Mittelstand: Krisengejammer bringt nichts

FDP-Politiker Rainer Brüderle fordert umfassende Steuersenkungen und Steuervereinfachungen, um „die Teufelsspirale aus einbrechender Nachfrage, zurückgehenden Investitionen, steigender Arbeitslosigkeit und wachsenden Haushaltsbelastungen durch höhere Sozialausgaben“ zu durchbrechen: Ohne kräftige steuerliche Wachstumsimpulse seien die „meisten Arbeitsplätze“ im Mittelstand in Gefahr, so der Wirtschaftsfrontmann der FDP-Bundestagsfraktion.

Milliardenschwere Konjunkturprogramme alleine können nach Ansicht von Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), nicht für einen Aufschwung sorgen. „Konjunkturprogramme sind kein Ersatz für eine solide Wirtschaftspolitik. Besser, als Milliarden für fragwürdige Strohfeuer auszugeben, wäre so zum Beispiel eine Korrektur der Unternehmensteuerreform. Mit dieser hatte die große Koalition zwar den Steuertarif gesenkt. Doch im Gegenzug hat sie die Besteuerung ertragsunabhängiger Elemente drastisch und teils willkürlich ausgeweitet. Die Folge davon belastet jetzt in der Krise viele Unternehmen: Obwohl die Gewinne ausbleiben, bleibt die Steuerlast hoch“, kritisiert Ohoven.

In Richtung der Unternehmer rät Ohoven, die angespannte Wirtschaftslage nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung zu sehen. Falsch sei es auf jeden Fall, mit Schockstarre zu reagieren. Davon ist auch der Personalexperten Udo Nadolski vom Beratungsunternehmen Harvey Nash überzeugt. In der Realwirtschaft sollte man sich vom Chorheulen der Wölfe verabschieden und antizyklisch agieren. „Investieren, konsumieren, Firmen gründen, zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Die wirtschaftliche Prosperität ist abhängig von der Summe der Einzelentscheidungen“. Nur so könne der Aufschwung eingeleitet werden.

Inhabergeführtes Unternehmen setzt sich vom Krisengejammer ab
Inhabergeführtes Unternehmen setzt sich vom Krisengejammer ab
„Statt als ‚Trittbrettfahrer’ der Finanzkrise auf Steuergeschenke zu hoffen, können Unternehmen beispielsweise frei gewordene Ressourcen dazu nutzen, mittels kleinerer IT-Projekte größere Schritte in der Optimierung ihrer Geschäftsprozesse zu machen“, empfiehlt der Textil- und Druckunternehmer Bernd Lautenbach, Geschäftsführer der inhabergeführten PONGS Unternehmensgruppe.

„In der Absatzkrise lohnen sich beispielsweise IT-Investitionen in den Kundenservice “, berichtet Lautenbach, der gerade ein neues Kundenserviceportal für die Unternehmen seiner PONGS Gruppe auf die Beine gestellt hat. Mit der neuen Online-Datenbankanwendung könnten seine Unternehmen erstmals ihre etwa 800 Produkt- und Serviceangebote, die es zum Teil in Hunderten Varianten gibt, online darstellen und ihren weltweiten Kunden und Interessenten eine schnelle, präzise und ortsunabhängige Interaktion mit den jeweils richtigen Ansprechpartnern in den einzelnen Unternehmen ermöglichen, so Lautenbach: „Wenn in wenigen Wochen die Warenwirtschaftssysteme und die wichtigsten Fremdsprachen in das Portal integriert sind, bieten wir die gesamten Vertriebsprozesse unserer Unternehmen von der weltweiten, vielsprachigen Präsentation der Produkte über die Auswahl und Bestellung, für unsere Top-Kunden bis hin zur Rechnungslegung und Sendungsverfolgung, online an. Zugleich können wir im Rahmen dieses IT-Projekts durch ihre Verlagerung aus der Offline-Welt in das Content Management System viele interne Unternehmensprozesse automatisieren und die dadurch gewonnene Arbeitszeit in Beratung, Service und Produktentwicklung investieren.“

