Sprachlos auf Facebook: Firmen noch im Einweg-Wortschwall-Modus

„Märkte sind Gespräche“, so die vielzitierte Formel aus dem Cluetrain Manifest. Aufbauend auf den 95 Thesen von Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger schrieb ich im Jahr 2001 ein Buchkapitel unter der Überschrift „Abgesang der Phrasendrescher“: „Die Märkte des Internets möchten sich nicht mit Phrasendreschern unterhalten. Sie möchten an den Gesprächen teilnehmen, die hinter der Unternehmensfestung stattfinden.“ In den Worten der Cluetrain-Autoren klingt das so:

„Die Menschen in vernetzten Märkten haben erkannt, dass sie voneinander besser Informationen und Unterstützung erhalten als von Seiten der Anbieter. Das ist das Ende der Unternehmensrhetorik über den Mehrwert ihrer auf Konsum getrimmten Güter. Schon in wenigen Jahren wird die gegenwärtige homogenisierte Sprache unserer Unternehmen, die Sprache der Mission Statemens und Werbebroschüren auf uns ebenso manieriert wirken wie die Sprache bei Hof im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts. Schon jetzt jetzt kommen die hohlen Phrasen vieler Unternehmen bei den Menschen nicht mehr an. Unternehmen, die noch glauben, die Online-Märkte seien dieselben, die einst ihre Fernsehwerbung ertragen haben, machen sich etwas vor….Wir wollen wissen, was ihr in den Unternehmen treibt, wir wollen Eure Pläne und Strategien kennen, wir wollen Zugang zum Besten, was Eure Intelligenz zu bieten hat. Eure Vierfarbbroschüren öden uns an und der Schnickschnack auf Euren Websites schmeckt nach faden Fertiggerichten.

Zehn Jahre später hat sich leider wenig geändert, auch wenn der Bundesverband Digitale Wirtschaft in seinen Wunsch-Umfragen das Gegenteil behauptet.

So berichtet das Magazin t3n über die Studie von Socialbakers über Facebook Markenseiten, die der Unternehmenschef Jan Rezab als Gastblogger auf eConsultancy veröffentlicht hat:

Die Erkenntnisse sind ernüchternd für den markentreuen Facebooker. Denn 95 Prozent aller Posts auf die Pinnwände der großen Marken bleiben unbeantwortet.“

Aus dem Rahmen fallen nur TK-Unternehmen, die jede vierte Frage beantworten. Supi. Am Tabellenende stehen die Medienmarken – was für ein Zufall. Massenmedien waren per se auf Einwegkommunikation getrimmt. Da fällt eine Umkehr schwer und der Abstieg vom Thron des allmächtigen Nachrichten-Gatekeepers ist ja auch kein Zuckerschlecken für die Psyche.

„Was lernen wir aus der Statistik? Es ist im Grunde ganz einfach. Marken verstehen Kommunikation nach wie vor als Einbahnstraße. Es wird nicht kommuniziert, es wird verkündet. Da ist die Rückmeldung nur lästig.“

So ist es. Streicht man das Geklappere und die Schönwettermeldungen über Social Media weg, erkennt die Netzöffentlichkeit sehr schnell die Nacktheit des Kaisers mit den neuen Kleidern. Gespräche sind eben etwas anderes als Marketing-Wortschwall.

Zwischen Luftgitarren und Zauberberg: FAZ-Ostfriese Reents zerstückelt den Netzwerk-Experten Professor Kruse


