Schickt die MBA-Absolventen in Rente: Unternehmer braucht das Land

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Business-Schools sind überteuert, der Unterricht weltfremd, die Absolventen versagen in Serie. Jetzt bricht der Arbeitsmarkt für MBAs weg – völlig zu Recht, meint der Management-Experte und Buchautor Alexander Ross in einem Beitrag für die Zeitschrift GDI Impuls.

Nach der Blase an den Finanzmärkten werde auch die an den Business-Schools platzen. Von 2010 an werden massenhaft MBA-Absolventen auf einen Arbeitsmarkt treffen, auf dem sie praktisch nicht mehr nachgefragt werden. „Die Business-Schools sind überteuert, der Unterricht weltfremd, die Forschung schmalbandig, und die MBA-Absolventen versagen in Serie“, so Ross. Ein MBA verwalte, würde aber nichts unternehmen. So weisen die Business-School-Experten Stuart Crainer und Des Dearlove darauf hin, dass MBA-Absolventen bei erfolgreichen Unternehmensgründungen auffallend unterrepräsentiert sind. Wenn sie selbstständig seien, dann meist mit einem Beratungsunternehmen. „Wir dürfen die Welt der Ökonomie nicht den Business-Administratoren, nicht den Verwaltern überlassen“, sagt denn auch Günter Faltin, Professor für Wirtschaftspädagogik an der FU-Berlin. Er weiß, wovon er spricht, denn seit 20 Jahren ist er erfolgreicher Unternehmer, beispielsweise mit der Teekampagne. „Für Faltin ist die MBA-Vorherrschaft ein Unding. In seinem neuen Buch ‚Kopf schlägt Kapital‘ – Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen‘ zeigt er, was in Krisenzeiten immer benötigt wird, damit es wieder vorwärtsgeht: Unternehmer, nicht Verwalter“, schreibt Ross.

Die Business-Schools sind mit ihrer Ideologie, mit ihrer Geisteshaltung und ihren Werkzeugen gescheitert. Sie sollten sich zur Verantwortung an der Wirtschaftskrise bekennen. Wer eine Schlacht verliert, hat unrecht mit seiner Strategie, Operation oder Taktik. Beim MBA-Studium mangelt es an dieser Einsicht noch heute, resümiert Ross.

Wissensmagazin GDI Impuls, Heft 1/2009

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KLASSE-BEWUSSTSEIN FÜR MANAGER (von Dagmar Deckstein)
Nur mit einer Rückkehr zu alten kaufmännischen Werten können Manager ihre Welt, und unsere Wirtschaft, noch retten.

Die angestellten Manager an den Spitzen der Konzerne ruinieren gerade ihren Ruf und laufen Gefahr, nicht mehr ernst genommen zu werden. Neues Vertrauen kann durch die Rückkehr zu alten Werten aufgebaut werden – etwa dem jahrhundertealten Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Auch eine kollektive Verpflichtung könnte Abhilfe schaffen, etwa ein Gelöbnis, ähnlich dem hippokratischen Eid der Ärzte.

BÜROS IN BEWEGUNG (von Detlef Gürtler)
Bei der Telekom-Forschungseinrichtung T-Labs wird nicht der Mensch, sondern der Arbeitsplatz mobil. Und das Büro steckt in der Hosentasche.

Statt der Menschen kann auch der Arbeitsplatz mobil gemacht werden. Mit dem Konzept des Büros in der Hosentasche kann das komplette Arbeitsumfeld auf einem USB-Stick deponiert und überall, jederzeit und sicher aufgebaut werden. Das erfordert allerdings den gedanklichen Abschied von der Festplatte: Wer überall auf seine vertraute Umgebung zugreifen will, darf nichts mehr lokal speichern. In Konzernen wird der Arbeitsplatz nicht so sehr über Sticks mobil als über Identitätsnachweise wie Karten, die nicht nur Software und Speichermedien individuell zuweisen, sondern auch individuelle Konfigurationen wie gewünschte Beleuchtung oder persönliche Kurzwahltasten beinhalten.

„WARUM BAUEN AUTOBAUER KEINE FAHRRÄDER?“ (Gespräch mit Tim Renner)
Welche Parallelen es zwischen den Strukturkrisen von Auto- und Musikindustrie gibt und was die Auto-Hersteller daraus lernen können.

Die Autoindustrie arbeitete bislang nach einem ähnlichen Modell wie früher die Musikindustrie. Beide Branchen kombinieren Bedarf mit Status – und bei beiden war der Status traditionell an die Hardware gebunden. Mit teureren Produkten kann der Kunde höheren Status erwerben und der Anbieter bessere Wertschöpfung erzielen. Bis der Markt kippt: in der Musikindustrie vor zehn Jahren, in der Autoindustrie jetzt. Die Musikbranche wandelt sich von einer hardwaregetriebenen Branche zum Anbieter von Entertainment-Leistungen, die Autobranche muss dazu übergehen, statt Hardware zu verkaufen, den Bedarf nach Individualmobilität zu befriedigen. Gleichzeitig das alte Geschäftsmodell herunterzufahren und ein neues aufzubauen, kann nur finanzieren, wer im alten System stark genug ist.

