Knöllchenjäger für die Staatskasse: Bußgeldpolitik der Kommunen verfassungsrechtlich nicht haltbar

Verkehrssünder ist am Wutbürger-Kontrollpunkt ins Netz gegangen und der Wutbürger schaut bei der polizeilichen Ermittlungsarbeit zu

Bei einer Informationsveranstaltung in der Bonner Südstadt ist die Bußgeldpolitik der Stadt Bonn kritisch beleuchtet worden. Hauptredner war der Bad Honnefer Wirtschaftsjurist und Vorsitzende der “Aktion Gewerbefreiheit” Horst Mirbach. Alle Geldbußen oder verfahrensrelevanten Zahlungen dürfen nach seiner nicht für Zwecke verwandt werden, für die üblicherweise Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden:

„Wir haben ein ganz einfaches Prinzip zur Finanzierung des Staates. Dafür gibt es nach außen Zölle und dafür gibt es nach innen Steuern. Mit dem Rechtssystem hat das Finanzsystem überhaupt nichts zu tun. Man hat zwar auch in der Vergangenheit Geldstrafen und Verwaltungsgebühren eingenommen. Das spielte in der Vergangenheit für die öffentlichen Haushalte kaum eine Rolle. Allerdings gibt es auch unrühmliche Ausnahmen. Schon Anfang der 1970er Jahre brüstete sich das Bonner Ordnungsamt damit, dass es das einzige Amt mit Überschüssen sei“, führte Mirbach aus.

Mittlerweile seien die kommunalen Kassen leer und entsprechend würden die Begehrlichkeiten wachsen, generell über Ordnungsämter Mehreinnahmen zu erwirtschaften.

„Diese Praktiken sind rechtsstaatlich nicht haltbar. Sinn und Zweck des Rechtes ist es, die Gesetze dem Gesetzeszweck entsprechend durchzuführen und im Einzelfall bei Ordnungswidrigkeiten Bußgelder zu verlangen. Man darf allerdings nicht Tatbestände inszenieren, um möglichst hohe Bußgeldsummen zu erzielen. Das ist in den Kommunen mittlerweile leider der Fall. Mit einer künstlichen Verknappung des Parkraumes oder willkürlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen provoziert man Ordnungswidrigkeiten“, kritisierte Mirbach.

Es sei doch höchst merkwürdig, dass viel häufiger an den Stellen kurz vorm Ortsausgangsschild die Geschwindigkeit kontrolliert werde als vor einem Kindergarten, wo es eigentlich mehr Sinn machen würde.

„Aber die teuren Überwachungsgeräte müssen sich amortisieren und es ist halt lukrativer, drei Meter vorm Ortsausgangsschild Blitzer aufzustellen, wo die Leute noch mit Tempo 70 unterwegs sind. Ich sehe in der kommunalen Finanzierungspraxis einen klaren Verstoß gegen die Verfassung“, so Mirbach.

Das sei mit den Grundprinzipien nicht Staates nicht vereinbar.

„Wenn man sich juristisch systematisch die ersten Artikel im Grundgesetz anschaut, dann ist es relativ klar, die Menschenwürde steht an der Spitze und sie wird dann detailliert durch die nachfolgenden Grundrechte manifestiert und das sind fast alles Freiheitsrechte. Wenn das der Leitgedanke unseres Staates ist, dann kann man nicht an jeder Straßenecke ein Parkverbotsschild, eine Geschwindigkeitsbegrenzung und alle anderen möglichen Beschränkungen realisieren“, so Mirbach.

In Bonn dominiere eine Politik, die einseitig gegen die Benutzung des Autos gerichtet sei.

„Man sieht es an der Ampelschaltung in den verschiedensten Straßen, wo bewusst die Rotschaltung als Geschwindigkeitsbremse eingesetzt wird. Auch diese kommunale Praxis könnte man als Rechtsverstoß werten – ein Verstoß gegen Straßenverkehrsgesetz. Die Ampelschaltung darf nicht als Geschwindigkeitsbegrenzung benutzt werden“, moniert Mirbach.

Man sollte sich mehr mit dem Herrschaftsgebaren des Bonner Ordnungsamtes auseinandersetzen.

Fröhliche Weihnachten nicht überall: Lange Spaziergänge und ausgewogene Ernährung schützen vor Winterdepression

Die Weihnachtsfeiertage sind nicht nur Anlass für Fröhlichkeit und besinnliche Stunden: Rund 800.000 Menschen leiden in Deutschland an einer Winterdepression. Diese saisonal abhängige Stimmungslage wird erst seit 1987 als eigenständige Depressionsform anerkannt und tritt verstärkt in Ländern mit besonders langen und dunklen Wintermonaten auf – zum Beispiel in Skandinavien.

