Warum der Haniel-Clan und andere Vermögende in Deutschland schlechte Innovatoren sind: Live-Hangout mit Buchautor @Staeudtner

Innovatoren gesucht
Innovatoren gesucht

Wenn Unternehmen nicht in die schwierige Entwicklung von wirklich Neuem investieren, dann werden sie nach Auffassung von Paypal-Gründer Peter Thiel bedeutungslos, egal welche Gewinne sie heute erzielen. Was passiert, wenn wir unsere ererbten Unternehmen so lange weiter optimieren, bis wir sie restlos ausgeschöpft haben, fragt sich Thiel.

„So unglaublich es klingen mag, die Folge wäre eine schlimmere Krise als die des Jahres 2008. Die Best Practices von heute führen morgen in die Sackgasse.“

Aber genau unter diesem Syndrom leide die Deutschland AG, bemerkt Stäudtner. Ausführlich nachzulesen in seinem neuen Buch “Deutschland im Innovationsstau – Wie wir einen neuen Gründergeist erschaffen”.

„Die reichsten Deutschen haben ihr Vermögen geerbt oder konnten sich ins gemachte Nest begeben. Deutsches Geld ist also relativ altes Geld. Das hat massive Auswirkungen auf das Denken der Eigentümer der Firmen, der Investoren. Während gerade in Großbritannien und Amerika die Reichsten laufend Schlagzeilen mit gewagten Investitionen machen, herrscht bei uns Funkstille“, schreibt Stäudtner in seinem Opus.

Und in dieser Passage steckt richtig Zündstoff drin:

“Wenige vermögende Deutsche investieren mutig. Dazu zählen die Tengelmann-Familie Haub sowie die Verleger-Familien Springer, Holtzbrinck und Burda. Ansonsten sind eher die Haniels typisch. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie durch die Schwerindustrie des Ruhrgebiets vermögend. Heute hat das Familienunternehmen Franz Haniel & Cie. GmbH über 500 Gesellschafter und hält Beteiligungen an mehreren Hundert Unternehmen – die bekannteste Beteiligung ist der 30prozentige Anteil an der Metro AG. Wenn man was hört von der Familie, dann ist es Streit über Auszahlungen an die Gesellschafter oder Forderungen an die Beteiligungen. Die Familie ist rein finanziell orientiert. Visionen oder Leidenschaft sucht man hier vergebens. Im Prinzip agiert der Clan wie ein Hedge-Fonds. Die Eigentümer deutscher Unternehmen sind oft reiche Deutsche und der Staat. Viele deutsche Firmen sind oder waren deshalb im Würgegriff der Erben—Generation, die kurzfristig Erträge sehen will. Der Rest der Investoren kommt aus dem Ausland, aus Arabien und via Fondsgesellschaften aus Amerika.”

Die Deutschen seien stolz auf ihre technisch überlegenen Produkte – made in Germany. Wenig Platz bleibe für Ideen, Innovation und Leidenschaft.

“Erfolgreiche Innovatoren trauen sich Dinge zu tun, die sonst keiner tut. Sie brechen Regeln, stören Gewohnheiten”, weiß Stäudtner.

Genügend Stoff für ein spannendes Autorengespräch mit Jürgen Stäudtner zu seinem neuen Buch via Hangout on Air. Ihr könnt über den Frage-Button auf der Google-Plus-Eventseite kräftig mitdiskutieren (der Frage-Button findet sich rechts oben am Video – Eure Einwürfe erscheinen dann bei mir direkt in der Operator-Ansicht).

Google Plus-Eventseite - Hinweis auf Frage-Button!
Google Plus-Eventseite – Hinweis auf Frage-Button!

Man hört und sieht sich am Freitag, den Dreizehnten März!!!! Die Liveübertragung beginnt um 11 Uhr.

Siehe auch:

So wird das nichts mit den Innovationen für ein schnelles Internet.

Mit dem Industrielobbyismus können wir auch keinen Blumentopf gewinnen: Freihandelsabkommen – Industrieverband räumt falsche Angaben über TTIP ein.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen oder Websites zu schließen: Ego-Marketing oder Eco-Marketing? #nöccn

Beton-Walter
Beton-Walter

Annette Schwindt wies mich beim Social Media ClubChat Bonn auf ein sehr spannendes Interview mit dem Digital-Business-Experten Brian Solis in der neuen Ausgabe der Zeitschrift t3n hin. Es Beinhaltet einigen Zündstoff und wird vielen Marketing-Beratern negativ aufstoßen, weil Solis einige heilige Kühe schlachtet:

„Der ‚traditionelle digitale Kunde‘ fällt eine Entscheidung, indem er googelt: Er klickt auf ‚Suchen‘, bekommt Ergebnisse angezeigt und klickt sich von dort aus weiter. Der Connected Customer dagegen beginnt nicht mit Google, denn er will gar keine Website mehr besuchen, die im Grunde ja nur eine digitale Broschüre ist. Er hat ein genaues Ziel vor Augen – will vielleicht etwas kaufen oder unternehmen – und will möglichst schnell dorthin gelangen. Er informiert sich also bei jemanden, dem er vertraut und der dasselbe Interesse teilt. Zum Beispiel bei Youtube, wo ihm ein kurzes Video seine Frage beantwortet oder ihm einen wertvollen Rat gibt. Oder er macht eine In-App-Suche, geht zu Pinterest oder zu Facebook. Die ‚Reise‘ des Kunden ist heute also schon in ihrem Ausgangspunkt eine andere. Trotzdem investieren wir fröhlich weiter in Suchmaschinen-Optimierung, Suchmaschinen-Marketing und auf Reichweite ausgerichtete Social Media-Kampagnen, um die Aufmerksamkeit der ‚traditionellen‘ Kunden zu bekommen.“

Es gehe also mehr um das Management von gemeinsamen Erfahrungen. Heute sei das fragmentiert und holprig – auch wenn Firmen immer mehr Apps und mobile Websites anbieten. Die vernetzten Kunden sind nach Ansicht von Solis schneller, besser informiert und organisiert.

„Sie wollen keine Zeit mit langwierigen Entscheidungen oder Transaktionen verschwenden“, sagt der Digital-Business-Experte.

Obwohl man über Smartphones viel intuitiver agieren könnte, lassen sich viele Transaktionen darüber nicht abwickeln. Die Unternehmen betrachten die Welt noch nicht durch die Augen ihrer Kunden. Man wird stattdessen in die „Kanäle“ der Anbieter gepresst. Der offene Charakter und die chaotischen Kommunikationsströme, die sich im Social Web abspielen, werden schlichtweg ignoriert. Man setzt weiter auf die vertrauten Marketing- sowie Sales-Abläufe und degradiert soziale Medien zum bloßen Werkzeug, „statt eine wirklich neue unternehmerische Perspektive zu eröffnen“, moniert Solis.

