Der Journalismus braucht keinen Gegner: „Die schlagen den Sargnagel selbst ein“ @klauseck @VBanholzer

Professor Lutz Frühbrodt sieht Content Marketing als weiteren Sargnagel des Journalismus. Er hat das ausführlich auf dem Besser Online-Kongress in Köln erläutert.

Fragt sich nur, wer dafür verantwortlich ist. Klaus Eck von der Agentur d.Tales sieht die Schuld nicht bei den Unternehmen. Firmen wollen unabhängig von den journalistischen Gatekeepern agieren. Das sei aber keine Umgehungsstrategie.

„In manchen Branchen sind diese Gatekeeper gar nicht mehr vorhanden. Etwa in der IT-Industrie. Wie viele Zeitschriften gibt es da noch? Man möchte als Kommunikator gerne mit Medien zusammenarbeiten. Es fehlen aber die Anschlussstellen“, sagt Eck.

Der Journalismus brauche keinen Gegner.

„Die schlagen den Sargnagel selbst ein. Ich finde es schade, dass Medien viele Themen nicht mehr aufgreifen – beispielsweise im Lokaljournalismus. Mit den radikal ausgedünnten Redaktionen kann man nicht mehr umfassend berichten“, erläutert Eck.

Noch trüber sieht es im Fachjournalismus aus. Im Durchschnitt werden dort die Publikationen von 1,5 Personen gemacht. Ein Chefredakteur und vielleicht noch eine halbe Schreibkraft. Das wird dann kompensiert mit vielen „freien“ Autoren.

„Die kommen überwiegend von Unternehmen, die in den Fachmedien ihre Artikel ‚platzieren’. Die Content-Produktion wird ausgelagert“, weiß Eck.

Folge: Auch Fachmedien machen sich überflüssig, weil Unternehmen auf die Idee kommen, solche Formate selbst auf die Beine zu stellen. Die Kompetenzen, die Unternehmen bei Fachthemen haben, gehen viel tiefer. Es sei leichter, meint Eck, aus einer fachlichen Kompetenz eine journalistische Kompetenz zu machen als umgekehrt.

Marken werden also zunehmend zu Sendern, weil sie mit ihren Botschaften bei den etablierten Medien nicht mehr durchdringen. Als integrative Kraft spielt der Journalismus in der Netzwerkgesellschaft eine immer geringere Rolle.

Nach Analysen von Volker Banholzer, Professor für Technikjournalismus und Technik-PR, fehlen Konzepte für eine fragmental differenzierte Gesellschaft. Im Internet dominieren privatisierte Öffentlichkeiten. Der Journalismus müsste Konzepte für diese Netzwerke entwickeln.

„Das tut er aber nicht“, kritisiert Banholzer.

Wenn Unternehmen zu wenig in der veröffentlichten Meinung vorkommen, entwickeln sie eigene Konzepte. Indirekt ist das ein Angriff auf das Deutungsmonopol der Medien.

#Streamcamp14 meets Besser Online-Kongress – Live-Doku-Experiment von @ruhrnalist #SocialTV #djvbo

SocialTV mit Kai Rüsberg
SocialTV mit Kai Rüsberg

Gemeinsam mit dem Hörfunk- und Fernsehjournalisten Kai Rüsberg unternehmen die Besser Online-Kongressteilnehmer in Berlin am Samstag, den 18. Oktober in einem Workshop den Versuch, mithilfe eines Google Hangout on air und alternativer Kameratechnik live im Internet von der Konferenz zu berichten.

Produziert wird eine Live-Doku der Veranstaltung unter Einbindung der Teilnehmer. Sie kann vom DJV geteilt und eingebunden werden und steht nach Sendungsende als Aufzeichnung dauerhaft unter dem gleichen Link auf YouTube online. Die so produzierten Sendungen sind zugleich ein Beispiel für SocialTV, weil sie interaktiv sind und etwa dem Zuschauer die Möglichkeit bieten, über eine eingebaute Frage-Antwort-Funktion, aber auch per Social Media während der Sendung Fragen zu stellen. Zusätzlich können externe Orte, Fachleute, Konferenzen und sogar Zuschauer in die Sendung aufgeschaltet werden.

„Das Seminar und die Sendung werden vorab in Google+ als Veranstaltung veröffentlicht und lassen eine Anmeldung zu, die dann eine Terminerinnerung auslöst. In dem vorweglaufenden Seminarteil von 9:30 bsi 10:30 Uhr werden bis zu 8 Teilnehmer in die Technologie eingewiesen und an der Sendungsgestaltung beteiligt. Der Fokus liegt nicht auf optimaler Sendequalität, sondern auf dem interaktiven Erlernen der Technik und eigenständigem Entdecken der Möglichkeiten eines Live-Streams“, heißt es in der Ankündigung des DJV.

