Zum 80. Geburtstag von Franz Rottensteiner: Über Lovecraft-Schauergeschichten, Cebit-Erlebnisse und mehr @PhantastikNews @BohmertFrank

Franz Rottensteiner lernte ich auf der Cebit kennen. Grund war eine Talkreihe, die ich für die frühere Firme Tenovis konzipierte mit Themen, die man auf einer klassischen Computermesse eigentlich nicht erwarten konnte. Teilnehmer: Prof. Dr. Herbert W. Franke, Physiker und Publizist; Franz Rottensteiner, Publizist, ehem. Herausgeber Phantastische Bibliothek bei Suhrkamp; Dr. Karlheinz Steinmüller, Zukunftsforscher, Sekretariat für Zukunftsfragen Gelsenkirchen; Dr. Andreas Zamperoni, Senior Technology Manager, Tenovis. Das war war über 20 Jahren. So kam ich mit Rottensteiner in Kontakt, der danach für meinen Verlag ein paar Texte schrieb. So entstand übrigens auch ein intensiver Dialog mit dem Science-Fiction-Autor Franke. Nachzulesen in einem Interview von mir mit Professor Franke, abgedruckt im Band „Das Gutenberg-Konzil“.

Zum 80. Geburtstag von Franz Rottensteiner veröffentliche ich seinen Text über die Lovecraft-Werksausgabe:

Die posthume Karriere des amerikanischen Autors von Schauergeschichten H.P. Lovecraft (1890-1937) ist erstaunlich. Zu Lebzeiten praktisch nur, sieht man von einem privat gedruckten und kaum verbreiteten Erzählungsband ab, in den amerikanischen Äquivalenten der Groschenhefte, den Pulps, gedruckt, erscheint er jetzt in unzähligen Buchausgaben in der ganzen Welt, werden auch die unbedeutendsten seiner Texte exhumiert und vielfach dargeboten. Lovecraft ist Gegenstand zweier umfangreicher Biographien, der älteren von L. Sprague de Camp (Lovecraft: A Biography, 1975) und der neueren von S.T. Joshi (H.P. Lovecraft: A Life, 1996), dem bedeutendsten Lovecraft-Literaturwissenschaftler, der nicht nur mehrere Bücher über ihn geschrieben hat, sondern auch textkritische Ausgaben besorgt hat. Es ist eine Eigenheit der Lovecraft-Fans, dass sie auch die kleinsten Einzelheiten über das Leben ihres Idols wissen möchten; das Interesse an seiner Biographie ist ebenso groß wie das am Werk selbst, und gerade bei Lovecraft scheint eine rein textimmanente Betrachtung wenig Sinn zu machen, sehr vieles an den Eigentümlichkeiten seiner Prosa ist nur aus dem biographischen Kontext zu verstehen. Die Zahl der Dissertationen und Abhandlungen über Lovecraft füllt bereits umfangreiche Bücherregale, es gibt sie vor allem in den USA, in Frankreich, in Italien, zunehmend aber auch in Deutschland. Und jetzt ist, bei der kleinen und rührigen Edition Phantasia in Linkenheim, auch eine chronologisch angeordnete, mit Kommentaren von Dr. Marco Frenschkowski, dem wichtigsten deutschen Lovecraft-Forscher und –Enthusiasten versehene  Gesamtausgabe der Erzählungen Lovecrafts  in Planung. Bisher liegen die fünf Bände der ersten Werkgruppe [beschränkt auf eine Auflage von 350 Stück, Preis für die Bände dieser Gruppe € 385,–, nur Gesamtabgabe] vor, die alles enthalten, was unter dem Namen Lovecraft an Geschichten erschienen ist, von den frühesten unbeholfenen„Juvenilia“ wie „Das Tier in der Höhle“, “Der Alchimist“ und „Das Grab“ bis hin zu seinen bedeutendsten längeren Erzählungen wie „Der Schatten aus der Zeit“, „Das Grauen von Dunwich“, „Schatten über Innsmouth“ oder „Der leuchtende Trapezoeder“. In der II. Werkgruppe werden Texte erscheinen, die nicht ausschließlich von Lovecraft allein stammen, die aber doch zu 50-90%  sein Werk sind, auch wenn sie meist unter anderen Namen erschienen.

