Bekommen wir eine deutsche @DARPA hin?Antworten von Dr. Christian Hummert, Forschungsdirektor der @CybAgBund

Mehr zu diesem Thema am Mittwoch, 20. April, um 11 Uhr im Studiogespräch mit Dr. Christian Growitsch, Leiter des Fraunhofer Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) in Leipzig.

Das Gasembargo und der Streit um Werturteile in der Ökonomik @BachmannRudi

Eine Studie zum Gasembargos sorgt für erhitzte Debatten nicht unter Ökonomen. Sachlich verlaufen solche Auseinandersetzungen kaum noch. Jüngst habe ich das zu spüren bekommen bei der Frage der Legalisierung von Cannabis. Im Prinzip halte ich die Pläne der Bundesregierung für richtig. Abstriche bei der Nüchternheit hinter dem Steuer würden mir zu weit gehen. Einen Wegfall von Grenzwerten lehne ich ab. Aber schon das reichte für einen unfassbaren Shitstorm der Cannabis-Apologeten. Ähnliches erleben jetzt die Ökonomen um Rudi Bachmann, die die Auswirkungen eines Gasembargos für wirtschaftlich vertretbar halten.

„Unverantwortlich“ sei es, „irgendwelche mathematischen Modelle zusammenzurechnen, die dann nicht funktionieren“, schimpfte Bundeskanzler Olaf Scholz vergangenes Wochenende in einem Fernsehinterview. „Auch innerhalb der Ökonomenzunft war der Ton rau. Über die ‚Ökonomen-Feldherren‘ schimpfte Gustav Horn, der früher selbst ein Institut leitete, nämlich das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung“, schreibt die FAS.

Neun Ökonomen aus Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten berechneten ein Modell der internationalen Wirtschaft und kamen zu einem klaren Schluss: „Wenn Deutschland kein russisches Gas mehr bekäme, schrumpfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt nur um höchstens drei Prozent – weniger als während der Corona-Pandemie. Kann man das glauben? Darf man so ein Modell zur Leitlinie nehmen? Der Streit tobt an diesem Wochenende immer noch – und er hat mindestens drei Dimensionen: erstens die Frage, ob das Modell richtig ist. Zweitens steckt im Kern des Streits eine Wertfrage. Und drittens geht es um den Umgang mit wissenschaftlichem Rat in der Politik“, so die FAS.

Rüdiger Bachmann, einer der Studienautoren, kritisierte zurecht, dass von den Konjunkturforschungsinstituten in Deutschland lange Zeit nichts zu hören war beim Durchrechnen der Konsequenzen eines Gasembargos für die Volkswirtschaft in Deutschland.

„In der Zwischenzeit sind auch andere Studien erschienen, sie beziffern den Schaden für die deutsche Wirtschaft eher auf fünf bis sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das wäre etwas mehr als der Corona-Schock. Und dann ist da die Frage, ob es für so ein unerforschtes Gebiet wie den plötzlichen Ausfall eines so großen Gaslieferanten überhaupt schon geeignete Landkarten gibt“, schreibt die FAS.

Nun könnten wir noch die Wirkungen des Erdgas-Röhren-Embargos aus den 1980er Jahren heranziehen. Darüber hab ich ja ein wenig geforscht am Osteuropa-Institut der FU-Berlin. War mein VWL-Wahlfach bei Professor Peter Knirsch.

Eines wird aber auch deutlich. Es geht in der Ökonomik auch um Weltanschauungen und Werturteile. Aus politischen Gründen halte ich den sofortigen Stopp des Gasgeschäftes mit Russland für unumgänglich und die wirtschaftlichen Folgen für verkraftbar. In der Regel gehen wir gar gestärkt aus so einer Krise hervor, wie nach dem Finanzcrash 2008. Da war es vor allem die Inlandsnachfrage, die zu den Stabilitätsankern zählte.

„Vielleicht sind solche Wertfragen der Grund dafür, dass sich die besonders leidenschaftlichen Gegner der Studie klar verorten lassen. Am lautesten schimpften SPD-Politiker sowie Ökonomen, die eine besondere Nähe zur SPD, zu Gewerkschaften oder zur Industrie haben“, vermutet die FAS-Redakteur Patrick Bernau.

Solche Wertentscheidungen stecken bei genauerem Hinsehen in vielen wissenschaftlichen Modellen – übrigens auch in naturwissenschaftlichen.

Das sieht Rudi Bachmann etwas anders:

Man könne Ökonomik betreiben mit einem Minimum an normativer Ausrichtung. Die Heterodoxen werden häufig als links bezeichnet. Sind dann die Mainstream-Ökonomen rechts und reaktionär, wenn das andere Lager doch angeblich links ist? Diese Stigmatisierungen führen zu nichts. So wertet Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius in Köln, meine Disputation mit Bachmann:

„Da wird, wenn es um die Pluralen geht, in politischen Kategorien wie rechts und links argumentiert, die in meinen Augen – trotz einer aktuellen Renaissance – historisch obsolet sind.“ Dann gehe es in den Antworten des Mainstream-Ökonomen direkt wieder auf eine empiristische Argumentationslinie. Das sei auch nicht schlüssig, weil beispielsweise mit der Gewichtung von Faktoren riesige Hintertüren offen bleiben. „Oder anders: Man beruft sich auf Daten, verfolgt aber de facto und durch die Hintertür interpretative Zugänge, die aber dann ausgeblendet oder gar scharf zurückgewiesen werden.“ Da hilft nur die Offenlegung von politischen Positionen.

Die FAS hat die Quellen dankenswerter Weise publiziert:

Rüdiger Bachmann u. a.: „What if? The Economic Effects for Germany of a Stop of Energy Imports from Russia“, EconTribute Policy Brief 28, März 2022.

Jan Behringer u. a.: „Ukraine-Krieg erschwert Erholung nach Pandemie“, IMK Report 174, März 2022.