Zukunftskongress in Halle zeigt futuristische Computersteuerung und intelligente Softwareassistenten

Dale Herigstad präsentiert in Halle seine futuristischen Computer-Steuerungskonzepte
Dale Herigstad präsentiert in Halle seine futuristischen Computer-Steuerungskonzepte
Der amerikanische Designer Dale Herigstad ist vor allem bekannt geworden durch seine Arbeit für den Film Minority Report. Von ihm stammen die futuristischen Computer-Steuerungskonzepte, die im Kinofilm gezeigt werden. Auf dem forward2business-Zukunftskongress http://www.forward2business.com am 16. und 17. Juni 2009 in Halle an der Saale wird er gemeinsam mit 250 eingeladenen Innovations-Chefs das Zukunftsszenario „Lebenswelten 2019“ zu entwerfen.

Dale Herigstad glaubt nicht, dass wir in zehn Jahren unsere Geräte noch mit Maus und Tastatur steuern. Weil unsere Geräte mehr und mehr zu intelligenten Begleitern werden, wird auch die Bedienung intelligenter und menschlicher. Gestensteuerung und Gedankensteuerung werden die Zukunft prägen, so seine Vision. Auf dem Zukunftskongress wird Herigstad die aktuellen Entwicklungen seiner eigenen Entwicklungsfirma vorstellen und ein Szenario über das Konsumentenverhalten in zwanzig Jahren entwerfen.

In diesem Jahr wird nach Angaben der Veranstalter der alltägliche Umgang der Menschen mit Geräten und Maschinen im Mittelpunkt stehen. Schwerpunkte der Szenarioentwicklung sind intelligente Softwareassistenten die den Alltag begleiten und automatisch gefilterte Informationen einspielen, der bevorstehende Einzug von 3D-Technologien in Kino und TV und neue intuitive Bedienstrategien für Geräte.

Sprachdialogexperte Lupo Pape in Halle
Sprachdialogexperte Lupo Pape in Halle
Schon im vergangenen Jahr ist intensiv über virtuelle Alltagsassistenten diskutiert worden, um Informationen intelligenter zu managen. „Kundendaten werden von den Firmen in Zukunft nicht nur über alle Kanäle gesammelt, sondern sie werden auch intelligent aufbereitet, um dem Kunden einen individuellen, pro-aktiven Kundenservice zu bieten und seine Kaufbereitschaft maximal auszuschöpfen. Dazu werden Kundenprofile entworfen, anhand derer die Kunden aus den bestehenden Daten automatisch ‚geclustert’ werden“, so die Vision von SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape, die er im vergangenen Jahr in Halle auf der Burg Giebichenstein vorstellte. Crosschannel Service ist nach Ansicht des Sprachdialogexperten Pape ein wichtiger Baustein für den Kundendialog: „Daraus ergeben sich dann vorentworfene Dialogszenarien, die entweder beim Kontakt des Kunden vorgeschlagen werden oder die auch in Outbound-Dialogen über alle Medien abgewickelt werden. Der Berater im Call Center, der Mitarbeiter in der Filiale oder das Sprachdialogsystem werden mit einer Hypothese über das vermeintliche Anliegen des Kunden in den Dialog gehen und sie werden versuchen, dieses Anliegen persönlich und schnell zu lösen oder geschickte Vorschläge für Produkte und Services oder für die stärkere Kundenbindung einfließen zu lassen“, sagte Pape. Mittels einer Gedächtnisfunktion könnte dabei der letzte Kundenkontakt aufgenommen und weitergeführt werden.

Im Wortlauf könnte das Dialogsystem sich dann folgendermaßen an den Kunden wenden: „Hallo Herr Breitenbach, herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag. Sie haben uns eine E-Mail geschickt über Ihre Probleme mit dem mobilen Surfen. Mit dem neuen z-phone tauchen diese Probleme ab und zu auf, wir haben Ihnen deshalb gestern ein neues Gerät zugesandt, dass in der nächsten Stunde bei Ihnen eintreffen wird. Ich sehe, dass Sie gerade nicht zu Hause sind, möchten Sie, dass wir einen neuen Termin für die Auslieferung vereinbaren?“ Zudem werden laut Pape angesichts der steigenden Mobilität der Menschen intelligente persönliche Assistenten weiter an Bedeutung gewinnen. Das Handy sei hier nur eine Art Vorläufer. „Wir werden sehen, dass wir 2020 die meisten unserer Servicewünsche über Spracheingabe mit einem Satz erledigen können“, prognostizierte Pape.