Der Herausgeber Marco Frenschkowski hat jede Erzählung mit einer kurzen Einleitung versehen. In seinen Kommentaren zeichnet Frenschkowski die Umstände des Entstehens der Erzählungen nach, die im Falle Lovecrafts meist sehr genau dokumentiert sind, nicht zuletzt dank seines ungeheuer umfangreichen Briefwechsels, und er liefert Ansätze zu ihrer Interpretation.

Lovecraft ist ein höchst umstrittener Schriftsteller, von vielen wird er mit Spott überhäuft, das Lächerliche schlägt sich bei ihm immer dicht neben dem Erhabenen, man hat seine Adjektiv-Sucht kritisiert, sein unmodernes Bemühen, dem, was nicht gesagt werden kann, Ausdruck zu verleihen. Wo andere Autoren der unheimlichen Literatur sich mit Andeutungen begnügen, sucht er dem Leser immer wieder einzuhämmern, wie schrecklich das alles sei. Vor allem die Monster und Kunstmythen, seine äonenalten Götter mit den merkwürdigen Namen, die verbotenen magischen Bücher, deren Lektüre schlimmste Konsequenzen für den geistigen Zustand ihrer Leser hat, laden zu einer oberflächlichen Beschäftigung mit seinem Werk ein und haben immer wieder Sammler-Naturen angezogen, diese Entitäten und Bände zu katalogisieren und ihr Vorkommen zu dokumentieren. Dennoch macht der oft pueril anmutende „Cthulhu“-Mythos nur den geringsten Teil von Lovecrafts Anziehungskraft aus, selbst für seine überzeugtesten Fans. Lovecraft ist kein Schriftsteller für jedermann, sehr viele lässt sein Werk kalt, aber es gibt in ihm etwas, was eine Saite in seiner durchaus begrenzten, aber sehr begeisterungsfähigen Anhängerschaft zum Schwingen bringt, die andere Autoren der unheimlichen Literatur, vor allem diejenigen, die mechanisch den Cthulhu-Mythos exploitieren, nicht anzusprechen vermögen. Es handelt sich dabei, wie Frenschkowski mit anderen meint, um so etwas wie ‚„kosmische Neugier’, das Eindringen in einen verbotenen, das Gefühl, zum ‚Mitwisser’ des Universums zu werden“, das Lovecraft vermittelt: „Dabei war er Materialist; alle religiösen oder okkulten Überzeugungen hat er für Aberglauben gehalten. Eben diese Spannungen machen Lovecraft für interessant: zwischen seiner unbändigen Phantasie und seinem Materialismus, zwischen seiner klassizistischen Ästhetik und seiner Neigung zur Dekadenz, zwischen seinem neuenglischen Lokalkolorit, überhaupt seinem starken Gefühl für regionale und nationale Wurzeln, und seinem ’cosmic indifferentism’ (wie er sein Weltbild kosmischer Bedeutungslosigkeit des Menschen selbst nannte.“ Lovecraft wollte, wieder in den Worten Frenschkowskis, „die dunklen Seiten der Wirklichkeit ausloten, das Schöne im Schrecklichen und das Schreckliche im Schönen finden und anderen aufzeigen“. Man hat Lovecraft, damit eine Aussage des Ich-Erzählers der Erzählung „Das Bild im Haus“ aufgreifend, einen „Epikuräer des Schreckens“ genannt, jemanden, der sich im kleinen Kreis Gleichgesinnter mit kultureller und wissenschaftlicher Betätigung verwirklicht.

