Netz-Rauschen: Wucher-Gebühren der GEMA, heuchlerische Wut-Reden und weinende Facebook-Spekulanten

Heinrich Rudolf Bruns, Mitglied im bloggenden Quartett (Geburtsort: Ständige Vertretung in Berlin – nach ein paar Gläschen Kölsch. Zum Quartett gehören noch Hannes Schleeh, Bernd Stahl und icke) hat eine sehr schöne Story aufgetan: Aus 10 Cent werden fast 2 Euro – Der USB-Stick wird richtig teuer.

„Die Welle der Empörung gegen die Disco-Tarif-Erhöhung der GEMA ist grade etwas abgeflaut, da droht neues Ungemach: Zum 1. Juli 2012 erhöhen sich die Tarife für USB-Sticks und Speicherkarten. Statt bislang 10 Cent pro Stick oder Karte wird künftig nach Größe und Art unterschieden. In den letzten Wochen entschied die Schiedsstelle des Patentamtes in München zu Gunsten der Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ). Der alte Vertrag mit den Herstellern war 2011 ausgelaufen, die Verhandlungen scheiterten und die GEMA machte das, was sie dann immer tut: Sie veröffentlicht die neuen Tarife einseitig, so dass die Gegenseite zur Feststellung der Rechtmäßigkeit zum Patentgericht gehen kann. Bei der Abgabe auf Leermedien handelt es sich nicht um eine neue Erfindung: Seit 1963 erhebt die ZPÜ diese Gebühr. Jeder, der irgendwann mal ein Tonband oder eine Leer-Cassette kaufte, einen CD- oder DVD-Rohling, hat sie schon über den Ladenpreis entrichtet. Bislang waren die Tarife mit 0,10 Euro je Stick/Karte einheitlich, ab 1. Juli wird zunächst einmal nach Größe, dann aber auch nach Art des Mediums unterschieden. Für USB-Sticks mit einer Kapazität bis einschließlich 4 GB müssen künftig 91 Cent abgeführt werden, USB-Sticks mit einer Speicherkapazität größer 4 GB schlagen mit 1,56 Euro zu Buche. Speicherkarten bis 4 Gigabyte kosten ebenfalls 0,91 Euro, über 4 GB sind 1,95 Euro zu berappen.“

Das ist Wucher!

Mein Kollege Walter Warnecke greift die hysterische Reaktion auf den Börsenstart von Facebook auf: Sieht die Zukunft von Facebook nach den ersten Handelstagen wirklich so düster aus?

„Wofür steht eine Kursexplosion in den ersten Handelstagen? Für eine Unterbewertung des Unternehmens vor dem Börsengang, einem zu günstigen Zeichnungspreis. Die Konsortialbanken haben bei dem Facebook IPO ihre Hausaufgaben gemacht, wie auch Patrick Bernau und Martin Hock in einem Kommentar auf FAZ.net schreiben. Die Erstzeichner der Aktie wurden ausgereitzt. Solange die Investmentbanken Zeichner finden, die für den Ausgabepreis von 38$ zuschlagen, haben sie ihre Arbeit doch ausgezeichnet erledigt. Banken und Facebook sind glücklich. Es haben sich anscheinend genügend Muppets gefunden, die bereit waren diesen Preis zu zahlen, da kann man niemandem einen Vorwurf machen.“

„Bei dem Hype dabei zu sein und als einer der ersten Facebook-Anteile in der Hand zu halten wurde durch die Berichterstattung noch einmal verstärkt. Dabei wurden die Anleger wohl von der Gier und dem Gedanken getrieben, schlauer als die Konsortialbanken zu sein. Das melken der Erstzeichner und das ausgebliebene Kursfeuerwerk mussten die Banken in den ersten Handelstagen durch Stützungskäufe allerdings schon teuer bezahlen.“

Sein Fazit:

„Vielleicht werden die letzten in diesem Fall die ersten sein. Wenn der Kurs der Aktie einen soliden Boden findet und der Anfangshype verflogen ist, dann dürften auch die langfristig orientierten Anleger über einen Kauf nachdenken. Die gesamten Leerverkäufe, Short Squeezes und Stützungskäufe verhindern eine solide Kursfindung noch.“

Bei aller berechtigten Kritik an Mark Zuckerberg. Er hat vor diesem Hype ausdrücklich gewarnt, wie Karl-Heinz Land von Microstrategy im Interview mit NeueNachricht betont:

„Mark Zuckerberg hat von Anfang an gesagt, dass er den Börsengang umsetzen wolle, um die Weiterentwicklung seines Unternehmens als soziales Netzwerk sicherzustellen. Deshalb sind auch die eingereichten Aktionärsklagen wegen des Kursrückganges in den vergangenen Tagen nicht sachgemäß. Zuckerberg hat selbst vor dem Hype gewarnt und noch Tage vor dem Börsenstart klar auf die langfristige Ausrichtung seines Konzerns hingewiesen. Die Kurzfrist-Spekulanten fallen jetzt auf die Nase. Wer für die Aktie für 40 Dollar gekauft hat, erlebt ein böses Erwachen. Facebook ist kein Zockerpapier für schnelle Gewinne. Der Kursverlust ist eine gute Option, um Aktien zu kaufen für eine langfristige Perspektive“, so Land. Ähnliches konnte man auch beim Börsenstart von Google beobachten. Auch da hätten die Analysten von einem Kauf abgeraten und vor dem Google-Gaga-Effekt gewarnt. Mittlerweile habe sich der Wert der Google-Aktie verfünffacht. Das sei auch nicht über Nacht entstanden und brauchte seine Zeit.

Wo die Reise im F-Commerce und Social Commerce hingeht, thematisiert Microstrategy im Juli in Amsterdam beim iCommerce Summit.

Auf Facebook wird die Disputation fortgesetzt.

Zum Facebook-Börsengang führe ich morgen übrigens ein Telefoninterview mit Ralf Kreutzer, Professor für Marketing an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

Wer G wie GEMA sagt, darf natürlich G wie Geo oder G wie Gaede nicht unerwähnt lassen. Siehe mein Blogpost: Freibeuter-Wutrede des Geo-Chefs: Wer gegen Piraten schießt, sollte von verärgerten Autoren nicht schweigen

Dazu kommentiert Susanne Baumgarten:

„Guter Artikel, der meine ersten Gedanken beim Lesen des Artikels von Gaede aufgreift. In der ganzen Diskussion um unser Urheberrecht wird selten davon gesprochen/geschrieben, dass die Verwerter in der Regel nicht auf der Seite der Urheber stehen. Im Gegenteil, wenn man die letzten Jahre in der Verlags-, Fernseh- und Werbebranche beobachtet hat. Stichworte: Buyout-Verträge, angemessene Vergütung,…“

Sehe ich auch so.

Facebook dominiert Social Media Marketing: Da könnten die Sterbeglöcklein von Weichert und Co. zu früh läuten

Beim Social Media Marketing dominiert nach einem Bericht von t3n (E-Commerce-Studie 2012: Wie deutsche Onlineshops SEO, SEA und Social Media einsetzen) wenig überraschend weiterhin Facebook. „Mit großem Abstand folgen dann Twitter und Google+. Hier sind die Unterschiede in der Herangehensweise der einzelnen Shops aber auch noch sehr deutlich. Während beispielsweise Elektronikshops wie Apple oder TomTom sehr stark im Social Web präsent sind, ist die Sichtbarkeit in anderen Branchen wie Kosmetik, Arzneimittel oder Heimwerker noch sehr gering.“

t3n beruft sich auf die E-Commerce-Studie mit dem Titel „SEO, SEA und Social Media bei deutschen Online-Shops 2012“.

Warum kurz nach dem Börsenstart von Facebook schon die Sterbeglöcklein für den Zuckerberg-Konzern ertönen, ist nicht nachvollziehbar. Selbst die Kursrückgänge in den vergangenen Tagen sind kein Grund, in den Jammer-Chor von Bild und Co. einzustimmen. Mit was hat man denn gerechnet? Kurzfristige Rendite einheimsen in Daytrading-Zocker-Manier? Das ist doch in den vergangenen drei Jahren immer kritisiert worden.

Der Börsengang wird von Kritikern mit Spott und Häme bedacht, die schon vorher mit dem weltweit größten Social Network auf Kriegsfuß standen, wie der Datenschützer Thilo Weichert (Weichert, nicht Facebook hat ein Problem).

Kurz vor dem Niedergang der New Economy vor 12 Jahren schrieb übrigens die Bild-Zeitung noch, dass man Aktien kaufen solle.