Das Streamcamp in München ist Teil dieser Doku, denn um 13:30 Uhr organisieren wir eine Liveschalte in das Foyer des Besser Online-Kongresses und werden uns mit den Workshop-Teilnehmern von Kai Rüsberg unterhalten. Am Nachmittag gibt es dann in Berlin noch ein Forum, wo die Ergebnisse des Medienexperiments erörtert werden. Das können wir dann beim Streamcamp nicht mehr verfolgen. Aber Kai könnte ja danach in unserer Mittwochssendung bei Bloggercamp.tv darüber berichten.

Wer das Ganze live erleben will, sollte zum Streamcamp nach München kommen 🙂 Wir werden zwei Tage mit Hangout on Air experimentieren!

Siehe auch:

MIT #ONESHOT-VIDEOS DEN BEWEGTBILDMARKT REVOLUTIONIEREN.

Wacht auf: Die Webvideo-Revolution ist längst da.

Google experimentiert mit alternativen Newsquellen!

Über Powerpoint-Technokraten und pseudo-rationale Zahlenspielereien #djv_bo

Business-Weisheiten mit Eselsohren
Business-Weisheiten mit Eselsohren

Führungskräfte in Organisationen umgeben sich gerne mit Mythen der Rationalität und konstruierten Kausalketten, um ihre Entscheidungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Zufall, Glück und Unberechenbarkeit sind die natürlichen Feinde des allwissenden Dirigenten in Politik und Wirtschaft. Der Glaube an Kontrolle und Steuerung zählt dennoch hartnäckig zum Bullshit-Einmaleins der Positionselite, um am Ruder zu bleiben. Oder in den Worten des Philosophen Harry G. Frankfurt: Bullshitting lässt den Klugscheißer klug erscheinen und sei immer dann unvermeidlich, wenn die Umstände es erfordern zu reden, ohne zu wissen worüber.

„Der magische Glaube muss in Organisationen durch Beschwörungen, Zeremonien, Mythen und Legenden des Erfolgs gefestigt werden“, schreibt der Organisationstheoretiker Professor Günther Ortmann in seinem Opus „Die Kunst des Entscheidens“ (Verlag Velbrück Wissenschaft).

Zweifler und Skeptiker stören die Aura pseudo-rationaler Entscheidungen – sie werden abserviert.

Benedikt Herles, der zur jungen Wirtschaftselite des Landes zählte, hat das hautnah miterlebt und im Interview mit Spiegel Online sowie in seinem neuen Buch „Die kaputte Elite – Ein Schadensbericht aus unseren Chefetagen“ (erschienen im Knaus Verlag) ausführlich erläutert:

„Leistung ist in diesem System die einzige Religion. Wer das Risiko scheut, überlebt am besten. Die Leute sind ängstlich und brutal ehrgeizig, Statussymbole sind ihnen wichtig. Und man muss technokratisch veranlagt sein, sonst langweilen einen die Analysen und scheinrationalen Prognosen.“

Wichtig ist nur Powerpoint-Schaumschlägerei. Bei einem einstündigen Meeting kommen dann auch schon mal bis zu 100 Folien an die Wand.

„Die wichtigste Regel: Es darf nichts zittern. Alles muss auf den Millimeter exakt formatiert sein. So mancher Manager schaut sich die im Jargon ‚Decks‘ genannten Präsentationen im Schnelldurchlauf an. Das muss astrein aussehen“, sagt Herles gegenüber Spiegel Online.

In der digitalen Sphäre ist es sogar noch schwieriger, den Schein von Planung und Ratio zu wahren:

„Alle Thesen und Prognosen, die wir in der Vergangenheit aufgestellt haben, sind nicht in Erfüllung gegangen“, so der ernüchternde Rückblick von Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“, auf seine 23-jährige Berufserfahrungen mit Internet-Trends. „Nichts von dem, was wir prognostiziert haben, ist wahr. Nur eine einzige These ist übrig geblieben und die lautet: Alle Thesen im digitalen Journalismus sind falsch.“

Dennoch gibt es eine Sehnsucht nach einfachen und allgemein gültigen Thesen, die immer wieder in die Öffentlichkeit geblasen werden – was wohl am schlechten Gedächtnis der Thesenautoren liegt. Wegner benennt einen Springer-Vorstand, der beklagte, dass es in den frühen Tagen des World Wide Web nicht gelungen sei, eine Bezahlinfrastruktur zu etablieren. Solche Leute saßen damals wohl in Meetings ihrer Kinderkrippe. Es gab ein Wettrennen zwischen AOL mit geschlossenen, kostenpflichtigen sowie exklusiven Medieninhalten und dem freien Internet.

