Wenn KI-Systeme diskriminieren #NextAct2020 #WerkstattGespräche #CIOKuratorLive Talk mit @SvenSemet

Auch Künstliche Intelligenz kann im Personalmanagement diskriminierend agieren – KI ist nur so unvoreingenommen wie die Daten, mit denen wir Menschen sie trainieren:

Sven Semet, HR-Experte bei IBM, sagt, wie es ist:

„Wenn du als Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren nur katholische Männer eingestellt hast – und lässt dein Machine Learning auf diese historische Daten zu – was soll die Maschine dann anderes lernen als zukünftig auch wieder katholische Männer einzustellen?“

Hier das komplette Interview:

#BundesHack – Warum es kommen musste, wie es gekommen ist – #CIOKuratorLive Gespräch mit dem Hacker und Sicherheitsexperten @JANOTTA_A

Wir vertiefen das Interview

Adrian Janotta hat eine Biografie, wie aus einem Film, so Robert Weber. Software-Entwickler. Freundin hat ihn verlassen, dann abgestürzt, Job verloren, dann Shops im Internet gehackt, erwischt worden (Update von RW: Wurde nicht beim Hacken erwischt – darauf legt er Wert. War eine Verkehrskontrolle – Alkohol – und dann haben die ein paar Festplatten im Kombi gefunden). Kam in den Knast, hat Uli Hoeneß im Gefängnis getroffen und hinter den schwedischen Gardinen BWL studiert. Direkt nach der Freilassung gründete Janotta eine Security-Firma und berät mittlerweile die Deutsche Bank und mittelständische Maschinenbauer. Naiv bei der IT-Sicherheit seien nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Sicherheitsfirmen, warnt Janotta:

“Sie versprechen Sicherheit, die sie nicht einhalten können.”

Man kauft eine Firewall, um Netzwerke zu schützen. Dennoch wird man gehackt. “Das passiert leider ständig.” Dieses Szenario könne man Anti-Viren-Software-Hersteller übertragen. Computer seien trotz dieser Virenwächter voller Spionagesoftware. Es mehren sich die Stimmen, das diese Hersteller Daten von Unternehmen sammeln und sensible Daten speichern.

“IT-Sicherheit ist heute zu einem Machtinstrument von Staaten geworden, sie missbrauchen Sicherheitssysteme für den Cyberkrieg”, erklärt Janotta.

Janotta plädiert für den Einsatz von Open Source-Software.

“Auch die US-Behörden setzen das sein, wenn es um Cyber-Sicherheit geht.”

Selbst die NSA würde Open Source-Software empfehlen, die von Communities entwickelt werden, die auf Sicherheit achten.

“Beim aktuellen Bundes-Hack sagt man ja, dass das ein Hochsicherheitsnetz sei – also der Kommunikationsverbund Berlin-Bonn, worüber auch das BSI läuft.”

Problem: Hier werde mit Software von Microsoft gearbeitet. Die Schwachstellen in diesem System werden regelmäßig herausgefunden und im Darknet verkauft. Es gebe einen regen Handel mit den sogenannten Exploits, also den Schwachstellen, die man systematisch ausnutzen und missbrauchen kann. Selbst die Mafia könne das kaufen und den Bundestag oder die Bundesregierung angreifen.

Um das zu verhindern, muss man die IT-Sicherheit professionalisieren.

Am Dienstag, den 13. März werde ich das im Gespräch mit Adrian Janotta vertiefen. Wie müsste die Cyber-Abwehr in Behörden organisiert werden? Welche Fachleuchte braucht man? Sollte man Gegenangriffe starten?

Läuft als Livestream via Facebook. Habt Ihr Fragen? Dann jetzt schon in der Blog-Kommentarfunktion unten posten oder live mitmischen auf Facebook.

Siehe auch:

HOLT HACKER IN DIE BUNDESBEHÖRDEN – SPANNENDES INTERVIEW VON @ROBERT_WEBER MIT DEM SICHERHEITSEXPERTEN @JANOTTA_A

Kommt jetzt auch der #Flugtaxi Bundesverkehrswegeplan? #Fliegenstattsurfen #FutureWatchDe #D2030

Sie hat bei meinem ciokurator.com-Kollegen Stefan Pfeiffer persönlich keinen guten Start hingelegt, also die designierte Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär von der CSU. In der Sendung haben wir das aufgegriffen.

„Im heute journal war sie aus meiner Sicht nur bissig und unprofessionell im Interview mit der sicherlich scharf nachfragenden Marietta Slomka, vor der die CSU-Granden sicherlich nach einigen Demontierungen gehörig Respekt haben. Vielleicht waren diese Pleiten auch ein Grund, warum Bär so reagiert hat“, schreibt Stefan Pfeiffer.

Nach meinem Dafürhalten hat Bär auf die kritischen Fragen von Slomka, die übrigens als Moderatorin immer besser wird in solchen Interviews, mit den üblichen Leerformeln geantwortet.

Sie wolle sich nicht in „Klein-klein-Szenarien verlieren“ verlieren. Breitbandausbau sei zwar wichtig, Digitalisierung sei jedoch viel mehr:

„Kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, autonom fahren. Habe ich die Möglichkeit, zum Beispiel mit einem Flugtaxi durch die Gegend zu kommen.“

Nein. Kann ich nicht. Ich mache mich hier nicht lustig über das Flugtaxi, sondern über die Akzente, die eine Staatssekretärin setzt, die im Verkehrsministerium von Dobrindt tätig war.

