Don Alphonso, WikiLeaks als globale Medienmarke und die feuchten Träume der Verleger

Blogger Don Alphonso hat in einem Gastbeitrag für Meedia darauf hingewiesen, WikiLeaks nicht als hackende Skandalnudel mit dem eingesperrten Graf von Monte Christo des 21. Jahrhunderts an der Spitze zu betrachten, sondern als das, was es grundsätzlich ist: eine global agierende Medienmarke, die in mehreren Sprachen erscheint und theoretisch relevante Nachrichten für die ganze Welt und jedes Land bereitstellen kann. „Während also Herr Leyendecker (von der Süddeutschen Zeitungen, gs) vielleicht eine Gefahr für einen bayerischen Staatsminister werden kann, umfasst der Markt von Wikileaks alle – jeden einzelnen Internetnutzer und alle, denen er davon erzählen kann. Leute wie meine Mutter, die kein Internet wollen, aber sich von mir vorlesen lassen, was bei WikiLeaks über den Verteidigungsminister steht. Zwar versuchen die USA gerade, den heimischen Markt zu beschränken, aber so richtig will das nicht gelingen. Das ist ein ziemlich großer Markt, auf dem es wenige Konkurrenten gibt. Die BBC vielleicht. Eventuell, in manchen Kreisen, noch die New York Times. Danach wird es schon mau: Fox News, CNN, Al Jazeera, das chinesische Staatsfernsehen, sie alle haben – global gesehen – Anteile an Regionalmärkten. Wikileaks hat, nicht zuletzt dank der globalen Botschaftsdepeschen, alles“, schreibt Alphonso.

Diese globale Marke habe etwas, von dem die Verleger von Herrn Leyendecker feucht träumen: ein funktionierendes Geschäftsmodell im Internet auf Basis der Einnahmen von Lesern. „Und das ohne jede Abhängigkeit von Werbung. Während deutsche Manager wie Herr Döpfner noch von Kostenpflicht für Apps träumen, verzichten die Nutzer von Wikileaks freiwillig auf die Kostenloskultur der Organisation und zahlen, ohne dass man sie dazu verpflichten müsste. Wie man an Wikileaks sehr schön zeigen kann, sind Nutzer im Internet jederzeit bereit, den Gegenwert eines Bild-Abos zu spenden, wenn sie nur den Eindruck haben, dass es sich lohnt. Weiterführend könnte man überlegen, warum sich diese vorbildliche Mediennutzerhaltung bei Döpfners Angeboten nicht einstellen will. Aber vielleicht wären Herrn Döpfner auch Nutzer zu viel, die ihr Lieblingsmedium spiegeln, und damit natürlich im Gegensatz zum so sehnlichst gewünschten Leistungsschutzrecht stehen“, so Alphonso.

Vielleicht habe der bei Springer offenkundig grassierende Unmut über Julian Assange auch etwas damit zu tun, dass dem deutschen Unterschichtenleitmedium Bild vorgeführt wird, wie echte Leitmedien aussehen: Eine Bemerkung von Assange über den Besitz einer Festplatte einer amerikanischen Bank und die Kurse stürzen ab. Das sei der Impact, den Medienmanager gerne hätten. Und das ist wohl auch die Motivation für den Rundumschlag des Vize-Politikchefs der Welt-Gruppe Claus Christian Malzahn gegen Assange und WikiLeaks.

„Medienhaus“ sei WikiLeaks nicht zum Selbstzweck, sondern nur aus der Notwenigkeit heraus, Regierungen und Firmen „offen zu halten“ und vielleicht ist genau diese Irrelevanz klassischer Medienbedeutungsillusion im Sinne von Döpfner und Leyendecker das ganze Geheimnis des Erfolgs: eine globale Medienmarke, ein weltberühmter Chef, wirklich relevante Informationen, ein funktionierendes Geschäftsmodell im Internet, Leser, die für ihr Medium auf die Straße gehen und Banken aus dem Netz hacken, ein einzigartiger Vorrat an Nachrichten, keine Konkurrenz und obendrein die absolute Marktführerschaft. „Würde WikiLeaks jetzt noch in jedem Land zehn wirklich unabhängige Journalisten zur Einordnung bezahlen, wäre Herr Leyendecker sicher noch weniger angetan“, so Don Alphonso.

