Die 100-Jahresziele der KP China: Peking setzt auf Repression

Meister der Strategem-Lehre

1971 wurde die Volksrepublik China als Ständiges Mitglied des Sicherheitsrates in die Vereinten Nationen aufgenommen, nach und nach nahmen die westeuropäischen Staaten diplomatische Beziehungen mit China auf.

„2001 trat Peking der Welthandelsorganisation bei – es war einer der wichtigsten, von Washington, Brüssel und Berlin ausdrücklich unterstützten Schritte Chinas auf dem Weg zur wirtschaftlichen Supermacht. Doch die Hoffnung, ein politisch und ökonomisch eingebundenes China würde sich in einen offeneren, pluralistischen Staat verwandeln, hat sich zerschlagen. China ist heute so reich wie nie und so autoritär wie seit Jahrzehnten nicht“, schreibt Spiegel-Korrespondent Bernhard Zand.

Am vergangenen Wochenende beschloss nun die Kommunistische Partei, die Beschränkung der Amtszeit des chinesischen Präsidenten aufzuheben. Der Nationale Volkskongress, der kommende Woche zusammentritt, werde den Beschluss sicher bestätigen und Staatschef Xi Jinping seine Agenda des starken und repressiven Staates weiter vorantreiben, womöglich bis an sein Lebensende.

„China-Experten gehen allmählich die Superlative aus, um die Dimensionen von Xis Machtergreifung zu beschreiben. Die Ämterfülle seiner Vorgänger hat er bereits vor Jahren überschritten, seine Allgegenwart im modernen China ist nur mehr an der von Mao Zedong zu messen. Xi mit Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan zu vergleichen ist eine matte Untertreibung“, erläutert Zand.

Je stärker Peking werde, desto offener setzt es sich über Regeln hinweg, von denen es umgekehrt aber noch immer profitiert.

„Während chinesische Unternehmen von Bayern bis Kalifornien westliche Firmen kaufen, ist deren Marktzugang in China strikt beschränkt. Dass ein deutscher Konzern einen chinesischen Flughafen oder Anteile an einer führenden Bank erwirbt wie Chinas HNA-Group kürzlich in Deutschland, ist undenkbar. Während China die Welt mit Kulturvereinen und Konfuzius-Instituten überzieht und Korrespondenten der Staatspresse ungehindert aus dem Westen berichten, hat Peking ausländische NGOs dem Sicherheitsministerium unterstellt, akkreditiert Journalisten oder auch nicht, überwacht sie und behindert vielfach ihre Arbeit. Und während Peking jeden Empfang des Dalai Lama, jeden vermeintlichen Verstoß gegen die ‚Ein-China-Politik‘ diplomatisch bestraft, knüpft die KP weltweit formelle und informelle Netzwerke, welche die Souveränität anderer Staaten infrage stellen: In vielen kleinen Ländern entlang der ‚Neuen Seidenstraße‘, Chinas eurasischem Entwicklungsgürtel, investiert Peking Milliarden in Großprojekte, schafft damit zugleich aber neue finanzielle und politische Abhängigkeiten. Mit dem sogenannten 16+1-Format, seinem Zusammenschluss mit südost- und osteuropäischen Staaten, überschreitet diese Strategie Chinas bereits die Grenzen der EU“, führt Zand aus.

Der Verfassungsschutz wirft den chinesischen Diensten gar einen „breit angelegten Versuch der Infiltration von Parlamenten, Ministerien und Behörden“ vor. Chinesische Agenten, sagt Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen, nutzten neuerdings soziale Netzwerke, um „im großen Stil“ Quellen anzuwerben.