Widersprüchlichkeit und innere Zerrissenheit kennzeichnet den Menschen Lovecraft, der sich zeitweise in übelsten antisemitischen und anderen rassistischen Ausfällen erging, die nicht allein durch die Zeitumstände erklärt werden können, andererseits aber in seinem persönlichen Umgang viele jüdische Freunde hatte und eine russische Jüdin heiratete. Auch wenn diese Ehe schließlich scheitern, und nicht wegen sexueller Unzulänglichkeit, sondern wegen der inkompatiblen Persönlichkeitsstruktur: da eine dynamische Geschäftsfrau, dort ein allen kommerziellen Erwägungen abholder Künstler, der allen bürgerlichen Erwartungen an Erfolg und berufliche Kompetenz nicht entsprach, der nächtliches Arbeiten liebte und von seinen eigenen Erzählungen so wenig hielt, dass ihm manche von Freunden entrissen und in den Druck befördert werden mussten. Er glaubte, im falschen Jahrhundert zu leben, war in der Antike zuhause und sehnte sich nach Literatur und Architektur des 18. Jahrhunderts; beklagte das Eindringen slawischer und italienischer Einwanderer in sein geliebtes neuenglisches Providence, war fest verwurzelt in einem engen geographischen Bereich, von dem er auszog in die Weiten des Weltalls, das von bedrohlichen Wesen bevölkert ist und vor allem von einem kalten Walten des Naturgesetzes regiert wird, das auf menschliche Belange keine Rücksicht nimmt. In einer seiner bedeutendsten, an die Science Fiction grenzenden Kurzroman „Der Schatten aus der Zeit“ entwirft er nicht zuletzt, in visionären Traumbildern einen Ablauf verschiedener nichtmenschlicher Rassen in den Tiefen von Raum und Zeit, wie es ähnlich vorher Olaf Stapledon (der allerdings kein Einfluss war, da ihn Lovecraft damals  nicht kannte) in seinem gewaltigen Entwicklungspanorama der nächsten zwei Millionen Jahre in Last and First Man (1930) – allerdings ohne die starke negative emotionale Färbung Lovecrafts, in der das Fremde, Unvertraute meist etwas Bedrohliches hat (wiewohl es auch utopische Ansätze gibt, es zu akzeptieren). Stets sind seine unsicheren, aber wissensdurstigen Helden, die stets mehr zu wissen begehren, als es Menschen frommt, auf Ich-Suche begriffen und  von Ich-Verlust bedroht und häufig eingebettet, wie vor allem in der anderen großen Erzählung „Schatten über Innsmouth“ in den gesellschaftlichen Verfall ganzer (erfundener) Regionen in Neu-England, in denen sich ein sehr realer Verfall nach dem Ende der Bedeutung des Walfangs und des Fischfangs vor der Küste spiegelt. Lovecrafts Protagonisten sind aber nicht bloß Individuen mit privaten Neigungen und Aberrationen, sie sind stets Repräsentanten der Menschheit, ihr Schicksal ist eines, das umfassende Implikationen hat und es ins Apokalyptische weitet. 

Diese quasi-religiöse Bedeutung ist es, die für viele die besondere Anziehungskraft Lovecrafts ausmacht. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass Marco Frenschkowski ein habilitierter evangelischer Theologe ist, der nicht nur ein eingehender Kenner Lovecrafts, sondern auch der gesamten unheimlichen Phantastik ist, deren religiösen Wurzeln er in zahlreichen Essays nachgegangen ist. Er ist auch Herausgeber der der Phantastik gewidmeten Liebhaberzeitschrift Das schwarze Geheimnis.

