtungen, der Klimaschutz würde von der Coronakrise überrollt und der Zusammenhalt in Europa gefährdet. Beides hat sich nicht bestätigt.“
„Zentral für den Klimaschutz ist der rasche Ausbau der Energienetze sowie der Infrastruktur für die klimaneutrale Mobilität. Batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sollen in Zukunft unsere Straßen befahren. Kaufen werden sie die Menschen nur dann, wenn man sie auch laden oder betanken kann – und zwar überall in Europa.“
„Die Einrichtung rechtlich eigenständiger Investitionsfördergesellschaften könnte mittelfristig dazu beitragen, Planungs- und Verwaltungshemmnisse zu überwinden.“
„Eine umfassende Reformagenda muss die CO2-Bepreisung stärken und zum Leitinstrument der Klimapolitik machen, konsequent Abgaben und Umlagen in der Strombepreisung reduzieren, direkte und indirekte Subventionen fossiler Energien beseitigen, das Finanzierungsökosystem neu ausrichten – und vor allem globale Allianzen im Klimaschutz voranbringen.“
„Die intensiven Diskussionen um öffentliche Investitionen oder Förderung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Privatwirtschaftliche Investitionen müssen die tragende Säule der Transformation sein.“
Läuft es jetzt wie in den USA ab?
„Die Stützung der Konjunktur, die Komplettsanierung der Infrastruktur, der Kampf gegen den Klimawandel – und vor allem der Ausbau von Sozialleistungen kosten zunächst einmal sechs Billionen Dollar. Das sind fast 30 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Der Staat rückt in den USA wieder ins Zentrum von Gesellschaft und Wirtschaft. Statt der Ökonomisierung des Politischen, die Amerika in den vergangenen 40 Jahren erlebte, strebt Biden nun die Politisierung des Ökonomischen an. Setzt sich der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama durch, könnte er Amerika stärker verändern als der erste schwarze Präsident. Bidens disruptive Kraft ließe sich dann durchaus mit der seines Vorbilds Franklin D. Roosevelt vergleichen“, schreibt das Handelsblatt.
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt im Handelsblatt-Interview vor mehr Staat:
Frage: „Mazzucato schlägt auch vor, der Staat solle wie bei der Mondlandung 1969 „Missionen“ ausrufen, um so die Privatwirtschaft zu Höchstleistungen und damit zu Innovationen zu treiben. Eine berechtigte Forderung?“
Antwort von Schnitzer: „Solch ein Missions-Ansatz hat funktioniert, wenn es darum ging, einen Rückstand aufzuholen. Japan und Südkorea haben so ihre Autoindustrie vorangebracht. Auch bei großen Herausforderungen wie dem Klimawandel macht eine Mission Sinn, um Kräfte zu bündeln. Schwierig wird es aber, wenn der Staat Neues entwickeln und darüber entscheiden will, welche Firmen welche Aufgaben übernehmen sollen. Ein deutsches Google wird realistischerweise aus keinem der Unternehmen erwachsen, die es schon 100 Jahre gibt.“
Wir (@Sgechert und ich) haben heute einen kurzen @IMKFlash Kommentar veröffentlicht, wie ein steigender CO2-Preis am besten sozialverträglich kompensiert werden kann. Unsere Antwort: Ein Pro-Kopf-Klimabonus scheint die beste Alternative. 1/https://t.co/z6DVOFPh5P
Das sehe ich anders: wenn man die Einnahmen verwendet, um EEG-Umlage (& perspektivisch Stromsteuer) abzuschaffen bzw. zu senken, dann hat man einen positiven Zusatzeffekt: Anreize zur Sektorenkopplung. Da die Nutzung des zunehmend erneuerbaren Strom in den Sektoren Mobilität, …
Habt Ihr Fragen für das Livegespräch um 15 Uhr? Wir übertragen via YouTube, Facebook, Twitter und LinkedIn. Die Comments & Reactions Funktion von Ecamm Live fängt alle Postings auf den unterschiedlichen Plattformen im Multistream ein. Man hört, sieht und streamt sich am Nachmittag. Bis gleich.
In Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie und Forschung arbeitet und forscht das Fraunhofer IWKS an den Standorten Alzenau (Bayern) und Hanau (Hessen). IWKS steht für Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie, Zwei Gebäude wurden und werden jetzt eingeweiht, um die Forschungsarbeit in neuen Laboren und mit neuen Technologien voranzutreiben.
Da die Region über naturwissenschaftlich, materialwissenschaftlich und ingenieurtechnisch ausgerichtete Universitäten und Hochschulen verfügt, wurde mit dem Fraunhofer IWKS ein Zentrum eines Kompetenznetzwerkes für Ressourcenstrategie, Wertstoffkreisläufe und Substitution entwickelt, womit auch eine strukturelle Stärkung der Forschungslandschaft erreicht werden soll.
Zur Thematik Kreislaufwirtschaft findet Ihr ja auf ichsagmal.com einiges – sozusagen berufsbedingt.
Einen Ansatz beim IWKS finde ich besonders interessant: Die materialwissenschaftliche Komponente, die schon bei der Produktion ansetzt. Wiederverwertung und Wiederverwendung ist ja nur ein kleiner Teil der Kreislaufwirtschaft. Den anderen Teil hatte ich mal als Ökointelligenz der Produkte bezeichnet. Und da könnte auch die Digitalisierung helfen: Was passiert, wenn Produkte mit digitaler Öko-Intelligenz aufgeladen werden?
In der netzökonomischen Debatte sollten wir es nicht versäumen, uns auch mit dem Kern der Ökologie zu beschäftigen: Oikos war in der Antike die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Orientierung an der Nachbarschaft – verbunden mit dem Verzicht auf Supersysteme, die das Himmelreich auf Erden versprechen, sich aber kaum steuern lassen. Konzentriere Dich auf das, was Du selbst gestalten kannst. Übernehme Verantwortung für Dein eigenes Handeln und delegiere es nicht auf kommende Generationen.
So ist auch das politische Ziel zu verstehen, vollständig aus der Beseitigungswirtschaft auszusteigen und alle Deponien zu schließen. Damit verabschieden wir uns endgültig vom menschlichen Archetypus, Dinge nach dem Verlust individueller Wertschätzung einfach zu vergraben, zu verbrennen oder vor Altkleider-Container auszuschütten nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ökologische Anforderungsprofil für das 21. Jahrhundert hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) trefflich formuliert:
„Funktional, langlebig und damit kostengünstig, ressourcenleicht und emissionsarm, reparaturfreundlich, wiederverwertbar, risikoarm, fehlerfreundlich und rückholbar.“
Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um Dienstleistungen und soziale Innovationen wie Carsharing oder Repair Cafés. Wenn es gelingt, dass alle Gegenstände des Alltags im „Internet der Dinge“ digital vernetzt werden, könnte man sie auch mit ökologischer Intelligenz aufladen. Dann würden sie über ihre Herkunft und Ökobilanz informieren sowie Empfehlungen über eine sinnvolle Weiterverwendung zum Ende ihres Lebenszyklus geben.
So fänden die Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zur Kundschaft und wieder zurück zum Recycling oder zur Wiederverwendung. Dann würden 99 Prozent der mobilen Endgeräte nicht mehr in der klassischen Müllentsorgung verschwinden, sondern spezialisierten Logistikern signalisieren, wo man sie findet und wie man ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin, Kupfer, Aluminium und seltenen Metalle heben kann.
Man darf gespannt sein, wie der Gesetzgeber die hoheitlichen Aufgaben der Müllentsorgung gestalten wird, wenn gar kein Müll zur archaischen Beseitigung mehr anfällt. Das ist nur ein kleiner Aspekt, der in den Debatten über Digitalisierung stärker beachtet werden sollte.
Hier nun die von Sohn@Sohn produzierte Eröffnubngsfeier des IWKS in Alzenau:
Ein Herr Dr. Schäfer, Lobbyist der Textilindustrie, hat ein sehr metaphorisches Verhältnis zum Schaf. Denn in seinem ermüdenden Powerpoint-Vortrag im Bonner Beschaffungsamt stellte er sich vor einigen Jahren mit dem Foto eines Schafes vor (oben wählte ich eine Kuh – da bin ich an der Hand meiner Mutter abgebildet). Wie originell.
