20:15 Uhr: #Bloggercamp.tv spricht über die Götterdämmerung beim Debattenportal Carta

Gast in der Sendung ist der ehemalige Carta-Herausgeber Wolfgang Michal. Wir haben versucht, auch die „Gegenseite“ einzuladen. Das wurde leider verweigert. Wenn Ihr mitdiskutieren wollt, könnt Ihr das über die Eventseite von Google Plus – also über die Frage-und-Antwort-Funktion.

„Das Online-Magazin und Autoren-Blog Carta wurde schon mit dem Grimme Online Award und einem Lead Award ausgezeichnet. Namhafte Autoren haben dort veröffentlicht. Nun gibt es massig Ärger. Teile der Redaktion sehen die Unabhängigkeit von Carta in Gefahr, ein neuer Herausgeber wurde berufen, man zofft sich auf Twitter“, so beschreibt Meedia die Lage bei Carta Anfang September.

Carta werde seit März 2012 von der Unternehmergesellschaft Carta UG herausgegeben, an der Brode und Michal Anteile halten.

„Tatjana Brode ist die Mehrheits-Gesellschafterin. Außerdem gibt es den Förderverein Carta e.V., der sich u.a. um Fördermittel kümmern soll. So wird Carta über den Verein zum Beispiel von der Rudolf Augstein Stiftung gefördert. Die Redaktion wurde bis vor kurzem von Vera Bunse gemacht. Brode, Michal und Leonard Novy fungierten als Herausgeber. Laut Auskunft von Wolfgang Michal seien auf einer Sitzung Anfang Mai neue Verträge vorgelegt worden, die vorgesehen hätten, dass redaktionelle Beiträge mit dem Verein abzustimmen seien“, so Meedia.

Mittlerweile liegen Stellungnahmen von Michal und Brode vor. Ein kleines und ambitioniertes Projekt, ein großer Eklat am Schluss und wohl wenig Perspektiven für das Debattenportal Carta. Das werden wir heute Abend ausführlich mit Wolfgang Michal besprechen.

Sind wir nicht alle Idioten, Herr Spreng? Kleine Anmerkung zur Piraten-Jagd

„Der eine tobt mit Schaum vorm Mund, er könne den ‚Schnickschnack‘ nicht mehr hören, der andere sieht keine Inhalte und wirft ihnen vor, ‚eine Antwort, wie man verantwortungsvolle Politik macht, haben sie nicht‘. Die Piraten lassen etablierte Politiker wie Kurt Beck ausrasten und Jürgen Trittin verzweifeln. Diese Vorwürfe, so richtig und berechtigt sie sind, laufen ins Leere. Denn gerade die Inhalts- und Ahnungslosigkeit ist die Stärke der Piratenpartei. ‚Mut zur Lücke‘ nennen sie das. Wer nichts weiß und auch nicht viel wissen will, schon gar nicht Belehrungen von den anderen, ist kaum angreifbar. Und die Wähler der Piraten lieben geradezu diese Ahnungslosigkeit.“ Das schreibt der Berater Michael Spreng in seinem Beitrag „Die Gummiwand-Partei“.

Aber der schlaue Herr Spreng, dieser Polit-Checker vom Dienst hat natürlich schon ein probates Gegenmittel parat:

„Erst dann, wenn die Piraten im Bundestag sitzen, gibt es eine Chance auf ihre Entzauberung. Länderbühnen sind dafür zu klein, die Themen überregional uninteressant. Erst dann, wenn die Piraten auf der großen Bühne nationaler Politik agieren und abstimmen müssen, wird ihre politische Ahnungslosigkeit, ihre Kulturfeindlichkeit, ihre eigene mangelnde Transparenz, ihre Arroganz zum nationalen Thema. Bis dahin aber treibt jeder Kurt Beck, jeder Jürgen Trittin ihnen neue Wähler zu.“

An was macht man die Ahnungslosigkeit eigentlich fest? Rettungsanker für Schlecker-Mitarbeiterinnen? Darauf haben die Hasardeure der Weltmeere nicht sofort eine Antwort parat. Rente, Steuern, Mindestlohn, Afghanistan, Finanzkrise, Euro, Zebrastreifen, Verkehrsberuhigung in Pimpelhausen, Spontanvegetation an Straßenkreuzungen, Schwarzfahren beim Verpackungsrecycling, Sonnenfinsternis, Klimawandel, Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren, Ausbreitung von gefährlichen Viren in Krankenhäusern: Zu all diesen Themen kommen von der Enterhaken-Partei keine Aussagen.