„Das offene Internet hat damals gewonnen. Alle Online-Verlagsmodelle dieser Zeit sind gescheitert, wenn sie Geld verlangt haben“, erläutert Wegner bei seinem Eröffnungsvortrag auf dem Besser-Online-Fachkongress des Deutschen Journalisten Verbandes in Mainz.

Selbst Internet-Guru Howard Rheingold, der den Begriff der virtuellen Gemeinschaft prägte, ist grandios gescheitert. Er habe, so Wegner, für sehr viel Geld eines japanischen Risikokapitalgebers bewiesen, dass Communities kein Geschäftsmodell sind. Das Projekt hieß Electric Minds. Auch Wegner war davon überzeugt, mit Community-Projekten kein Geld machen zu können. Einige Internet-Blasen später kam dann Mark Zuckerberg mit Facebook und mittlerweile sei der Community-Redakteur wieder ein gefragter Beruf.

Dann gebe es da noch Apple.

„Das ist eine Firma, die nach unseren Thesen alles falsch gemacht hat – genau deswegen ist sie vielleicht so erfolgreich. Die Firma wird diktatorisch geführt, ist verschlossen bis zur Paranoia und ignoriert jegliche Marktforschung – sagen sie das mal einem Verleger. Apple betreibt eine komplett geschlossene Plattform, kultiviert einen Kontrollwahn, setzt nicht auf Open-Source-Standards. Apple ist eigentlich böse und wird dafür geliebt. Und Apple will Geld für Content“, führt Wegner weiter aus, der mittlerweile weghört, wenn sich Experten gegenseitig das Netz erklären.

Er ist thesenmüde, was allerdings zu einer anderen Form von Wachheit führt. Zu einer Wachheit, die genau beobachtet, was jetzt und hier passiert. Diese Thesen-Aversion führt zur Konzentration auf das, was ist. Alle drei Monate passieren Sachen, wo man sich grundsätzlich fragt, ob der eingeschlagene Weg noch richtig ist. Deshalb hat „Zeit Online“ seinen Redaktionsbetrieb komplett auf einen zweiwöchigen Rhythmus umgestellt.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne: Gelegenheit schlägt Planung!

OneShotVideos und die Online-First-Strategie der Sendeanstalten – TV-Nachrichten in Twitter-Länge @ruhrnalist #StreamCamp13

Video-Journalismus

Nach seinem Auftritt in der Session „Mobile Reporting“ beim Mainzer DJV-Kongress „Besser Online“, skizzierte der freie WDR-TV-Journalist Kai Rüsberg aka @ruhrnalist seine Philosophie über mobilen Journalismus in Bloggercamp.tv. Es geht um so genannte OneShotVideos, eine Technik, die der Video-Enthusiast auch für professionelle Einsätze etablieren möchte.

Es handelt sich um kurze journalistische Videos, die mit einfacher, extrem mobiler Technik und minimalem Nachbearbeitungsaufwand produziert werden. Die Ziellänge liegt auf dem Niveau von Twitter-Nachrichten, also maximal 2:20 Minuten oder kürzer.

„Alle Bildideen und Interviewteile werden möglichst in einer einzigen Einstellung einer sich am Drehort bewegenden Kamera aufgenommen. Das erfordert sowohl einige Überlegung vor dem Dreh zum Setting, zur Wahl der abbildbaren Motive als auch der möglichen Bewegungspfade und der dort sinnvollen Moderationen und Fragen sowie eines sinnvollen Filmausstiegs“, sagt Kai Rüsberg.

Die Filme bekommen dann quasi einen Live-Charakter.

„Es ist meine Form einer Filmsprache für aktuelle, journalistische Internetproduktionen: Die Drehzeit entspricht mehr oder weniger der Produktionszeit. Als Nachbearbeitung gibt es nur noch das Abschneiden vorne und hinten und das Hochladen ins Netz. Letztes ist bei Videos in HD-Qualität bei rund 100 Mbit pro Minute für den mobilen Einsatz schon eine echte Hürde und funktioniert eigentlich nur mit WLAN oder einem LTE-Mobilfunknetz“, erläutert der Fernsehjournalist.