Früher weidete das Schaf in Deutschland und die Wolle wurde im eigenen Land verarbeitet. Von der Spinnerei, über die Weberei und Färbung bis zum Nähen. Dann wurden die Endprodukte verkauft. Heute sei ja alles so komplex, kompliziert und internationalisiert, sagte der Herr Schäfer.
Es seien so viele Akteure mit im Spiel, dass es sehr schwierig sein wird, einen nachhaltigen Einkauf sicherzustellen. Und wenn NGOs mit ihren Wünsch-Dir-was-Vorstellungen kommen, dann gewinnt man den Eindruck, hier gehe es gar nicht mehr um Wirtschaftlichkeit. Mit dem bunten Strauß an Vorschlägen, den die NGOs für die Nachhaltigkeit machen, bleibe der Gewinn auf der Strecke. Zudem sei das mit dem Vergaberecht auch so eine problematische Sache. Wenn der Staat das Anspruchsniveau anhebt, fallen die deutschen Anbieter weg.
„Verstärkt werden die Anreize zur Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland noch dadurch, dass die Verwendung von Robotern heute billiger ist als jemals zuvor. Die Rechnung ist einfach: Ein Unternehmen in Deutschland müsste einem deutschen Arbeiter viel mehr zahlen als beispielsweise einem aus China. Aber ein deutscher Roboter fordert überhaupt keinen Lohn, ganz zu schweigen von Sozialleistungen wie Krankenversicherung oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“, schreibt Marin.
In Indien arbeitet ein CAD-Entwicklungsingenieur für rund fünf Prozent des deutschen Gehaltsniveaus und zusätzlich ohne Arbeitszeitbegrenzung. Darüber hinaus erfolgt die Produktion der meisten Werkzeuge und Maschinen ohnehin schon in Asien. Das Roboter-Argument der Ökonomin geht also ins Leere.
Mit dem Lieferkettengesetz müsste auch international für eine internationale Durchsetzung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation gesorgt werden. Wenn der Druck aus Deutschland und anderen Ländern zunimmt, nimmt natürlich auch der Druck auf die Zulieferer der Zulieferer zu. Zudem gibt es in den vielen armen Ländern bereits NGOs, die Lieferketten durchleuchten und transparent machen.
Aber da gibt es ja noch das Schaf von Herrn Schäfer, das unter Kontrollverlust leidet. Gehen wir einmal von der These aus, dass man für das Schaf eine ordentliche Kostenrechnung in der Textilkette aufstellen könnte, etwa bei der Herstellung eines T-Shirts. Was wäre, wenn sich die bislang nicht berücksichtigten ökologischen und sozialen Kosten genau quantifizieren und zuordnen ließen? Das günstigste T-Shirt wäre dann jenes, dessen Produktion Umwelt und Gesellschaft am wenigsten schadet. Schnäppchen-Jäger würden dann, ohne es zu wollen, einen positiven Beitrag für die Nachhaltigkeit leisten. Es gibt mittlerweile internationale Indizes, die es möglich machen, diese Standards durchzusetzen. Ein Mausklick reicht heute aus, um soziale und ökologische Fehltritte öffentlich zu machen.
Wenn man sich das Lohnniveau in Indien und vielen anderen Ländern anschaut, bleiben die Kostenvorteile erhalten, auch wenn die Standards für ökologische und soziale Nachhaltigkeit angehoben werden. Frau Marin kann ja mal bei einem Zulieferer der Autoindustrie anrufen. Ich könnte ihr ein paar Telefonnummern geben.
Ich habe ja schon einige Male auf das Kollabieren der Altkleider-Sammlung hingewiesen und auf die Ursachen. Wenn man diesen Zustand als Indikator unserer Einstellung zum Klimaschutz und zur Umweltverschmutzung nimmt, dann gibt es doch ein gigantisches Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit.
Dosenpfand-Gewinntonne beim Discounter. Praktische Einrichtung: Direkt neben dem Rücknahmeautomaten steht eine Mülltonne für Einwegflaschen, die die Maschine nicht schluckt. Für den Verbraucher eine teure Angelegenheit. Pro Flasche verbleiben 25 Cent in der Kasse des Discounters.
