Über die Notwendigkeit der digitalen Alphabetisierung #NEO15

Alles vorbereitet für den netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs
Alles vorbereitet für den netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs

“Innovation & Transformation”, “Digital Information Management” und “Digital Process Management” werden von Unternehmen als wichtigste Handlungsfelder der digitalen Transformation erachtet. Doch kaum ein Drittel attestiert sich selbst hohe Kenntnisse zu diesen und anderen Digitalisierungsthemen. Fast ebenso gering ist die Quote der Unternehmen, die digitale Fähigkeiten so etabliert haben, dass sie fest in Arbeitsabläufen integriert sind. Das sind Ergebnisse einer Studie, die die Managementberatung Detecon gemeinsam mit dem SOA Innovation Lab durchgeführt hat und die auf der Next Economy Open in Bonn intensiv diskutiert wurde.

Nach einer Erhebung von Crisp Research sind die digitalen Kenntnisse der Manager noch bescheidener: Demnach haben gerade einmal sieben Prozent der Entscheider in Deutschland das Zeug zum Digital Leader, schreibt Michael Kroker in seinem Blog:

Digital Loser im Management

“Die große Mehrheit der 503 befragten Geschäftsführer und IT-Entscheider ist noch auf einem Anfängerniveau: 71 Prozent sind laut der Umfrage ‘Digital Beginner’ – vielleicht sollte man besser Digital Loser statt Leader sagen.”

Zudem gibt es eine große Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und den tatsächlichen Kompetenzen für Digitalisierung.

“So halten sich sechs von zehn Entscheidern für digital kompetent, das heißt sie sehen ihre digitalen Fähigkeiten als stark oder sehr stark ausgeprägt. Tatsächlich verfügen aber nur 26 Prozent der Befragten über jene Kompetenzen”, so Kroker.

Da kann es nicht verwundern, wenn wir mit digitalen Produkten und Diensten auf den Weltmärkten nur mit unterdurchschnittlichen Leistungen glänzen – gemessen an Umsätzen, Nachfrage und Exporten. Hier führen die USA mit deutlichem Abstand, gefolgt von Südkorea und China. Dahinter folgen Japan und Großbritannien.

Die deutsche Internet-Wirtschaft setzte 2014 Güter und Dienstleistungen im Wert von knapp über 100 Milliarden Euro um. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt entspricht dieser Wert einem Anteil von mickrigen 3,5 Prozent.

Geeks, Hacker und Genies fehlen in deutschen Unternehmen

Wie kann man aber Digitalkompetenz erwerben, ohne mit den Werkzeugen der digitalen Sphäre in Berührung zu kommen, fragt sich das Notiz-Amt. Thomas Knüwer verweist auf das neue Buch “The Innovators – How a Group of Hackers, Geniuses, and Geeks Created the Digital Revolution” des Steve Jobs-Biografen Walter Isaacson. Menschen könnten nichts im Internet erfinden. Sie erweitern eine Idee, die schon existiert:

“Die besten Innovatoren waren die, die die Flugbahn technologischer Veränderungen verstanden und den Staffelstab von Innovatoren vor ihnen übernahmen.”

Wer Innovationen im digitalen Zeitalter erzeugen will, müsse nicht nur auf der Höhe der Zeit sein, schreibt Knüwer in seinem Blog “Indiskretion Ehrensache”:

“Er muss am schneidenden Rand der Entwicklung sein, dem ‘Cutting Edge’.”

Am Beispiel der Verlagsbranche sieht Knüwer wenig Erfreuliches. Es sei eine Binse, dass Fische vom Kopf her stinken.

“Doch in Unternehmen läuft es eben so: Wenn der Chef etwas tut, wird sehr genau hingesehen. Erst recht in unsicheren Zeiten, wenn der eigene Job durch Abbau-Runden bedroht ist. Für mich ist der kontinuierliche Aufstieg der ‘Washington Post’ die Bestätigung, dass Medienkonzerne nur dann überleben können, wenn im Top-Management und der Redaktionsleitung Menschen frei agieren können, die eine hohe Digitalkompetenz mitbringen – und in Deutschland ist genau das nicht der Fall”, moniert Knüwer.