Tom Krebs: „Wie man die Auswirkungen eines Gasembargos nicht berechnen sollte“, Makronom, März 2022.

Adam Tooze: „Is boycotting Russian energy a realistic strategy?“ The German case. Chartbook 97, März 2022.

#Kapitalmarkt und #Regulierung verlangen von Unternehmen nachvollziehbare Strategien für #Klimaschutz, #Energieverbrauch, #Lieferketten, #SozialeStandards

Komplette Gespräch:

Hier geht es zur Studie.

Thema läuft wie Bolle auf LinkedIn:

Statement von Professor Lutz Becker:

„Kennst ja meinen Spruch: Regulierung wirkt! Interessant, dass das von den Marktakteuren gerne ausgeblendet wird. Ich denke gerade an Deinen Topos von der Staatskunst: Genau das ist der Schlüssel. Der zweite Schlüssel ist dann natürlich das (konkrete wirtschaftliche) Interesse. Eher mittel- langfristig orientierte Investoren erkennen selbstverständlich auch, dass ihnen der Kittel brennt, und dass kurzfristige braune Profite ihnen am Ende die Gesamtbilanz verhageln können. Ich bin angesichts der ESG Regeln auf Seiten der Firmen und der SDG Orientierung staatlicher Akteure durchaus optimistisch, auch wenn es natürlich schmutzige Ausweichbewegungen geben wird. Vor dem Katz und Maus Spiel werden wir uns nicht verstecken können.“

Was denkt Ihr? Kommt genügend Druck vom Kapitalmarkt, von neuen Governance-Richtlinien und von der Regulierung?

Siehe auch:

Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Demografie und Digitalisierung: Wirtschaft geht schneller voran als die Politik – Von Rückversicherungen bis BlackRock – Gespräch mit Heidelberger-Druck-Personalchef Rupert Felder

Personalchef Heidelberger Druck: „Es wird immer schwerer Kapital zu bekommen, wenn man nicht in Nachhaltigkeit investiert“

Klimaschutz mit dem #Zukunftstaxi

Was dezentrale Arbeit für den #Klimaschutz leisten könnte und was eBikes bringen @digitalnaiv

MYTHENJAGD (14): FRACKING IST EINE HOCHRISIKOTECHNOLOGIE

Wisst ihr noch, damals? Als Fridays for Future wie ein Fanal der Hoffnung aussah?

Wenn Ökonomik in Journalen versackt: Über Sandkastenspiele und fehlerhafte Excel-Rechnungen @DrLutzBecker1 @UweSchneidewind @AchimTruger

„Die wissenschaftliche Qualifikation muss an oberster Stelle stehen, ansonsten kann der @SVR_Wirtschaft seinem Qualitätsanspruch nicht gerecht werden. Veröffentlichungen in angesehenen internationalen Fachzeitschriften können diese Qualifikation am besten belegen.“

An dieses Zitat von Isabel Schnabel zum Kandidaten der Gewerkschaften für den Sachverständigenrat musste ich denken, als ich die Wiwo-Story über die unheimliche Macht der Journals las. Es ging damals um den von mir sehr geschätzten Ökonomen Achim Truger.

Wie die Auswahl dieser so genannten Top-Journals abläuft, sollte kritisch hinterfragt werden. Das Zählen solcher Zeitschriften und die damit verbundenen Zitationsfaktoren führen zu einer merkwürdigen Kandidaten-Monotonie bei Berufungsverfahren, schrieb ich in einer Replik in Richtung von Frau Schnabel.

In der Wirtschaftswoche wurde die Dominanz der fünf führenden Fachzeitschriften trefflich hinterfragt. Was die US-Magazine betreiben, bedrohe die Themenvielfalt und begünstige Vetternwirtschaft. Letztlich sind es die Herausgeber, die am Ende des Auswahlverfahrens darüber entscheiden, ob ein Beitrag gebracht wird oder nicht. „Der amerikanische Nobelpreisträger James Heckman, selbst Mitherausgeber des ‚Journals of Political Economy, warnt vor einer ‚Tyrannei der Top Fünf‘, die zu stromlinienförmiger Forschung und strategischem Publizieren‘ führe könne“, berichtete die Wiwo.

Man könnte auch vom Arschkriecher-Syndrom sprechen, denn wer eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb anstrebt, wird an den Publikationen in den Spitzen-Journals gemessen. Dagegen regt sich zunehmend Widerstand: „Wir wollen versuchen, die Kräfte dafür zu stärken innerhalb und außerhalb der Universitäten, die daran arbeiten, dass Wirtschaftswissenschaften nicht hauptsächlich selbstbezüglich in Journalaufsätzen versacken, sondern dass sie dazu beitragen, ökonomische und gesellschaftliche Probleme zu lösen – anders als das bisher der Fall ist“, so Professor Reinhard Pfriem. In unserer Utopie-Reihe #KönigVonDeutschland haben wir Pfriem zu diesem Thema befragt:

GUNNAR SOHN: Aber es war doch so, dass kurz nach der Finanzkrise 2007 die Zerknirschung noch groß war. Ich erinnere mich an eine Jahrestagung des Handelsblatts unter dem Titel „Ökonomie neu denken”. Damals waren alle bereit zu sagen: Wir müssen uns vom Ideal des homo oeconomicus verabschieden. Wir müssen andere Wege gehen. Es muss eine normative Diskussion geben – also: Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Ich habe den Eindruck, bei den Folgeveranstaltungen von „Ökonomie neu denken” ist davon nicht viel übrig geblieben.

REINHARD PFRIEM: Das ist richtig. Im Mainstream von Ökonomik, im Mainstream von Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre, ist davon nicht sehr viel übrig geblieben. Aber die ökonomischen und gesellschaftlichen Krisen sind ja nicht vom Tisch. Insofern ist die Frage, wie weit wir es nicht mit einer Konstellation zu tun haben, die der Sozialforscher Wolfgang Streeck auf den Nenner, und auch den Titel, „Gekaufte Zeit” gebracht hat. Die wesentlichen Probleme sind eher aufgeschoben als aufgehoben. Und insofern haben wir bei allen Schwierigkeiten die Hoffnung ja noch nicht aufgegeben, dass es, aus der Krisensituation heraus, tatsächlich doch auch möglich ist, neue Lösungen zu entwickeln und neue Wege zu gehen.

