Strategien für die Suche und Bindung fähiger Mitarbeiter

Es gibt kaum ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren nicht umgebaut, ausgedünnt oder im großem Stil entlassen hat. Der turbulente Übergang zur Wissensökonomie hat die wirtschaftliche Landschaft in eine gigantische Baustelle verwandelt; Akquisitionen, Aufspaltungen und Verkäufe, Wechsel im Chefsessel und Kurskorrekturen sind an der Tagesordnung. Gleichzeitig hat sich die Lage am Personalmarkt aber gründlich verändert. „Statt Arbeitslosigkeit beginnt nun die Arbeiterlosigkeit zu drücken; die verzweifelte Suche nach guten und noch besseren Leuten bestimmt die interne Politik eines Unternehmens, denn die Unternehmenswerte richten sich immer mehr nach der Kreativität und Innovationsfähigkeit seiner Mitarbeiter“, so die Marktanalyse von Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung http://www.kirchconsult.de in Köln. Der ungeheure Bedarf an komplexem Wissen gebe dem Bewerber am Arbeitsmarkt eine gewaltige Macht. „Viele junge Talente sehen in den verschiedenen Formen der Selbstständigkeit inzwischen eine klare Alternative zu den Bindungen eines Angestellten-Jobs. Der Mitarbeiter von heute ist ein ‚moderner Söldner‘ für den die Aufgabe wichtig ist, nicht das Unternehmen“, weiß Emde.

Um Leistungsträger zu halten, böten Unternehmen ihren Arbeitnehmern Anreize durch Nebenleistungen, so genannte Fringe-Benefits: Gesundheits- und Kinderbetreuungsprogramme, Dienstwagen, Altersvorsorge und Rentenverträge oder Fortbildungen. Gute Rahmen- und Arbeitsbedingungen könnten schlummernde Potenziale wecken. Nur so könne man auch Abwanderungstendenzen entgegenwirken. Die Unternehmen müssten ihre spezielle Arbeitskultur stärker vermarkten. „In den Unternehmenskulturen der Zukunft wird sich eine neue Teilhabe-Kultur etablieren. Die Bindungen und Loyalitäten werden offener und individueller. Das heißt aber auch: Unternehmen werden die unvermeidlichen Risiken der Wirtschaftswelt, aber auch die Chancen, mit den Mitarbeitern teilen. Dazu gehören dann Bonusausschüttungen an die Mitarbeiter, Aktien, immaterielle Benefits, wie zum Beispiel Zeit oder Weiterbildungsgratifikationen“, betont Personalexperte Emde. Die Direktansprache attraktiver Bewerber sollte ebenfalls in eine jede Unternehmensphilosophie aufgenommen werden; viele Unternehmen spüren zwar, dass das klassische Instrument der Stellenanzeige immer weniger dazu geeignet sei, an die gewünschten Kandidaten heranzukommen. „Doch die Macht der Gewohnheit ist oft stärker. Mitunter schalten Unternehmen bis zu drei Mal eine Anzeige und wenden dafür mehrere zehntausend Euro auf. Diese Unternehmen wissen es oftmals einfach nicht besser. Executive Search muss zur Königsdisziplin erhoben werden“, fordert der Kölner Unternehmer.

Die Kirch Personalberatung beschäftige Experten, die diese Direktansprache der gewünschten Fachkräfte übernehmen und eine Liste geeigneter und wechselwilliger Kandidaten mit den entsprechenden Lebensläufen an ihre Auftraggeber liefern. „Die Personalabteilung des jeweiligen Unternehmens übernimmt dann die klassischen nachgelagerten Prozesse wie Telefoninterviews und Bewerbungsgespräche. Das von mir geführte Unternehmen übernimmt sozusagen die Funktion eines Filters und liefert die besten Kandidaten für eine Stelle. Das suchende Unternehmen muss sich dann nur noch zwischen den Besten entscheiden und hat nicht das Problem, dass es mit vielen ungeeigneten Kandidaten Kosten, Zeit und Mühe vertut“, erklärt Emde. Auslandsstudium, extracurriculare Aktivitäten, anspruchsvolle Praktika, kurze Studiendauer, ein Doppeldiplom – es gebe viele Schlagworte, die den Wunsch-Arbeitnehmer von morgen definieren und zur gleichen Zeit dem Studenten von heute und damit den nächsten Berufsanfängern, Schweißperlen auf die Stirn treiben. Der einst von der Unternehmensberatung McKinsey betitelte „War for Talents“ habe sich für die Berufseinsteiger und Studenten längst in einen „War of Talents“ verwandelt. Der globale Wettbewerbsdruck steige stetig.

„Im ‚War for Talents‘ spielt das Internet eine signifikante Rolle zur Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter. Eine gute Unternehmensdarstellung, die Bereitstellung der nötigen Informationen über Stellenausschreibung und Bewerbungsverfahren, eine Unternehmenspositionierung und der Wiedererkennungswert sind die wichtigsten Voraussetzungen einer jeden Personalwebsite. Dem Unternehmensimage und der Publizität kommt ein guter Internetauftritt nebenbei auch noch zugute. Mit der gezielten Bewerberansprache per Website können Bewerbungen direkt ausgelöst und Fehlbewerbungen minimiert werden“, führt Emde weiter aus.

