Digitale Technologien und transnationaler Dialog: Über ein europäisches Netflix nachdenken, eine Mediathek, in der Inhalte aus allen EU-Ländern verfügbar gemacht werden #EuropaKonferenz

Von Goethe bis zur Popkultur: Neue Ideen für Europa! Wie transnationale Kommunikation und Popkultur die Abendländerei überwinden können. Ein Blick auf die Visionen von Goethe und die Rolle der Intellektuellen heute.

Wie froh wäre Johann Wolfgang von Goethe gewesen, das grenzenlose und echtzeitige Netz für den transnationalen Dialog einzusetzen. Der Dichterfürst nutzte den Postweg. Aber auch hier gab es eine Besonderheit. Das Postmonopol war in privater Hand und galt als Grundpfeiler der vorindustriellen Modernisierung. Ihr „Erfinder“ Franz von Taxis wurde auf eine Stufe mit Christoph Kolumbus gestellt. Der damalige Provider „Thurn und Taxis“ gewährte Goethe ein Freibriefrecht. „Für Briefe von und an Goethe musste kein Porto bezahlt werden“, erwähnt der Literaturwissenschaftler Peter Goßens im Interview mit Sabria David, Kuratorin des Projektes „Streaming Egos“.

Dichterfürst als Social Web-Enthusiast

Goethe konnte so viele Briefe schreiben, wie er wollte. Mit dieser freien Kommunikationsform entwickelte er sich zum Netzwerker für den europäischen Diskurs. Es war die Triebfeder seines kosmopolitischen Humanismus, von dem sich die völkisch gesinnten Politiker rechter Parteien eine Scheibe abschneiden sollten. Heute würde Goethe dafür Facebook, Twitter, Periscope, Hangout on Air und einen Blog einsetzen. Damals nutzte er vor allem seine eigene Zeitschrift „Ueber Kunst und Alterthum“, um mit den „Literatoren“ Europas in Kontakt zu treten. „Neben seiner umfangreichen Korrespondenz, den Besuchern und Gesprächen, die zum Weimarer Alltag gehörten, war es vor allem das Projekt der Zeitschrift, die es dem alternden Goethe ermöglichte, ein virtuelles, aber durch seine gedruckte Form manifestes Kommunikationsnetz zu spannen und seine Wahrnehmung des weltliterarisch Bedeutsamen bekannt zu machen“, schreibt Goßens in seiner Habilitationsschrift „Weltliteratur“, erschienen im J.B. Metzler-Verlag. Goethe ging es darum, dass die gebildeten Menschen seiner Zeit miteinander darüber diskutieren, wie man altes Wissen in die neue Zeit rettet und ein neues gesellschaftliches Modell entwickelt:

„Wenn wir eine europäische, ja eine allgemeine Weltliteratur zu verkündigen gewagt haben, so heißt dieses nicht, dass die verschiedenen Nationen von einander und ihren Erzeugnissen Kenntnis nehmen, denn in diesem Sinne existiert sie schon lange, setzt sich fort und erneuert sich mehr oder weniger; nein! hier ist vielmehr davon die Rede, dass die lebendigen und strebenden Literatoren einander kennen lernen und durch Neigung und Gemeinsinn sich veranlasst finden gesellschaftlich zu wirken“, schreibt der Universalgelehrte in einem Grußwort an die Versammlung von Naturforschern und Ärzten im Jahre 1828.

Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung – Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit

Goethe schuf eine kleine, aber sehr einflussreiche europäische Öffentlichkeit. Er suchte und fand Verbündete für sein weltliterarisches Unterfangen zur Schaffung eines transnationalen Kommunikationssystems. Weltliteratur wird von Goethe nicht als Kanon definiert, sondern als Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung. Nicht die Lektüre literarischer Werke steht im Vordergrund, sondern die grundlegende Kenntnis der Kulturen anderer Länder. Der Dichterfürst verstand sich als Katalysator zur Herausbildung einer europäischen Leserschaft. Zu seiner Lieblingslektüre zählte dabei „Le Globe“, die sich nationalen Vorurteilen und kulturellen Hegemonie-Bestrebungen entgegenstellte. 

Sein Anliegen wurde von nationalistischen Bedenkenträgern als undeutsche Gesinnung ausgelegt. AfD, Pegida und Co. würden es heute wohl genauso formulieren. 

Mit seiner internationalen Netzwerkstärke konnte Goethe dieses Stammtisch-Gebrüll übertönen. Ähnliches erhofft sich Günther Rüther von den Intellektuellen unserer Zeit. Im 19. und 20. Jahrhundert waren es vor allem Kriege, die der europäischen Idee neue Kraft verliehen. Den Intellektuellen ging es dabei um die Überwindung nationalistischer Vorurteile, den Abbau von Hass oder Intoleranz und vor allem darum, verloren gegangene Freundschaften zwischen den Völkern erneut zu stiften, schreibt Rüther in seinem neuen Buch „Die Unmächtigen – Schriftsteller und Intellektuelle seit 1945”, erschienen im Wallstein Verlag. Europa brauche jetzt die Stimme der Intellektuellen. Sie müssen die Sprache der Macht und der Expertokratie dechiffrieren, um der europäischen Idee wieder Auftrieb zu geben.

Popkultur statt rückwärtsgewandter Abendländerei

Rüdiger Altmann, der frühere Berater von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, kritisierte bereits in den 1990er Jahren das schleichende Gift der rückwärtsgewandten „Ersatzideologien” unter dem Deckmantel der Abendländerei. 

Es sei die Aufgabe Europas, den Kulturkonflikt einer sich wandelnden Welt auszuleben und mit neuen Ideen zu überwinden. Welches sind die europäischen Ideen, die Europas Existenz heute ausmachen? Das kann nicht die Idee eines sich gegen die übrige Welt abgrenzenden Europas sein, das um seine Identität, auch um seine geschichtliche Identität, ringt. Die entscheidende Frage ist: Findet Europa den Mut, neue Ideen zu formulieren und auszuleben, die die ganze Welt angehen, also in diesem Sinne nicht spezifisch europäische sind? Auf diese Weise könnte Europa wieder jene Weltgeltung erlangen, die es früher gehabt hat.

Altmann betont dabei die Kraft der Popkultur. Die mediale Kultur habe einen großen Bedarf und Verbrauch an Ideen.

