Wortmüll der Manager und sinnentleerter Mehrwert für Kunden

„Schluss mit dem Business-Kauderwelsch“, fordert Dan Pallotta in einem Blogpost für Harvard Business Manager.

Phrasen, Abkürzungen und abstraktes Gerede seien an der Tagesordnung. Eine klare Sprache ist Mangelware. Statt die Sache auf den Begriff zu bringen, palavern Manager über die Sache hinweg. Erzeugt werden semantische Nebelschwaden ohne Substanz, ohne Inhalt, ohne Wirkung. Wortschwulst, Floskeln und Leerformeln dienen eher einem Ritual, um Dinge aufzublasen und wichtig zu machen. In Wahrheit verbergen sich hinter den Laber-Orgien heiße Luft und dümmliche Kalenderweisheiten.

So ärgert sich nicht nur Pallotta über die sinnflutartigen Wortmüll, der uns täglich an den Kopf geballert wird. Etwa folgende Aussage:

„Wir übertreffen die Erwartungen unserer Kunden.“

Hellseherischer Werbe-Brei

Kunden erleben aber so gut wie nie, dass ihre Erwartungen erfüllt werden. Noch seltener werden sie übertroffen.

„Wie kann ein Unternehmen Erwartungen übertreffen, wenn es keine Ahnung hat, wie diese aussehen“, fragt sich Pallotta.

So etwas ist anmaßend. Man benötigt schon hellseherische Fähigkeiten um zu wissen, was jeder Einzelne von einem Service-Anbieter erwartet. Unternehmen sollten also aufhören, die Umwelt mit aufgeblähten Werbesprüchlein zu verschmutzen.

„Wir haben vergessen, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie zum Beispiel Türklinken. Stattdessen sprechen Leute über die Idee von Türklinken, ohne tatsächlich das Wort Türklinke zu benutzen. So wird eine neue Idee für eine Türklinke zu einer ‚Innovation zum Wohnsitz-bezogenen Zugang’“, moniert Palotta.

Was sonst noch so für sinnentleerter Mehrwert für Kunden geboten wird, steht in meiner Dienstagskolumne für Service Insiders: Wenn Manager in der Buchstabensuppe schwimmen – Über das Laber-Ritual der Unternehmen.

Morgen gehe ich auf die Kolumne von Sascha Lobo ein. Er beschäftigt sich mit der wachsenden Macht von Google, Apple, Facebook und Amazon:

„Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen Besorgnis-Artikel über die großen vier des Netzes – in der Regel ohne Alternativvorschläge.“

Nun habe ich mich in den vergangenen Wochen intensiv an dieser Debatte über den Kontrollwahn der liebwertesten Web-Gichtlinge beteiligt. Und Alternativen sollten dabei eigentlich auch herausspringen, etwa in dem Obi Wan Kenobi-Panel auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare.

Ob diese Überlegungen tragfähig sind, ist in meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin „The European“ zu überprüfen. Das Thema würde ich gerne in Telefoninterviews und Bibliotheksgesprächen vertiefen. Wer Lust darauf hat, sollte sich per Mail bei mir melden: gunnareriksohn@gmail.com.

So, jetzt werde ich mich erst mal etwas erfrischen bei über 40 Grad im Schatten – natürlich nicht in Deutschland, so etwas würde man ja Hochsommer nennen. Bin noch in Bosnien.

Stecker-Dummdeutsch oder die prosaische Kraft einer Bedienungsanleitung

Eigentlich wollte ich ja nur ein neues Telefon anschließen und danach telefonieren. Unsere alte Möhre hat den Geist aufgegeben. Klar ist, man muss erst die Basis anschließen – also sowas wie die Parteimitglieder der Grünen bei Vollversammlungen.

Dann kommt der Text der Bedienungsanleitung:

„Zuerst das Steckernetzgerät anschließen. Danach den Telefonstecker anschließen und die Kabel in die Kabelkanäle legen. Bitte beachten Sie: Das Steckernetzgerät muss immer eingesteckt sein, weil das Telefon ohne Netzanschluss nicht funktioniert. Verwenden Sie nur das mitgelieferte Steckernetzgerät und Telefonkabel. Die Steckerbelegung von Telefonkabeln kann unterschiedlich sein. Flachstecker des Steckernetztteiles (warum zwei?? gs) anschließen. Steckernetzteil in die Steckdose stecken. Falls Sie den Stecker von der Ladeschale wieder abziehen müssen, Entriegelungsknopf drücken und Stecker abziehen.“

Uff, da kann man sehr schnell in den semantischen Ergüssen steckenbleiben. Blöd nur, dass das Gerät aus der Steckdose keinen Strom bekommt, liebe Steckerexperten von Siemens. Der Teufel steckt halt im Detail oder in der schlampigen Produktion.

Verkündet den Magnetismus in roten POSe – Das Ende des vodafonistischen Worthülsen-Spektakels

PhrasendrescherNun ist es an der Zeit, das vodafonistische Worthülsen-Spektakel für beendet zu erklären. Mit 19 Prozent ist das Votum deutlich ausgefallen: Die Dopingweisheit aus dem Radsport hat das Rennen gemacht. „Wir geben Dir die Power dazu, wir geben Dir empowerment“.

Diese rotgetünchte Weisheit aus den Zeiten des Existenzialismus hatte die nötige Enkomplexität, um das systemische Paradigma von Niklas Luhmann in Dekomplexität zu transformieren. Denn die Manifestation der Kundenbevorzugung mit Klingeltönen ist eine wichtige Synergie auf dem Wachstumspfad nach der Client first-Strategie „Much more for more“. In Fußgängerzonen steht der Kunde im Mittelpunkt auch wenn er Nichtkunde ist, um ihm Markenversprechen und Kundenversprechen über Markenwesen der Generation upload zu kommunizieren und mit weltweit führenden Mehrwertgeschenken zu begeistern und Markenbotschafter in knallrote POSe zu schicken, die ihren Glauben an den Magnetismus kundtun und die Kopernikanische Wende über Consumer-Vorteilsprogramme sowie Daten-Tarife einleiten.

Die nötigen Schlussworte hat sowieso Don Alphonso vor einigen Wochen gesprochen. Gewinner der systemischen Stilkunde für Vodafonisten ist Anke. Das Opus schicke ich Dir per Post, wenn Du mir Deine Adresse mitteilst.