Karriereportale im Internet böten aber auch karriereorientierten Fach- und Führungskräften sowie suchenden Unternehmen einen Treffpunkt: Suchende und Unternehmen können dort Branchenfokussierung und Kompetenz erwarten. Interessierte Karrieresuchende hätten die Möglichkeit, ihre Karrierewünsche und Stammdaten abzulegen. „Personalberater setzen sich mit den Karrieresuchenden anschließend in Verbindung und bieten ihnen zusätzliche Assessment Module an, die ihre Kompetenz in den Bereichen Führung, Sales, Service und Leistungsmotivation dokumentieren. Dahinter stehen psychologische Testverfahren, die bereits seit Jahren im Executive Search eingesetzt werden. Diese wertvollen Informationen und Erkenntnisse über die Kompetenzen des Bewerbers helfen dann nicht nur diesem, sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen – auch dem Unternehmen fällt die Einstellungsentscheidung leichter“, resümiert Emde. Auf herkömmlichem Wege dauere die Rekrutierung und Stellenbesetzung viel zu lange. Daher habe die Kirch Personalberatung ein webgestütztes Rekrutierungsportal namens Concludis http://www.concludis.de entwickelt.

Helmut, Boris und die Saunafreundschaften: Was Deutsche über Russen denken

Das deutsch-russische Verhältnis war immer ein ganz besonderes. Helmut Kohl und Boris Jelzin verband eine Art „Saunafreundschaft“, und Wladimir Putin und Gerhard Schröder gaben sich nach außen hin auch immer als ein Herz und eine Seele. Doch wie sieht es hinter der offiziellen Fassade aus? Das Russlandbild der Deutschen ist stark geprägt von Vorurteilen, behauptet eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa http://www.forsa.de, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Demnach gelten die Russen bei den Deutschen vor allem als trinkfest (90 Prozent), gastfreundlich (88 Prozent) und tapfer (78 Prozent). Russland selbst werde vor allem als „weites Land“ mit „sozialer Ungleichheit“ und einem hohen Machtbewusstsein gesehen, so die Berliner Morgenpost http://www.morgenpost.de über die Studienergebnisse. Die Studie wurde anlässlich der Ausstellung „Unsere Russen – Unsere Deutschen. Bilder vom Anderen. 1800 bis 2000“ erstellt, die im Schloss Charlottenburg eröffnet wurde. „Die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Realität ändert sich oft schneller als langlebige Klischees“, sagt Russlandkenner Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. Es sei bedauerlich, dass auch über die ökonomische Situation in der ehemaligen Weltmacht so wenig und oft so einseitig berichtet würde.

Streit um klebrige Brötchentüten – Abfallexperte Bilitewski: Verpackungen verschmutzen die Papiertonnen und erhöhen die kommunalen Entsorgungskosten

Pünktlich zu den Bundesratsberatungen über die Novelle der Verpackungsverordnung meldet sich der Kölner Grüne Punkt-Müllkonzern Duales System Deutschland (DSD) mit einer Pressemitteilung zu Wort und verkündet, dass Verkaufsverpackungen aus Papier, Pappe und Karton (PPK) eine unverzichtbare Rohstoffquelle für die deutsche Papierindustrie darstellen würden. Allein 2006 sollen fast eine Million Tonnen Verpackungen aus Papier und Karton recycelt worden sein. Altpapier sei nach Angaben des DSD der weitaus wichtigste Rohstoff in der Papierherstellung. Getrennt gesammelte Verpackungen aus Papier seien damit eine bedeutende Rohstoffquelle: „Für den Restmüll ist die Brötchentüte viel zu schade“, meint Stefan Schreiter, Vorsitzender der DSD-Geschäftsführung. Genau das bestreitet das Lebensmittelhandwerk. „Es ist unverhältnismäßig, die Betriebe in dieses System zu zwingen. Diese Verpackungen enthalten meist Lebensmittelreste, deshalb werden sie vom Kunden zuhause im Restmüll entsorgt. Warum soll der Verbraucher für die Entsorgung nun doppelt zahlen“, fragt sich Edgar Hummelsheim, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern. Abfallexperten zweifeln generell am Sinn der Mischerfassung. PPK-Verpackungen werden in der Regel gemeinsam mit Druckerzeugnissen über die kommunale Altpapiersammlung erfasst.  

„Die Kosten der so organisierten Altpapierentsorgung der Haushalte werden dabei nach einer 25/75-Prozent-Regel aufgeteilt: Für 25 Prozent der PPK-Erfassungsmenge des Grünen Punktes erhält der Entsorger als Vertragspartner des DSD ein Leistungsentgelt, das sich im wesentlichen nach gesammelter Menge pro Einwohner und Jahr ausrichtet. Für die übrigen 75 Prozent des Altpapiers, in der Regel Zeitungen und Zeitschriften, wird der Entsorger durch die Kommunen bezahlt“, weiß Professor Bernd Bilitewski von der TU-Dresden. Das Ganze sei nach seiner Auffassung ein ziemlich unsinniges Unterfangen: „Die Kosten der Erfassung und Sortierung von PPK-Verpackungen des Grünen Punktes liegen dreimal so hoch wie die vergleichbaren Kosten von graphischem Altpaier. Dennoch bezahlt der Bürger in der Regel über die Abfallgebühr 75 Prozent der Kosten für die gesamte Altpapiererfassung. Damit werden die Verpackungen des DSD durch die Gebührenhaushalte subventioniert“, kritisiert Bilitewski. Durch die Verschmutzung bei der Sammlung von DSD-Verpackungen und durch das größere Volumen erhöhten sich unverhältnismäßig die Kosten der Altpapiersammlung. Eine reine Erfassung und Sortierung von Zeitungen und Zeitschriften würde die Kommunen wesentlich weniger belasten.