Die Eingabe „Reserviere mir einen Platz für den nächsten Zug nach Berlin“ veranlasse die Online-Buchung und die Zusendung der entsprechenden Zugverbindung per SMS samt Reservierungsbestätigung. Ähnlich könne man beispielsweise beim Supermarkt eine Bestellung zur späteren Abholung aufgeben. Persönliche Assistenten und so genannte Infomediäre könnten nach Erkenntnissen von Pape auch bei Einkaufsentscheidungen nützliche Dienste tun, wenn man beispielsweise unterwegs einen Preisvergleich benötigt. Durch immer stärkere Transparenz über Preise und Qualität der Produkte aufgrund von Testberichten und Nutzerbewertungen sieht er die Herausforderung darin, „diese semantisch aufzubereiten und zu einer persönlichen Empfehlung zusammenzufassen.“ Damit werde es möglich sein, einen automatisierten Empfehlungsdialog zu führen.

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Hoffnungsträger Mittelstand: Inhabergeführte Unternehmen werden wichtiger

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„Hoffnung Mittelstand“ ist nicht nur ein häufig gehörte Formulierung in Krisenzeiten, sondern auch der Titel eines Sammelbandes, herausgegeben von Marc Beise und Lutz Diedrichs. Mittelständler hatten kein Konto bei Lehman Brothers, sie würden in der Regel keine Geschäfte mit komplizierten Derivaten machen und enthalten sich bei der globalen Zockerei auf den Finanzmärkten – aber sie bekommen dennoch die Folgen der Krise zu spüren und stehen unter dem Generalverdacht der Kapitalismus-Kritiker.

Doch mit der Gier von Managern und Fondsverwaltern, die kurzfristig Renditen von über 25 Prozent erzielen wollen, kann man die mehrheitlich inhabergeführten mittelständischen Unternehmen nicht in einen Topf schmeißen. Bei rund 95 Prozent der 3,2 Millionen Unternehmen liegt die Firmenleitung in der Hand der Eigentümer. Sie stehen für 41 Prozent der gesamten deutschen Unternehmensumsätze und für 57 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen. „Trotz ihrer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland haben die Familienunternehmen auch ohne Lafontain’sche Übergriffsversuche einen schweren Stand – das bescheinigt ihnen das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Es legte Anfang 2008 eine Vergleichsstudie Standortfaktoren in 18 Industrieländern vor, in der Deutschland gerade mal Platz zwölf einnimmt“, kritisiert die SZ-Redakteurin Dagmar Deckstein in ihrem Buchbeitrag. Aber in der Krise würden sich die Mittelständler trotzdem besser durchsetzen als Konzerne. Davon ist SZ-Redakteurin Elisabeth Dostert überzeugt. Sie verweist auf Analysen von Arnold Weissman, Berater und Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Regensburg. Die 40 größten Publikumsgesellschaften brachten es nach Weissmans Berechnungen im vergangenen Jahr auf zusammen rund 890 Milliarden Euro Umsatz, die Familienunternehmen auf 545 Milliarden. Im Jahr 2012 werden die 40 größten Familienkonzerne zusammen größer sein als die 40 größten Publikumsgesellschaften. Ihre Standorttreue und ihre Bedeutung für die Beschäftigung in Deutschlande sollt man aber nicht durch Bürokratie, unflexible Arbeitsmärkte und zu hohe Steuern bestrafen. Konzerne würden sich ins Ausland verdrücken, der Mittelstand hingegen sei heimatverbunden.

Wenn Deutschland die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise überwinden kann, dann nur dank eines stabilen Mittelstands. Besser als jedes kurzatmige Konjunkturprogramm ist daher eine nachhaltige Politik zur Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen. So muss nach Auffassung von Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) die Kreditvergabe deutlich verbessert werden. „Viele Unternehmen geraten nur deswegen in die Insolvenz, weil die Banken ihnen den Kredithahn zudrehen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Um diesen verhängnisvollen Kreislauf zu durchbrechen, muss die Bundesregierung ihren Einfluss nutzen. Geld aus dem staatlichen Rettungstopf dürfen die Banken nur dann erhalten, wenn sie auch ihrer gesamtwirtschaftlichen Aufgabe nachkommen und den Mittelstand ausreichend mit Kredit versorgen“, fordert der Mittelstandspräsident. Es könne auch nicht sein, dass der Staat auf der einen Seite den Unternehmen einen Rettungsschirm aufspannt – und auf der anderen Seite den gleichen Unternehmen durch eine völlig überzogene Steuerpolitik Liquidität entzieht. „Die Stichworte hierzu heißen Zinsschranke, vorgezogene Abführung von Sozialabgaben, Beschränkung der Verlustverrechnung und so fort. Handlungsbedarf gibt es auch bei der Mehrwertsteuer. Weil diese bereits bei der Rechnungslegung fällig wird, geben die Unternehmen dem Staat einen zinslosen Kredit in Milliardenhöhe“, kritisiert Ohoven. Ein weiterer Punkt wäre die Senkung der Mehrwertsteuer zur Ankurbelung der Binnennachfrage. Von einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz würden vor allem Handel und Handwerk profitieren. Hier habe die Europäische Union Deutschland in Zugzwang gesetzt.