Aufruf zur Kollektiv-Recherche: #GoogleversusGelbeSeiten #vdav

Auf dem Kongress der Branche für Auskunfts- und Verzeichnismedien habe ich die dezentrale Struktur der Verlage angesprochen, die die Gelben Seiten herausgeben. Könnte das nicht ein Trumpf im lokalen Marketing sein?

Rhett-Christian Grammatik, Geschäftsführer des vdav, gibt interessante Antworten (Webplayer springt an, wenn ich die Liveübertragung starte um 9:15 Uhr):

Kommentieren auf Facebook.

ePrivacy – Man will die Großen regulieren und trifft die Kleinen #vdav

Interview mit Rhett-Christian Grammatik zum vdav-Branchentreff im Kosmos Berlin:

Computer können Menschen viel besser überreden als Menschen – Überlegungen zum brandeins-Beitrag von @martingiesler

Dass Social Media so unglaublich populär sei, schreibt Martin Giesler in der Januar-Ausgabe von brandeins, liegt auch am Netzwerk-Effekt. Das ist noch keine überraschende Erkenntnis:

„Je mehr Menschen ein Netz nutzen, desto größer ist der Vorteil für jeden weiteren Nutzer – und umso größer werden die Nachteile, wenn man nicht dabei ist. Auch dass Unternehmen wie Facebook weitestgehend unreglementiert agieren dürfen, hat ihr rasantes Wachstum begünstigt. Wer aber verstehen möchte, warum die Social-Media-Apps für so viele zu einem elementaren Teil ihres Lebens geworden sind, warum sie sich in den Feeds und Streams regelrecht verlieren, der gelangt zu einem Konzept namens Captology“, so Giesler.

Ab dieser Stelle wird der Beitrag spannend: Geprägt habe den Begriff – ein Kunstwort aus „Computer Aided Persuasive Technology“, also computer-gestützter Überredungskunst – in den Neunzigerjahren der Verhaltensforscher BJ Fogg.

„Computer können, so Fogg, Menschen viel besser zu einer Handlung überreden als Menschen.“

Ding-Dong.

Fogg leitet das Stanford Persuasive Tech Lab und ist mit seinem Verführungslabor zu einem Mekka für erfolgshungrige Start-up-Gründer geworden.

„Denn die App Stores quellen inzwischen über, doch die Aufmerksamkeit und Zeit der Nutzer bleibt begrenzt: 90 Prozent von ihnen nutzen eine durchschnittliche App bereits einen Monat nach der Installierung nicht mehr. Nur wer es schafft, die Leute dazu zu bringen, dass sie eine App immer und immer wieder öffnen, hat eine Chance auf Erfolg. Dazu muss das Benutzen des Programms eine automatisierte Handlung werden. Wie der Griff des Rauchers zur Zigarettenschachtel oder das Kratzen, wenn man einen Juckreiz verspürt. Captology hilft dabei“, so Giesler.

Zu den bekanntesten Schülern Foggs gehört einer der Gründer von Instagram: Mike Krieger sei sehr talentiert gewesen, sagt der Wissenschaftler, und Instagram letztlich so populär, weil Krieger eine der wichtigsten Maximen verinnerlicht habe: Einfachheit verändert das Verhalten.

„Wer diese und andere Regeln beherrscht, kann sehr viel Geld verdienen: Instagram etwa ging 2012 für knapp eine Milliarde US-Dollar an Facebook und machte Krieger nur zwei Jahre nach dem Start der App zum Multimillionär. Facebook setzt inzwischen jährlich 27 Milliarden Dollar um, macht dabei mehr als zehn Milliarden Dollar Gewinn. Um solche Ergebnisse zu erzielen, muss das Unternehmen die Nutzer so oft wie möglich anlocken und dann so lang wie möglich fesseln“, führt Giesler aus.

Ein Großteil des Sogs der Social-Media-Apps werde durch kleine Design-Elemente erzeugt.