Im Gespräch mit Uwe Schneidewind in seiner Zeit als Präsident des Wuppertalinstituts spielte diese Thematik auch eine Rolle:

LUTZ BECKER: Richard David Precht hat mal von Inseln des Wissens in einem Meer des Unwissens, das wir erschließen müssen, gesprochen. Ich glaube, dass ist das, was in der Ökonomie zu kurz gekommen ist. Also die Bits und Pieces auch wirklich zu verknüpfen. Wenn wir uns heute spiel- theoretische Modelle anschauen, dann sind das ja immer noch Sandkastenspiele, die eben nicht zwingend mit der Realität verknüpft sind, deren Aussagekraft aber irgendwann mal an der Realität gemessen werden muss. Das macht ja unser Leben als Ökonomen nicht gerade leichter.

UWE SCHNEIDEWIND: Es ist ein schönes Bild diese Inseln des Wissens, weil jede Form von Wissenschaft, jede Disziplin solche Inseln des Wissens erzeugt. Das Wichtige ist meines Erachtens in der akademischen Sozialisation immer wieder anzuerkennen, dass man die durch Beschränkung gewonnene Form der Tiefbohrung, die durch die eigene Disziplin möglich ist, systematisch immer wieder anders ausblenden muss. Man muss sich immer wieder bewusst sein, was da ausgeblendet wird und welche andere Disziplin gerade solche Aspekte sehr viel intensiver beleuchtet. Gerade wenn wir in sehr komplexe reale weltliche Problemlagen hineinkommen, dann braucht es insbesondere diese Haltung des gegenseitigen Respekts. Sich dann zu freuen, dass der Soziologe noch aus einem ganz anderen Blick darauf schaut, dass der Philosoph und Theologe Aspekte beleuchtet, die wir im Zusammenspiel eigentlich benötigen, um Orientierung in solchen Situationen zu verschaffen.

Gerade im deutschen akademischen System gibt es eine ganz eigentümliche Hierarchisierung. Auch innerhalb der ökonomischen Disziplin ist das ja ganz deutlich zu beobachten: Wenn man rechnen kann, wenn man gut Mathematik kann, ist das die intellektuell höhere Form. Da wird hinab geschaut auf diejenigen, die nur mit Worten argumentieren. Und wer das ganz komplexe mathematische Modell kann, ist besser als derjenige, der vielleicht eine etwas einfachere Form von ökonometrischer Studie macht. Da verbaut dieses Hierarchisierte, das sich annähern an andere Wissens- bestände an genau die notwendige Vielfalt, die es braucht. Denn eigentlich kann nur durch eine gute und intelligente Vernetzung der Inseln dann auch Orientierung in modernen Gesellschaften passieren.

GUNNAR SOHN: Aber selbst mathematisch begabten Professoren wie Carmen Reinhart und Kenneth S. Rogoff misslingt die Beherrschung von Excel und die kommen dann zu Schlussfolgerungen, beispielsweise einer Staatsverschuldung, die ziemlich verheerend sind. Immer wenn man die ganze Griechenland-Debatte und Euro-Debatte hört, wird man mit den 90 Prozent konfrontiert und ein Studierender in Amerika hat nachgewiesen, dass die beiden nicht mit Excel rechnen können und gnadenlos viele Fehler gemacht haben. Und wir werden aber immer noch aus der Politik damit konfrontiert. Also so präzise ist dann die Mathematik dann doch nicht – oder besser ausgedrückt: die Mathematik schon, aber die Anwendung von Excel dann nicht.

UWE SCHNEIDEWIND: Das sind jetzt Punkte, wo man sagen muss, dass ein klassisches, nach guten Qualitätskriterien organisiertes System das auch ausschließen müsste. Es ist schon bedenklich, dass das im Hinblick auf die Qualitätssicherung der Datengrundlagen auch bei hoch angesehenen Forschern passieren kann. Es macht einfach deutlich, wie wichtig es ist, dass diese Qualitätssicherungs-Mechanismen und die Transparenz der Datengrundlagen gerade bei einer Wissenschaft, die ganz intensiv in gesellschaftliche, ökonomische und politische Realität hineinwirkt, gegeben sein müssen. Da sind die Naturwissenschaften in den letzten Jahren auch zum Teil sehr aufgeschreckt worden, weil durch die ganz eigenen Karriereanreize und den hohen Druck, in einer ganz bestimmten Form seine wissenschaftliche Exzellenz nachzuweisen, natürlich auch der Druck größer geworden ist, zum Teil sogar Datengrundlagen ganz bewusst zu manipulieren. Aber das liegt wirklich nochmal auf einer zweiten Ebene, wo wir auch Qualitätssicherung brauchen. Das, wo das, was ich dann auch an Kritik geäußert habe, ansetzt, hat viel mehr mit einer Enge, mit einer Hierarchisierung, mit einer Hegemonialisierung, einer bestimmten Form von Insel gegenüber anderen Inseln, zu tun. Diejenigen, die für eine plurale Ökonomik plädieren, wollen genau das aufbrechen.

Das Ganze spricht doch für eine #LangeNachtDerUtopienInDerÖkonomik – Lust und Zeit?

Hier kann man übrigens den Utopie-Band erwerben.