Wie der Videodreh funktioniert, demonstrierte Kai Rüsberg am Beispiel einer Testfahrt mit dem Elektroauto Opel Ampera. Die Smartphone-Aufnahme fängt vor dem Auto an und läuft beim Einsteigen weiter (siehe auch den Einspieler in der Bloggercamp.tv-Sendung).

Er zieht hinter sich die Tür zu, der Wagen startet und das Interview geht während der Fahrt weiter.

„Das ist mit einer großen Kamera überhaupt nicht zu machen.“

Selbst ein externes Ton-Equipment ist verzichtbar.

„Ich halte meine Hand so um das Smartphone, dass der Ton nach vorne etwas abgeschirmt wird. Wenn ich da noch mit Mikrofonen arbeiten müsste, geht das nur mit funkgesteuerten Geräten. Dann wird das allerdings wieder schwieriger und aufwändiger mit Empfänger, Sender und Kopfhörer“, betont Rüsberg.

Er ist ein Fan von puristischer Technik. Man sollte bei den Aufnahmen auf die Hintergrundgeräusche achten, aber in den aller meisten Fällen funktioniert das ganz gut. Der Einsatz einer Pausentaste, den man noch von Musikaufnahmen mit dem Kassettenrekorder kennt, ermöglicht kleine Ortswechsel und zeitraffende Einstellungen.

Die Videoaufnahme bekommt dann noch mehr Dynamik, ohne mehrere Takes zu produzieren. Kai Rüsberg nennt das #WEBportage:

„Es soll eben mobil und schnell funktionieren. Auf dem Handy zu schneiden, ist sehr fummelig und kostet zu viel Zeit.“

Im Normalfall befindet man sich bei den kurzen Nachrichtenfilmen in Situationen, wo man spontan agieren möchte. Auf die Aktivierung einer Videoschnitt-Software sollte man daher verzichten.

Bewegung gibt es auch beim Livestreaming – ohne Ü-Wagen und schwerfällige Kameratechnik:

„Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wollen das alle unbedingt starten. Da wird an allen Ecken überlegt, wie man Berichte realisiert, die nicht erst drei oder vier Stunden nach einem Ereignis in die Redaktion reinkommen und in den Abendstunden auf Sendung gehen. Für die Online-Präsenzen ist das viel zu spät. So ist der WDR gerade dabei, eine Online-First-Strategie einzuführen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit Methoden startet, die in Richtung von OneShotVideos gehen“, prognostiziert Rüsberg.

Auf der reinen Online-Seite erwartet er eine große Bewegung in Richtung Livestreaming. Beim Kölner StreamCamp am 16. und 17. November werden wir das unter Beweis stellen.

Siehe auch:

EXPERIMENTIERFREUDE IM DIGITALEN JOURNALISMUS – Durchwursteln und spielen.

Journalismus 2013: Nicht ohne mein Smartphone!

Mach es einfach! @ruhrnalist und @schwindtpr in #Bloggercamp.tv #djv_bo #sck13

Bloggercamp.tv

Durchwursteln statt bedeutungsschwere Masterpläne zu schmieden sei das probateste Mittel, um in der digitalen Sphäre zu überleben, so die Empfehlung von Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“. In seiner Eröffnungsrede auf dem Besser-Online-Kongress des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) sieht er das Merkel-Prinzip als den besten Ansatz, wie heute Medien entwickelt werden müssen. Man könne vielleicht ein halbes Jahr weit sehen, aber bestimmt nicht zehn Jahre.

„Alle Masterpläne scheitern permanent“, so Wegner.

Wo die Zukunft der Print- oder Onlinemedien im Jahr 2020 liegen werde, die man jetzt so intensiv diskutiert, kann er nicht beantworten.

„Ich weiß es nicht. Es passieren gerade so viele Dinge bei der Veränderung des Verhaltens der Nutzer und Leser, dass ich froh wäre, wenn ich wüsste, was wir nächstes Jahr machen“, sagt Wegner.

Wegner gab den Besser-Online-Teilnehmern die Empfehlung auf den Weg, mehr zu spielen, zu experimentieren und die Dinge, die nicht funktionieren, wieder einzustellen. Nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Die DJV-Fachtagung ist dafür eine geeignete Plattform. Denn unter den Vortragenden gibt es erstaunlich viele spielfreudige Journalisten, die mit Technologien und neuen Formaten im Netz unbefangen umgehen. Dazu zählt auch der freie WDR-Fernsehjournalist Kai Rüsberg, der in der Besser Online-Session „Mobile Reporting“ demonstrierte, wie einfach Videojournalismus funktionieren kann. Hier ein kleines Beispiel:

Kai @ruhrnalist ist heute unser Gast in Bloggercamp.tv, um 18:30 Uhr und wird uns seine Arbeitsweise näher erläutern:

Videojournalismus geht ganz einfach!