Und natürlich verlieren Medien ihre zentrale Rolle als Drehscheibe für Informationen, liebe NZZ. Auch als Organisatoren von „massentauglicher“ Aufmerksamkeit sind sie weniger wichtig. In einem Punkt stimme ich der NZZ zu. Staat, Gesellschaft und Wirtschaft geraten durch WikiLeaks in einen Transparenz-Stress – und das ist gut so!

Die perversen Vorstellungen von schlecht angezogenen Cebit-Männern mittleren Alters

Dotcomtod-Alphonso mag die Cebit nicht. Ich mag Hannover nicht und auch die Computermesse geht mir seit Jahren auf den Zeiger. So richtig prickelnd war es auch in diesem Jahr nicht. Wer interessiert sich denn noch für Computer? Es geht um Apps, um Software, um die Wissensgesellschaft, um neue Arbeitsformen, um bürgerfreundliche Dienste des Staates, um – ja Don Alphonso – es geht auch um Social Media.

Aber nicht um Berater oder schlecht angezogene Männer mittleren Alters mit Bauchansatz, die sich auf dem Messegelände ihre Plastikschuhe ruinieren. Ich habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass es um irgendwelchen technischen Schnickschnack geht. Um den berühmten Kühlschrank, der selbständig Eier nachbestellen kann und um Roboter, die meine Haushaltsaufgaben erledigen.

Gut, Reinhard Karger, Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, sprach über Marmelade, die im Supermarkt mit mir kommunizieren kann. Das ist aber sicherlich eher metaphorisch gemeint, Don. Es geht um das Internet der Dinge und Dienste, um das jederzeit verfügbare Web, um Produktinformationen, die weit über das Haltbarkeitsdatum hinaus gehen. Siehe auch die dreiteiligen Youtube-Mitschnitte, die ich semiprofessionell (stümperhaft) angefertigt habe:

Übrigens entschied ich mich vor meiner Abreise zu den ollen IT-Managern kurzfristig gegen Plastikschuhe und wählte stattdessen braune Lederschuhe aus der Pionierzeit der amerikanischen Siedler (siehe Foto oben). Meinen Rennschlitten konnte ich nicht mitnehmen, da die Schneedecke in Hannover doch etwas dünn war. Gleiches gilt für meine Langlaufski von Fischer und für meine Carving-Ski von Völkl. Halbleere Messehallenestrichböden konnte man in Hannover ausgiebig bewundern, da muss ich dem FAZ-Buffetblogger recht geben.

Aber wo es richtig brummte, wo es gut angezogene Frauen und Männer zu bewundern gab, war die Webciety, die von Dunkelmännern der Social Media-Szene zum zweiten Mal organisiert wurde. Da gab es Lederschuhe zu bewundern, Stiefel, farbenfrohe Haarpracht, ab und zu richtig gute Vorträge. Die Halle 6 wirkte wie ein Magnet. Empfehlung an die Messeverantwortlichen: Macht doch aus der ganzen Cebit eine Webciety oder fusioniert einfach mit der IFA-Berlin.

Für die bildungsbürgerliche Modeberatung könnte man ja Don Alphonso gewinnen, der zudem die Messehallen im Stil der Renaissance (natürlich in der spanischen Variante) oder des Barocks (darauf fahren Katholiken ab) gestalten sollte. Auf alle Fälle sollte es eine Teststrecke für Rennschlitten geben, damit man mal sehen kann, was der eine oder andere Blogger wirklich drauf hat. Soweit die sportliche Kampfansage eines Bloggers mittleren Alters. Tischtennis, Kickern, Volleyball, Squash, Fußball oder Hallenslalom gingen natürlich auch.

Die Karriere des Don Alphonso und der Nutzen von Schelmexperten

Um zu verstehen, wie die „Beratungswirtschaft der Internetspezialisten ohne echte wirtschaftliche Erfolge jenseits der eigenen Einnahmen funktioniert, sollte man keine Untersuchungen bemühen, sondern ins Bücherregal greifen: Dort findet man den ‚Gil Blas‘ des französischen Autors Alain René Lesage von 1715, der die Gattung des Schelmenromans zu einem ersten Höhepunkt brachte. In diesem Werk erzählt die Hauptfigur, wie sie sich in einem korrupten und gefallsüchtigen Spanien durchzuschlagen versteht. Gil Blas ist ein Nichtskönner, mittellos und tölpelhaft, und arbeitet sich durch alle Berufe und Schichten langsam empor. Seine einzigen Qualitäten sind Flexibilität und Auffassungsgabe. Es findet sich immer ein Dummer, der Gil Blas durchfüttert, hilft, fördert und schließlich ganz nach oben bringt“, schreibt Don Alphonso, der in dem pikaresken Opus von Lesage eine recht angriffslustige Rolle spielt. So rebellisch gab er sich allerdings nur am Anfang seines Schaffens. Eine spätere berufliche Karriere machte ihn nachsichtig und gönnerhaft.

