Kreislaufwirtschaft bei Plastik: Eine unendliche Geschichte des Scheiterns #Roundtable

Als ich in den 1990er Jahren in der Recyclingwirtschaft tätig war, recherchierte ich mit einer Kollegin die Marktentwicklung für so genannte Rezyklate. Also für Regranulate, die man aus Plastikabfall gewinnt zur Herstellung von neuen Produkten. Das Ergebnis war ernüchternd. In der Regel wurden dickwandige Produkte aus den Sekundärrohstoffen gefertigt. Häßlich gestaltete Parkbänke, Rasengittersteine und Schallschutzwände. Und heute: Immer noch landet ein Großteil des gesammelten Plastikmülls in der Verbrennung oder wird rohstofflich verwertet. Im Ergebnis landen beide Verfahren im Schornstein von Müllverbrennungsanlagen und Hochöfen. Im Ausland auch auf Mülldeponien – eine tickende Zeitbombe für die Umwelt. Das Umweltbundesamt hat die Lage des werkstofflichen Kunststoffrecyclings eingehend analysiert. Ergebnis: Bisher fehlt bei vielen Herstellern die Bereitschaft, bei der Herstellung zumindest in Anteilen auf sekundäre Rohstoffe im Sinne der Rezyklate zurückzugreifen. So war die Lage auch schon in den 1990er Jahren.

„Es gibt keine objektive Notwendigkeit in der Industrie, sich mit dieser Frage ernsthaft zu beschäftigen oder sich gar über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu informieren.  Dies gilt noch weit mehr für die Frage des Produktdesigns. Das Design eines Produktes / einer Verpackung muss auf zahlreiche Anforderungen und Zielsetzungen ausgelegt werden. Die (umweltpolitischen) Rahmenbedingungen sind so gesetzt, dass eine recyclinggerechte Gestaltung des Produktes einen nur sehr geringen Stellenwert hat, wenn dieser Aspekt überhaupt in der Produktentwicklung eine Rolle spielt“, schreibt das UBA:

Das System der Verwertung (Aufbereitung und Einsatz der Rezyklate) sollte sich in seiner Ausrichtung und Philosophie deutlich umstellen. „Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur die Entsorger von Kunststoffabfällen, sondern alle Abfallbranchen. Die Abfallverwertung muss sich quasi entgegen der Entsorgungsrichtung der Abfallmassenströme auf die Erfordernisse der Industrie, in diesem Falle die Kunststoff verarbeitende Industrie, ausrichten. Letztendlich gilt es, hochwertige sekundäre Rohstoffe zu produzieren, die möglichst weit den Eigenschaften der klassischen in der Produktion eingesetzten primären Rohstoffe entsprechen sollten, so dass weder an der Produktion noch an den Produkteigenschaften Änderungen vorgenommen werden müssen. Der Hersteller entscheidet sich, einen Anteil seiner Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft zu beziehen, da diese seine Spezifikationen erfüllen. Dies ist im direkten Austausch zwischen Aufbereiter, der Regranulate herstellt, und Produzent und damit für den Einzelfall zu erreichen. Für den Aufbereiter bedeutet dies im zweiten Schritt, dass er seine Prozesse auf dieses Produktionsziel ausrichten muss. Dies bedeutet damit eine Optimierung der Technik, aber auch eine Definition der Zusammensetzung und Eigenschaften der Materialien, die er zur Aufbereitung übernimmt“, erläutert das UBA.

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat wohl ein Papier erarbeitet, wie man den Rezyklatanteil in der Produktion erhöhen kann. Da bekomme ich noch Infos.

Welche Hürden müssen überwunden werden? Preis für Neuware in der Regel niedriger als für Rezyklate. Hersteller greifen dann zur besseren Neuware, wenn der Kilopreis für PE, PP etc. niedriger liegt. Nachvollziehbar.

Auflagen der Lebensmittelsicherheit. Knappheit bei Hohlkörpern. Mischkunststoffe nicht vermittelbar – schlechte Qualität. Miniverpackungen, die direkt im Sortierrest landen – Milchdöschen und Co.

Zu diesem Thema gibt es Anfang Mai ein Roundtable-Gespräch mit Fachleuten aus der Verpackungsindustrie.

Was muss geschehen, um das Kunststoffrecycling zu verbessern?

Habt Ihr Ideen?

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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