„Hier ein roter Knubbel am App-Symbol, der anzeigt, dass etwas Neues und potenziell Spannendes passiert ist (Was? Schnell die App öffnen!). Dort eine Push-Mitteilung mit Vibrationsalarm, die anzeigt, dass ein Freund etwas auf Facebook gepostet hat – oder jemand auf das eigene Posting reagiert hat (Wie? Gleich mal nachsehen!). Manchmal ist es auch nur ein kleiner Zeitstempel neben einer Whatsapp-Nachricht, der anzeigt, dass man seit zwei Stunden nicht darauf reagiert hat (Zu lang? Besser schnell antworten!). Die App Snapchat hat sogenannte Streaks eingeführt, die anzeigen, wie oft man es geschafft hat, eine Konversation mit einem bestimmten Freund nicht abreißen zu lassen. Egal, ob es noch etwas zu sagen gibt – wie beim Ballspielen will man nicht derjenige sein, der den Ball fallen lässt.“

Den ideologischen Überbau dieser technologischen Überredungskunst hat Nir Eyal in dem Opus „Hooked: Wie Sie Produkte erschaffen, die süchtig machen“ formuliert:

„Das Durchlaufen aufeinanderfolgender Hakenzyklen lässt den Konsumenten Assoziationen zu inneren Auslösern herstellen, die an existierende Verhaltensweisen und Emotionen gekoppelt sind. Wenn die Nutzer anfangen, automatisch ihre nächste Verhaltensweise auszulösen, wird die neue Gewohnheit zu einem Teil ihrer Alltagsroutine.“

brandeins-Autor Giesler verweist auf die Forschungsarbeiten von Saee Paliwal, die sich seit sechs Jahren an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich mit verhaltensbedingten Süchten beschäftigt.

„Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Social-Media-Apps mit der von Glücksspielautomaten vergleichbar ist. So wie man bei vielen Glücksspielautomaten den Hebel nach unten zieht, verfügen fast alle Social-Media-Apps über eine Funktion namens Pull to refresh, bei der ein Nach-unten-Wischen den Nachrichten-Stream des Nutzers aktualisiert. Noch ein Spiel, nur noch einmal den Finger nach unten ziehen – wer weiß, was dieses Mal drin ist? Verhaltensforscher wissen: Je unberechenbarer und zufälliger die Belohnung, umso größer die Dopamin-Ausschüttung.“

Die sofortige Belohnung sei der Treibstoff für Süchte.

Spannend finde ich den Verweis von Giesler auf die Rolle der Computer oder Maschinen, die Menschen viel besser überreden können als Menschen. Stefan Holtel hatte das vor zwei Jahren auf der Next Economy Open als Lügen zweiter Ordnung bezeichnet.

Mit Maschinen gelingen Lügen und Manipulationen perfekter, denn leider wachsen den Maschinen keine langen Nasen. Wir schreiben den Maschinen Fähigkeiten wie Rationalität und Unfehlbarkeit zu.

„Das speist sich aus unseren täglichen Erfahrungen. Niemand rechnet Excel-Tabellen nach. 2007 gab es im Intel-Prozessor einen Hardware-Fehler, der dazu führte, dass Excel falsch rechnete. Es gibt diese systemischen Fehler sehr häufig, aber Menschen sind kaum in der Lage, diese Risiken einzuschätzen“, erklärt Holtel.

Zweifelhaft ist im politischen Kontext vor allem der numerische Populismus, der von den scheinbar so neutralen Maschinen belohnt wird: Was auf der Strecke bleibt, schreibt Roberto Simanowski in seinem Opus “Das alternative ABC der neuen Medien”, ist nicht nur die politische Meinung der anderen Seite, sondern auch die Anstrengung, die man braucht, wenn etwas so kompliziert wird, wie Politik sein kann.

“Auf der Strecke bleibt das komplexe Argument zugunsten der simplen Parole…”, so Simanowski.

Auf der Strecke bleiben mühsame Versuche des Weltverstehens zugunsten von Banalitäten und Verschwörungstheorien. Das Buch von Simanowski ist aufgezogen wie ein Ermittlungsverfahren gegen Zuckerberg. Der Professor für Digital Media Studies konnte ja nicht ahnen, wie dicht er der Realität kommt. Denn das Heftchen, erschienen bei Matthes & Seitz, ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt.

