Libyen und die Kriegsplanungen im Élysée-Palast – Tunesien rechnet mit zwei Millionen Flüchtlingen

Angespannte Lage in Tunis
Angespannte Lage in Tunis

Der Blick der westlichen Öffentlichkeit sollte sich nicht nur auf die kriegerischen Konflikte in Syrien richten. Im Élysée-Palast gibt es wohl konkrete Pläne für eine zweite militärische Intervention in Libyen. Das erklärte Ziel ist die Beseitigung der libyschen Stellungen der IS-Terroristen als Teil des “Krieges gegen den Terror” nach den Anschlägen in Paris. Sollten die zersplitterten Rebellengruppen sich nicht auf eine Regierung der nationalen Verständigung einigen, könnte der französische „Plan B“ Wirklichkeit werden und eine weitere humanitäre Katastrophe auslösen.

Politische Kreise in Tunis rechnen mit zwei Millionen Flüchtlingen, die vor allem Tunesien bewältigen müsste. Ein Land mit 11 Millionen Einwohnern, das sich schwertut, wirtschaftlich wieder auf die Füße zu kommen.

So hat das tunesische Handelsministerium begonnen, Grundnahrungsmittel zu lagern, um auf die erwarteten Flüchtlingsströme vorbereitet zu sein. Ähnliches kommunizieren der Rote Halbmond und das Gesundheitsministerium zur Behandlung von Kriegsverletzten.

Kann uns das egal sein? Die Maghreb-Region ist ein instabiles Gebilde und könnte durch die Luftangriffe wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Neuer Terror durch den Krieg gegen Terror wäre die Folge. Die liebwertesten Gichtlinge im französischen Machtzentrum sollten aufhören, mit militärischer Gewalt zu drohen und endlich anfangen, eine friedliche Lösung zur Schaffung einer stabilen Regierung in Libyen zu unterstützen – ohne Plan B!

Ausführlich in meiner The European-Kolumne nachzulesen.

Das fragmentarische Leben des Roland Barthes

Ich liebe Fragmente. Sie sind unfertig, verzichten auf Geschlossenheit, stehen nicht unter dem Verdacht der Anmaßung, lassen Raum für Spekulationen, eröffnen neue Gedanken und spielen mit der Kombinatorik von Dingen, die man beim ersten Hinsehen nicht für möglich gehalten hat. Ein Meister der fragmentarischen Gedanken war Roland Barthes – der Denker, Dilettant und Dandy der Literaturwissenschaft, so eine Formulierung des Publizisten Matthias P. Lubinsky.

Tatsächlich liege der Reiz von Barthes‘ Denken und Vorgehensweise darin, sich an keinerlei wissenschaftliche Gepflogenheiten zu halten. Sie dienten in der Regel sowieso nur zur Abgrenzung des Wissenschaftsturms und zur Pflege des eigenen Standesdünkels, schreibt Lubinsky.

Eine vorzügliche Spurensuche im Werk und im Leben von Roland Barthes hat der Literaturwissenschaftler Christian Linder (also nicht verwechseln mit FDP-Lindner!) vorgelegt in dem Sammelband „Noten an den Rand des Lebens – Portraits und Perspektiven“, erschienen – wie kann es anders sein – im ambitionierten Matthes & Seitz-Verlag. Barthes war nicht nur Wissenschaftler, Linguist, Strukturalist, Semiologe, Autor von intellektuellen Spiel- und Kultbüchern wie „Am Nullpunkt der Literatur“, „Mythen des Alltags“, „Die Lust am Text“, „Sade Fourier Loyola“ oder „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Er hat auch eine besondere Form der Lektüre und des Schreibens praktiziert. Sein publizistisches Schaffen war nicht darauf aus, ein komplexes und unumstößliches Gedankengebäude zu erreichen – im Gegensatz zu Jean-Paul Sartre.

Höchst sympathisch ist das Leitmotto von Barhes:

„Lieber die Trugbilder der Subjektivität als der Schwindel der Objektivität. Lieber das Imaginäre des Subjekts als seine Zensur.“

Nachdem Barthes die großen schützenden und bequemen Denksysteme hinter sich gelassen hatte und in die offene Weite einer ungeschützten Subjektivität aufgebrochen war,

„musste er es geradezu darauf anlegen, in seinem Schreiben den äußeren Inhalt eines Buches völlig außer Acht zu lassen, so dass er die Bücher der anderen, über die er schrieb, auch gar nicht mehr von Anfang bis Ende las. Ein Buch sei nicht dazu da, um ganz gelesen zu werden, verkündet er, man müsse Passagen überspringen und nur ‚Teile daraus entnehmen, Schriftproben ziehen‘, er selbst, gestand er, könne mit Ausnahme von Michelets nur ‚von wenigen Autoren behaupten, sie ganz gelesen zu haben“, erläutert Linder.