Ein programmatisches Nirwana.

Da lob ich mir die erfahrenen und mit allen Wassern gewaschenen Politprofis, die zu jeder nicht gestellten Frage (siehe Spreng) sofort auswendig gelernte und alternativlose Plattitüden ins Mikrofon labern. Kluge und analytisch fundierte Sätze frei nach dem Motto: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist (Credo auch von Polit-Analysten). Man verkündet Weisheiten und Gewissheiten mit der Halbwertszeit von Radon.

In der Realität sind die Vertreter des Establishments genauso unwissend und laienhaft wie du und ich. Deswegen wirkt die Laienhaftigkeit der Piraten doch so sympathisch.

Man sollte viel häufiger darauf verzichten, Illusionen der Gewissheit und Regelbarkeit in die Welt zu blasen:

„Die Menschheitsgeschichte ist voll mit Illusionen der Gewissheit. Astrologie, Religion oder heute auch Versicherungen. Wir versuchen immer gerne, aus der Unsicherheit etwas Sicheres zu machen“, erläutert Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, in der Fernsehsendung „Sternstunde Philosophie“.

Viel wichtiger ist es, den Menschen zu sagen, was man nicht kann. Beispielsweise mit nobelpreisgekrönten mathematischen Modellen Vorhersagen über Risiken auf den Finanzmärkten zu treffen. Das sei nur geeignet für eine Welt mit bekannten Risiken, so Gigerenzer. Analysten und Finanzpolitiker stochern genauso im Nebel, wie Tante Erna mit ihrem Konto auf der Sparkasse.

Es gibt auch keine Gewissheiten für perfekten Datenschutz im Internet.

„Im Netz herrscht, ob wir wollen oder nicht, die totale Transparenz. Die Handlungsempfehlung ist fast so alt wie das Internet. Schreibe nichts in eine Mail, was Du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Das haben wir schon in den 90er Jahren gesagt, als das Internet aus der Kindergrippe kam. Der Satz war vielleicht nicht radikal genug formuliert. Heute müsste man es anders sagen. Gehe davon aus, dass alles, was Du sagst, schreibst oder sogar denkst, im Internet auftauchen wird“, mahnt der Publizist Tim Cole.

Mit dieser Aussage kann eigentlich jeder etwas anfangen. Wenn das so ist, sollten wir uns eher auf unsere Intuition verlassen als auf die Besserwisser-Semantiker in der Datenschutz-Debatte.

Insofern ist der gegen die Piraten gerichtete Vorwurf mangelhafter Professionalität eher eine Auszeichnung. Sind wir nicht alle Idioten, Herr Spreng?

In meiner The European-Kolumne kann man morgen den vollständigen Beitrag lesen, da gehe ich allerdings nicht auf Spreng ein. Seinen Beitrag habe ich eben erst gelesen.

Siehe auch:

Piratenpartei liegt bundesweit schon bei neun Prozent.

Update: Hier nun die Montagskolumne.

Call Center-Totenmesse abgesagt: Frankfurter Messegesellschaft beerdigt Be Connected

„Die Be Connected wird ab 2012 nicht mehr stattfinden. Die Plattform für das Themenfeld Kundenkontakt-Management hat zweimal stattgefunden, aber nicht die erhofften Resultate gebracht. „Aufgrund der enormen Veränderungen in der schnelllebigen Contactcenter- Branche macht die aktuelle Marktsituation ein eigenständiges, auf Wachstum ausgerichtetes Veranstaltungsformat kaum möglich““, sagt Klaus Reinke von der Messe Frankfurt.

Die Be Connected gehörte zu einer Gruppe von Veranstaltungen, mit denen Deutschlands führende Messegesellschaft das Thema der „Digitalisierung des Geschäftslebens“ adressiert. Dieses neue Themenfeld sei im Bereich „New Business“ verortet, der den Auftrag hat, neue Themen mit Wachstumspotenzial für die Unternehmensgruppe zu entwickeln.