Jetzt müssen Grundsatzfragen diskutiert werden: Wie gehen wir mit Facebook & Co. in einer Demokratie um? Diese Plattform ist weder neutral noch ein klassisches Medium. Es müssen andere netzpolitische Hebel angesetzt werden, um den Silicon Valley-Giganten zu regulieren. Einen interessanten Ansatz hat Professor Dirk Helbing ins Spiel gebracht:

Wir dürfen uns nicht zu Objekten von Algorithmen degradieren lassen. Der Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Computational Social Science will die Menschen ermuntern, den Raum und die Möglichkeiten der Digitalisierung selber zu nutzen. Seine Vision ist eine Gesellschaft, die dem Individuum den größtmöglichen Freiraum bietet. Etwa bei Nutzung des kollektiven Datenschatzes im Netz. Wir bräuchten eine Software zum Management unserer persönlichen Daten.

„Wir bekämen die über uns gesammelten Daten automatisch in unsere Datenmailbox gesendet und könnten dort festlegen, wer welche Daten unter welchen Bedingungen wofür und wie lange verwenden darf“, so Helbing.

Wie seht Ihr dieses Szenario?

Online-Werbung: 2018 wird das Jahr der Abrechnung – #PopcornLounge mit @johannesceh und Hakan Han @socialconfmuc

Hier der Live-Talk auf YouTube:

Oder auf Facebook.

#Adblocker und der neoklerikale Ablasshandel

Nervige Online-Werbung zu blockieren, ist verständlich. Sich über generelle Verbote von Adblocker-Systemen aufzuregen, kann ich nachvollziehen.

Genauso zweifelhaft ist es allerdings, wenn Unternehmen aus der Blockade ein höchst zweifelhaftes Geschäft machen wollen.

Was Adblock Plus macht, wirkt wie ein neoklerikaler Ablasshandel, um nicht in der Reklame-Hölle zu landen. Ein willkürliches Hausmeister-System zur Abwehr von Cookie-Attacken. Denn mit dem so genannten „Whitelisting“ kann man sich als Publisher von der Werbeblockade freikaufen. Beim Axel Springer Verlag wertet man dieses „Geschäftsmodell“ als erpresserisches Vorgehen und geht gerichtlich gegen die Kölner Eyeo GmbH als Betreiber von Adblock Plus vor. Und da könnte es eine Überraschung geben. Eine Rolle spielt der neue Paragraf 4a im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, der „aggressive geschäftliche Handlungen“ verbietet:

„Unlauter handelt, wer eine aggressive geschäftliche Handlung vornimmt, die geeignet ist, den Verbraucher oder sonstigen Marktteilnehmer zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die dieser andernfalls nicht getroffen hätte.“

Im Berufungsverfahren des Axel-Springer-Verlags gegen die Firma Eyeo vor dem Oberlandesgericht (OLG) Köln deuteten die Richter an, dass diese Vorschrift beim Whitelisting von Anzeigen greifen könnte. Das sagte der Chefjurist von Eyeo, Kai Recke, auf Anfrage von Golem.de. Damit könnte erstmals ein deutsches Gericht dieses „Geschäftsmodell“ für unzulässig erklären, ohne jedoch Werbeblocker als solche zu verbieten. So sieht es ja auch der Bundesgerichtshof: Als „Gatekeeper“ habe die Beklagte durch die Kombination aus „Blacklist“ und „Whitelist“ eine so starke Kontrolle über den Zugang zu Werbefinanzierungsmöglichkeiten, dass werbewillige Unternehmen in eine Blockadesituation gerieten, aus der diese sich sodann freikaufen müssten.

Mein Kommentar ist ausführlich in der März-Ausgabe des PR-Magazins nachzulesen.

TTIP, Diesel-Autos und die Apfel-Birnen-Gleichnisse des VW-Chefs #dieselgate

vw-manager

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung offenbart VW-Chef Matthias Müller wieder einmal, was er von Kunden, der Konkurrenz und der eigenen Herrlichkeit hält. Kunden in Deutschland und Europa entschädigen, die mit der Mogel-Software verarscht wurden, hält er nicht für notwendig. Da sei ja die Ausgangslage ganz anders – also die rechtlichen und regulatorischen „Umstände“ im Vergleich zu den USA.