Soweit die Spiegel-Analyse. Ist das überraschend? Wer die Schriften des Sinologen Harro von Senger kennt, dürfte über dieses Szenario nur müde lächeln. Die Supraplanungen der KP China sind kein Geheimnis:

„China verfolgt zwei 100-Jahresziele – siehe mein Buch ‚Supraplanung‘ ab Seite 115 – und in deren Rahmen die vier Modernisierungen, ohne die die beiden Ziele nicht erreicht werden können, darunter die Modernisierung der Industrie und die Modernisierung der Wissenschaft, Technik, Landwirtschaft und Landesverteidigung, die Modernisierungen 3 und 4 – schon statuiert in der Verfassung der VRCh vom März 1978 und auch in der jetzt geltenden Verfassung vom 4.12.1982, jeweils Präambel, beide Verfassungen sind im Internet abrufbar“, so die Stellungnahme von Harro von Senger gegenüber ichsagmal.com.

Die beiden Ziele könne China nicht autark erreichen, sondern nur mit Hilfe des bereits modernisierten westlichen Auslands.

Zur Modernisierung von Industrie unter Rückgriff auf den bereits modernisierten Westen werden verschiedene Massnahmen ergriffen u.a.: Joint-venture Gesetz vom Juli 1979, siehe insbesondere Art. 5; Kopieren (legal: wenn die ausländische Firma den Marken- oder Patentschutz in China nicht eintragen liess, oder auch illegal); Zeitlich begrenzte Anstellung westlicher Experten, besonders gerne ausgemusterte westliche Spezialisten im Ruhestand, deren hoher Kenntnisstand abgeschöpft wird; Sendung von Studierenden seit den 1980er Jahren an westliche Hochschulen zur Weiterbildung – vor allem in naturwissenschaftlich-technischen Fächern; Übersetzen von westlicher Fachliteratur; Einladung westlicher Koryphäen für Vorträge nach China; Kauf von ausländischen Firmen, zum Bespiel Daimler, zum Zwecke des Zugangs zur „fortschrittlichen Technologie“ der betreffenden Firma. All das liegt offen vor.

Diese politische Dimension und der Einsatz der Strategeme fehlt häufig in der Betrachtung des chinesischen Marktes. Beispielsweise hier: AUFSTIEG des ROTEN DRACHEN: Wie China sich zum technologischen Powerhouse wandelt – Ein INSIDER-Interview.

In seinem jüngsten Buch beschäftigt sich übrigens Harro von Senger mit dem Thema Schweiz und China – eine Verwandtschaft im Geist:
Weisheit und List fliessen in China ineinander über. Und die Schweiz verfügt über eine ganz eigene Listkompetenz. Nachzulesen in dem Opus: „Das TAO der Schweiz“.

Naiv sollte man übrigens auch nicht beim Einsatz chinesischer Web-Dienste sein: Mit Schleimpunkten fängt es an, mit Denunziantentum im Auftrag des Staates ist es Totalitarismus #KPChina #Mobike #WeChat #bgbd18

Facebook, Google und die Vorzensur #KPChina

Gilt nicht nur für Mark Zuckerberg
Gilt nicht nur für Mark Zuckerberg

Mit analogen und digitalen Instrumenten werden immer intensiver Regel-Befolgungs-Automaten herangezüchtet:

„Fast überwunden geglaubte Herrschaftsformen leben wieder auf und verschärfen sich teilweise in Form von Benchmarking- und anderer Evaluationspraktiken. Im Grunde hat der Taylorismus nur eine andere Form angenommen und sich vertieft“, mahnt der Buchautor Reinhard K. Sprenger in seinem jüngsten Werk mit dem vielsagenden Titel „Das anständige Unternehmen“, erschienen im DVA-Verlag.

Mitarbeiter-Bashing mit Monitoring-Systemen

Freiräume werden immer mehr eingeengt, die letztlich in massiven Freiheitsbeschränkungen münden. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am meisten runterzieht, sei nach Auffassung von Sprenger nicht das offene Misstrauen der Vorgesetzten:

Es ist das Pseudovertrauen, das knitterfreie, korrekt-opportune Verbalvertrauen, das mit der Forderung nach Transparenz einhergeht und sich dadurch ad absurdum führt.