„Die Kosten der so organisierten Altpapierentsorgung der Haushalte werden dabei nach einer 25/75-Prozent-Regel aufgeteilt: Für 25 Prozent der PPK-Erfassungsmenge des Grünen Punktes erhält der Entsorger als Vertragspartner des DSD ein Leistungsentgelt, das sich im wesentlichen nach gesammelter Menge pro Einwohner und Jahr ausrichtet. Für die übrigen 75 Prozent des Altpapiers, in der Regel Zeitungen und Zeitschriften, wird der Entsorger durch die Kommunen bezahlt“, weiß Professor Bernd Bilitewski von der TU-Dresden. Das Ganze sei nach seiner Auffassung ein ziemlich unsinniges Unterfangen: „Die Kosten der Erfassung und Sortierung von PPK-Verpackungen des Grünen Punktes liegen dreimal so hoch wie die vergleichbaren Kosten von graphischem Altpapier. Dennoch bezahlt der Bürger in der Regel über die Abfallgebühr 75 Prozent der Kosten für die gesamte Altpapiererfassung. Damit werden die Verpackungen des DSD durch die Gebührenhaushalte subventioniert“, kritisiert Bilitewski. Durch die Verschmutzung bei der Sammlung von DSD-Verpackungen und durch das größere Volumen erhöhten sich unverhältnismäßig die Kosten der Altpapiersammlung. Eine reine Erfassung und Sortierung von Zeitungen und Zeitschriften würde die Kommunen wesentlich weniger belasten.

 

Allzeithoch: Downloadumsatz klettert auf Rekordmarke – Aber Onlineshops könnten schon etwas komfortabler werden

Das Weihnachtsgeschäft hat gerade erst begonnen und wird sicher noch einmal einen kräftigen Zuwachs bringen, aber schon heute steht fest, dass die Zahl der legalen Downloads in Deutschland 2007 eine Rekordmarke erklommen hat. Ob Musik, Hörbücher, Videos, Spiele oder Software – der Umsatz mit legalen Downloads auf PCs kletterte in den ersten drei Quartalen auf 118 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wird ein Allzeithoch von 168 Millionen Euro erwartet, der Umsatz wächst damit im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel. Das ist das Ergebnis einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) http://www.gfk.de im Auftrag des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) http://www.bitkom.de. „Zugpferd bei den Downloads bleibt die Musik. Gleichzeitig gewinnen andere Segmente wie Software oder Spiele an Bedeutung“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer in Berlin. Von den 168 Millionen Euro Gesamtumsatz in 2007 entfallen etwa 60 Millionen Euro auf Musik.  Doch nicht nur die Umsätze wachsen, sondern auch die abgesetzten Einheiten. In den ersten drei Quartalen 2007 wurde bereits 28,9 Millionen Musik-Dateien, Hörbücher, Videos, Spiele und Software-Produkte legal auf PCs in Deutschland heruntergeladen. Für das Gesamtjahr rechnet der Bitkom mit 41 Millionen Downloads, 2006 waren es 31 Millionen – ein Plus von 32 Prozent. Die Nachfrage geht dabei vor allem auf Männer zurück. Sie sind für rund zwei Drittel aller legalen Downloads verantwortlich. Ähnlich deutlich ist das Bild beim Alter. 45 Prozent der Kunden kommen aus der Gruppe der Unter-30-Jährigen. Dennoch seien Downloads kein reines Jugendphänomen mehr, so der Bitkom. Über ein Viertel aller Käufer (27 Prozent) ist heute 40 Jahre und älter. Wachstum gibt es hier insbesondere in der Gruppe der Über-50-Jährigen.  Unabhängig von den Downloads gilt bei den Zahlungsmethoden das traditionelle Lastschriftverfahren als das meist genutzte. 38 Prozent der Deutschen haben beim Online-Shopping schon einmal einen Betrag auf diese Weise beglichen. Danach folgen Rechnung (29 Prozent), Kreditkarte (20 Prozent) und Nachnahme (17 Prozent). Spezielle Online-Zahlungssysteme wie Paypal oder T-Pay vervollständigen die Top 5. Sie wurden bereits von 11 Prozent der Deutschen beim Einkaufen im Internet verwendet. „Kunden bevorzugen Dienste, die leicht zu bedienen sind. Sie wollen vor allem im Internet einfache und vertraute Zahlungsmethoden. Weil die Lastschrift den meisten bekannt ist und sicher scheint, liegt diese klar vorn“, sagt Axel Schnell, Chief Executive Officer des ITK-Systemintegrators Nextiraone http://www.nextiraone.de. „Eine problemlose und einfache Zahlungsabwicklung, aber auch mehrere Bezahlmöglichkeiten zur Auswahl, tragen darüber hinaus auch zur Kundenzufriedenheit bei“, meint Schnell.  Benutzerfreundlichkeit und Bedienungskomfort seien für den Erfolg eines Online-Shops unverzichtbar. Zur Servicequalität trägt für viele Experten auch die telefonische Erreichbarkehit eines Shops bei. Eine Service-Oase in punkto Erreichbarkeit hat der amerikanische Bekleidungsversandhandel Landsend http://www.landsend.de geschaffen, dessen Service- und Bestell-Hotline für den Anrufer nicht nur kostenfrei und jederzeit erreichbar ist, sondern auch ohne vorgegebenes Zeitbudget für die einzelnen Call Center Agents. „Call Center, reibungslose Bezahlsysteme, eine intelligente Multichannel-Strategie und ein personalisiertes After Sales-Management sind entscheidend für den Erfolg im E-Commerce und wichtige Faktoren der Service-Ökonomie. Wenn hier etwas schief läuft, wirkt sich das negativ auf die gesamte Wertschöpfungskette aus“, so die Markterfahrung von Michael Müller, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o http://www.aogroup.de.