Die Apotheker in Nordrhein http://www.apotheker-nordrhein.de geben Tipps, wie man Stimmungsschwankungen entgegen wirken kann. „Die saisonal abhängige Depression wird vor allen Dingen durch Lichtmangel ausgelöst“, erklärt Martin Katzenbach, Pressesprecher der Apotheker in Nordrhein. Gerade im Winter solle man so viel Tageslicht wie möglich tanken, raten die Gesundheitsexperten. Dazu bieten sich unter anderem lange Spaziergänge an. Doch auch ausgewogene Ernährung kann einen Beitrag leisten. „Bananen erhalten zum Beispiel das wichtige Serotonin“, so Katzenbach. Ein weiterer Stimmungsaufheller sei Zink, das in Fisch und Haferflocken enthalten ist. Bei einer ernsthaften Depression könnten solche „Hausmittel“, zu denen auch Johanniskraut oder Kneippsche Güsse gehören, selbstverständlich nicht mehr helfen.

„Man darf das Problem der Depression nicht bagatellisieren. Doch die Apotheker haben recht: Studien belegen, dass sich eine ausgewogene Ernährung positiv auf den Gemütszustand auswirken und Abhilfe bei leichten Depressionen schaffen kann. Wer viel Obst, Gemüse, Olivenöl und so genannte Omega-3-Fettsäuren isst, der bleibt nicht nur körperlich, sondern auch geistig gesünder“, empfiehlt Ulrich Overdiek vom Kölner Wellfood-Anbieter Vivamangiare http://www.vivamangiare.de.

Mobilfunker mutieren zu virtuellen Speditionsfirmen

Die erfolgreich Markteinführung des Apple-Kultgerätes iPhone hat die Schwächen der Mobilfunkbrache offen gelegt: „Mit dem klassischen Handy wurden in der Vergangenheit satte Profite eingefahren. Die Mobilfunker besitzen zu viele Kunden mit festen Verträgen und können sich als Betreiber von elektronischen Mautstellen für jede Art von Mobilfunkdiensten positionieren. Alle von uns befragte Experten erwarten, dass durch die Einführung von Flate Rates für den Datenverkehr die Dose der Pandora geöffnet wird. Mit der steigenden Nutzung des mobilen Internets wird sich auch hier die Kostenlos-Mentalität des Webs durchsetzen“, spekuliert Bernhard Steimel, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Bonner Voice Days http://www.voicedays.de, im Interview mit dem Magazin NeueNachricht http://www.ne-na.de. 
 
Die meisten Branchenkenner erwarten, dass sich die Geschäftsmodelle radikal verändern werden, von so genannten Mehrwertdiensten auf Abo-Basis oder Zahlung per Abruf hin zu werbefinanzierten Konzepte. „Es kann durchaus sein, dass die in Zukunft entstehenden Werbeeinnahmen an den Netzbetreibern vorbei bei Google & Co. und den Medienhäuser landen“, so Steimel.
 
Die Mobilfunker müssten von der Konsumgüterindustrie lernen, wie man in gesättigten Märkten profitabel bleibt und nicht nur im Verdrängungswettbewerb über den Preis seine Marktanteile sichert. „Bislang wurde es allerdings von den Netzbetreibern versäumt, echte Marken aufzubauen, für die ihre Kunden bereit wären, einen Premium-Preis zu zahlen. Der Hype um das iPhone zeigt doch auch, dass die Mobilfunker bislang nicht in der Lage waren, mit Vodafone Life, T-Zone & Co. nach dem Erfolg der SMS eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Ein Grund mag sein, dass die Marktforschungsabteilungen der Mobilfunker eher ein Schattendasein fristen – im Gegensatz zu Markenartiklern oder Großbanken. Es wäre zu überlegen, ob anstatt eines Chief Information Officer (CIO) nicht ein Chief Market Intelligence Officer den Unternehmen mehr bringt“, erläutert Steimel.
 
Wenn sich nichts grundsätzliches ändere, mutieren die Netzbetreiber zu virtuellen Speditionsfirmen, zu reinen Lieferanten von Bits und Bytes. „Die Branche braucht Management-Kompetenz“, bestätigt der Lindauer TK-Experte Michael Sander von Terra Consulting Partner http://www.terraconsult.de. „Hier schaut es aber eher düster aus, oder warum hat die gesamte Mobilfunkbranche Ewigkeiten gebraucht, um nahe liegende Geschäftsmodelle wie Ethno-Marketing aufzugreifen. Das hätte man sich in anderen Branchen abgucken müssen. Stattdessen hat man jahrelang mit monatlich neuen Tarifen die Kunden verwirrt und sich die Zuwachsraten über Handysubventionen erkauft“, kritisiert Sander.
 