Die Ergebnisse des letzten BDI-Mittelstandspanels zeigen, dass PONGS ein typisches Beispiel für einen weit verbreiteten Trend im Mittelstand ist: Demnach „ist die deutsche Industrie derzeit überaus aktiv damit befasst, den Absatz ihrer Produkte anzukurbeln, um die gesetzten Umsatzziele zu erreichen und die Gewinnerwartungen so weit wie möglich zu erfüllen. Das am weitesten verbreitete Instrument stellt dabei eine intensivere Vermarktung der Produkte dar, die derzeit von 56 % der Unternehmen betrieben wird. Insgesamt schaut sich jedes zweite Unternehmen nach neuen Absatzregionen für seine Produkte um.

Neue Unternehmer sucht das Land

Existenzgründer können 10.000 Euro gewinnen
Existenzgründer können 10.000 Euro gewinnen
Das Interesse an Selbständigkeit hat in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland nachgelassen. Noch 2008 gingen beispielsweise die Gründungen von Kleinunternehmen um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, wie das Statistische Bundesamt aktuell mitteilt. Allerdings zeigen Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass in Phasen eines wirtschaftlichen Abschwungs das Interesse an Existenzgründungen wieder ansteigt. Viele qualifizierte und hochqualifizierte Angestellte sowie Menschen aus den mittleren und höheren Führungsebenen suchen in solchen Zeiten neue Herausforderungen und Perspektiven. „Das rege Interesse an der Boss-Challenge ist ein Indiz für die Richtigkeit dieser Annahme“, so Horst Becker, Geschäftsführer der ISOTEC Franchise-Systeme GmbH und Initiator der „Boss-Challenge“.

Da der Wettbewerb mit der Fragestellung „Was macht den Unternehmer der Zukunft aus?“ verbunden sei, beteiligen sich zahlreiche prominente Vertreter aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an der Wertediskussion: Der Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, die Unternehmensberaterin und Publizistin Professor Gertrud Höhler, BVMW-Präsident Mario Ohoven, CDU-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach, Dr. Hans-Joachim Schabedoth vom DGB oder Bane Knezevic, Vorstandsvorsitzender Mc Donald’s Deutschland. Jungunternehmer sollten sich vom derzeitigen Krisenszenario nicht einschüchtern lassen, rät der Personalexperte Udo Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash in Düsseldorf. Mit Verweis auf die Forschungsarbeit von Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, plädiert er dafür, stärker seiner Intuition zu folgen. Auf diesen Trick griff beispielsweise der kanadische Starpianist Glenn Gould zurück, über den Gigerenzer in seinem Buch „Bauchgefühle“ berichtet: Als Gould kurz vor einem Konzert einmal nichts zustande brachte, weil er nervös versuchte, sich auf die Musikstücke zu konzentrieren, schaltete er kurzerhand Staubsauger, Fernseher und Radio in seiner Wohnung ein. Er nahm sich selbst die Möglichkeit, auf seine Spielweise zu achten, und plötzlich gingen ihm die Stücke wie traumwandlerisch von der Hand. „Rasches Handeln und spontane Entscheidungen sind vor allen Dingen in turbulenten und unübersichtlichen Zeiten wichtig. Das gilt besonders für Existenzgründer. Da helfen die Rationalitätsmythen von Controlling-Freaks und Statistikbesessenen nicht weiter. Die können eigentlich nur im nachhinein Dinge erklären. Ihre Prognosekraft hat den Wert von Tageshoroskopen“, kritisiert Nadolski.