Um 19:30 Uhr, also in der zweiten Bloggercamp.tv-Session, diskutieren wir mit Annette Schwindt über ihre Philosophie, im Social Web einfach zu kommunizieren.

Beim Startcamp in Köln hat sie dazu schon einiges gesagt. Wir werden das in unserer Sendung vertiefen.

Über Zwischenrufe via Twitter während der beiden Live-Sendungen würden wir uns wieder sehr freuen. Hashtag

So langsam kommen nach dem arbeitsreichen Videoblogging-Workshop, der gestern in Frankfurt über die Bühne lief, meine Lebensgeister wieder zurück. Vier Uhr ist nun wirklich nicht meine beliebteste Zeit, um aufzustehen….

Hier das live gestreamte Beweisvideo zu meiner Exkursion um 5:45 Uhr am Siegburger ICE-Bahnhof.

Livestreaming mit Bambuser #StreamCamp13 #djv_bo @ruhrnalist

Bambuser

Zur Vorbereitung des StreamCamps am 16. und 17. November sowie unseres morgigen Videoblogging-Workshops in Frankfurt probiere ich mal den Dienst Bambuser aus.

Die sehr spannende Session „Mobile Reporting“ beim Besser Online-Kongress des DJV wurde auf dieser Plattform via Kai Rüsberg live übertragen.

Und wir sind ja immer auf der Suche nach Möglichkeiten, ohne großen Aufwand Video live einzusetzen und auch die Aufzeichnung direkt nutzen zu können.

Bambuser kann man auch mobil nutzen und wohl auch das Livestreaming mobil starten – was noch wichtiger ist!

Hier der Test mit der Bambuser-App fürs iPhone. Total easy! Bin begeistert!

Und hier noch der Bambuser-Livestreaming-Test Teil 3 mit dem iPad und einem externen Mikro.

Jenseits vom Faselmorast: Virtuelles Blogger Camp und die Kultur der Beteiligung

Wie schon von mir heute auf Youtube angekündigt, werden wir in diesem Jahr den Start des ersten Blogger Camps virtuell über die Bühne laufen lassen, also ohne Präsenzveranstaltung in Nürnberg. Wir machen das über Google+ Hangout On Air.

Die angedachte Programmplanung ändert sich natürlich.

Welches Potential in dieser Möglichkeit zum Livestream und Aufzeichnung von Gesprächen für Social Media-Dialoge bietet, hat der Berater Christoph Salzig sehr schön auf dem Bonner Kongress Besser Online skizziert:

Wo Dickfisch-Online-Medien wie sueddeutsche.de mit ihrer Einweg-Kommunikation noch große Probleme mit Scheiße-Kommentaren haben, reduziert sich das bei Dialogen auf Augenhöhe sofort auf Null. An der Hangout-Session des Aktuellen Sportstudios kann man das schön erkennen.

Einladen zu den Hangout-Sessions wird jeweils Hannes Schleeh über Google+. Wir reduzieren das natürlich nur auf einen Tag. Zu den Sessions können jeweils übrigens maximal 10 Teilnehmer dazu stoßen. Die Livestreams werden natürlich Millionen von Zuschauern sehen 😉

Hier die Programmplanung:

Freitag, 28. September 2012

11.00 bis 11.45 Uhr: Über Netzmonopole, abstürzende Applikationen, Shitstorms, Gema-Gebühren und digitale Ignoranten – Netzpolitischer Exkurs des bloggenden Quartetts (Heinrich Rudolf Bruns, Hannes Schleeh, Gunnar Sohn und Bernd Stahl).

12.00 bis 12.30 Uhr: Von der Lust am Dialog: Welche Formate entwickeln sich über Google Hangout On Air? (Hannes Schleeh im Gespräch mit….)

12.45 bis 13.15 Uhr: Wirkung und Einfluss von Wirtschaftsblogs (Gunnar Sohn im Gespräch mit Blicklog-Blogger Dirk Elsner)

Virtuelle Mittagspause

14.00 bis 14.45 Uhr Vernetzte Kommunikation mit Künstlicher Intelligenz (Einblicke von Andreas Klug, Ityx)

15.00 bis 15.30 Uhr Sohn fragt Sohn (Gunnar Sohn und Constantin Sohn über Youtube-Stars, Gaming-Blindfische wie Manfred Spitzer und die Zukunft von DJ Kloschüssel)

Am Nachmittag haben wir noch Luft und könnten ein oder zwei Sesssions einbauen – etwa eine Runde mit Autoren des neuen Buches „Digitaler Dialog“. Da sich jetzt jeder svon seinem Arbeitsplatz oder von Zuhause in das Blogger Camp einschalten kann, dürften jetzt örtlichen und zeitlichen Restriktionen wegen Anfahrt und Übernachtung wegfallen.

