Wie wir mit dem Internet der Dinge unsere Wirtschaft umkrempeln und die Exportwirtschaft stützen

Internet der DingeEine Bewertung des Internets der Dinge hat das International Research Forum der SAP vorgenommen. Das berichtet die Computer Zeitung: Das Web verbindet heute virtuell Menschen und Orte – in Zukunft wird es auch Objekte miteinbeziehen und damit präzise reflektieren, was in der physikalischen Welt vor sich geht“ , schildert Professor Lutz Heuser, Leiter SAP Research, den Trend. „Dinge, die durch Sensorik eine gewisse Intelligenz besitzen, sagen uns, wer und wo sie sind, wozu sie dienen und was sich gerade in ihrer Umgebung abspielt“. Die Verwertung dieser Informationen öffne den Weg in die webbasierte Wirtschaft: „Das Internet der Dinge wird Auswirkungen haben auf viele traditionelle Wirtschaftsbereiche wie Handel, Fertigung und Logistik“, prognostiziert der SAP-Forscher.

RFIDIn Kombination mit der RFID-Funktechnologie bekommen Informationssysteme „Augen“ und „Ohren“ und damit die Fähigkeit zur kostengünstigen Messung ihrer Umwelt. Sie haben das Potenzial, den Medienbruch zwischen physischen Prozessen und deren Informationsverarbeitung zu vermeiden. Sie ermöglichen eine vollautomatisierbare Maschine-Maschine-Beziehung. „RFID-Minicomputer“ übernehmen die Aufgaben eines Mediators zwischen realer und virtueller Welt. Physische Ressourcen wie Schachteln, Paletten, Lagerplätze, Regale und einzelne Produkte können ohne menschliche Eingriffe über die unternehmensinternen und externen Rechnernetze kommunizieren.

Matthias Harsch, Mitglied der Bizerba-Geschäftsführung, erklärt eine mögliche Anwendung des Systems: „In der Produktion werden Kisten meist sortenrein mit jeweils einer Artikelgruppe befüllt. Damit sie während der Kommissionierung auch bei chaotischer Reihenfolge entsprechend des Produktionsauftrags auf die richtige Wäge- und Auszeichnungslinie gelangen, werden Transponder an die Kisten angebracht. Ein RFID-Reader liest die Artikelnummern aus und veranlasst die richtige Weichenstellung“.

Anschließend werden die Kisten verwogen. Der GLP-Drucker erhält vom Host die variablen Daten und kann die aufzubringenden RFID-Etiketten sofort ausdrucken und codieren. „Die Kisten gelangen somit sortenrein ins Tiefkühllager oder zur Kommissionierung. Das Smart-Label an jeder Kiste rationalisiert die weitere Logistik enorm“, ist sich Harsch sicher. „Das semantische Produktgedächtnis wird die Killeranwendung in Industriebereichen wie der Fertigung sein“, prognostiziert Professor Wolfgang Wahlster, Chef des deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Wahlster ist davon überzeugt, dass es mit dem Internet der Dinge gelingen könne, „die deutsche Industrie weiterhin im Rennen um den Titel des Exportweltmeisters im Spitzenfeld zu halten – das zieht sich von der Automatisierungs- und Automobil-Branche über die Logistik- bis zur Energiewirtschaft“.

Vom Nutzen des Internets der Dinge ist auch Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieters Aastra, überzeugt. „Direkte Kommunikation zwischen Geräten über das Internet, sogenannte Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M), wird heute nicht nur in der Gebäudetechnik, sondern auch im Flottenmanagement, im Transportwesen, in der Sicherheitstechnik oder in Verkaufsautomaten eingesetzt. Nach Schätzungen von Harbor Research wurden 2008 schon weltweit 73 Millionen vernetzte Geräte für M2M verkauft und 2013 werden es bereits 430 Millionen Geräte sein“, weiß Latzel.

Erst wenn Geräte eine höhere Intelligenz bekommen, seien wirkliche Systemsprünge möglich, so Trendforscher Lars Thomsen auf dem Mehrwertforum der Deutschen Telekom in Berlin. „Wir stehen jetzt gerade am Anfang eines solchen Prozesses. Während in den vergangenen Jahren wir Menschen uns auf die Systeme einstellen mussten, stellen sich nun die Maschinen auf uns ein. Dies wird die Art, wie wir kommunizieren, lernen und unsere Talente und Wissen teilen können noch einmal massiv verändern“, sagte Thomsen.