„In Amerika werden wir für 2,0-Liter-TDI-Fahrzeuge auch nach dem Rückruf die dort sehr viel strengeren Emissionswerte nicht zu 100 Prozent erfüllen können. Dies trifft für unsere Kunden in Europa nicht zu“, so Müller.

Bekanntlich sieht beispielsweise das Landgericht München die Gemengelage etwas anders: Das Gericht hatte im Mai einen Autohändler dazu verpflichtet, das manipulierte Fahrzeug zurückzunehmen und den Kaufpreis zu erstatten. Und wie sah das mit den Werbebotschaften bis zum Bekanntwerden des Software-Skandals auf dem europäischen Markt aus? Gibt es nicht auch hierzulande eine Menge Käufer, die die Dieselfahrzeuge vor allem wegen der niedrigen Verbrauchswerte erworben haben?

Emotional könne Müller die Aufregung ja nachvollziehen. „Aber man kann das nicht über einen Kamm scheren, denn die Ausgangssituation ist völlig unterschiedlich. Den Kunden in Europa entsteht ja kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften“, so Müller und ergänzt die Ausführungen mit einer weiteren Hammer Aussage:

„Auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein.“

Wahnsinn. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Deutsche und europäische Käufer, denen die Schummelsoftware untergejubelt wurde, instrumentalisieren die amerikanischen Gesetze, um Vorteile zu erlangen. Mal davon abgesehen, dass zwischen den TTIP-Protesten und der VW-Thematik kein Zusammenhang besteht, äußert Müllerchen hier eine bodenlose Unterstellung. Im selben Atemzug proklamiert der leidenschaftliche Porsche-Fahrer, dass der VW-Konzern sich auf die traditionellen Stärken besinnen wolle und das Vertrauen bei Kunden, Händlern und Mitarbeitern zurückgewinnen möchte.

Die Basis dafür sei, dass Integrität bei VW ganz oben steht, mehr als früher. Und da folgt der nächste Ausrutscher. Die deutsche Autoindustrie habe nichts verschlafen bei der Elektromobilität. Am Angebot würde es nicht mangeln, sondern an der Nachfrage.

„Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger. So ganz habe ich dieses paradoxe Phänomen noch nicht verstanden“, erläutert Müller.

Muss ich also erst mal meine Nachfrage bei Herrn Müller adressieren, damit der Konzern sich bewegt? Da bleibt mir die Spucke weg. Warum kritisierte der VW-CEO vor ein paar Wochen die Deutsche Post, die es wagt, mit dem Streetscooter einen eigenen Elektro-Transporter auf die Straße zu bringen? Müller frage sich, warum man so etwas nicht mit VW auf die Beine stelle, sagte er im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Die Deutsche Post reagierte auf die Vorwürfe: Man habe sehr wohl bei den Konzernen wegen eines Elektroautos angefragt, sagte ein Post-Sprecher der FAZ zufolge. „Doch es war kein Fahrzeug zu bekommen, das unseren Ansprüchen gerecht wurde.“ Oder der Preis sei zu hoch gewesen.
Liegt es nun an der mangelhaften Nachfrage oder an dem schlechten Angebot?

Was muss man sich eigentlich noch an Beschimpfungen und Unterstellungen gefallen lassen von diesem selbstherrlichen Konzernführer?

Hat sich etwas geändert an der Nachrichtenwert-Theorie, liebwerteste Content-Strategen?

Nachrichtenwert Überraschung
Nachrichtenwert Überraschung

In der ständig steigenden Informationsflut zählt nach Auffassung von PR-Bloggerin Kerstin Hoffmann nur noch eines:

„Der Nutzen für den Empfänger; und zwar der, der sich unmittelbar erkennen lässt. Das ist natürlich gar nichts Neues. Doch die Auswirkungen werden immer dramatischer. Wo sich Menschen früher womöglich noch einige Sekunden Zeit nahmen, um sich auf irgendwelche Abstraktionsebenen vermuteten Wertes von Informationen zu begeben, muss dieser heute blitzartig erkennbar sein.“

Da hat sie recht. Nur würde ich nicht von Nutzen sprechen, sondern von Nachrichtenwert. Und das betrifft alles, was ich so als Medienkonsument rezipiere. Ob es nun um Unternehmensbotschaften geht, um Blogbeiträge oder um klassische Nachrichten. Und da hat sich nicht viel in der Nachrichtenwert-Theorie geändert. Es bleibt beim Dreiklang „NEU-WICHTIG-INTERESSANT“.