Das klingt nach dem „Netznavigator“ Herder, der in seinem Reisejournal die Kulturtechnik der kursorischen Lektüre entwickelte. Er wird zum Läufer, zum Cursor, der im virtuellen Raum der Gelehrtenbibliothek zwischen Texten durcheilt und in dieser schnellen Bewegung neue Querverbindungen schafft. Es sei ein methodisches Verfahren, das ihm die Lizenz zum Flüchtigen gibt. In der so genannten „percursio“- im Durchlauf – darf aufgezählt und angehäuft werden, ohne dass es jeweils einer expliziten Behandlung der einzelnen Elemente bedarf. Herder praktiziert die gelehrte Lizenz, Materialmengen „aufs Geratewohl“ zu durcheilen. Die richtige Ordnung ist dabei zweitrangig. Die Sylvae wird definiert als Sammlung von schnell niedergeschriebenen Texten. Man schreibt nicht akademisch korrekt oder pedantisch genau, sondern aus dem Stegreif. Man formuliert aus dem Schwung heraus.

Ähnlich lesen sich die Arbeiten von Barthes. Es sind Notizbücher, „offen für alles, für Theorien und Phantasmen und Erzählungen und Materialien und Abschweifungen“, so Linder. Die Zusammenhanglosigkeit zog Barthes der Ordnung vor und konzentrierte sich auf das „Rauschen der Sprache“. Bücher zusammengesetzt aus kurzen, eruptiven Zwischen-Texten, Apercus. Es zeigt sein eigenes Leben als Stückwerk, als Sammelsurium von einigem Notwendigen und viel Zufälligem.

Wer also den BKA-JU-Super-Nanny-Staat ablehnt, sollte nicht nur Max Stirner und Paul Feyerabend lesen, sondern auch Roland Barthes. Und vielleicht meine heutige The European-Kolumne: Porno-Gesellschaft und die Illusion der Transparenz: Das Internet wird, anders als von manchen Zeitgenossen befürchtet, nicht den vollständig transparenten Bürger erschaffen. Denn auch wenn moderne Postkarten, also E-Mails, gelesen werden können: Was außerhalb der Schrift ist, bleibt ein Geheimnis.

Barthes-Bücher sind zudem unterhaltsamer als Bild oder Koran. Siehe auch: Hurra, wir werden missioniert!

Foucault, der Blogger

Der wahre BloggerIn einem Interview mit Le Monde hat der Philosoph Michel Foucault wegweisendes für die Kommunikationskultur in Web 2.0-Zeiten gesagt, erschienen 1980 unter der Bedingung, anonym zu bleiben (erst Jahre nach seinem Tod hat Le Monde offenbart, dass es sich um Focault) handelte. Jedenfalls träumte er von einem neuen Zeitalter der Wissbegierde: „Man hat die technischen Mittel dazu; das Begehren ist da; die zu wissenden Dinge sind unendlich; es gibt die Leute, die sich mit dieser Arbeit beschäftigen möchten. Woran leidet man? Am ‚Zuwenig‘: ungenügende, quasi-monopolisierte, knapp bemessene, enge Kanäle“, bemängelte der Philosoph. Es sollte keine protektionistische Haltung geben, um zu verhindern, dass die „schlechte“ Information durchkommt und nur die „gute“ Information den Empfänger erreicht. „Kein Merkantilismus à la Colbert auf diesem Gebiet. Was nicht heißen soll, wie man oft befürchtet, Uniformisierung und Nivellierung von unten aus. Sondern im Gegenteil, Differenzierung und Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Netze“. Besser haben es die Autoren des Cluetrain-Manifestes nicht ausgedrückt, um den freiheitlichen Charakter des Netzes zu skizzieren.

Und noch eine Geisteshaltung von Foucault sollte man sich merken, vor allen Dingen die Hausmeister des Netzes, die es in Deutschland haufenweise gibt: „Wenn sie irgendeinen ‚kritisieren‘, wenn sie ‚verurteilen‘, was er (der vermeintliche Intellektuelle) schreibt, stelle ich sie mir in der idealen Situation vor, da sie alle Macht über ihn hätten. Die Wörter, die sie benutzen, lasse ich ihren Lauf zurück in einen ursprünglichen Sinn nehmen: ‚zerstören‘, ‚umwerfen‘, ‚zum Schweigen bringen‘, ‚begraben‘.“

