Der Hangout On Air-Präsident: Bloggercamp besucht Obama – Wann folgt Merkel?

Faltreflektor

Dank des Faltreflektors und einer speziellen Software von Hannes Schleeh konnten wir uns gestern in die Hangout On Air-Session des amerikanischen Präsidenten ins Weiße Haus einschalten. Das Live-Gespräch von Barack Obama mit Bürgerinnen und Bürger zeigt eindrucksvoll, was mit der Graswurzel-Kommunikation des Google-Dienstes so alles praktiziert werden kann. Wir werden dieses Beispiel natürlich in unser fließendes Buch „Die Streaming-Revolution“ aufnehmen – nächste Woche ist ja in der Social Media Week der offizielle Start des Buchprojektes.

Nach unseren Erkenntnisse hat sich Google für die Übertragung aus dem Weißen Haus technologisch so richtig ins Zeug gelegt. Alle Teilnehmer waren mit dem gleichen Funkmikrofon ausgestattet, jeder beteiligte Haushalt wurde wohl von einem Google-Techniker betreut und alle Gäste des Präsidenten-Talks wurden perfekt ins Licht gerückt. Im Präsidentenzimmer ist darüber hinaus mit mindestens zwei Kameras gearbeitet worden. Im normalen Hangout On Air-Modus kann man nur eine einzige Kamera aktivieren. Da muss dann schon eine Anwendung wie BoinxTV zum Zuge kommen, die von Hannes bevorzugt wird.

Wir werden mal bei Google nachfragen, was denn beim Obama-Hangout an TV-Technologie aufgefahren wurde.

Unabhängig von der Sonderbehandlung, die der Präsident erfuhr, ist es für jede Organisation, für jedes Unternehmen, für jeden Verlag und für jeden politischen Entscheider möglich, mit der Netzöffentlichkeit live, auf Augenhöhe, unverfälscht sowie ohne Sprachregelungen, ohne Netz und doppelten Boden ins Gespräch zu kommen.

adidas hat das mit Poldi, Schweini und Co. vor dem Arsenal-Bayern-Spiel leider ohne Fußballfans und in sehr schlechter Übertragungsqualität gemacht. Es war trotzdem recht witzig.

Hangouts Office Hours von Google ist ein Format, in dem regelmäßig Verbesserungsmöglichkeiten für Google+ mit den Nutzern erörtert werden.

Man benötigt allerdings den Mut zum Kontrollverlust. Durch die Liveübertragung, die wenig später als Aufzeichnung dauerhaft auf Youtube vorliegt, kann keine Schönfärberei betrieben werden. Angst vor Trollerei braucht man aber nicht haben. Die Dialoge laufen fast immer höflich und niveauvoll ab – auch wenn man sich in der Sache streitet. Entsprechend niveauvoll lief der Dialog auch mit der ZDF-Sportredaktion ab. Anders sieht es mit den Leserkommentaren aus. Ein richtiger Dialog findet nicht statt – das Ganze ist reaktiv.

Zeit Online hat das mal ausgewertet und Typologien von Leserkommentaren aufgestellt:

Etwa der “Pöbler”, der “Besserwisser” und der “Möchtegern”. Oder der “Ideologe”, der sich vielleicht noch an einem zweiten Gegen-Ideologen abarbeitet, und dem „Egomanen“, der sich über die Zahl der Kommentare definiert. So etwas findet bei Hangout On Air-Gesprächen nicht statt.

Siehe auch den Beitrag von Hannes Schleeh: Hangout on Air mit Präsident Obama.

Jetzt geht es los: Buchcover und erste Schreibwerkstatt für „Die Streaming-Revolution“

Buch-Titel Streaming Revolution

Hannes Schleeh hat schon mal einen Entwurf für das Cover unseres Buches „Die Streaming-Revolution“ gezaubert. Finde das sehr gelungen. In der nächsten Woche startet dann die erste Bloggercamp-Schreibwerkstatt, um das Konzept in die Gänge zu bekommen. Vorgestellt im Programm der Social Media Week am Mittwoch, den 20. Februar von 12 bis 12,30 Uhr.