In der Vergangenheit sei der Mobilfunk ein relativ einfaches Geschäft gewesen und glich der Lizenz zum Gelddrucken. Größere Marktanteile seien mittlerweile nur zu gewinnen, wenn man sie dem Konkurrenten wegnimmt – und das ist nicht nur schwierig, weil ein Großteil der Kunden über Verträge gebunden ist, sondern es ist auch extrem teuer. Da die Branche trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht vom System der subventionierten Handys abrücke, schlägt jeder neue Kunde im Schnitt erst einmal mit rund 200 Euro Kosten zu Buche. „Das liegt oftmals daran, dass die Marketingbudgets für die Kundengewinnung höher sind als für die Kundenbindung. Die Mobilfunker müssen Servicequalität nicht nur als Lippenbekenntnis verstehen. Wer plant, mit Datenprodukten viel Geld zu verdienen, sollte mit einkalkulieren, dass unzufriedene Kunden nicht bereit sind, ein zweites oder drittes Produkt zu kaufen“, so der Einwand von Steimel. Die Pläne von E-Plus gehen nach Auffassung von Omar Khorshed, Vorstandschef des Düsseldorfer Abrechnungsdienstleisters acoreus http://www.acoreus.de, in die richtige Richtung. Nach dem Vorbild der Bild-Zeitung sollen Musikkonzerne, Finanzhäuser, Medien- und Markenfirmen eigene Mobilfunkangebote etablieren. „Die Netzbetreiber sind über Telefonie und SMS nicht hinausgekommen. Die Strategie der Mobilfunker, die Hand auf allem, was sich Mehrwertdienst schimpft, zu halten und zu sagen ‚das ist meins und ich entscheide allein darüber, was der Kunde bekommt oder nicht bekommt und was es kosten soll’ – ist nicht aufgegangen und das ist auch keine Überraschung. Die Chance liegt darin, dass die Netze geöffnet werden, auch für fremde Mehrwertdienste, eigentlich beliebige Dienste. Man kann das gut mit dem Internet vergleichen. Jeder kann anbieten was er will. Er kann seine Angebote verkaufen oder kostenlos vertreiben“, empfiehlt Khorshed.
 
Die Herausforderung liege für die Mobilfunkbranche darin, technische Standards zu etablieren: „Wie kann ich Mehrwertdienste auf möglichst einfache Art und Weise in ein Mobilfunknetz integrieren? Welche Dienste erfolgreich sein werden, einen tatsächlichen Mehrwert, gute Umsätze und Erträge generieren, ist nur schwer vorher zu sagen und zählt nicht zu den Kernkompetenzen der Netzbetreiber. Für bestimmte Altersgruppen können es Spiele sein, für wiederum andere sind es vielleicht Börsenanwendungen. Der Phantasie dürften an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt sein“, resümiert Khorshed.

Ressourcenkonkurrenz vermeiden bei Förderung von Bioenergie

Hohe Energiepreise, verbunden mit der staatlichen Förderung von Bioenergie, führen nach Auffassung von Branchenexperten zu einer Ressourcenkonkurrenz in der deutschen Landwirtschaft. Durch eine Neuausrichtung der Förderung, den verstärkten Einsatz von landwirtschaftlichen Reststoffen für die Biogasgewinnung und die Nutzung von Brachflächen für den Anbau von Getreide für die Bioenergieproduktion könne die Flächenkonkurrenz jedoch entschärft werden.

Die gesetzliche Bioenergieförderung habe massive Investitionen ausgelöst, so Bernhard Krüsken vom Verband Deutsche Tiernahrung http://www.dvtiernahrung.de. Gerade in „viehstarken Regionen“ sei die Anzahl der Biogasanlagen sprunghaft angestiegen. Die Ressourcenkonkurrenz setze die Tierhaltung unter starken wirtschaftlichen Druck, da zum einen die Preise für Futtermittel steigen und zum anderen vermehrt Flächen für den Anbau von Bioenergie-Getreide genutzt würden, die damit für die Tierhaltung verloren gingen. Krüsken fordert, nach dem Grundsatz „Food comes first“, Nahrung zuerst, zu fördern und die Anschubförderung des Bioenergiesektors zu beenden.  Udo Hemmerling vom Deutschen Bauernverband http://www.bauernverband.de macht den weltwirtschaftlichen Aufschwung für gestiegene Lebensmittelpreise verantwortlich. Es sei ein „Rohstoffhunger“ entstanden, der sich auch auf agrarische Produkte erstrecke. Man könne etwa für die Milchpreissteigerung nicht die Bioenergie verantwortlich machen. Dennoch, so Hemmerling, könnten Biogasproduktion und Tierhaltung ergänzend nebeneinander existieren.  Nach Auffassung von Tobias Janßen, Vorstandschef der Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Düsseldorf, sollte man in der Klima- und Energiepolitik den staatlichen Aktionismus ad acta legen und alternative Energien nicht nach dem Gießkannenprinzip subventionieren.

„Da sind zu viele Trittbrettfahrer unterwegs. Man sollte generell stärker auf die Triebkraft des Marktes setzen. Die voranschreitende Knappheit der fossilen Energien führt zu höheren Preisen und eröffnet Spielräume für neue Ressourcen. Da benötige ich keine Förderpolitik vom Grünen Tisch“, bemerkt Energieexperte Janßen. Professor Jürgen Zeddies von der Universität Hohenheim fordert den Verzicht auf zusätzliche finanzielle Hilfen für Biogas. Dies könne die Flächenkonkurrenz entschärfen.