Zu Visionen gehört auch das Brot-und-Butter-Geschäft der Realpolitik. Und die kann man im Bundesverkehrswegeplan von CSU-Minister Dobrindt nachlesen. Teer, Beton und keine Infrastruktur für autonome Mobilität. Das sind Tatsachen, die Dobrindt, Bär und Co. geschaffen haben.

„Da werden bis 2030 fast 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Nur 500 Millionen Euro gehen in die vernetzte Infrastruktur für autonome Mobilität. Da stimmt das Bild nicht“, kritisiert Klaus Burmeister von der D2030-Initiative.

Es gehe darum, bis 2030 ein vernetztes Mobilitätssystem zu erfinden, welches intermodal mit allen Verkehrsträgern in der Lage ist, weltweit zu konkurrieren. Auf diese Herausforderungen hat die fossile Partei namens CSU keine Antworten. Außer vielleicht das Airbus-Flugtaxi-Projekt. Siehe auch meine Kolumne: Schwarm-Mobilität statt Schmieröl-Weisheiten im Land der Autobauer.

„Immerhin besteht mit Bär ein Hoffnungsschimmer, dass es mit der Digital Transformation in Deutschland doch noch einmal vorangeht“, meint Dr. Ulrich Kampffmeyer.

Das glaube ich nicht. Da ist mit der von Lobbyinteressen durchtränkten CSU wenig zu machen. Visionen gehen da schon gar nicht.

Siehe auch:

Dorothee Bär fordert mehr Tempo bei der Digitalisierung

Flugtaxis, Programmieren, Datenschutz, Frauen: der massive und schnelle PR-Ausbau der digitalen Dorothee Bär

Fliegen statt surfen – Digitalministerin Bär plant Flugtaxis für Deutschland – und erntet Spott im Netz

Kleiner Programmtipp: Schaut heute doch mal extra 3 – Der Irrsinn der Woche 😉 Um 22:50 Uhr.

Wie Staaten immer tiefer in die Abhängigkeit von #Microsoft geraten und eine Frage an Axel O. #9vor9 @axelopp

In der ARD-Sendung „Die Story“ stellt das Journalistenteam Investigate Europe das sogenannte Microsoft-Dilemma vor. Der aufwändig recherchierte Beitrag erzählt, wie Microsoft nach wie vor seine Monopolstellung behält: Mit gezieltem Lobbyismus und durch die Trägheit von Institutionen.

Die Monopolstellung Microsofts ist stark: „Jeder ist betroffen“ urteilen die Journalisten, „die Abhängigkeit reicht tiefer als die Verwendung von Word oder Excel“. Tausende Spezialprogramme der Finanzämter und anderer Behörden seien alle von Windows abhängig. Auch Martin Schallbruch, der bis 2016 IT-Direktor der Bundesregierung war, sieht Probleme, die sich in Zukunft noch verstärken werden:

„Kontrollfähigkeit und Steuerungsfähigkeit des Staates im Hinblick auf seine eigene IT nimmt immer weiter ab.“

Eine Alternative sei mit Linux eigentlich vorhanden, schreibt netzpolitik.org.

„Warum steigen die europäischen Staaten also nicht im großen Stil um, um sich von der Abhängigkeit zu befreien? Rafael Laguna von Open-Xchange vergleicht die Situation mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Auch da sei die Skepsis groß gewesen, doch mittlerweile gäbe es Tage, an denen unser Strom fast vollständig aus erneuerbaren Energien stamme. Vor allem der Staat müsse Anreize zur Veränderung bieten. Viele Entscheider in der IT würden sich zudem finanziell selbst schaden, wenn sie das Monopol Microsofts aktiv angingen“, so netzpolitik.org.

Während die großen Internetunternehmen wie Facebook, Amazon und Google verstärkt auf Open-Source-Software setzten, liefern sich die Staaten Europas immer wieder dem Microsoft-Monopol aus.

„Anfragen nach Informationsfreiheitsgesetz zu den Konditionen der Verträge zwischen Bund und Microsoft werden ‚wegen Konzerngeheimnissen‘ nur geschwärzt herausgegeben. Microsoft ist also in der Lage, den Staat daran zu hindern, seine Bürger zu informieren, beispielsweise über die genauen Kosten der Software“, erläutert netzpolitik.org.

Martin Schallbruch, der frühere IT-Chef der Bundesregierung, berichtet in der ARD-Doku, wie die Staaten immer tiefer in die Abhängigkeit von Microsoft geraten. Ein Top-Jurist aus den Niederlanden beschreibt, wie die EU-Kommission und die Regierungen dafür das europäische Ausschreibungsrecht brechen. In Frankreich hat das Verteidigungsministerium beim Abschluss von geheimen Verträgen mit Microsoft das Parlament umgangen, darum will die Senatorin Joelie Garriaud-Maylam nun einen Untersuchungsausschuss einsetzen.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar warnt, die Microsoft-Systeme setzen die privaten Daten der Bürger der Ausforschung durch die US-Geheimdienste aus. Interne Dokumente belegen, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik dieses Misstrauen teilt. Sowohl das Europaparlament als auch der Bundestag haben darum mehrfach gefordert, dass die staatlichen IT-Systeme auf quelloffene „Open Source“-Software umgestellt wird, die von Europas eigenen Sicherheitsbehörden geprüft werden können. Italiens Armee hat mit diesem Umstieg auch begonnen, erzählt der italienische General Camillo Sileo. Genauso halten es Polizeibehörden in Frankreich und Litauen oder die Städte Rom und Barcelona.