Vor diesem Hintergrund spielt sich die Kontroverse New-Marketing-Community über den Sinn oder Unsinn von eigenen Web-Präsenzen ab, die Johnny Haeusler mit seiner provokativen Wired-Kolumne ausgelöst hat.

Natürlich geht es nicht um den Wunsch, Websites zu schließen, sondern um die steigende Irrelevanz von eigenen Webpräsenzen, was Haeusler in einer Reaktion auf die stürmischen Kommentare seines Opus klargestellt hat:

„Zunächst ist es nicht so, dass ich die von mir beobachtete Entwicklung, deren Schlussfolgerung ich in meiner zugespitzten Empfehlung habe münden lassen, besonders prima finde. Ganz im Gegenteil. Ich bin selbst ein Website-Typ, betreibe schließlich mindestens eine eigene und mag das virtuelle Zuhause, dass eine solche Seite sein kann. Mir ist außerdem der Kontrollverlust völlig bewusst, den eine Publikation erleben kann (aber keineswegs muss), wenn sie auf eine eigene Website verzichtet. Ebenso „wünsche“ ich mir die beschriebene Entwicklung nicht, sondern stelle fest, dass sie bereits stattfindet.“

Die Kontrolle über die Distributionskanäle von News haben die klassischen Publikationshäuser nach Ansicht von Haeusler längst verloren, denn an den sozialen Medien haben sie bisher keinerlei Anteil. Gleiches gilt für die Unternehmenskommunikatoren. Die generelle Funktion von Verlagen und Marken als vertrauenswürdige Absender und Kuratoren werde dabei nicht überflüssig. Nur als Dirigenten taugen sie nicht mehr: In der Ego-Welt des alten Content-Webs dominieren noch die Denkmodelle wie meine abgegrenzte Homepage, mein Content und meine Leser oder Leads, schreibt Winfried Felser in einem Blogbeitrag.

Oder etwas drastischer ausgedrückt: Vom schönen Schein des Bullshitt-Klugscheißers. Genau davon muss man sich verabschieden, um nicht zum Opfer der eigenen Schein-Kauslitäten zu werden.

Am 22. März wollen wir diesen Diskurs beim dritten Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen fortsetzen. Hashtag für Mitdiskutanten während der Liveübertragung #nöccn

Siehe auch:

Zur Medienkrise.

Facetubing vom Feinsten. Alle wollen mit Facebook arbeiten. Und Google? Nichts, nada, niente.

Gabriel im industriepolitischen Tal der Gedankenlosigkeit: Wir brauchen Spoiler, Software UND Vernetzungsintelligenz #bcbn15 @wmfra

Im Land der Industrie-Romantik
Im Land der Industrie-Romantik

Sigmar Gabriel lebt nach Auffassung von The European-Chefredakteur Alexander Görlach noch im 19. Jahrhundert.

„Für unseren Wirtschaftsminister zählt die Industrie, deutsche Autos und so. Digitale Innovation, neue Geschäftsmodelle? Nichts für unseren Siggi. Er zettelt lieber Krach mit Google an. Fabuliert von der Zerschlagung des Konzerns. Wenn am Anfang des 21. Jahrhunderts der deutsche Wirtschaftsminister die Harfe auf ein Lied der alten Zeit anstimmt, dann ist die Frage mehr als angebracht, ob er wirklich denkt, dass wir in fünfzig Jahren den Chinesen immer noch Autos verkaufen oder ob Google nicht wirklich das Zukunftsauto auf den Markt bringen wird oder Apple vielleicht.“

Görlach verweist auf den englischen Publizisten Charles Percy Snow, der 1959 darauf hinwies, wie England gegenüber Deutschland den Anschluss im 19. Jahrhundert verloren hat. „Die Briten waren sich zu snobistisch, als dass sie von ihrem ererbten Bildungskanon hätten ablassen wollen. Kein Problem, sagte man in Deutschland, und so wurden hier die Applied Sciences geboren. Die exzellenten Ingenieurswissenschaften sind das Fundament für den Erfolg des ‚German Engineering‘, von dem Deutschland bis heute profitiert.“

Aber selbst bei uns verlief dieser Prozess nicht ohne Reibungen und Widerstände. Das belegen die Forschungsarbeiten des Ökonomen Joseph Schumpeter in seiner Bonner Zeit von 1925 bis 1932.

In meiner Schumpeter-Session auf dem Barcamp Bonn erwähnte ich vor allem die Abhandlung von 1928 „Die Tendenzen unserer sozialen Struktur“. Hier untersucht Schumpeter die Diskrepanz zwischen der Wirtschaftsordnung Deutschlands und der Sozialstruktur. Die Wirtschaftsorganisation war kapitalistisch, die deutsche Gesellschaft war aber in ihren Gebräuchen und Gewohnheiten nach wie vor in ländlichen, ja sogar feudalen Denkweisen gefangen – heute industriekapitalistisch. Zur Reichsgründung 1871 haben nahezu zwei Drittel der Bevölkerung auf Gütern oder Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern gelebt, noch nicht einmal 5 Prozent in Großstädten von mehr als 100.000 Einwohnern. Bis 1925 hatte sich der Anteil der Stadtbewohner verfünffacht, während der Anteil der Landbevölkerung um die Hälfte zurückgegangen ist. Ursache war vor allem ein sprunghafter Anstieg der Agrarproduktivität. Während 1882 in Deutschland nur 4 Prozent der kleinen Landwirtschaftsbetriebe Maschinen einsetzten, waren es 1925 schon über 66 Prozent. Die Mechanisierung löste eine Landflucht aus und trieb die Landarbeiter in die Städte. Auch politisch waren die „Landjunker“ in der Weimarer Republik tonangebend.

Heute sind es die Lobbyisten und wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung, die immer noch das industriepolitische Lied singen, obwohl wir seit den 1960er Jahren gar keine Industrienation mehr sind. Man braucht nur einen Blick in das Werk „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“ von Professor Werner Abelshauser werfen.

Der Stellenwert von industriellen Produkten soll damit nicht in Frage gestellt werden – auch wenn es kaum noch eine industrielle Massenfertigung in Deutschland gibt. Wir exportierten 2013 Autos und Maschinen im Wert von über 350 Milliarden Euro. Darauf verweist Jonas Sachtleber von der studentischen Unternehmensberatung OSCAR in einem Beitrag unter dem Titel „Digitalisierung in Deutschland: Ein Desaster“.