Die Wertschöpfung bei Nahrungsmitteln sei für die Landwirte immer noch höher, als beim Anbau von Bioenergie-Getreide, meint Professor Alois Heißenhuber von der Universität München. Aus Wettbewerbsgründen komme daher nur der Anbau auf freien Flächen in Frage. Das schaffe eine zusätzliche Wertschöpfung. Professor Harald von Witzke von der Humboldt Universität Berlin befürchtet angesichts steigender Preise bei der Lebensmittelerzeugung Probleme bei der weltweiten Nahrungsmittelversorgung. Als ein Gegenmittel empfiehlt von Witzke, weniger Anbauflächen stillzulegen.

Company hopping als Hauptberuf

„Gekommen, um zu bleiben“ – so lautet ein Hit der Popgruppe „Wir sind Helden“. Zur Umschreibung der Arbeit eines Interim Managers eignet sich diese Zeile nicht. Hier müsste es eher heißen: „Gekommen, um zu gehen“. Das Mandat eines klassischen Interim Managers  dauert nämlich in der Regel nicht länger als 18 Monate: „Gestern noch galt Management auf Zeit als klassischer Vorruhestandsjob für ergraute Chefs, die nicht loslassen können. Heute drängen auch Jüngere in den Markt und machen das ‚company hopping’ vom Examen weg zu ihrem Beruf. Die Grenzen zwischen Interim Management, Zeitarbeit und Unternehmensberatung verschwimmen“, beschreibt das Magazin Markt&Technik den Wandel in der Branche. Auch der Vorsitzende des Arbeitskreises Interim Management Provider (AIMP) http://www.aimp.de will die Geschäftsfelder für Interim Manager auf die benachbarten Branchen Unternehmens- und Personalberatung sowie Zeitarbeit ausweiten. „Es wird Zeit, dass unsere Branche ihr Image als elitärer Altherrenclub abstreift und sich auf ein neues strategisches Spielbrett begibt“, meint Anselm Görres, Chef der ZMM Zeitmanagement München GmbH und Vorsitzender des AIMP. Interim Manager fordern für ihre Arbeit in einer Linienposition zwar in etwa dieselben Tageshonorare wie Consultants, tragen aber dafür  – andere als Berater – die volle Ergebnisverantwortung. „Meist geht es darum, für einen erkrankten Top-Manager einzuspringen, das Tagesgeschäft zu führen, bis ein neuer Vorstandschef gefunden ist, oder eine Niederlassung im Ausland aufzubauen“, umschreibt Constantin Gillies in der Financial Times Deutschland (FTD) die Tätigkeiten eines Interim Managers. Dafür kassieren sie dann Tagessätze zwischen 600 und 2.500 Euro für hohe Managementpositionen. Die Vermittler finanzieren sich über eine Gebühr, die zwischen 20 und 30 Prozent des Tagessatzes liegt.  Kleine und mittelständische Unternehmen sollten nach Auffassung von Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung http://www.kirchconsult.de in Köln, noch offensiver mit dem Thema umgehen: „Sie stellen immerhin über 85 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland. Im Mittelstand ist die Personaldecke oft enger als in den Konzernen. Es kommt dann schon einmal vor, dass bestimmte Projekte nur deshalb herausgeschoben werden, weil man zurzeit nicht den passenden Mann an Bord hat. Firmen sollten diejenigen Manager auf Zeit wählen, die schon ein paar gute Referenzprojekte vorweisen könnten. Branchenkenntnisse und Führungserfahrung allein reichen nicht aus. Von einem geeigneten Kandidaten muss man mehr erwarten“, weiß Emde. So müsse sich der Interim Manager innerhalb kürzester Zeit in einem Mitarbeiter-Umfeld zurechtfinden, das ihm zuvor völlig unbekannt war. Allerdings sei das auch ein Vorteil: „Wer emotional unbelastet in eine Managerposition geht, kann manchmal besser harte, aber unumgängliche Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens treffen, in dem er als ‚Feuerlöscher’ unterwegs ist“, sagt Emde.  Es fehle im Mittelstand allerdings noch an Akzeptanz und Erfahrung beim Einsatz eines Interim Managers. Im Frühjahr 2006 hat BGP Bohnert Groß & Partner http://www.bgpartner.de eine bundesweite Untersuchung zum „Nachfrageverhalten auf dem Markt für Interim Management“ durchgeführt. Im Zentrum der Untersuchung standen rund 3.600 Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand. Das ernüchternde Ergebnis: 74 Prozent der Befragten hatten noch keinerlei Erfahrung mit einem Interim Manager gesammelt. Immerhin hatten aber demnach bereits 26 Prozent einen Feuerlöscher auf Zeit in der Führung. Von den Unternehmen, die noch keine Erfahrung mit einer solchen Lösung gemacht haben, wäre die Einschaltung eines Providers, der einen geeigneten Kandidaten vermittelt, die beste Variante (34 Prozent). 20 Prozent würden aber auch gern auf persönliche Kontakte zurückgreifen, um einen Interim Manager zu finden. „Wenn wir in Deutschland über das Thema reden, betreten wir also fast noch Neuland“, skizziert Emde die Lage. Dabei lägen die Vorteile klar auf der Hand. „Wer im eigenen Unternehmen – und das auch noch unter Zeitdruck – nach einer hoch qualifizierten Führungskraft sucht, der kann in der Regel nicht zwischen allzu vielen Top-Kandidaten auswählen. Wendet sich ein Unternehmen an einen so genannten Provider, also Vermittler von Interim Managern, dann ist der Markt viel größer. Stellt sich der Einsatz des angeheuerten Interim Managers als Fehlgriff heraus, so können sich die Unternehmen recht schnell wieder von ihnen trennen. Zeitverträge bergen einen klaren Vorteil, wenn man in Not ist und gegebenenfalls schnell eine Führungskraft finden und entlassen muss“, erläutert Personalprofi Emde.  Allerdings müssten auch klare Anforderungen an einen guten Manager auf Zeit gestellt werden. „Interim Management ist ein eigenständiges Berufsbild mit unternehmerisch handelnden, flexibel und projektorientiert arbeitenden Umsetzern vor Ort. Fachliche Professionalität, hohe Sozialkompetenz verbunden mit natürlicher Autorität und positiver Ausstrahlung sind die Voraussetzungen, die ein guter Interim Manager mitbringen sollte“, resümiert Emde.   