Vor zehn Jahren schrieb ich folgenden Artikel: Während in Südafrika die besten Nationen um die Krone des Fußballs kämpfen und das deutsche Team sich in Top-Form präsentiert, verliert Deutschland den umweltpolitischen Titel des Mehrweg-Weltmeisters: „Klaus Töpfer, Angela Merkel und Jürgen Trittin. Sie alle wollten, dass die Deutschen zur wiederbefüllbaren Flasche greifen, dafür die Wegwerfprodukte stehen lassen. Der Mehrweganteil war 2003 auf 60 Prozent gesunken und sollte auf mindestens 72 Prozent steigen. Heute aber ist nicht einmal jede zweite Flasche eine Mehrwegflasche“, schreibt die Zeit-Redakteurin Laura Himmelreich. Aktuell erleben wir sogar eine Renaissance der ökologisch negativ bewerteten Dose. Schuld an der ökologischen Misere, da sind sich fast alle Branchenkenner einig, ist das schlecht konzipierte Pfand für Einweg-Getränke. Nachdem die Händler vor vier Jahren das Rücknahmesystem vereinfachten, können die Kunden ihre Flaschen in jedem größeren Geschäft abgeben. „Wie viel Pfand die Deutschen trotzdem verschenken, wissen nur diejenigen, die davon profitieren. Aldi, Lidl und Netto schweigen zu dem Thema“, schreibt Himmelreich.
Wenn nur fünf Prozent der 17 bis 18 Milliarden Flaschen und Dosen im Jahr verloren gingen, so die Rechnung von Laura Himmelreich, bliebe den Händlern ein Dosenpfand-Gewinn von über 200 Millionen Euro: Experten halten das für realistisch. Doch der Pfandschlupf sei nicht die einzige Einnahmequelle. Grundsätzlich erhalten Discounter mit jeder verkauften Pfandflasche einen kleinen zinslosen Kredit – Centbeträge, die sich auf Millionen summieren.
Entsorger sind im Vergleich mit Discountern Klosterbrüder
Das PET-Geschäft ist für die Discounter eine Goldgrube in mehrfacher Hinsicht: Da Pfandeinwegflaschen nicht mehr der Entsorgungspflicht über Gelbe Tonnen und Säcke unterliegen, sparen die Händler Lizenzentgelte in einer Größenordnung von 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr. Dann kommen noch die Millionenbeträge über nicht zurückgebrachte Pfandflaschen hinzu. Zudem verdienen Discounter über den PET-Wertstoffhandel rund 350 Euro pro Tonne. „Im Vergleich mit Discountern sind Entsorger sogar Klosterbrüder. Konnte man früher noch mit größeren Mengen auskömmliche Margen handeln, macht das PET- und Foliengeschäft mit dem Einzelhandel überhaupt keinen Spaß mehr“, weiß Sascha Schuh von der Bonner Unternehmensberatung Ascon http://www.ascon-net.de. Mittlerweile hätten die Discounter sogar eigene PET-Wertstofftöchter gegründet und beschleunigen den Konzentrationsprozess im lukrativen Handel mit PET-Sekundärrohstoffen. „Kaum ein Entsorger hat noch die Marktmacht, um solche Geschäfte zwischenfinanzieren zu können“, erläutert Schuh.
Aber nicht nur die traditionelle Entsorgungswirtschaft muss bluten. Auch die traditionell regional verankerten mittelständischen Hersteller und Mehrweg-Getränkehändler verschwinden vom Markt. Dabei versprach der frühere Umweltminister Jürgen Trittin mit der Einführung des Dosenpfandes nicht nur eine Stabilisierung der Mehrwegquote, sondern auch den Erhalt von rund 250.000 Arbeitsplätzen. Eine viertstellige Zahl an Arbeitsplätzen sei in der Getränkeindustrie mittlerweile weggefallen, kritisierte vor zehn Jahr die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.