Und in der Ankündigung des Projektes heißt es:

Es ist eine Idee, wie man das lineare Buch weiter aufbrechen kann – neben den bekannten Methoden, die bei E-Books als Zusatzmaterial zum Einsatz kommen wie Videos, Audiomaterial und Bilder, werden wir bei unserem Schaffensprozess den Hangout on Air in den Vordergrund stellen. Wir erhoffen uns, dass dadurch der Unterstützerkreis noch aktiver in das Entstehen des Multimedia-Buches eingebunden werden kann und vielleicht entstehen aus einem Hangout On Air-Projekt völlig neue Hangout On Air-Projekte, die wiederum Teil des verflüssigten Buches werden.

Als Autoren experimentieren wir in unserem Projekt Bloggercamp bereits mit Echtzeitkommunikation und Transmedia-Storytelling. Und es geht darum, dafür immer gut vernetzt zu sein und selber laufend neue Netze zu knüpfen: Es geht weiterhin darum, so smart zu sein wie das Telefon, das man in der Tasche traegt. Immer erreichbar, anschlussfähig, multitasking-fähig, beliebig zu erweitern und zu transformieren.

Geplant ist eine Realisierung über Crowdfunding. Crowdfunding hat aus unserer Sicht das Potenzial, die Spielregeln der Ökonomie radikal zu verändern – und nicht nur die digitale Variante.

„Das Fundraising-Prinzip als neues Paradigma revolutioniert die Motivationen und Verhaltensweisen der Marktteilnehmer. Der Anbieter wirbt nicht mehr für den Kauf eines Produktes, sondern für die freiwillige Unterstützung bei der Realisierung (Pre-Order-Modell) und bei der Aufrechterhaltung des Angebots“, schreibt Ansgar Warner in seinem Buch „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“.

Das ist weitaus schwieriger, als im Verborgenen irgendetwas auszubrueten und es dann mit großem Marketing-Geschrei unter die Leute zu bringen.

„Um in der Dankeschoen-Oekonomie zu bestehen, muss man die Menschen fuer eine Sache begeistern“, so Warner.

Wir sind begeistert und überzeugt, dass Hangouts on Air den Menschen ganz neue Formen der Information und Zusammenarbeit bieten können. Deshalb setzen wir uns auch für legale und rechtssichere Nutzungsmöglichkeiten in Deutschland ein (über eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages! gs)

In der Planung sind auch mobile Lesungen, die den Entstehungsprozess an ungewöhnlichen Orten via Hangout on Air begleiten.

Auf Startnext bereiten wir gerade die Website vor, um das Buch finanziell zu unterstützen. Bis zur Schreibwerkstatt in der nächsten Woche werden wir fertig!

Man hört und sieht sich. Meinungen über das Konzept und über das Buchcover hoch willkommen. Wer an der Hangout-Runde am Mittwoch teilnehmen möchte, sollte sich rechtzeitig bei uns melden.

Die Streaming-Buch-Revolution startet: Fließendes Werk über Hangout On Air #hoa

Autoren des Buches "Streaming-Revolution"

Was der Buchreport über den Verkauf von E-Readern und über die Relevanz von E-Books im Buchhandel schreibt, klingt doch sehr ernüchternd – für die Buchbranche.

„Die Kunden betrachten uns nicht als Anlaufstelle für E-Reader, dafür gehen sie ins Netz oder zum Elektronikmarkt“, bringt es ein Buchhändler auf den Punkt. Es müsse deutlicher kommuniziert werden, dass E-Books und E-Reader in jeder gut geführten Buchhandlung erhältlich seien.

Zwar seien E-Reader fast täglich ein Gesprächsthema, doch der Beratungsaufwand sei zu hoch und münde eher selten im Kauf vor Ort.

„Die meisten Kunden wanderten ab zu Amazon oder zu Elektronikfachgeschäften mit günstigeren Preisen und einem breiteren Sortiment. Sollte der Kunde den E-Reader dennoch im Buchhandel kaufen, verdiene der Sortimenter aufgrund der unterdurchschnittlichen Margen zu wenig“, schreibt Buch.

Stammkunden würden verloren gehen, weil sie sich einen E-Reader gekauft haben und sich andernorts mit Lesestoff versorgen, aus Händlersicht vor allem bei Amazon. Möglicherweise sei man dem E-Book-Trend zu spät gefolgt und habe so Amazons Kindle das Feld überlassen. Gegen Amazons Übermacht könne der Handel nicht allein ankämpfen. Die Branche müsse die Nutzungsbedingungen vereinheitlichen, Hersteller bessere Lesegeräte frei von „Kinderkrankheiten“ anbieten. Auch mehr Unterstützung durch die Barsortimente werde gewünscht.