Jackpot-Hysterie, Spielsucht und die Lotto-Steuer zu Lasten der Einkommensschwachen

Der Ansturm auf die bundesweit 24.500 Lottoläden kennt keine Grenzen. „Am vergangenen Samstag wurden rund 151,5 Millionen Euro eingesetzt – gut 90 Millionen Euro mehr als bei einer normalen Samstagsziehung. Mit der Rekordsumme von 43 Millionen Euro im Jackpot wird diese Zahl am Mittwoch sicherlich noch einmal deutlich übertroffen. Das zur Zeit geschürte Spektakel ist allerdings ein zweifelhaftes Geschäft: Zu diesem Eindruck kommt man nach der Lektüre der Lotto-Studie des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de. Aus der Perspektive der Finanzminister der Bundesländer ist Lotto nichts anderes als eine Steuer“, kritisiert Helmut Sürtenich, Vorstandschef der Düsseldorfer Top-Wetten AG http://www.top-wetten-ag.de, im Gespräch mit pressetext.  Die Untersuchungen der Gesellschaftsforscher belegen, dass die Lotto-Abgabe überproportional ärmere Bürger trifft. Rund 40 Prozent der Lottoeinsätze kassieren die Landesregierungen. Zehn Prozent verbrauchen die Lottoverwaltungen. Nur knapp die Hälfte fließt zurück an die Tipper. Bewiesen ist auch die Tatsache, dass Bezieher hoher Einkommen einen niedrigeren Anteil für Lottolose ausgeben als Bezieher geringerer Einkommen: Lotto wirke nach Auffassung des Max-Planck-Instituts wie eine regressive Besteuerung.  Basierend auf Studien in den Vereinigten Staaten und Kanada wüssten die Kölner Forscher, dass vor allem die untere Mittelschicht tippe. „Trotzdem profitieren diese Menschen nicht überproportional von der staatlichen Verwendung der Lottoeinnahmen. Die fließen nämlich entweder direkt in die Länderhaushalte oder an Lottostiftungen“, moniert Sürtenich.  Die Umverteilung von unten nach oben nehme die Politik gerne in Kauf, weil sie kaum wahrgenommen werde. Der Fachterminus heiße „painless tax”. „Das staatliche Monopol lebt von der Unwissenheit der Bürger. Mit dem Lotto-Jackpot wird regelrecht eine Wetthysterie erzeugt. Das steht im krassen Gegensatz zum pharisäerhaften Bekenntnis der Ministerpräsidenten, private Wetten wegen der Spielsucht zu verbieten“, meint Sürtenich. Befürchtungen, durch den Lotto-Hype könnten bisher vom Glücksspiel unberührte Menschen in eine Spielsucht getrieben werden, bestätigen Experten. „Ein so hoher Jackpot stellt grundsätzlich eine Verlockung dar“, sagt Peter Lang von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung http://www.bzga.de gegenüber Spiegel Online. Vor allem Lotto-Teilnehmer, die schon immer riskant gespielt hätten, würden vermutlich mehr Geld investieren als sonst. „Das funktioniert ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht.“

Studie: Fußball-EM sollte Mehrwegbecher einsetzen – Ökobilanz zerpflückt Bioplastik