Einweglobby begrüßt Ausweitung der Pfandpflicht
Die Warnsignale wurden in den vergangenen Jahren von der Umweltpolitik ignoriert mit dem Verweis auf eine in der Rechtsverordnung festgeschriebenen Überprüfung des Einwegpfandes,
Unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen werde sich der Trend in Richtung Einweg fortsetzen, stellte bifa 2010 fest. Einen Ausweg aus der Ex-und-Hopp-Falle kann das Umweltinstitut nicht bieten. Im Gegenteil: Das Dosenpfand-System wieder abzuschaffen sei keine Option. Die „Ausstiegskosten wären zu hoch“. Stattdessen schlägt man vor, die Pfandpflicht sogar auszuweiten und die Kennzeichnung von Einweg und Mehrweg zu verbessern, damit die Verbraucher beim Kauf von Getränken eine bessere Orientierung bekommen. Nachdenklich müssten die bifa-Umweltforscher und die Beamten des Umweltbundesamtes über die Resonanz auf die Vorschläge der Studie werden: Eine Ausweitung des Pfandes wird von den Einweglobbyisten der Kunststoffindustrie und Discounter mit Nachdruck unterstützt (das hätte die Experten auf der ökologischen Seite doch nachdenklich machen sollen).
Kennzeichnungspflicht kann Mehrweg nicht retten
An den Preissignalen wollten die Augsburger Wissenschaftler nichts ändern. Dabei liegt hier die Hauptursache für die ansteigende Einwegflut: „Den Verbraucher interessieren hauptsächlich die Einkaufspreise und nicht die Verpackungsart. Wenn der Liter Mineralwasser im Einwegsystem 19 Cent kostet, dann ist dem Kunden die Verpackung egal, wenn das gleiche Produkt im Mehrwegsystem teurer ist. Eine ökologische Lenkungswirkung über eine Kennzeichnung und Mehrwegkampagne zu erreichen, ist mehr als blauäugig. Vielmehr hätte sich der Verordnungsgeber viel früher des Mehrwegschutzes annehmen müssen und spätestens bei der fünften Novelle effektive Maßnahmen ergreifen sollen“, resümierte der Bonner Abfallexperte Sascha Schuh. Wenn an den Preisen nichts geändert werde, sei Mehrweg nicht mehr zu retten. Die Einführung einer Umweltabgabe auf Getränkeverpackung bleibe daher der beste und auch europarechtlich durchsetzbare Weg aus der Mehrwegkrise, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Das belege auch eine im vergangenen Jahr vorgestellte Studie des Öko-Instituts im Auftrag des NABU. Leider sei dieser Vorschlag vom Umweltbundesamt nicht ausreichend berücksichtigt worden. Stattdessen werde die Ausweitung der Pfandpflicht vorgeschlagen, die im Gegensatz zur vom NABU vorgeschlagenen Steuer keine Lenkungswirkung habe.
Eine Getränkeverpackungs-Steuer sei die einzige praktikable Lösung, um den weiteren Anstieg umweltschädlicher Einwegflaschen einzudämmen. Neben der Lenkungswirkung würde sie der Staatskasse sogar noch bis zu 3,3 Milliarden Euro jährlich an Einnahmen bringen.
Der Liter Mineralwasser verteuert sich nach dem NABU-Vorschlag in der Einwegflasche aus Plastik um 9,4 Cent, in der Mehrwegflasche aus Plastik dagegen nur um zwei Cent. Der Liter Saft im Getränkekarton erhielte einen Preisaufschlag von 3,3 Cent. Das bifa-Umweltinstitut hält Abgabenlösungen für politisch nicht durchsetzbar. Kritiker der UBA-Studie reagierten auf diese Schlussfolgerung mit Unverständnis. Hier würde ein Umweltinstitut wohl seine Kompetenzen überschreiten, um abzuwägen, was politisch durchsetzbar sei und was nicht. Der Vorschlag des NABU sei überhaupt nicht ausführlich in der Studie geprüft worden.
Soweit die Meldung vor zehn Jahren. Aktuell liegt die Mehrwegquote nur noch bei mageren 42 Prozent. Tendenz sinkend.