„Sollen wir dulden, dass die Briganten sie zu Opfern ihrer Barbarei und ihrer Brutalität machen? Stimmt mir zu und lasst uns diese Banditen angreifen! Sie sollen unter unsern Streichen fallen“, so Alphonso, der nicht darüber klagt, ein aus der zivilisierten Gesellschaft Verbannter zu sein. Immerhin gelingt es Alphonso, Statthalter des Königreichs Valencia und später sogar Vizekönig von Aragonien zu werden. Das er als nützlicher Idiot für die höfischen Winkelzüge von Gil Blas diente, sei nur am Rande erwähnt. Schelmexperten werden aus seinem Dasein nicht viel lehrreiches ableiten können.

Da sollte man eher zum Werk von Adam Soboczynski greifen. Der Buchtitel „Die schonende Abwehr verliebter Frauen“ würde wohl auch das Interesse von Alphonso wecken. Das Inhaltsverzeichnis könnte den Vizekönig vollends überzeugen: „Niemals perfekt scheinen“, „Auszuteilen verstehen“, „Einzustecken wissen“, „Witz zeigen“, „Vertrauen erzeugen“, „Mit Bildung glänzen“, „Einen Kompromiss vortäuschen“, „Höflichkeiten austauschen“, „Peinlichkeiten verkraften“, „Sich selbst belügen“, „Dünn sein“, „Über Bande spielen“, „Seine Meinung ändern“. Es ist sogar möglich, dass Alphonso von dem Berater-Latein wusste, wandelt doch Soboczynski auf den Spuren von Baltasar Gracián. Der spanische Jesuit lebte in der „Goldenen Zeit“. Er leitete das Jesuitenkolleg von Tarragona, predigte in Valencia und diente als Feldkaplan in der Schlacht von Lérida. Den Stoff seiner aphoristischen Schreibkünste lieferte die Grunderfahrung, dass die Wahrheit nicht ohne Waffnung durchdringt. Da das Leben seinen Kampfcharakter vollständig entfaltet, reduziert sich die ganze Moral auf die taktischen Regeln zur Behauptung inmitten einer allgemeinen Bedrohtheit. Don Alphonso wird eine Klugheitslehre von Gracián mit Sicherheit unterschreiben: „Man muss sich selbst zum Regisseur seines Mythos machen und sich durch Unfaßbarkeit und Unnahbarkeit der indiskreten Einschätzung entziehen, die alles sofort herabwürdigt und einebnet.“

Soboczynski hat aus den listenreichen Zeilen von Gracián ein Handbuch der Inszenierung, der Maskerade, der Täuschung und des strategischen Handelns komponiert. „Nie sind wir bei uns selbst“, heißt es da, „die Schöpfung, seit wir den Sündenfall erlitten, ist reines Welttheater.“

„Es mag Menschen geben – Soboczynski nennt sie Anhänger des ‚alten Wahrhaftigkeitskults‘ –, die derlei als Propaganda für die Falschheit missbilligen. Doch folgt man dem Autor, so verkennen diese vermeintlich Aufrechten nicht nur das Wesen des Menschen, sondern auch eine ehrwürdige philosophisch-literarische Tradition: die alteuropäische Moralistik. Baldassare Castiglione und Niccolò Machiavelli, die im 16. Jahrhundert kanonisch festschrieben, wie sich ‚Hofmann‘ und ‚Fürst‘ am klügsten zu verhalten haben, werden zitiert; wir begegnen Montaigne, La Rochefoucauld und vor allem dem spanischen Jesuiten Baltasar Gracián (1601–1658)“, so René Aguigah in der Zeitschrift Literaturen.