„Hinzu kommen Datenverarbeitungsgeräte und elektronische Ausrüstung für mehr als 150 Milliarden Euro. Diese Produkte machen Deutschland zur Exportmacht. Um diese Stellung zu halten, muss Deutschland allerdings zum Ausrüster der Digitalisierung werden oder sich wenigstens an deren Umsetzung beteiligen“, fordert Sachtleber.

Einen wichtigen Punkt erwähnen die Studienautoren vom „Trendbook Smarter Service“:

„Wenn Produkte immer mehr zu intelligenten Services werden und die vernetzte Erlebniswelt der Kunden die Gewinner auf den Märkten der Zukunft definieren, dann werden smarte Services zu überlebenswichtigen Erfolgsfaktoren.“

Thyssen als Menetekel

Es geht dabei nicht um „Software STATT Spoiler“, wie die Zeit titelte, sondern um Spoiler, Software UND Vernetzungsintelligenz. Inhaltlich liegt der Zeit-Redakteur Götz Hamann allerdings richtig. Selbst die Perlen der deutschen Industrie – also Autokonzerne und Maschinenbauer – sind nicht mehr unangreifbar. Wenn Apple jetzt bis zu tausend Autoexperten einstellt, sollte das in München, Wolfsburg, Stuttgart und Ingolstadt nicht mit naserümpfender Arroganz beantwortet werden. “

Autos werden heute fast wie Handys und Computer gebaut. Man bestellt die Bauteile, besonders gern bei Continental, Bosch und ZF Friedrichshafen. Dann setzt man alles zusammen, wie es Volkswagen mit seinem Baukastenprinzip vormacht, und vermarktet das Auto. Die eigene Wertschöpfung liegt dadurch nur bei rund 25 Prozent“, so Hamann.

Warum sollte nicht auch Apple dazu in der Lage sein? Es geht nicht mehr um Ego-Produktion, sondern um Eco-Produktion, so das Credo von Netskill-Geschäftsführer Winfried Felser. Das ökonomische Design eines vernetzten Unternehmens ist ein Gesamtkunstwerk.

„Was macht der Komponist? Erfindet er die Noten neu? Nein. Erfindet er das Orchester neu? Nein. Muss der Komponist alle Instrumente des Orchesters spielen können? Auch nicht“, so Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship.

Vorhandenes müsse nur neu kombiniert werden. Über die Kombinatorik von Komponenten gewinnen vor allem neue Unternehmen eine Geschwindigkeit, von der industrielle Großkonzerne nur träumen können – mit einem sehr geringen Geschäftsrisiko. Das ist eine Zäsur. Ein Unternehmen wie ThyssenKrupp könne bei neuen Projekten Teile auslagern, wenn etwa in Thailand ein neues Zementwerk gebaut werden soll. Vieles kommt aber aus dem eigenen Haus zu entsprechend höheren Fixkosten. Wenn Faltin mit einem freien Ingenieurbüro gegen den Konzern antreten und die Expertise für den Bau des Zementwerks dazukaufen würde, wäre er bei der Schnelligkeit der Projektplanung und der Kostenkalkulation nicht zu schlagen. Faltin sagte das einem Diplom-Ingenieur von ThyssenKrupp auf einem Flug nach Asien. Der Konzernmanager nickte und gab die Antwort:

„Ich gehe in anderthalb Jahren in Pension.“

Das spielte sich 2007 ab. Schaut man sich die Entwicklung von ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren an, wirkt der Gesprächsverlauf wie ein Menetekel, Herr Gabriel. Ein gutes Thema für unsere Sendereihe „Kompetenzgespräche“ via Hangout on Air.

Nächsten Montag werde ich beim Webmontag in Frankfurt dazu einen kleinen Vortrag halten: Im Land der digitalen Bräsigkeit – Wie wir den Weg in die vernetzte Ökonomie versemmeln

Kurzfassung: Wo bleiben die Impulse in Wirtschaft und Politik, um uns von der Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945″ ausdrückt? Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten?

Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, “dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus​.

Alles so viral hier: Wird Facebook das neue Youtube? – Thema bei #Bloggercamp.tv ab 20:15 Uhr

Facebook greift Youtube an
Facebook greift Youtube an

Facebook hat in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im „Welt“-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten. Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft“, so Mendelsohn.

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zurzeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social-Web-Primus

So habe der Social-Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegtbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank-You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen. Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernst zu nehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

AdWeek berichtet von Budweiser, McDonald’s und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort Youtube-Links zu teilen.

Es geht um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft und hier wollen sich Youtube und Facebook ein großes Stück vom Kuchen sichern. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von Youtube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Noch hat allerdings Youtube die Nase vorn und die Video-Funktionen bei Facebook sind nicht wirklich smart, wie Marco Jahn konstatiert:

„Facebook fehlt leider noch einiges, um als Videoplattform zu taugen. Die Zahlen der Reichweite und Views sind gut, aber leider ist das Video nach einem Tag in den Tiefen der Timelines verschwunden. Des Weiteren lassen sich die Videos nicht gut außerhalb von Facebook verbreiten. Wir setzen für das Video-Marketing der Bundeswehr immer noch auf YouTube und haben dort jeden Monat über eine Million Views. Facebook-Videos setzen wir nur in Einzelfällen ein.“

Genug Stoff für unsere Bloggercamp.tv-Runde.

In der Sendung diskutieren: Roland Eisenbrand, Online Marketing Rockstars; Jannis Kucharz, netzfeuilleton.de; Marco Jahn, Freelancer; Gerhard Schröder, KreativeKK; Constantin Sohn, Informatikstudent und Gaming-Redakteur.

Die Moderation mache ich heute alleine, daher für Zwischenrufe während der Liveübertragung bitte nur die Frage-Antwort-Funktion von Google Plus einsetzen. Auf Twitter und Co. werde ich während der Sendung nicht schauen. Rechts oben auf Fragen-Button gehen, dann öffnet sich rechts das Fenster, um Beiträge posten zu können.

Facebook, Youtube und der Kampf um den Bewegtbild-Markt – Warum Video-Sternchen verglühen und die Werber wieder jubeln könnten

subtile Jagd Mark Zuckerberg 053

Bislang redet jeder nur über Youtube, wenn über die Revolution des Bewegtbildes sinniert und der Niedergang des linearen Fernsehens prognostiziert wird. Da kommen dann die Youtube-Sterne und Sternchen zu Wort mit ihren fantastischen Abo-Zahlen, da wird ehrfürchtig von der Fanbase eines Sami Slimani berichtet, der mit Must-Haves über Augencreme, Duftkerzen, gesunden Eisrezepten und Motivations-Aphorismen für Schlagzeilen sorgt:

„Das Leben ist etwas Besonderes & unsere Zeit auch. Machen wir das Beste daraus.“ Oder: „Das Leben ist wie Hunger Games. Wer nicht kämpft, verliert.“

Danke, mein liebwertester Livesaver-Gichtling für diese lebensklugen Ratschläge, die irgendwie mein Leben verändern werden. Die Produzenten und Vermarktungs-Gurus des Youtube-Spektakels wie Mediakraft-Geschäftsführer Christoph Krachten träumen schon davon, größer als große Fernsehanstalten zu werden.