Der Geist in der Maschine: Über digitale Assistenzsysteme

dsc_00031Fast 96 Milliarden Anfragen tippten Internetnutzer allein im Februar in die Suchfelder von Google und Co. Ein Jahr zuvor waren 67 Milliarden. Zu diesem Befund gelangte der Informationsprovider Comscore. Das ständige Senden, Beantworten und Weiterleiten von teilweise völlig belanglosen Informationen wird von Kulturkritikern mittlerweile als semantische Umweltverschmutzung bezeichnet. Etwa 50-mal pro Tag öffnet ein typischer „Informationsarbeiter“ sein E-Mail-Fenster, 77-mal wendet er sich dem Instant-Messaging-Programm für den schnellen Versand von Nachrichten zu, nebenbei werden noch etwa 40 Web-Sites besucht. So hat es die US-Beratungsfirma RescueTime auf Basis von 40.000 Nutzerprofilen in der Berufswelt untersucht.

Herman Maurer, Professor für Informatik an der Technischen Universität Graz, lässt sich von solchen Schreckenszenarien nicht beeindrucken. „Lange vor dem Jahr 2100 werden alle Menschen jederzeit und an jedem Ort auf alles Wissen der Menschheit zugreifen können, ähnlich wie wir das heute bei materiellen Gütern können. Dieser Zugriff wird mit Geräten erfolgen, die stark mit den Menschen integriert sind, und wird sich auf Wissen beziehen das entweder aus Datenbanken kommt oder aus Dialogen mit Experten entsteht. Das Gehirn des Einzelmenschen wird nur noch ein vergleichsweise winziger Bestandteil eines gewaltigen Wissensvorrates sein, der durch die Vernetzung aus Milliarden von Menschenhirnen und Datenbanken entsteht“, prognostiziert Maurer.

Skeptiker, die vor einer nicht beherrschbaren Informationsüberflutung warnen, werden bald verstummen: „Am Horizont zeichnet sich bereits ab, dass die Informationslawine allmählich gebändigt und strukturiert werden wird zu sinnvollen, verlässlichen und auf die Person maßgeschneiderte Wissenseinheiten. Das wird geschehen über die stärkere Verwendung von Metadaten, von intelligenten Agenten, von vertikalen Suchmaschinen, wo Fachleute Informationen gefiltert und kombiniert haben, von Gigaportalen für die verschiedensten Anwendungsbereiche, von aktiven Dokumenten, die von sich aus antworten geben können“, so Maurer. Bei der Wissensvernetzung und dem Wissensmanagement sei es erforderlicht, Wissen jederzeit und an jedem Ort verfügbar zu machen.

„Ich habe schon vor vielen Jahren den allgegenwärtigen Computer prognostiziert: nicht viel größer als eine Kreditkarte, weitaus mächtiger als die heutigen schnellsten Computer, mit hoher Übertragsgeschwindigkeit an weltweite Computernetze mit allen ihren Informationen und Diensten angehängt, in sich vereinigend die Eigenschaften eines Computers, eines Bildtelefons, eines Radio- und Fernsehgerätes, eines Video- und Fotoapparates, eines Global Positioning Systems (GPS), einsetzbar und unverzichtbar als Zahlungsmittel, notwendig als Führer in fremden Gegenden und Städten, unentbehrlich als Auskunfts- , Buchungs- und Kommunikationsgerät“, erläutert Maurer. Die allgegenwärtigen Computer werden stärker mit dem Menschen selbst verbunden. „Die Miniaturisierung von sehr mächtigen Computern wird so weit gehen, dass man sie in das Loch in einem Zahn wird einpflanzen können“, so Maurer weiter.