„Ein Krieg ist das Leben des Menschen gegen die Bosheit des Menschen“, heißt es in dessen ‚Hand-Orakel‘, das Arthur Schopenhauer 1832 übersetzte. „Die Klugheit führt ihn, indem sie sich der Kriegslisten hinsichtlich ihres Vorhabens bedient. Nie tut sie das, was sie vorgibt, sondern zielt nur, um zu täuschen.“ Adam Soboczynski schreibt dazu: „Was ist das Leben? Es ist ein Minenfeld. Was die Verstellung? Bedingung unseres Aufstiegs. Was ist die Liebe? Die schönste aller Täuschungen.“ Und das Kapitel 12 wird Don Alphonso runtergehen wie Öl. Es heißt „AUSZUTEILEN VERSTEHEN“. Man sollte die Schwächen anderer erkennen. „Wie irritiert reagieren eitle Menschen, wenn ihre Schönheit angezweifelt wird! Wie empfindlich berührt sind die sich intelligent Wähnenden, werden sie ihrer gedanklichen Beschränktheit überführt! Und die Stolzen, wenn sie ungeschickt sich zu verhalten genötigt sehen! Jeder Mensch hat eine Stelle, die besonders angreifbar ist, sie zu erspähen zeugt von Klugheit“, führt Soboczynski aus. Agieren sollte man dabei als Einzelkämpfer, denn es gibt kaum mehr den Komplott, der von mehreren, durch eine gemeinsame Absicht vereinte Komplizen ausgeführt wird. Die Netzwerke seien heute weitaus labiler und wechseln beständig ihre Mitglieder, als dass sich mit ihrer Hilfe ein Plan schmieden ließe.

Eine wichtige Lebensweisheit steht in Kapitel 23: „ANDERE IN RAGE BRINGEN“. Das liegt auf der Hand und braucht nicht näher erläutert werden, denn so gut wie jeder ist hässlich, der sich aufregt. Essentiell ist auch das Kapitel 19: „MIT BILDUNG GLÄNZEN“.
Hapert es mit der Bildung, sollte man sich zumindest einen kleinen Katalog kluger Sätze erstellen, damit man in Gesellschaft glänzen kann. Da hilft der Band von Pierre Bayard: „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“. Oder beherzigt doch wieder den Rat von Gracián: „Nicht aus Besorgnis, trivial zu sein, paradox werden.“

Wie der Rezensent von Literaturen finde ich es betrüblich, dass von all den Facetten des Buches es nur eine aufs Cover geschafft hat. Dort ist nur die erste Hälfte des fabulösen Titels „Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung“. abgedruckt. „Ein eher unbeholfener Verpackungszauber: Liebesratgeber, so wird sich der Verlag gedacht haben, finden mehr Käufer als Gracián-Adaptionen“, so Aguigah. Doch authentisch zu wirken, lerne man in diesem Buch (Maxime 5), ist auch im Marketing nicht falsch und gilt für Berater sowie für die Kritiker der Beraterzunft: „Einen Zauberer, dessen doppelte Böden wir erspähen, belächeln wir mitleidig“.

Wider den Hausmeister-Diskurs: Der Merve-Verlag wird 40!

Vor vierzig Jahren wurde in Berlin der Merve-Verlag gegründet und galt nach anfänglichen marxistischen Ausflügen als publizistische Zentrale von Postmoderne und Dekonstruktion. So bilanzierte der entkollektivierte Merve-Gründer Peter Gente Ende der 1970er Jahre, dass man an der Dialektik irre werde. Das Merve-Kollektiv zerbröselte irgendwann. „Unter dem Deckmantel ‚proletarischen Erfahrungsinteresses‘ flüchteten die Genossen ins partikulare Private: Bluesmusik, Nietzschelektüre, Malen. Peter Gente entdeckte das Nachtleben. Seine Unlust am Diskutieren soll in dem Maß gewachsen sein, wie er den Lockungen der West-Berliner Kneipenlandschaft erlag“, schreibt Philipp Felsch in einem Beitrag für die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ (Schwerpunkt: Die Insel West-Berlin).

Der hausmeisterliche universitäre Diskurs stand jedenfalls nicht mehr auf der Agenda des Verlages und bescherte uns doch wahnsinnig interessante Bücher. Aus der Internationalen Marxistischen Diskussion wurde ein Internationaler Merve Diskurs. Man entdeckte die Kunstszene und die Neuen Wilden, die sich im Schöneberger „Dschungel“ herumtrieben: Markus Oehlen, Rainer Fetting, Kippenberger. Entstanden sind eine Reihe von Künstlerbüchern: Godard, Heiner Müller, Minus Delta t, Blixa Bargeld und Werke über ästhetische Theorie: Roland Barthes‘ Cy Twombly, Böhringers Begriffsfelder, Hosokawas Walkman-Effekt. Dann natürlich die Merve-Champions Foucault, Virilio, Baudrillard oder Deleuze.