Ist das die Antwort auf die Krise des stationären Buchhandels? Klingt ein wenig nach reiner Abwehr. Vielleicht sollten auch die Buch-Geschäfte mal überlegen, wie sie die Bindung zwischen Autoren und Lesern auf eine neue Stufe bringen – etwa mit der Live-Übertraung von Lesungen via Hangout On Air. Oder die Unterstützung von Autoren der Region beim Schreiben von E-Books. Mehr experimentieren, weniger lamentieren.

Im zweiten Halbjahr möchte ich eine Biografie über eine Persönlichkeit schreiben, die in Literaturkreisen sehr bekannt ist. Verrate aber noch nicht, wer das ist 🙂 Der Entstehungsprozess läuft über Interviews und die möchte ich in der Buchhandlung der Remmel-Brüder in Siegburg via Hangout On Air führen – unter Einbeziehung der Gäste, die in die Buchhandlung kommen und natürlich unter Einbeziehung der Netzöffentlichkeit. Jeden Monat eine Interview-Session, bis genügend Stoff zum Schreiben der Biografie vorliegt. Wird wohl einige Monate in Anspruch nehmen, da ich das nicht jeden Tag bearbeiten kann. Andreas und Paul Remmel sind von der Idee begeistert!

Rein virtuell über Hangout on Air-Sessions läuft der Schaffensprozess des Streaming-Revolutions-Buches, das ich zusammen mit Hannes Schleeh schreibe – finanziert als Crowdfunding-Projekt über die Plattform Startnext. Jede Woche gibt es dann eine Blogger Camp-Schreibwerkstatt.

Offizieller Start ist in der nächsten Woche. Bis zur Republica im Mai wollen wir die erste Version des Werkes fertig haben. Hier schon mal unser Pitch-Video.

Vielleicht gibt es ja Buchhandlungen in der Region, die uns begleiten wollen, um auch eigene Ideen zu entwickeln. Denn unser Projekt möchte auch neue Hangout On Air-Projekte anregen, die natürlich dann wieder Bestandteil des Buches werden. Wir sind für alles offen. In der nächsten Woche folgen noch weitere Infos, wie man uns unterstützen kann. Wir hören und sehen uns.

Ansonsten gilt auch für die Buchbranche: Amazon – Der unterschätzte Handelsriese und die Rückständigkeit Deutschlands als Netzwerkökonomie.

Siehe auch:

Buchhandel klagt über abwandernde eBook-Kunden.

Die Verflüssigung des Buches und ein neues Hangout On Air-Projekt

Die Verflüssigung des Werkes

Mit seinem neuen Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“ will der Autor Dirk von Gehlen aufzeigen, wie das Ablösen der Daten von ihrem Träger auch ihre Form verändert. „Sie tauen dadurch auf, verflüssigen sich“, schreibt er im ersten Kapitel „Ergebnis plus Erlebnis: Geht raus und spielt!“ Als Unterstützer des Werkes über die Crowdfunding-Plattform Startnext werde ich über jeden Fortgang des Schreibens informiert. Gehlen lässt seine Leser nicht nur partiell entscheiden, „sondern am gesamten Prozess des Buchschreibens teilhaben. Die Leser werden zu Experten für seine Sache und der Autor übernimmt die Rolle eines Salon-Betreibers, der Vorschläge macht, moderiert und der am Ende ein Werk zusammenbindet, das im Idealfall ein aus den Diskussionen entstandenes Gemeinschaftsprodukt ist“, erläutern die Zeit-Redakteure Maximilian Probst und Kilian Trotier, die ein schönes Stück das über kollektive Bücherschreiben im Netz verfasst haben.

350 Menschen, die das Gehlen-Buch finanziell unterstützen, sind live dabei, wenn der Autor sein Buch schreibt, Kapitel für Kapitel.

„Interviews stellt er auf eine Google-Docs-Plattform, sodass alle die Texte lesen können; und immer wenn er selbst etwas schreibt, schickt er per Mail herum, wartet auf Kommentare, ändert Stellen, fügt Links hinzu, die ihm seine ‚Crowd‘ zusendet“, so die Zeit.