„Wenn die eine ‚Kaufempfehlung‘ abgeben, sollte man das Gegenteil tun. Jetzt publiziert das Boulevardblatt das Gegenteil und wertet den Börsengang bereits als Flop. Das ist natürlich Unsinn. Genau das Gegenteil ist der Fall. Facebook konnte die Kassen füllen, was auch für die Aktionäre gut ist. Jetzt kann der Konzern nachhaltig seine Geschäftsstrategie entwickeln. Mark Zuckerberg hat von Anfang an gesagt, dass er den Börsengang umsetzen wolle, um die Weiterentwicklung seines Unternehmens als soziales Netzwerk sicherzustellen. Deshalb sind auch die eingereichten Aktionärsklagen wegen des Kursrückganges in den vergangenen Tagen nicht sachgemäß. Zuckerberg hat selbst vor dem Hype gewarnt und noch Tage vor dem Börsenstart klar auf die langfristige Ausrichtung seines Konzerns hingewiesen. Die Kurzfrist-Spekulanten fallen jetzt auf die Nase. Wer für die Aktie für 40 Dollar gekauft hat, erlebt ein böses Erwachen. Facebook ist kein Zockerpapier für schnelle Gewinne. Der Kursverlust ist eine gute Option, um Aktien zu kaufen für eine langfristige Perspektive“, sagt Karl-Heinz Land von Microstrategy.

Ähnliches konnte man auch beim Börsenstart von Google beobachten. Auch da hätten die Analysten von einem Kauf abgeraten und vor dem Google-Gaga-Effekt gewarnt. Mittlerweile habe sich der Wert der Google-Aktie verfünffacht. Das sei auch nicht über Nacht entstanden und brauchte seine Zeit. Im Konzert des Wehklagens habe ich die Gegenmeinung von Land etwas ausführlicher eingefangen.

Zu lesen unter: Facebook-Aktie nichts für Kurzfrist-Spekulanten: Aktionäre sollten auf die langfristigen Strategien des kalifornischen Konzerns setzen.

„Finance Blog of the Year 2012 – Nominee“

So darf ich jetzt meinen Blog titulieren. Das hat mir Smava mitgeteilt:

Sie wurden mit Ihrem Blog „http://ichsagmal.com/“ für den Finance Blog of the Year 2012 nominiert. Dazu möchten wir Ihnen recht herzlich gratulieren! Ihre Nominierung haben wir auf der Aktionsseite zu unserem Finance Blog of the Year-Wettbewerb erhalten, möglicherweise durch einen Ihrer Leser. Falls das für Sie überraschend kommt, finden Sie hier alle Nominierungen und Informationen zu dem Wettbewerb: http://www.smava.de/4821+Finance-Blog-of-the-Year-2012—Uebersicht.html

Der weitere Ablauf sieht wie folgt aus:
1. Unter allen nominierten Blogs wird eine Jury die 15 besten als Finalisten auswählen

2. Anschließend wird dann unter den 15 Finalisten der Gewinner in einer Abstimmung ermittelt, an der jeder teilnehmen kann

Soweit die Mitteilung. Man kann auch etwas gewinnen. Hauptpreis ist übrigens eine London-Reise.

Um der Jury die Bewertung zu erleichtern, hier eine Auswahl meiner Finanzthemen, die zwar nicht im Vordergrund meiner Berichte stehen, aber auch nicht ganz unwichtig sind:

Die Sache mit dem Geld: Warum man die Hütchenspiele der Spekulatius-Boys verbieten sollte.

Bundesbankpräsident in Köln: Finanzpolitik droht an Inkonsistenzen zu scheitern – Eurosystem darf nicht mit weiteren Risiken belastet werden.

Politische Gesäßgeografie bringt uns in der Finanzpolitik nicht weiter.

Myron Scholes traut sich nach Lindau: Mister Spekulatius beim Treffen der Wirtschaftsnobelpreisträger.

Jenseits von Angebot und Nachfrage: Warum die Ökonomenzunft politischer werden muss.

Reguliert die Börsenbubis! Die Schnöselkrieger auf den Finanzmärkten brauchen strengere Regeln.

BWL-Schnösel und die Leiden der Realwirtschaft #Börsencrash.

Ratingagenturen als Staat im Staate: Die Fehlurteile der Ramsch-Experten.

Soweit ein kleiner Überblick aus der letzten Zeit. Ist ja doch einiges zusammengekommen. Vielen Dank übrigens an Unbekannt für die Nominierung.