Das sind doch die geheimen Machtphantasien der Sittenwächter. Man sollte nie der Versuchung erliegen, nach den Gründen zu suchen, warum man etwas sagt, was Du gerade liest: „Nimm Dir die Freiheit, Dir ganz einfach zu sagen: Das ist wahr, das ist falsch. Das gefällt mir, das gefällt mir nicht. Punkt. Schluss“, so der Rat von Foucault. Ansonsten verläuft der öffentliche Diskurs auf dem Gerüchte-Niveau der Bild-Zeitung. „Haben Sie schon gehört, dieses und das soll, oder derjenige soll das und das gemacht haben. Das ist nicht bestätigt, aber es wird so in den Raum gestellt“. Eine geschickte Konjunktiv-Rhetorik, um sich mit den Gedanken Andersdenkender nicht auseinandersetzen zu müssen. Es ist eine Methode, die McCarthy auf die Spitze getrieben hat, mit negativen Folgen für die Meinungsfreiheit.

medienbüro.sohn/NeueNachricht/Mehr Fahrräder im Alltag der Metropolen – Mietradkonzept in Paris stößt auf große Nachfrage

„Das Fahrrad ist endlich zu einem großen Mobilitäts-Thema in den Metropolen der Welt geworden“, stellt Frank Bohle zum Beginn der Fahrradsaison 2008 erfreut fest. Das jahrzehntelange Werben für einen höheren Anteil des Fahrrads im alltäglichen Verkehr trage jetzt Früchte, ergänzt der Geschäftsführer des Fahrradreifenherstellers Ralf Bohle GmbH aus Reichshof bei Köln, der durch seine Hauptmarke Schwalbe http://www.schwalbe.com bekannt ist. Als größten Sprung der vergangenen Jahre für das Alltagsfahrrad sieht Bohle das neue Mietrad-Konzept des führenden Citywerbers JC Decaux http://www.jcdecaux.de, auch als „französische Fahrrad-Revolution“ bezeichnet. Mit derzeit 20.000 Fahrrädern an über 1.400 Mietstationen allein in Paris sei ein überwältigendes Angebot zu einem günstigen Preis geschaffen worden: 29 Euro kostet ein Jahresabonnement. Die tägliche Nachfrage sei bereits auf durchschnittlich 100.000 Nutzer angestiegen. Schwalbe ist der exklusive Reifenausrüster des Pariser Decaux-Projekts.

 JC Decaux will sein Pariser Erfolgskonzept auf andere Weltmetropolen ausweiten, weitere europäische Städte arbeiten bereits mit eigenen Mietfahrradsystemen. Für den Schwalbe-Chef Bohle bestätigt sich damit schon jetzt die Einordnung des Fahrrads als „Schlüsseltrend für die Märkte von morgen“ im „Trendreport 2008“. Der Zukunftsforscher Matthias Horx nennt darin das Fahrrad als „Gewinner der Klimadebatte“. In den kreativen Zentren der Welt sei die Nutzung „cooler Bikes“ schon zum Teil des alltäglichen Lebensstils geworden. Frank Bohle ergänzt: „Neben dem zum Lifestyle passenden Aussehen moderner Fahrräder sind die neuen Räder auch komfortabler, praktischer und damit alltagstauglicher geworden.“  Ein neues Rekordjahr legte das Unternehmen Bohle 2007 hin. Der Umsatz der Bohle-Gruppe stieg auf 84 Millionen Euro, eine Steigerung von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr (69 Millionen Euro). „Dieser Umsatzsprung hat uns herausgefordert “, räumt Frank Bohle ein. Produktion und Vertrieb hätten häufig die Grenzen der Auslastung erreicht. Vieles sei dort permanent erweitert und modernisiert worden. Bohle gibt zu bedenken, dass ein solches Wachstumstempo wie 2007 außergewöhnlich und kaum zu wiederholen sei.  Dabei falle erneut das weiter gestiegene Qualitätsbewusstsein der Kunden auf. Die Menge der verkauften Reifen sei deutlich geringer gestiegen als der Anteil der besonders hochwertigen Spitzenprodukte der Schwalbe-Palette. Das zeige sich in allen Fahrradsparten, ob Trekking- und Cityrad, Mountainbike oder Rennrad. Klasse statt Masse sei auch weiterhin eine Kernbotschaft der Marke Schwalbe. Der kritische Kunde erwarte von Schwalbe besondere Leistungen. Deshalb werde man auch in Zukunft bei hoher Nachfrage weiterhin die hohe Qualität jedes produzierten Reifens in den Mittelpunkt stellen statt die Mengenproduktion zu schnell zu steigern. Auch beim Sport-Sponsoring vermeldet Schwalbe eine Neuigkeit. Das Unternehmen ist jetzt Sponsor des Handball-Bundesligisten VfL Gummersbach. Handball tritt nun also neben Radsport, Behindertensport und Tischtennis.