Resümee der Sendung:

„Die Software des Konzerns macht angreifbar für Hacker und Spione, verstößt gegen das europäische Vergaberecht, blockiert den technischen Fortschritt und kommt Europa teuer zu stehen. Warum aber stemmen sich Regierungen gegen die Alternativen, oder kehren sogar zurück in die Arme von Microsoft?“

Ich habe mir heute die Reportage angeschaut. Sie ist klasse.

Axel Oppermann war da anderer Meinung. So sei es relativ einfach, Informationen über Preise zu recherchieren, erklärte er in . Warum werden dann die Konditionen zwischen Bund und Microsoft geschwärzt, wenn man sie nach dem Informationsfreiheitsgesetz anfordert?

Axel O., dann lege doch mal die Konditionen in der nächsten #9vor9 Sendung auf den Tisch.

Wir können dann mal live nachrechnen.

Siehe auch:

Ein Thema, eigentlich bekannt, gerade aber von der Politik und von Lobbyisten tot geschwiegen: Unsere Abhängigkeit von Microsoft, insbesondere dem Betriebssystem und den Office-Anwendungen in öffentlicher Verwaltung und Unternehmensanwendungen mit kritischen Datenbeständen.

PLATTFORM-MONOPOLE, VOICE, MICROSOFT & MEHR: #9VOR9 ÜBER DIE TECH-NEWS DER WOCHE

Replik zur Sendung: Die verpasste Gelegenheit

Lahmes Internet, fragwürdiger Lobbyismus und bräsige Digitalpolitik #GroKo

„Im Moment haben wir ja das Problem, dass die Telekommunikationsunternehmen auch ihre 100 oder 200 Mbit/s-Anschlüsse nicht loswerden“, erklärte die Internetexpertin der CSU, Dorothee Bär zu den Digitalplänen der kommenden Bundesregierung. Bär sei ohne Zweifel sehr sachkundig, bemerkt Sascha Lobo in seiner Spiegel Online-Kolumne.

„Das aber macht ihre Aussage zugleich erstaunlich, skandalös und unerstaunlich. Erstaunlich ist, dass Bär den angeblich mangelnden Verkaufserfolg als eigentliches Problem hinstellt. Denn bisher kann nur eine Minderheit der deutschen Haushalte das angeblich ungewünschte Produkt überhaupt kaufen, und das fast nur in größeren Städten. In der wichtigsten Breitbandstatistik des zuständigen Ministeriums ist ernsthaft ‚größer 50 Mbit/s‘ die schnellste Internetkategorie. Ironie der Realität: An drei zufällig ausgewählten Standorten von Bärs Geburtsstadt Bamberg (Moosstr. 10, Vogtstr. 2, im Gewerbegebiet Am Börstig 25) beträgt die von der Telekom angebotene Maximalgeschwindigkeit 16 Mbit/s (Stand 13. Februar 2018). Tja, warum nur kaufen so wenig Leute 100 Mbit/s“, fragt sich Lobo.

Skandalös an Bärs Aussage sei, dass sie exakt die Perspektive der Konzerne übernimmt, die neben der Politik eine große Mitschuld an der Breitbandmisere tragen. „Ihre Formulierung verschiebt nämlich die Verantwortung für die schlechte Breitbandversorgung auf die Kunden. So blendet sie aus, dass neben der erwähnten Verfügbarkeit auch Preis, Upload-Geschwindigkeit, Drosselung und Vertragsbedingungen eine erhebliche Rolle beim Verkauf spielen“, so Lobo.

Unerstaunlich an Bärs Aussage sei schließlich ihre Existenz, denn die regierende Politik kommuniziert im Digitalbereich auffällig konzernnah. „Die Politiker tun das oft auch, wenn es den Bevölkerungsinteressen erkennbar entgegensteht. Die Telekom erklärte 2017, dass 100 Mbit/s derzeit ausreichen, was zufällig auch der für sie flächig erreichbaren Maximalgeschwindigkeit entsprach. Dorothee Bär gibt dieser Argumentation politische Rückendeckung, als sei sie Interessenvertreterin der Telekom.“

So kann der Magenta-Laden immer noch genügend Geld aus den Daten-Leitungen quetschen, da andere Geschäftsmodelle nach wie vor nicht funktionieren.
Das ist heute unser Problem und das war in den vergangenen Jahren das Problem in der Digitalpolitik. Erinnert sei an die „Studie“ des Ifo-Instituts, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums konstatierte, dass die Nachfrage für schnelles Internet einfach zu gering sei.

Dabei dürfte selbst den Spitzenökonomen in München klar sein, dass besonders in Fragen der Infrastruktur das Angebot die Nachfrage schafft.

„Ohne Highspeed-Internet können Unternehmen digital nicht aufrüsten und fallen im globalen Wettbewerb zurück. An neue webbasierte Geschäftsmodelle ist in einem solchen Umfeld gar nicht erst zu denken“, so Manager Magazin-Redakteurin Müller.

Die teutonische Breitband-Müdigkeit von Spitzen-Politikern und Top-Managern wirkt sich fatal auf die Volkswirtschaft aus.

„Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll.“

Die „geeigneten“ Maßnahmen der Bundesregierung

Die Inflation der Unverbindlichkeiten im „Vertrag“ der Großen Koalition zur digitalen Agenda vor vier Jahren hatte „zielgerichtet“ mit „geeigneten Maßnahmen“ die Wirkung eines Wackelpuddings, den man an die Wand nagelt. Was Unionsparteien und SPD für die digitale Infrastruktur in Deutschland planten, knüpft nahtlos an die Bund-Online-Projekte der vergangenen Jahre an: Sie wurden zu Tode verwaltet. Fehlgeburten mit Lutschpastillen-Wirkung, die mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck in den verschiedensten Ressorts mit minimaler Sauerstoffzufuhr am Leben erhalten werden. Ab und zu erfährt der Netz-Patient eine Reanimation, bevor er seine letzten Bits und Bytes aushaucht.

Völlig außer Acht bleibt die Korrelation zwischen Digitalisierung, Netzausbau und Arbeitsplätzen – übrigens auch in der von der Großen Koalition so geliebten Industrie: Das Internet der Dinge oder der intelligenten Objekte ist schon lange keine Fiktion mehr. Schon 2013 gab es rund zehn Milliarden Verknüpfungen zwischen Maschinen und Produkten. Diesen anschwellenden Datenstrom können wir nur bewältigen, wenn wir konsequent in den Breitbandausbau investieren.

Die Digitalisierung in Deutschland krankt nach Meinung des Technologieexperten Roman Friedrich an einem Wirrwarr von Einzelmaßnahmen. Es versickere jedwede Initiative in irgendwelchen Gremien.

„Da gibt es hier einen Gipfel und dort einen Gipfel. Dann gibt es eine D21-Initiative, die sich tot gelaufen hat. Das Thema Breitband und Digitalisierung hätte es verdient, zur Chefsache erklärt zu werden“, sagte mir Friedrich vor vier Jahren im Interview.

Selbst die anfänglich eingeplanten vier bis fünf Milliarden Euro würden für den Breitbandausbau nicht ausreichen. Es sei nicht ersichtlich, wie wir den Rückstand in der Digitalisierung mit den Plänen der neuen Bundesregierung aufholen können. „Es sind Lippenbekenntnisse und keine klaren Ziele. Der Breitbandausbau auf 50 Mbit/s ist noch nicht einmal zu tief gegriffen. Im Gegenteil. Diese Geschwindigkeit benötigen wir für einen modernen Standort. Mit einer entsprechenden politischen Unterstützung ist mehr möglich. Das sehen wir in anderen Ländern“, weiß Analyst.

Strukturschwache Gebiete brauchen dezentrale Cloud-Arbeitsplätze

Die digitale Revolution bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf den Konsumenten. Viel entscheidender sei die Anbindung eines jeden Unternehmens an Breitband.

„Um die Wirtschaftskraft vor allem des Mittelstandes zu erhalten, braucht man die digitale Autobahn. Wir können sonst unsere ökonomische Dynamik nicht ausreichend entfalten. Dabei geht es um innovative Geschäftsmodelle, um die richtigen Dienste und um nachfragestimulierende Applikationen. Ohne die entsprechende technologische Grundlage wird das nicht erreichbar sein“, meint Friedrich.

Auch das Märchen von der zu geringen Nachfrage nach schnellem Internet, was von Wirtschaftsforschern im Auftrag der Bundesregierung in die Welt getragen werde, ist nur ein weiterer Beleg für das mangelhafte Verständnis der politischen Akteure für die Relevanz der digitalen Infrastruktur:

„Wir haben schon jetzt Engpässe. Unsere politische Elite und auch viele klassische Wirtschaftsführer verstehen nicht, was zurzeit im Markt passiert. Die digitale Revolution ist mindestens so relevant wie die Energiewende.“

Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete in Deutschland, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren.

Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage.
Besser wäre es, über Cloud-Arbeitsplätze dezentrale Organisationen aufzubauen und die negativen Folgen von Landflucht sowie Überalterung abzumildern.

Die Prioritäten in der Regierungspolitik werden falsch gesetzt, was man an der lärmenden und lächerlichen Maut-Debatte in der vergangenen Legislaturperiode sehr schön ablesen konnte. Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in den Köpfen der politischen Akteure ein Umdenken zu bewirken.

Um 11:45 Uhr wollen wir darüber in einem Live-Talk noch einmal reden.

Siehe auch:

Deutsche Digitalpolitik: Rückwärts gewandt und von Lobbyismus geprägt – Hilft da eine neue Behörde?

Neun Minuten #TechNews #9vor9 #CIOKuratorLive @axelopp @Digitalnaiv

Wir haben ein wenig überzogen 😉

Jeden Dienstag – wichtige Technews für die Woche. Diesmal mit Axel Oppermann und Stefan Pfeiffer von ciokurator.com

Themen:

FAZ: Kniefall vor Amazon statt Qualitätsjournalismus

Bitkom-Alarmismus

GroKo-Digitalpolitik ohne Revolution

Axel O. Presse-Show:

Multi Cloud Studie

45 Prozent der Firmen wählen aus Kostengründen mehr als einen Cloud-Anbieter

40 Prozent wollen mit mehreren Cloud-Anbietern Risiken minimieren

78 Prozent der Entscheidungsträger in der IT-Branche geben an, dass ihre Unternehmen nach Wegen suchen, mithilfe künstlicher Intelligenz Probleme der Multi-Cloud-Verwaltung zu lösen

Multi-Cloud: 45 Prozent der Firmen wählen aus Kostengründen mehr als einen Cloud-Anbieter

https://www.xing.com/news/insiders/articles/multi-cloud-45-prozent-der-firmen-wahlen-aus-kostengrunden-mehr-als-einen-cloud-anbieter-1175708?xng_share_origin=web