Unberührt von der Absage sind die Kongressmessen Digital Touch und Voice + IP, die am 30. und 31. Oktober stattfinden. Im vergangenen Jahr versuchten die Veranstalter, das Ganze im Dreierpack zu verkaufen – mit wenig Erfolg. Selbst die in den vergangenen Jahren gut besuchte Fachveranstaltung Voice + IP litt unter dem unklaren Konzept, von Call Center über Kommunikationstechnologie bis zu Social Media alles unter einem Hut zu bringen. Im Herbst gibt es für die Call Center-Branche jetzt keinen größeren Kongress mehr, da auch die Konkurrenz mit der Contact Center Trends die Segel gestrichen hat. Und auch die Voice Days in Nürnberg konnten nicht am Leben gehalten werden. Darüber hatte ich ja schon Anfang 2011 berichtet.

Einzig die Call Center World, die Ende Februar über die Bühne geht, erfreut sich eines ungetrübten Zuspruchs.

Nach meinem Dafürhalten ist die Branche einfach zu klein, um mehrere Großereignisse im Jahr zu verkraften. Man sollte jetzt einfach die Finger von weiteren Experimenten lassen. Dabei hatte ich mir bei der Moderation einer Expertenrunde auf der Be Connected so viel Mühe gegeben….

Übrigens wird sich das Schlagwort „Contact Center“ in Deutschland nie durchsetzen. Da denkt man eher an die Reeperbahn in Hamburg oder so….

Die Mashup-Kommunikation der Staatstrojaner äh Unionspolitiker: „Sie war einfach weg!“ (die Website von Uhl)

Schöner Hinweis von netzpolitik.org auf die fabulöse Filmproduktion von Farlion. Er hat Ausschnitte der Reden von Innenstaatssekretär Ole Schröder und dem Unionspolitiker Hans-Peter Uhl aus der Staatstrojaner-Debatte zusammen geschnitten, was streckenweise sehr lustig ist.

Das Filmchen beweist, wie sich die Regierungskoaliton in Widersprüche verstickt, nur die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke.

Noch lustiger ist das FAZ-Interview mit dem CSU-Starker-Staat-Politiker Uhl: Befragt zu den digitalen Erfahrungen, die er so persönlich gemacht hat, antwortet der Uhl:

„Gerade ist meine Homepage gehackt worden.“ Nachfrage der FAZ: „Und – was ist passiert?“ Uhl: „Sie war einfach weg!“

Darüber hinaus wies er die „Chaoten-Piraten-Vorwürfe“ zurück, dass die Behörden nicht wissen könnten, was man ihnen da an Software unterschiebt. Komisch, der BKA-Präsident sagte doch im Innenausschuss, dass seine Behörde keine Einsicht in den Quellecode hatte.

Ich glaube ja, der Uhl liegt richtig. Natürlich wussten die Sicherheitsbehörden und die Innenministerien, welche Leistungen sie bei der Firma DigiTask eingekauft haben, auch wenn sie nicht in der Lage waren, den Quellcode einzusehen. Den Leistungsumfang der Programmierarbeiten von DigiTask haben sie mit Sicherheit vorgegeben.

Und wenn das nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes geschehen ist, liegt ein Verfassungsbruch vor.

Denn es besagt doch der gesunde Menschenverstand, dass der Staat seine Etats nicht verwendet wie beim Kauf von Überraschungseiern, wo man nie weiß, was drinsteckt. Wer etwas bestellt, will es auch im vollen Umfang nutzen.

Aber selbst wenn sich die Schlapphut-Beamten auf die Quellen-TKÜ-Funktion beschränkt hätten, fehlt dafür die gesetzliche Grundlage, wie der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichtes Hans-Jürgen Papier im Interview mit der FAS klarstellte. „Ich halte es für sinnvoll, dass der Bundesgesetzgeber dies in der Strafprozessordnung regelt.“

Denn der Einsatz von Trojanern gehe „weit über eine herkömmliche Telefonüberwachung hinaus.“ Papier, der an dem Urteil zur Online-Durchsuchung im Februar 2008 beteiligt war, widerprach damit Bundesinnenminister Friedrich. „Unsere Vorbehalte von damals wurden meines Erachtens in der Öffentlichkeit bislang nicht gebührend wahrgenommen“, so Papier.