Finance Blog of the Year 2012

Ratingagenturen als Staat im Staate: Die Fehlurteile der Ramsch-Experten


So langsam wachen nun auch die Politiker in Europa auf und positionieren sich gegen die Allmacht der Ratingagenturen. Man darf nicht vergessen, dass ein großer Teil der Bankenprobleme mit faulen Wertpapieren durch die höchst fragwürdigen Bewertungen aller möglichen „innovativen“ Finanzprodukte entstand. Vor vieren Jahren gaben die Ratingagenturen noch beste Bewertungen für Griechenland ab und votieren jetzt mit einer Einstufung auf dem Niveau von Pakistan oder Jamaika. Da sag ich noch mal: Idioten sind die besseren Experten! Die Forderung des Hamburger Ökonomen Thomas Straubhaar ist deshalb richtig: „Entmachtet die Ratingagenturen.“ Man dürfe das Treiben dieser Agenturen nicht ernst nehmen. Es seien Einschätzungen unter vielen.

„Bei aller Entrüstung der Politiker darf aber auch nicht vergessen werden, dass sie den Rating-Schlamassel selbst mitverursacht haben. Denn die Agenturen haben niemanden gezwungen, ihr Urteil zum Maßstab zu erheben. Sie machen einfach ihren Job. Dennoch wurde der Bezug auf Bonitätsnoten in viele Gesetze übernommen – etwa EU-Richtlinien, welche die Eigenkapitalvorschriften namens Basel II europaweit verbindlich machen“, schreibt Spiegel Online.

Auf den Punkt hat das Professor Rudolf Hickel in einem Beitrag für das Debattenmagazin „The European“ gebracht:
Das völlig überschätztes, allmächtiges Urteil der Ratingagenturen könne für Unternehmen und Staaten massive Folgen haben. „Sind die Noten zu gut, profitieren die Investmentbanken, die die bewerteten Finanzprodukte aufgelegt haben. Je schlechter dagegen die Note, umso höhere Zinsen müssen gezahlt werden. Es kann sogar zum Boykott bei der Kreditvergabe kommen. Damit übernehmen die Rating-Agenturen eine quasi-hoheitliche Staatsaufgabe. Diese wird jedoch von privatwirtschaftlichen und damit an der Gewinnerzielung ausgerichteten Unternehmen wahrgenommen. Zur jüngsten Geschichte der meisten Rating-Agenturen gehört die Blamage in der letzten Finanzmarktkrise. Es wurden künstliche Vermögensanlagen, die sich später als Ramschpapiere herausstellten, mit den besten Noten versehen. Für diese Fehlurteile übernehmen die Rating-Agenturen keine Verantwortung. Dies steht klar im Widerspruch zu ihrem Einfluss„, kritisiert Hickel. Da wirkt die Aussage des Deutschland-Chefs der US-Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P), Torsten Hinrichs, wie Realsatire: Die Bedeutung hätten sich die drei großen Agenturen über die vergangenen Jahrzehnte erarbeitet.

Die Finanzmärkte sowie die Europäische Zentralbank sollten sich von den Ratschlägen unabhängig machen. „Es wird schon lange eine grundlegende Reform gefordert. In den USA wird die Demontage dieser Schuldenrichter verlangt. Die Bundesregierung arbeitet an einer Reforminitiative. In Europa wird eine EU-Rating-Agentur vorgeschlagen, die allerdings politisch völlig unabhängig vor allem von der Europäischen Zentralbank arbeiten muss“, so Hickel. Die Frage ist nur, warum man seit 2009 nichts getan hat?

Müll-Geschäfte drehen sich weiter: Der Grüne Punkt und die Heuschrecken

Vor ein paar Tagen wurde bereits berichtet, dass sich der amerikanische Finanzinvestor KKR beim Grünen Punkt-Müllkonzern „zurückzieht“. „Neuer Eigentümer des Kölner Unternehmens wird das Management unter Führung von Stefan Schreiter, 45, der die Firma seit 2006 lenkt….Allerdings stemmen die DSD-Manager den Kauf nicht alleine. Sie erwerben lediglich einen nicht bezifferten Teil der Anteile. Der Rest geht an die britische Private Equity-Gesellschaft Solidus Partners. Einer der Solidus-Partner, Philippe von Stauffenberg, soll Beiratsvorsitzender des DSD werden. Zum Verkaufspreis machten die Beteiligten keine Angaben. Finanzkreisen zufolge soll KKR einen niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag erlöst haben. Vor sechs Jahren hatte der amerikanische Finanzinvestor 260 Millionen Euro für den Entsorger von Verpackungsmüll bezahlt. Schreiter, der vor seiner Tätigkeit beim DSD, Finanzchef des weltweit größten Herstellers von Gasfedern, Stabilus, war, will das Unternehmen künftig auch international voranbringen. In Deutschland hat der ehemalige Monopolist in den vergangenen Jahren durch wachsende Konkurrenz erhebliche Marktanteile verloren“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Interessant wäre es ja schon, wer sonst noch zur Gruppe der privaten und institutionellen Investoren zählt, die am Kauf beteiligt sind. Einen Namen habe ich schon gehört, konnte ihn aber noch nicht verifizieren. Hier kann man raten.