Neue Produkte, Märkte oder Trends könne man nicht am Reißbrett entwerfen. Gerade in turbulenten Zeiten brauche Deutschland mehr Unternehmerinnen und Unternehmer, die Arbeits- und Ausbildungsplätze in zukunftsfähigen Wirtschaftsbereichen schaffen und damit den strukturellen Wandel vorantreiben, so Mittelstandspräsident Ohoven. „Die Unternehmerlücke kann nur dann geschlossen werden, wenn die vielgestaltigen Gründungshemmnisse möglichst schnell und vollständig beseitigt werden und eine breite Gründerwelle im selbstständigen Mittelstand ausgelöst wird. Im OECD-Vergleich rangiert die deutsche Selbstständigenquote nur im Mittelfeld. In den kommenden Jahren wird die Gründungsintensität aufgrund des demografischen Wandels noch weiter zurückgehen. Mehr junge Menschen müssen dazu motiviert werden, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen“, fordert Ohoven. Sie dürften dabei mit den unvermeidbaren Risiken nicht allein gelassen werden. „Innovative Unternehmensideen müssen mehr zählen als die banküblichen Sicherheiten. Beim Scheitern einer Unternehmensgründung muss es die Möglichkeit der zweiten Chance geben. Deutschland braucht eine neue Kultur der Selbstständigkeit. Die Bereitschaft zu unternehmerischer Tätigkeit ist in der Bevölkerung vorhanden, jedoch müssen die Bedingungen so sein, dass aus der Bereitschaft auch Entschlossenheit wird“, sagt der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft. Die Kernforderungen des BVMW lauten daher: Verbreitung eines positiven Unternehmerbildes in der Gesellschaft durch gezielte Aufklärung an Schulen und Hochschulen; Errichtung weiterer wirtschaftswissenschaftlicher Lehrstühle mit dem Schwerpunkt Unternehmensgründung an Hochschulen; Stärkere Förderung von Start-Ups; Reduzierung und Vereinfachung der Genehmigungsverfahren; Einrichten einer einzigen Anlaufstelle (one-stop-agency) in den Kommunen; generelle Steuerbefreiung für Existenzgründungen für die ersten drei Jahre; Ausbau der Eigenkapitalhilfe für Existenzgründer und größere Transparenz und Zielorientierung in der Gründungsförderung.

Beim Boss-Chanllenge-Wettbewerb werden die Teilnehmer seit Mitte März einem Kompetenztest unterzogen, den man online bearbeiten muss. Sie werden einmal wöchentlich in Fallbeispielen mit typischen Herausforderungen für einen Unternehmer konfrontiert. Mitarbeiterführung, Kundenorientierung, Intelligenz und Werteorientierung stehen dabei im Mittelpunkt der zu lösenden Aufgaben. Die zehn Besten qualifizieren sich dann zur zweiten Stufe, einem öffentlichen Wettbewerb am 6. Juni 2009 in Bayern. Dabei stehen Aufgaben zu Intelligenz, Mut, Teamgeist und Ausdauer im Zentrum. Eine prominente Jury wird die Leistungen bewerten. Die zehn Teilnehmer qualifizieren sich mit ihrer jeweiligen Punktzahl für die dritte und entscheidende Stufe: das große Finale am 12. September 2009. Dem Gewinner des letzten sportlichen Wettbewerbs, einem Orientierungslauf mit weiteren Herausforderungen, winken dann 10.000 Euro als Startkapital für seine Selbständigkeit und eine professionelle Beratung für den Einstieg ins Unternehmertum. Anmeldungen für den Gründerwettbewerb sind noch bis zum 10. April 2009 möglich. Unternehmensbosse sollten Gunter kennen

Staat verschleudert Geld und die SPD will höhere Steuern

Krisen-Trittbrettfahrertum leicht gemacht
Krisen-Trittbrettfahrertum leicht gemacht
Allen SPD-Plänen für offene und verdeckte Steuererhöhungen hat der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, eine Absage erteilt. „Gerade in der gegenwärtigen Krise braucht Deutschland eine Minderung der Steuer- und Abgabenlast und keinen neuen Dreh an der Steuerschraube. Im Wahlkampf gehen mit der SPD offenbar die ideologischen Pferde durch.“ Müntefering lasse jetzt mit seinen Überlegungen zu steuerlichen Sonderabgaben für Besserverdiener die Katze aus dem Sack. „Als Bundesfinanzminister Steinbrück vor einem Monat eine steuerliche Entlastung der Geringverdiener angekündigt hat, war klar, dass das nur die halbe Wahrheit ist.“ Das geplante Abgabenpaket aus höherer Einkommensteuer, Bildungssoli, Börsenumsatzsteuer und Vermögensteuer sei Gift für die Konjunktur, warnte der Mittelstandspräsident. Bei ihrer Neidkampagne übersehe die SPD zudem, dass der linear progressive Einkommensteuertarif isolierte Steuererhöhungen für bestimmte Einkommen gar nicht zulasse. So soll nach den SPD-Plänen der höhere Spitzensteuersatz von 47,5 Prozent ab 60.000 Euro Jahreseinkommen gelten. „Dadurch müssten automatisch alle mehr zahlen, die ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 13.469 Euro haben. Da kann man ja wohl kaum von Besserverdienern sprechen“, so Ohoven.