Das gesprochene Wort via iPad: Applikation „WavePad“ im Praxistest @DrMichaelSpehr

Mit großem Interesse habe ich heute den FAZ-Beitrag von Michael Spehr gelesen: „Es gilt das gesprochene Wort“. Hier werden einige Geräte vorgestellt, die sich für unterschiedliche Audio-Einsatzzwecke eignen zu höchst unterschiedlichen Preisen. In ähnlicher Form stand das auch schon im Blog von Spehr. Auf die Geräte gehe ich in dem obigen Video nicht ein, dass sollte man in der FAZ oder im Blogpost nachlesen! Interessant ist die von Michael Spehr empfohlene Applikation „WavePad“. Es macht das iPad zur komfortablen Aufzeichungsmaschine und zählt zur Lieblingsapp des FAZ-Redakteurs.

„Das ultimative Extra dieser Gratis-Software ist jedoch der eingebaute Editor, der sogar das Bearbeiten und Schneiden der Aufnahmen am Tablet PC erlaubt.“ Das geht spielend einfach – siehe mein Praxistest im Video. Die Aufnahme habe ich vor einer roten Tapete gemacht, daher kommt die farbliche Komponente. Ausleuchten wollte ich nicht, da es ja diesmal um Audioaufzeichnungen geht.

Fazit: Audacity ist nicht mehr vonnöten. Das Programm nervt mich schon seit geraumer Zeit. Mit WavePad geht das sehr viel besser – so jedenfalls mein erster Eindruck.

Das leise Sterben der Mehrwegbranche – Und was macht die Deutsche Umwelthilfe?

Dosenpfandgewinne leichtgemachtDie Verpackungsverordnung ist 1991 nicht nur ins Leben gerufen worden, um Einwegverpackungen stärker als Sekundärrohstoff einzusetzen (Recycling), sondern um Mehrweggetränke zu stabilisieren (da gab es mal einen großen Limonadenhersteller, der die PET-Einwegflasche einführen wollte und auf energischen Widerstand stieß). Auf 72 Prozent wurde die Mehrwegquote festgeschrieben. Bei Unterschreitung drohte man mit dem Dosenpfand. Aus der Drohung, wie wir alle wissen, wurde unter dem Regime von Umweltminister Jürgen Trittin, der das 25 Cent-Pfand für ökologisch nachteilige Einweggetränke einführte. Spätestens im nächsten Jahr muss diese Regelung überprüft werden, wenn nicht 80 Prozent (!) der Getränke in ökologisch vorteilhaften Verpackungen (Bürokratendeutsch) abgefüllt werden.

Seit Einführung des miserabel umgesetzten Dosenpfandes ist allerdings die Mehrwegquote so richtig abgeschmiert. Grafisch sehr schön dargestellt vom Netzwerk Regenbogen. Über die Gründe habe ich hier schon mehrfach berichtet – auch wenn es die Deutsche Umwelthilfe nicht wahrhaben will und sinnlose Maßnahmen wie Kennzeichnungspflichten fordert. Herr DUH-Bundesgeschäftsführer Resch, Sie haben mir immer noch nicht die Frage beantwortet, wie die Discounter bei Mineralwasser zu ihren Kampfpreisen kommen. Die Mineralbrunnen-Betriebe gehen davon, dass Pfandgewinne von den Discountern in die Quersubventionierung von Einweggetränken gesteckt werden. Umgerechnet auf den Literpreis kostet Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Getränkehandel 50 Cent.

Logistiker des Einzelhandels und auch Kenner der Entsorgungswirtschaft halten die von der Politik kolportierte Zahl für absurd, dass über 90 Prozent der Einwegflaschen von den Verbrauchern wieder zurück gegeben werden. Die Schwundquote liege weit über 20 Prozent. Von der Deutschen Umwelthilfe, die so sehr für die Einführung des Dosenpfandes zum Schutz von Mehrweg gekämpft hat, wird das in Abrede gestellt.