Wer Kritik an den „Internet-macht-Gehirn-weich“-Thesen des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher äußert und zu den exponierten Persönlichkeiten der Netzwerk-Ökonomie zählt, muss mit empfindlichen Rundumschlägen der FAZ-Feuilletonisten rechnen. Den Anfang machte das FAZ-Dossier „Deutsche Blogger“, das nur so vor Häme triefte und nun trifft es den Psychologie-Professor Peter Kruse. Er hatte es im Interview mit der Süddeutschen Zeitung gewagt, einige zentrale Aussagen des Schirrmacher-Buches Payback in Frage zu stellen – ohne Polemik, ohne Schaum vorm Mund und ohne unter die Gürtellinie zu schlagen: „Herr Schirrmacher begeht in seinem Buch einen erstaunlichen Denkfehler durch die Einseitigkeit der von ihm gewählten Perspektive: Er betrachtet die digitale Welt ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Person, die das Geschehen als distanzierter und bewertender Beobachter erlebt. Wer sich nicht selbst in den Netzwerken bewegt und sie als eine schwer zu ertragende Kakophonie empfindet, der fühlt sich logischerweise schnell überfordert und vielleicht sogar aggressiv belästigt. Mit seinem Buch outet sich Herr Schirrmacher als fremdelnder Netzwerk-Besucher, als Zaungast, der einer wilden Party gleichermaßen neugierig wie irritiert aus der Ferne zuschaut“, so Kruse.

Auf nahezu jeder Seite von „Payback“ spüre man das Unwohlsein des Autors angesichts des realen oder befürchteten Kontrollverlustes: „Herr Schirrmacher vertritt offenkundig die Idee, dass es die Aufgabe des Individuums ist, sich die Welt untertan zu machen, sie zu beherrschen oder wenigstens zu bewältigen – alles eine Frage guten Managements. Er konstruiert einen scharfen Gegensatz zwischen den Netzen und den Nutzern. Mit der sozialen Software des Web 2.0 hat ein derartiger Gegensatz seine Gültigkeit eingebüßt. Das Netz ist kein schrilles Informationsmedium mehr, das man vorsichtig und möglichst geschickt nutzen sollte, sondern es ist selbst zu einem faszinierenden Kommunikations- und Lebensraum geworden, den es zu erkunden und mitzugestalten gilt“, soweit die wichtigsten Passagen des Kruse-Interviews, die das FAZ-Feuilleton wohl als Majestätsbeleidigung wertet. Denn der FAZ-Literaturredakteur Edo Reents, Thomas Mann-Experte, Popmusik-Kritiker und als gebürtiger Ostfriese Mitglied des FC Bayern München (!?), hat gegen Kruse mit der Keule einer „Gegenrecherche“ ausgeholt. Schon in der Überschrift wird deutlich, wo der Hase hinläuft:

„Der Vollweise: Peter Kruse gilt im Internet als Guru. Er weiß das Einfache kompliziert zu erklären und berät Firmen und Politiker. Zumindest sagt er das“.

Kruse also ein Blender, ein Berater, an den sich kein Kunde erinnern kann, ein Empiriker, der keine repräsentativen Studien vorlegt, ein Redner ohne Substanz? All das versucht Reents zu belegen oder er unterstellt es zumindest. Beispiel: „Die Nextpractice-Homepage führt eine ‚Kundenliste‘ mit mehr als fünfzig bekannten Firmen, von Agfa und BASF über Media Markt bis hin zu Obi und VW. Hört man sich dort jedoch um, so ist nicht ein einziger Pressesprecher auf Anhieb in der Lage, Auskunft zu geben; niemand unter den Pressesprechern hat von dieser Firma oder deren Leiter jemals etwas gehört„, schreibt Reents.

Hat der FAZ-Schreiber wirklich alle Pressesprecher angerufen? Da der Artikel am Wochenende erschienen ist, kann ich das schwerlich überprüfen. Kein Pressesprecher wird von Reents namentlich benannt, so dass es wohl noch schwerer fällt, bei großen Unternehmen mit personell gut ausgestatteten Kommunikationsabteilungen die Behauptungen von Reents zu verifizieren. Vielleicht könnte Reents noch ein paar Namen nachträglich auf der Website seiner Zeitung nennen – dann kann man gezielter nachfassen. Fraglich ist auch, ob Unternehmenssprecher von Konzernen überhaupt dazu in der Lage sind, über alle Beratungsprojekte der eigenen Organisation aus dem Stegreif Auskunft zu geben.