Mindest- und Maxilöhne festlegen?

Kommen nach den Mindestlöhnen für vermeintlich „einfache“ Jobs jetzt auch die gesetzlich festgelegten Maxi-Löhne für Manager? Nach eigenen Worten „prüft“ der SPD-Vorsitzende Kurt Beck, welche gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, um die Managerbezüge zu deckeln. Neben der Höhe der Bezüge, selbst bei offensichtlichem Versagen der Führungskräfte, kritisierte Beck auch die mangelnde Transparenz der jetzigen Regelungen.

Im Gegensatz zu dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten bezeichnete Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) diese Pläne als „völligen Unsinn“. Er rief aber die Wirtschaft dazu auf, „überhöhte Vergütungen selbst zu unterbinden“, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net. Gegenüber der Welt am Sonntag (WamS) http://www.welt.de sagte Schäuble, man könne aber über Transparenzregeln, mit denen Aktiengesellschaften vorgeschrieben würde, die tatsächlichen Bezüge ihrer Manager offenzulegen, nachdenken.

„In dieser Frage nimmt die FDP die eindeutig vernünftigste Regelung ein“, sagt der Düsseldorfer Finanzexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Es ist nicht Aufgabe des Staates, Mindest- oder Maxilöhne festzulegen. Denken wir an die handstreichartig vorgenommene Diätenerhöhung der Politiker zurück. Jede Kritik daran wurde als Neiddebatte abgetan. Einige Politiker aus der Provinz verglichen sich sogar mit Fußballstars, die man ja auch ordentlich alimentiere. Beck und Co. springen aus wahlkampftechnischen Gründen hier nur auf einen populistischen Zug auf.”

Multisensorische Werbung für alle Sinne: Akustische Markenführung immer wichtiger

Die akustische Markenführung gewinnt an Bedeutung. Werbung und Marketing haben längst erkannt, dass Werbebotschaften verstärkt auch über den Klang einer Erkennungsmelodie oder über die Stimme der Werbebotschaft vermittelt werden. Die akustische Markenführung – im Fachjargon auch Sound Branding genannt – ist nach Expertenmeinung ein wichtiges Marketinginstrument, das zur Unverwechselbarkeit einer Marke beiträgt. Man denke nur an das fünftönige Audiologo der Deutschen Telekom, die Erkennungsmelodie der Tagesschau oder die frühere Coca-Cola-Hymne „First time“ von Robin Beck. „Es gibt in der Markenführung den Trend zum Multi-Sensorischen. Das heißt, die Marke wird mit allen Sinnen wahrgenommen. Mit Klang verstärken wir die visuellen Eindrücke massiv und reichern sie überdies mit Gefühlen an“, so Soundspezialist Carl-Frank Westermann, Creative Director Sound Branding bei MetaDesign in Berlin. Bisher hätten sich Marken vorwiegend visuell dargestellt. Klangdesign sei zwar nur ein kleiner Teil der gesamten Kommunikationspalette, der aber in den nächsten Jahren wichtiger werde.