Mehrwegbecher-Systeme sind Einweg-Lösungen ökologisch deutlich überlegen. Kompostierbare Einwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen schneiden nicht besser ab als herkömmliche Einwegbecher. Das zeigt eine von den Umweltministerien Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Auftrag gegebene vergleichende Ökobilanz für die Fußball-Europameisterschaft 2008. Auch unter ungünstigsten Annahmen sei ein Mehrweg-System jeder Einweg-Lösung ökologisch deutlich überlegen: „Selbst das beste Einwegszenario führt zu einer doppelt so hohen Umweltbelastung wie das ungünstigste Mehrweg-System. Wenn also ein Mehrweg-System gewählt wird, ist diese Lösung mit Sicherheit die ökologisch beste“, heißt es in der Studie. Die Untersuchungen würden zudem belegen, dass kompostierbare Einwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen ökologisch nicht besser abschneiden als herkömmliche Einwegbecher aus PET. Die Ökobilanz biete belastbare Ergebnisse für eine generelle Bewertung von biologisch-abbaubaren Verpackungen (BAW). Demnach sollten Hersteller und Interessenvertreter von Bioplastik nicht mehr damit werben, dass BAW-Verpackungen klimaneutral seien.  „Ich halte wenig von der Einschätzung, dass durch die Verwendung von biologisch abbaubaren Kunststoffverpackungen kein Treibhauseffekt entstehe und diese Verpackungen CO²-neutral seien. Um die tatsächliche Umweltbelastung einer Verpackung festzustellen, müssen alle relevanten Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebensweges vom Abbau der Rohstoffe – inklusive Hilfsstoffe und Energieträger, über die Transportwege bis hin zur Entsorgung betrachtet werden. Es dürfen also nicht nur einzelne Emissionen wie Kohlendioxid für einzelne Abschnitte des Lebensweges berechnet werden“, so Studienautor Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie Institut http://www.ecology.at im Interview mit dem Onlinemagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.  Die rohstoff- und energieintensive industrielle Agrarwirtschaft und Verpackungsherstellung sowie die von den BAW-Herstellern empfohlene Kompostierung seien Aktivitäten, die umweltschädliche Emissionen verursachen. „Aus meiner Sicht sind somit BAW-Verpackungen keinesfalls CO²-neutral. Die Diskussion über die Vor- und Nachteile einzelner Einwegverpackungen darf nicht auf dem Rücken von gut funktionierenden Mehrwegsystemen ausgeführt werden“, fordert Pladerer. Die Möglichkeit der Kompostierung bringe keine Umweltvorteile und sei in der Praxis nur schwer umsetzbar. „Die privaten und kommunalen Kompostwerke in Österreich, in Deutschland und in der Schweiz, die Kompost mit hoher Qualität herstellen, sind wenig begeistert von der Diskussion über ‚kompostierbare’ Kunststoffe. Ziel der Kompostierung ist der möglichst rasche und verlustarme Abbau der organischen Ursprungssubstanzen und gleichzeitig der Aufbau stabiler, pflanzenverträglicher Humussubstanzen. Dass ein Werkstoff biologisch abbaubar ist, bedeutet noch lange nicht, dass diese Umwandlung in einem Rotteprozess der technischen Kompostierung tatsächlich im gewünschten Ausmaß erfolgt“, erläutert Pladerer.  Es fehle an der Glaubwürdigkeit, dass biologisch abbaubare Kunststoffe auch kompostierfähig seien. „Zudem werden BAW-Verpackungen wie herkömmliche Kunststoffverpackungen von automatischen und mechanischen Sortierschritten erkannt und als Fremdstoff aussortiert. Dies gilt nicht nur für die Kompostierung, sondern auch für Biogasanlagen“, weiß Pladerer. Da bleibe nur die Müllverbrennungsanlage als einzige derzeit praktikable Entsorgungsschiene übrig. Aus ökologischer Sicht sei es daher nicht nachvollziehbar, dass die deutsche Bundesregierung über die Novelle der Verpackungsverordnung plant, biologisch abbaubare Verpackungen von Entsorgungspflichten und damit von den Kosten zu befreien.  

Die Werbebehauptung der Bioplastik-Industrie hält der Bonner Wirtschaftsanwalt Markus Mingers http://www.justus-online.de sogar für irreführend. „Es entsteht bei den Kunden der Eindruck, dass durch die Verwendung von biologisch-abbaubaren Verpackungen kein Treibhauseffekt entsteht und daher die Hersteller Angebote haben, mit denen kein Mitbewerber mithalten könne. Diese Werbung ist nach Art und Umfang geeignet, den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber spürbar zu verfälschen. Daher wären Mitbewerber befugt, eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung gegen die Hersteller von Bioplastik geltend zu machen“, resümiert Mingers.

Dialogsysteme, semantisches Web und das Ende der Google-Ära – Antwortmaschinen statt Linküberflutung

Der von Tim O’Reilly geprägte Begriff Web 2.0 hat sich zum Inbegriff des neuen Internet-Booms entwickelt. Nun arbeitet man an Konzepten für eine Weiterentwicklung. „Wenn wir über unseren Umgang mit Computern reden, verbinden wir das immer noch damit, vor einem Bildschirm zu sitzen und auf einer Tastatur zu tippen. Aber Computer werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Die offensichtliche Veränderung ist zunächst, dass auch mobile Endgeräte oder Mobiltelefone als Plattform dienen. Damit ist auch verbunden, dass Spracherkennung immer besser wird. Oder dass Fotoapparate mittlerweile mit GPS ausgestattet sind“, erklärt Tim O-Reilly. Wenn das Handy mit intelligenter Sprachtechnik ausgerüstet wird, könnte es sich nach Expertenmeinung zu einem sehr nützlichen persönlichen Assistenten entwickeln.

„Solche Visionen einer Antwortmaschine geistern seit einiger Zeit unter dem Schlagwort Web 3.0 beziehungsweise Semantic Web durch das Internet“, schreibt die Nachrichtenagentur ddp.

Dialogsysteme seien nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge, geeignet, den Zugriff auf das vernetzte Weltwissen zu verbessern:

„Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären sofort ‚er-googlen’ würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und der Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus”, so Pape.

Die fehlenden Bausteine dafür seien jetzt schon verfügbar, so dass es nur eine Frage der Zeit seit, bis sich die Menschen weltweit an dieses neue Interface gewöhnt haben.

„Die Spracherkennung im personalisierten Diktiermodus ist schon sehr ausgereift, die mobilen Datenzugriffe werden immer schneller und auch Flatrates im Mobilfunk werden vermutlich bald genauso verbreitet sein wie im DSL-Geschäft”, prognostiziert Pape.

Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen. „

Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‚Voicewebs’, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, so Pape.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Professor Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI):

„Das Web 2.0 ist ein primär syntaktisches Web mit Layout-, aber ohne Bedeutungsannotationen“, so Wahlster gegenüber ddp.