„Y-Titty, die Spaßvideofranken und mit drei Millionen Abos größten Zugpferde bei Mediakraft, verlassen das Haus ohnehin nur noch durch den Hinterausgang“, schreibt Wired, um nicht von kreischenden Fans in gut organisierten Schichten vor dem Haupteingang in den Wahnsinn getrieben zu werden.

So etwas nervt ja auch wirklich auf die Dauer. Mit zur Zeit rund 400 Millionen Views im Monat zählt das deutsche Youtube-Netzwerk Mediakraft auf der nach oben offenen Skala zu den Schwergewichten der Youtube-Szene.

Böhmermann erledigt Youtube-Stars

Mark Zuckerberg könnte den nuschelnden Strahlemann Slimani und viele andere Youtube-Macher wieder auf den Boden der Tatsachen reißen, wenn das vorher nicht schon Jan Böhmermann erledigt hätte.

Facebook hat jedenfalls in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im Welt-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten.
Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft.“

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zur Zeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social Web-Primus

So habe der Social Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen https://www.facebook.com/gsohn/posts/10204198849583760/ . Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernstzunehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

„AdWeek berichtet von Budweiser, McDonalds und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort YouTube-Links zu teilen“, so Kucharz.

Spannend ist auch das neue Format des US-Senders ABC, das exklusiv auf Facebook läuft. In zwei Minuten berichet Anchorman David Muir über die Geschehnisse des Tages.

„The One Thing“ heißt die Sendung, deren erste Folge bereits über 100.000 Mal bei Facebook angeklickt wurde, berichtet Meedia.

Die Facebook-Strategie zahlt sich bislang aus. Bis zum Oktober 2014 konnte der Konzern seine Unique Viewers um 10 Millionen steigern, erklärt Jan Firsching von Futurebiz. YouTube muss einen Verlust von rund 2,5 Millionen verbuchen. Der Abstand zwischen beiden Konkurrenten ist noch groß, aber der Vorsprung von Youtube schmilzt. Facebook wird mit seiner Video-Politik nicht am Status quo festhalten und weitere Verbesserungen für Bewegtbild-Produzenten bieten, schließlich geht es um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von YouTube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Wer wird dann noch über die nuschligen Creme-Tipps von Slimani reden?

Ob Facebook zum neuen Youtube wird, wollen wir in der nächsten Woche bei Bloggercamp.tv erörtern.

Wer als Talkgast dabei sein möchte, kann sich bei mir melden. Böhmermann versus Slimani wäre doch eine fantastische Konstellation.

In unserer kleinen Show mit dem Google-Dienst (!) Hangout on Air gelten ja Barcamp-Prinzipien. Also meldet Euch.

Wenn sich jetzt noch die Marketing-Politik vieler Firmen vom Einwegkommunikations-Modus auf Facebook verabschieden würde, könnte noch mehr Dynamik im Wettbewerb der sozialen Netzwerke entstehen.

Von so einem Erfolg kann Facebook bislang nur träumen:

We never thought a video would be watched in numbers greater than a 32-bit integer (=2,147,483,647 views), but that was before we met PSY. „Gangnam Style“ has been viewed so many times we have to upgrade!

Spannendes Projekt: Wire – Die Macher von Skype starten neue Kommunikationsplattform.

Unternehmen als soziales Laboratorium – Abschied von den McKinsey-Schnelldusch-Managern der Deutschland AG #nöcbn

Schönes Thema für die nächste netzökonomische Käsekuchen-Runde
Schönes Thema für die nächste netzökonomische Käsekuchen-Runde

Es kann ja noch so viele Mimikry-Aktivitäten von deutschen Unternehmen in sozialen Netzwerken geben. Nach innen sind die Organisationen alles andere als social, offen und vernetzt. Das brachte ich in meiner The European-Kolumne zum Ausdruck: Digitalisierung, Internet und soziale Netzwerke erfordern neue Führungsprinzipien, lautet die zentrale These des neuen Buchs „Management by Internet“ von Willms Buhse. Die Technik stehe dabei gar nicht im Vordergrund. Viel wichtiger seien Änderungen jener Mentalitäten und Organisationsformen, die den Arbeitsalltag der meisten Menschen in Deutschland prägen.

“Zentral gelenkte, hierarchische Organisationen sind in ihrer starren Verfasstheit kaum in der Lage, angemessen auf Veränderungen zu reagieren. Es geht darum, Unternehmen agiler zu machen, ihnen Freiraum für selbst organisiertes Arbeiten zu schaffen”, erläutert der Enterprise-2.0-Experte.

Die bittere Realität in deutschen Unternehmen bringt Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger auf den Punkt:

„Noch immer herrscht das Bild vor, dass man auch gesellschaftliche wie menschliche Herausforderungen wie ein Ingenieur oder Techniker lösen kann. Auch deshalb hält sich das internationale Ansehen der deutschen Führungskräfte in Grenzen. Sie gelten als eher stur, nüchtern, extrem sachlich und wenig beziehungsorientiert.“

Wir brauchen daher viel mehr Unternehmenslenker, die mit Mut echte soziale Laboratorien schaffen, wo zumindest schon einmal in einigen Bereichen die Arbeitskultur radikal auf den Prüfstand gestellt wird.

„Sei es durch direkte Wahl von Vorgesetzten, sei es durch neue souveränitätseinräumende Arbeitszeitkonzepte, sei es durch das Rekrutieren neuer Mitarbeiter durch das suchende Team und nicht durch die Personalabteilung, sei es durch praktische Reduzierung der Einkommensspreizung, sei es durch Laboratorien, in denen Bürger die Entwicklung des Unternehmens mitdiskutieren“, sagt Sattelberger im Gespräch mit Xing.

Und dann folgt eine Passage, die sich die Dax-Vorstände hinter den Spiegel stecken können: Wir brauchen mehr Diversität an den Unternehmensspitzen.