Auf der Suche nach twitternden Chefs

Als Indikator sieht er die Social Web-Aktivitäten von Geschäftsführern, Herausgebern und Chefredakteure der Verlage. Sozusagen der minimalste Status für digitale Aktivitäten, also facbooken, twittern oder bloggen. Das Ergebnis ist erschreckend. Wenn jetzt die Abwehr-Rhetoriker vom Dienst wieder fabulieren, dass die Hochrangigen Besseres zu tun hätten als zu twittern, kontert Knüwer mit der Notwendigkeit von Erfahrungswissen. Der Sinn von digitalen Werkzeugen erschließt sich erst aus der Nutzung, egal ob es um die Wirkung der Vernetzung bei Facebook geht, das Magenumdrehen beim Nutzen der Virtual Reality-Brille Oculus Rift oder die Beschleunigung eines Tesla.

Amazon und Apple essen ihr eigenes Hundefutter

Am Erfolg von Amazon kann man ablesen, wie wichtig Erfahrungswissen ist. Jeff Bezos ist ein manischer Mikro-Digitalmanager bei der Steuerung seines Unternehmens. Er hat als einer der ersten Führungskräfte begriffen, dass Produkte und Dienste ohne digitale Plattformen nutzlos werden. Oder präziser formuliert: Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist. Die goldene Regel im Silicon Valley lautet dabei: Eat your own dogfood.

Apple-Topleute verstehen viel von Accessibility, also der Bedeutung der Entwicklungsarbeit Dritter und – sie essen ihr eigenes Hundefutter. Die machen ein ziemlich gutes Hundefutter!

Wir werden darüber um 16 Uhr diskutieren via Hangout on Air. Ihr könnt mitdiskutieren mit dem Hashtag #NEO15

Man hört, sieht und streamt sich.

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Über stinkende Fische, Hundefutter und digitale Werkzeuge in Unternehmen

Heute schon mit digitalen Werkzeugen gearbeitet?
Heute schon mit digitalen Werkzeugen gearbeitet?

Wie kann man Digitalkompetenz erwerben, ohne mit den Werkzeugen der digitalen Sphäre in Berührung zu kommen, fragt sich das Notiz-Amt. Thomas Knüwer verweist auf das neue Buch “The Innovators – How a Group of Hackers, Geniuses, and Geeks Created the Digital Revolution” des Steve Jobs-Biografen Walter Isaacson. Menschen könnten nichts im Internet erfinden. Sie erweitern eine Idee, die schon existiert:

“Die besten Innovatoren waren die, die die Flugbahn technologischer Veränderungen verstanden und den Staffelstab von Innovatoren vor ihnen übernahmen.”

Wer Innovationen im digitalen Zeitalter erzeugen will, müsse nicht nur auf der Höhe der Zeit sein, schreibt Knüwer in seinem Blog “Indiskretion Ehrensache”:

“Er muss am schneidenden Rand der Entwicklung sein, dem ‘Cutting Edge’.”

Am Beispiel der Verlagsbranche sieht Knüwer wenig Erfreuliches. Es sei eine Binse, dass Fische vom Kopf her stinken.

“Doch in Unternehmen läuft es eben so: Wenn der Chef etwas tut, wird sehr genau hingesehen. Erst recht in unsicheren Zeiten, wenn der eigene Job durch Abbau-Runden bedroht ist. Für mich ist der kontinuierliche Aufstieg der ‘Washington Post’ die Bestätigung, dass Medienkonzerne nur dann überleben können, wenn im Top-Management und der Redaktionsleitung Menschen frei agieren können, die eine hohe Digitalkompetenz mitbringen – und in Deutschland ist genau das nicht der Fall”, moniert Knüwer.

Auf der Suche nach twitternden Chefs

Als Indikator sieht er die Social Web-Aktivitäten von Geschäftsführern, Herausgebern und Chefredakteure der Verlage. Sozusagen der minimalste Status für digitale Aktivitäten, also facbooken, twittern oder bloggen. Das Ergebnis ist erschreckend. Wenn jetzt die Abwehr-Rhetoriker vom Dienst wieder fabulieren, dass die Hochrangigen Besseres zu tun hätten als zu twittern, kontert Knüwer mit der Notwendigkeit von Erfahrungswissen. Der Sinn von digitalen Werkzeugen erschließt sich erst aus der Nutzung, egal ob es um die Wirkung der Vernetzung bei Facebook geht, das Magenumdrehen beim Nutzen der Virtual Reality-Brille Oculus Rift oder die Beschleunigung eines Tesla.