„Darin unterscheidet sie sich deutlich von der Kultur der Klassengesellschaft alten Stils. In gewissem Sinne ist sie unideologisch. Zugleich entfaltet sie in der Massengesellschaft ein Kommunikationsfeld von großer Kraft…” Genau das sollte von der europäischen Zivilgesellschaft ausgehen. Vielleicht ist die Popkultur ein veritables Mittel, den Nationalisten und Rassisten in den europäischen Staaten das Wasser abzugraben – in transnationalen Dialogformaten. Als Vorbild für den transnationalen Netz-Diskurs könnten Goethe und die von Sabria David geförderte Salonkultur sein. Die Dialogutopie der Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts war der Grundstein für Lesegesellschaften, literarische Salons und Debattierclubs. Allerdings mit den Restriktionen der örtlichen Verfügbarkeit.

Die Konvergenz der digitalen Technologien bewirkt neue Formen der Kommunikation. Was wir jetzt erleben, ist eine Abweichung von geschlossenen Medienformaten. Schon vor über 30 Jahren experimentierten die Kurd Alsleben und Antje Eske mit vernetzten Dialogen über HyperCards. Essentiell sei dabei die kulturelle Tiefe der Konversationen. Alsleben und Eske wollen die künstlerischen Qualitäten und die politische Dimension von sozialen Netzwerken im Internet abtesten. Es geht dabei um das mühsame Aushandeln von Positionen. Es geht um die Überwindung von Ressentiments und nationalistischen Vorurteilen. Eine aufgeklärte europäische Öffentlichkeit ist vonnöten, um den Vereinfachern und Verführern kein Spielfeld zu bieten, die mit simplen Antworten agitieren und zur Polarisierung anstacheln, um nicht komplexe Lösungen für komplexe Probleme anbieten zu müssen. 

Das wurde auch auf der Europa-Konferenz der Willy-Eichler-Akademie zum Thema „Wende in Europa: Ausblick auf eine neue Zeit“ aufgegriffen.

Die Frage, die im Raum stand: Wie können wir die Bürgerinnen und Bürger für Europa begeistern? Wie können wir der Jugend eine attraktive Perspektive bieten?

Die Diskussion wurde live übertragen und es gab Reaktionen aus dem Netz. Ein Nutzer auf Youtube kritisierte, dass viel geredet, aber zu wenig gehandelt wird. Die Sorgen der Menschen finden in Brüssel nicht ausreichend Gehör.

Ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, Eurotopics, versucht, das zu ändern. Es bietet täglich eine europäische Presseschau und dokumentiert, was wirklich in Europa passiert.

Das Auditorium der Konferenz war sich einig, dass Zuhören ein guter Ansatz ist. Es wurde hervorgehoben, dass fast jedes Thema einen europäischen Bezug hat, von hohen Lebensmittelpreisen bis hin zur Energiekrise. Im Panel schlug man vor, über ein europäisches Netflix nachzudenken, eine Mediathek, in der Inhalte aus allen Ländern verfügbar gemacht werden können.

white concrete building

Kampf gegen Camouflage: Das wahre Gesicht von Unternehmen – Livetalk mit Christoph Salzig auf der #ZukunftPersonal in #Köln

Direkt aus dem pulsierenden Herzen von Köln, der Heimat des 1. FC Köln, berichteten wir live von der Fachmesse Zukunft Personal. Im Gegensatz zu meinem Heimatverein Hertha BSC, spielt der Kölle noch in der 1. Bundesliga. An Stand F 42 stand Christoph Salzig, ein Mann, der keine Angst vor klaren Kanten hat.

„Was machst du zur Zeit, Christoph?“ frage ich. „Ich bin hier auf der Messe, um einen Kunden zu betreuen, der eine Studie vorgestellt hat. Ansonsten mache ich das, was ich immer mache: Ich beschäftige mich mit Kommunikation und versuche, Menschen, Unternehmen und Organisationen authentisch darzustellen. Wenn das nicht passt, gibt es für uns viel zu tun. Und das macht mir immer noch viel Freude.“

Christoph ist kritisch gegenüber der Social-Media-Kommunikation. „Es ist austauschbar geworden. Wenn wir heute auf LinkedIn schauen, sehen wir immer wieder die gleichen Selfies und Erfolgsmeldungen. Aber wenn man genauer hinschaut, sieht man oft, dass ein Ölwechsel dringend nötig wäre.“

Er findet es bedauerlich, dass die Realität in Unternehmen oft von der Darstellung in den sozialen Medien abweicht. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Entfernung von dem, was tatsächlich im Unternehmen passiert, zu groß ist. Und das finde ich sehr bedauerlich.“

Christoph sieht alte Strukturen und Machtverhältnisse, die sich schon vor Jahrzehnten etabliert haben, immer noch in Unternehmen. „Es ändert sich natürlich schon etwas, aber wenn man genauer hinschaut, sieht man wieder alte Muster.“

Er spricht auch über die junge Generation, die in die Arbeitswelt eintritt. „Sie wollen wissen, warum sie das tun und in welches Umfeld sie kommen. Sie wollen wissen, welche Aufgabe das Unternehmen in der Gesellschaft sieht.“

Christoph spricht über das Thema Vertrauenskommunikation und Glaubwürdigkeit. „Es spielt eine Rolle, wenn man erkennt, dass es einen Gegensatz zwischen dem, wie sich ein Unternehmen nach außen darstellt, und dem, was im Inneren passiert.“

Er kritisiert, dass Unternehmen oft mit Begriffswolken und Feigenblättern hantieren, um von der Realität abzulenken. „Ich glaube, dass es wichtig ist, eine klare Haltung zu haben und auch Schwäche zu zeigen. Das gehört dazu, wenn wir über Authentizität reden.“

Christoph sieht die Notwendigkeit für Unternehmen, Möglichkeiten zu schaffen, damit der direkte Kontakt zwischen den Mitarbeitenden auf allen Ebenen und über alle Abteilungen hinweg möglich bleibt. „Ich glaube, dass das Commitment der Mitarbeitenden höher ist, wenn sie die Haltung des Unternehmens klar erkennen können.“

Er spricht auch über die Vorteile von dezentraler Arbeit und die Notwendigkeit, soziale Kontakte zu pflegen. „Ich glaube, dass wir aufgefordert sind, flexiblere Arbeitsumgebungen zu schaffen und die Wege zu verkürzen.“

Gaming und Unternehmertum: Ein Gespräch mit Lars Immerthal

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Gaming als Schlüssel zum Erfolg in der Arbeitswelt? Ein Experte für Strategie und Organisationsberatung teilt seine faszinierenden Erkenntnisse über die Verbindungen zwischen Gaming und Unternehmertum. Erfahrt, wie Technologien die Strategie und Organisation von Unternehmen revolutionieren können und warum die Einbindung der Community entscheidend ist. Taucht ein in eine Welt, in der spielerisches Lernen und ungerichtetes Wandern die Zukunft der Organisationen prägen könnten.