„Das Klonen in deutschen Chefetagen ist extrem ausgeprägt. Viele Topmanager sind deutsche, weiße, männliche, ähnlich ausgebildete Konzerngewächse, meist mit einem ansehnlichen ‚McKinsey & Co‘-Hintergrund, die dann eine lineare, gleichförmig verlaufende Schnelldusche als Manager in Hauptverwaltungen absolviert haben. Die Topmanager heute sind zwar akademischer als früher, aber damit nicht unbedingt gebildeter. Statt vieler Patriarchen haben wir jetzt mehr Technokraten in den Konzernen.“

Dingdong. Es seien eben nur leitende Angestellte und keine echten Unternehmer. Nur 4 Prozent der DAX30-Vorstände haben je unternehmerische Erfahrung gesammelt. Insbesondere was die Unternehmensführung angeht, werde in DAX30-Konzernen oder auch in GmbHs vieles nicht ohne weiteres möglich sein – das verhindern derzeit allein schon rechtliche Rahmenbedingungen, wie etwa das Aktiengesetz. Auch die Corporate Governance Vorgaben seien zu weich und zu schwammig.

Wie kann man diese Verkrustungen wirklich aufbrechen? Irgendwelche Facebook-Fanseiten ändern hier gar nichts. Das ist reines Marketing-Einweg-Gedöns. Wenn wir die nächste netzökonomische Käsekuchen-Runde einläuten, würde ich gerne die geklonten McKinsey-Schnelldusch-Manager der Deutschland AG in den Vordergrund rücken.

Über die Kanzlerin muss man wohl nicht groß reden: Merkel fühlt sich im Neuland verfolgt.

Wann kommt endlich das Management by Internet? #Bloggercamp.tv

Neues Buhse-Opus
Neues Buhse-Opus

Vernetzung statt Hierarchie, Agilität statt lange Planung – Digitalisierung, Internet und soziale Netzwerke erfordern neue Führungsprinzipien, so die zentrale These des neuen Buchs „Management by Internet“ von Willms Buhse.

Die Technik stehe dabei gar nicht im Vordergrund. Viel wichtiger seien Änderungen jener Mentalitäten und Organisationsformen, die den Arbeitsalltag der meisten Menschen in Deutschland prägen. „

Zentral gelenkte, hierarchische Organisationen sind in ihrer starren Verfasstheit kaum in der Lage, angemessen auf Veränderungen zu reagieren. Es geht darum, Unternehmen agiler zu machen, ihnen Freiraum für selbst organisiertes Arbeiten zu schaffen“, erläutert der Enterprise 2.0-Experte.

Arschloch-Hierarchien

Das klassische Managementwerkzeug aus dem Industriezeitalter reiche für die Bewältigung der digitalen Transformation nicht aus. Buhse liefert im Gegensatz zu vielen anderen selbst ernannten Netz-Experten kein rein theoretisches, abstraktes und wirklichkeitsfernes Kompendium mit zehn goldenen Regeln. Er bringt Fakten. Etwa die Erfolgsgeschichte des Autobauers Local Motors, der die netzökonomischen Hebel perfekt ausreizt und nicht Heerscharen von Ingenieuren unter strengster Geheimhaltung an neuen Modellreihen arbeiten lässt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Local Motors verfügt gerade mal über ein gutes Dutzend fest angestellter Fachleute, die in der Lage sind, ein Fahrwerk oder einen Antrieb zu entwickeln.

Die Skeptiker vom Dienst werden mir wieder vorwerfen, wirklichkeitsfremde Netzutopien zu predigen, schließlich seien Netzwerke ohne Hierarchien gar nicht denkbar. In der Tat ist das für Deutschland noch ziemlich utopisch. Funktionieren doch die meisten Organisationen nach den Mechanismen, die der Value5-Geschäftsführer Thomas Dehler bei der Streamcamp-Session über Distanz-Management und dezentrale Arbeit so herrlich erfrischend auf den Punkt gebracht hat:

Wie viel Kreativität und Raum für Neues erlaubt der Arbeitstag einer Führungskraft und wie viel ist Administration? Das Befüllen von Excel-Tabellen in Befehl-und-Gehorsam-Schleifen dominiert. Oder drastischer ausgedrückt. Schaut die Chef-Taube auf die unteren Leitern mit den untergebenen Tauben, sieht sie nur Scheiße. Schauen die Untergebenen nach oben, sehen sie nur Arschlöcher.

Schwarz-Weiß-Denken hilft bei der digitalen Transformation nicht weiter. Aber warum lockern die Wirtschaftskapitäne nicht das strenge Kontrollregime in ihren Unternehmen, um schneller auf Marktveränderungen zu reagieren, stärker auf Dialog zu setzen und Kontakte im Social Web auszubauen, um Schnellball-Effekte für die eigene Organisation zu nutzen.

Deshalb muss man nicht sofort die gesamte Organisation auf den Kopf stellen, Mitarbeiter entlassen und ausschließlich auf Netznutzer setzen. Es reiche nach den Erfahrungen von Buhse aus, wenn man bislang praktizierte Verfahren hinterfragt, stärker auf eine Kultur der Beteiligung setzt, vernetzte Elemente in den Arbeitsalltag aufnimmt, offener mit Informationen umgeht und enger mit Kunden kooperiert. Aber nicht in irgendwelchen Kommunikations-Hotline-Silos, sondern in Netzwerkstrukturen.

Um den liebwertesten Gichtlingen der klassischen Unternehmen die nötige Gehhilfe zu vermitteln, haben Meike Leopold und Björn Eichstädt das Opus „Erste Hilfe für Social Media Manager“ herausgegeben.

Bei Bloggercamp.tv werden sie erläutern, wie man Unternehmen social, offen und vernetzt organisieren kann. Soweit ein Auszug meiner morgigen The European-Kolumne.

Thema der Sendung: „Social Media? Das haben wir nie so gemacht!“ Rezeptur, um Bedenkenträger zu überzeugen. Ihr könnt während der Liveübertragung kräftig mitdiskutieren. Entweder über die Frage-Antwort-Funktion auf der Eventseite von Google Plus oder via Twitter mit dem Hashtag

Wahrscheinlich brauchen wir doch neue Führungskräfte für die digitale Transformation, wie es der Innovationsberater Jürgen Stäudtner zum Ausdruck gebracht hat.

Innovationen müssen von der Crowd gar nicht erbracht werden. Entscheidend ist der Anschub zur Verbesserung sowie Weiterentwicklung von Produkten und Diensten.

User in der digitalen Welt: 3,6 Milliarden Mobile, 3 Milliarden Internet, 2 Milliarden Social Media.

Katzenbilder, Digitalisierung und Star-Ökonomen ohne digitale Expertise #nöcbn

Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf
Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf

Schutzgesetze und Klagemauer-Reden helfen wohl nicht weiter, um sich gegen den digitalen Tsunami zu wappnen. Was viele liebwerteste Gichtlinge in Politik und Wirtschaft immer noch nicht begriffen haben, sind die volkswirtschaftlichen Effekte der vernetzten Ökonomie, die sich nicht auf das Teilen von Katzenbildern im Social Web reduzieren lassen.