Auch der Düsseldorfer Personalexperte Udo Nadolski kritisiert die wirtschaftsfeindliche Ausrichtung der SPD. „Das ist billiges Krisen-Trittbrettfahrertum. Wenn man sich anschaut, wie viele staatliche Banken Milliarden verzockt haben unter den Augen von politischen Vertretern in den Aufsichtsgremien, ist es nicht sachgemäß die Abgabenlast für die Wirtschaft nach oben zu kurbeln. Das Gegenteil ist jetzt angesagt“, fordert Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Harvey Nash. Im gleichen Atemzug werbe die Bundesagentur für Arbeit mit ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen unter dem Titel „Mit Kurzarbeit die Krise meistern“, für die Inanspruchnahme von Staatsleistungen. „Mit dem Konjunkturpaket II wird der Bezug von Kurzarbeitergeld wesentlich erleichtert und noch umfassender gefördert. Wer seine Belegschaft in der Phase der Kurzarbeit qualifiziert, den unterstützt die Bundesagentur für Arbeit nun zusätzlich. Das ist gut für Unternehmen und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ob kleiner Handwerksbetrieb, Online-Agentur oder Großkonzern: Mit Kurzarbeit und Qualifizierung lassen sich Auftragseinbrüche ohne Entlassungen überbrücken und das bis zu 18 Monate lang“, so der Anzeigentext. Widersprüchlicher könne man nicht vorgehen, moniert Nadolski.

Empfehlung für Manager: „Drücke dich schlicht aus“, dann läuft die Wirtschaft besser

Nach Erfahrungen des Managementexperten und FAZ-Autors Erhard Glogowski verarmt die deutsche Muttersprache durch gedankenlose Verwendung von Anglizismen, fehlerhafte Grammatik und Unkenntnis des reichen Wortschatzes. „Dabei ist es nicht kompliziert, die Sprachkultur zu verbessern. Zur Kunst des geschmeidigen Redens haben die Meister der deutschen Sprache prägnante Regeln formuliert“, weiß Glogowski. Die Sprachverwilderung habe sich besonders in der Unternehmenswelt ausgebreitet. Wenn Manager im Ausland unterwegs seien auf der Suche nach neuen Märkten, handele es sich nicht um eine Erkundungsreise, sondern um eine „fact finding mission“. An den Börsen werde „getradet“ statt wie einst gehandelt. Unternehmensbilanzen wurden früher von Analysten durchleuchtet, jetzt werden sie „gescreent“.

„Die Reden und Kommentare von Wirtschaftsführern, Geschäftsberichte und Pressemitteilungen stehen allzu häufig mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß. Die Folge ist, dass man wirtschaftliche Zusammenhänge der Öffentlichkeit schon deshalb nicht erklären kann, weil es an der Sprachkompetenz mangelt, das heißt, an der Fähigkeit, Sachverhalte unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades in schlichten Worten auszudrücken“, so Glogowski. Seine Empfehlung lautet daher: „Drücke dich schlicht aus!“ Die Kunst der Rede bestehe seit der Antike darin, seine Zuhörer durch einfache Worte zu fesseln. So beruhte Luthers Wortgewalt auf der Einfachheit des Ausdrucks. „Alle Prediger sollen sich gewöhnen, dass sie schlicht und einfältig predigen, und sollen bei sich bedenken, dass sie jungen, unverständigen Leuten predigen. Einfältig zu predigen ist eine große Kunst. Man muss nicht predigen und tapfer mit großen Worten prächtig und kunstreich herfahren, dass man sehe, wie man gelehrt sei.“