Man sagt seinem Gegenüber nicht mehr offen die Meinung, sondern versteckt die Giftpfeil-Attacken gegen Untergebene hinter Reporting- und Monitoring-Systemen. Denn Zahlen können ja nicht lügen – kleiner Scherz des Notiz-Amtes.

Mit Ethik-Seminaren zum betreuten Arbeiten

Mit den Tabula rasa-Steuerungsmethoden zerschlägt man das individuelle Anderssein. Jede Abweichung von einer Norm wird pathologisiert.

„Dahinter steckt eine weit verbreitete Optimierungsideologie“, so Sprenger, der von einer Pädagogisierung der Unternehmensführung spricht.

Unterschiede werden über das Personalmanagement wegtherapiert. Übrig bleibt eine geschmeidige Formmasse, die einer Sekte sehr nahe kommt. Dazu zählt Sprenger auch Mitarbeiterbefragungen, Ethik-Seminare oder ganzheitlich-idiotische Feedback-Rituale, die zur Entmündigung des Menschen beitragen. Übrig bleibt „betreutes Arbeiten“. Es werden immer mehr Distanzen und Freiräume verschüttet, die sich mit menschlichem Anstand nicht vereinbaren lassen. Die Distanzlosigkeiten werden als solche oft gar nicht wahrgenommen und falls doch, werden sie als Fürsorge und Hilfe interpretiert.

„Aber der Preis ist hoch. Man lebt wie unter einer Glasglocke“, führt Sprenger im Welt-Interview aus.

Wenn in Gesellschaften und Organisationen der dümmliche Spruch von Facebook-Chef Mark Zuckerberg „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“ zum Maßstab des Zusammenlebens wird, bleibt am Ende nur noch die Führungsphilosophie der Kommunistischen Partei China übrig. Man landet in der Falle einer freiheitsfeindlichen Vorzensur, die sich im Kopf abspielt. Nachzulesen in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten.

Tendenz zur Gleichförmigkeit
Tendenz zur Gleichförmigkeit

Dazu passt das von Professor Gerd Gigerenzer auf der re:publica kritisierte Big Nudging: Also eine Kombination von Big Data mit Nudging-Steuerung. Der Staat versucht, die Bürgerinnen und Bürger in die richtige Richtung zu lenken, ohne gesetzgeberische Hebel anzusetzen.

Die Regierungen in den USA und Großbritannien verfügen über Nudging-Teams, die täglich das volkspädagogische Steuerrad bewegen. Menschen seien einfach nicht in der Lage, Risiken richtig einzuschätzen, so dass sie ein wenig angestupst werden müssen.

Der chinesische Staatsrat hat Nudging mit Big Data verbunden und einen harmlos klingenden „Social Citizens Score“ eingeführt, der über die kommunalen Regierungsvertreter flächendeckend zur Anwendung kommen soll. Basis für die Korrektheitsberechnung ist der Sesame Credit Score der Ant Financial Services Group, einer Tochtergesellschaft von Alibaba. Neben der finanziellen Kreditwürdigkeit kommen Variablen zur Berechnung der sozialen und politischen „Kreditwürdigkeit“ in den Algorithmus des Plattform-Betreibers rein. Die Kommunistische Partei China macht das sehr transparent, so dass jedem Schäfchen des Landes klar ist, was die Parteiführung von „ihrem“ Volk erwartet.

Man kann in dem „moralischen“ Dokument der KP nachlesen, was zu einem schlechten Score-Wert führt. Ähnliches hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt formuliert:

„Wenn wir etwas tun, was andere nicht wissen sollten, dann sollten wir es besser nicht tun.“

Gigerenzer verortet erstaunliche Parallelen zwischen Google und der KP China. Ähnliches könnte man auch zum Zitat von Mark Zuckerberg sagen….

Was kann man tun? Mehr dadaistische Algorithmen produzieren, wie von @FrauFrohmann vorgeschlagen?

Weitere Ideen?