Beim ersten Bonner Netzökonomie-Campus, der in meiner Bibliothek stattfand und über den mephistophelischen Umsonst-Dienst Hangout on Air übertragen wurde, kritisierten die Experten unisono die alten Rezepturen, die selbst hoch qualifizierte Politikberater wie DIW-Chef Marcel Fratzscher dem politischen Führungspersonal in Berlin vorbeten.

Im neuen Fratzscher-Opus „Die Deutschland-Ilussion – Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen“ tauchen eine Vielzahl von klugen Analysen über den brüchigen Status quo der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf. Schaut man im Register unter D wie Digitalisierung oder I wie Internet oder Informationstechnologie nach, findet man nur gähnende Leere.

Der DIW-Chef empfiehlt stattdessen in alter keynesianischer Machart mehr staatliche Investitionen, um etwa dem Verfall von Straßen entgegen zu wirken. Das ist recht erbärmlich für einen „Star-Ökonomen“, der sich zum wichtigsten Stichwortgeber von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hoch gearbeitet hat. Deshalb brachte ich bei der Vorstellungsrunde unserer netzökonomischen Käsekuchen-Diskussion auch als Hashtag „Schumpeter-statt-Keynes“ ins Spiel. Schumpeter warf bekanntlich Keynes und seinen Aposteln vor, das wirtschaftliche Geschehen nur in Aggregaten zu denken und die Rolle von Innovationen sowie unternehmerischen Einzelentscheidungen auszublenden. Makroökonomen seien blind für die Auswirkungen von neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

Verpuffender Keynesianismus in neuen Schläuchen

Entsprechend profan fallen die Empfehlungen der volkswirtschaftlich ausgebildeten Politikflüsterer aus. Was Fratzscher und Co. vortragen, ist alter Keynesianismus in neuen Schläuchen: Mehr Staatsausgaben, geldpolitische Globalsteuerung, Industrieförderung, ein wenig mehr bauen und schon läuft die Konjunktur:

„Man kann nicht mit altem Denken in neuen Welten erfolgreich sein. Da ich mich als Wirtschaftshistoriker mit dem Strukturwandel in den vergangenen drei Jahrhundert beschäftigt habe, weiß ich, dass wir andere Methoden und Kompetenzen brauchen“, fordert Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki beim Netzökonomie-Campus.

Das Internet bewirke die größte Senkung der Transaktionskosten, die wir je erlebt oder historisch erforscht haben. Die wirtschaftspolitischen Empfehlungen, die in Berlin und anderswo verlautet werden, seien verpuffender Keynesianismus.

Im Vergleich mit der Merkel-Regierung ist Elmar Weiler, Dekan der Ruhr-Universität in Bochum, in seinen Erkenntnissen schon viel weiter. Er treibt die notwendige Neuerfindung seiner Stadt unter dem Stichwort Bochum 4.0 voran.

„Bochum 1.0 dokumentiert die Zeit, als man Kohle aus der Erde holte, bis keine mehr da war. Allen sei klar gewesen, dass sich die Lagerstätten erschöpfen würden. Dann hat man angefangen, einen Hightech-Werkstoff zu entwickeln – nämlich Stahl. Da brauchte man nicht nur Eisenerz, sondern auch sehr viel Wissenschaft, um etwa rostfreien Stahl herzustellen. Das war Bochum 2.0. Von der Kohle über den Stahl geht die Erfolgsgeschichte weiter zu Fabriken, in denen Hochleistungsmaschinen gefertigt wurden wie Autos und Handys. Diese Zeit geht jetzt auch zu Ende. Also Bochum 3.0″, sagt Weiler.

Jetzt folgt die Phase 4.0:

„Es bricht eine neue Zeit an, die weniger geprägt sein wird von großen Industriewerken”, meint Weiler – auch wenn das viele Industrielobbyisten immer noch nicht ganz wahrhaben wollen.

Der Uni-Rektor ist fest davon überzeugt, dass das in der Region der Vergangenheit angehört.

Relevanter werden Mittelstand und innovative Unternehmen, die sich besser vernetzen müssen bei der Erzeugung von lokalen Wertschöpfungsketten. Es gehe dabei um die Vernetzung von allem. Also Kultur, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und das Engagement der Bürgerschaft. Was Professor Weiler in wenigen Worten skizziert hat, sollte sich die Große Koalition in Berlin hinter die Ohren schreiben.

Wie überzeugt man Zukunftsverweigerer?

Was mit Bochum 4.0 umschrieben und angestoßen wird, ist für den theologisch fundierten Informatiker Winfried Felser ein richtiger Schritt, um die Zukunftsverweigerer der überkommenen Ökonomie abzuholen. Das erreiche man nicht mit Begriffen wie „digitale Wirtschaft“ oder mit Konferenzen wie die re:publica in Berlin. Letzteres würden die Altvorderen als spleeniges Internet-Getöse von esoterischen Nerds abtun. Es müsse Maßnahmen geben, die auch IHK-Mitglieder, inhabergeführte Unternehmen und Konzernchefs erreichen, empfiehlt Netskill-Geschäftsführer Felser beim netzökonomischen Diskurs in der rheinischen Beethoven-Metropole. Jeder Handwerker, jeder Heizungsbauer und jeder Hersteller sollte sich die Frage stellen, ob er morgen noch mit seinem Geschäftsmodell erfolgreich sein kann. Etwa bei der Wartung von vernetzten Heizungen, die digital überwacht und gewartet werden. Da ist ein Systemingenieur gefragt und nicht mehr der klassisch ausgebildete Installateur – vom Schornsteinfeger mal ganz schweigen.

Die Querschnittsfunktion der Netzökonomie

Das Wort „Netzökonomie“ unterstreicht, dass die Digitalisierung und Vernetzung den Querschnitt aller Wirtschaftstätigkeiten betrifft. Mit Furcht, die sich durch Medien, Politik, Wirtschaft und Universitäten zieht, sei die digitale Transformation nicht zu bewerkstelligen, ergänzt Skibicki.

„Was sich im Ruhrgebiet beim Niedergang von Stahl, Kohle und industrieller Massenfertigung abspielt, gilt für ganz Deutschland. Leider beteiligen sich Politik und Verwaltung an diesem Prozess nicht. In anderen Ländern ist man da schon sehr viel weiter“, weiß Kommunikationsberater Frank Michna.