Wer an den Hangouts als Experte mitwirken will und/oder noch eine neues Thema auf die Agenda setzen möchte, sollte sich bei mir per Mail (gunnareriksohn@gmail.com) melden oder hier einfach einen Kommentar abgeben.

Mit allen, die an den Hangouts mitmachen wollen, können wir in dieser Woche am Mittwoch oder Donnerstag einen Testlauf machen. Empfehlenswert ist übrigens ein Headset oder ein externes Mikrofon, dann ist der Ton besser (da habe ich heute allerdings mein Mikro im Pegel falsch eingestelt). Edles Bier (also kein Brühwürfel-Extrakt) und Hackerbrause muss nun jeder selber für sich organisieren 🙂

Ich bin mir sicher, dass die Expertenrunden sich nicht im Faselmorast verlieren….

Scheiße im Blogger-Vorgarten, Lecks in Leakingsystemen, fleißige Social Media-Aktivisten und die Chancen des Datenjournalismus #djv_bo

http://twitter.com/#!/homofaber/status/114976991538720768

Hier meine kompakte Rückschau auf den Besser Online-Kongress des DJV in Bonn. Es war in der Tat so, dass man einige Twitter-Follower sofort erkannt hat. Die politisch brisanteste Diskussionsrunde lief nach der Mittagspause mit Daniel Domscheit-Berg, David Schraven von „Der Westen“ und Albrecht Ude. Thema „Wikileaks“. Behandelt wurden die spannenden Fragen, wie sicher die Leaktingsysteme sind, wie man die Anonymität der Informanten sicherstellt, welche technischen Systeme sich durchsetzen werden und warum es bei Wikileaks zum Daten-Leck kam. Hier ein paar Videoausschnitte:

Die Blogger-Runde zum Thema „Selbstvermarktung und Social Media“: Don Dahlmann (dondahlmann.de), Richard Gutjahr (gutjahr.biz), Heike Scholz (mobile-zeitgeist.com), Peter Jebsen (Moderator), Kixka Nebraska (profilagentin.com) und Christian Jakubetz (jokblog.de) sprachen über ihre Erfahrungen zur Gewinnung von Popularität im Netz. Wichtige Faktoren für Aufmerksamkeit: Content, technische Fertigkeiten, Ballhöhe in Fragen der Social Media-Tools, Bereitschaft zur „Rampensau-Inszenierung“, Timing, Schnelligkeit, Frequenz der Blogpostings (Heike Scholz hält mindestens drei Postings pro Woche für erforderlich), Netzwerkeffekte auslösen, in Vorlage treten ohne direkte Gegenrechnungen aufzumachen und ein paar andere Dinge.

Das beste Panel hätte ich beinahe überhaupt nicht mitbekommen. Parallel lief ein Workshop über Online-Publishing, der sich leider dann nicht als Workshop erwies. Da wurde eher über Verlagsstrategien für Apps etc. gesprochen.

Nach einer halben Stunde bin ich dann zum Panel „Datenjournalismus“ übergelaufen: Mit Christina Elmer (dpa.com), Johannes Gernert (taz), Lorenz Matzat (datenjournalist.de), Matthias Spielkamp (iRights.info) und dem Moderator Peter Welchering Oliver Havlat.

http://twitter.com/#!/gsohn/status/115016169093730304

Die Experten vermittelten eine Menge Tipps, beleuchteten die Schwächen der Journalistenausbildung im Umgang mit Daten und stellten dar, welche Chancen im Datenjournalismus stecken für Primär-Recherchen und Storys, mit denen man sich von der Konkurrenz abheben kann. Audio-Mitschnitt leider unvollständig, da ich die ersten 30 Minuten nicht da war.

Im Abschlussplenum traf wohl Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de den Nerv der Netzgemeinde.

http://twitter.com/#!/gsohn/status/115096344665931776

Das musste ich direkt in meiner The European-Montagskolumne aufgreifen:

Warum man auf Blogger nicht scheißen sollte: Wenn Twitter im Alltag der Journalisten unbekannt ist, dann nehmen sie die Wirklichkeit nicht mehr wahr. Zeit für die Medien, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und das Internet zu verstehen….