Knapper bringt es Schopenhauer auf den Punkt: „Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ Man solle den Hörer zügig, aber nicht abrupt mit den Kernaussagen vertraut machen, rät Schopenhauer. „Demgemäss vermeide man Weitschweifigkeit und alles Einflechten unbedeutender, der Mühe des Lesens nicht lohnender Bemerkungen“. Man müsse sparsam mit der Zeit, Anstrengung und Geduld des Menschen umgehen. Dadurch werde man bei ihm sich den Kredit erhalten; immer noch besser, etwas Gutes wegzulassen, als etwas Nichtssagendes hinzusetzen. Für geschmeidiges Reden gibt es kein Patentrezept, aber eine von den Meistern der deutschen Sprache empfohlene Grundregel: Lasse Dich nicht gehen und feile am Stil. Dazu nehme man wiederum Nietzsche als Vorbild: „Den Stil verbessern – das heißt den Gedanken verbessern und gar nichts weiter!“

Bundesrat: Novelle des Vergaberechts muss mittelstandsfreundlicher werden – Experten sehen Nachbesserungsbedarf

Die Novelle der Vergaberechts, die jetzt im Bundesrat beraten wird, weise nach Auffassung von Wirtschaftsexperten immer noch Mängel auf. Die Schaffung von zentralen Vergabestellen beim Bund und die zunehmende Bündelung von Verträgen sind eine politische Erklärung, wie sich das Beschaffungswesen in Deutschland aufstellt. „Der Bund schließt Rahmenvereinbarungen im großen Stil ab, bei dem der Mittelstand oder gar kleine Unternehmen meist keine Chance haben. Die öffentliche Verwaltung kauft häufig Leistungen und Produkte zu einem Preis bei Großunternehmen ein, den kleine und mittlere Unternehmen einfach nicht bieten können. Und so wird die anstehende Novellierung wieder keine Stärkung des Mittelstandes in Deutschland bringen“, kritisiert Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash.

Eine wirkliche Entbürokratisierung des Vergaberechts bleibe aus. „So sind juristisch höchst umstrittene Kriterien wie Ortsansässigkeit oder Tariftreue eindeutig vergabfremde Aspekte, es dürften nur bieterbezogenen Kriterien wie Fachkunde, Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit bei der Auftragsvergabe beachtet werden. Auch die Tatsache, dass die Vergaberichtlinien für das Konjunkturpaket II gelockert wurden, die Schwellenwerte angehoben und freihändige Vergaben leichter durchzuführen sind, ist ein Schnellschuss“, so Nadolski.

Das Gebot der Transparenz müsse auch oder gerade in konjunkturschwachen Zeiten oberste Priorität haben. Die Begründung, einen schnellen Abfluss des Geldes sicherstellen zu wollen, hätte auch dadurch erreicht werden können, das Fristen der Verfahren zu verkürzen. Das Vergaberecht werde auch nach Meinung von Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) durch die Novelle wahrscheinlich noch restriktiver: „Das bedeutet im Klartext, dass die Kosten für sich bewerbende Mittelständler eher noch steigen werden. Anstatt das Verfahren zu entbürokratisieren, werden die Anforderungen sowohl an die ausschreibenden Stellen als auch an die Bewerber strenger. Schon der kleinste inhaltliche oder formale Fehler kann den Ausschluss bedeuten“, führt Ohoven aus.

Das Bundesministerium für Wirtschaft sollte sich der wirklichen Probleme annehmen, die den Unternehmern in Deutschland Sorgen bereiten. „Schließlich ist der Staat der größte Einkäufer des Landes und garantiert auf dem Papier einen vermeintlich fairen Wettbewerb, den es in der Praxis nicht gibt und den leider auch die Novellierung des Vergaberechts nicht schaffen wird“, bemängelt Nadolski.