Lars Immerthal, ein Stratege mit einem Faible für Gaming, sieht in Videospielen mehr als nur Unterhaltung. Mit einer Ausbildung in Philosophie und Wirtschaftswissenschaften, blickt er auf die Welt der Technologie und wie sie die Unternehmensstruktur verändert. Er sieht Gaming als eine spannende Linse, durch die wir Arbeit und Organisation anders betrachten können.

Gaming als Schlüssel zum Erfolg in der Arbeitswelt? Ein Experte für Strategie und Organisationsberatung teilt seine faszinierenden Erkenntnisse über die Verbindungen zwischen Gaming und Unternehmertum. Erfahrt, wie Technologien die Strategie und Organisation von Unternehmen revolutionieren können und warum die Einbindung der Community entscheidend ist. Taucht ein in eine Welt, in der spielerisches Lernen und ungerichtetes Wandern die Zukunft der Organisationen prägen könnten.

Gaming dreht sich nicht nur um die Erstellung von Spielen. Es geht um das Spielerlebnis, die kreative Interaktion mit der Community. Immerthal untersucht, wie Technologie die Unternehmensstrategie und -organisation beeinflusst. In einer Zeit, in der Wissen in Organisationen rasant wächst, sieht er Gaming als einen Weg, dieses Wissen auf spielerische Weise zu erschließen.

Die Digitalisierung hat eine Flut von Daten hervorgebracht, die schwer zu überblicken ist. Die traditionelle Planung reicht nicht mehr aus, um sich in einer unsicheren Welt zurechtzufinden. Hier kommt Unternehmertum ins Spiel. Unternehmer müssen lernen, mit Unsicherheiten umzugehen und sich in einer sich ständig verändernden Welt zurechtzufinden.

Immerthal betont die Bedeutung der Community-Einbindung in die Spielentwicklung. Ein Paradebeispiel ist Epic Games, das die Spieler aktiv in die Produktion von Fortnite einbezogen hat. Die Meinungen und Ideen der Community sind entscheidend für den Erfolg eines Spiels. Immerthal sieht dies als einen radikalen Ansatz, der alte industrielle Strukturen aufbricht und eine neue Definition von Community-Management ermöglicht.

Game Engines, die nicht nur für die Produktion von Spielen, sondern auch in anderen Branchen eingesetzt werden, sind ein weiterer wichtiger Aspekt. Unternehmen wie BMW nutzen Game Engines für das kollaborative Design von Autos, während andere sie für die Entwicklung von Prototypen oder Mensch-Maschine-Schnittstellen einsetzen. Dies führt zu einer Verschmelzung verschiedener Branchen und einer Konvergenz.

Allerdings warnt Immerthal, dass nicht alle Unternehmen die Community angemessen einbinden. Einige vernachlässigen die Bedürfnisse der Spieler und verlieren dadurch nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Ideen und Feedback. Einige Spiele setzen auf das „Play-to-Win“-Prinzip, bei dem Spieler durch Käufe im Spiel Vorteile erlangen können. Dies kann zu Frustration und einem Verlust des eigentlichen Spielvergnügens führen. Immerthal betont die Bedeutung eines ausgewogenen Ansatzes, der die Community respektiert und nicht nur auf monetären Gewinn abzielt.

Die Gaming-Industrie bietet eine spielerische Art, die Welt der Organisation zu erschließen. Dabei geht es nicht nur um bunte Fantasiewelten, sondern auch um interessante Aspekte des ungerichteten Wanderns. Amazon hat beispielsweise das ungerichtete Wandern als Thema für ihr Geschäftsgebiet im Jahr 2018 gewählt. Sie ermutigen ihre Händler, durch das Wandern neue Entdeckungen zu machen. Dieses Konzept wurde auch von dem Philosophen Michel Serres aufgegriffen, der von einem ungerichteten Umherschweifen spricht. Dabei geht es darum, komplexe Informationen auf spielerische Weise zu erfassen.

Ein Beispiel dafür ist das Spiel FIFA, bei dem es 17.000 Spieler und 7.100 Mannschaften gibt. Es ist unmöglich, all diese Informationen auswendig zu lernen. Stattdessen nutzen die Spieler den spielerischen Modus, um ihr Wissen über die Spieler und Mannschaften zu erweitern. Ähnlich wie beim Handeln an der Börse bewerten sie die Spieler und handeln mit ihnen. Dadurch lernen sie die Spielwelt intensiver kennen, als wenn sie einfach nur Daten auswendig lernen würden.

Früher gab es Handbücher für Videospiele, die immer dicker wurden, je komplexer das Spiel war. Heutzutage kann man viele Spiele ohne Handbuch spielen und die Spielwelt spielerisch erkunden. Man läuft herum und entdeckt Hinweise und Anhaltspunkte, die einem den Weg weisen. Manchmal gibt es sogar Spiele, bei denen man komplett frei ist und keine Hinweise bekommt. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn neue Mitarbeiter in Unternehmen spielerisch ihre Arbeit kennenlernen würden, anstatt ein Handbuch zu lesen. Das wäre eine völlig neue Art des Lernens und würde die Organisationen verändern.

Diese spielerische Herangehensweise kann nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der Ausbildung und an Hochschulen angewendet werden. Es gibt bereits Studiengänge, die sich mit Gaming beschäftigen, wie zum Beispiel an der Hochschule Fresenius. Es gibt Unternehmen, die erkannt haben, dass Gaming ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist und dass dort Fähigkeiten entwickelt werden, die in Zukunft relevant sein können. Doch leider gibt es noch nicht genug Offenheit in der Branche des Personalmanagements, um Führungskräfte aus dem Gaming-Bereich zu rekrutieren.

Es gibt jedoch Unternehmen, die bereits erkannt haben, dass Gaming eine wichtige Rolle spielt. Zum Beispiel gibt es Versicherungen, die den DFB-Pokal in FIFA austragen, oder einen Fensterhersteller in Österreich, der ein eigenes eSports-Team hat. Diese Unternehmen wissen, dass diejenigen, die heute spielen, in einigen Jahren ihre Kunden sein werden.