Da kann noch soviel von Storytelling, Content-Strategie oder Content-Marketing geredet werden. Was im Kopf bleibt, funktioniert nach dem Nachrichtenwert. Das kann jeder mal in seinem Freundes- oder Bekanntenkreis testen. Ich habe es gerade bei einer Gesprächsrunde ausprobiert. Jeder bekommt ein Kärtchen und schreibt eine Headline auf, die den Probanden von der letzten Nachrichtensendung im Gedächtnis geblieben ist. Ergebnis: Epidemie, Tote bei einem schweren Unfall, Naturkatastrophe.

Da kann noch so sehr über „Kanalstrategien“, Suchmaschinen-Optimierung und sonstige Tricks nachdenken. An den Mechanismen der Aufmerksamkeit ändert das nichts. Vor ein paar Jahren haben Journalisten in einer Umfrage die wichtigsten Nachrichtenfaktoren bewertet. Das Ergebnis überrascht nicht wirklich. Rangfolge der wichtigsten Faktoren:

Reichweite: Unter der Reichweite eines Ereignisses wird die Anzahl der Personen verstanden, die direkt von ihm betroffen sind/ sein werden/ waren/ sein können.

Negative Folgen/ Schaden/ Misserfolg: Hierbei geht es um Ereignisse, deren negative Folgen im Nachrichtenbeitrag explizit dargestellt werden.

Überraschung: Überraschend ist ein Ereignis, das nicht ankündbar ist sowie ein Ereignis, das bestehenden Erwartungen widerspricht.

Meinungsunterschiede/ Kontroverse

Prominenz: Darunter wird der Bekanntheitsgrad einer namentlich erwähnten Person verstanden

Personalisierung: Personen werden – unabhängig von ihrer etwaigen Funktion – als Einzelperson dargestellt. Es geht also um die Bedeutung, die Einzelpersonen in einem Ereignis zugesprochen wird.

Etablierung von Themen: Die Etablierung von Themen meint den Zeitraum, den die Medien bereits über ein bestimmtes Thema berichten. Je länger die Medien bereits berichten, desto etablierter ist das Thema.

Visualität: Dieser Faktor gibt den Grad der Visualisierung eines Nachrichtenthemas an. Hierbei werden Lebendigkeit, Bewegtheit und Dynamik von Bildern in Betracht gezogen

Verfügbarkeit von Bildern: Hierbei geht es darum, dass ein Ereignis erst zur Nachricht wird, WEIL Bilder dazu verfügbar sind.

Ortsstatus: Darunter wird die Bedeutung von Ereignisorten verstanden. Die Bedeutung ergibt sich aus der Einwohnerzahl, der politischen Bedeutung und der Wirtschaftskraft eines Ortes.

Kann man das durch Content-Strategien steuern, planen oder berechnen? Eher nicht. Im Nachgang ist es sicherlich möglich, die Gründe für den Erfolg einer Story darzulegen. Sollten die Content-Strategen anderer Meinung sein, könnten wir gemeinsam mal einen Feldversuch machen.

Schickt Hacker in die DAX-Vorstände – „Marktversagen“ der europäischen Unternehmen im Technologie-Wettbewerb #32c3

Google

Netzaktivistin Katharina Nocun beklagt beim Jahreskongress 32c3 des Chaos Computer Clubs die Dominanz von einigen wenigen amerikanischen Plattform-Betreibern und meint dabei vor allem Facebook. Es sei kein wirklicher Wettbewerb mit dem Zuckerberg-Konzern möglich. Faktisch sei Facebook der Anbieter für soziale Netzwerke für den Großteil der Welt. Dann folgt das übliche Datenkraken-Lamento:

„Basierend auf den Informationen, welche Profile wir anklicken, weiß Facebook, in wen wir verliebt sind und ob wir nach einer Trennung noch an einer alten Beziehung hängen“, so Nocun nach einem Bericht der SZ. Die gesammelten Informationen, die normalerweise für Werbung genutzt werden, könnten gefährlich werden, wenn sie in falsche Hände gelangen.