Ein Blick in die Hoppenstedt-Firmendatenbank macht klar, dass die nextpractice GmbH mit vier Geschäftsführern über ein breites Leistungsspektrum verfügt: „Geschäftstätigkeit: Unternehmensberatung, Marktforschung, Vermarktung von Softwarelizenzen, Vertrieb von Hard- und Software, Schulungen, Serviceleistungen und Programmierleistungen“. Pressesprecher sind keine Controller oder Einkäufer von Leistungen für Unternehmensberatung, Webprojekten, Changemanagement, Personalentwicklung, Schulungen, Marktforschung und Informationstechnologie. Sie können das auf Knopfdruck gar nicht parat haben. Zudem wird wahrscheinlich nicht alles vom gelernten Psychologen Kruse repräsentiert. Wie hat Reents nachgefragt? Kennen Sie Herrn Kruse, den Internetguru? Arbeiten Sie mit der Firma nextpractice zusammen? Hat er auch nach den drei weiteren Geschäftsführern gefragt (Andreas Greve, Frank Schomburg, Thorsten Schomburg)? Diese wichtigen Punkte hat der FAZler eher nicht in den Mittelpunkt seiner Recherchen gestellt – sonst wäre sein Artikel nicht so vernichtend ausgefallen. Zumindest erfahren wir, dass man bei BASF, Daimler-Benz und Thyssen nach Tagen herausfand, dass es einmal eine Zusammenarbeit gab, über die jedoch nichts Näheres gesagt wird. Warum auch.

„Bei Eon Ruhrgas hat Kruse über sein Steckenpferd, das sogenannte Change Management, referiert. Andere Firmen, zum Beispiel Obi, wo Kruse einmal einen Vortrag gehalten hat, oder Media Markt, wo ihn zumindest heute niemand kennt, erfahren erst durch diese Nachfrage davon, dass Nextpractice sich mit ihrem Namen schmückt“, behauptet Reents. Wussten diese Firmen, dass sie indirekt als Zeugen für die „Gegenrecherche“ herhalten? Dazu gibt es in den nächsten Tagen hoffentlich einige klärende Statements der zitierten Unternehmen.

Reents bringt noch ein weiteres „Faktum“:

„Kruse berichtete einem Journalisten davon, dass seine Firma im Jahre 2008 fünfhundert EU-Parlamentarier in Fragen von Ökologie und Umweltschutz miteinander ‚vernetzt‘ habe. Nachfragen in Brüssel aber ergeben, dass niemand unter den Fraktionsvorsitzenden der Parteien und auch niemand unter den befragten Mitgliedern des Umweltausschusses, egal, welcher Partei, mit Nextpractice etwas anzufangen weiß. Auf Anfrage erklärt Kruse, man habe damals bei einem Referentenmarathon zu Klimafragen ‚Vernetzungstechnologie‘ zur Verfügung gestellt, also im Wesentlichen ‚ein Laptop-Netzwerk aufgebaut'“, führt Reents aus. Auch hier kann ich mir schwerlich vorstellen, dass Fraktionschefs oder Ausschussmitglieder darüber Auskunft geben können, welche Dienstleister für den Aufbau von IT-Infrastrukturen aufgewählt wurden. Das Projekt wurde 2008 realisiert. Welche Fraktionschefs und Ausschussmitglieder hat Reents befragt? Die, aus der alten Legislaturperiode, die 2009 endete oder jene nach der Europawahl, die im vergangenen Jahr stattfand? Es soll ja doch die eine oder andere personelle Veränderung gegeben haben.