Chip-Markt

Broadcom erhöht (feindseliges) Angebot für Qualcomm auf 121 Milliarden Dollar

https://www.japantimes.co.jp/news/2018/02/06/business/chip-wars-broadcom-raises-hostile-bid-qualcomm-121-billion-quest-top/#.Wnlu5pOdWi5

https://uk.reuters.com/article/us-qualcomm-m-a-broadcom/broadcom-unveils-121-billion-best-and-final-offer-for-qualcomm-idUKKBN1FP1KX

Und Apple wird mutmaßlich in 2018 iPhone Lineup auf Intel setzen; und Qualcomm ersetzen

https://uk.reuters.com/article/uk-apple-qualcomm-intel/qualcomm-shares-fall-as-reports-say-apple-may-scrap-its-chips-idUKKBN1FP22K

Hätten wir auch noch aufgreifen können:

Arbeiter, Mittelklasse, Oberschicht: Wie Facebook seine Nutzer einteilen will

Nachhaltigkeit und Verantwortung: Druck auf die Wirtschaft steigt – Unternehmen in der Sandwich-Position #wef18 #FutureWatchDe

Organisationseinheiten für Nachhaltigkeit, Verantwortung und Ethik – wenn es sie überhaupt gibt – haben in Unternehmen meistens wenig zu melden. Im Prinzip sind es die Kommunikationsabteilungen, die das in Personalunion abhandeln. Neben den Geschäftsberichten werden eben auch die Nachhaltigkeitsberichte abgehandelt. Einfluss auf das Top-Management haben die CSR-Beauftragten selten.

„Man hat den Eindruck, dass diese Abteilungen eher dafür da sind, nicht ethisches Verhalten zu legitimieren“, kritisiert Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius.

Sein Kollege Amit Ray sieht das ähnlich. Das Ganze werde unter PR-Gesichtspunkten kommuniziert.

„Man will alles in einem positiven Licht darstellen. Das ist aber nicht vertrauenswürdig. Jeder weiß, dass Unternehmen nicht zu 100 Prozent nachhaltig unterwegs sein können. Keine Firma kann das leisten.“

Dann sollten sie ehrlicher mit der Öffentlichkeit umgehen und nicht alles als heilig und perfekt darstellen.

„Konzerne wie Bayer oder BASF transformieren nicht über Nacht zum Bio-Ponyhof“, bemerkt Becker im ichsagmal.com-Gespräch.

Klar ist allerdings auch, dass Unternehmen sich ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung nicht entziehen können. Es gebe Druck von unten, also von der Kundschaft, und Druck von oben, also regulatorische Anforderungen über Reporting-Systeme und anderen Maßnahmen. Es entstehe politischer Druck, etwa über die Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus, und auch durch Konsumenten, die ihre Möglichkeiten für ethischen Einkauf immer stärker nutzen. „Unternehmen geraten in eine Sandwich-Position. Selbst Banken und Rückversicherungen haben sich entschieden, aus schmutzigen Energien rauszugehen“, erläutert Becker.

Der Soziologe Holger Backhaus-Maul sieht eine gravierende Bedeutungsverschiebung zugunsten von Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

„An die Stelle eines dominierenden korporativen Staates treten netzwerkartige Austauschbeziehungen zwischen Wirtschaft, Zivilgesellschaft und auch Staat.“

Als Instrumente und Verfahren der Handlungskoordination könnten die Beteiligten nicht auf hierarchische Weisungen zurückgreifen, sondern müssen sich in Abstimmungsprozessen verständigen und gemeinsame Vereinbarungen treffen.

„Wirtschaft und Unternehmen sind Teil der Gesellschaft und befinden sich in einem Interdependenzverhältnis mit Staat und Zivilgesellschaft. Welche Ausprägungen eines unternehmerischen Gesellschaftsverständnisses sich in einer polyzentrischen Gesellschaft herausbilden, steht in engem Zusammenhang mit den Vorstellungen und Verhandlungspositionen von Zivilgesellschaft und Staat. So ist die Zivilgesellschaft in Deutschland trotz ihrer seit Ende der 1960er Jahre beschleunigten und dynamischen Entwicklung sachlich fragmentiert und organisatorisch vielgestaltig; eine kollektiv geteilte Vorstellung von Zivilgesellschaft konnte sich unter diesen Bedingungen bisher nicht herauskristallisieren. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Zivilgesellschaft in Deutschland trotz ihrer relativen Unübersichtlichkeit und Intransparenz in der Öffentlichkeit in hohem Maße als vertrauenswürdig angesehen wird. Insofern kann die Zivilgesellschaft in Abstimmungsprozessen mit Wirtschaft und Unternehmen bisher auf einen nicht unerheblichen Vertrauensvorschuss in der Öffentlichkeit verweisen“, schreibt Backhaus-Maul in einem Beitrag für die Schriftenreihe „Aus Politik und Zeitgeschehen“.

Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und das CSR-Kompetenzzentrum Rheinland veranstalten zu diesem Themenkomplex eine interessante Diskussion: „Unternehmerische Verantwortung und das demokratische Gemeinwesen. Herausforderungen, Chancen und Perspektiven für die Wirtschaft und Politische Bildung“ ein. Podiumsdiskussion und Publikumsgespräch zum politischen Neujahr 2018 finden am Donnerstag, 1. Februar, 2018, 18 Uhr, in der IHK Bonn Rhein/Sieg, Bonner Talweg 17, 53113 Bonn, statt – mit anschließendem Empfang und Get-Together. Unter der Moderation von Dr. Karoline Rörig, Bonn, diskutieren Daniel Kraft (Bundeszentrale für politische Bildung, Leiter Stabsstelle Kommunikation), Dr. Ulrike Hospes (Konrad-Adenauer-Stiftung, Leiterin Büro Bundesstadt Bonn), Martin Pfafferott (Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro NRW) und Stephan Multhaupt (Partner deep white, Bonn, und CSR-Botschafter des CSR-Kompetenzzentrums).