Amazon und Apple essen ihr eigenes Hundefutter

Am Erfolg von Amazon kann man ablesen, wie wichtig Erfahrungswissen ist. Jeff Bezos ist ein manischer Mikro-Digitalmanager bei der Steuerung seines Unternehmens. Er hat als einer der ersten Führungskräfte begriffen, dass Produkte und Dienste ohne digitale Plattformen nutzlos werden. Oder präziser formuliert: Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist. Die goldene Regel im Silicon Valley lautet dabei: Eat your own dogfood.

Apple-Topleute verstehen viel von Accessibility, also der Bedeutung der Entwicklungsarbeit Dritter und – sie essen ihr eigenes Hundefutter. Die machen ein ziemlich gutes Hundefutter!

Ausführlich in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten nachzulesen.

Interessant: Apple Music und iTunes Match: 25.000-Song-Limit fällt

Die Kaste der Verweigerer.

Kann ich nicht widersprechen: „Ein Marketing-Studium ist verschwendete Zeit“

Agenda für Mensch-Maschine-Organisationen – Freistil-Kreativität gegen Software-Logik #NEO15

#NEO15 Session
#NEO15 Session

Als der holländische Großmeister Jan Hein Donner gefragt wurde, wie er sich auf ein Match gegen einen Computer vorbereiten würde, antwortete er: „Ich würde einen Hammer mitbringen.“ Es sah es also fast so aus, als hätte der Mensch nichts mehr zum Schachspiel beizutragen. Hatte doch der frühere Schachweltmeister Wladimir Kramnik das Mensch-Maschine-Duell in der Bonner Bundeskunsthalle gegen den von der Hamburger Firma Chessbase entwickelten Schach-Computer Deep Fritz im Jahr 2006 klar verloren. Als akkreditierter Journalist berichtete ich damals von dem ungleichen Duell. Schon im Vorfeld des Wettkampfes galt der Schachcomputer als klarer Favorit.

„Von einigen Spitzenspielern weiß ich, dass sie sehr beunruhigt wären, gegen den Computer überhaupt erst anzutreten und dass sie einen solchen Zweikampf vielleicht vermeiden würden. Dies ist verständlich, denn eine klare Niederlage kann dein künftiges Spiel stark beeinflussen. Es ist klar, dass sich dieses Rechenmonster jedes Jahr, jeden Monat, jeden Tag ständig verbessert und ich weiß, dass mein Gegner unglaublich stark ist. Vielleicht habe ich ja als letzter Mensch die Chance, die Maschine zu besiegen. Mein Team und ich werden alle Energie aufwenden, um die so genannte künstliche Intelligenz noch einmal in die Schranken zu weisen“, sagte Kramnik vor Beginn der auf sechs Partien angesetzten Veranstaltung, die der Schachcomputer mit 4 zu 2 Punkten für sich entschied.

Vier Jahre vorher erreichte Kramnik in Bahrein noch ein Unentschieden.

Die Erfindung von „Freistil“-Schachturnieren zeigt, wie sehr dieser Eindruck trügt, schreiben Eric Brynjolfsson und Andrew McAffee in ihrem preisgekrönten Buch „The Second Machine. Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird“:

„Auf diesen Veranstaltungen können die Teams jede Kombination von menschlichen und digitalen Spielern einbeziehen.“

Die Mannschaften aus Mensch und Maschine dominierten selbst den stärksten Computer.

„Die Schachmaschine Hydra, ein schachspezifischer Supercomputer wie Deep Blue, war kein ebenbürtiger Gegner für einen starken menschlichen Spieler, der einen relativ schwachen Laptop benutzte. Die Kombination aus menschlicher strategischer Führung und dem taktischen Scharfsinn eines Computers war überwältigend. Die Überraschung kam am Ende der Veranstaltung. Der Gewinner entpuppte sich nicht als ein Großmeister mit einem hochmodernen PC, sondern als ein Paar amerikanischer Amateurschachspieler, die drei Computer gleichzeitig benutzten. Ihre Fähigkeit, ihre Computer zu bedienen und zu ‚coachen‘, um Stellungen sehr ausgiebig zu überprüfen, konterkarierte erfolgreich das überlegene Schachwissen ihrer Großmeistergegner und auch die größere Rechnerleistung anderer Teilnehmer. Schwacher Mensch + Maschine + bessere Methode waren einem starken Computer allein überlegen und, noch bemerkenswerter, sie waren auch besser als ein starker Mensch + Maschine + schwächere Methode„, so die MIT-Forscher.

