Offen für alles, für Theorien, Erzählungen und Abschweifungen – eBook über Livestreaming

Cover Man hört sieht und streamt sich

Es ist die Kombination von Unordnung und Ordnung, die mich beim Zettelkasten-System des Soziologen Niklas Luhmann fasziniert. Ein Ideen-Gewimmel mit unendlichen Kombinationsmöglichkeiten, das erst im Moment der Auswertung produktiv wird.

„Insofern arbeite ich wie ein Computer, der ja auch in dem Sinne kreativ sein kann, dass er durch neue Kombination eingegebener Daten neue Ergebnisse produziert, die so nicht voraussehbar waren“, so Luhmann.

Ähnlich organisiere ich meine Recherchen für Projekte, Artikel, Interviews und Formatideen. Remix, Re-Kombination und Collage von Fundstücken im Netz und in der analogen Welt prägen meine publizistischen Arbeiten.

Frei nach Roland Barthes: Offen für alles, für Theorien, Erzählungen und Abschweifungen. Das Ergebnis präsentiere ich häufig in Videoübertragungen via Livestreaming-Dienste nach dem Motto: Man hört, sieht und streamt sich ☺ Einen fragmentarischen Einblick in meine Arbeit präsentiere ich in dem Opus „Man hört, sieht und streamt sich: Direkt und ungeschminkt – Vom diskreten Charme des Livestreamings“.

Nun kaufet das Werk und verbreitet die Botschaft des neuen eBooks 🙂

Man hört, sieht und streamt sich übrigens heute Nachmittag um 16 Uhr. Thema der Diskussionsrunde in Bonn-Duisdorf: Wo bleibt der Mensch in vernetzten Unternehmen. Hashtag für die Debatte #YouBusinessTalk

Bekenntnisse eines Bibliophilen zum Dämon Amazon

Das Wehklagen der Buchbranche

Gerade schwebte ein Werbebriefchen von Printfinder in meinen Briefkasten. Überschrift des Schreibens: „Günstiger Bücher drucken im Baltikum“.

„Guten Tag und schöne Grüße aus Lettland!

Seit 2002 druckt Printfinder Bücher und andere Druckprodukte für Kunden in Deutschland und Skandinavien. In den letzten zehn Jahren ist Lettland beim Buchdruck zu einem führenden Exportland in Europa aufgestiegen, und wir sind stolz darauf, dazu beigetragen zu haben.

Viele Drucksachen können mit wesentlichen Preisvorteilen bei uns produziert werden. Nicht selten sparen unsere Kunden bis zu 40 Prozent (!) des deutschen Druckpreises. Dies betrifft vor allem Hardcover- und Softcover-Bücher in Auflagen von 300 bis 5.000 Exemplaren sowie Kataloge und Prospekte in unterschiedlichen Auflagen. Zudem sind wir auch im Siebdruckbereich (Freunde der Schreibkunst, hört auf, ständig „Bereich“ zu schreiben. Siebdruck hätte es auch getan, gs) tätig, wo die Kostenvorteile oftmals noch höher sind. Gewöhnlich betragen unsere Lieferzeiten nicht mehr als drei Wochen.“

Soweit ein kleiner Auszug des Briefes aus dem schönen Riga. Da sind wir dann mitten im Thema Billiglöhne, Leiharbeiter, Arbeitsbedingungen, Dumpingpreise und sonstigen Ärgernissen, die derzeitig im Netzdiskurs hochschwappen. Und Printfinder ist nur einer von vielen Anbietern aus Osteuropa, die sich einen gnadenlosen Preiskampf liefern. Und die Verlage in Deutschland zählen zu den beliebtesten Kunden. Der Mindestlohn in Lettland liegt übrigens deutlich unter 300 Euro. Wer also aus der Verlagsbranche und Literaturszene mit dem Finger auf Amazon zeigt, sollte sich fragen, welche Rolle er selbst spielt beim Wettlauf um niedrige Preise, die wiederum zu erbärmlich schlechten Löhnen führen.

Das soll Amazon nicht frei sprechen. Die Beschwichtigungstöne des amerikanischen Konzerns nach der Ausstrahlung der ARD-Reportage „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ haben den Shitstorm im Social Web erst so richtig beflügelt. So kann man mit dem Thema nicht umgehen. t3n hat das sehr gut zusammengefasst.