Herr Resch, was sagen sie denn zu den Müllanalysen der Bonner Firma Ascon? Wenn es keinen Pfandschwund geben würde, dürfen wohl keine Pfand-Einwegflaschen in Gelben Säcken und Tonnen zu finden sein. Aber genau das ist der Fall. Am 2. Dezember referieren Sie ja wieder in Bonn zusammen mit Vertretern der Mineralwasserbranche, die ihnen schon bei der letzten Fachkonferenz klar gesagt haben, warum sie gegen die Dumpingpreispolitik der Discounter keine Chancen haben.

Mit Ihrer Kennzeichnungspflicht, die ja schon von Umweltminister Siggi Gabriel ins Spiel gebracht wurde und auch wieder im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung auftaucht, werden sie die Mehrwegquote nicht um einen einzigen Prozentpunkt erhöhen. Jedem Verbraucher ist klar, was er im Discounter einkauft: Einweg.
Und jedem Verbraucher ist klar, was er im Getränkemarkt einkauft: Mehrweg. Siehe den wöchentlichen Einkauf im Hause Sohn.

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Etwas klüger ist ein Vorschlag des Nabu, den vor einigen Tagen die taz bekanntmachte. Der Verband fordert eine Steuer auf Einweg-Getränkeverpackungen. „So sollen etwa für eine Wasserflasche – PET-Einweg, ein Liter – 9,4 Cent fällig werden, für eine Weinflasche – Glas-Einweg, ein Liter – 26 Cent und für einen Ein-Liter-Saftkarton 3 Cent. Das erklärte der Nabu am Wochenende der taz. Die Steuer könnte jedes Jahr 3 Milliarden Euro in die Kassen spülen, wie Berechnungen im Auftrag des Nabu zeigen. Wissenschaftler vom Freiburger Öko-Institut und vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung haben für den Nabu ein Besteuerungsmodell für Einwegverpackungen entwickelt: Die Steuer fällt umso höher aus, je mehr Ressourcen in der Verpackung stecken: Aluminium, für dessen Produktion viel Energie verschlingt, wird zum Beispiel stärker besteuert als ein recycelter Kunststoff. Und: Die Verpackung wird nur einmal – wenn sie ihr Hersteller auf den Markt bringt – belastet. Glas- und PET-Einweg würden so vergleichsweise teurer, Glas-, PET-Mehrweg und Getränkekartons günstiger“, schreibt die taz. Was sagen Sie zu diesem Modell, Herr Resch? Die ökologische Steuerreform der rot-grünen Regierung war ja nur ein netter Scherz zur Erhöhung des Benzinpreise. Hier hätten wir das erst Mal ein Steuermodell, dass bei der Produktion ansetzt.

Siehe auch:
Schummeln mit dem Dosenpfand – Dumpingpreise für Einweg-Getränke ein Fall für das Kartellamt.
Gabriels Mehrweg-Scherbenhaufen – Politik sorgt für Discounter-Boom.
Mehrwegflasche steht das Wasser bis zum Hals.
Discounter tragen Mehrweg zu Grabe: Politik gibt freies Geleit – Geheimniskrämerei um Dosenpfandgewinne.

Was Sprachcomputer noch leisten werden – O-Töne von Professor Wahlster sind sehr interessant

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Über die Voice Days plus habe ich ja schon einiges berichtet. Interessant sind noch die Ausführungen von Professor Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) zu den sprachgesteuerten Diensten. Hier die O-Töne der Pressekonferenz. Am Anfang reden die beiden Vertreter der Nürnberg-Messe, dann Voice Days plus-Sprecher Bernhard Steimel und am Schluss dann Professor Wahlster.

Spracherkennung als Bürokratiekiller im Gesundheitswesen

Sie produzieren Berge von Bürokratie – so lautet einer der häufigsten Kritikpunkte an modernen Gesundheitssystemen in aller Welt. „Doch gegen Bürokratie lässt sich etwas unternehmen: Kliniken, die bei der Erstellung von Dokumenten auf digitales Diktat und Spracherkennung setzen, beschleunigen damit das Anfertigen von Arztbriefen und Befunden“, berichtet der Fachdienst HealthTech Wire.