Es gibt also bereits positive Ansätze, aber es muss noch mehr passieren. Es ist wichtig, dass Unternehmen und Personalchefs verstehen, welche Fähigkeiten durch Gaming entwickelt werden können und wie diese in der Arbeitswelt genutzt werden können. Es wäre interessant, dieses Thema weiter zu erforschen und mit Personalchefs von größeren Unternehmen darüber zu diskutieren. Auf der Zukunft Personal sollten wir das aufgreifen.

Neue Berufe in der digitalen Ära: Der Human Machine Integration Manager – Interview mit Miriam Meckel @mmeckel #ZukunftPersonal

Miriam Meckel, Mitbegründerin und CEO von ada Learning GmbH, einem Start-up für Weiterbildung in Technologie- und Zukunftskompetenzen, spricht über die Auswirkungen der generativen KI auf die Arbeitswelt. Live aus Köln Deutz, auf der Zukunft Personal, teilte sie ihre Einsichten.

Die Zukunft der Arbeit ist ungewiss. Studien prognostizieren, dass weltweit 300 Millionen Arbeitsplätze durch Automatisierung ersetzt werden könnten. Doch Meckel glaubt, dass nicht alles automatisiert, sondern angereichert wird. Sie sieht die Notwendigkeit, die Verbindung von menschlicher und künstlicher Intelligenz zu lernen und zu nutzen. Sie betont, dass jede Branche, mit Ausnahme einiger Handwerksberufe, von dieser Entwicklung betroffen sein wird.

Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten ist real, aber Meckel weist darauf hin, dass neue Technologien auch neue Arbeitsplätze schaffen. Sie sieht die Chance, dass wir mehr Jobs haben werden, trotz der Arbeitsplätze, die wegfallen. Sie spricht von neuen Berufen wie „Human Machine Integration Manager“, die sich um die optimale Zusammenarbeit von menschlicher und künstlicher Intelligenz kümmern. Meckel diskutiert auch die Rolle der KI bei der Textbearbeitung und betont die Bedeutung der Individualität im Schreibstil. Sie sieht die KI als hilfreiches Werkzeug, das uns von unerwünschten Aufgaben befreien kann.

Die Entwicklung hin zu einer „Antwortmaschine“ sieht Meckel als positiv, aber sie hat Bedenken hinsichtlich der Kuration von Informationen. Sie betont die Bedeutung der menschlichen Fähigkeit, Informationen zu kuratieren und zu vergleichen. Meckel spricht auch über die Rolle der Originalität in der Datenproduktion und die Bedeutung von unerwarteten Inhalten und Wendungen für die Funktionalität des Systems. In Bezug auf die Technologietrends und das Verhältnis zwischen den USA und Europa sieht Meckel Europa im Rückstand. Sie kritisiert die mangelnde Initiative und Zusammenarbeit in Europa und Deutschland und fordert eine ehrlichere Herangehensweise. Meckel betont die Notwendigkeit einer konzentrierten Förderung und kritisiert die kleinteilige Herangehensweise in Deutschland. Sie fordert eine Bundesinitiative, die auf wenige, aber vielversprechende Projekte setzt.

Digitaler Staat in Sicht? Noch lange nicht!

Resonanz auf die #EuropaKonferenz in #Berlin – Einige Sessions gingen durch die Decke #WilliEichlerAkademie @ConstantinSohn @politchecker @marc_saxer @misik @mevsch54 @StaderWK70SPD

Das Livestreaming-Team: 14 OCT 2023, BERLIN/GERMANY: Europa Konferenz der Willi-Eichler-Akademie und der European Academie Berlin „Wende in Europa: Ausblick auf eine neue Zeit“, Europäische Akademie Berlin, IMAGE: 20231014-01 NUTZUNGSRECHTE: Zeitlich und räumlich unbegrenzte Nutzungsrechte in Print- und Onlinemedien der Willi-Eichler-Akademie e.V., sowie das Recht zur unbegrenzten Weitergabe dieser Nutzungsrechte an Dritte. Foto von Marco Urban https://www.marco-urban.de/

Resonanz auf Twitter-X: 

Multipolare Welt 670 Zuschauer, lange Zeit Tabellenführer, bis zur Abschluss-Session: https://twitter.com/gsohn/status/1713094889800716487

Letzte Session am Sonntag hatte 1.391 Zuschauer – Rekord!!!!! https://twitter.com/gsohn/status/1713464848330440887

Moralische Überlegenheit 220 Zuschauer https://twitter.com/gsohn/status/1713200660987191396

Koloniale Denkmuster 149 Zuschauer https://twitter.com/gsohn/status/1713170294108831966

Krisen des neuen Europas 69 Zuschauer https://twitter.com/gsohn/status/1713125061794885856

Panel-Diskussion mit Abgeordneten 297 Zuschauer: https://twitter.com/gsohn/status/1712865118726611344

Eröffnung 140 Zuschauer: https://twitter.com/gsohn/status/1712846133331161131

Alle Livestreams – also Multistreams – pro Session auf ichsagmal.com mit 23.000 Abonnenten.

Auf LinkedIn liegen wir insgesamt bei 4.317 Impressions für das Wochenende. 

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Gemeinsame Werte und autoritäre Versuchungen in Europa: Eine Debatte um Zukunftssicherung

Vorbericht zur Europa-Konferenz in Berlin, die vom 13. bis 15. Oktober stattfindet.

In der aktuellen Folge von Sohn@Sohn-Adhoc spricht der renommierte Journalist und politische Schriftsteller Robert Misik über Probleme, mit denen das moderne Europa konfrontiert ist. Er betont die weitverbreitete Krisenhaftigkeit in den nationalen Demokratien, die von Gereiztheit, Populismus und rechtsextremen Tendenzen geprägt sind.

Ein weiterer Aspekt ist die geopolitische Situation, insbesondere der Überfall Russlands auf die Ukraine und die damit einhergehende Radikalisierung und autoritäre Entwicklung. Misik argumentiert, dass Warnungen und Hinweise aus osteuropäischen Ländern, die näher an der Situation waren, nicht ausreichend beachtet wurden. Das dritte Thema in diesem Zusammenhang ist die Frage, ob der eiserne Vorhang immer noch in den Köpfen der Menschen existiert. Gunnar Sohn gibt in dem Gespräch zu, dass er Putin falsch eingeschätzt und seine Tendenzen zum Totalitarismus unterschätzt hat. Er war der Meinung, dass diplomatische Gespräche möglich seien, doch die Realität des Krieges gegen die Ukraine habe ihn eines Besseren belehrt. Misik stellt die Frage nach den Konsequenzen für Europa.