Weiß eigentlich noch jemand, wie der Deal vor gut fünf Jahren über die Bühne geht. Die ARD-Reportage, siehe oben, hat das komprimiert dargestellt. Der Private-Equity-Fonds Kohlberg Kravis Roberts (KKR) hatte für den Kauf der damaligen „Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland AG“ (DSD) wenig eigenes Kapital aufwenden müssen, berichtete damals das Manager Magazin. „Von den 260 Millionen Euro Kaufpreis stammen nur rund 100 Millionen tatsächlich aus dem Geld von KKR-Investoren. Bei den übrigen 160 Millionen handelt es sich um Bankkredite, die KKR über eine Tochter namens Deutsche Umwelt Investment AG (DUI) aufgenommen hat. Rückwirkend zum 1. Januar 2005 hat KKR die Deutsche Umwelt Investment AG mit der DSD AG verschmolzen. Auf diese Weise erbt das DSD die 160 Millionen Euro Bankschulden und KKR entledigt sich eine Großteils seines Investitionsrisikos – ein beliebter Kniff in der Private-Equity-Branche“, so das Hamburger Blatt.

Das Handelblatt recherchierte denn auch sehr schnell, dass sich der Kaufeinsatz schon im ersten Geschäftsjahr mehr als ausgezahlt hat: „Die für den Kauf aufgenommenen Bankkredite über 159 Millionen Euro konnten bis zum Jahresende komplett getilgt werden. Den von KKR eingesetzten 108 Millionen Euro als Eigenkapital stand nach zwölf Monaten ein Jahresüberschuss von 146 Millionen Euro gegenüber“. Eine solche Kapitalrendite von 35 Prozent sei selbst für Private-Equity-Firmen sensationell, wundert sich ein Brancheninsider.

Nach Auffassung des Kölner Journalisten Werner Rügemer brauche das Vorgehen der Heuschrecken Verbündete innerhalb des übernommenen Unternehmens: „Und so werden – man könnte es zynisch ‚Mitarbeiterbeteiligung‘ nennen – die bisherigen Geschäftsführer und Bereichsleiter in Kapitaleigner verwandelt. Wenn sie zum Kauf der Gesellschaftsanteile nicht genügend Geld haben, erhalten sie vom Finanzinvestor günstige Kredite“, führt Rügemer aus. Sarah Bartlett beschreibt in ihrem Buch „The Money Machine“, wie KKR Macht und Profite organisiert. Wer Allianzen mit KKR schmiede, könne gut verdienen. Juristen hätten die Chance, durch KKR-Beteiligungen Multimillionäre zu werden. Politiker könnten sich ihre Kampagnen-Kassen aufbessern lassen und mit Wall Street-Prominenz verkehren. Auch Vorstandschefs werde es ermöglicht, durch Beteiligungsrechte an KKR-Firmen Millionen zu verdienen.

Bin gespannt, wie diese Müll-Story weitergeht? Ein Umweltpolitiker flötete mir kürzlich ins Ohr, dass sich spätestens mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz der Abfall-Zirkus mit den Dualen Systemen erledigt hat. Die Kommunen würden die Getrenntsammlung übernehmen und nicht nur auf Verpackungen beschränken. Der Konsumgüterindustrie könnte es auch wurscht sein, ob die Gebühren für die Sammlung über Gelbe Tonnen und Säcke von privatwirtschaftlichen Müll-GEZs abkassiert oder direkt mit den Kommunen verrechnet werden. Es könnte allerdings auch sein, dass sich die Systeme untereinander zerlegen.

Nachtrag:
Ich weiß nicht, ob die zur Solidus-Firmenfamilie gehören. Jedenfalls residiert die Solidus Partners SCA in, na, wo….richtig in Luxemburg: Boulevard Napoléon 1er, 54, 2210 LUXEMBOURG.