Sie würden das medizinische Personal entlasten, die Patientensicherheit erhöhen und die einrichtungsübergreifende Vernetzung voranbringen. „Aktuelle Daten dazu liefert zum Beispiel Javier Quiles del Rio, IT-Leiter des Gesundheitsdienstes in der spanischen Region Galizien. Dort werden derzeit alle 14 öffentlichen Krankenhäuser mit Spracherkennung ausgestattet“, so HealthTech Wire. „In einem Krankenhaus mit 1.200 Betten hat sich durch die Spracherkennung die Zeit bis zur Erstellung eines endgültigen radiologischen Befundes von knapp zwei Tagen auf einen halben Tag reduziert“, erläutert Quiles del Rio.

Die Vorteile einer automatisierten Dokumentation bestätigt der Radiologe Dr. Robert Kierse vom Institut für Röntgendiagnostik und Nuklearmedizin am Klinikum Neuperlach: „Der ganze Prozess der Dokumentenerstellung mit Diktat auf Band, Transkription im Schreibbüro oder Korrektur konnte von sieben Schritten auf nur drei Schritte reduziert werden“, so Kierse gegenüber dem CIO-Magazin. Auf diese Weise werden nicht nur Kosten gespart, der Patient könne durch die beschleunigte Erstellung des Befundes auch schneller behandelt werden. Mittlerweile werden in Neuperlach 90 Prozent aller radiologischen Dokumente mit Online-Spracherkennung erstellt, die übrigen zehn Prozent mit Offline-Spracherkennung.

Das intelligente Heim - Projekte des Bundesfamilienministeirums
Das intelligente Heim - Projekte des Bundesfamilienministeriums
Auch das Pflegeheim „Im Münchfeld“ des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) in Mainz sammelte positive Erfahrungen in einem Pilotprojekt. Über eine intelligente Vernetzung von Hard- und Software sollen die Pflegeprozesse optimiert werden. Das umfasst die Software OPAS Sozial und moderne Spracherkennungstechnologien. Die technische Basis der in diesem Pilotprojekt entwickelten Lösung, die mittels Telefon und Sprache eine strukturierte und zugleich individuelle Dokumentation der Pflege ermöglicht, bildet eine modulare, integrierte Informations- und Telekommunikations-Plattform von Aastra-DeTeWe. Sie umfasst einen Kommunikations-Server sowie die neuesten Versionen der Kommunikationslösungen für stationäre Pflege und Betreutes Wohnen: Aastra Voice Portal für die Spracherkennung und die OPAS Sozial Software-Lösung für die stationäre Pflege.

Die Dokumentation mittels Spracherkennung erfolgt häufig im Bewohnerzimmer oder direkt im Anschluss an die Pflegeleistung. Der Anteil des Pflegepersonals, der so vorgeht, ist deutlich gestiegen. So geben knapp 90 Prozent zu Protokoll, dass die Lösung leicht bedienbar sei und rund 80 Prozent der Umfrageteilnehmer ziehen die EDV-gestützte Pflegedokumentation mit OPAS Sozial einer Papierbasierten Dokumentation vor.

Zusätzlich hierzu wurde in einem Überwachungsaudit der Einrichtung im Münchfeld von 2008 zur Zertifizierung nach DIN ISO 9001:2000 von den Auditoren festgehalten, dass die im Rahmen des Modellprojekts modifzierte Pflegedokumentation einen nachvollziehbaren Fortschritt im Hinblick auf Vereinfachung, Zeitersparnis und Erhöhrung der Zuverlässigkeit in der Dokumentation darstellt. Die digitale Sprachverarbeitung und insbesondere die Spracherkennung könnten auch dazu beitragen, Kliniken den Umstieg von der Papierdokumentation auf elektronische Patientenakten zu erleichtern.

„Im Zusammenhang mit elektronischen Patientenakten ist Spracherkennung für mich ein strategisches Werkzeug. Spracherkennung hilft uns dabei, die Digitalisierung umzusetzen, weil es ein schnelles und einfaches Verfahren ist, elektronische Dokumente zu erstellen“, betont Quiles del Rio. Auch hier hat er Zahlen aus Spanien parat: In radiologischen Abteilungen mit Spracherkennung liegt die Quote der Befunde, die elektronisch verfügbar gemacht werden, bei mehr als 90 Prozent. Einrichtungen ohne Spracherkennung kommen nur auf die Hälfte.