machenunsmaschinenschlauer

Die zentrale Erkenntnis aus dem Freistil-Schach sei, dass Menschen und Computer an dieselbe Aufgabe nicht auf dieselbe Weise herangehen. Wenn dem so wäre, hätte der Mensch nichts mehr zu melden, seit Deep Blue Kasparov geschlagen hat und Deep Fritz Kramnik dominierte; wenn die Maschine erst einmal gelernt hätte, das menschliche Können im Schachspiel nachzuahmen, dann würde sie sich einfach nach dem Moore’schen Gesetz richten und voran preschen.

Ideenbildung ist ein Gebiet, auf dem die Menschen einen Vorteil gegenüber digitalen Technologien haben können:

„Wissenschaftler stellen neue Hypothesen auf. Journalisten wittern eine gute Geschichte. Küchenchefs ergänzen die Speisekarte um ein neues Gericht. Ingenieure in der Fabrik versuchen herauszufinden, warum eine Maschine nicht mehr richtig funktioniert. Steve Jobs und seine Kollegen bei Apple eruieren, was für einen Tablet-Computer wir uns wirklich wünschen. Viele dieser Tätigkeiten werden von Computern unterstützt und beschleunigt, aber keine wird von ihnen gesteuert“, erläutern Brynjolfsson und McAffee.

Sie prognostizieren, dass Menschen, die viele gute, neue Ideen haben, auch künftig noch längere Zeit einen relativen Vorteil gegenüber digitaler Arbeit haben werden, und diese Menschen werden begehrt sein. Mit anderen Worten glauben die MIT-Forscher, dass Arbeitgeber jetzt und noch eine geraume Zeit bei der Talentsuche dem Rat folgen werden, der dem großen Aufklärer Voltaire zugeschrieben wird: „Beurteile die Menschen eher nach ihren Fragen als nach ihren Antworten.“ Ideenbildung, Kreativität und Innovation werden oft als „Blick über den Tellerrand“ beschrieben, und diese Charakterisierung weist auf einen weiteren großen und ziemlich nachhaltigen Vorteil menschlicher gegenüber rein digitaler Arbeit hin.

Allerdings ist dieser Vorteil nicht in Stein gemeißelt, wenn wir uns die schwache Digitalkompetenz von Führungskräften in Wirtschaft und Politik anschauen.

Digitalkompetenz

Auch das Bildungssystem gibt noch nicht die richtigen Antworten für die Mensch-Maschine-Kombination. Es kommt jetzt darauf an, die Fähigkeiten zur kreativen Bildung von Ideen, Mustererkennung und zur komplexen Kommunikation auf die Agenda zu setzen. Es geht um die Einbindung der Menschen als Wissensarbeiter in die neuen Mensch-Maschine-Organisationen.

Siehe dazu auch: Digitale Industriegesellschaft – Pfadabhängigkeiten für Aktenknecht.

Auf der Next Economy Open in Bonn am 9. und 10. November wird Brightone-Analyst Stefan Holtel diesen Themenkomplex aufgreifen.

Knackige Statements im Live-Modus #ibmbcde @ConnyHeinke @wolflotter @sascha_p @axelopp ‏@haraldschirmer @olewin @digitalnaiv

Mobile Livestreaming-Studio auf der IBM BusinessConnect in Köln
Mobile Livestreaming-Studio auf der IBM BusinessConnect in Köln

Der Google-Dienst Hangout on Air eignet sich auch für mobile Szenarien. Periscope und Meerkat sind exzellent einsetzbar für spontane Stimmungsberichte, schnelle Sendekritik wie bei heute+ oder Making-of-Einblicke. Live-Hangouts punkten bei der nachhaltigen Wirkung von Ereignissen – linear gesendet mit einem Live-on-Tape-Effekt, da beim Start des Livestreams sofort der virtuelle Rekorder auf Youtube anspringt und die Konserve schon während der Ausstrahlung angelegt wird. Wer verspätet einen Hangout als Zuschauer anklickt, kann zurückspulen und danach wieder in den Live-Modus zappen.