Die Brauereigruppen Bitburger, Krombacher, Radeberger und Warsteiner starten jetzt eine Initiative zur Etablierung eines neuen, geregelten Mehrweg-Flaschenpools für die 0,33 Liter Mehrweg-Glasflasche Longneck. Dazu wird eine neue Gesellschaft gegründet. Zielsetzung sei es, den nachhaltigen Mehrweg-Kreislauf in Deutschland zu stabilisieren und zu fördern. Nur das wird insgesamt für alle Getränkearten nur einen geringen Effekt haben. Die Mehrwegquote schmiert ab durch die aggressive Preispolitik der Discounter. So wird der Kuchen für die mittelständischen Mineralbrunnen-Betriebe immer kleiner. Gerade Mineralwasser zählte wie Bier immer zu den Paradebranchen bei Mehrweg. Die Folgen sind dramatisch. Der Mittelstand schmilzt ab, die Regionalität und die Produktvielfalt geht verloren. Es steigen die Insolvenzen und Unternehmensschließungen. Mehrweg braucht standardisierte Gebinde und kurze Vertriebswege. All das hat das Bundesumweltministerium in den Sand gesetzt. Auch das neue Verpackungsgesetz wird daran nichts ändern.
Köln, 2039. Zwanzig Jahre nach der letzten gemeinsamen #NEO19x treffen sich zwei Pioniere der Lehr-Lern-Konferenz – der frühere Wirtschaftsblogger Gunnar Sohn und der ehemalige Hochschullehrer Lutz Becker – auf der Terrasse des letzten Stadtcafés. Die Rheinland-Metropole ist wegen der sich in den Sommermonaten anstauenden Hitze praktisch unbewohnbar geworden. Nur die wenigen sturmfreien Tage im Spätwinter laden zum Aufenthalt im Freien ein. Aber vielleicht ist auch alles ganz anders.
Wenn ich mir die aktuellen Temperaturen anschaue, ein gar nicht mehr so utopisches Gespräch in dem Ende August erscheinenden Band #economists4future.
Im Laufe der Unterhaltung blickte ich auch auf verpasste Chancen in der Arbeitsorganisation zurück:
Gunnar: Solche Scheingefechte erschwerten damals auch die nötige Energie- und Verkehrswende. 67 Prozent der Berufspendlerinnen und Berufspendler fuhren damals in Deutschland mit dem Auto zur Arbeit, versauerten im Stau, den sie selbst verursachten, belasteten die Umwelt und ärgerten sich über den Verlust an Lebensqualität. Durchschnittlich saßen im Berufsverkehr nur 1,2 Personen pro PKW. Rund zehn Millionen Menschen waren täglich länger als eine Stunde unterwegs. Über sechs Millionen fuhren mehr als 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz. Wir hätten die Arbeit so viel schneller zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bringen können. Aber da musste erst die Corona-Pandemie kommen, um den Mainstream-Chefs zu zeigen, dass Homeoffice funktioniert. Nicht in allen, aber in vielen Sparten hätte es ein Lob der Immobilität gebraucht. Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier. Diese Zahlen waren bewiesen. Ich selbst hatte bereits 2019 mein Auto abgeschafft und kaufte mir auch kein E-Auto, das im gleichen Stau wie die Verbrenner gestanden hätte. Im Schnitt legten wir in Deutschland 16 Kilometer zum Arbeitsplatz zurück. Dabei können wir 20 bis 32 Kilometer pro Tag locker mit dem E Bike bewältigen – ohne ins Schwitzen zu kommen. Wenn wir von E-Mobilität reden, hätten wir stärker auf Fahrräder schauen müssen und nicht auf Autos.
Und Ihr solltet am Montag, um 14 Uhr der Debatte folgen, ob es sich beim Home Office um den Managementfehler des Jahres 2020 handelt oder wie oben geschildert, um verpasste Chancen bei einer radikalen Umorganisation des Arbeitslebens.
#NextTalk mit dem Digitalberater Thomas Knüwer, mit Dr. Josephine Charlotte Hofmann vom Forschungsbereich Unternehmensentwicklung und Arbeitsgestaltung Fraunhofer IAO, mit Mister HR Winfried Felser und mir.
Wir übertragen im Multistream auf YouTube, Twitter-Periscope, Facebook und LinkedIn. Einfach auf meine Profile gehen. Event auf YouTube schon angelegt. Die anderen Dienste starten dann just in time. Ihr könnt auf allen Plattformen mitdiskutieren. Über die Software Ecamm Live kann ich die Postings auf allen Diensten einfangen.