Ein Wort noch zu den Texten der Edition Phantasia. Die deutschen Übersetzungen Lovecrafts enthalten manche Übersetzungsfehler und Irrtümer, und sie folgen den verfälschten ersten amerikanischen Buchausgaben. Selbst die brillante Übersetzung H.C. Artmanns in Cthulhu (1968), dem Band, der Lovecrafts Durchbruch in Deutschland bewirkte, enthielt manche Missverständnisse und Verkürzungen, da Artmann manche Stellen einfach ausließ. Erst seit S.T. Joshi in den letzten Jahrzehnten Texte vorgelegt hat, die von den zahlreichen Druck- und Abschreibfehlern und Verfälschungen der ursprünglichen Arkham-House-Ausgaben frei sind, liegen textkritische Ausgaben vor, die für die überarbeiteten Übersetzungen der Werkausgabe herangezogen werden konnten. Diese Ausgabe legt erstmals deutsche Texte vor, die dem ursprünglichen Text Lovecrafts so weit wie möglich nahe kommen.    

Wartet nicht auf die Politik, organisiert Euch! Empfehlungen von @WolfLotter an die Selbständigen

Doku zum Autorengespräch mit Wolf Lotter.

In Sachen Wandel große Sprüche machen, tatsächlich aber beim alten Stiefel bleiben – Autorengespräch mit @wolflotter um 17 Uhr

„Die Vorstellung, man müsse nun die alten Strukturen von Arbeit und Organisation, die politischen Institutionen nur auf neu, nachhaltig und klimafreundlich, Diversity und Innovation umlackieren, zeigt, wie wenig verstanden wurde, was zu tun ist. Die Anstrengungen lassen sich nicht mehr eifrig, fleißig abarbeiten. Der Ameisenstaat der Industriegesellschaft löst keine Probleme unserer Zeit“, schreibt Wolf Lotter. Wir werden mit ihm über sein neues Buch sprechen: „STRENGT EUCH AN! WARUM SICH LEISTUNG WIEDER LOHNEN MUSS“.

Um 17 Uhr befragen via YouTube, Twitter, Facebook, LinkedIn und Twitch.

Auf den Spuren von Roland Barthes, Rimbaud, Verlaine und @OlafScholz

Höhenmeter

Physiker, Informatiker, Höhlenforscher, Kakteen-Erkunder, Entdecker der Mars-Höhlen, Science-Fiction-Autor, Philosoph, Pionier der Computerkunst, Hörspielautor, Musikexperimentator und ein leidenschaftlicher Sammler von Kaleidoskopen: Das alles und noch viel mehr. Würd‘ ich machen. Wenn ich König von Deutschland wär′

Auszug aus der Buchneuerscheinung: König von Deutschland – Jetzt bestellen 🙂 https://klingen-verlag.de/produkt/koenig-von-deutschland/

Und hier ein kleiner Appetitmacher:

Ein kurzes utopisches Gespräch

mit Herbert W. Franke

Am Rande der Verleihung der Ehrendoktorwürde für seine außerordentlichen Verdienste im Brückenschlag von Wissenschaft, Philosophie und Kunst an Herbert W. Franke (Jahrgang 1927) durch die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) im Jahr 2018 führte Gunnar Sohn ein längeres Gespräch mit dem Wissenschaftler, Computerkünstler und Schriftsteller. Bei einem Teil des Gespräches ging es auch um unser Utopie Projekt #KönigVonDeutschland.

Er ist Physiker, Informatiker, Höhlenforscher, Kakteen-Erkunder, Entdecker der Mars-Höhlen, Science-Fiction-Autor, Philosoph, Pionier der Computerkunst, Hörspielautor, Musikexperimentator und ein leidenschaftlicher Sammler von Kaleidoskopen. Es gibt kaum etwas, in dem der Wiener Naturwissenschaftler und Professor Herbert W. Franke kein Experte zu sein scheint. Mit uns sprach er über seinen Einstieg in die amerikanische Filmindustrie, wieso er die Computerkunst aktuell allem anderen vorziehen würde und aus welchem Grund er den Titel als König von Deutschland partout ablehnen würde.