Mit einem Laptop, vernünftigen USB-Mikrofonen oder einem Audio-Interface wie das Scarlett 2i2 von Focusrite für XLR-Mikrofone, einer externen Webcam, guter Beleuchtung und schnellem Internet ist das Livestreaming-Studio für unterwegs innerhalb von zehn Minuten aufgebaut.

Gigabit-Jubiläumssendung im Jahr 3995

Über Google+ wird die Veranstaltungsseite für die Live-Übertragung eingerichtet und fungiert wie eine Landing-Page. Sehr praktisch ist der Kalender, mit dem man Live-Hangouts terminieren kann. Es ist allerdings noch nicht möglich, eine Sendung für das Jahr 3995 zu fixieren. Zu diesem Zeitpunkt dürften wir das Merkel-Ziel der Gigabit-Gesellschaft erreicht haben, wenn wir uns beim Breitband-Ausbau weiterhin so anstrengen, wie in den vergangenen Jahren….. Für anstehende Konferenzen, Messen, Barcamps, Seminare, Lesungen, Workshops, Podiumsdiskussionen, Webinare und Kundenevents dürfte diese zeitliche Einschränkung kein Hindernis sein.

Improvisationskunst

Mich reizt das Unperfekte beim Livestreaming. Es gleicht der Improvisationskunst von Jazz-Musikern, schreibt Umberto Eco. Es werden Bilder erzeugt und zur Ansicht gebracht ohne die Möglichkeit der Wiederholung. Als Operator stürzt man sich in ein Gestaltungsabenteuer. Es geht um Zufall, Handlung und Überraschungen, wie beim SocialTV-Konzept, das ich für die IBM BusinessConnect realisiert habe.

Wenn etwa brandeins-Autor Wolf Lotter Empfehlungen für das Arbeiten in der Ablenkungsgesellschaft gibt, die sich deutlich abheben von den Digitalisierungsstrategien der Unternehmen. Es geht Lotter um die Rückkehr zur Konzentration. Computer müssen uns die Zeit freischießen, um geistig arbeiten zu können. Das kommt im öffentlichen Diskurs zu kurz.

„Wir kommen aus der Fabrikgesellschaft, aus der Industriegesellschaft und denken die Digitalisierung immer noch falsch. Wir organisieren uns in den Routinen der Industrialisierung.“

Die Netzökonomie dürfen wir nicht mehr im Maschinen-Kopf denken, sondern als individuelle Problemlösungs-Gesellschaft. Deshalb ist die Metapher von der Universalmaschine irreführend. Nicht mehr Routinen und Prozesse sollten der Mittelpunkt der Informatik sein. Es muss etwas Neues kommen, nämlich die Unterstützung des personalisierten Wissensprozesses. Das Hamsterrad-Prinzip sollte nicht mehr den Arbeitsalltag bestimmen. Genauso wenig das Duckmäusertum, wie im Top-Management von VW, bemerkt Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung.

Das Social Web lebt von der Partizipation und von der Autonomie, entsprechend müsse auch die Arbeitswelt neu ausgerichtet werden. Also soziale Netze in das Unternehmensleben integrieren, wie es Cornelia Heinke (Bosch) und Harald Schirmer (Continental) im Live-Hangout-Gespräch skizziert haben.

Klar und unverblümt äußerten sich Sascha Pallenberg von Mobile Geeks und der Analyst Axel Oppermann zur Allianz von IBM und Apple.

Die früheren Rivalen werden zu einem Machtfaktor bei Business-Anwendungen in Konkurrenz zu Microsoft, SAP, Cisco und Salesforce.

„Wir haben hier einen weiteren wichtigen Player im Markt in der Kooperation von Hardware, Software und Software-Entwicklung. Hier muss sich jeder angegriffen fühlen, der in diesem Umfeld unterwegs ist“, so Pallenberg.

Knackige Aussagen, die nur im Live-Modus möglich sind. Entsprechend schmeckt am Schluss des Tages auch das SocialTV-Bier 🙂

Wir sehen, hören und streamen uns beim NextSendezentrum der Next Economy Open am 9. und 10. November in Bonn.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne, die im Laufe des Tages erscheint.