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche hängt eng mit der steigenden Leistungsfähigkeit der Mikroprozessoren zusammen:

„Das bekommen dann irgendwann auch Busfahrer und sogar Piloten zu spüren, die von intelligenter Steuerungstechnologie ersetzt werden“, sagt Innovationsexperte Jürgen Stäudtner vom Beratungshaus Cridon.

International werde nur die industrielle Expertise gesehen. Wir sollten schleunigst damit beginnen, dieses Wissen mit digitaler Kompetenz aufzuladen.

Der Dreiklang mobiles Internet, Social Web und Industrie 4.0 betrifft alle. Netzökonomie sei daher kein Thema für außerirdische Aliens, sondern gehört auf die Tagesordnung von BDI und Co., so das Credo des Kommunikationswissenschaftlers Jonas Sachtleber, der für die studentische Unternehmensberatung Oscar tätig ist.

Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik liefern in Deutschland für die digitale Transformation bislang weder Modelle, Methoden noch Metaphern.

Fünf Teilnehmer, ein Käsekuchen
Fünf Teilnehmer, ein Käsekuchen

Mit dem Netzökonomie-Campus möchte ich das über Tagungen, Studien, E-Books, Workshops, Barcamps, virtuellen Expertenrunden via Hangout on Air ändern. Wäre toll, wenn wir unseren Käsekuchen-Dialog fortsetzen könnten.

Kleiner Auszug meiner morgigen The European-Kolumne.

Siehe auch:

EU-Digitalkommissar Günther Oettingers erste Einlassungen zum Urheberrecht machen wenig Hoffnung für die anstehende Reform. Seine erste Themensetzung überzeugt nicht.

Wie schrecklich: „Google dringt in unser Kerngeschäft ein“

Leider, leider: Ein digitales Wunder lässt sich nicht verordnen.

Nicht nur Politik und Wirtschaft laufen der Vernetzung hinterher, auch die BWLer #nöcbn

Wo sind die deutschen Internet-Visionäre?
Wo sind die deutschen Internet-Visionäre?

Stichworte wie industrielles Internet, Industrie 4.0, Smart Cities und die Aktivitäten der Silicon Valley-Giganten betreffen mittlerweile jedes Unternehmen, ob klein oder groß, ob produzierendes Gewerbe oder Dienstleistungen.

„Da schaut man zuerst auf Arbeiten der Wirtschaftswissenschaften, um Orientierungshilfe zu bekommen, wie die Welt der digitalen Transformation für das Management begreifbar und besser handelbar wird und wie ein Unternehmen in der digitalen Ökonomie bestehen kann“, schreibt Arno Rolf, Professor für Informatiksysteme in Organisationen und Gesellschaft, in einem FAZ-Gastbeitrag.

Das Objekt der Betriebswirtschaftslehre sei nicht mehr allein die einzelne Unternehmung.

„Der Fokus ist auch auf ihre Einbindung in Netzwerke gerichtet. In Netzwerkorganisationen haben einzelne Unternehmen keine scharf umrissenen Grenzen mehr“, so der Uni-Professor aus Hamburg.

Ein Rückzug auf die „Kernkompetenzen“ eines Unternehmens funktioniert nicht mehr. Da vieles nicht mehr selbst entwickelt und hergestellt, sondern an Spezialisten im Netzwerk ausgelagert werde, hat das Management vor allem die Aufgabe, die richtigen externen Netzwerkpartner zu finden, zu koordinieren und bei der Stange zu halten.

Erfolgreich seien jene Organisationen, die neue Netze knüpfen, Projekte wechseln, neuen Knoten im Netz Bedeutung geben und nationale Grenzen überschreiten. „Die fehlende Vernetzung eines Akteurs kann schnell zum Ausschluss führen. Tradierte Hierarchien werden nicht überflüssig, sie sind aber unsichtbarer geworden“, so Rolf. Begrenzungen fallen über weltweit verteilte Rechner weg:

„Die Nutzer – Unternehmen, private Nutzer, Verbraucher, Lieferanten, Regionen oder staatliche Behörden – werden zu Knoten im Netz und arbeiten über das Internet zusammen. Die Netze haben offene Strukturen, können grenzenlos expandieren, neue Knoten einbeziehen und überflüssige rasch abschalten.“

Was in der Forschung noch schwach ausgebildet sei, ist die ungeheure Dynamik der digitalen Transformation mit ihren ständig neu aufkommenden Trends in der Informationstechnik und der Angriffslust der Internetkonzerne aus dem Silicon Valley. Sie seien es in erster Linie, die die Umwelt volatil und komplex machen.

„Für diese Entwicklung hat weder die Business-Ecosystems-Forschung noch die Betriebswirtschaftslehre bislang befriedigende Antworten. Dafür braucht es ganz neue Konzepte und Methoden, und neue Metaphern müssen her, weil beispielsweise aus den klassischen linearen Strukturen wie Supply Chains oder Value Chains (Wertschöpfungsketten) dynamische Value Networks (Wertschöpfungsnetze) werden (Zhang, Jianliang/Fan Yushun: Current State and Research Trends on Business Ecosystem)“, erläutert der Informatiker.

Reiche das Business-Ecosystem-Leitbild aus, um eine der drängenden Fragen der Wirtschaftswissenschaften, den steilen Aufstieg der Internetgiganten Google und Co. zu verstehen und die Folgen für die traditionellen Unternehmen abzuschätzen und daraus Schlüsse und Erkenntnisse für die Strategien des Managements zu ziehen?

Welche Antworten hat man auf die „Tsunami-Strategien“ der Internetgiganten Google, Amazon, Facebook, Apple und Co, die mit ihren Angeboten fast alle Branchen überrollen. Man würde gern wissen, ob die aktuelle ökonomische Forschung diesen Vorgang im Schumpeterschen Sinne als schöpferische Zerstörung einschätzt oder dafür eine neue Metapher gefunden werden müsse.

Eine Herausforderung werde der mit Internet, Smartphones und Applikationen (Apps) einhergehende Kulturwandel sein.

„Bislang setzt die Betriebswirtschaftslehre eher auf hierarchische Modelle. Eine zentrale Instanz müsse alles im Griff haben. Mit den neuen Techniken ist eine Mitmachkultur entstanden, die in alle Generationen hineinflutet und mit einem enormen Zugewinn an Bequemlichkeit und Komfort für die Nutzer verbunden ist; für manche auch mit der Möglichkeit, selbständig in Start-ups arbeiten zu können. Diese Alltagsattraktivität ist der Grund für eine bislang nie dagewesene Technikakzeptanz“, meint Rolf – was vielleicht für die Gründerszene gilt, nicht jedoch für die politischen Akteure.