Zum Inhalt:

#Notizzettel – Das Rennen zur Klimaneutralität ist eröffnet: Was Unternehmen jetzt tun müssen – Livetalk mit dem Analysten @SteimelBernhard

Unternehmen sehen sich angesichts des Klimawandels großen Herausforderungen gegenüber. Sie sind mit einem gesellschaftlichen Bewusst- seinswandel konfrontiert, der zu Verhaltensände- rungen bei Konsumenten, Unternehmen und Investoren führt. Zudem steht Nachhaltigkeit im

Zentrum neuer, europaweiter Regulierungen. Wie können Unternehmen darauf reagieren? Unsere These lautet: Nur mit Innovation und Digitalisierung lässt sich der Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft bewältigen.

„Das schärfste Schwert sind die Finanzen. Wenn sie nicht in Nachhaltigkeit investieren, bekommen Unternehmen kein Kapital, keine Kredite und keine guten Rankings mehr. Unternehmen werden nachhaltig oder sie verschwinden„, erläutert Professor Rupert Felder, Senior VP Global HR, Heidelberger Druck AG, im ichsagmal.com-Interview.

„Der größte Handlungsdruck entsteht durch institutionelle Anleger, die auf Nachhaltigkeit setzen, wie beispielsweise der weltweit größte Finanzinvestor BlackRock. Das Unternehmen hat klare Richtlinien etabliert, um Nachhaltigkeit in die Investitionsentscheidungen einzubauen. Der Investor berücksichtigt ESG-Kriterien bei der Bewertung potenzieller Investments. So haben Vertreter des Investors im Jahr 2020 auf den Hauptversammlungen von Unternehmen mangelnde Nachhaltigkeit kritisiert und gegen den Jahresbericht gestimmt“, schreibt Bernhard Steimel in der Nachhaltigkeitsstudie „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung“.

Für das wirtschaftlich und gesellschaftlich gebotene 1,5-Prozent-Ziel gilt dies umso mehr. So müssen die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent abgesenkt werden, um den 1,5-Grad- Pfad einzuhalten. Für Deutschland bedeutet dies: Die Wirtschaft muss insgesamt die Äquivalente von etwa 372 Millionen Tonnen CO2 durch entsprechende Maßnahmen einsparen.

Die Regulierungen der EU und in Deutschland zwingen die Unternehmen zur Anpassung. So fordert die EU Corporate Sustainability Directive ab 2023 eine Nachhaltigkeitsberichterstattung, die für Unter- nehmen ab 250 Mitarbeitern und 40 Millionen Euro Umsatz oder 20 Millionen Euro Bilanzsumme gilt.

Dadurch werden anders als in der bisherigen Gesetzeslage auch kapitalmarktorientierte Mittelständler und Familienunternehmen einbezogen. Deutlich wird das am Anstieg der Berichtspflicht: Waren bisher lediglich 550 Unternehmen zu gesonderten Nachhaltigkeitsberichten verpflichtet, sind es ab 2023 etwa 15.000.

Eine wichtige Neuerung: Der Nachhaltigkeitsbericht muss Bestandteil des allgemeinen Lageberichts sein und darf nicht getrennt veröffentlicht werden. Außerdem reicht die Veröffentlichung als PDF oder Druckwerk nicht, er muss den Behörden in digitaler Form im ESEF-Datenformat zugänglich gemacht werden. Marketing-Gedödel reicht nicht mehr aus!

Der Circular Economy Action Plan und die Sustainable Product Initiative fordern eine stärker nachhaltige Produktion und etablieren dafür den Digitalen Produktpass (DPP). Er enthält Informationen über Herkunft, Zusammensetzung, Reparatur- und Demontagemöglichkeiten eines Produktes sowie über die Handhabung am Ende seiner Lebensdauer.

Zudem verpflichtet das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Unternehmen zur Achtung von Menschenrechten durch die Umsetzung definierter Sorgfaltspflichten. Dazu gehört unter anderem die Einrichtung eines Risikomanagements, um die Risiken von Menschenrechtsverletzungen und Schädigungen der Umwelt zu identifizieren, zu vermeiden oder zu verringern.

Das Gesetz gilt ab 2023 zunächst für Unternehmen mit mindestens 3.000, ab 2024 auch für Unternehmen mit mindestens 1.000 Arbeitnehmern im Inland. Im Unterschied zum Vorgängergesetz sind bei Verstößen empfindliche Bußgelder von 100.000 bis 800.000 Euro vorgesehen.

Bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 400 Millionen Euro kann ein Bußgeld von zwei Prozent des Jahresumsatzes oder acht Millionen Euro verhängt werden. Zum Jahresumsatz werden alle dazugehörenden Gesellschaften hinzugerechnet. Dekarbonisierung und nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens haben eine grundlegende Schwierigkeit: Die Unternehmen müssen nicht nur Scope 1 (Direkte Emissionen), sondern auch Scope2 (Indirekte Emissionen von Versorgern) und Scope3 (Indirekte Emissionen in der Wertschöpfungs-/Lieferkette) berücksichtigen. Bei Letzteren sind die CO2-Werte nicht so leicht zu ermitteln. Für die Netzökonomie aber ein entscheidendes Kriterium.

Maßnahmen:

Für den Nachhaltigkeitsexperten Prof. Dr. Michael Braungart ist der richtige Weg, Innovationen zu entwickeln, die kein Abfallproblem haben oder keine Giftstoffe enthalten. Unternehmen sollten langlebige und problemlos reparaturfähige Produkte entwickeln, die dann nicht verkauft, sondern in einem Servicemodell vermietet werden, Wartung inklusive. Anschließend gehen sie dann rückstandsfrei in biologische oder technische Kreisläufe ein. Dies gelte für alle Branchen, vor allem für Schlüsselbranchen wie dem Maschinen- bau oder der Autoindustrie.

„In zehn bis 15 Jahren gibt es keinen Maschinenbau mehr in Deutschland, wenn die Unternehmen nicht auf serviceorientierte, digitale Geschäftsmodelle umsteigen. Diese Geschäftsmodelle sind die eigentliche Innovation. Doch das digitale Denken in As-a-Service-Modellen ist noch nicht überall vorhanden„, so Braungart.