Gespräch mit Professor Franke in Karlsruhe

GUNNAR SOHN: Wenn sie ihr Werk im Gesamten sehen, von der Literatur über das Wissenschaftliche, von der Höhlenforschung, dem Interdisziplinären bis hin zur Computerkunst – Was bewegt sie heute noch von diesen Disziplinen, was ist für sie heute noch der Antriebsmotor? Kurzum: Was bewegt sie heute?

HERBERT W. FRANKE: Was mir den größten Spaß macht und wo ich am glücklichsten bin? Ja, das ist eigentlich doch die Kunst. Ich habe da doch einige neue Methoden gefunden – sie sehen Einiges bereits davon. Ich war ja auch damals beteiligt an der Einführung des digitalen Computers in die Filmindustrie. Dabei habe ich auch mit einigen Autoren Freundschaften geschlossen. Heute noch programmiere ich und habe Ideen für Neues, was man in die Kunst einbringen kann, wenn man den Computer verwendet. Ich muss aber auch sagen, dass die Science-Fiction mich zwar nach wie vor interessiert, nur komme ich mit der Computerkunst schneller zu Ergebnissen. Da kann es sein, dass ich mit dem Auto unterwegs bin und dabei fällt mir etwas ein. Dann setze ich mich später an den Computer und am Abend habe ich dann schon neue Stile und stilistische Möglichkeiten für Computerarbeiten, Bilder und Animationen, entworfen, die dann schon fix und fertig sind. Damit habe ich in den nächsten Tagen, Monaten und Jahren die Chance zu diesem Stil passenden Möglichkeiten auch in einer größeren Zahl weiter zu verfolgen.

GUNNAR SOHN: Mit Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius mache ich einen Utopie-Podcast. Das ist also ein Audio-Format, wo wir uns mit Utopien beschäftigen. Und da fragen wir Experten, wie sie die Zukunft sehen. Und deswegen meine Frage an sie, welche Zukunft sehen sie persönlich?

HERBERT W. FRANKE: Ich behaupte strikt, dass wir nicht in der Lage sind, die Kunst vorauszusagen und dass die entwickelnde Technik in verschiedenste Richtungen führen kann! Es wird gesagt, der Wunsch mancher Autoren, es sollten sich mehrere Science-Fiction-Autoren zusammentun und die Zukunft vereinheitlichen, sei Blödsinn. Dabei ist doch genau das, das Wertvolle an der Science-Fiction, dass man die verschiedensten Möglichkeiten beschreibt oder vielleicht sogar auch eine neue Bedrohung entdeckt zu haben. Das hat ja auch etwas Befriedigendes. Ich bin einmal zu einer Podiumsdiskussion eingeladen worden, bei der sehr viele Fachleute waren, die sich über die Zukunft ausgetauscht haben. Die haben sich darüber beklagt, welche Gefahren auf uns zukommen wer- den. Ich bin damals als Letzter drangekommen und hab gesagt: „Ich bin nur ein Science-Fiction-Autor, wenn da lauter Fachleute sind, die sich vor der Zukunft fürchten, werde ich sie vielleicht überraschen, wenn ich ihnen jetzt mitteile, dass ich über jede neue Gefahr, die mit der Technik auf uns zukommt, Freude empfinde. Weil es Stoff für meine Bücher gibt. In der Mitte liegt oft die Wahrheit (lacht).

GUNNAR SOHN: Das ist interessant. Stellen sie sich jetzt folgende Situation vor: Sie sind jetzt Österreicher, aber wir sind in Deutschland. Sie hät- ten die Möglichkeit für eine bestimmte Zeit König von Deutschland zu werden.

HERBERT W. FRANKE: König von Deutschland…

GUNNAR SOHN: König von Deutschland! Was würden Sie tun? So als Utopiker und Science-Fiction-Autor und als Wissenschaftler und Höhlenforscher. Im metaphorischen Sinne. Wenn sie die Möglichkeiten hätten, an- stelle von Merkel sogar eine Stufe höher zu sein?