Die Angriffe von Reents zielen nicht nur auf die geschäftliche Seite von Professor Kruse. Fraglich soll auch seine wissenschaftliche Expertise sein, wenn es um empirische Arbeiten geht: „In der Regel werden von Nextpractice weniger als zweihundert Personen befragt; dafür wird das mit dem Attribut ‚qualitatives Interview‘ versehen – als hätten alle anderen Interviews keine Qualität. Auf den Anspruch auf wissenschaftliche Seriosität, darauf, etwas Relevantes über unsere Gesellschaft auszusagen und sie über Beratung auch zu beeinflussen, reagiert man in Fachkreisen mit Gelächter. Ursula Dehm, die beim ZDF seit vielen Jahren Medienforschung betreibt, kriegt sich gar nicht wieder ein: ‚Da dreht sich einem das Empiriker-Herz um. Das ist quirliger Nonsens.'“ Kennt Reents nicht den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Analysen? Ich glaube nicht, dass Kruse unterstellt, dass andere Interviewmethoden keine Qualität besitzen. Er sprach von qualitativen Interviews. Selbst ein Journalist, der Germanistik, Publizistik und Philosophie studiert hat, sollte kapieren, wo der Unterschied liegt. Schauen Sie, lieber Herr Reents, in ein Lehrbuch der Psychologie. Selbst eine Google-Suchanfrage hätte Sie schlauer machen können. Sind empirische Arbeiten nur aussagekräftig, wenn sie mit Stichproben von 1.000 oder 2.000 Befragten arbeiten? Haben Sie sich mit der wirklich ausführlich mit der Studie von Kruse beschäftigt, Herr Reents? Konnte Frau Dehm einen Blick auf die Methodik der qualitativen Interviews werfen? Nicht nur die Stichprobe ist für empirische Studien entscheidend. Ebenso essentiell ist die Qualität des Fragebogens? Das alles bleibt im Dunkeln. Alle weiteren Breitseiten von Reents gegen Kruse will ich nicht weiter kommentieren. Die Thesen von Kruse zum Web 2.0, seine Reden und Interviews können kritisch reflektiert werden. Das steht bei Reents aber gar nicht im Vordergrund. Es geht um die Reputation von Kruse – und da sind die Recherchemethoden des Literaturredakteurs höchst fragwürdig.

„Alles, was er anpackt, ist funky“ – das gilt mit Sicherheit für Peter Wolf, einst Sänger der J. Geils Band. Er wird von Reents in der gleichen Ausgabe der FAZ porträtiert. Und da findet man einen Satz, der den Leser der Kruse-Abrechnung nachdenklich machen müsste: „Man muss im Rock ’n‘ Roll mit vielem rechnen, dies aber war nicht absehbar. Oder doch?“

Siehe auch:
Pöppel pöbelt gegen Facebook: Die ewige Wiederkehr der Schirrmacher-Theoreme im FAZ-Feuilleton.

Spiegel Online: „Jesus ist zu gut. Das macht ihn langweilig“

Carta: Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt

evangelisch.de: Alle haben immer recht

Industrieunternehmen vernachlässigen Entwicklung und Vermarktung von Serviceleistungen – Verzahnung von Produkt-, Software- und Dienstleistungsinnovationen als Hausaufgabe

logo-bestedienstleister-2010Auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft gibt es für viele Unternehmen noch immer manchen Stolperstein aus dem Weg zu räumen. Während viele Betriebe im Endkundengeschäft ihre Services und Kundenbetreuung ausbauen, herrscht im Verhältnis zu Geschäftskunden noch Nachholbedarf. Einer Studie der Wiesbadener Beratungs- und Agenturgruppe Marketing Partner zufolge steigt zwar der Stellenwert der Serviceleistungen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Lediglich 20 Prozent der Firmen betreiben eine zielgerichtete Vermarktung ihrer Serviceleistungen. Das zeigt: Vielen Maschinenbauern fällt der Vertrieb von industriellen Serviceleistungen neben der Abwicklung des Kerngeschäfts noch schwer. Die Chance auf zusätzliche Gewinne bleibe deutlich hinter den Möglichkeiten des Marktes zurück, so die Studie mit dem Titel „After-Sales-Service erfolgreich vermarkten“.