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Die Rolle der Kommunikationstechnologie für den Aufschwung

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Nach einer Studie des DIW sollte die Bundesregierung ihr Konjunkturprogramm stärker auf das Bildungswesen, die Energieeffizienz, Gesundheitsförderung und den Ausbau der Internet-Infrastruktur ausrichten, beispielsweise durch eine flächendeckende Breitbandversorgung . Hier habe Deutschland im internationalen Vergleich einen hohen Nachholbedarf. Im Bildungssektor sollten 4,4 Milliarden Euro gezielt in die Verbesserung der Lehrmittelausstattung investiert werden.
Konjunkturprogramme sollen die Auswirkungen der Finanzkrise eindämmen. Damit die Milliardensummen nicht verpuffen, müsse nachhaltig investiert werden.

Andreas Latzel, Deutschland-Chef der Aastra-DeTeWe-Gruppe, lobte im Interview mit dem Deutschlandfunk die Investitionen der Bundesregierung in die Kommunikationsinfrastruktur. Als Beispiel nannte er ein Projekt des Bundesfamilienministeriums. Dabei geht es um das Thema Altenpflege und insbesondere darum, was Technik in der Altenpflege bewirken könne. „Das Projekte hat den Namen ‚Das intelligente Heim’ und verfolgt den Ansatz, einfach übergreifend zu schauen, an welchen Stellen wirklich nachhaltig auch mit dem Einsatz von Technologie die Pflege verbessert werden kann. Wir haben daran teilgenommen und haben eine Lösung vorgestellt, die das Thema Pflegedokumentationen im Schwerpunkt hat. Und ich glaube, die meisten Menschen wissen, dass Qualität in der Pflege – das ist ja auch in der Vergangenheit öfters durch die Presse gegangen – inzwischen eine ganz, ganz wichtige Rolle spielt“, sagte Latzel.

In der Pflegedokumentation habe man bislang viel mit Papier gearbeitet. „Wenn man dann weiß, dass die Personalressourcen in der Altenpflege natürlich auch knapp bemessen sind, dann ist ein Großteil der Arbeitszeit auch für das Dokumentieren von erbrachten Leistungen verwendet worden. Und hier ganz speziell hat Aastra einen Weg beschrieben, der den Einsatz von Kommunikationstechnologie, insbesondere auch das Thema Sprache, nutzbar macht, um viel Zeit zu sparen und damit letzten Endes mehr Zeit für die Pflege der Menschen zu haben“, so Latzel.

Generell werde seine Branche gebraucht, um Menschen umfassend und frühzeitig mit Kommunikationstechnologie zu versorgen. „Wir arbeiten sehr eng mit einigen Hochschulen zusammen, wo übergreifendes Wissen dann letzten Endes auch in der Praxis abrufbar ist. Ich denke da zum Beispiel an die Hochschule der Künste in Berlin, wo auch wirklich Menschen umfassend sowohl das Thema Technologie als auch das Thema Design oder Anwendungsorientierung mitnehmen und daraus ganz neue mögliche Arbeitsgebiete entstehen“, so Latzel gegenüber dem Deutschlandfunk.

Nach Analysen des DIW habe Deutschland die besten Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. In keinem anderen Land sei der Anteil der Wertschöpfung, der auf die Produktion forschungsintensiver Güter und wissensintensiver Dienstleistungen entfällt, höher als in Deutschland. Dabei würde Deutschland in den forschungs- und wissensintensiven Wirtschaftsbereichen eine besonders breit gefächerte Basis besitzen. „Voraussetzung für einen Ausbau der Spitzenposition ist jedoch, dass die Unternehmen unvermindert weiterhin in Forschung und Entwicklung investieren – auch dann, wenn damit kurzfristig keine Erlöse zu erzielen sind“, so der DIW-Wissenschaftler Martin Gornig.