„Junge Leute, die zur Journalistenschule kommen, sind nicht per se bei Twitter oder Facebook. Ich wundere mich, wie wenig die sozialen Netzwerke in den Arbeitsalltag integriert werden. Das gilt vor allem für Twitter. Als journalistisches Medium ist es unbekannt. Facebook ist für alle selbstverständlich – aber eher für die private Nutzung“, erklärte Matthias Spielkamp von iRights.info im Abschlussplenum von „Besser Online“. Der deutsche Journalismus im Umgang mit den neuen Medien sei noch sehr unterentwickelt, kritisierte Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de. Das Selbstbildnis vom allwissenden Journalisten habe sich durch die Social-Media-Ausdrucksformen in angelsächsischen Ländern schon sehr gut reduziert. Hier gebe es sehr interessante und kluge Ansätze für einen kuratierenden und moderierenden Charakter des Journalismus. „Es ist erstaunlich, dass wir das im Jahr 2011 in Deutschland noch nicht entdeckt haben. Wir reden über neue Kulturtechniken, die Journalisten erlernen müssen. Wir befinden uns in einem Ökosystem, das sich permanent ändert. Ich bekomme einen kalten Schauer, wenn ich in der Klasse einer Journalistenschule stehe und nach den Berufswünschen frage“, so Plöchinger. Die Hälfte wolle nicht digital arbeiten, sondern eher das berühmte Stück auf Seite drei schreiben. „Die haben aber noch 40 Jahre vor sich. Das wird nicht mehr passieren. Man wird digital arbeiten. Man wird sich damit auseinandersetzen müssen.“

Als Einstieg in das Abschlussplenum gab es eine kleine Liveschaltung zu Jeff Jarvis:

Fotos vom Besser Online-Kongress auf Facebook.

Hoffe, ich war fleißig genug in meiner Doku über den DJV-Kongress.

Warum Verleger weinen würden und die Blockadestrategie gegen Google verlogen ist

Beim Mainzer Kongress „besser online“ des DJV haben Vertreter von klassischen Medien, Onlinemedien und Blogs einen Tag lang über aktuelle Themen des Internet-Journalismus diskutiert. Die Podiumsdiskussionen und Fachforen waren mit interessanten Experten bestückt. Häufig fehlte aber eine lebendige Debatte, was teilweise an den etwas emotionslosen Moderatoren lag.

Beim Eröffnungspodium „Google sei bei uns“ sagte Björn Sievers, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen von Focus Online, dass die Blockadestrategie von Rupert Murdoch und Springer gegen Google zum Scheitern verurteilt sei: „Technisch ist es einfach möglich, Google und jede andere Suchmaschine über eine kleine Textdatei, die man auf dem Server ablegt, auszuschließen. Das ist kein Hexenwerk. Wenn man sich den Traffic von großen Nachrichten-Websites anschaut, dann liegt der Prozentanteil des Google-Traffics ungefähr zwischen 30 und 60 Prozent. Das bedeutet, das ein typisches deutsches Nachrichtenportal um die Hälfte schrumpfen würde, wenn man Google ausschließt“.

Entsprechend verlieren Verlage Anzeigenerlöse über die Websites. Man könne zwar versuchen, diesen Verlust durch Paid Content-Strategien wieder aufzufangen. Sievers glaubt allerdings nicht an den Erfolg dieses Vorgehens. Bei allgemeinen Nachrichten werde man damit scheitern. Eher funktioniere so etwas bei der Stiftung Warentest, wo man vor dem Kauf einer Waschmaschine vielleicht auch Geld für einen Testbericht ausgibt, weil man dann in der Relation zum Kaufpreis wichtige Informationen erhält. Wenn Murdoch und Springer es wahrmachen und Kassenhäuschen für die Nutzung ihres Contents aufstellen, dann kommt der Markt für Journalismus wieder in Bewegung und es gibt neue Chancen für alternative Angebote wie dem Heddesheimblog von Hardy Prothmann.

Der freie Journalist Albrecht Ude warf die Gegenfrage auf. Was würden Verleger sagen, wenn Google die Entscheidung trifft, Verlage auszusperren? „Die würden schreien, die würden klagen, die würden verzweifelt sein und das sind sie eigentlich auch jetzt schon. Die Verleger versagen. Es ist die Aufgabe der Verleger, aus guten Inhalten auch irgendwann gutes Geld rauszukriegen und das schaffen sie im Internet zur Zeit nicht“.