Dämon Amazon

Der Bericht und die Aufregungswelle wird wohl auch dem Fundamentalkritiker Roland Reuß neue Nahrung geben. Der Heidelberger Germanist ist laut buchreport.de kein Freund von Open Access, warnte vor der Bücher-Digitalisierung durch Google und befürchtet jetzt, dass Amazon erst die Buchhandlungen und dann die Verlage „abmetzelt“. Sein Ratschlag an Sortimenter: Finger weg vom E-Book-Geschäft. Im Interview mit buchreport.de führt Reuß die Kritik an Amazon und am digitalen Gseschäft von Buchhandlungen weiter aus, die er in in einem Gastbeitrag für die FAZ zu Papier brachte.

Er ist wirklich der Ansicht, dass die Krise des Buchhandels nicht hausgemacht sei – „sieht man einmal davon ab, dass es flächendeckend immer wieder Läden gibt, die etwa keine Lust haben, bei Verlagen direkt zu bestellen und behaupten, es gebe bestimmte Bücher nicht, bloß weil sie ihr Grossist nicht auf Lager hat.“

Die Krise sei durch die Investitionen des amerikanischen IT-Kapitals hervorgerufen und da speziell durch die Infrastruktur, die Amazon, von weiten Teilen der Öffentlichkeit in ihrer Problematik unbemerkt, in den vergangenen zehn Jahren aufgebaut hat.

„Die beuten systematisch die Faulheit der Leute aus (Bequemlichkeit) und schaden nicht nur der Buchbranche, sondern dem Einzelhandel insgesamt – und zwar massiv. Das wird bald auch ein wirtschaftliches Problem in jeder Region Deutschlands werden. Mich wundert, warum die Landtags- und Bundestagsabgeordneten vor Ort nicht stärker in die Pflicht genommen werden.“

Es gehe auch um einen bedeutenden Rückgang von Umsatz- und Gewerbesteuer und natürlich auch um drohende Arbeitslosigkeit.

„Dass die Firma mit Sitz in Luxemburg, die das planierraupenmäßig auf der ganzen Welt durchzieht, von einem korrupten EU-Recht steuerlich profitiert und durch Steuerersparnis Gewinne macht, ist nicht hinnehmbar. Die Franzosen haben es immerhin soweit gebracht, dass sie das Unterlaufen der Buchpreisbindung durch die Portofreistellung unterbunden haben. Das ist schon einmal ein erster Schritt“, so Reuß.

Zudem habe Amazon gezielt die Antiquariatsportale ZVAB und Abebooks aufgekauft.

„Außerdem werden Privatanbieter ermuntert, auf der Amazon-Website antiquarisch Bücher angeboten. An sich wäre das noch nicht schlimm. Man kann aber die Beobachtung machen, dass bereits bei Erscheinen nagelneue Bücher zu günstigeren Preisen als dem gesetzlichen Ladenpreis angeboten wird, manchmal wird sogar geworben dafür, dass diese Bücher noch eingeschweißt sind. Das kann gar nicht sein.“

Es folgt noch der Hinweis auf eine Strafanzeige von Reuß gegen Amazon wegen Hehlerei. Ein angriffslustiges Kerlchen. Dahinter verbirgt sich allerdings auch eine große Portion Blendwerk.

Die Kunst der Buchillustration

Wenn er beispielsweise Amazon als Luxemburger Steuerumgehungskonzern tituliert und die braven lokalen Buchhandlungen als ehrliche Steuerzahler in den Himmel hebt. Glaubt er wirklich, dass die großen Verlage und Buchhandelsketten keine Strategien zur Steuerminderung entwickeln? Und hat sich Reuß überhaupt mal die Mühe gemacht, sich mit der Bilanz von Amazon auseinanderzusetzen? Beispielsweise über die Höhe der Zahlungen an den deutschen Fiskus, über die Höhe der Gewerbesteuer, die Amazon an den eigenen Standorten abführt? Der amerikanische Konzern ist mitnichten ein Säulenheiliger. Aber die Dämonisierung von eBook, Vernetzung, Boom des Onlinehandels und Amazon führt die Buchbranche genauso ins abseits wie die Musikkonzerne und den stationären Handel.