Die Cyborg-Visionen von Maurer erscheinen vielleicht utopisch. Einen Evolutionssprung versprechen sich Internetexperten nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) zumindest von Fortschritten in der Entwicklung semantischer Technologien – landläufig auch als Web 3.0 bezeichnet. Plumb agierende Computer sollen verstehen, was für Inhalte sie hin und her verschieben oder gespeichert haben. „Erst dann werden Nutzer auf ihre Fragen tatsächliche Antworten erhalten und nicht nur eine mehr oder weniger passende Aufreihung von Weblinks“, so die FTD. Das Ziel von Google ist eine Suchmaschine, mit der man sich normal unterhalten kann und die dabei aus dem gesamten Wissen der Welt schöpft. Eine ähnliche Zielsetzung verfolgt auch das derzeitig größte deutsche IT-Forschungsprojekt mit dem Namen THESEUS, benannt nach dem attischen Helden und angeblichen Ur-Vater der Demokratie. Für den Dialog zwischen Mensch und Maschine will THESEUS multimodale Benutzeroberflächen entwickeln, die durch Sprache und Gestik bedient werden können. Anfragen könnte man dann intuitiv formulieren und im Dialog mit dem System verfeinern. Ein semantischer Mediator fungiert im Computer als Schnittstelle zwischen der Benutzeroberfläche und den verschiedenen Metadatenquellen. Er wandelt eine gesprochene Anfrage in einen semantisch korrekten Datensatz um, der für eine Suche nötig ist.

Die Stimmen- und Gestenerkennung in der Google Mobile-Anwendung ist nach Ansicht des Sprachdialogexperten Lupo Pape schon ein vielversprechender Ansatz: „Es ist erst einmal eine Sprach- oder Diktiererkennung, die auf einer Suchmaschine und demnächst sogar auf weiteren Handyfunktionen aufsetzt. Sprachdialogsysteme werden es erst, wenn ein Wissen über die Domäne und Dialogintelligenz hinzukommen. Das ist das, was wir mit dem Personal Assistant umsetzen. Dazu müssen die Wissensgebiete semantisch aufbereitet und Dialogstrategien hinterlegt werden. Die wichtigsten Use-Cases gilt es zu modellieren“, erläutert SemanticEdge-Geschäftsführer Pape.

Einen Ausblick wagt auch Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums in Münchnen und CIO des Balinger Technologiespezialisten Bizerba: „In 20 bis 30 Jahren könnten beispielsweise vollständige Unternehmensinformationen auf winzigen Implantaten gespeichert werden. Sie könnten von unterschiedlichen Endgeräten ausgelesen werden, entweder von großen Touchscreens oder unterwegs per Sprachsteuerung über ein Armband mit Minidisplay.“

160px-l-waage5Selbst das Markenzeichen seiner Firma, die allseits aus dem Lebensmitteleinzelhandel bekannten Waagen, haben nur noch wenig mit der von Philipp Matthäus Hahn im 18. Jahrhundert erfundene „Wand-Neigungswaage“ zu tun.

Die neuesten Bizerba-Geschäftswaagen sind die wiegenden und druckenden Endstationen der Computernetze. Die jüngste Generation verlangt nicht einmal mehr einen Tastendruck, sondern kann dank optischer Bildverarbeitung Äpfel und Birnen selbst unterscheiden. Und wenn es gilt, Tomaten mit und ohne Stiel vom Strauch zu unterscheiden, dann fragt so eine Waage eben beim Kunden mit knapper Menüauswahl zurück. Auch die altehrwürdige Wägetechnik fungiert nunmehr als digitaler Einkaufsberater. So zeigt das Kundendisplay den Namen der Verkäuferin, aktuelle Kaufangebote, informiert über Nährwerte, Zusatzstoffe, Herkunft, Allergene, vermittelt Empfehlungen für die korrekte Lagerung der Lebensmittel, macht Rezept- und Menüvorschläge.

Hightech-Waage
Hightech-Waage

Google-Killer oder: Wer Antworten will, braucht auch Fragen

Auch die NZZ hat sich mit dem vermeintlichen Google-Killer beschäftigt, der zur Zeit über Blogs kräftig ins Rampenlicht gerückt wird. „Derjenige, der da Google übertrumpfen und mittels künstlicher Intelligenz allem Unwissen den Garaus machen will, wurde als wissenschaftliches Wunderkind bekannt, hat sich an den besten Universitäten hervorgetan und hat als Programmierer eine technisch komplexe, kommerziell erfolgreiche Software geschaffen. Es ist der Ruhm des britischen Physikers Stephen Wolfram, der dieser Tage unzählige Online-Journalisten und Blogger dazu bringt, die Begriffe Google-Killer, neuartige Suchmaschine, künstliche Intelligenz wieder einmal in einem Satz zusammenzubringen“, so die NZZ. Ob Wolfram-Alpha halten kann, was Blogger vermuten, steht auf einem anderen Blatt. Der Suchmschinen-Genius selbst beschreibt die neue Suchmaschine als „computational knowledge system“, als Wissensberechnungsmaschine. „Ausserhalb von Wolfram Research, der Firma, die Mathematica und Alpha entwickelt, hat bis jetzt nur ein einziger Mensch – Nova Spivack – die neue Suchmaschine ausprobieren können“, schreibt die NZZ. Das ist doch ein kluger PR-Schachzug. Spivack ist so euphorisch, als sei eben gerade eine neue bewusstseinserweiternde Droge entdeckt worden: Wolfram Alpha sei nicht eine Suchmaschine, sondern eine Antwort-Maschine. Das ist aber keine Sensation. Denn auch KI-Forscher wie Professor Wolfgang Wahlster vom DFKI oder das Fraunhofer Institut drehen an dieser Schraube. Darüber habe ich schon mehrfach berichtet. Und auch die Semantic Web-Experten von Google verweilen nicht im Tiefschlaf. Mit Mike Cohen, seinen früheren Nuance-Mitarbeitern, Franz Och und vielen anderen Spezialisten hat Google einige gute Leute an Bord.