Die Krisen, mit denen das moderne Europa konfrontiert ist, sind vielschichtig. Einige haben bewusst eine kritische Haltung gegenüber Russland eingenommen und argumentieren, dass ein so großes Reich nicht demokratisch regiert werden kann. Andere haben nur oberflächlich hingesehen und kaum von Ereignissen wie den Demonstrationen 212, dem Maidan und der Krimbesetzung Notiz genommen. Die Frage ist, wie man in einer Situation mit einem massiven strategischen Dilemma umgeht. Experten warnen sogar davor, dass die Ukraine diesen Krieg verlieren könnte. Die Fronten bewegen sich kaum, aber viele Menschen verlieren ihr Leben. Wenn Putin nur sieben Kilometer erobern würde, könnte er den Krieg symbolisch als Sieger verlassen. Dann stellt sich die Frage, wie wir mit Russland umgehen sollten. Eine Isolation wie bei Nordkorea ist keine Option, da Russland zu groß und zu bevölkerungsreich ist. Es gibt keine einfache Antwort darauf. Auf der einen Seite gibt es sicherheitspolitische Fragen innerhalb der Europäischen Union, auf der anderen Seite ist die NATO ein Hoffnungsträger. Es stellt sich die Frage, ob wir uns nur auf die Stärken der NATO verlassen oder auch eine eigenständige Sicherheitspolitik in der Europäischen Union betreiben sollten. Europa ist nicht gleichbedeutend mit der NATO. Es ist schwierig zu beantworten, wie wir das ausbalancieren können.

Von der NATO-Perspektive aus betrachtet, ist Europa bereits durch die NATO abgesichert, aber wir müssen uns auch fragen, wie sich die transatlantische Dimension entwickelt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die USA unter einem neuen Präsidenten aus der NATO austreten oder ihre Verpflichtungen reduzieren. In Europa gibt es Mitgliedsstaaten, die sich angesichts der Bedrohung durch Russland unsicher fühlen. Wir sollten auch über eine neue europäische Sicherheitsordnung und einen möglichen Helsinki-Prozess mit Russland nachdenken. Leider fehlt es in der Außenpolitik an Kompetenz und Visionen. Wir stehen vor vielen Herausforderungen, wie der Eskalation zwischen China und den USA im Pazifikraum sowie den Konflikten im Nahen Osten. Es ist schwierig, eine positive Utopie zu haben, aber wir müssen diplomatische Lösungen suchen und Spannungen entschärfen.

Wenn wir den Konflikt im Nahen Osten betrachten, erkennen wir, dass er nicht nur durch den jahrzehntelangen Konflikt und die Radikalisierung der Hamas in Gaza ausgelöst wurde, sondern auch durch geopolitische Interessen. Die Unterstützung der Hamas durch den Iran und möglicherweise auch Russlands Interesse an der Eskalation des Konflikts spielen hierbei eine Rolle. Es wird deutlich, wie unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Bei der Diskussion über die Sicherung der Zukunft durch Rückbesinnung auf gemeinsame Werte stellen wir fest, dass es im Westen eine gewisse Verwirrung gibt, die mit einer Art westlichem Selbsthass einhergeht. Dennoch sind die Werte von Pluralismus, Demokratie und Liberalität von großer Bedeutung und es gilt, sie gegen äußere und innere autoritäre Versuchungen zu verteidigen. Außerdem müssen wir Überzeugungsarbeit leisten und in den Dialog treten, um Verständnis für die verschiedenen politischen Kulturen in Europa zu entwickeln. Politische Bildung und ein Verständnis für Komplexität sind hierbei wichtige Aspekte.

In Bezug auf die deutsche Politik zeigt sich, dass die AfD bei den letzten Wahlen zwar einen gewissen Zustimmungsgrad erlangt hat, aber auch 80 Prozent der Menschen diese Partei nicht unterstützen. Es gibt jedoch ein Problem damit, dass selbst Politiker, die die Komplexität verstehen, oft nicht in der Lage sind, damit umzugehen. Das liegt daran, dass Demokratien regelmäßig Wahlen haben und Politiker alle vier Jahre wiedergewählt werden müssen.

Das liegt daran, dass Demokratien regelmäßig Wahlen haben und Politiker alle vier Jahre wiedergewählt werden müssen. Dadurch konzentrieren sich Politiker oft auf kurzfristige Probleme und haben nicht genug Aufmerksamkeit für langfristige Herausforderungen. Es gibt auch eine endemische Krisenhaftigkeit, von der wir seit einiger Zeit betroffen sind, wie die Corona-Krise, Inflationskrise, Wirtschaftskrise und der mögliche Zusammenbruch ganzer Branchen. Es ist schwierig, eine positive Utopie zu haben, aber wir müssen diplomatische Lösungen suchen und Spannungen entschärfen.

Insgesamt betont Misik die Notwendigkeit, ein tiefes Verständnis für die komplexen Herausforderungen Europas und der Welt zu entwickeln und diplomatische Lösungen zu suchen. Er spricht auch über die Bedeutung von politischer Bildung und einem Verständnis für Komplexität. Die Europakonferenz wird als eine Möglichkeit angesehen, sich mit anderen Experten und Rednern auszutauschen und neue Perspektiven zu erhalten.

Misik erwähnt auch sein Buch „Politik von unten“, das sich mit dem Comeback der Sozialdemokratie und den Herausforderungen europäischer Sozialdemokratien befasst.

Der Sohn@Sohn-Workflow für Live-Kommunikation – Man kann uns buchen :-)

Auf der Rückfahrt von der Zukunft Personal Süd von Stuttgart nach Bonn sinnierten Sohn@Sohn, also Constantin Sohn und Gunnar Sohn, über neue Projekte. Ein Dauerbrenner: Wie erläutern wir unsere Agenturarbeit besser. Einen Versuch kann man auf unserer Website nachlesen unter https://gunnarsohn.com/. Auszug: „Seit über 17 Jahren entwickeln wir redaktionelle Konzepte für die Live-Kommunikation in allen Facetten. Weit entfernt von den ersten Gehversuchen mit Logitech und Co. sind wir nun mit einer technischen Ausstattung unterwegs, um Bewegtbild und Audio professionell zu produzieren, zu moderieren und zu kuratieren.