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Und hier könnt Ihr mit dem Autor der Studie sprechen:

Wie Twitter-Debatten so verlaufen

Schaut man sich täglich die Twitter-Timeline oder Kuratoren-Dienste an, die das Geschehen im
Social Web zusammenfassen, dominieren rhetorische Manipulationen den politischen
Nachrichtenfluss. Egal, ob es um Flutkatastrophen, Impfpflichten oder Afghanistan geht: Da wird
verkürzt, gehetzt, unterstellt, beleidigt, denunziert, geglaubt, verurteilt, gemunkelt, selektiert,
manipuliert, verulkt und getrickst. Ein Arsenal der Fehlschlüsse – bewusst und unbewusst. Ein
Vademekum der Verfälschung. Zu den beliebtesten „Stil“-Mitteln gehört die Ad-Hominem-Attacke. Das Argument einer Person wird prinzipiell als ungültig oder falsch gewertet, weil man diese Person generell ablehnt. Motto: Schlechte Menschen können auch nur schlechte Ansichten vertreten. Gepaart wird dieser Trugschluss mit Formulierungen wie Lügner, unmoralisch, inkonsequent, Fanatiker, Heuchler,
Blender und dergleichen.

Auf Twitter würzt man diese Stigmatisierung mit schadenfrohen und madigmachenden Parolen, um den vermeintlichen Gegner lächerlich zu machen und ihn dadurch in der Öffentlichkeit herabzusetzen. Wer in einer solchen Netzdebatte die Lacher auf seiner Seite hat, wirkt glaubwürdiger, auch wenn seine Argumente nicht wirklich die besseren sind. Nachzulesen in der Rhetorik-Fleißarbeit „64 Fehlschlüsse in Argumenten“ von Albert Mößmer.

Zum Arsenal der Demontage Andersdenkender zählt die Unterstellung von unseriösen oder zweifelhaften Motiven. Es wird von ganz anderen Dingen gemunkelt. Die Zielperson für semantische Attacken verfolgt im verborgenen ganz andere Interessen, Ziele und Meta-Planungen. Besonders rührend sind jene Zeitgenossen, die ihre Gefühle in Streitigkeiten einsetzen: „Ich fühle es sehr genau, dass es nicht stimmt, was XY sagt.“ Emotionsgeladene Formeln werden inflationär geäußert: „Der Versagen des Staates“, „das unschuldige Leben“, „die kaltblütige Ignoranz“. Kommen persönliche Gefühle ins Spiel, gibt es kaum Chancen für sachliche Kommunikation.

Der kausale Reduktionismus oder Reduktionstrugschluss darf in dieser Aufzählung nicht fehlen.
Ob in der Pandemie oder beim Katastrophenschutz: Hier gab und gibt es unzählige Verzerrungen
von Ursache und Wirkung sowie unfassbar pauschale Empfehlungen für Gegenmaßnahmen. Etwa
bei den Warnungen vor Starkregen, die zu den verheerenden Fluten in Rheinland-Pfalz und NRW
führten. Schnell waren Sündenböcke und zentralistische Konzepte zur Hand, wo es doch auf
dezentrale Maßnahmen und einer besseren Vorbereitung der Bevölkerung im Krisenfall ankommt.
Schnellschuss-Argumente sind ärgerlich, denn sie behindern eine umfassende Analyse des
Geschehens und führen im ärgsten Fall sogar zu kontraproduktiven Handlungen.
Zum Repertoire der Niedertracht zählen Fangfragen: „Haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu
schlagen.“ Wer da nicht aufpasst, sitzt schnell in einer Zwickmühle und wird als
menschenverachtendes Subjekt bloßgestellt, denn schließlich versteckt der Fragende geschickt
eine Unterstellung.

Die moralische Entrüstung sehe ich in enger Komplizenschaft mit Gefühlsausbrüchen. Hier geht es nicht um Argumente, sondern um das eigene Weltbild. Ratio hilft da nicht weiter. Wenn ich mir die beliebtesten Hashtags auf Twitter anschaue, dominiert der Slogan-Beweis: Was ständig wiederholt wird, ist irgendwann auch wahr oder erreicht den Zweck der Kampagne. Eine Behauptung, die als Slogan oder Meme gebetsmühlenartig verbreitet wird, wirkt wie Gehirnwäsche. Irgendwann versagen die Mechanismen zur Überprüfung des Wahrheitsgehaltes. In der Masse der Slogans versinkt das kritische Bewusstsein. Nicht fehlen in der Auflistung der rhetorischen Niedertracht darf das Strohmann Argument. Dem Widersacher werden Entwicklungen, Meinungen, Haltungen oder Tatsachen untergeschoben, für die er gar keine Verantwortung trägt oder die er nie geäußert hat. Beispiel mein Hinweis bei einer Grenzwerte-Diskussion auf meine eigene Vorgehensweise, die dann völlig ins Gegenteil gewendet wird mit dem Hinweis, wer gelegentlich Kaffee, Tabak oder dergleichen konsumiert, dann komplett aufs Auto verzichten müsse. Das habe ich nicht geschrieben und das kann man aus meinem Tweet auch nicht ableiten.

Letztlich geht es vor allem bei politischen Auseinandersetzungen darum, eine Persönlichkeit schon im Vorfeld eines Ereignisses zum Abschuss freizugeben und zu diskreditieren: Das Strategem der
Brunnenvergifter. Als Gegenmittel empfehle ich den kritischen Rationalismus des Wissenschaftstheoretikers Hans Albert. Arpard-Andreas Sölter hat das in einer Albert-Hommage gut zum Ausdruck gebracht. Nichts gilt als unbezweifelbar. Rationale Kritik unterwirft sich weder dem Mainstream, Kampagnen oder dem politischen Konformismus. Sie überprüft ständig Glaubenssysteme, Aussagen, Thesen, Überzeugungen und Ansichten.