HERBERT W. FRANKE: Naja ein zweiter Hitler würde ich schon mal nicht sein wollen (lacht). Ich bezweifle, dass wir als Leute mit den heutigen Möglichkeiten und auch Lernmöglichkeiten all diese Gefahren, die auf uns zukommen, überhaupt erkennen und dass wir alle die Probleme, die wir aber erkennen, auch lösen können. Das wäre eine Aufgabe für mich, die mich zu sehr überfordern würde. Aus diesem Grund würde ich sie wahrscheinlich nicht annehmen.

GUNNAR SOHN: Wir haben uns mal über digitale Bildung unterhalten. Wenn vieles an technischen Entwicklungen und technischen Wirkungen nicht vorhersehbar ist und auch in der Kombination von unterschiedlichen Dingen vieles nicht vorherzusehen und nicht zu prognostizieren ist, sollte in der Bildung und in der Bildungspolitik vielleicht mehr experimentiert werden? Mit digitalen Werkzeugen? Sodass man in unterschiedlicher Weise, wie sie das auch in ihrer Computerkunst machen, viele Dinge ausprobiert, um zu ermessen, welche kombinatorischen Möglichkeiten eigentlich in Bezug auf neue Technologien bestehen?

HERBERT W. FRANKE: Naja, also wenn ich irgendetwas zu bestimmen hätte, was man machen sollte oder was ich auch mit den utopischen Mitteln machen sollte, dann würde ich versuchen, die Intelligenz der Menschen zu erhöhen. Und das muss nicht unbedingt ein einzelner Mensch sein. Sondern kann auch eine Kombination sein oder vielleicht sogar eine Art isoliertes Gehirn. Ich würde versuchen, das so zu programmieren, dass wir die Gefahren, die heute für den Menschen lauern, erkennen und auch abwenden können. Da ich die Zukunft aber nicht voraussagen kann, bin ich nicht davon überzeugt. Ich bezweifle, dass so etwas in naher Zukunft überhaupt gelingen kann. Wenn sie mich allerdings nach meinen Zukunftserwartungen fragen, dann scheint mir die unangenehme Entwicklungsmöglichkeit, die wahrscheinlichere zu sein.

GUNNAR SOHN: Herr Professor Franke ich bedanke mich für dieses Gespräch.

HERBERT W. FRANKE: Bitte sehr. Es war mir ein Vergnügen, mit ihnen zu reden.

Nun bestellet das königliche Werk 🙂

Utopien als Spielwiese für unser Denken: Buchneuerscheinung #KönigVonDeutschland

Was würdest du machen, wenn du König von Deutschland wärst? Buchneuerscheinung mit utopischen Gesprächen Bonn/Solingen “Das alles, und noch viel mehr, würd’ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär’” räsonierte einst der „Ton Steine Scherben”-Frontmann Rio Reiser (1959-1996). „Uns reizt der anarchistische Unterton dieser Zeile und das im Liedtext vermittelte Gefühl, dass alles doch ganz anders sein könnte, wenn man nur wollte. Es ist dieser Spiegel, den uns Rio Reiser immer wieder vor die Nase gehalten hat. Deshalb wurde diese Zeile Initialzündung des Projektes #KönigVonDeutschland, das zuerst in Form eines Podcast erschien, nun aber aktualisiert und überarbeitet als Buch vorliegt“, so die Herausgeber Lutz Becker und Gunnar Sohn.