Wir sehen uns nicht als reiner technischer Dienstleister, sondern als redaktionell-technisch-digitaler-Social-Web-Dienstleister.

Also so eine Art Schweizer Taschenmesser der Live-Kommunikation. Remote, hybrid, im Reportagestil, schnell und präzise (durch Constantin Sohn, dem Meister der Regie), antizipierend, orientiert am Agenda-Setting . Uns gelingt es häufig, gute Statements in Interviews heraus zu kitzeln, die Atmosphäre des Live-Geschehens einzufangen und die Basis zu leisten für gelungene Formate: Für Unternehmen, Medien, staatliche Organisationen, Wissenschaft, Verbände, Initiativen und dergleichen mehr.“ 

Soweit die Erklärung unserer Arbeitsweise. Ein wenig fließen die beruflichen Stationen ein, die Sohn Senior zurückgelegt hat: Wirtschaftsjournalismus, Leitungsfunktion in einem politischen Think Tank, demoskopische Wochenberichte für das Bundeskanzleramt, Kennenlernen der Meinungsforschung in den USA, Arbeit als Pressesprecher und als Leiter der Unternehmenskommunikation, Gründung eines Online-Magazins 1998 und Start des ichsagmal.com-Blogs 2009 zählen dazu. Sohn junior punktet mit Informatik-Studium, professionelle Gaming-Historie, E-Musik-Kompositionen, Kenntnissen in Künstlicher Intelligenz und mit einem tiefen Verständnis von Regie, Livestreaming-Software, Bildgestaltung via Canva und dergleichen. 

Auf der Zukunft Personal konnte das live im Messe-TV-Studio beobachtet werden. Den Workflow hat Constantin wie folgt dargestellt: 

Einen weiteren Baustein für die Erläuterung unserer redaktionellen Arbeit für Kunden soll ein „Lexikon des Livestreamings“ erbringen. Während der Rückfahrt sammelten wir für fast jeden Buchstaben des Alphabets bereits ein Thema.

A für Agenda-Setting. In der kurzen Version: 

Je häufger ein Thema in der medialen Berichterstattung auftaucht und je auffälliger es dabei hervorgehoben wird, beispielsweise als Aufmacher in Online- und Printmedien oder als erster ausführlicher Filmbeitrag einer Fernsehnachrichtensendung, desto eher kommt der Rezipient zu der Überzeugung, dass dieses Thema tatsächlich von Bedeutung ist. Je länger ein Thema in den Medien präsent ist, umso bedeutender erscheint es den Medienkonsumenten. 

Nachzulesen in der Nachrichtenwerttheorie von Michaela Maier, Joachim Retzbach, Isabella Blogger und Karin Stengel. 

Bei M kamen wir auf Thomas Mann, mit dem man 1929 einen der ersten Tonfilme aufnahm. Der Schriftsteller analysierte in diesem historischen Dokument brillant die bevorstehende größte Revolution des Zeitalters der Massenmedien:

„Da ich hier sprechen soll, ist es begreiflich, dass ich mir Gedanken mache über die Eigentümlichkeit und den Reiz einer Situation, in die ich ganz überraschend gekommen bin – und zwar durch die gütige Vermittlung der Berliner Lessing-Hochschule, die ich denn doch dankend erwähnen möchte. Ich erinnere mich dabei einer anderen Lebenslage, die nun schon eine ganze Reihe von Jahren zurückliegt, und der heutigen verwandt war, wenn sie ihr wohl auch noch nicht ganz gewachsen gewesen sein mag. Das war damals, als ich zum ersten Mal – es war vielleicht einige Monate nach dem Kriege – für den Rundfunk einen Vortrag hielt und zwar auf Einladung des Südwestdeutschen Rundfunks in Frankfurt am Main. Das Gefühl, das ich damals hatte, wiederholt sich heute in verstärktem Maße. Ich erlebte es damals zum ersten Mal, dass das Publikum, zu dem ich sprach, nicht in sinnlicher und gesellschaftlicher Gegenwart sich vor mir befand, nicht durch die vier Wände eines Saales zusammengefasst, sondern dass es unsichtbar, unhörbar, weit über die ganze Welt hin zerstreut, meinen Worten zuhörte, die mir beim Sprechen von Zeit zu Zeit einfielen. Heute nun aber ist dieses Publikum, zu dem ich spreche, nicht nur räumlich von mir getrennt, sondern es ist in der Zeit von mir entrückt. Und ich spreche zu einem zukünftigen Publikum in die Zeit hinein. Das ist das Phantastische und Exzentrische, fast möchte ich sagen, das ich in dieser Situation empfinde.“

Als audiovisuellen „Urknall unserer Literatur“ betitelte die FAZ diesen einmaligen Fund unter der Signatur „Archivgut 20520“, das im Bundesarchiv ausgegraben wurde. Es ist der erste und einzige Tonfilm eines deutschen Dichters vor 1933.

Es war noch die große Zeit des Stummfilms, die sich in den zwanziger und dreißiger Jahren so langsam dem Ende zuneigte. Etwa die Werke von Buster Keaton: Der General (1926) und Steamboat Bill junior (1928). Oder von Charles Chaplin: Lichter der Großstadt (1931), Moderne Zeiten (1936).

Zeugnisse einer öffentlichen Wirkung von Thomas Manns feierlichen „Beitrittsakt zur multimedialen Moderne“ gibt es übrigens nicht. Wahrscheinlich war das Ganze nur ein Experiment. Umso erstaunlicher ist die Weitsicht des Schriftstellers über die Wirkung audiovisueller Aufzeichnungen:

Es geht um die Anwesenheit der Abwesenden oder um die Kommunikation für Abwesende, wie es Hannes Schleeh und Sohn Senior in dem Buch „Live Streaming mit Hangout On Air: Techniken, Inhalte & Perspektiven für kreatives Web TV“ beschrieben haben: Bis in die dreißiger Jahre wurde im Radio ausschließlich live gesendet. Aufzeichnungsmöglichkeiten bot damals allein die Schallplatte.

Im Filmstudio gesellte sich zur räumlichen Radio-Erfahrung des Schriftstellers sofort die Erkenntnis von der Verewigung.

„Das ist die Schlüsselsentenz dieses ersten Tonfilm-Moments eines deutschen Dichters. Dass Thomas Mann diese Reflexion simultan mit einem Geschehen entwickelt, das er als Akteur gerade in Gang setzt, dessen Kamera- und Aufzeichnungsobjekt er aber gleichzeitig ist, spricht für seine stupende und spontane intellektuelle Präsenz“, so die FAZ.