Sound Branding werde hier zum Differenzierungsmerkmals. Qualitativ hochwertige Systeme vermitteln dabei den Eindruck, dass sich das Unternehmen Mühe gibt, seine Kunden erreichen zu wollen. „Wenn sich Marken des Mediums Stimme bedienen, sollten sie diese auch entsprechend attraktiv gestalten“, so Westermann. Der Stimme als Corporate Voice kommt nach seiner Ansicht eine wichtige Rolle für die Schaffung einer ganzheitlichen Markenstrategie zu. Die Entwicklung von Sprachanwendungen sollte man dabei nicht Technikern alleine überlassen, sondern stärker bei den Markenstrategen ansiedeln, was auch von Branchenexperten so gesehen wird: „In Sprachdialogsystemen tragen Stimme und eingesetzte Sounds ganz entscheidend zum Gesamteindruck und Wohlbefinden des Anrufers im Dialog bei. Sie geben dem Dialogsystem eine Persönlichkeit und bestimmen damit, wie sich das System dem Anrufer präsentiert oder wie es vom Nutzer wahrgenommen wird – zunächst unabhängig vom Dialog“, resümiert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin. Auf den wachsenden Bedarf an professionellen Sounddesignern hat man unter anderem an der Universität der Künste in Berlin mit der Einrichtung des international einzigartigen Masterstudiengang „Sound Studies – Akustische Kommunikation“ reagiert. Carl-Frank Westermann lehrt hier akustische Kommunikation. Für die Allianz-Versicherungsgruppe hat er in den letzten Jahren „Vertrauen zum Klingen gebracht“, für die Lufthansa „einfühlsame, zuverlässige, anmutige und souveräne“ Klänge entwickelt.  

Merkel und der Old-Economy-Muff

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) konnte sich nicht gegen Kanzlerin Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Glos (CSU) durchsetzen: Auf dem so genannten „IT-Gipfel“ in Hannover erhielten Forderungen nach einer Lockerung des Zuwanderungsrechts für IT-Spezialisten eine Absage. In Deutschland fehlen nämlich nach Einschätzung von Fachleuten rund 45.000 solcher Experten. Dies bremse das Geschäft der Informations- und Kommunikationstechnologie, so der Branchenverband Bitkom http://www.bitkom.de.

„Es gibt keinen Mangel an IT-Spezialisten. Es kommt lediglich darauf an, wie und wo man sucht“, erklärte Michael Zondler, Regional Manager Süd beim IT-Beratungsunternehmen Harvey Nash http://www.harveynash.de. In Asien finde nahezu jede zweite Ausbildung im High-Tech-Segment statt. In Deutschland käme man nur auf rund 20 Prozent. „In Asien gibt es eine Milliarde Menschen unter 30 – es kommt also lediglich darauf an, wie man diese Skill-Migration organisiert. Im Moment benötigen wir sie dringend. Daher ist Merkels Absage an mehr Zuwanderung von High Potentials falsch.“

Allerdings bestreitet auch der IT- und Personalexperte Zondler nicht, dass die Unternehmen nicht nur auf Zuwanderung setzen darf: „Entscheidend für den Erfolg ist die Perspektive IT für den Nachwuchs. Wenn man es richtig anstellt, dann kann man auch die Mädchen und Jungen, die intelligent sind und global denken, für eine solche Karriere motivieren.“ Doch zurzeit werde einfach zu wenig dafür gemacht, dass IT „sexy“ rüberkomme. „Ich vermisse neben den Lippenbekenntnissen und wenigen Aktionen eine breite Initiative mit Anzeigen, Kampagnen, Radio- und TV-Spots sowie Road Shows der High Tech-Unternehmen. Es reicht einfach nicht mehr aus, nur zu ausgewählten Campus-Veranstaltungen oder spezialisierten Recruiting-Messen zu gehen. Das trockene technokratische Image muss ganz schnell aufpoliert werden. Dafür brauchen wir junge und unverbrauchte Gesichter.“

„Sorry, aber wenn ich heute zwischen 18 und 22 Jahre alt wäre“, so Zondler spitz, „würde ich mich von Frau Merkel, dem SAP-Chef Kagermann oder dem Bitkom-Präsidenten Professor Scheer nur bedingt angesprochen fühlen. Wo sind die Sergey Brins und Larry Pages aus Deutschland? Die IT muss hierzulande dringend aus dem Old-Economy-Muff erwachen. Die Gipfelstürmer wie Gameforge, Yoc, Youtube, Google, Xing, Linked In oder United Internet müssen jetzt den Stab übernehmen.” Ob die Botschaft angekommen ist? Bitkom-Präsident Scheer jedenfalls erklärte den zweiten nationalen IT-Gipfel aus Sicht der ITK-Branche zu einem vollen Erfolg.

medienbüro.sohn/NeueNachricht/Kundenhotlines in der Schusslinie: Call Center Forum fordert mehr Redlichkeit