Ich finde diese Debatte ermüdend. Ähnlich geht es wohl dem Publizisten Gunter Dueck, der ständig mit Aussagen zum Ausverkauf unserer Daten konfrontiert wird. Was die Silicon Valley-Größen bei der personalisierten Werbung praktizieren, ist erst einmal nichts anderes als ein Service. Facebook, Google und Co. geben ihre Daten nicht weiter. Wo liegt nun eigentlich die Gefahr, liebe Katharina Nocun? Dueck fordert in solchen Debatten mehr Fachwissen. Wenn man Google oder Facebook Fehler oder gar Verbrechen beim Umgang mit Daten nachweisen würde, käme es direkt zum Zusammenbruch ihrer Aktienkurse. Das können diese Unternehmen nicht riskieren. Wer dann noch den Staat ins Spiel bringt, um die Datensammlung dieser Konzerne einzuschränken, macht sich vollends lächerlich.

“Der Staat selber ist der große Sünder, weil er keinen Aktienwert am Markt hat. Die machen in den Geheimdiensten, was sie wollen”, betont Dueck.

Und wenn der Staat mit seinen Geheimdiensten so operiert, kann er wohl nicht sehr glaubwürdig die Oberaufsicht über Google und Facebook übernehmen. Viele dieser Datensünden müssen wir also eher beim Staat verorten.

“Überraschenderweise gibt es dagegen keine Montagsdemonstrationen”, beklagt der ehemalige IMB-Cheftechnologe.

Nun bringt Nocun nicht den Staat ins Spiel, sondern dezentralisierte Netzwerke. Finde ich sympathisch. Aber wenn die Wirtschaftsfachfrau und Campact-Mitarbeiterin die Dominanz der amerikanischen Plattformen als „Marktversagen“ tituliert und von der Notwendigkeit einer Regulierung des Marktes (durch den Staat?) spricht, fehlen wohl noch ein paar Pflichtscheine in volkswirtschaftlicher Theorie.

Nocun meint wohl Marktmacht und nicht Marktversagen. Und dann käme das Wettbewerbsrecht ins Spiel und die Frage, ob Verbraucherinteressen durch die Marktdominanz beeinträchtigt werden. Das ist weder bei Google noch bei Facebook der Fall. Siehe auch: Für hausgemachte Geschäftsprobleme ist nicht das Kartellrecht zuständig.

Das Marktversagen liegt ganz woanders. Ursache für die digitale Macht von Apple, Google-Alphabet, Amazon und Facebook ist die Unfähigkeit der europäischen Unternehmen, mit der Digitalisierung zu spielen und neue Geschäfte zu erschließen. Um das zu erreichen, darf man eben nicht mehr auf IT-Abteilungsniveau mit klassischen CIOs arbeiten, die die bestehende Organisation nur auf Effizienz trimmen sollen, sondern muss experimentierfreudige Nerds, Hacker und Gamer an die Spitze des Managements stellen. Im Handelblatt-Ranking der 100 nach Börsenkapitalisierung größten Unternehmen sind 54 in den USA beheimatet. Und das liegt an den Champions für digitale Technologie. Allein das Trio Apple, Alphabet und Microsoft ist mit 1,4 Billionen Euro rund 300 Milliarden Euro mehr wert als die 30 größten Konzerne Deutschlands im Leitindex DAX. Bei den Europäern können nur Roche, Nestlé, Norvatis, die Baurerei Anheuser-Busch, Novo Nordisk und der Ölkonzern Royal-Dutch mithalten unter den Top 50 – also Old Economy. Im unteren Drittel findet man Bayer, SAP, Daimler, Siemens, Deutsche Telekom und Allianz. Hier liegt unser Problem.