Es seien vor allem die Start-ups mit ihren hierarchiearmen Projektorganisationen, die die Innovationen vorantreiben.

„Sie sind heute vielfach die Impulsgeber und Schöpfer von Innovationen für große Unternehmen, die sich mit ihren Bürokratien teilweise lahmlegen“, resümiert Rolf.

Die klassische BWL liefert für die digitale Transformation weder Modelle, Methoden noch Metaphern. Vielleicht sollte man spezielle Lehrstühle für Netzökonomie etablieren, um die Wirkungen des Plattform-Kapitalismus, wie es Sascha Lobo formulierte, zu untersuchen.

Autoland bald abgebrannt?
Autoland bald abgebrannt?

Technikbasierte Unternehmen wie Google machen jedenfalls vor keiner Branche und vor keinem etablierten Unternehmen halt – selbst die deutsche Autoindustrie wird das zu spüren bekommen. Siehe: Google macht Zukunft – auch in der Industrie: Und Deutschland?

Ob die alten Regeln, die in Deutschland gelten, noch zeitgemäß sind, analysiert Professor Klemens Skibicki:

Mit dem Netzökonomie-Campus, der am Sonntag startet, möchte ich eine neue Debatte anstoßen, die dann über Tagungen, Studien, E-Books, Workshops, Barcamps, virtuellen Expertenrunden via Hangout on Air weitergeführt werden kann.

Der Diskurs startet am Sonntag bei Kaffee und Kuchen um 16 Uhr und wird live übertragen. Hashtag für Zwischenrufe #nöcbn – steht für Netzökonomie-Campus Bonn. Ihr könnte natürlich auch die Frage-Antwort-Funktion auf der Eventseite benutzen.

Siehe auch:

Datenverkehr nur mit Nummernschild.

Symbol für die digitale Inkompetenz: Leistungsschutzrecht.

Was Merkel von Bochum 4.0 lernen kann – Digitaler Strukturwandel ohne Kohle und Stahl @ruhrnalist #SocialTV #itg14

Kai Rüsberg im Gespräch mit Uni-Rektor Elmar Weiler
Kai Rüsberg im Gespräch mit Uni-Rektor Elmar Weiler

Kann man über hyperlokale Formate via Hangout on Air das Geschehen in seiner Stadt, seines Bezirks oder seiner Nachbarschaft ohne Schnörkel, ohne Zeitverlust, ohne Abstimmungsschleifen direkt vermitteln und den Dialog in der Bürgerschaft fördern? Man kann. Der Fernsehjournalist Kai Rüsberg stellt das in seiner Heimatstadt Bochum unter Beweis mit SocialTV-Gesprächsformaten, die man ohne Ü-Wagen und schwerer Technik realisieren kann. Es reichen Laptop, Webcam und ein halbwegs vernünftiges Mikrofon.

Bei der Generalversammlung der GLS-Bank in Bochum, wo ich als Moderator beteiligt war, ist das eindrucksvoll demonstriert worden.

Jetzt hat Kai zum Auftakt der Vortragsreihe „Hörsaal City live“ im „Blue Square“ in der Fußgängerzone von Bochum mit einer SocialTV-Sendung begleitet. Nicht nur der Standort ist dabei spannend, sondern vor allem das Vorhaben der Universität bei der Föderung des Diskurses zwischen Wissenschaft und Bürgerschaft. Ich bin ja kein Freund des Geredes von 1.0, 2.0 oder 4.0. Bei Bochum 4.0 macht das Sinn, wie es Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit Kai Rüsberg formuliert.

Mit der Vortragsreihe wolle man die Vorteile von Bochum stärker in den Vordergrund rücken. Und die liegen ganz klar bei rund 50.000 Studierenden und den über 7.000 Absolventen, die jedes Jahr erfolgreich ihr Studium beenden. Aus dem Blickwinkel eines Unternehmen, das sich in der Stadt ansiedeln möchte und dabei hochqualifizierte Mitarbeiter sucht, sei das ein klarer Standortvorteil. Und hier kommt auch das Stichwort 4.0 ins Spiel.

„Bochum 1.0 dokumentiert die Zeit, als man Kohle aus der Erde holte, bis keine mehr da war. Allen sei klar gewesen, dass sich die Lagerstätten erschöpfen würden. Dann hat man angefangen, einen Hightech-Werkstoff zu entwickeln – nämlich Stahl. Da brauchte man nicht nur Eisenerz, sondern auch sehr viel Wissenschaft, um etwa rostfreien Stahl herzustellen. Das war Bochum 2.0. Von der Kohle über den Stahl geht die Erfolgsgeschichte weiter zu Fabriken, in denen Hochleistungsmaschinen gefertigt wurden wie Autos und Handys. Diese Zeit geht jetzt auch zu Ende. Also Bochum 3.0“, sagt Weiler.

Jetzt folgt die Phase 4.0.

„Es bricht eine neue Zeit an, die weniger geprägt sein wird von großen Industriewerken“, meint Weiler – auch wenn das viele Industrielobbyisten immer noch nicht ganz wahrhaben wollen.

Der Uni-Rektor ist fest davon überzeugt, dass das in der Region der Vergangenheit angehört.

SocialTV-Außenreportage bei der Vorstellung der Hörsaal City-Vortragsreihe
SocialTV-Außenreportage bei der Vorstellung der Hörsaal City-Vortragsreihe

Relevanter werden Mittelstand und innovative Unternehmen, die sich besser vernetzen müssen bei der Erzeugung von lokalen Wertschöpfungsketten. Es gehe dabei um die Vernetzung von allem. Also Kultur, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und bürgerschaftliches Engagement. Genau dieser Ansatz des notwendigen Strukturwandels steckt hinter der Bezeichnung „Bochum 4.0“.

Was Professor Weiler in wenigen Worten skizziert hat, sollte sich die Große Koalition in Berlin hinter die Ohren schreiben.

Wo bleiben die Impulse in Wirtschaft und Politik, um uns von der Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945″ ausdrückt? Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten?

Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, “dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus – in Bochum und vielen anderen Städten schon, aber nicht in der Bundespolitik.

Was die Ruhr-Univerität in ihrer Vortragsreihe thematisiert, greifen wir in Bonn auch beim Netzökonomie-Campus auf, der am Sonntag bei Kaffee und Käsekuchen in meiner Bibliothek startet und natürlich via Hangout on Air ab 16 Uhr live übertragen wird.

Siehe auch:

IT-Gipfel: Warum Merkel eine wertelose Digitalpolitik macht.

IT-Gipfel – ein Klassentreffen mit Kanzlerin.

SocialTV-Workshops für Wirtschaft, Vereine, Blogger, Kunst und Kultur.