Vernetzte Welt ohne Kennzahlen-Wahn: absatzwirtschaft zur #NEO15

NEO-Werkstatt

In Zukunft werden vor allem solche Unternehmen erfolgreich sein, die neue Netze knüpfen und nationale Grenzen überschreiten. Die NEO15 versteht sich als Dialogplattform, die notwendige Qualifikationen thematisiert. Hab ich so der absatzwirtschaft gesagt:

Wenn sich die Digitalisierung vornehmlich in Reports und Kennzahlen zeigt, ist das Ausdruck der Hilflosigkeit einer durchorganisierten Gesellschaft in einer vernetzten Welt, meint Gunnar Sohn. Der Wirtschaftspublizist veranstaltet am 9. und 10. November die erste Next Economy Open (NEO). Dort treffen Entscheider und Praktiker aus Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft auf Macher und „Bessermacher“ der Netzszene – und diskutieren den vernetzten Individualismus

NEO_Programm erster Tag

Das Motto der ersten Next Economy Open lautet „Matchen, Moderieren und Managen“. Ziel ist es, das „Digitale“ und „Analoge“ zusammen zu bringen und in einem offenen Format lösungsorientiert über Herausforderungen und Chancen der vernetzten Wirtschaft zu sprechen.

Gerade Mittelständler seien stark von ihrer Leistung geprägt sowie von Innovationen und Patenten, erläutert Sohn weiter. Viele Unternehmen hätten Schwierigkeiten, das zu kommunizieren, was sie ausmacht. Digitale Projekte leben jedoch von Dialog und dem Austausch von Wissen. Entsprechend sieht das Programm der NEO15 Keynotes, Sessions und Workshops zu den Themen „Kundendialog“, „New Work“, „Digitales Unternehmen“ und „Growth Hacking“ vor. Etabliert werden soll der „Next Economy Dialog“ als nachhaltiges Format, so dass es ein ständiges Forum geben soll für Treffen, Expertendiskussionen, Studien und Gesprächsformate.

Impulse für ein neues Netzwerkdenken

Die Session von Patrick Breitenbach beispielsweise, er lehrt Internationales Medienmanagement an der Karlshochschule, thematisiert Markenführung im digitalen Zeitalter. Breitenbach nimmt den „anspruchsvollen und undankbaren Prosumenten“ in den Blick, der sich mit anderen Kunden über Produkte, Preise und Marken kritisch austauscht und zu allem Überfluss auch noch nervige Werbeanzeigen blockiert und langweilige Advertorials ignoriert. Dieser neue Konsument sei nicht mehr abhängig von dem Informationsstand eines überschaubaren Zirkels aus Marketingmanagern, PR-Leuten, Journalisten und sonstigen Medienmachern.

NEO_Programm zweiter Tag erster Teil

Der Marken- und Medienexperte wird erläutern, an welchen Stellen in Unternehmen ein radikales Umdenken in Richtung Netzwerkdenken dringend gefragt ist und an welchen Stellen man das zig1000jährige Rad aus Sicht der Markenführung nicht gleich komplett neu erfinden muss.

Eine Keynote gibt es auf der NEO15 außerdem vom Politik-Berater und ehemaligen Top-Manager Thomas Sattelberger. Er spricht über „Unternehmensbürger, digitale APO und Offline-Rebellen“, denn er beklagt, dass abhängig Beschäftigte auch heute nicht offen ihre Meinung äußern könnten.

NEO_Programm zweiter Tag zweiter Teil

Um eine Demokratisierung in Unternehmen zu erreichen, müsse im Grundgesetz das Recht eines mitarbeitenden Menschen auf Meinungsäußerung verankert werden. „Wir erleben geradezu eine Explosion an neuen Möglichkeiten der Beteiligung durch die Digitalisierung, da kann die Wirtschaftswelt nicht hinterherhinken“, sagt Sattelberger. Letztlich sei mehr Pluralismus und Unterschiedlichkeit in jeder Organisation gefragt, um auf das Konto der Wetterfestigkeit einzuzahlen. Der aktive Ruheständler sieht seine Aufgabe darin, „die geschlossenen Systeme der Deutschland AG aufzubrechen und zu transformieren“.

Dazu passt auch der heutige Live-Hangout zum Thema Unternehmensdemokraten mit Andreas Zeuch, Matthias Wendorf und Bastian Wilkat.

Siehe auch:

Digitale Innovationen brauchen Freiheit in Unternehmen.

Zur Next Economy Open.