Vielleicht sollte man darüber stärker auf dem nachweihnachtlichen Kongress des Chaos Computer Clubs reden und weniger im Abwehrmodus lamentieren. Gefragt ist also netzökonomische Expertise – bei den Netzaktivistin und bei den Führungskräften der Wirtschaft. Wäre zu einem Streitgespräch auf dem 33c3-Event in Hamburg bereit 🙂

In diesem Sinne. Man hört, sieht und streamt sich im nächsten Jahr. Wünsche Euch einen guten Rutsch.

Update:

Sieht nicht nach Facebook-Enthaltsamkeit aus
Sieht nicht nach Facebook-Enthaltsamkeit aus

Campact und der Einsatz von Social Media-Buttons

Vernetzte Welt ohne Kennzahlen-Wahn: absatzwirtschaft zur #NEO15

NEO-Werkstatt

In Zukunft werden vor allem solche Unternehmen erfolgreich sein, die neue Netze knüpfen und nationale Grenzen überschreiten. Die NEO15 versteht sich als Dialogplattform, die notwendige Qualifikationen thematisiert. Hab ich so der absatzwirtschaft gesagt:

Wenn sich die Digitalisierung vornehmlich in Reports und Kennzahlen zeigt, ist das Ausdruck der Hilflosigkeit einer durchorganisierten Gesellschaft in einer vernetzten Welt, meint Gunnar Sohn. Der Wirtschaftspublizist veranstaltet am 9. und 10. November die erste Next Economy Open (NEO). Dort treffen Entscheider und Praktiker aus Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft auf Macher und „Bessermacher“ der Netzszene – und diskutieren den vernetzten Individualismus

NEO_Programm erster Tag

Das Motto der ersten Next Economy Open lautet „Matchen, Moderieren und Managen“. Ziel ist es, das „Digitale“ und „Analoge“ zusammen zu bringen und in einem offenen Format lösungsorientiert über Herausforderungen und Chancen der vernetzten Wirtschaft zu sprechen.

Gerade Mittelständler seien stark von ihrer Leistung geprägt sowie von Innovationen und Patenten, erläutert Sohn weiter. Viele Unternehmen hätten Schwierigkeiten, das zu kommunizieren, was sie ausmacht. Digitale Projekte leben jedoch von Dialog und dem Austausch von Wissen. Entsprechend sieht das Programm der NEO15 Keynotes, Sessions und Workshops zu den Themen „Kundendialog“, „New Work“, „Digitales Unternehmen“ und „Growth Hacking“ vor. Etabliert werden soll der „Next Economy Dialog“ als nachhaltiges Format, so dass es ein ständiges Forum geben soll für Treffen, Expertendiskussionen, Studien und Gesprächsformate.

Impulse für ein neues Netzwerkdenken

Die Session von Patrick Breitenbach beispielsweise, er lehrt Internationales Medienmanagement an der Karlshochschule, thematisiert Markenführung im digitalen Zeitalter. Breitenbach nimmt den „anspruchsvollen und undankbaren Prosumenten“ in den Blick, der sich mit anderen Kunden über Produkte, Preise und Marken kritisch austauscht und zu allem Überfluss auch noch nervige Werbeanzeigen blockiert und langweilige Advertorials ignoriert. Dieser neue Konsument sei nicht mehr abhängig von dem Informationsstand eines überschaubaren Zirkels aus Marketingmanagern, PR-Leuten, Journalisten und sonstigen Medienmachern.

NEO_Programm zweiter Tag erster Teil

Der Marken- und Medienexperte wird erläutern, an welchen Stellen in Unternehmen ein radikales Umdenken in Richtung Netzwerkdenken dringend gefragt ist und an welchen Stellen man das zig1000jährige Rad aus Sicht der Markenführung nicht gleich komplett neu erfinden muss.

Eine Keynote gibt es auf der NEO15 außerdem vom Politik-Berater und ehemaligen Top-Manager Thomas Sattelberger. Er spricht über „Unternehmensbürger, digitale APO und Offline-Rebellen“, denn er beklagt, dass abhängig Beschäftigte auch heute nicht offen ihre Meinung äußern könnten.