Cannabis-Diskurs geht übrigens auch sachlich:

Emotionen als Terra incognita der Zukunftsforschung: Livetalk von #D2030

Zukunft bewegt. Sie wird herbeigesehnt oder befürchtet. Mit ihr verbinden sich Hoffnungen und Ängste. Sie bietet Raum für Wünsche und für Pläne, für Visionen und Utopien. Bilder, die wir uns von der Zukunft machen, sind regelmäßig Gegenstand gesellschaftlicher oder persönlicher Auseinandersetzungen. Emotional aufgeladen als Schreck- oder Wunschbilder beeinflussen sie die Politik, mobilisieren oder entmutigen die Menschen und entscheiden über Wohl und Wehe von Absichten, Planungen und Projekten. Dennoch haben sich Zukunftsforschende bislang kaum systematisch mit der Rolle von Emotionen in ihrer Arbeit befasst. Wie fast alle Forschungsdisziplinen operiert auch die Zukunftsforschung eher mit Daten, Fakten und Modellen als mit diffusen Gefühlslagen. Zu Unrecht, denn Emotionen lenken unsere Aufmerksamkeit, beeinflussen unsere Wahrnehmung und prägen unser Denken maßgeblich. Ob Tunnelblick oder Denkbarriere, ob Offenheit für Neues oder Interesse an Veränderung: Stets sind Gefühle im Spiel – und haben einen entscheidenden Anteil daran, welche Zukünfte sich in der Realität durchsetzen.

Noch bevor die „Fridays for Future-Bewegung“ und die Corona-Pandemie aufkamen, entstand daher in der Zukunftsforschungs-Community die Idee, dem Zusammenhang von Zukunft und Emotionen einmal näher auf den Grund zu gehen. Entstanden ist daraus der Sammelband „Gefühlte Zukunft“, der im April 2022 im Springer Verlag erscheinen wird. Wir diskutieren mit den drei Herausgeber*innen des Buches unter anderem die Frage: Können Zukunftsbilder und Emotionen helfen, die transformativen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern? Oder stehen uns Gefühle dabei eher im Wege?

Diskussion mit: M. A. Katharina Schäfer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Arbeitswissenschaften der RWTH Aachen University. Ihr Forschungsinteresse umfasst das Gebiet zukünftiger Arbeitsmodelle, insbesondere die ergonomischen, ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekte des Feldes der plattformbasierten Arbeit. Sie promoviert im Bereich der Innovations- und Zukunftsforschung. Dr. Karlheinz Steinmüller ist Mitgründer des Beratungsunternehmens Z_punkt The Foresight Company. Sein besonderes Interesse gilt schwer vorhersehbaren, überraschenden Entwicklungen. Er hat zudem mehrere Sachbücher über Zukunftsforschung und zahlreiche Science Fiction-Bücher publiziert. Prof. Dr. Dr. Axel Zweck ist Bereichsleiter für Forschung und Entwicklung in der VDI Technologiezentrum GmbH und Honorarprofessor für Innovations- und Zukunftsforschung an der RWTH Aachen. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der Identifizierung und Analyse gesellschaftlicher und technologischer Zukunftsthemen. Moderation: Beate Schulz-Montag, Zukunftsforscherin beim foresightlab in Berlin und Mitglied im Vorstand des Vereins D2030 – Deutschland neu denken e.V.

@EFI_Kommission: Bundesregierung muss mehr Dynamik bei der Digitalisierung entfalten – Nicht auf Agenturlösungen als Allheilmittel setzen @SPRIND @KfW_Research @BitkomResearch @BMDV_bund

Die digitale Transformation verläuft in Deutschland sehr schleppend und müsse deshalb in der neuen Legislaturperiode deutlich forciert werden. Das geht aus dem Jahresgutachten 2022 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hervor. Mit den bisherigen Strukturen und Prozessen innerhalb der Bundesregierung sei es trotz aller Bemühungen nicht gelungen, die im internationalen Digitalisierungswettbewerb notwendige Dynamik zu entfachen. EFI hatte sich im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen dafür ausgesprochen, die Digitalisierung mit einem Ministerium neuer Prägung voranzutreiben und dieses mit Strukturen und Prozessen auszustatten, die agiles Politikhandeln ermöglichen.

„Anstatt ein eigenes Digitalministerium einzurichten, hat die neue Bundesregierung die Zuständigkeiten des bisherigen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ausgebaut, was durch die Umbenennung des Hauses zum Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) unterstrichen wird. Daneben verbleiben viele mit der Digitalisierung verbundene Aufgaben in anderen Ressorts. In dieser neuen Struktur ist es erforderlich, die digitalpolitischen Aktivitäten der verschiedenen Ressorts straffer als bisher zu koordinieren und aufeinander abzustimmen.“

Dazu müssten neben den Zuständigkeiten der verschiedenen Ressorts auch die Schnittstellen klar definiert werden und durch entsprechende ressortübergreifende Projektteams oder Taskforces eine strukturelle Verankerung erhalten. Hier sieht auch der Spitzenverband Bitkom Handlungsbedarf:

„Das neu formierte Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat den Anspruch, die digitalpolitische Federführung zu übernehmen. Das umfasst auch die Verantwortung für das Digitalbudget und Ausführung des Digitalisierungschecks für Gesetze – ein Novum in der deutschen Digitalpolitik, das wir sehr begrüßen. Aktuell geht es darum, die getroffenen Vereinbarungen in die Praxis umzusetzen“, fordert Bitkom-Präsident Achim Berg.

Der Organisationserlass, der die Neuverteilung der Kompetenzen unter den Ministerien regelt, müsse zügig umgesetzt werden und in einer klaren, unmissverständlichen Aufgabenzuweisung münden. Neben dem Digitalministerium werden auch künftig das Innen-, Wirtschafts- und Forschungsministerium Verantwortung für ihre jeweiligen Bereiche in der Digitalpolitik tragen, wie auch die Ministerien für Justiz sowie Umwelt- und Verbraucherschutz.