Lars Reppesgaard, Autor des Buches „Das Google-Imperium“, findet es verlogen, wenn die Verleger behaupten, sie würden durch Google enteignet werden. Als Autor findet er diese Position unverschämt, da ihn Verleger jeden Tag mit buy out-Verträgen und anderen Unfreundlichkeiten knebeln würden. Dadurch werde man als Urheber faktisch enteignet durch das Ungleichgewicht der Kräfte. Beim Druck, den Verleger derzeitig gegen Google aufgebauen, gehe es nicht um die Aufrechterhaltung von Qualitätsjournalismus, sondern nur um eine bessere Verhandlungsposition mit dem Mountain View-Konzern, um die eigenen Kassen zu füllen. Hier liegen die wahren Gründe für die Forderung nach einem so genannten Leistungschutzrecht. Hier die komplette Audio-Aufzeichnung der Runde (die Qualität der Lautsprecher im Konferenzsaal des ZDF war nicht so besonders):

Der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt hat es zum zehnjährigen Jubiläum von Google den Punkt gebraucht: „Ohne Google sind Informationen wenig wert, weil sie – ganz simpel – nicht gefunden werden. Und was nicht gefunden wird, existiert nicht. Zumindest nicht für die junge Generation, für die das Internet Leitmedium und Google ihr zentraler Wegweiser ist: Auf die Frage, wo sich die Menschen näher über ein Thema informieren, antworten heute 51 Prozent der Deutschen ‚im Internet’. 1999, als es Google in Deutschland noch nicht gab, waren es 9 Prozent. Noch deutlicher fällt dieser Anstieg unter jungen Menschen aus: Von 19 Prozent auf 75 Prozent ist dieser Wert hochgeschnellt. Ob Online-Händler, Reiseanbieter, Produktvergleichsmaschine oder Medien – fast alle, die im Internet Geld verdienen, bekommen einen großen Teil ihrer Kunden oder Leser über Google. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um reguläre Suchtreffer handelt oder Werbung auf der rechten Seite. Die Präsenz unter den Top-Ten-Suchtreffern entscheidet über Sein oder Nichtsein im Internet“.

Und wenn Google so eine Teufelsmaschine ist, warum forcieren denn viele Verleger ihre Präsenz in der Suchmaschine? „Heerscharen sogenannter Suchmaschinenoptimierer basteln zurzeit an den Internetseiten der Medien, damit ihre Inhalte von Google möglichst prominent angezeigt werden. Die Journalisten müssen heute ‚Google-optimiert’ schreiben, also die richtigen Schlagworte in der richtigen Häufigkeit einsetzen. Die ‚optimale Keyword-Dichte’ ist im Google-Zeitalter essentiell geworden. Denn auch Journalisten wissen längst: Zugriffe auf Artikel, die auf Google News oben stehen, schnellen sofort hoch. Wessen Artikel nur unter einer Sammeladresse wie ‚und 856 ähnliche Artikel’ aufgeführt ist, hat es schwer, die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen“, so Schmidt.

Jens Matheuszik, Macher des Pottblogs, hat auf sympathische Weise dargestellt, warum seine lokalen Berichte auf eine so große Resonanz stoßen und bei den Lokalzeitungen eher kritisch beäugt werden. Er ist eben häufig schneller mit relevanten kommunalen Ereignissen im Internet präsent als WAZ und Co. Ähnliches berichtete Hardy Prothmann vom Heddesheimblog (den Vortrag hörte sich meine Freundin an, lief parallel).
Hier geht es zur Audioaufzeichnung des Pottblog-Vortrages:

Die Twitter-Runde mit dem Thema „Nachrichten oder Nabelschau“ war nicht so prickelnd, so dass ich irgendwann mein Aufnahmegerät ausgeschaltet habe. Über Sinn und Unsinn des Nachrichtendienstes immer noch zu palavern, war doch nervig. Frank Schmiechen von Welt Kompakt war in dem Kreis noch der interessanteste Diskutant. So setzt er nach eigenen Aussagen auf die Interaktion mit den Social Media-Kanälen. Zwei Seiten in jeder Printausgabe werden diesem Thema gewidmet. Ich habe das Blatt lange Zeit nicht mehr gelesen, werde es aber überprüfen. Hier eine Hörprobe der Expertenrunde:

Siehe auch:

Purer Protektionismus: Kampf von Springer und Co. gegen Google verlogen.

Kampf gegen Google verlogen.

Vorhang zu und alle Fragen offen: Replik auf Robert Schweizers Verteidigung des Leistungsschutzrechts.

Hardy Prothmann vom Heddesheim-Blog über Bratwurstjournalismus und den Autismus der Lokalzeitungen.