Der Autor werde zum Leiter einer Künstlervilla, stellt seine Textfragmente vor und diskutiert mit den Gästen den Schaffensprozess. Nicht das Endprodukt ist der Fixstern, auf den alles hinausläuft, der Sinn liegt im fortlaufenden Prozess.

Gehlen formuliert eine sehr schöne Analogie zum Sport und erwähnt den Sportmoderator Marcel Reif, der von einem seiner ersten Spiele erzählt, die er fürs Fernsehen kommentierte. Ein EM-Eishockeyspiel von 1985, an das ich mich auch noch gut erinnern kann. Es spielten die Tschechen gegen die Russen – oder besser gesagt Sowjets. Ein Nachklang des Prager Frühlings mit den Mitteln des sportlichen Wettkampfs. Klein gegen Groß, Macht gegen Ohnmacht, Gut gegen Böse. Und die Tschechoslowakei gewann sensationell mit 2 zu 1.

Aber das Ergebnis war für Reif gar nicht so entscheidend. Was von einem Spiel bleibt, sei häufig nicht das Resultat, sondern nur ein Klang, ein Bild.

Und genau um diese Klänge und Bilder geht es Gehlen in seinem neuen Buch. Er versteht den Sport als Metapher für die Art und Weise, wie Kulturprodukte entstehen:

„Ich glaube, dass die Digitalisierung es erstmals in der Geschichte der kulturschaffenden Menschheit möglich macht, diese Klänge und Bilder darstell- und miterlebbar zu machen.“

Es geht um das gemeinsame Erlebnis, das mindestens genauso wichtig ist, wie das Ergebnis.

Und genau an diesem Punkt wollen Hannes Schleeh, Mitorganisator des Bloggercamps, und ich ansetzen. Klänge und Bilder sind für unser Vorhaben die richtigen Stichworte. Wir starten in der nächsten Woche ein Buchprojekt mit dem „Arbeitstitel“: Die Streaming-Revolution – Ein fließendes Buch über Hangout on Air.

Es ist eine Idee, wie man das lineare Buch weiter aufbrechen kann – neben den bekannten Methoden, die bei E-Books als Zusatzmaterial zum Einsatz kommen wie Videos, Audiomaterial und Bilder. Ihr könnt Euch vielleicht denken, was wir da bei unserem Schaffensprozess in den Vordergrund stellen….:-) Vielleicht wird der Unterstützerkreis noch aktiver eingebunden und vielleicht entstehen aus einem Hangout On Air-Projekt völlig neue Hangout On Air-Projekte, die wiederum Teil des verflüssigten Buches werden 🙂

In der Blogger Camp-Runde gab es ja schon einige Anregungen:

Mehr dazu in der nächsten Woche. Wir sehen und hören uns.

Siehe auch:

Krautökonomie mit Beethoven.

Interessant auch der Zeit-Gastbeitrag von Stephan Porombka, Professor des Studiengangs „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ an der Universität Hildesheim:

„Mit dem Internet kommen neue Möglichkeiten und Aufgaben hinzu. Media Literacy hat hier eine völlig neue Bedeutung. Denn jetzt geht es nicht mehr nur um eine Schlüsselkompetenz. Es geht um eine neue literarische Artistik. Autoren schreiben neben Büchern, Erzählungen und Essays auch Blogeinträge. Sie twittern. Sie bedienen die eigene Seite und die Seiten anderer bei Facebook mit Einfällen, Aphorismen und Kommentaren und laden kleine Videobeiträge von sich bei youtube hoch, die sie dann wiederum auf anderen Plattformen und im eigenen Blog verlinken.

Erfolgreiche Schriftsteller verwandeln sich deshalb in Transmedia Storyteller. Im Mittelpunkt ihrer die alten Grenzen überschreitenden Erzählungen stehen sie selbst. Und weil sie wissen, dass sie dafür gut vernetzt sein und selber laufend neue Netze knüpfen müssen, wissen sie auch: Es geht darum, so smart zu sein wie das Telefon, das man in der Tasche trägt. Immer erreichbar, anschlussfähig, multitasking-fähig, beliebig zu erweitern und zu transformieren.“