Das führe zu einer Informations- beziehungsweise Linküberflutung, da beispielsweise Textdokumente letztlich auf eine sinnfreie Kombination aus Buchstaben reduziert werden, Fotos und Videos sind nur Ansammlungen von verschiedenfarbigen Pixeln. Die semantische Wende aber führe zu einem hochpräzisen Antwortverhalten in einem Web, das Sinnzusammenhänge in den Mittelpunkt stellt.

„Wenn es also gelingt, die Semantik von Texten, Bildern, Gesten und künstlerischen Darbietungen durch standardisierte Begriffe so zu formalisieren, dass die so gewonnenen Daten maschinenlesbar sind, dann könnte die Vision der Antwortmaschine Realität werden. Eine Suchmaschine wie Google wäre dann überflüssig“, spekuliert ddp.

Das Web 3.0 eröffne nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Bonner Voice Days, eine Vielzahl neuer Anwendungen: „Für Call Center, für die Gemeinde der „Wissensarbeiter“ und natürlich für Endverbraucher, die sich auch ohne Computer ungehinderten Zugang zu den Informationen des Internets wünschen“, resümiert Steimel.

medienbüro.sohn/NeueNachricht/Festnetz ade: Europäer im Handyrausch

Europa ist mobil. Nach Angaben des Statistikamtes der Europäischen Union (EU) Eurostat http://ec.europa.eu/eurostat ist fast die gesamte EU-Bevölkerung rechnerisch mit einem Mobilfunkgerät ausgestattet. Demnach kommen auf 100 Einwohner in den 27 Mitgliedsländern 96 Handys. Mitgerechnet werden dabei Geräte mit Prepaidkarten. Laut Eurostat-Erhebung hatten im Jahr 2006 europaweit außerdem immerhin fast 20 Prozent aller Haushalte keinen Festnetzanschluss mehr und verfügten nur noch über ein Mobiltelefon – ein Trend, der sich auch in der Arbeitswelt abzeichnet. Smart-Phones, Laptops und Pocket-PCs sind aus dem mobilen Geschäftsalltag nicht mehr wegzudenken, die Anzahl der mobilen Endgeräte in Unternehmen steigt ständig.  In einem gemeinsamen Report erläutern Berlecon Research http://www.berlecon.de und die Fraunhofer-Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik ESK http://www.esk.fraunhofer.de, dass Unternehmen, die Mobility-Lösungen einsetzen oder deren Einsatz planen, diese nicht nur nach dem Funktionsumfang zur Synchronisation von Daten bewerten. Vielmehr sei auch zu prüfen, in welchem Maß die jeweilige Lösung den jeweiligen Anforderungen im Unternehmen an ein zentrales Gerätemanagement gerecht werde. „Gerade in größeren Unternehmen, in denen viele und teilweise sehr unterschiedliche Endgerätetypen oder -versionen im Einsatz sind, bindet das Management des Endgeräte-Pools enorme Ressourcen der Unternehmens-IT, die produktiver genutzt werden könnten“, sagt Berlecon Research Geschäftsführerin Nicole Dufft. Dabei sind die Vorteile des mobilen Arbeitens auch für die Unternehmen kaum mehr wegzudiskutieren: „Wer sein ‚Büro’ ständig dabei hat, kann auch entsprechend schnell auf Kundenwünsche reagieren“, erklärt Axel Schnell, Chief Operating Officer des ITK-Systemintegrators Nextiraone http://www.nextiraone.de, im Gespräch mit NeueNachricht http://www.ne-na.de.  „Durch das dichte Netz ist der Spezialist auch fast immer für den Kollegen greifbar, mit dem er in Echtzeit Probleme analysieren und schnell Lösungen erarbeiten kann.“ Mobil mit umfangreichen Echtzeitdaten versorgt zu sein, bedeute, direkt eine passende Lösung für ein Problem aufzeigen zu können, so Schnell. „Wenn man die Workflows quasi live bzw. mobil schon anstößt, wird dort Zeit gespart, wo man sie ohnehin nur schwer rechtfertigen kann, nämlich bei den Wartezyklen.“ Nach Auffassung des Nextiraone-Managers muss dabei den eigenen Unternehmens-Prozessen ein durchdachtes Konzept zu Grunde liegen, damit man auch Schwachstellen anderer analysieren und deren Abläufe verbessern kann. Nach Ansicht von Branchenexperten verlieren Unternehmen ohne eine IT-Infrastruktur für mobiles Arbeiten an Schlagkraft und Wettbewerbsfähigkeit. Auch eine Studie der Aberdeen Group http://www.aberdeen.com belegt, dass sich für viele Unternehmen der Einsatz so genannter Sales Force Automation (SFA) auszahlt, bei dem ein Verkäufer beispielsweise von unterwegs direkt Zugang zu den Unternehmensdaten wie Kundenkontaktinformation und Verkaufshistorie hat und so entsprechend beraten kann. Gemäß Aberdeen-Studie gaben 59 Prozent der befragten Unternehmen die Möglichkeit, in Echtzeit Verkäufe zu tätigen, als wichtigsten Grund für die SFA-Verwendung an.