Man hört, sieht und streamt sich am 1. Februar. Wir übertragen das Ganze live.

In Davos gibt es dazu eine harte Debatte.

Wutrede des Justin Trudeau

Jobkiller-Prognosen im Rennen um Aufmerksamkeit #FutureWatchDe #DLD18 #wef18

Volkswirtschaftliche Effekte von Innovationen zu prognostizieren, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Den Wirtschaftsforschungsinstituten gelingt es ja nicht einmal, die Entwicklung des BIP-Wachstums vorherzusagen, obwohl diese „Rechenschieber-Ökonomen“ mit rund 50 Millionen Euro vom Bund finanziert (alimentiert) werden. Dann kommen noch Drittmittel der Länder und anderer Träger hinzu. Aber das sollten wir mal gesondert näher beleuchten.

Wie verhält es sich mit den Arbeitsplatzprognosen in der digitalen Sphäre? Zu den bekanntesten Glaskugel-Wissenschaftlern zählt der Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey, der 2013 als Co-Autor der Studie „The Future of Employment“ davor warnte, dass die Digitalisierung 47 Prozent der Industriejobs in den USA gefährde.

Auf der Digitalkonferenz DLD in München hat Frey jetzt ein paar Thesen nachgelegt,die der Netzökonom Holger Schmidt dokumentiert. Beispiel: „Neue Stellen für Hochqualifizierte werden nur in den Städten geschaffen“. Das sei gut für die Städte, schlecht für die Regionen, in denen sie fehlen. Puh. Was für eine Aussage. Der Trend könnte sich allerdings auch umdrehen, wenn ländliche Regionen anfangen, in Co-Working-Angebote und superschnelles Internet zu investieren.

Auf LinkedIn habe ich auf die Thesen von Frey reagiert. Wichtigste Aussage des KI-Experten Stefan Holtel: Nicht Jobs werden wegfallen, sondern Tätigkeiten. Was sich nachhaltig ändern wird, sind die Arbeitsplatzprofile.

„KI und Robotertechnik werden in Verbindung mit der digitalen Transformation eine große Rolle spielen. Die Aussage, in 15 Jahren wird die Hälfte aller Arbeitsplätze wegfallen, macht sich für die Presse gut. Das ist aber keine seriöse Herangehensweise“, kritisiert Holtel.

Dazu gibt es einige interessante Kommentare.

Etwa von Christian M. Bartels:

„Ich sehe sehr viele Parallelen zur Automatisierung durch Industrieroboter in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es gab massive Streiks, weil die Belegschaften ganzer Fertigungsstraßen durch Roboter ersetzt wurden. Die Voraussagen und Befürchtungen aus dieser Zeit waren mit denen aus den genannten heutigen Studien sehr ähnlich. Können wir nicht die historischen Befürchtungen, Vorhersagen und Fakten auf 2018 übertragen, um dadurch genauere Aussagen zu treffen als die erwähnten Aufmerksamkeitsstudien?“

Oder:

Auf Facebook:
Lama Alpaqqa:

„Solange weder Führungskräfte noch HR-Abteilungen präzise Anforderungsanalysen erstellen, können sie ja weder klare Einstellungsprofile generieren noch ein sauberes Lastenheft für die Automatisierung von Jobs liefern. Dass der Fachkräftemangel zu weiten Teilen auf mangelnder Personalentwicklung, unvaliden Jobkriterien und eben diesem Mangel beruht, ist eine Binse. Aber viele Firmen halten ihre eigene HR-Abteilung noch immmer für das 5. Rad am Wagen und wenn man hinschaut auf welchen Methoden dort noch immer Entscheidungen getroffen werden, dann ist das vordergründig gerechtfertigt, aber leider eben auch ursächlich für den größten Teil der Organisationsprobleme. IT lindert keines der Problem sondern schafft zusätzlichen Bedarf an Kompetenz, die dort aber nicht vorhanden ist mangels methodischer und statistischer und nicht zuletzt psychologischer Expertise. Wie immer wird auch dort der Kompetenzmangel mittels Hierarchie, Verwirrung und Nebelkerzen elegant verschleiert. In der Folge kommen die Berater und versuchen die „Kommunikationsprobleme“ aufzulösen. Nach Jahren sind die entscheidenden Personen dann so weit aufgestiegen, dass der Mangel systemische Relevanz hat und von den ehemaligen Verursachern durch M&A oder Restrukturierungen bis zur Unkenntlichkeit pulverisiert. Da ist KI oder IT dann ein Problem für andere…“

Das sind mal ein paar Reaktionen, die ich herausgesucht habe.