Die Krise des Buchhandels ist nicht hausgemacht? Wie viele gute Buchhandlungen sind bereits durch die Buchkaufhäuser in den Abgrund gestürzt worden? Wie viele Druckereien mussten schon dichtmachen, weil große und kleine Verlage mittlerweile ihre Druckaufträge nach Osteuropa verlagern? Und wie sieht es mit den Buchhandelsketten aus, die in der Nachbarschaft noch ein modernes Antiquariat im Portfolio bieten mit schön eingeschweißten Büchern und der Aufschrift „Lagerschäden“? Das sind die gleichen Anbieter, die kurz via Amazon Marketplace kurz nach dem Erscheinen eines neuen Buches das Werk für einige Euros billiger verkaufen und damit die Buchpreisbindung unterlaufen – es sind deutsche Anbieter, Herr Reuß.

Georg Müller Verlag und die Kunst des Buchdruckes

Und wie steht es um die Buchdruck-Kultur in Deutschland? Es dominiert wohl eher auswechselbare Massenware. Auch die Kunst der Buchillustration, die in den 1920er Jahren eine Blütezeit hatte, befindet sich im Siechtum. Wer macht noch so tolle Bücher wie der Georg Müller Verlag – etwa die Halbleder-Ausgaben der Abtei Thelem? Auch die kann man mittlerweile mit der Lupe suchen.

Warum soll ich denn zu Hugendubel, Thalia und Co. gehen mit einer mittelmäßigen Beratungsleistung, die ich im Internet weitaus besser vorfinde? Es gibt immer noch sehr gute Literaturbuchhandlungen wie den Buchtempel von Klaus Bittner in Köln. In jeder größeren Stadt findet man davon vielleicht noch ein oder zwei Geschäfte. Mit sinkender Tendenz. Das wird die Buchbranche nicht retten. Auch das eBook-Bashing geht völlig am Thema vorbei. Reuß und Co. unterschätzen die Formatrevolution, die sich auch bei Büchern abspielt. Die Kipp-Geschwindigkeit nimmt zu. Aber immer noch sitzen beispielsweise die Verlage auf dem hohen Roß und lamentieren darüber, ob es gerecht sei, dass Amazon eBooks einführt, kritisiert Professor Peter Wippermann vom Trendbüro Hamburg im ichsagmal-Interview.

“Gleichzeitig brechen die Großflächen-Kaufhäuser für Bücher zusammen, weil es sich wirtschaftlich einfach nicht mehr lohnt. Redaktionen werden abgebaut, weil das Vertriebssystem Papier nicht funktioniert. Hier gerät die analoge Industriewelt in den nächsten zehn bis 20 Jahren stärker unter Druck als es in den vergangenen 20 Jahren der Fall war.”

Buch-Titel Streaming Revolution

Bücher werden sämtliche physikalische Beschränkungen verlieren. Unser Projekt „Die Streaming-Revolution – Ein fließende Buch über und mit Hangout On Air“ kann da als Beispiel herangezogen werden. Mit oder ohne Amazon.

Siehe auch:

Amazon als Schwarzes Loch für den stationären Handel.

Anzeigen finanzieren Printmedien, nicht Leser: Und die wandern ins Netz!

Endlich hat jemand mal die Sache in der Diskussion um die Zukunft der Printmedien auf den Punkt gebracht! Joachim Dreykluft, Nachrichtenchef von FTD online hat eine einfache Frage treffend beantwortet.

Wer bezahlt für die Inhalte der Printmedien, wer bezahlt Journalisten?

„Hierfür haben sich Verleger schon vor Hunderten von Jahren eine zweite Einnahmequelle ausgedacht: Anzeigen. So gut wie kein Blatt der Welt verzichtet darauf. Bislang fiel die Tatsache, dass gar nicht die Leser die Journalisten bezahlen, nicht weiter auf. Es war auch nicht wichtig, das einzeln aufzudröseln. Denn alle Einnahmen kamen in der guten alten Zeit in einen Pott. Druckereierlöse, Vertriebserlöse, Anzeigenerlöse. Am Ende wurde zusammengezählt. Heraus kam oft eine schöne schwarze Zahl. Und das war kein Wunder. Denn die Verlage hatten nicht nur ein begehrtes Produkt anzubieten. Sie hatten auch einen starken Zugriff auf die Margen eines bedeutenden Teils des Produktionsprozesses.“