Innovationsmacht China und die Strategem-Blindheit des Westens

„They are starting to out-innovate the home-grown competition“ mit diesem Satz endet die Cover Story des neuesten „Economist“ mit dem Titel „Who’s afraid of Huawei?“. Wird China die neue Innovationsmacht? Mit dieser Frage beschäftigt sich am Freitag, den 31. August die Innovationskonferenz des Schweizer Beraters Bruno Weisshaupt.

Grund genug mit ihm ein Interview zu führen – auch als Vorbereitung meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin „The European“. Der Netzwerkausrüster „Huawai“ spielt in dem Gespräch natürlich auch eine Rolle. Angesicht der Tatsache, dass ALU und NSN vor dem Aus stehen, bleibt nur noch Ericsson als ernsthafte Konkurrenz übrig. Wenn China in der Kommunikations-Infrastruktur ein Monopol erreicht hat, werden sie dann – so wie der Westen in den letzten Jahrzehnten – im Gegenzug so in den Westen investieren, dass hier eine effektive Konkurrenz hochkommt, oder wird der Westen abhängig?

Wer macht denn die Musik im zukunftsträchtigen Mobile Business? Die Taktgeber sind hier Apple und Google. Von den verstaubten Telcos ist wenig zu sehen. Das kann man jährlich auf der Mobile World in Barcelona erleben. Es reicht eben nicht aus, eine Digitaleinheit zu gründen, um an der Expansion der Netz-Ökonomie zu partizipieren. Dabei gibt es viel zu tun. Das werden vor allem die Netzausrüster wie Huawei offensiv angehen: die Digitalisierung aller Wirtschaftszweige. Die Antworten von Weisshaupt werte ich für meine Kolumne aus.

In der westlichen Welt scheint man zu meinen, „Hintergrundwissen über die Volksrepublik China sei überflüssig, es genüge, von Fall zu Fall die Tagesereignisse zu verfolgen und mit westlichen Alltagswissen ad hoc zu reagieren“, so die Erfahrung von Professor Harro von Senger. Der Sinologe ist einer der Hauptredner der Schweizer Tagung und spricht über das Thema: „Vom Gleichziehen zum Überflügeln: China auf dem Weg zur Innovation – eine Standortbestimmung 2012“.

Mit der Forschung des China-Kenners beschäftige ich mich nun schon seit einigen Jahren. Immer noch zählt es wohl zu den Kardinalfehlern westlicher Politiker und Manager, die Bedeutung der Strategem-Kunde in der Außen- und Innenpolitik Chinas zu unterschätzen. Dabei hat Harro von Senger alles sehr genau dokumentiert:

„Welche Rolle das Gesetzesrecht in der Volksrepublik China spielt und welchen Stellenwert es in diesem Land hat, stelle ich in ‚Supraplanung’ deutlich dar. Wenn man die Verfassungsartikel zur Kenntnis nehmen und in ihrer vollen Tragweite begreifen würde, dann würde vieles, was in der politischen Tagespraxis geschieht, durchschaubar und leicht vorhersehbar werden. Aber leider werden offizielle Dokumente der Volksrepublik China im Westen regelrecht boykottiert und planmäßig nicht gelesen oder mit einem Lacher abgetan.“

In Anlehnung an Gottfried Wilhelm Leibniz plädiert von Senger dafür, dass die westliche Belehrungsgesellschaft sich in eine Lerngesellschaft im Verhältnis zu China wandeln sollte. Der Westen müsse den tief verwurzelten Kulturhochmut ablegen und sich darum bemühen, das amtliche Denken in der Volksrepublik China, insbesondere das Bezugssystem der Kommunistischen Partei Chinas von innen heraus besser zu verstehen. Europa und die USA seien nach der chinesischen Strategemkunde eine leichte Beute und eine optimale Spielwiese für die Anwendung des Strategems Nummer 33: Das Strategem des Zwietrachtsäens.