Die Utopie beschreibt, um mit Reinhard Pfriem zu sprechen, „kein Land nirgendwo“. „Wir warnen auf unserem Beipackzettel ausdrücklich davor, Utopien als etwas zu betrachten, das man mit allen Mitteln auch umsetzen muss. Im Gegenteil: Eine Utopie soll bleiben, wo sie hingehört, an einem Ort im Nirgendwo. Die Geschichte der Futuristen und anderer ideologischer Gemeinschaften hat gezeigt, dass eine Utopie, die zur Maxime wird, in der bitteren Konsequenz allzu leicht zu Faschismus, Unterdrückung und Gewalt führt. Der Weg in die Hölle ist nicht selten mit guten Absichten gepflastert. Deshalb sollten wir Utopien ausschließlich als Spielwiese für unser Denken betrachten. Nicht mehr und nicht weniger. Wir finden es jedenfalls wie Harald Welzer einfach cool, Utopien zu entwickeln, denn wir brauchen etwas, worauf wir uns freuen können“, so Becker und Sohn.

Die Beiträge des Bandes reichen vom Neoliberalismus im Weltall bis zur Schwarm-Mobilität im Verkehr mit autonom gesteuerten Fahrzeugen. Szenarien für die Zukunft kommen vom Höhlenforscher und Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke, vom Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, von der Netzaktivistin Marina Weisband und der Slow-Media-Expertin Sabria David, vom Öko-Unternehmer Jörg Heynkes, von Zukunftsforschern wie Sven Gábor Jánszky und Klaus Burmeister, kritischen Ökonomen und Soziologen wie Reinhard Pfriem, André Reichel, Frank H. Witt und Dirk Helbing, vom kanadischen Techno-Utopisten Chris Smedley, von der Dramaturgin und Autorin Uta Atzpodien und Utopiestadt-Mitgründer Christian Hampe, vom Historiker Torsten Kathke und vom Germanisten Hans Esselborn.

Das Buch können wir gerne in gedruckter Form und/oder als pdf zuschicken. Die Autoren stehen auch gerne für Interviews zur Verfügung.Kontakt: Gunnar Sohn, 0177-6204474; gunnareriksohn@gmail.comVerlag: https://klingen-verlag.de/produkt/koenig-von-deutschland/

Wörter und Träume mit Wolfgang Schiffer #ElifVerlag #DasLiterarischeInterview

Weltpremiere beim literarischen Interview in Bonn: Wolfgang Schiffer liest aus seinem Buch, das erst im Frühjahr im Elif-Verlag erscheint:

Hier das komplette Gespräch mit Wolfgang Schiffer:

Thomas Franke, Arno Schmidt und die Gelehrtenrepublik: #DasLiterarischeInterview in Bonn

Mit Illustrationen von Thomas Franke und einem Beitrag von mir 🙂

Der ehemalige Bonner Generalintendant Weise und das Horror-Vakuum – Einer der Höhepunkte unserer Veranstaltungsreihe #DasLiterarischeSommerinterview

„In ein ‚Horror-Vakuum, von dem ich jetzt noch träume‘, sei er damals gefallen, schildert Klaus Weise während seiner Lesung bei Buchhändler Alfred Böttger. Gemeint ist die Zeit nach Weises Generalintendanz für Oper und Schauspiel in Bonn zwischen 2003 und 2013, in der er auch als Regisseur das Profil mitgestaltete. Jenes ‚Horror-Vakuum‘, das weniger privilegierte Menschen sicher allzu gern mit ihm tauschen würden, fand ein Ende mit der Arbeit an seinem ersten Roman: ‚Sommerleithe – Wortbegehung einer Kindheit'“, schreibt der General Anzeiger.

„Sinnlicher als eine Metzgerei geht’s kaum“, sagt Weise im Laufe seiner Bonner Lesung, betont der GA. Was er in Bonn-Duisdorf sagte, seht Ihr hier:

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Man hört, sieht und streamt sich beim Abschluss der Sommer-Serie am Freitagabend:

Hannah Arendt, Karl Jaspers und das kommunikative Mitdenken

Interview mit der Autorin Ingeborg Gleichauf, deren Buch „Hannah Arendt und Karl Jaspers – Geschichte einer einzigartigen Freundschaft“ in diesem Monat bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienen ist.