Thomas Mann war sich der epochalen Bedeutung des neuen Mediums bewusst. In der zweiten Version seiner kurzen Rede, die in der DVD-Edition des Doku-Dramas „Die Manns. Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer veröffentlicht wurde, formuliert er die Schlüsselsentenz präziser und hellseherisch:

„Die heutige Lage nun überbietet in gewisser Hinsicht die damalige, da es sich heute nicht nur um ein im Raume fernes Publikum handelt, zu dem ich spreche, sondern sogar um eines in der Zeit von mir entferntes. Ein Publikum, das eines Tages, der noch nicht da ist, mich so sehen wird, wie ich jetzt sitze und spreche, und mich so hören wird, wie ich mich heute in die Zukunft hinein zu ihm äußere.

Im Buchkapitel „Social TV und die Kultur der Beteiligung“ unseres bei Hanser veröffentlichten Livestreaming-Buches nennen wir das „Die Flaschenpost an die Zukunft“: Die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Oder wie es Hannes Schleeh in einigen Bloggercamp.tv-Sendungen formulierte:

„Ich begrüße alle Zuschauer im Hier und Jetzt und ganz besonders jene, die uns in der Zukunft sehen werden!“

Dieses Prinzip der Verlängerung von Content in die Zukunft bleibt relevant und wird dennoch häufig vernachlässigt.

Nicht so bei Sohn@Sohn, wie man an dem Blogpost auf ichsagmal.com erkennen kann: „Sohn@Sohn: Über die Livestreaming-Kunst ohne Ü-Wagen und ohne XXL-Technikteam: 29 Sessions in zwei Tagen auf der Zukunft Personal Süd #ZPSüd„.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz im Geiste von Thomas Mann. 

Von dem „Lexikon des Livestreamings“ wird es eine Vorzugsausgabe in gebundener Form geben und die Möglichkeit, Sohn@Sohn remote als Team für ein Live-Format einzusetzen. Mit allem, was dazu gehört. Social-Web-Begleitmusik, Event-Seite auf LinkedIn etc. Preis 500 Euro zzgl. MwSt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Zuschrift unter gunnareriksohn@gmail.com

Erste Bestellungen liegen schon vor. Jetzt müssen Sohn@Sohn noch das Opus fertig stellen. Wir werden das in diesem Jahr noch schaffen. Interessiert an einer Zusammenarbeit. Dann ruft uns an unter 0177-6204474 oder schickt uns eine E-Mail: constantin.sohn@gmail.com oder gunnareriksohn@gmail.com.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz.

Ich brauche dringend Likes oder Daumen hoch: #DIGITALX goes #Viral, eine #Idee mit #GinDeCologne @WinfriedFelser

Winfried Felser hat auf LinkedIn einen Wettbewerb gestartet:

#DigitalX Wer gewinnt mit den meisten Likes auf ihrem / seinem DIGITAL X Foto den Influencer-Preis von 1 von 10 #GinDeCologne (nicht der beste Gin, aber der mit dem originellsten Namen). Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen 😉

Eigentlich war es nur zunächst nur ein kleiner Wettbewerb zwischen Jennifer Gray und Norbert Schuster. Wer schafft mehr Likes unter seinem Digital X Post?

Teilnahmeberechtigt sind Posts mit Digital X Foto von Personen, die ich kenne 😉 (Der Rechtsweg ist natürlich wie immer ausgeschlossen s.o.)

Norbert liegt bei 11, aber sobald Jennifer online ist, wird es knapp. Wie sieht es mit Nicole DorazilLars JostenJosef BungartMike KubitzekBirgit EschbachStephan GrabmeierBernhard SteimelGunnar SohnAnna-Marie WintrichMarco BröseJohannes MailänderRon Lambrecht aus? Habt Ihr auch schon Euren Post mit DIGITAL X Foto für den Wettbewerb? Wenn nicht, unten Mos Beschreibung nutzen!

Bisher – bei 14 Kandidat:innen und 10 Gin-Flaschen würde fast jeder gewinnen.

Winfried hat schon 47 Likes. Ich starte heute.

Ich brauche jetzt Eure Unterstützung.

Ihr findet uns übrigens auf der Digital X mit unserem SchubkraftTV-Studio im Belgischen Viertel in der Venloer Straße 29 und gegenüber in der Fotogalerie.

cheerful diverse women shaking hands after interview in studio

Das Social Web und die Abenteuer der Kommunikation @klauseck

„Ja. Das Buch über das wir geredet haben ist 22 !!!Jahre alt. Viel zu ändern gibts nicht, nur erweitern um die Unfähigkeit akademischer Hirne – sich mit den Anforderungen des Social Media und dem vergänglichen und seifigen Geläuf der Mikroöffentlichkeiten auf den Plattformen abzufinden. Und auch dort in der Hexenküche präsent zu sein, dahin im Strafraum gehen, wo es wehtut, um einen Ball nur mit der Kraft des Kopfes zu versenken“, so die Reaktion des Soziologen Alfred Fuhr auf meinen Blogbeitrag über die Moderation und Strategien beim Schach.

Das Interview mit Alfred inspirierte mich auch zu einem Beitrag für das prmagazin im Dezember 2020:

Neue Aufgaben für PR-Verantwortliche beim Abenteuer der netzöffentlichen Kommunikation

Ohne emotionale Ansprache, ohne emotionale Angebote funktioniere Kommunikation nicht wirklich gut, so der Soziologe Alfred Fuhr in einem Interview in der Sendung . „Es geht dabei um die Erzeugung von Vertrauen.“

Besonders in Zeiten der Pandemie sei es wichtig, auf den Monitoren sichtbarer zu werden und Vertrauenskommunikation zu kultivieren. „In der PR wird das vernachlässigt. Da wird das Authentische weggebügelt“, kritisiert Fuhr. Wir kennen das in den weltweit führenden und gut aufgestellten Schönwetter-Meldungen, die von Firmen inflationär rausgeblasen werden. „Dann schaltet man ab. Aseptische Kommunikation mag keiner“, betont Fuhr.

Sein Ratschlag: Fernab von Kontrollschleifen und Freigabeorgien sollten sich die PR-Profis den Abenteuern der Kommunikation hingeben.