Als Beispiel führt von Senger den Dalai-Lama-Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einigen Jahren an, der dazu führte, dass Chinas Führer reihenweise Termine mit Deutschen absagten. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy wurde demgegenüber höchst freundlich empfangen und mit Aufträgen in Höhe von 20 Milliarden Euro überschüttet. Beliebt bei Machtkonflikten sind auch Ausmünzungs-Strategeme:

„Sie dienen der Ausnutzung einer eigens herbeigeführten oder sich ohne eigenes Dazutun ergebenden Wirklichkeits-Konstellation, zum Beispiel Strategem Nummer 20: ‚Das Wasser trüben, um die ihrer klaren Sicht beraubten Fische zu fangen‘, schreibt von Senger in seinem Opus „36 Strategeme für Manager“ (erschienen bei Hanser).

Oder das Strategem Nummer 19: „Unter dem Kessel das Brennholz wegziehen“. Das Brennholz ist die Kraftquelle, die das Wasser im Kessel zum Sieden bringt. Das Wasser erkaltet, sobald man das Brennholz entfernt. Es wirkt als Kraftentziehungs-Strategem. Man nimmt jemanden den Wind aus den Segeln, gräbt ihm das Wasser ab, entzieht ihm den Boden. Als Strategemprävention hält der Sinologe von Senger eine genaue Überprüfung aller denkbaren Szenarien gegnerischer Eingriffe für essentiell.

Firmenübernahmen oder politische Interventionen gegen Internetzensur wird die KP China niemals zulassen. Sie stehen im Widerspruch zu den machtpolitischen Strategemen. Die Prinzipien sind simpel:

„Vom Import zum Export, vom Lernen zur Neuschöpfung“.

Es geht um die Befolgung der Polaritätsnorm:

„Ausländisches für China nutzbar zu machen“.

In Peking wird man westliche Unternehmen nur tolerieren, solange sie den Zielen der KP nutzen und sich in die Gastrolle fügen. Hier kommt die Dialektik von Mao Tse Tung zum Einsatz:

„Alles Ausländische muss so behandelt werden wie unsere Speise, die im Mund zerkaut, im Magen und Darm verarbeitet, mit Speichel und Sekreten des Verdauungsapparates durchsetzt, in verwertbare und wertlose Bestandteile zerlegt wird, worauf die Schlacken ausgeschieden und die Nährstoffe absorbiert werden, sodass unser Körper Nutzen von der Speise hat; das Ausländische darf keineswegs mit Haut und Haaren roh verschlungen, kritiklos einverleibt werden.“

Professor von Senger empfiehlt den westlichen Politikern und Managern bei China-Geschäften dem Rat von Jesus zu folgen:

„Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). „In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts sollte der verborgene Schatz, der in dem bei uns unbekannten Ausspruch Jesu ruht, gehoben werden“.

Es sei unverzichtbar, sich ein optimales Listwissen anzueignen. Im politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb unterliege die Listenblindheit der Listkompetenz. Das gelte für Politiker und Unternehmer. Ansonsten könnte vielleicht Chuck Norris helfen….

Aber statt sich mit der neuen Innovationsmacht China auseinanderzusetzen, verplempern wir leider unsere Zeit mit der endlosen Eurokrisen-Debatte, die sich Kreis dreht. Beispiel: Aufstand der Bundesbank nur vorerst verschoben?

Update zur China-Story. Interview mit Dr. Roman Friedrich von Booz & Co.