Ich möchte das Thema vertiefen und suche Kenner der Materie für Live-Videos via Skype. Bitte bei mir melden. Aktion läuft unter dem Hashtag #FutureWatchDe

#NewWork, Wild Ducks, Jedi Ritter, Robin Hood und die machtvolle Nomenklatura in Konzernen @digitalnaiv #ciokurator

In meinem Videochat, den ich als Livestreaming-Event zum Jahreswechsel organisiert habe, ging Stefan Pfeiffer tierisch auf den Senkel, dass die fast nur ausschließlich anwesenden Freiberufler glauben, denen, die in Unternehmen Dinge zu verändern suchen (Stichwort Change Management), erklären zu müssen, dass sie viel expliziter und öffentlicher mit ihren Bemühungen, den Erfolgen und Misserfolgen umgehen müssten.

„Das war der Moment, in dem mir die Haare ausfielen und ich alle die, die mühsam Veränderungen mit viel persönlichem Einsatz und unter latentem internen Beschuss treiben als Robin Hoods in Unternehmen bezeichnet und verteidigt habe. Und zu dieser Aussage stehe ich: Dies sind die Jedi Ritter, die sich jeden Tag bemühen und unter latentem Beschuss der Bürokratie und der Nomenklatura Dinge hoffentlich zum Positiven im Unternehmen zu ändern. Zwar ‚ermächtigt‘ von dem ein oder anderen Vorgesetzten, kämpfen sie doch ständig mit eingefahrenen Strukturen und vor allem Machtverhältnissen, die mit Klauen und Zähnen verteidigt werden. Welcher ‚Middle Manager‘ hört beispielsweise gerne, dass seine Stelle an Macht verlieren oder gar verschwinden könnte? Welche konzernweite Richtlinie und Initiative setzt dann einfach mal die Großraumbüros durch, statt Projekträume für agiles Arbeiten zu schaffen und vielleicht gar den Mitarbeitern trotzdem irgendwie und irgendwo ihr privates Eckchen zu lassen, wo die Fotos der Lieben oder sonstige Devotionalien stehen? Und wie viele Mitarbeiter haben Angst davor, dass ihr Wissen und damit ihre Stelle durch neue Management- und Projektmethoden obsolet wird? Das haben wir doch schon immer so gemacht…Kluge Unternehme leisten sich ‚Wild Ducks‘, wie es bei uns in der IBM heißt. IBM-Chef T.J. Watson Jr. sagte in den 60er Jahren: ‚We are convinced that any business needs its wild ducks. And in IBM, we try not to tame them.‘ Aber natürlich existieren trotzdem die angedeuteten Widerstände“, schreibt CIO-Kurator Stefan Pfeiffer.

In der von mir moderierten Runde sei dann auch gefordert worden, dass die besagten Jedi-Ritter, Robin Hoods und Change Agents doch nicht nur ihre Projekte an und für sich, sondern auch deren reale Ergebnisse öffentlich machen und entsprechende Fragen beantworten sollten.

„Wie blauäugig ist das denn? Nur selten wird ein Unternehmen das Ergebnis von Change-Initiativen wirklich mit harten Falten publik machen. Die Änderung könnte einen potentiellen Wettbewerbsvorteil öffentlich machen. Man könnte frühere Versäumnisse offenlegen. Und so was geht eh nur über die offizielle Pressestelle 😉 Hier bitte ich auch den entsprechenden Journalisten und Nachfragenden um das entsprechende Verständnis“, so Pfeiffer.

Nur diese Forderung ist in der Runde so gar nicht aufgestellt worden. Es ging um einige New Work-Lautsprecher, die auf Konferenzbühnen auftreten, ihre alchemistischen Methoden als heiligen Gral verkaufen, aber Belege für Änderungen zum Positiven verweigern. Noch nicht einmal auf der Metaebene. Welche Wirkung hat das beispielsweise auf den Zufriedenheitsindex von Gallup, wo wir doch schon seit den 1980er Jahren über New Work reden?

Darüber hatte ich ja mit dem Gallup-Studienleiter auf der re:publica in Berlin gesprochen. Wer öffentlich auftritt und goldene Regeln für das Change Management pseudoreligiös verkündet, kann danach nicht die „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“-Politik an den Tag legen. Dann lieber ein paar Gänge rausnehmen und etwas bescheidener auftreten.

Die von Stefan Pfeiffer beschriebene Gemengelage kann ich gut nachvollziehen, auch wenn ich heute als Freiberufler arbeite. In meiner Laufbahn war ich einige Jahre in Konzernstrukturen tätig. Intern war ich vielleicht auch als Jedi Ritter oder kleiner Anarcho aktiv – aber ich habe daraus kein hochtrabendes Programm entwickelt. Ich bin sogar Risiken eingegangen, die weit über das von Stefan beschriebene Szenario hinausgehen. Etwa als Leiter der Unternehmenskommunikation bei o.tel.o.

Was ging mir 1997/98 auf den Keks? Die autokratische Kommunikationspolitik des Tochterunternehmens von RWE und Eon (damals Veba). Meine damalige Analyse: Immer noch haben Führungskräfte das Bedürfnis, jegliche Form von Kommunikation nach innen und außen zu kontrollieren. Nur PR-Mitarbeiter dürfen mit der Presse reden. Nur die Finanzexperten dürfen mit der Finanzwirtschaft sprechen und nur der Vorstandshäuptling darf sich gegenüber der Zeitschrift mit großer Reichweite äußern. So funktioniert die Welt des Internets nicht mehr, schrieb ich Ende der 1990er Jahre. Wer das Intranet im Unternehmen nur als Verkündigungsorgan für den Vorstand sieht, wird von den Möglichkeiten des neuen Mediums überrollt. Selbst in einem diktatorischen Intranet – „Ihr dürft unsere Proklamationen lesen, aber im Büro nicht darüber sprechen“ – entwickeln sich die Gespräche im Markt. So glaubte der Vorstand von o.tel.o, mit dem Intranet könne man nur die Informationen streuen, die von der Kommunikationsabteilung zugelassen werden. Dabei hatte das Unternehmen mit dem Produkt „Backweb“ elektronische Agenten eingeführt, wo jeder Mitarbeiter sein eigenes Informationsmenü festlegen konnte – mit externen und internen Kanälen. Das System wurde von mir eingekauft – hier hatte ich mich mit zwei Nerds des Konzerns verbündet 🙂