„Selbstverständlich hätten wir uns gewünscht, man wäre die Bündelung digitalpolitischer Kompetenzen entschiedener und mutiger angegangen. Wichtig ist jetzt, dass alle Ressorts in digitalpolitischen Belangen an einem Strang ziehen, dem Digitalministerium dabei eine führende Rolle zubilligen und schnell Ergebnisse liefern“, erläutert Berg.

Im neuen Jahresgutachten fordert EFI eine zügige Verbesserung der Bedingungen der Agentur für Sprunginnovationen (SprinD).

„Um ihre spezifischen Aufgaben bewältigen zu können, erhielt die SprinD einen institutionellen Aufbau, der sich deutlich von den Strukturen der Ministerien und Projektträger unterscheidet. Die Expertenkommission hat die Gründung der SprinD ausdrücklich begrüßt und fordert die Bun- desregierung dazu auf, die im Koalitionsvertrag angekündigte Verbesserung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für die SprinD zügig und wirkungsvoll umzusetzen. Dazu sind beispielsweise vergaberechtliche, haushaltsrechtliche sowie beihilferechtliche Spielräume mutiger auszuschöpfen und zu erweitern. Wichtig ist, dass die SprinD unabhängig von einer operativen Steuerung durch die Ministerialbürokratien agieren kann.“

Allerdings sollte man in der Öffentlichkeit nicht nur auf die rechtlichen Restriktionen verweisen, mahnt der EFI-Vorsitzende Professor Uwe Cantner. Schon jetzt sei vieles möglich mit der Agentur.

Kritisch sieht die Expertenkommission die Gründung von zwei weiteren Agenturen: Mit dem Ziel, anwendungsorientierte Forschung und Transfer sowie regionale und überregionale Innovationsökosysteme zu stärken, ist beispielsweise die Gründung einer Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) geplant. Sie soll laut Koali- tionsvertrag soziale und technologische Innovationen insbesondere an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) sowie kleinen und mittle- ren Universitäten fördern. Bestehende Förderprogramme für HAW sollen nach Bekunden der Regierungsparteien die Grundlage für die DATI bilden und ausgebaut werden.

„Die Expertenkommission sieht die Gründung solch einer Agentur mit Skepsis. Die der DATI zugedachten Aufgaben decken sich in weiten Teilen mit denen, für die die Projektträger zuständig sind. Die Expertenkommission vertritt die Ansicht, dass die Gründung neuer Agenturen nur dann sinnvoll ist, wenn sie Aufgaben im deutschen F&I-System übernehmen, die zuvor nicht – weder durch staatliche Förderprogramme und Forschungseinrichtungen noch hinreichend durch das Engagement privater Akteure – abgedeckt wurden und zu deren Erfüllung institutionelle Voraussetzungen nötig sind, die noch nicht existieren.“ Dies könne man bei einer DATI nicht erkennen.

Die Regierungsparteien planen zudem, die Förderbank KfW als Innovations- und Investitionsagentur auszubauen – insbesondere für KI, Quantentechnologie, Wasserstoff, Medizin, nachhaltige Mobilität, Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. „Die Expertenkommission hält es für sinnvoll, die Funktion der KfW als Förderbank, die Investitionen in innovative Technologien ermöglicht und als Ko-Wagniskapitalgeber fungiert, zu stärken. Sie spricht sich jedoch gegen einen Ausbau der KfW zu einer Agentur aus, die klassische F&I-Förderung betreibt.“

Siehe auch:

Mehr Firmengründungen statt neue Innovationsagenturen #btw21 @EFI_Kommission @tj_tweets @rafbuff @Breitseiten @VBanholzer

Europa, der Staat und die Innovationen

Warum die deutschen Leistungen in der KI unterschätzt werden -Antworten von @Robert_Weber_

Ob Patente und Veröffentlichungen wirklich belastbare Indikatoren sind, um die Stärken und Schwächen im digitalen Kontext zu messen, ist mehr als fraglich: Das systematische und planmäßige Erfinden in Konzernen produziert nach Auffassung von Wolf Lotter zuverlässig eine Vielzahl an Patententen und Rechten, der Wirksamkeit allerdings fraglich ist. Da helfen dann auch nicht Erbsenzählereien in irgendwelchen Studien zur KI-Forschung weiter. Lotter verweist auf die amerikanische Innovationsforscherin Rosabeth Moss Kanter, die dieses Dilemma sehr schön auf den Punkt bringt: Meistens folgen den großartigen Innovationsankündigungen mittelmäßige Ausführungen, die anämische Resultate nach sich ziehen. Irgendwann schlägt dann das Controlling zu. Moss Kanter nennt diese Vertreter „Innovations-Ersticker“. 

Deutschland braucht im Digitalen neuen Gründergeist @KfW_Research @BarEngels

Barbara Engels vom Institut der deutschen Wirtschaft

Kompetenzsouveränität ist nach Ansicht von Barbara Engels vom Institut der deutschen Wirtschaft die Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit sowie Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft: „Die Stärkung der digitalen Kompetenzen in der Gesellschaft ist somit eine zentrale Aufgabe, um die Digitalisierung der Wirtschaft in Deutschland nachhaltig voranzutreiben. Dabei geht es nicht nur um Kompetenzen für den Arbeitsmarkt, sondern auch um Kompetenzen, um als Privatperson an der Digitalisierung teilzuhaben.“

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz wurden in einem Index die Stärken und Schwächen von Unternehmen bei der Digitalisierung analysiert. Besonders schwach schneidet die Branche für Logistik und Verkehr ab. Der Indexwert in der Branchengruppe Verkehr und Logistik sinkt von 75,4 auf 70,1 Punkte. Die Branchengruppe erreicht ihr bestes Ergebnis in der Kategorie Prozesse, ihr schlechtestes bei den Forschungs- und Innovationsaktivitäten.