Coca Cola scheitert an Mao: Ausländisches im Dienst der Kommunistischen Partei in China

Listkompetenz der KP China
Listkompetenz der KP China
In westlichen Medienberichten wundert man sich wieder über China. So durchkreuzt die Regierung in Peking die Pläne von Coca Cola und verbietet die Übernahme des größten chinesischen Saftherstellers Huiyuan. Das 2,4 Milliarden Dollar schwere Geschäft schade dem „Wettbewerb“ und sei daher auch nicht im Interesses der Verbraucher, erklärte verklausuliert das Handelsministerium. Nun bricht bei ausländischen Investoren wieder die Heulerei aus. Man spricht von Rückschlag, Verunsicherung und Protektionismus. Ätsch. In ihrem Expansionsdrang macht China keine Abstriche und kauft sich lustig in westliche Schlüsselbranchen ein. Zuhause hält Peking den Laden sauber. Die Empörungsspirale verläuft immer nach dem gleichen Muster, weil westliche Politiker und Manager einfach nicht kapieren, nach welchen Strategemen China vorgeht. Dabei hat der Sinologe Harro von Senger alles sehr genau dokumentiert: „Welche Rolle das Gesetzesrecht in der Volksrepublik China spielt und welchen Stellenwert es in diesem Land hat, stelle ich in ‚Supraplanung’ deutlich dar. Wenn man die Verfassungsartikel zur Kenntnis nehmen und in ihrer vollen Tragweite begreifen würde, dann würde vieles, was in der politischen Tagespraxis geschieht, durchschaubar und leicht vorhersehbar werden. Aber leider werden offizielle Dokumente der Volksrepublik China im Westen regelrecht boykottiert und planmäßig nicht gelesen oder mit einem Lacher abgetan. In Europa scheint man zu meinen, Hintergrundwissen über die Volksrepublik China sei überflüssig, es genüge, von Fall zu Fall die Tagesereignisse zu verfolgen und mit westlichen Alltagswissen ad hoc zu reagieren“, sagte von Senger im Interview mit NeueNachricht. In seinem Opus „Supraplanung“ legt er fundiert dar, wie nachhaltig und langfristig der Sinomarxismus von der kommunistischen Partei in China vertreten wird. Jeder, der sich die Mühe mache, die Satzungen der Kommunistischen Partei Chinas vom 14. November 2002 und vom 21. Oktober 2007 zu lesen, werde auf den folgenden in beiden Satzungen übereinstimmenden Passus stoßen: „China befindet sich jetzt im Anfangsstadium des Sozialismus und wird sich über eine längere Zeit in diesem Stadium befinden. Das ist ein unüberschreitbares Stadium bei der Modernisierung im wirtschaftlich und kulturell rückständigen China, das mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen wird….Das höchste Ideal und das endgültige Ziel der Partei ist die Verwirklichung des Kommunismus“.

Firmenübernahmen, wie von Coca Cola geplant, wird die KP China niemals zulassen. Sie stehen im Widerspruch zu den machtpolitischen Strategemen. Die Prinzipien sind simpel: „Vom Import zum Export, vom Lernen zur Neuschöpfung“. Es geht um die Befolgung der Polaritätsnorm: „Ausländisches für China nutzbar zu machen“. In Peking wird man westliche Unternehmen nur tolerieren, so lange sie den Zielen der KP nutzen und sich in die Gastrolle fügen. Hier kommt die Dialektik von Mao Tse Tung zum Einsatz:
„Alles Ausländische muss so behandelt werden wie unsere Speise, die im Mund zerkaut, im Magen und Darm verarbeitet, mit Speichel und Sekreten des Verdauungsapparates durchsetzt, in verwertbare und wertlose Bestandteile zerlegt wird, worauf die Schlacken ausgeschieden und die Nährstoffe absorbiert werden, sodass unser Körper Nutzen von der Speise hat; das Ausländische darf keineswegs mit Haut und Haaren roh verschlungen, kritiklos einverleibt werden“.

Professor von Senger empfiehlt den westlichen Politikern und Managern bei China-Geschäften dem Rat von Jesus zu folgen: „Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). „In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts sollte der verborgene Schatz, der in dem bei uns unbekannten Ausspruch Jesu ruht, gehoben werden“. Es sei unverzichtbar, sich ein optimales Listwissen anzueignen. Im politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb unterliege die Listenblindheit der Listkompetenz. Das gelte für Politiker und Unternehmer.