Google auf dem Weg zum Voice-Web: Mobile Kommunikation und Spracherkennung als Bausteine für neue Services

„Google hat rund 30 verschiedene Produkte auf den Markt gebracht. Aber nur mit einem Produkt machen sie Gewinn“, lästerte Microsoft-Gründer Bill Gates nach einem Bericht der FAZ. Und in der Tat bringt vor allen Dingen der klassische Suchmaschinen-Dienst den höchsten Umsatz: Der wichtigste technologische Vorteil, durch den sich Google von potenziellen Konkurrenten abhebt, besteht darin, dass seine Angestellten sämtliche Personalcomputer, welche das Unternehmen für seine Suchaktionen benutzt, nach Maß zusammensetzen. Dies könnte das Geheimnis von Google sein. Experten betrachten Personalcomputer im Allgemeinen als Bedarfsartikel, vergleichbar mit Toastern, doch Google montiert über 100.000 billige PCs, setzt sie ein und verbessert dauernd ihre Leistungsfähigkeit. Es baut die Geräte, stapelt sie auf kühlschrankgroßen Regalen übereinander und verknüpft sie mit patentierter Software und Kabeln. Keine Gesellschaft verfügt über eine größere Rechenleistung als Google mit seinem Netzwerk gewöhnlicher, doch aufgemotzter PCs. In einem Zeitalter der hoch spezialisierten Arbeit montiert Google jeden PC seines mächtigen Netzwerks in sicheren Anlagen, die kein Außenseiter betreten darf, einschließlich der Besucher des Googleplex, die glauben, alles gesehen zu haben.  Diesen Vorsprung könne  Google nach Marktanalysen des Düsseldorfer Internetexperten Bernhard Steimel nutzen, um neue und lukrative Geschäftsfelder zu erschließen. Schon in naher Zukunft werde sich die ursprüngliche Suche im Web über den PC auf alle anderen Produkte ausbreiten. Ein entscheidender Baustein sei die von Google vorangetriebene Spracherkennung, die Webinhalte für das Telefon nutzbar mache. „Internet-Suchdienste werden von Millionen Menschen genutzt und bieten sich daher besonders dafür an, in Sprache abgebildet zu werden”, so Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business. Getrieben von der wachsenden Bedeutung des mobilen Internets werde die Sprachtechnologie für unterschiedliche Einsatzzwecke mit anderen Interaktions-Medien zusammengeführt. „Spracherkennung und Sprachausgabe, ob netzbasiert oder im Endgerät eingebaut als Bedienfunktion, soll mit grafischen Benutzerschnittstellen sinnvoll zusammenwirken. Dafür müssen technologische Kompetenzen aus unterschiedlichen Fachgebieten der Sprachtechnologie zusammengeführt werden, wie das Erkennen großer Wortschätze beim Diktieren, das sinnvolle Interpretieren von Antworten auf offene Fragen und das Suchen in einem semantischen Kontext. Wenn das gelingt, können die komplexen Such-Services von Google ihre Macht im Voice-Web entfalten“, sagt Steimel.   Eine wichtige Rolle spiele dabei die Mobilität: Es gibt etwa 900 Millionen Computer auf der Welt, die an das Internet angeschlossen sind. Aber es gibt mehr als drei Milliarden Mobiltelefone, mit denen ein Zugang zum Internet möglich ist. Für uns ist klar: Die Nutzung der Suche und Anwendungen auf mobilen Geräten sind kritische Faktoren für den künftigen Erfolg von Google“, so Google-Manager Douglas Merrill gegenüber der FAZ. Ihm gehe es aber nicht nur darum, die Suchfunktionen mobil zu machen. Besonders spannend für uns ist die Integration des Mobiltelefons in die Computerwelt. Ein Mobiltelefon ist immer mit dem Internet verbunden. Google kann mir zum Beispiel zehn Minuten vor dem nächsten Termin, der in meinem Google-Kalender eingetragen ist, eine SMS zur Erinnerung sendet“.  Mobile Navigation könnte ebenso interessant sein. Wenn das Mobiltelefon immer mit dem Internet verbunden sei, könne sich die Information mit dem Nutzer bewegen. Auch Übersetzungsdienste bei Auslandsreisen seien möglich in Kombination mit Spracherkennung. Es lauern bei der mobilen Nutzung des Internets allerdings auch Risiken: „Wenn die Intimität der mobilen Kommunikation gefährdet scheint, kann ein Geschäftsmodell schnell scheitern. Daher sollte Google überlegen, die eigene Stärke mit den Möglichkeiten der Mobilität intelligent zu verbinden. Für einen echten Mehrwert wird der Endkunde auch bereit sein, Geld zu zahlen“, betont Andreas Dippelhofer, Mitglied der Geschäftsführung des Abrechnungsdienstleisters acoreus. Das könnte das Geschäftsmodell von Google verändern und auch erweiterte Anforderungen an Kundenmanagement- und Abrechnungsprozesse nach sich ziehen. „Dazu könnten auch Web-2.0-Anwendungen einen Beitrag leisten. Warum also nicht einmal darüber nachdenken, die Google-Suche für Social Networks einzuführen und auf das Handy zu bringen“, regt Dippelhofer an.