Später entdeckte der Berliner Verlag die Systemtheorie. Lesenswert der Luhmann-Band „Archmides und wir“ oder das Opus von Dirk Baecker „Postheroisches Management“. Äußerst unterhaltsam ist die Veröffentlichung über ein Gracian-Symposium „Klugheitslehre: militia contra malicia“.

Peter Gente hat seinem Nachfolger wohl ein schweres Erbe hinterlassen. Theoretische Diskurse stehen nicht mehr so hoch im Kurs. Vielleicht sollte sich der Verlag stärker auf die Netz-Debatten um Schirrmacher und Co. stürzen, um eine neue Generation für Merve zu begeistern. Don Alphonso könnte doch seinen Schelmenstreich gegen die Social Media-Berater ausweiten, Tim Cole sollte seine Aversionen gegen das FAZ-Feuilleton auspacken, Thomas Knüwer über die vodafonistischen Worthülsen-Manager herziehen und, und, und…..Frische Debatten braucht das Land!

Siehe auch: West-Berliner Inselleben wider die protestantischen Oberlehrer: Merve-Verleger Peter Gente

Narren, Chaotiker, Außenseiter und Regelbrecher: Strategen für turbulente Zeiten – Warum Unternehmen ihre Controller entlassen sollten

Erleidet blogjournalisten.com den dotcomtod?

Als einer der Autoren des Portals blogjournalisten.com bekam ich gestern so gegen 23 Uhr eine betrübliche Nachricht:

„Liebe Autoren,

leider müssen wir uns heute mit einer schlechten Nachricht an Euch wenden.
Wir müssen die Seite blogjournalisten.com vom Netz nehmen.
Offensichtlich unlösbare Probleme zwingen uns dazu. Gerne würde ich mehr
dazu schreiben, Euch mehr erklären, aber ich möchte nicht durch
unvorsichtige Äußerung meinerseits eine Konfliktlösung verhindern.

Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Wir haben in den letzten
Wochen versucht, eine Einigung zu erzielen
– leider ohne Erfolg. So ein
Projekt stirbt nicht einfach, deswegen versuchen wir weiterhin eine Lösung
zu finden, müssen nun aber erstmal diesen Schritt gehen.

Vielen, vielen Dank an Euch für Eure Beiträge, das Interesse und die vielen
Anregungen. Für Rückfragen stehen wir Euch gerne unter
blogjournalisten@frau-b.com zur Verfügung.

Herzliche Grüße,
Bettina Hoss

blogjournalisten UG (haftungsbeschränkt)“. Ende der Mail. Nachzulesen auch im Internet.

Zum Start des Projektes vor ein paar Monaten war man noch hoffnungsfroh. Das Angebot soll eine Alternative zum traditionellen Journalismus schaffen. „Wir könnten noch wochenlang Verlagsoberhäuptern mit Hilfe von Manifesten erläutern, wie das Internet funktioniert, doch es gibt bereits heute genügend journalistische Edelsteine da draußen, die nur aufgesammelt werden müssen“, so „Lanu“, Betreiberin der Website Boocompany. Boocompany versteht sich als der einzig legitime dotcomtod-Nachfolger und somit Europas führender Anbieter und Distributor für exitorientierte Unternehmensmeldungen. Mittels als „Boo“, „Insider“ oder „Final“ bezeichneter Negativmeldungen könnten die User über den allgemeinen Downturn informieren. Kenner der New Economy erinnern sich noch an die erfrischenden dotcomtod-Meldungen von Don Alphonso über I-D Media und Co.

Es sei schlimm genug, hieß es zur Idee von blogjournalisten.com, dass angesichts der Medienkrise immer mehr Redaktionen auf ein kreativarmes Minimum eingedampft würden. „Wer etwas zu sagen hat, sollte es auch tun dürfen. Das kann man einsam in der hintersten Ecke des Netzes tun oder auch in der Gemeinschaft der Blogjournalisten“, erläutert Lanu das Angebot.

Nun ist zu hoffen, dass Lanu mit der Geschichte nicht auch einen dotcomtod erleidet und den Exit auf boocompany verlautbaren muss.

Wer mehr weiß zu den Hintergründen, könnte das ja mal kundtun!

Sollte eine Abmahnung der Grund für die Abschaltung sein, wäre das die falsche Reaktion. Wie im Fall Jack Wolfskin hilft nur eine öffentliche Reaktion.