Der Philosoph Hans Blumenberg hat in seiner Metaphorologie das Gleichnis der Seefahrt bemüht und damit die Sphäre der Unberechenbarkeit markiert. „Es ist wieder ein Abenteuer, zu kommunizieren. Bereite Dich auf das Unkontrollierbare vor“, empfiehlt Fuhr. Raue Live-Formate seien dabei besonders interessant. Hier sollte das Spielerische in den Vordergrund treten. In den vielen Livestreaming-Projekten ist mir das auch aufgefallen. Wer die Leinen locker lässt und unterschiedliche Fachleute des eigenen Unternehmens in solche interaktiven Echtzeit-Sendungen auftreten lässt, kann Talente für die interne und externe Kommunikation entdecken.

Klaus Eck nennt diese talentierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne auch Markenbotschafter. „Die Zukunft der PR-Abteilung liegt darin, solche Talente in der eigenen Organisation zu entdecken, sie zu fördern und ihnen Bühnen zur Verfügung zu stellen. IT-Entwickler, die ihre Disziplin wunderbar erklären können, wirken in ihrem Habitus und ihrer Gestik viel vertrauenswürdiger in den relevanten Zielgruppen als jeder Pressesprecher“, meint Fuhr.

Gepaart werden sollte die Markenbotschafter-Entdeckungstour mit der nötigen Offenheit, Diskussionsbereitschaft und Zugänglichkeit. Vertrauenskommunikation erzeugt man nicht durch pseudo-authentische Modesprüche von gemieteten Influencer-Sternchen. Gefragt ist die Kunst der Moderation, um Menschen persönlich anzusprechen und ihnen eine Intimität auf Distanz zu vermitteln. Die Zuschauerinnen und Zuschauer nehmen das Geschehen nicht passiv zur Kenntnis.

Fuhr verglich im diese Gemengelage mit einem Gambit, also mit Eröffnungszügen im Schach. Im Spielverlauf werden Extrempositionen aufgegeben. Die Interaktionen sind fließend, vielfältig und unvorhersehbar. Das vertrauende Publikum zeigt die Reaktion, die den gemeinsamen Handlungsakt vervollständigt – auch wenn das nur imaginativ vor dem Monitor geschieht. Vertrauenswürdigkeit ist eine Darstellungsleistung in der Moderation.

Ein informeller, offener und geselliger Stil ist dabei hilfreich. Eine Begabung zum small talk und ein angenehmer Umgang mit den Gästen sind dafür unabdingbar. Hilfreich ist auch ein Blick hinter die Kulissen, um Barrieren zum Publikum abzubauen. Alfred Fuhr empfiehlt zur Vertiefung dieser Thematik übrigens das Opus von Harald Wenzel: „Die Abenteuer der Kommunikation“, erschienen im Verlag Velbrück Wissenschaft.

Auf der Zukunft Personal in Köln vom 12. bis 14. September gibt es dazu einen großen Themenschwerpunkt vom Corporate Influencer Club.

„Es gibt in Deutschland rund 1.000 Corporate Influencer Programme. Damit reagieren viele Organisationen auf den Fachkräftemangel. Über engagierte Corporate Influencer können Unternehmen ihre Recruiting- und Employer-Branding-Ziele leichter erreichen“, so Klaus Eck.

Programm am 12. September:

Chérine De Bruijn: Vom Knoten zur Klarheit – Ein Weckruf zur Entfaltung Ihrer persönlichen Kommunikationskraft

Daniel Montua: “Putting the social back into social media”. Employee Advocacy bei der DHL Group

Judith Fauser, Thilo Huys, Lisa Kollroß: Bechtle Corporate Influencer Programm: Mit lebendiger Wissenscommunity Talente finden und binden.

Isabelle Schütz, Sarah Herzog: Community & Corporate Influencer

Stefan Schicker: Corporate Influencer – Im Spannungsfeld zwischen Recht und KI

Jürgen Schmitt: Expedition – Persönliche & fachliche Kommunikation

Alexander Wunschel: Corporate Voices Unplugged: Erfolg durch den Audio-Trend

Paneldiskussion: Was wir von den Vorreiter:innen im Corporate Influencing lernen können

Dr. Winfried Ebner, Alexander Luyken: 4010 Magenta Inspirationen für deine Corporate Influencer Initiative

Jennifer Pfeifer: Corporate Influencing and beyond: Wie digitale Tools allen Mitarbeitenden eine Stimme geben

Programm am 13. September:

Selma Kuyas: Authentizität – die Superpower im digitalen Zeitalter

Stefanie Nimmerfall, Diana Heffels: Die Corporate Influencer der Stadt München

Julia Lupp, Stefanie Nimmerfall: Amtfluencer: Die neue Behördenkommunikation

Michaela Wüst: Das DATEV-Botschafter:innen-Programm: Corporate Influencer zwischen Imagekommunikation und fachlicher Expertise

Dr. Irène Kilubi, Erik Snoeijen, Lea Kaiser: Wann und wie man Corporate Influencer-Programme skaliert: Internationalisierung vs. Lokalisierung

Anja Schöne: Wie die LV 1871 Corporate Influencer auf TikTok erfolgreich sind

Paneldiskussion: Wie Corporate Influencer die Plattformen TikTok, Instagram, Facebook, Youtube nutzen können

Roger Basler de Roca: Das ungekannte Potential von LinkedIn – mit und ohne KI

Paneldiskussion: Corporate Influencer sind die Talent-Scouts von morgen

Vivien Pein: Und täglich grüßt die Community – was Corporate Influencer aus der Steinzeit lernen können

Programm am 14. September:

Bettina Jung: Wie wir das Arbeiten im Gesundheitswesen attraktiver machen können

Paneldiskussion: Wie Corporate Influencer Krankenhäuser verändern können

Nina Mülhens, Jan Cremer, Carolin Schmidt: Irgendwas mit Medien” reicht nicht mehr: Corporate Influencer im Hessischen Rundfunk

Michael Gentsch: Mit Corporate Influencern zu mehr Glaubwürdigkeit und Reichweite in der Medienbranche

Lisa Schmitz: Wie der Personaldienstleister Hays von seinen Corporate Influencern profitiert

Heike Hampl: Werte, Nähe und KI: So erreicht der Polymerspezialist REHAU seine Zielgruppen

Carina Messner: Corporate Influencer im B2B: Was die #InfluFANser von ebm-papst posten!

Holger Kahnt: Wie Corporate Influencer LinkedIn Audio für sich nutzen

Man hört, sieht und streamt sich auf der Zukunft Personal in Kölle.