Und sie hatten wie in Bonn oder Köln auch ein schönes Zeitungsmonopol. Da waren die Lokal- oder Regionalzeitungen richtige Dukatenesel. Aber wer braucht denn noch Immobilienanzeigen, Stellenzeigen, Kleinanzeigen oder Heiratshilferufe in Gesternzeitungen. Das können Webangebote viel besser darstellen. Schneller, günstiger, informativer und sogar personalisiert. Häuser, die in allen Facetten gezeigt werden mit Fotos und Filmchen, bundesweite Recherchemöglichkeiten für die Jobsuche und von den vielen Partnerbörsen ganz zu schweigen. Das Experiment, Printprodukte hoch zu bepreisen und auf Anzeigen zu verzichten, wagt aus gutem Grund so gut wie niemand, meint Dreykluft. „Denn der Leser ist nicht bereit, neben den Distributionskosten auch noch den Inhalt zu finanzieren. Aber genau dieser Denkfehler führt zur Diskussion über Paid Content“.

Zunächst sollten Journalisten, die für Print arbeiten und glauben, der Leser bezahle sie und deshalb sei ihr Inhalt wertvoller als der der Onlinekollegen, in sich gehen. Und Verleger sollten nicht alle paar Jahre eine neue Bezahlinhalte-Sau durchs Dorf treiben. „Sonst wird die Diskussion immer wieder da enden, wo sie es schon 2001 und 2004 tat: im Nichts. Viel wichtiger ist, darüber nachzudenken, wie es Verlagen gelingen kann, wieder Kontrolle über größere Teile der Distributionskette zu bekommen. Wenn Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser Druckereien und Vertriebe besitzen, warum überlassen sie es dann Amazon, Sony oder Apple, mobile Lesegeräte auf den Markt zu bringen? Hier etwa wäre eine große Chance, wieder Marge zu machen. Und für solch eine Initiative müsste man nicht auf Rupert Murdoch warten“. Aber das wird nicht gelingen. Da fehlt den Verlegern ein Genius wie Steve Jobs. Daher wird Apple auch hier einen großen Teil der Wertschöpfung abschöpfen.

Siehe auch:
Jeff Jarvis und die pawlowschen Reflexe der alten Medienwelt – Die Zeiten sind vorbei, wo Zeitungen bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen konnten.

Riepl-Illusionen und die kulturellen Katastrophen der Computerkommunikation – Zeiten der Informationsmonopole sind vorbei.

E-Reader und der iPod-Effekt: Papier wird das neue Vinyl

Lobo und der Medienumbruch
Lobo und der Medienumbruch
Medienberichten zufolge plant Amazon den Marktstart eines neuen E-Book-Readers für Tageszeitungen und Zeitschriften. Der Kindle mit Großdisplay soll angeblich noch in dieser Woche kommen. Ähnliches hat wohl auch Apple vor. Überraschend ist das nicht, hängen die gedruckten Tageszeitungen in den USA tief in der Talsohle. Die neuen digitalen Endgeräte für das klassische Zeitungsgewerbe deutet auf eine Zäsur der Medienlandschaft hin. Webexperte Sascha Lobo glaubt sogar, dass wir vor einem unfassbaren Umbruch stehen, den viele noch gar nicht realisiert hätten.

Der Glaube, dass das Internet nur ein weiterer Kanal sei, „ist ja der Glaube ans Rieplsche Gesetz – der Glaube daran, dass erfolgreiche Medien sich nicht ersetzen, sondern ergänzen“, so Lobo im Interview mit dem Medium-Magazin. Das würde jetzt aber nicht mehr stimmen. „Die Tageszeitung wird das Medium sein, das als Erstes stirbt. In den USA ist es schon so weit und es wird auch in Deutschland passieren“, prognostiziert Lobo. Papier werde das neue Vinyl. Etwas für Liebhaber.

Wenn ein E-Reader auf den Markt kommt, der eine ähnliche Qualität wie der iPod habe, dann werden die Printmedien auf einen Schlag diejenigen Leser verlieren, welche die Musikindustrie verloren hat, als der iPod auf den Markt kam.

E-Reader aus Berlin
E-Reader aus Berlin
Erfolgversprechend sei nach Ansicht des Sprachdialogspezialisten Lupo Pape die Entwicklung von Txtr. „Da arbeitet eine sehr spannende Firma in Berlin an einem viel besseren Produkt als Amazon und Sony, welches im Spätsommer auf den Markt kommen wird. Analog zu iTunes ist es nicht nur ein Stück Hardware, sondern gleich eine Software-Plattform, die auch für andere Endgeräte ein noch breiteres inhaltliches Spektrum bieten wird“, so SemanticEdge-Geschäftsführer Pape.