Schon jetzt sei Google gar nicht so schlecht, meint die NZZ. Auch diese Suchmaschine kann schwierige Fragen mit wenigen Ziffern beantworten. Füttert man Google beispielsweise mit der Frage aller Fragen, der allerletzten Frage, und schreibt: ‚The answer to life, the universe and everything‘, erhält man als Antwort: ’42‘. Wie man beim englischen Science-Fiction-Autor Douglas Adams nachlesen kann, ist diese Antwort korrekt, dies sei tatsächlich die allerletzte Antwort“. Allerdings gerate in Vergessenheit, welches die dazu passende allerletzte Frage war. So werde man dann halt vielleicht Wolframs Answer Machine eine Frage-Maschine zur Seite stellen müssen, orakelt die NZZ und hat nicht ganz Unrecht. Siehe auch meinen Blog-Beitrag vor ein paar Tagen.

Antwortmaschine als Google-Killer? Aufregung in der Blogosphäre

Eine neue Suchmaschine versetzt angeblich die Blogosphäre in Aufregung. Das berichtet die Financial Times Deutschland. Der Wissenschaftler Stephen Wolfram soll einen „Google-Killer“ entwickelt haben. „Doch den glaubten vor ihm schon viele erfunden zu haben“, so die FTD.

„Da schreibt Nova Spivack, Suchmaschinenexperte aus San Francisco, einen begeisterten Blogeintrag über Professor Wolframs neueste Entwicklung. Über eine Suchmaschine, die angeblich spezifische, sachbezogene Fragen viel präziser beantworten kann als jede andere Suchmaschine“, berichtet die FTD.

Sein Dienst könnte nach Meinung von Suchmaschinenexperten nicht nur sehr nützlich, sondern im Internet auch einflussreich werden. „Aber ein Google ist Wolfram Alpha deswegen noch nicht, auch wenn Spivack seinen Blogeintrag vollmundig mit ‚Wolfram Alpha kommt – und es könnte so wichtig wie Google sein‘ überschreibt. Was genau kommt, wird die Welt erst im Mai wissen, wenn die Website an den Start geht“, führt die FTD weiter aus.

Das Rätsel ist auch schnell entlüftet, denn das Ganze soll als Antwortmaschine funktionieren – läuft also auf den Pfaden von semantischen Technologien. Sie wird, anders als Google, auf eine Suchanfrage nicht einfach Links auflisten, die eine Antwort auf die Frage des Nutzers enthalten könnten. Stattdessen analysiert die Technologie Fragen, auf die es sachbezogene Antworten gibt – und liefert diese. Sie soll eine große Auswahl in „natürlicher“ Sprache gestellter Fragen beantworten können, schreibt Spivack, der vergangene Woche zwei Stunden mit Wolfram gesprochen hat und sich dessen Onlineservice vorführen ließ. Ja toll. Konzepte für die so genannte Antwortmaschine werden an vielen Stellen zur Zeit entwickelt. In Deutschland arbeitet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz am Web 3.0-Standard. Mit dem von der Bundesregierung geförderten Projekt Theseus soll die Marktreife erreicht werden. Auch bei Google. Ich habe darüber schon mehrfach berichtet. So einfach lassen sich die Google-Forscher nicht die Butter vom Brot nehmen. Bei der Sprachsteuerung sind die Jungs nur schwer zu toppen. Weiteres hier.