NEO_Programm zweiter Tag zweiter Teil

Um eine Demokratisierung in Unternehmen zu erreichen, müsse im Grundgesetz das Recht eines mitarbeitenden Menschen auf Meinungsäußerung verankert werden. „Wir erleben geradezu eine Explosion an neuen Möglichkeiten der Beteiligung durch die Digitalisierung, da kann die Wirtschaftswelt nicht hinterherhinken“, sagt Sattelberger. Letztlich sei mehr Pluralismus und Unterschiedlichkeit in jeder Organisation gefragt, um auf das Konto der Wetterfestigkeit einzuzahlen. Der aktive Ruheständler sieht seine Aufgabe darin, „die geschlossenen Systeme der Deutschland AG aufzubrechen und zu transformieren“.

Dazu passt auch der heutige Live-Hangout zum Thema Unternehmensdemokraten mit Andreas Zeuch, Matthias Wendorf und Bastian Wilkat.

Siehe auch:

Digitale Innovationen brauchen Freiheit in Unternehmen.

Zur Next Economy Open.

Werbung einfach wegwischen – Überlegungen zum AdBlocker-Streit

Lesestoff für die Next Economy Open
Lesestoff für die Next Economy Open

Der Anteil von Internet-Nutzern, die sich über Filtersysteme gegen die Cookie-Attacken von öligen Werbe-Anbietern wappnen will, wächst überproportional. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass auch das Geschäftsgebaren der so genannten AdBlocker nicht ganz sauber erscheint. Das Angebot des „Whitelisting“, bei dem sich Publisher von der Werbeblockade freikaufen können, sei aus Sicht des Axel Springer Verlages ein erpresserisches Vorgehen.

Die Nerven liegen blank, wie man an der Anti-AdBlocker-Strategie von Bild.de erkennen kann. Wer AdBlocker einsetzt, wird von den Inhalten des Tratsch-Mediums ausgeschlossen. Ich kann das verkraften. Beim Boulevard-Blatt sieht die Sache anders aus. Meedia geht davon aus, dass Bild.de seine Spitzenposition bei der „Reichweite“ einbüßt. Zur Zeit liege der Anteil der Werbeverweigerer, die Bild.de mit AdBlockern ansteuern, bei 20 bis 23 Prozent.

Der Medienrezipient scheint in diesem Machtkampf wohl nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Tinder-Shopping

In der aktuellen Ausgabe von GDI-Impuls wird eine interessante Alternative ins Spiel gebracht. Das Ganze nennt sich Tinder-Shopping und lehnt sich an dem Auswahlmechanismus der Dating-App Tindr an. Das Prinzip ist simpel: Wisch nach links: gefällt nicht, Wisch nach rechts: gefällt.

„Du magst Sneakers, neonfarbig und nicht geschnürt? Schon poppen die ersten Angebot auf dem Screen aus. Ein kleiner Wisch nach links, und du lässt jedes Produkt fallen, das dir nicht gefällt. Hast du einer Marke zehnmal eine Abfuhr erteilt, verschwindet sie für immer von deinem Screen: ‚Shop until they drop“, schreiben Judith Mair und Bitten Stetter.

Der Kunde entscheidet über den individuellen Zuschnitt der Angebote von Produkten und Diensten. Das setzt die Werbeindustrie kräftig unter Druck, denn sie müssen es in diesem Szenario schaffen, den Nerv des App-Anwenders genau zu treffen – ansonsten droht die Verbannung vom Smartphone-Screen. Publisher und Werber müssen sich vom Spam-artigen Zumüllen aller Kommunikationsplattformen verabschieden, wenn sie Kunden nicht verlieren wollen.

„Matchmaking“ ist das Zauberwort. Anbieter, Mittler und Kunden sollten steuern können, wo und mit welchen Inhalten sie zueinander finden. Jan Steinbach und Uwe Freese von Xengoo schmieden für die Blogosphäre an so einem Projekt:

„Der Schlüssel dazu sind Transparenz der Interessen und klare Strukturen für die Zusammenarbeit“, sagt Steinbach. Erste Ideen werden auf der Next Economy Open am 9. und 10. November in Bonn vorgestellt.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Siehe auch:

BILD.de sperrt Adblock-User aus

Vielleicht sollten wir Projekte im Netz einfach mehr unterstützen – etwa Mobile Geeks.