Ganz anders sieht es im Endkundengeschäft aus. Unter den zehn besten Unternehmen beim Wettbewerb „Deutschlands Kundenorientierteste Dienstleister 2009″ finden sich sieben Unternehmen aus der Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche. Platz eins belegte der TV-Sender Home Shopping Europe (HSE). Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky und der Münchener Finanzprodukt-Vermittler interhyp AG. „Viele Unternehmen sehen sicherlich die Notwendigkeit, das Servicegeschäft aktiv auszubauen. Allerdings fehlt vielen auch der nötige Organisationsgrad“, so die Markterfahrung von Robert Keller, Leiter Service International beim schwäbischen Technologiespezialisten Bizerba. „Leider wirkt sich auch der kurzfristige Kostendruck negativ aus. Es wird oft am falschen Ende gespart. Statt auf Originalersatzteile und den Herstellerservice zu setzen, versucht man, sich zu behelfen. Doch diese Strategie geht in den seltensten Fällen auf“, so Keller, der gerade in Krisenzeiten neue Chancen für die Servicestrategen sieht.

Innovative Servicekonzepte, die die Kundenbedürfnisse vorhersehen, müssten gerade in schwierigen Zeiten entwickelt werden. Bizerba setze daher auf eine große Bandbreite bei Serviceleistungen, von Beratung und Schulung über internetbasierte Ferndiagnose oder einen 24-Stunden-Service bis hin zum regelmäßigen Akku- und Batterietausch für die PC-Waagen oder ein umfangreiches Angebot an Spezial-Reinigern für Schneidemaschinen, die die Gesamtlaufzeiten der Geräte und Maschinen verlängern und die Wartungshäufigkeit verringern. „Und das ist für die Kunden bares Geld wert“, ist Keller von der Bedeutung des After Sales überzeugt.

Zwei Drittel der von Marketing Partner befragten Unternehmen organisieren den Vertrieb von Serviceleistungen derzeit bereits als eigenständige Unternehmenseinheit in Form eines Profitcenters. Insbesondere Ergebnisorientierung, Kostentransparenz und die Möglichkeit, Erfolge direkt zuordnen zu können, werden als wesentliche Vorteile dieser Organisationsform genannt.

Pflichtlektüre für Service-Innovatoren
Pflichtlektüre für Service-Innovatoren

„In vielen Industrieunternehmen ist das allerdings bislang nicht der Fall. Dort konzentriert man sich auf die Vermarktung des isolierten Produktes und vernachlässigt die Verlängerung der Wertschöpfungsketten. Mit ausgefeilten und intelligenten Servicekonzepten rund um das Produkt-Kerngeschäft kann man sehr hohe Gewinnmargen erzielen. Allerdings müssen Dienstleistungen mit der gleichen Akribie konzipiert werden, wie technologische Ingenieursleistungen. Die Maschinen- und Anlagenbauer können das nicht nur als notwendiges Übel betrachten, sondern müssen sich zu Service-Providern weiterentwickeln“, so das Fazit von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash.

Das sei ein wichtiger Entwicklungsschritt, um in dem postindustriellen Zeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht um eine Verschmelzung von Produkten und Dienstleistungen. „Man muss die Rolle der Kunden neu begreifen und sie als Partner im Wertschöpfungsprozess sehren. Man muss sie sehr früh bei Innovationen einbinden und ihnen Plattformen und Lösungen bereitstellen, die exakt zu den Bedürfnissen der Kunden passen“, skizziert Nadolski die Anforderungen für das produzierende Gewerbe. Die Verzahnung von Produkt-, Software- und Dienstleistungsinnovationen zähle zur wichtigsten Hausaufgabe der industriellen Welt.

Studie: Bauchfett erhöht Prostatakrebs-Risiko bei Männern – Kohlenhydratarme Ernährung könnte Abhilfe schaffen

Eine Studie Potsdamer Ernährungsforscher ergab, dass ein dicker Bauch erhebliche Gesundheitsrisiken birgt. Zuviel Fett um Hüfte und Taille führt zu einem erhöhten Prostatakrebsrisiko bei Männern, so die Ergebnisse der Studie, die die Wissenschaftler anhand der Daten von mehr als 153.000 Männern in einer EU-weiten Langzeitstudie ermittelten. Laut den Forschern um Heiner Boeing und Tobias Pischon vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam www.dife.de könnte das Bauchfett den männlichen Hormonhaushalt im Hinblick auf das Prostatarisiko ungünstig beeinflussen. Zudem belegen weitere Studiendaten, dass starkes Übergewicht und ein dicker Bauch bei Menschen um die 50 auch das Sterblichkeitsrisiko erhöhen. Die Forscher fanden heraus, dass nicht nur übergewichtige Menschen von diesem Risiko betroffen sind. „Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das Übergewicht an sich, aber auch unabhängig davon die Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums beeinflusst“, so Pischon. Denn das Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern. Dies könne zum Teil erklären, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI) aber großem Taillenumfang ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko besäßen.  