Die Prozesse sind die einzige Kategorie, in der Verkehr und Logistik einen überdurchschnittlichen Wert erzielt. Sie gewinnt dort 20,2 Punkte hinzu. Verluste werden bei Produkten (minus 32,0 Punkte), Geschäftsmodellen (minus 20,1 Punkte) und in der Qualifizierung (minus 6,8 Punkte) verzeichnet. Verkehr und Logistik bilden 2021 wie auch 2020 das Schlusslicht in der Kategorie
Innovationslandschaft. Das ist betrüblich. Gerade bei der Organisation der Verkehrswende, bei der Elektrifizierung und beim autonomen Fahren sollten eigentlich hohe Investitionen für Forschung und Innovation auf der Tagesordnung stehen. Vor allem große Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten verzeichnen im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 Zuwächse. Ihr Indexwert steigt von 199,6 auf 205,2. Sie bleiben die am stärksten digitalisierte Unternehmensgrößenklasse und erreichen weiterhin einen mehr als doppelt so hohen Indexwert wie die kleinen Unternehmen.

Mittlere Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten verlieren Indexpunkte. Ihr Indexwert sinkt von 125,9 auf 119,4. Noch nie haben so viele kleine und mittlere Unternehmen ihre ursprünglichen Investitionspläne nicht wie vorgesehen umgesetzt. Das belegt eine Studie der KfW. Es dominieren kleinere Investitionsvorhaben zur Anpassung und Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs.  Firmenchefin Kerstin Hochmüller sieht dennoch die Perspektiven für den Mittelstand positiv. „Besonders im technischen Sektor sehen wir eine hohe Investitionsbereitschaft.“ Familienunternehmen
würden generell vorsichtiger agieren.

„Wir hatten Jahre des Wachstums, wo Kapazitäten extrem ausgelastet waren. Bevor man das nächste Investment tätigt, schaut man sich sich die aktuellen Geschehnisse genau an“, so Hochmüller vom Antriebsmotorenhersteller Marantec. Wenn sich das Krisenszenario abschwächt, geht die Firmenchefin von einem gewaltigen Investitionsschub aus.  Generell ist für die Marantec-Chefin der Zeitpunkt gekommen für Kooperationen und Netzwerke. „Wir müssen jetzt Dinge tun, die wir vorher nicht für nötig gehalten haben.“ Besonders Mittelstandsunternehmen seien bereit, ins Risiko zu gehen. Optimismus ist dabei ein Kriterium für die Bereitschaft für Neuinvestionen, betont die KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib. „Wenn wir die Barrieren wegräumen, ist mit einem Nachholwachstum zu rechnen. Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt, wie noch nie.“ Allerdings seien weitere Anstrengungen vonnöten: Aus- und Weiterbildung, Gründergeist, Innovationskraft, Wirtschaftsförderung, finanzielle Unterstützung. „Hier muss Deutschland jetzt einiges tun, um Weltspitze zu bleiben“, fordert Köhler-Geib.

Übrigens besonders in der Förderung von Startups. „Für den Innovationsstandort Deutschland stellt die Abwanderung von Start-ups einen Verlust von Knowhow und Beschäftigungspotenzial dar. Für den Schritt ins Ausland ist nach Einschätzung deutscher Wagniskapitalgeber ein besseres Finanzierungsumfeld der wichtigste Entscheidungsfaktor. So zählen bessere Finanzierungs- und Exitmöglichkeiten sowie ein vorteilhafteres Bewertungsniveau zu den bedeutendsten Abwanderungsmotiven deutscher Start-ups“, teilt KfW mit.

Sprunginnovationen, Merkel und der DARPA-Effekt – Fragen zur Sicherheitspolitik @BMWK @c_lindner @BMVg_Bundeswehr @OlafScholz @DARPA

Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel hat 2021 ein paar wichtige Gedanken zur Innovationspolitik gesagt, die jetzt wieder auf die Agenda gesetzt werden sollten im Zuge der geplanten Ausgaben für die Verteidigung.

Ein paar Fragen sind schon bei mir eingetrudelt. Danke für die großartige Netzwerk-Kommunikation 🙂

  1. Verlangt die gegenwärtige Sicherheitslage aufgrund ihrer beispiellosen Komplexität (konventionelle Bedrohung, nukleare Bedrohung, Cyber-Bedrohung, hybride Kriegsführung, Multi-Fronten-Auseinandersetzung, Wirtschaftskrieg, Rohstoffkrieg, Energiekrieg, sozial-mediale Botkriege etc.) innovative Defensiv- und Offensivinstrumente, mithin eine massive Beschleunigung des Technologietransfers in der Verteidigungsforschung?
  2. Braucht es multidimensional robuste Systeme, mehr Dezentralität, mehr Autonomie, mehr Redundanz, mehr Selbstorganisation? Was sind die Kosten, was der Nutzen solcher Systeme und wie wird die quantifiziert?
  3. Wie kann es gelingen, dass die Verteidigungsmehrausgaben eine doppelte Dividende generieren, neben höherer Verteidigungsfähigkeit auch positive Innovations- und Wachstumsimpulse? Vorbild DARPA
  4. Ein spannendes Thema wird sicherlich die Digitalisierung der Land-Streitkräfte sein. Hinzu kommt du Revitalisierung kommunaler Infrastrukturen von Standort-Gemeinden, Breitband Anschlüsse an Kasernen, 5G-Campusnetze an Militärstationen und so weiter und sofort. Wie sehen Sie das?
  5. In welchen Bereichen sehen bestehen jetzt besondere Herausforderungen für die Cyberagentur? In der IT-Technik?
  6. Welchen Anteil der 100 Mrd. zusätzlich für den Verteidigungshaushalt sollte in Cybersicherheit investiert werden?

Habt Ihr weitere Fragen, die wir in diesem Zusammenhang diskutieren sollten?

Diese Thematik gehört auf alle Fälle dazu:

Antworten folgen in den nächsten Tagen und Wochen 🙂