Die politische Diskussion über ärgerliche Warteschleifen an Kunden-Hotlines und inkompetente Call Center Agenten sollte nach Ansicht von Manfred Stockmann, Präsident des Call Center Forums http://www.ccf-ev.de, redlicher geführt werden. Drohungen mit der Gesetzeskeule, die Forderung nach kostenfreien Warteschleifen, Bußgelder stehen zur Diskussion, ebenso die Verlängerung der Kündigungsfristen fernmündlich geschlossener Verträge, die Verpflichtung, auch telefonisch abgeschlossene Verträge schriftlich nachzuhalten und das Verbot von Rufnummernunterdrückung. Stockmann plädiert für weniger Aufgeregtheit. Verbraucherschützer und die Bundesregierung hätten ein Stück weit aktionistisch gehandelt. Kritisch bewertete er die Tatsache, dass viele Anrufe im Auftrag von staatlichen Lotterieanbietern stattfinden, zugleich empöre sich die Politik aber über diese Werbeanrufe. Gleichzeitig würden die Verbraucherzentralen der Länder aus den Einnahmen der staatlichen Lotterien mitfinanziert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) http://www.vzbv.de habe in den vergangenen fünf Jahren gerade 75 Verfahren gegen unerlaubte Werbeanrufe geführt – ein Tropfen auf den heißen Stein. Diese Scheinheiligkeit müsse man auch einmal thematisieren, so Stockmann. Mit dem neuen Lotteriestaatsvertrag, der das staatliche Glückspielmonopol zementiert, müsse auf Lottowerbung weitgehend verzichtet werden. Die derzeitige Praxis der Lottowerbung sei verfassungsrechtlich nicht haltbar und werde zu einer Verringerung der unerlaubten Werbeanrufe beitragen. Dies sei aber in keiner Weise den Initiativen aus Ministerien und Verbänden geschuldet.  Um diejenigen, die wirklich gegen geltendes Recht verstoßen, zu erwischen, schlug Stockmann erneut eine Clearingstelle vor, die von der Branche und auch von den Verbraucherzentralen getragen werden solle: „Unser Ansatz, ein Verbraucherportal als zentrale Clearingstelle einzurichten, wird von der Politik mit großem Interesse aufgenommen. Die verantwortlichen Ministerien werden natürlich genau beobachten, welche Erfolge eine Selbstregulierung der Branche hat. Allerdings ist davon auszugehen, dass zusätzlich Gesetzesänderungen kommen. Solange diese mit Augenmaß umgesetzt werden, wird das auf die seriös arbeitende Mehrheit der Branche keine negativen Auswirkungen haben“, ist sich Stockmann sicher. Dem Verbot der Rufnummernunterdrückung stimmte er ausdrücklich zu. „Aber am besten sollte die Rufnummer des werbetreibenden Unternehmens erkennbar sein“, fordert er für seinen Verband. Denn der Kunde wolle nicht unmittelbar wissen, welches Call Center ihn belästige, sondern welches Unternehmen den Auftrag dazu gegeben habe. Zum anderen könne sich der Auftraggeber nicht herausmogeln und sich auf eigenmächtiges Handeln des Call Centers zurückziehen.  Auch Defacto Call Center-Geschäftsführer Gerald Schreiber http://defacto-software.de sieht die Notwendigkeit, sich von unseriösen Verkaufsmethoden abzugrenzen. „Ich habe gelernt, dass man, wenn man 100 erreichen will, 150 fordern muss – insofern verstehe ich die Diskussion, die derzeit zwischen den Verbraucherschutzverbänden, der Politik und der Call Center-Branche läuft, als zwingende Annäherung für ein seriöses Konzept, das am Schluss allen Parteien hilft: den Verbrauchern, dass sie sich auf das am Telefon Gesagte auch verlassen können, den seriösen Anbietern von Produkten und Dienstleistungen und der Politik, die einen vernünftigen Rahmen schaffen muss, um dann im Schulterschluss mit Branchenverbänden dafür zu sorgen, dass der Telefonkanal seriös genutzt wird“.  Die Initative Voice Business http://www.voicedays.de fordert für Call Center ein Prüfsiegel für testierte Qualität. Es soll – ähnlich der TÜV-Plakette – für jedermann zugänglich sein. Weitere Vorschläge sind die Schaffung einer unabhängigen Zertifizierungsstelle bei einem Spitzenverband wie BITKOM oder DIHK, regelmäßige Pflichtprüfungen für alle Dienstleister wie bei der PKW-Hauptuntersuchung, um die Mängelfreiheit und die Konformität mit gesetzlichen Regeln der Call Center-Leistungen zu prüfen. Der Leitfaden „Qualitätskriterien für Sprachapplikationen“ wurde erarbeitet von der Projektgemeinschaft aus Fraunhofer IAO, Initiative Voice Business, den unmittelbar beteiligten Wirtschaftspartnern SemanticEdge, Sikom, Sympalog und Telenet sowie den durch die International Association for Advanced Voice Services (VMA) vertretenen Unternehmen.  

Semantisches Web verspricht bessere Werkzeuge gegen die Informationsüberflutung

Sprachdialogexperte Lupo Pape
Sprachdialogexperte Lupo Pape

Mitarbeiter verschwenden oft wertvolle Arbeitszeit mit dem Durchforsten von Suchergebnissen, Projekte geraten ins Stocken, weil wichtige Ansprechpartner nicht aus den Dokumenten hervorgehen, und Expertenwissen verstaubt ungenutzt in Dateien, die schlicht und einfach nicht gefunden wurden. Die unstrukturierte Suche nach Informationen kostet nicht nur Zeit, sie verursacht für jedes Unternehmen auch unnötige Kosten.