In Deutschland sind inzwischen 67 Prozent der Menschen übergewichtig oder stark übergewichtig. Nicht nur die Ergebnisse der Potsdamer Studie verdeutlichen, wie dringend die Deutschen hier etwas ändern müssen. Denn: wie eine weitere Teilstudie der europaweiten Studie ergab, fördert eine fettreiche Ernährungsweise zudem das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.  

Die Zahl der Diäten ist inzwischen immens gestiegen, doch über ihre Effektivität lässt sich streiten. Viel versprechender erscheint es in diesem Zusammenhang, einfach seine Ernährung umzustellen und auf eine ausgewogene Ernährungsweise zu achten. Eine Möglichkeit besteht daran, sein Essverhalten an der GLYX-Ernährungslehre zu orientieren, das heißt unter Beachtung des so genannten Glykämischen Indexes (GI).  

Der GI gibt an, wie schnell ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Kohlenhydrate mit hohem GI lassen den Blutzucker hoch ansteigen, Kohlenhydrate mit geringem GI stabilisieren hingegen den Blutzucker. Je steiler der Blutzucker nach oben klettert, desto mehr Insulin schüttet der Körper aus, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Das Insulin tut dies, indem es die in Glykose umgewandelten Kohlenhydrate als Energie in die Zellen transportiert. Sind die Zellen und die Energiespeicher noch voll, wandert alles direkt in die Fettdepots. Insulin wird daher auch als Fettspeicher- oder Masthormon bezeichnet. Nimmt man zu viele hochglykämische Kohlenhydrate zu sich, steigt das Körpergewicht stark an.  

Laut der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Lebensmittel in drei Gruppen eingeteilt – solche mit einem niedrigen Glykämischen Index (55 oder weniger), solche mit einem mittleren GI-Wert (56 bis 69) und Lebensmittel, die einen hohen GI-Wert aufweisen (70 oder mehr). Ausgangspunkt und gleichzeitig höchster GI-Wert ist mit 100 – der Glykämische Index von Traubenzucker. Cornflakes haben etwa einen Glykämischen Index von 81.

Der Ernährungsexperte Ulrich Overdiek beschäftigt sich schon seit langem mit dem Glykämischen Index. Er ist Geschäftsführer der vivamangiare Wellfood-Restaurants www.vivamangiare.de und bietet hier seinen Gästen gesunde Snacks und leichte Gerichte unter dem Motto „Wellfood statt Fastfood“. „Hier kann sich jeder gezielt kohlenhydratarm ernähren. Alle Speisen und Getränke sind farblich gekennzeichnet – dabei steht grün für kohlenhydratarme Speisen und Getränke mit geringem GI, gelb für Speisen mit mittleren GI und rot für kohlenhydratreiche Speisen mit hohem GI“. Sein neuestes Produkt ist vivagreen, ein Erfrischungsgetränk mit einem GI-Wert von unter 50.

NeueNachricht/medienbüro.sohn/ZEW-Studie: Junge High-Tech-Firmen mit internationaler Ausrichtung wachsen schneller

Junge deutsche High-Tech-Unternehmen wagen schnell den Schritt auf internationale Märkte: Bereits in den ersten Jahren nach ihrer Gründung erzielen 31 Prozent Umsätze im fremdsprachigen Ausland. Das belegt eine Studie, die das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) http://www.zew.de in Zusammenarbeit mit Microsoft Deutschland durchgeführt hat. So generieren exportierende High-Tech-Unternehmen höhere Umsätze und wachsen schneller. Im ersten Geschäftsjahr liegt der Umsatz von exportierenden High-Tech-Unternehmen um etwa drei Viertel höher als der Umsatz von nicht-exportierenden Unternehmen. Auch die Wachstumsrate der Umsätze liegt mit durchschnittlich 66 Prozent pro Jahr 14 Prozentpunkte über der Wachstumsrate von Unternehmen ohne Export.