Mit der Agententechnologie konnte man automatisch nach bestimmten Inhalten im Intranet und Internet suchen. Dazu gehören auch Meldungen von Presseagenturen. Trotzdem wollte der Vorstand bestimmte Agenturmeldungen über Verkaufsgerüchte nicht ins Intranet stellen. Begründung: „Das könnte die Mitarbeiter verunsichern“. Die elektronischen Agenten übernahmen den Job und die o.tel.o-Leute waren verunsichert, warum die Meldungen nicht direkt von der internen Kommunikation verbreitet wurden. Fußnote: Der o.tel.o-Vorstand hatte keinen Zugriff auf Backweb, weil die Oberbosse zu blöd waren, dass Passwort in der angegebenen Zeit zu aktivieren.

In einem Arbeitskreis für Unternehmenskommunikation, wo ich das System vorstellte, gab es einen heftigen Streit über die Möglichkeiten für Mitarbeiter, ohne Filter und Weichzeichner direkt Informationen über das Intranet zu erhalten. Einige witterten Anarchie und Revolution. Andere sahen ihren Arbeitsplatz gefährdet, weil sie ihrer Funktion als Schönredner nicht mehr nachkommen könnten. Der Kommunikationschef der Deutschen Bank pochte auf sein Informationsmonopol. Es war also kein Wunder, dass in seiner Mitarbeiter-Zeitschrift der damalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer grinsend mit Taktstock abgebildet wurde mit der sinnigen Unterzeile: „Breuer gibt den Takt an“.

Und die PR-Chefin von Arcor zeigte sich nach der Übernahme von o.tel.o entgeistert, dass ich ihre internen Propagandafibeln als anachronistisch titulierte. Die resolute Dame hatte eine Vorliebe für Firmenjubiläen, Rätselecken und Passfotos ihres Vorstandsvorsitzenden. Das sind Managementkonzepte von vorgestern, die leider heute noch die Agenda vieler Unternehmen prägen. Deshalb hege ich große Sympathien für Menschen, die für Veränderungen in ihren Organisationen kämpfen. Nur sollten sie aus ihren Maßnahmen kein Management-Evangelium entwickeln. Um mehr ging es in der Livestreaming-Runde nicht.

Rausgefeuert wurde ich bei o.tel.o übrigens nicht – man hat mich nach der Fusion schlichtweg vergessen und ich konnte jeden Tag von morgens bis abends am Werder Bremen-Kickertisch verbringen und mit Kollegen über lukrative Aufhebungsverträge sprechen. Erst danach wagte ich den Sprung in die Selbständigkeit – das war 1999.

Mainframe – also Großrechner-Technologie – ist eng mit unserem Alltag verwoben, wird aber kaum wahrgenommen

Nach einer Bitkom-Umfrage mangelt es vielen Erwerbstätigen an Möglichkeiten in der beruflichen Weiterbildung, ihre digitalen Kompetenzen zu verbessern. Bei den Programmiersprachen weist Andreas Thomasch, Platform Leader & Manager von IBM, im Gespräch auf ein besonderes Problem hin. Selbst in einer Social Web-Welt könne man auf die totgesagte Großrechner-Technologie nicht verzichten.

„Der Mainframe ist eng mit unserem Alltag verwoben, wird aber kaum wahrgenommen. Geld abheben, Kreditkarten-Zahlungen, Flugbuchungen. Fast täglich kommen wir mit einem Mainframe in Berührung – privat und beruflich. Wir sehen es aber nicht, weil wir immer nur das Frontgerät wahrnehmen – etwa das Smartphone. Was dahinter in der Transaktion verarbeitet wird, bleibt verborgen.“

Die Kernsysteme laufen auf Großrechnern und die Anbindung von Anwendungen an diese Systeme wird in den nächsten Jahrzehnten relevant bleiben. Dieses Thema werde in der Ausbildung unterschätzt. Der so genannte Mainframe sei also nicht tot, ganz im Gegenteil, sagt Thomasch. Allerdings fehlt häufig das Fachwissen, um alte Systeme mit neuen Systemen zu verbinden. Mehr als 60 Prozent der Fachkräfte im Mainframe-Bereich sind heute älter als 50 Jahre und stehen daher den Unternehmen bereits in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung. In Anbetracht des großen Bedarfs sehen sich die Unternehmen vor einer extremen und dringlichen Herausforderung. Dem erhöhten Bedarf an Mainframe-Spezialisten steht derzeit ein mangelhaftes Ausbildungs- und Qualifizierungsangebot gegenüber – trotz bester Berufsaussichten.

„Deshalb entwickeln wir beispielsweise in Kooperation mit den Universitäten in Leipzig und Frankfurt eigene Initiativen“, betont Thomasch gegenüber ciokurator.com.

Hier ausführlich nachzulesen.

Diskussion zum Thema auf Facebook.

Hier fehlen wohl auch Kompetenzen: Der Rathaus-Hack