„Das Fraunhofer IGD hat eine Suchmaschine entwickelt, die übergreifend auf unterschiedliche Datenquellen zugreifen und selbsttätig Stichworte um Synonyme, Übersetzungen oder thematisch ähnliche Sachverhalte ergänzen kann“, berichtet das Fraunhofer-Kundenmagazin Innovisions.

Eine einzige Eingabe genügt und die Software ConWeaver durchsucht alle verschiedenen Datenquellen eines Unternehmens. Dabei bezieht ConWeaver nicht nur den vom Nutzer eingegebenen Begriff in die Suche ein, sondern auch dessen Übersetzung in andere Sprachen sowie thematische Zusammenhänge. Zudem erzeugt die Software aus den Unternehmensdaten automatisch ein semantisches Wissensnetz. Die darin enthaltenen Datenverknüpfungen ermöglichen es, nach der Bedeutung eines Wortes zu suchen.

So erkennt ConWeaver beispielsweise selbstständig, dass das Wort „Kunde“ in der Vertriebsdatenbank gleichbedeutend ist mit dem Wort „customer“ im E-Mail-Archiv und „Auftraggeber“ in der Projektdokumentation.

„Im Gegensatz zu herkömmlichen Suchmaschinen erzeugt ConWeaver einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichsten Datenformaten. Dadurch kann die Software sowohl unstrukturierte als auch strukturierte Informationsquellen effizient absuchen“, erläutert Dr. Thomas Kamps, Leiter des ConWeaver-Teams am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt.

Durch die Kombination verschiedener Module, so genannter Workflows, können die Fraunhofer-Forscher ConWeaver gezielt an die Bedürfnisse des Unternehmens anpassen. Ähnliches hat auch Radar Networks aus San Francisco im Angebot. Die Firma stellt gratis ein Onlinewerkzeug mit dem Namen Twine bereit, um die tägliche Informationsflut besser zu bewältigen. Das Programm analysiert Daten und sortiert sie in Kategorien, um E-Mails, Web-Suche, Kalender, Notizen, Tabellen, Texte oder Präsentationen leichter zu nutzen.

„Derzeit dominieren Konzerne wie Google, Microsoft oder Yahoo mit eigenen oder zugekauften Diensten und Techniken die Angebote und Geschäftsmodelle im Internet. Hinzu kommt ein Schar von Angeboten, die vor allem durch die Aktivität ihrer Nutzer leben wie der Internettreffpunkt Facebook oder das Onlinelexikon Wikipedia – so genannte Web 2.0-Portale“, berichtet die Financial Times Deutschland.

Im künftigen Internet, dem Web 3.0 sollen so genannte semantische Techniken das weltweite Datennetz revolutionieren. Diese neuen digitalen Werkzeuge sollen nicht wie bislang nur einzelne Wörter in Texten erkennen, sondern vielmehr ganze Inhalte verstehen, interpretieren, mit standardisierten Schlagworten versehen und mit weiteren Informationen verknüpfen. Gleiches soll für digitale Fotos, Videos oder Musikdateien möglich werden. Die neue Wunderwelt soll auch über mobile Geräte wie Handys nutzbar sein. Gerade erst hat die Bundesregierung auf dem IT-Gipfel auf die Chancen einer Vorreiterrolle der Bundesrepublik bei der Schaffung wissensbasierter Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle hingewiesen. Es geht bei alledem „um die Semantik, also den Sinn und die Bedeutung von Inhalten, die über das World Wide Web transportiert werden. Im Web 2.0 gebe es eine Informations- beziehungsweise Linküberflutung, da beispielsweise Textdokumente letztlich auf eine sinnfreie Kombination aus Buchstaben reduziert werden. Fotos und Videos sind nur Ansammlungen von verschiedenfarbigen Pixeln. Die semantische Wende aber führe zu einem hochpräzisen Antwortverhalten in einem Web, das Sinnzusammenhänge in den Mittelpunkt stellt“, schreibt Focus-Online.

„Wenn es also gelingt, die Semantik von Texten, Bildern, Gesten und künstlerischen Darbietungen durch standardisierte Begriffe zu formalisieren, sodass die gewonnenen Daten maschinenlesbar sind, dann könnte die Vision der Antwortmaschine Realität werden. Eine Suchmaschine wie Google wäre dann überflüssig. Der Nutzer stellt stattdessen einfach seinem Handy eine Frage und es antwortet, anstatt eine Liste von unzähligen Suchergebnissen anzubieten“, so das Magazin.

Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen.

„Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‚Voicewebs’, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, resümiert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Update 2014:

Passiert ist auf diesem Feld wenig. Leere Versprechen.