 

Start-ups, die selbst intensiv Forschung und Entwicklung betreiben, sind dabei besonders erfolgreich und können ihren technologischen Vorsprung auch international ausspielen. Doch eine strategische Vorbereitung ist Pflicht: Bei 59 Prozent der untersuchten Firmen, die in das internationale Geschäft einsteigen wollen, verpuffen die Exportbemühungen. Entweder wird die Internationalisierung nur halbherzig umgesetzt oder schlecht geplant. Der wichtigste Markt für junge High-Tech-Unternehmen aus Deutschland ist dabei Europa. In Asien erzielen deutsche Start-ups heute bereits ähnlich hohe Umsätze wie in Nordamerika.

 

„Wichtig ist, dass die Internationalisierung strategisch angegangen wird. Das Management muss seinen Fokus auf die Exporttätigkeit richten, das richtige Know-How ins Unternehmen holen und die entsprechenden Ressourcen einplanen. Halbherzige Versuche, internationale Märkte zu erobern, werden scheitern“, sagte Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung des ZEW, bei der Vorstellung der Studie in München. Die deutschen High-Tech-Gründungen vertreiben ihre Produkte und Dienstleistungen überwiegend per Direktexport innerhalb der Europäischen Union oder in andere europäische Länder und erzielen hier rund 76 Prozent aller Exportumsätze. Beinahe gleichauf mit Nordamerika (7,5 Prozent) liegt Asien mit einem Anteil an den Exportumsätzen von 6,8 Prozent. Hier scheinen bereits viele Unternehmen, die Chancen des aufstrebenden asiatischen Marktes zu nutzen, so die Einschätzung der ZEW-Forscher.

 

„Die ZEW-Studie belegt wieder einmal, wo die Stärken unseres Landes liegen: In Forschung, Entwicklung und Technologieführerschaft, die sich international voll auszahlt. Allerdings reicht eine reine High-Tech-Orientierung nicht aus. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Managementwissen sind der Erfolgsgarant, wenn es darum geht, High-Tech ‚auf die Straße zu bringen’. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Viele Dotcom-Unternehmen sind in den Jahren 2000 bis 2002 an der fehlenden kaufmännischen Qualifikation kläglich gescheitert. Und das, obwohl die Geschäftsideen und die Technologien in vielen Fällen sehr gut waren“, weiß Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmens Harvey Nash http://www.harveynash.com/de,

 

Start-ups, die sich international ausrichten, sollten nach Ansicht von Matthias Harsch, Sprecher der Geschäftsführung von Bizerba http://www.bizerba.de, die Technologie-Trends in den Ländern mit dynamischem Wachstum sehr genau analysieren. „Bei typischen Produktentwicklungszeiten von zwei bis drei Jahren im Investitionsgüterbereich müssen junge Unternehmen genau planen, was sie entwickeln und mit welchen Vertriebskonzepten sie auf den Markt gehen. Oft erlebt man besonders in Asien eine unglaubliche Offenheit und Affinität zu modernen High-Tech-Produkten, die auch den menschlichen Spieltrieb ansprechen. Hier kann man ansetzen und oft sehr vernünftige Margen generieren“, so Harsch gegenüber NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 

Marketingprofi Günter Greff http://www.greff.de sieht Nachholbedarf bei Unternehmensgründungen: „Wir brauchen in Deutschland mehr High-Tech-Enthusiasten, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Wir benötigen junge und erfolgshungrige ‚Silicon Valley-Unternehmer’ mit einer hohen Risikobereitschaft, mit einer engen Verzahnung von Marketing und Produktentwicklung sowie einer stringenten Internationalisierungs- und Marktführerschaftsstrategie“, kommentiert Greff die ZEW-Studie.