Haben die Deutschen keine Lust mehr auf Krise? Warum Stoiker und Merkel gute Krisenmanager sind

In der Financial Times Deutschland macht sich der Redakteur Thomas Fricke Gedanken über die Krisenverweigerung der Deutschen. Nach Monaten täglich neuer Schicksalsschläge für die Wirtschaft würden sich neuerdings die guten Nachrichten häufen. „Aber ist wirklich eine Besserung in Sicht“, fragt besorgt der FTD-Autor. „Oder lässt in Deutschland nur die mentale Bereitschaft nach, Horrormeldungen entgegenzunehmen?“ Lieber Herr Fricke, die Deutschen haben von Anfang an relativ stoisch auf Horrormeldungen reagiert, die in der FTD und anderswo täglich geboten werden. Die medialen Krisenticker-Orgien gehen an den Erfahrungswelten der Menschen vorbei, wie man aus Allensbach-Umfragen ableiten kann.

Inmitten der düsteren Szenarien bleibt die Verbraucherstimmung resistent, die Bevölkerung gelassen – sie reagiert teilweise sogar unwillig auf die Dauerkonfrontation mit Kassandrarufen und Untergangsszenarien. Die, die sich täglich mit dem Krisenmanagement beschäftigen, vermitteln den Eindruck, die Bevölkerung begreife das Ausmaß der Krise nicht oder verweigere sich der Realität. So könnte man den FTD-Bericht interpretieren. Ist dem wirklich so?

„Die Gelassenheit der großen Mehrheit geht auf die Kluft zwischen der Nachrichtenlage über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und den eigenen Erfahrungen zurück. Nach wie vor können die meisten Erwerbstätigen in ihrem Unternehmen keine Anzeichen der Krise erkennen. 31 Prozent sehen in ihrem Unternehmen Auswirkungen; dieser Anteil hat sich in den letzten zwei Monaten nicht verändert. Eine Analyse nach Branchen zeigt, wie unterschiedlich einzelne Wirtschaftszweige betroffen sind. Während sich die Automobilindustrie und ihre Zulieferer im Auge des Taifuns befinden und auch der Maschinenbau mittlerweile stark betroffen ist, erleben die Beschäftigten der Bauwirtschaft, im Handel oder des Gesundheitswesens die Krise überwiegend über die Medien„, schreibt Allensbach-Chefin Renate Köcher in der Wirtschaftswoche. Bingo. Das ist die eigentliche Sensation, wo wir doch sonst ein Volk der Angsthasen und eine leichte Beute für Panikmacher sind. Wir sind nicht Papst geworden, sondern Merkel, die sich wohltuend von den aufgeregten und gackernden Meinungsmachern abhebt. Das hat nichts mit Ignoranz, sondern mit Lebenskunst zu tun und ist der Schlüssel, um aus einer Krise wieder herauszukommen. Das hat Harvey Nash-Chef Udo Nadolski in einem Blog-Beitrag über die empirischen Erkenntnisse des legendären Informatik-Professor Karl Steinbuch sehr richtig erkannt:
„Die wirtschaftliche Dynamik ist nicht nur abhängig von äußeren Faktoren wie Steuerlast oder Arbeitsgesetzen, sondern in hohem Maß auch von Psychologie. Für die Konjunkturentwicklung ist es relevant, wie es zu gleichgerichteten Verhaltensweisen der Bevölkerung bei jenen Faktoren kommt, die Expansion und Rezession beeinflussen; denn erst der Gleichschritt erzeugt die Durchschlagskraft, verstärkt die Wirkung so sehr, dass der Konjunkturverlauf einen schicksalhaften Rang erhält. Als Ursache ist ein sozialpsychologischer Faktor herausgearbeitet worden – Ansteckung. Sie wird ausgelöst durch übereinstimmende Motive der Wirtschaftsakteure, gemeinsame, unter bestimmten Umständen erweckte Vorstellungen, Nachahmung, Übertragung von Gefühlen und überspringende Stimmung“. Und nun verhalten wir uns anders und hier liegt die Basis für den Konjunkturaufschwung. Werden wir wie Merkel, der noch ein wenig Obama fehlt, oder Seneca: „Das meiste Unglück gebiert die falsche Meinung, dass Unglück sein müsse…Würde sich jeder erziehen, nur vom Gutem, Beglückendem zu sprechen – alle würden glücklicher werden! Denn wir ziehen herbei, was wir vorwiegend denken und aussprechen. Durch das richtige Denken können wir Leid und Missgeschicke so gut von uns fernhalten wie Miss-Stimmung und Krankheit.“ Auf unvorhergesehene Streiche müsse man gefasst sein und unerschütterlich fest stehen.