Intelligente Maschinen und neue Servicekonzepte – Industrie setzt auf smarte Dienstleistungen

Einige Unternehmen werben offensiv damit, dass sie sich für den Kunden nicht besonders interessieren und ihn ausschließlich über so genannte Tief-Preise ködern wollen. Doch diese Rechnung geht meist nicht auf, so das Fachmagazin Acquisa http://www.acquisa.de. Service sei der beste Verkäufer: „Guter Service kostet Geld. Doch für Unternehmen rechnet sich ein guter Draht zum Kunden schnell. Denn umfangreiche Dienstleistungen zahlen auch auf die Marke ein. Firmen können also dem nächsten Preiskrieg entspannter entgegenblicken.“

Seit rund 15 Jahren wirbt der Mercedes-Benz-Händler http://www.mercedes-benz.de aus Aschaffenburg mit dem Spruch: „Kunzmann – die neue Service Dimension“. Damals habe man in der Geschäftsführung erkannt, dass Service im Autohandel eine neue Bedeutung bekomme, so Kunzmann gegenüber Acquisa. „Die Wagen der Oberklasse-Hersteller hatten sich qualitativ immer mehr angenähert, eine technische Innovation war nur noch ganz kurze Zeit ein Alleinstellungsmerkmal“, so Werner Grossmann, in der technischen Leitung des Unternehmens für Service-Marketing zuständig. „Da wurde guter Service zum wichtigen Verkaufsargument.“

Acquisa beschreibt, wie Kunzmann http://www.kunzmann.de den „Dienst am Kunden“ betreibt: „Von der kostenlosen Tasse Kaffee beim Verkaufsgespräch über Reifeneinlagerung bis hin zum Hol- und Bring-Service der Werkstatt reicht die Palette. Nach dem Erwerb eines Wagens geht es darum, den Kontakt zu halten – möglichst bis zum nächsten Kauf.“ Das Modell des Augsburger Autohändlers macht deutlich, welche Defizite bei vielen anderen Händlern herrschen. „Nur mit kompromissloser Kundenorientierung finden die deutschen Autohäuser heraus aus der Abwärtsspirale“, weiß der Automobilexperte Uwe Röhrig, Inhaber des Hannoveraner Beratungshauses International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de. „Warum sind Autohäuser nachts beleuchtet, aber nicht geöffnet? Warum sollte man dem Kunden nicht für eine Leasingrate im Sommer ein Cabrio und im Winter ein Sport Utility Vehicle anbieten?“ „Das erste Auto verkauft der Verkäufer, alle weiteren der Service“, bestätigt Grossmann.

Röhrig verweist auf ein aktuelles Beispiel: Der japanische Autohersteller Mazda http://www.mazda.de will den Kunden stärker in den Fokus rücken. Nach einem Bericht des Fachmediums Kfz-Betrieb http://www.kfzbetrieb.de unterstützt die Ford-Tochter seine Händler bei der Bindung und Neugewinnung von Kunden mit neuen Instrumenten. So wird das bestehende Kunden-Dialog-Programm durch eine neue Premiumversion ergänzt. „Die Ansprache des Kunden erfolgt hauptsächlich über individuelle Mailings unter anderem zu Anschlussgarantien, Hauptuntersuchungs- und Wartungsintervallen sowie Modellinformationen“, schreibt Kfz-Betrieb. Außerdem beinhalte das neue Kunden-Dialog-Programm den Versand von jährlich drei Ausgaben des Mazda-Kundenmagazins sowie Fragebögen zu den Themen Neuwagen und Service.
„Mit dem Ausbau des Servicegeschäftes haben wir einen Hebel in der Hand, mit denen deutsche Industrieunternehmen gegenüber der stärker werdenden Konkurrenz aus Osteuropa und Asien punkten können. Unser Unternehmen konzentriert seine Strategie beispielsweise auf die letzte Meile für den gesamten After Sales-Service – von der Abholung am Fließband bis hin zur Verschrottung“, sagt Michael Müller, Geschäftsführer der auf IT-Dienstleistungen spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de. „Ein schönes Beispiel ist der Landmaschinenhersteller John Deere. Bis in die 1990er Jahre war das Unternehmen auf den Maschinenverkauf fokussiert. Damit wäre Deere allerdings nicht zukunftsfähig geblieben: Aus John Deere wurde JDL. Die frühere Mähdrescherfirma verkauft jetzt Rollrasen, Landschaftskonzepte, Beratung, vergibt Kredite für Gartenbauunternehmen und baute eine Fortbildungsakademie auf. Mit der reinen Produktzentrierung können westliche Unternehmen keine ausreichenden Gewinnmargen mehr erwirtschaften. Wer sich hier auf den Lorbeeren der Industrialisierung ausruht, wird vom Markt gefegt“, erklärt Müller.
 Dienstleistungen und Beratungsangebote spielen auch in der Printmedien-Industrie eine immer größere Rolle. So sieht die Heidelberger Druckmaschinen AG http://www.heidelberg.com einen Trend, der zum elektronisch unterstützten Service geht: „Durch immer mehr ‚Intelligenz in der Maschine’ wird eine tiefere Integration von Dienstleistungsangeboten und dem Equipment in der Produktion ermöglicht“, so der „Systemservice Report“ von Heidelberger Druck.  Die nächste Generation von Dienstleistungen werde nicht nur die Ferndiagnose und Fernwartung ermöglichen, wie dies Heidelberg mit seinem Remote Service seit Anfang der 1990er Jahre praktiziert. „Der nächste große Schritt, den der internetbasierte Remote Service bieten wird, ist revolutionär. So ist es beispielsweise denkbar, die Serviceplattform für virtuelle Lehrgänge zu nutzen: Ein Servicespezialist hilft dem Kunden, das gesamte Potenzial moderner Druckmaschinen voll auszuschöpfen“. Experten bei Heidelberg erforschen zudem die Option, dem Internet-Tool zusätzliche, aktive Fähigkeiten zu verleihen, um es für präventive Servicemaßnahmen einzusetzen: Beispielsweise könnte sich die Druckmaschine von selbst melden, wenn die Lebensdauer bestimmter Verschleißteile in absehbarer Zeit zu Ende geht.